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	<title>FJM-Ritter - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Margaretha_Maria_Alacoque&amp;diff=24630</id>
		<title>Margaretha Maria Alacoque</title>
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		<updated>2013-03-10T13:26:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Ausführliche Lebensbeschreibung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Margaretha Alacoque1.jpg|right|250px|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[16. Oktober]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Die hl. Margaretha Maria Alacoque&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie war am 22. Juli 1647 zu Lauthecour in Bourgogne, Bisthums Autun, geboren. Ihr Vater, Claude Alacoque, vermählt mit Philiberte Lamyn, war daselbst Gerichtshalter. Die Heilige war ihre einzige Tochter neben vier Söhnen. Schon im achten Lebensjahre verlor sie ihren Vater. Nachdem sie ein paar Jahre im Institute der Clarissinnen zu Charoles zugebracht hatte, fiel sie in eine tödliche Krankheit, von welcher sie in Folge eines der [[Gottesmutter Maria|seligsten Jungfrau]] gemachten Gelübdes wieder genas. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jungfrau schwankte sie längere Zeit in ihrer Standeswahl, aber nur weil Mutter und Brüder in sie drangen, daß sie sich verheirate. Bald aber erkannte sie, daß die Ehe nicht ihr Beruf sei, und wählte den göttlichen Heiland zu ihrem einzigen und ausschließlichen Bräutigam. Am 25. Mai 1670 trat sie endlich in das Kloster vom Orden der Heimsuchung zu Paray. Als Novizin schrieb sie mit ihrem Blute auf ein Blatt Papier folgendes Gelöbniß:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;»Ich armes und elendes Nichts beteure meinem [[Gott]], mich Allem, was Er von mir begehrt, zu unterwerfen und zu opfern, indem ich mein Herz der Erfüllung dessen, was Ihm gefällt, ohne jeden andern Vorbehalt, als den seiner größern Verherrlichung und seiner reinen [[Liebe]] darbringe. Ich widme und überlasse Ihm mein ganzes Sein und alle Augenblicke meines Lebens. Ich bin immerdar meines Heißgeliebten Dienerin, Sklavin, Geschöpf - da Er ganz mein ist, seine unwürdige Braut, die der Welt abgestorbene Schwester Margaretha Maria. Alles in Gott und Nichts in mir. Alles Gott und Nichts mir. Alles für Gott und nichts für mich.«&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Geiste war sie ins Kloster getreten, und so blieb sie bis an ihr Ende. Sie ist die Begründerin der Andacht zum heiligsten [[Herz Jesu|Herzen Jesu]]. Als sie eines Tages ihren göttlich Bräutigam bat, von ihrem Herzen Besitz zu nehmen, kam es ihr vor, als nehme der Sohn Gottes wirklich ihr Herz und lege dasselbe in sein Herz, das sie durch die Seitenwunde erblickte, und ihr leuchtend wie die Sonne, glühend wie ein Feuerofen erschien. Ihr Herz kam ihr wie ein Atom vor, das in die Tiefe dieses Ofens hinabsank. Dann sprach der Herr zu ihr: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;»Du hast bisher nur den Namen meiner Magd geführt; fortan werde ich dir den Namen dergeliebten Jüngerin meines Herzens geben.«&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:HerzkussJesu.jpg|left|150px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Zeit hatte sie eine Wunde und mitunter sehr heftige Schmerzen an der Seite, besonders empfindlich waren dieselben am ersten Freitage jedes Monats. Die Schwestern, welchen sie nach der Ordensregel die Ekstase mitteilen mußte, gaben Nichts darauf und betrachteten sie lediglich als ein Hypochondrische, als eine Visionärin. Sie hatte seit dieser Zeit viele Unannehmlichkeiten zu ertragen, die erst mit dem Eintreffen des P. Colombiere aus der Gesellschaft Jesu in Paray etwas gemildert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Einführung des Hochfest [[Herz Jesu]]&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er erkannte die tiefe und aufrichtige Frömmigkeit der Seligen und weihte selbst am 21. Juni 1675, am Freitage nach der Frohnleichnams-Oktave sein Herz dem Herzen Jesu zu besonderer Verehrung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch gewann diese Andacht durch seine Aufmunterung in der Stadt Paray viele Teilnehmer. Sie schrieb unter Anderm über diese Andacht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;»Mein göttlicher Heiland hat mir zu erkennen gegeben, wie diejenigen, welche am Heile der Seelen arbeiten, die Kunst besitzen werden, die verhärtetsten Herzen zu rühren und mit wunderbarem Erfolge zu wirken, wenn sie selbst von einer zärtlichen Andacht zu seinem göttlichen Herzen durchdrungen sind. Was die weltlichen Personen anbetrifft, so werden sie durch dieses Mittel alle in ihrem Stande notwendige Hilfe finden: Frieden in der Familie, Erleichterung in ihren Arbeiten und den Segen des Himmels bei allen Unternehmungen. Und ach, wie süß ist es zu sterben, wenn man eine beständige Andacht zum heiligen Herzen dessen gehabt hat, der uns richten wird.«&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indessen fand die Andacht viele Gegner, sie wurde sogar öfter verboten. Aber die beharrliche Frömmigkeit der Seligen überwand diese Hindernisse; die Andacht wurde endlich gut geheißen und verbreitete sich in fast wunderbarer Weise. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben vielen andern Gnaden erhielt sie auch besondere Offenbarungen über die Leiden der armen Seelen, denen sie durch außerordentliche Opfer zu Hilfe kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Ende Ihres irdischen Lebens&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr seliger Tod erfolgte am 17. October 1690. Ihr Antlitz war nach dem Tode schöner und lieblicher als zuvor. Als man in der Stadt ihr Hinscheiden vernahm, hieß es allgemein: »Die Heilige ist gestorben«. Jedermann wollte Reliquien von ihr besitzen und ihr Andenken blieb fortwährend in Ehren. Es geschahen viele Wunder an ihrem Grabe und selbst in weiter Ferne auf ihre Fürs bitte. &#039;&#039;(VIII. 6)&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[Heiligen-Lexikon: Margarita Maria Alacoque, B. (19). Vollständiges Heiligen-Lexikon, S. 25597 (vgl. HL Bd. 4, S. 137 ff.)&#039;&#039;]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: (VIII. 6). Heiligen-Lexikon: Margarita Maria Alacoque, B. (19). Vollständiges Heiligen-Lexikon, S. 25597 (vgl. HL Bd. 4, S. 137 ff.) / nach Vollständiges Heiligen-Lexikon von J.E. Stadler, F.J.Heim und J.N. Ginal, Augsburg 1858-1882, digitalisiert und mit freundlicher Genehmigung von Digitale Bibliothek, Verlag Directmedia Publisching GmbH, CD DB 106,  http://www.zeno.org, von FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Ausführliche Lebensbeschreibung&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stifterin der Andacht zum heiligsten Herzen Jesu&lt;br /&gt;
Jahr 1690&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowie Gott einst nach den Worten seines Sohnes Jesus, &amp;quot;dass er seine Geheimnisse den Klugen und Weisen dieser Welt verberge, den Kleinen aber, den Einfachen und Demüthigen offenbare&amp;quot; - (Matth. 11.), die selige Juliana von Levden auserwählt hat, das Fronleichnamsfest in seiner heiligen Kirche einzuführen, so wählte er auch die schwache, aber im Glauben und der Liebe starke Jungfrau Margaretha aus, der Welt in neuerer Zeit die Schätze seiner Erbarmungen durch die Andacht zum liebreichsten Herzen Jesu kund zu geben. - Lies und bewundere und bete an die heiligen Wege Gottes, die Offenbarungen seiner Liebe zu seiner heiligen Kirche und ihren Kindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geboren im Jahre des Herrn 1647 zu Lanthekourt, der französischen Provinz Burgund, hatte sie zum Vater den gottesfürchtigen Klaudius Alacoque und zur Mutter die fromme Philiberta. Noch kannte sie nicht das Gute und Böse, als ihr Gott schon eine große Furcht vor der häßlichen Sünde in das Herz pflanzte, so daß die Eltern nur das Wort Sünde aussprechen durften, um sie vor jeder kindlichen Unart abzuschrecken. Der nämliche, gütige Gott aber, der ihr einen solchen Abscheu vor der Sünde einflößte, lernte sie auch die hohe Gabe der Reinigkeit und Keuschheit kennen und lieben. Noch nicht vier Jahre alt, fühlte sie sich unabläßig gedrängt, diese Worte zu sprechen: &amp;quot;Mein Gott! ich weihe dir meine Reinigkeit, ich lege das Gelübde beständiger Keuschheit vor dir ab.&amp;quot; Der heiligen Messe wohnte sie immer auf den blossen Knieen liegend bei, und da geschah es, daß sie einmal bei der heiligen Wandlung ohne zu verstehen, was sie that, aber innerlich dazu angetrieben, das Gelübde immerwährender Keuschheit ablegte.  Es wollte nämlich Jesus das Herz dieses Kindes zu einem reinen Gefäße seiner Gnaden, zur Wohnung seiner Majestät sich bilden . -&lt;br /&gt;
Wie die jungen Pflänzchen, wie die Blümlein im Garten immer den wärmenden Strahlen der Sonne sich zuwenden, so auch fühlte sich die kleine Margaretha zum heiligsten Altars-Sakramente hingezogen, wo Jesus, die göttliche Sonne der Gerechtigkeit, weilt. Niemand hatte ihr davon gesagt, aber sie fühlte es im Herzen; deshalb eilte sie bei jeder Gelegenheit der Kirche zu, kniete sich vor dem Tabernakel nieder, faltete ihre Händlein und betrachtete ganz in sich versenkt die Liebe des göttlichen Heilandes, von dem sie aus dem Munde der Eltern schon so viel Liebes vernommen hatte. Dieser Liebe zu Jesus gesellte sich noch eine innige Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria bei und ein heftiges Verlangen nach Einsamkeit. Oft und oft dachte sie über das wunderbare Leben der heiligen Gottesmutter nach und empfahl ihr mit kindlichem Vertrauen all ihre kleinen Angelegenheiten. Schon damals, erst 4 Jahre alt, mchte sie das Gelübde, alle Samstage zu ihrer Ehre zu fasten, und, wenn sie einst lesen könnte, täglich die kleinen Tagzeiten zu beten. Kaum hatte sie den Rosenkranz kennengelernt, als sie ihn auch täglich betete und zwar so oft es sein konnte, mit ihrem Antlitze auf der Erde liegend. Diese Liebe vergalt ihr auch die liebreichste Mutter mit ihrem sichtbaren Schutze. Wie ein süssduftendes demüthiges Veilchen blühte sie heran, von keinem Hauche der Welt befleckt, von Jedermann bewundert über die reichen Gaben, womit sie der Herr schon bereichert hatte. In dem Alter, wo andere Kinder erst den Namen Tugend hören, übte sie dieselben, und wo andere erst anfangen zu beten, übte sie schon, von Jesus selbst belehrt, das innerliche Gebet wie eine Meisterin.&lt;br /&gt;
Als sie acht Jahre alt war, starb ihr Vater, und ihre Mutter, welche ein großes Haushalten zu führen und für noch vier Knaben zu sorgen hatte, schickte Margaretha, die einzige Tochter, in das Kloster St. Klara von Charolles zur Erziehung, wo sie sehr gut unterrichtet und in ihrem neunten Jahre schon zur ersten heiligen Kommunion zugelassen wurde. Was der göttliche Kinderfreund Jesus im liebenden Herzen dieses engelreinen Mädchens wirkte, wurde bald sichtbar. Margaretha verlor alle Freude an Kinderspielen und andern Unterhaltungen ihres Alters; sie fühlte sich in ihrem Innern angetrieben, die Einsamkeit zu suchen und dort zu beten, und zwar immer mit dem Angesichte auf der Erde und mit bloßen Knieen, ließ aber davon nichts merken. Dabei ahmte sie in allen Stücken die Klosterfrauen nach, die sie alle für Heilige hielt, und hatte auch das Verlangen, in diesem Kloster zu bleiben.&lt;br /&gt;
Nun aber überfiel sie eine schwere Krankheit, die vier Jahre dauerte. Sie konnte weder gehen noch essen, noch schlafen, noch auch kaum sich bewegen; bis auf Haut und Bein zehrte sie ab. Ihre Mutter holte sie deswegen nach zwei Jahren auch aus dem Kloster ab. Alle Kunst der Ärzte und Kraft der Arzneien konnten die Krankheit nicht heben. Da fühlte sich Margaretha innerlich angetrieben, der seligsten Jungfrau Maria das Gelöbnis zu machen, wofern sie wieder gesund würde, in ihren Orden von der Heimsuchung zu treten. Kaum hatte sie das Gelübde gemacht, war sie auch geheilt, und von jetzt an ergab sie sich ganz dem Schutze der Gottesmutter, und diese hinwiederum nahm sich um Margaretha wie eine zärtliche Mutter an, lehrte sie den Willen Gottes thun und wies sie zurecht, wenn sie fehlte. „Als ich einst, erzählte sie selbst, den Rosenkranz sitzend betete, erschien mir die heilige Jungfrau und sprach: „Wie, meine Tochter! Also dienst du mir so nachlässig?“ Nachdem sie vollkommen genesen war, ergab sie sich mit neuem Eifer dem Gebete und der Abtödtung. – Vier Stunden des Tages betete sich, die übrige Zeit gehörte der häuslichen Arbeit; dreimal die Woche fastete sie und oft aß sie auch ganze Tage nichts. Mit härenen Bußkleidern, Geißeln und Ketten peinigte sie ihren zarten Leib. Der blanke Fußboden war ihr Lager, mehrere Stunden der Nacht brachte sie in Betrachtung zu, obwohl sie von Geschwüren an den Füssen geplagt wurde, wovon sie aber Gott wunderbar heilte. Da aber ihre Mutter und Brüder wegen ihrer Gebrechlichkeit sehr zart mit ihr umgingen und ihr schmeichelten, so geschah es, daß sie, dreizehn Jahre zählend, nach und nach in ihren guten Übungen lau wurde; die Eitelkeit schlich in ihr Herz, sie ergab sich den Vergnügungen, ließ sich aber niemals etwas zu Schulden kommen, was den strengsten Wohlstand verletzt hätte. Vielmehr galt ihr Leben in den Augen der Mutter für ein heiliges, aber nicht so in den Augen Gottes, - der auch nicht den geringsten Flecken an der reinen Seele seiner Braut sehen wollte, und sie daher strenge heimsuchte.&lt;br /&gt;
Ihre schon bejahrte Mutter überließ das ganze Haushalten drei Dienstboten und diese behandelten nun Mutter und Tochter auf die roheste Weise. Oft hatte Margaretha keine Kleider, um in die heilige Messe zu gehen und mußte sie entlehnen, weil die Schlüssel zu den Kleiderkästen ihr nicht gegeben wurden. Es kam so weit, daß sie ohne Erlaubnis dieser Dienstboten nichts mehr thun, ja nicht einmal aus dem Hause gehen durfte. Da suchte nun Margaretha ihren Trost bei dem heiligsten Altarssakramente, wo sie schon so viele Gnaden empfangen hatte; aber nur mit harter Mühe gelang es ihr, in die Kirche zu kommen. Nun suchte sie sich verborgene Winkel im Garten oder im Stalle aus, um dort dem Herrn ihr Leid zu klagen und Maria um ihre Fürbitte anzuflehen. Am Tage mußte sie gewöhnlich mit ihren Drängern arbeiten, die Nächte aber brachte sie meistentheils unter Vergießung von bitteren Thränen zu den Füssen des Gekreuzigten zu, wo sie besonders einen Fehler, den sie aus kindlicher Unbesonnenheit begangen hatte, tief bereute, - nämlich, daß sie sich einmal verleiten ließ, mit ihren Brüdern verkleidet zur Fastnachtszeit auf einen Ball zu gehen. Während sie so äußerlich und innerlich Unbeschreibliches litt, wurde auch ihre alte Mutter schwer krank. Dies vermehrte ihre Leiden ungemein; denn die harten Dienstboten kümmerten sich nicht im Geringsten um die alte Frau. Margaretha mußte, da Alles, was im Hause, versperrt war, sogar öfters das Nothwendige für ihre Mutter bei anderen Leuten erbetteln und selbst den Arzt für ihre kranke Mutter machen. Aber so sehr sie auch von der rohen Anmassung der drei hochmüthigen Dienstboten zu leiden hatte, wagte sie nicht einmal, vor ihrer Mutter dieselben zu tadeln, aus Furcht, die Nächstenliebe zu verletzen, betrachtete sie nur als heilsame Werkzeuge in der Hand Gottes, um seinen Willen an ihr zu vollbringen und erduldete alle Mißhandlungen mit unerschütterlichen Muthe. &lt;br /&gt;
Dafür aber belohnte sie Jesus mit seiner beständigen Gegenwart. „Immer,“ sagt sie selbst „war mein Jesus mir zugegen, entweder unter der Gestalt des Gekreuzigten, oder des Ecce Homo=Bildes, oder wie er sein Kreuz trägt;“ und da sie ein heftiges Verlangen nach dem innerlichen Gebete in sich fühlte, lehrte sie der Heiland dasselbe, ohne daß sie es wußte, und ergoss dabei die süßesten Wonnen in ihr Herz. Hatte sie aber das Glück, die Kirche besuchen oder die heilige Kommunion empfangen zu dürfen, so war ihre Freude gränzenlos. Sie suchte dann soviel möglich dem Altare nahe zu sein, und ganz ausser sich hielt sie sich für eine brennende Kerze, um in Liebe zu Jesus sich zu verzehren.&lt;br /&gt;
Margaretha hatte nun das achtzehnte Jahr erreicht. Die Mutter war auf ihr Gebet plötzlich gesund geworden und die Verwandten und Freunde dachten darauf, die blühende Jungfrau zu verehelichen. Auch ihre Mutter glaubte durch eine Heirath den Drängern ihrer Tochter zu entkommen und trieb sie dazu an. Aber auf der anderen Seite stand Margaretha ihr Gelübde, Jungfrau zu bleiben, immer vor Augen und es war ihr, als würde sie verdammt werden, wenn sie dasselbe bräche. Der Kampf der frommen Jungfrau war gewaltig. Jesus und die Welt streckten die Arme nach ihr aus, und der böse Geist suchte sie von dem Wege, auf welchem sie der Herr haben wollte, mit aller List und Gewalt abzuziehen. Schon fing sie an sich zu putzen und in weltliche Gesellschaften zu gehen, aber nirgends fand sie Ruhe; sie fühlte einen feurigen Pfeil in ihrem Herzen, der sie beständig durchbohrte. Wenn sie abends aus den Gesellschaften nach Hause kam und ihren eitlen Putz ablegte, dann erschien ihr Jesus in seiner Geißlung ganz zerfleischt, machte ihr Vorwürfe, dass sie ihn so mißhandle und drohte ihr mit strenger Rechenschaft in der Todesstunde.&lt;br /&gt;
Sie glaubte nun diese großen Beleidigungen ihres göttlichen Bräutigams büssen zu müssen und züchtigte ihren Leib so fürchterlich, dass die Feder sich sträubt, es niederzuschreiben. Aber, wie schon gesagt, waren diese vermeintlichen Beleidigungen niemals schwere, ja nicht einmal läßliche Sünden; denn auch ihre Kleidung war immer ehrbar und züchtig, und nie gestattete sie sich in Gesellschaft ein einziges unartiges Wort.&lt;br /&gt;
Sie fürchtete die Sünde wie das entsetzlichste Übel und sie würde täglich gebeichtet haben, hätte sie einen Beichtvater erreichen können. So wurde sie immer von den Wellen ihrer Leidenschaften, von ihrer Anhänglichkeit an ihre Mutter und die Welt, dann aber auch von der Furcht der Sünde, von der Liebe zu Jesus und dem Verlangen heilig zu werden, hin- und hergeworfen. Sie wollte ihre Seele retten, sie wollte sich dem Herrn ergeben und sich heiligen, aber sie kam zu keinem festen Entschluß. Zuweilen blätterte sie in den Legenden der Heiligen und suchte nach dem Leben eines solchen, das sie leicht nachahmen könnte; doch vergeblich. Sie fand bei allen Heiligen, daß sie nur dadurch ihr Ziel erreichten, daß sie sich Gewalt anthaten und dem Herrn Alles, ohne Vorbehalt, opferten, selbst das Theuerste.&lt;br /&gt;
Endlich an einem Kommuniontage siegte die Gnade in ihrem Herzen. Als sie den Leib des Heilands empfangen hatte, hörte sie die innerliche Stimme: „Wisse, wenn du einem Andern den Vorzug vor mir gibst, werde ich dich für immer verlassen. Bleibst du mir aber treu, dann werde ich nicht von dir weichen. Ich selbst werde deine Kraft und dein Sieg sein und deine Feinde überwinden. Folgst du mir, dann werde ich mich dich kennen lehren und mich dir offenbaren. Nun entrang sich dem gepreßten Herzen Margarethens der feste Entschluß, jeder ehelichen Verbindung zu entsagen und nur mehr der Stimme Gottes zu folgen. Ein süßer Friede ergoß sich nun in ihr Herz, und von dieser Stunde an erklärte sie laut und öffentlich, dass sie jede Bewerbung um ihre Hand zurückweise und in ein Kloster gegen werde. Ein fürchterlicher Sturm erhob sich jetzt. Ihre Mutter, ihre Brüder, ihre Verwandten boten Alles auf, um sie abwendig zu machen, da dies aber vergeblich war, so wollte man sie zwingen, in ein Ursuliner-Kloster zu treten, weil sich dort eine ihrer Verwandten als Klosterfrau befand. Allein Margaretha hatte eine unwiderstehliche Abneigung gegen dieses Kloster, und wünschte in eine Genossenschaft der heiligsten Jungfrau, nämlich in das Kloster Mariä Heimsuchung zu treten, welchen Orden der heilige Franz von Sales und die heilige Franziska von Chantal gestiftet hatten. Allein sie durfte ihr Verlangen ihren Verwandten nicht einmal merken lassen, und schon war es so weit gekommen, dass sie Ursulinerin werden sollte, als ihre Mutter und ihr Bruder schwer erkrankten. Sie eilte nach Hause, wo ihre Leiden wieder auf´s Neue anfingen. Mit diesen Leiden verband sie aber wieder die härtesten Bußwerke; sie verlangte nur nach Leiden, und bat eines Tages, hingeworfen vor ein Kruzifix, den Heiland, er möge doch sein leidendes Bild in ihr abprägen. Sogleich hörte sie die Stimme: „Dieß ist´s, was ich thun will, wofern du mir nicht widerstehest.“ Um Jesu einige Tropfen ihres Blutes opfern zu können, band sie sich die Finger, steckte Stecknadeln in dieselben und geißelte sich bis auf´s Blut. Dies that sie am heftigsten in den Fastnachts-Tagen, wobei sie gar nichts aß und alle Speise den Armen gab.&lt;br /&gt;
Endlich gelang es ihr nach langem, heißen Kampfe und unablässigem Gebete, besonders zu ihrer liebreichsten Mutter Maria, in das Kloster unserer lieben Frau von der Heimsuchung zu Paran einzutreten. Als sie in das Sprechzimmer des Klosters geführt wurde, vernahm sie innerlich die Worte: „Hier ist der Ort, wo ich dich haben will.“ Sie fand günstige Aufnahme bei der Oberin, und nachdem man die Aussteuer in Ordnung gebracht, wurde der 26. Mai des Jahres 1671 zum Eintritt bestimmt. &lt;br /&gt;
Als der Tag kam, nahm Margaretha, ohne eine Thräne zu weinen, Abschied von den Ihrigen und eilte auf den Flügeln der Freude nach Paran, wo damals Mutter Anna Franziska, eine Frau von seltener und fester Frömmigkeit, Novizenmeisterin war. Beim Eintritte durch die Klosterpforte fühlte sich Margaretha von der heftigsten Angst ergriffen; es war ihr, als sollte ihre Seele vom Leibe sich trennen. Dies war der letzte Kampf, den sie außer dem Kloster zu bestehen hatte; kaum eingetreten, war alle Angst hinweg, entzückende Freude ergoß sich in ihr Herz und mit dem Entschlusse, heilig zu werden wie Maria, deren Namen sie bei ihrer heiligen Firmung angenommen hatte, sagte sie der Welt für immer Lebewohl. Sie war jetzt 23 Jahre alt, und ohne es zu wissen vom Herrn selbst tief eingeweiht in die Wege des geistlichen Lebens. Dessen ungeachtet verlangte sie in ihrer Einfalt von der Novizenmeisterin Belehrung über das innerliche Gebet. Diese, welche schon lange ihren pünktlichen Gehorsam beobachtete, sprach zu ihr: „Gehen Sie hin, und stellen Sie sich vor den Herrn wie eine reine, gespannte Leinwand vor den Maler.“ Alsbald vernahm sie in ihrem Innern eine Stimme, welche zu ihr sprach: „Komm, ich werde es dich lehren.“ Im Gebete zeigte ihr nun der göttliche Heiland, daß ihre Seele diese reine und gespannte Leinwand wäre, worauf er alle Züge seines Lebens malen wolle, das aber nur in Liebe und Entbehrung, in Arbeit und Stille verfließen und mit dem Opfer am Kreuze enden sollte. Von diesem Augenblicke an fühlte sich Margaretha von allen Geschöpfen entäußert gleich einer nackten gereinigten Leinwand, und zugleich entzündete Jesus in ihrem Innern ein solch feuriges Verlangen nach Leiden, daß sie auf nichts anderes mehr bedacht war, als sich zu kreuzigen. Doch gehorsam wie ein Kind entdeckte sie all ihre geheimen Bußwerke der Meisterin; nur einmal verheimlichte sie ein solches, und wurde vom heiligen Franz von Sales, der ihr erschien, ernstlich zurecht gewiesen. &lt;br /&gt;
Nach dreimonatlicher Probezeit wurde sie am Tage des heiligen Ludwig eingekleidet und nun wurden außerordentliche Dinge an ihr wahrnehmbar. Sie brannte oft ganz von Liebe, war oft ganz außer sich und mußte sich verbergen, um ihre Verzückungen nicht kund zu geben. Die Meisterin, welche die geheimen Wege nicht kannte, die der Herr seine Tochter führte, verwies ihr diese Art zu beten und zu leben, und demüthigte sie auf die verschiedenste Weise. Sie mußte den ganzen Tag arbeiten, damit sie keine Zeit fand zum Gebete, und wenn die Stunde der Betrachtung kam, wurde sie mit Härte fortgewiesen und ihr bedeutet, sie sollte während der Arbeit beten. Zugleich wurde ihr, um ihre Treue zu prüfen, befohlen, hierüber genaue Rechenschaft zu geben. Sie that es mit aller Einfalt des Herzens, und freute sich ungemein über alle Verdemüthigung und Widersprüche, welche sie zu dulden hatte. Diese ihre Herzensfreude drückte sie in einem Liede aus, das zu schön ist, als daß ich es nicht hersetzen sollte; es lautet: &lt;br /&gt;
Je mehr man meiner Liebe widerspricht,&lt;br /&gt;
Je höher flammt dieß Gut in meiner Seele;&lt;br /&gt;
Man lischt fürwahr dieß heilige Feuer nicht,&lt;br /&gt;
Ob man auch Tag und Nacht mich bitter quälte.&lt;br /&gt;
Es einigt sich, je größer meine Schmerzen,&lt;br /&gt;
Mein Gott nur um so mehr in meinem Herzen.&lt;br /&gt;
Nicht minder aber wurde Margaretha über die Uebung ihrer Abtödtungen geprüft. Sie bat die Meisterin, hungernd nach Leiden, um Bußwerke; aber statt jener, welche sie verlangte, wurden ihr die demüthi- genden Uebungen aufgetragen. Und als sie zu ihrem göttlichen Bräutigam deßhalb um Hilfe rief, gab er ihr zur Antwort: „Erkenne, daß du das Gute nicht ohne mich zu thun vermagst! Ich werde es aber an Hilfe nicht fehlen lassen, wofern du dein Nichts und deine Schwäche auf meine Stärke gründest.“ Bald ward sie hierin auf die Probe gestellt. Sie hatte einen natürlichen, ja von ihrem Vater ererbten Eckel vor dem Käse. Ihr Bruder hatte dieß beim Eintritt Margarethens ins Kloster der Oberin auch gesagt. Einmal nun wurde beim Tische aus Versehen Margaretha Käse vorgesetzt. Sie glaubte, man wolle ihren Gehorsam prüfen, und sucht zu essen, aber sogleich fiel sie in Ohnmacht. Die Meisterin ließ den Käs entfernen, machte aber Schwester Margaretha, um sie zu demüthigen, Vorwürfe über den Mangel an Muth, und verbot ihr, in Zukunft solches mehr zu wagen. Jedoch Margaretha, nur verlangend nach Leiden, fasste den festen Entschluß, lieber zu sterben, als sich hierin nicht zu überwinden. Sie ging also nach drei Tagen zur Meisterin und bat sie, Käse essen und ihren Widerwillen gegen diese Speise Gott zum Opfer bringen zu dürfen. Die Meisterin erlaubte es, und nun nahm Margaretha unter der gewaltigsten Anstrengung und den größten Schmerzen mehrere Tage Käse zu sich, bis man endlich fürchtete, sie würde sterben, und ihr solches ferners zu thun verbot. Das Opfer der Liebe aber gefiel dem Heiland so wohl, daß er sie mit den zärtlichsten Liebkosungen seiner Liebe überhäufte, so daß sie ausrufen mußte: „Halte ein, o Gott! diese Ströme, die mich auflösen, oder erweitere mein Herz, um sie aufzunehmen.“&lt;br /&gt;
Endlich, nach mannigfaltigen, harten Prüfungen, empfing sie im Jahre 1672 den Schleier und mit demselben die Gnade einer beständigen Gegenwart ihres göttlichen Lehrmeisters Jesus und eines immerwährenden Kreuzes. Sie sah und fühlte ihn immer nahe bei sich und hörte seine Stimme mehr noch als durch die äußern Sinne. Deßhalb ging und stand der kniete sie immer bis zaur Erde geneigt, aus tiefer Ehrfurcht vor der göttlichen Majestät und hielt sich für ein reines Nichts. Wenn sie allein war, wagte sie sich nicht zu setzen, und wenn sie öffentlich erschien, so glaubte sie die Unwürdigste ihrer Schwestern zu sein, die sie auch als solche behandelten. Kein Tag, ja keine Stunde verging, wo sie nicht in der Demüthigung und Verachtung innerlich und äußerlich geübt wurde. Dieß war aber ihre größte Freude, obwohl ihr von Natur aus eine Neigung zur Eitelkeit angeboren war. &lt;br /&gt;
In ihrem Herzen trug sie einen brennenden Durst nach Kreuz und Leiden, gleich einem in der Sonnenhitze schmachtenden Wanderer. Da geschah es, daß ihr eines Tages, als sie zum Herrn rief:“ Wie kannst du mich denn immer ohne Leiden lassen?“ ein großes Kreuz gezeigt wurde, aber ganz mit Blumen bedeckt. Dabei hörte sie die Worte: „Dies ist das Bett meiner keuschen Bräute, hier muß das Feuer meiner Liebe dein Opfer verzehren; mälig und mälig werden diese Blumen abfallen, und es werden nur Dornen übrig bleiben, welche diese Blumen jetzt deiner Schwäche wegen bedecken; aber es wird ein Tag kommen, wo du ihre Spitzen lebhaft fühlen wirst und nur gestärkt von mir die Schmerzen tragen kannst.“ Was der Herr sagte, das geschah: er löschte ihren Durst mit den bittersten Leiden aller Art und ließ sie vollauf trinken aus dem Kelche seiner Schmerzen. Je mehr sie in der Heiligkeit zunahm, je schönere Tugenden sie zeigte, je wunderbarere Gnaden und Gaben des Herrn an ihr sichtbar wurden, desto größer wurden die Widersprüche, der Spott und Hohn, die Verfolgung und Verachtung, mit der sie überhäuft wurde. Die verschiedenen Oberinen, unter denen sie ihr Leben zubringen mußte und die sie unaufhörlich mit der größten Strenge prüften, vermehrten, ohne es zu wissen, ihre Leiden. Die Klosterschwestern, mit denen sie lebte, beneideten, haßten und verachteten sie, weil sie glaubten, sie sei eine Heuchlerin und Betrogene. Sie war oft die Zielscheibe aller Verschmähungen, Verachtungen und Erniedrigungen. Man hielt sie für eine vom Teufel besessene Person und von ihm betrogen, was ihr den größten Schrecken verursachte. Sie wurde auch wirklich aus Zulassung Gottes vom bösen Feinde auf das heftigste versucht, mit Ausnahme gegen die heilige Reinigkeit, und von ihm Tag und Nacht gequält. Die ganze Hölle schien sich gegen sie zu erheben und sie zu verschlingen. Auch die Liebe zu ihren Nebenmenschen verursachte ihr Peinen über Peinen. Sie übernahm für sie die härtesten Strafen und brachte für sie die schmerzlichsten Opfer. Dabei litt sie immer die schmerzlichsten Krankheiten, von denen sie selten frei war, und übte die strengsten Büssungen. Diese äußern und zum Theil innern Leiden vermehrte Jesus selbst, der seine Braut sich ganz gleichförmig machen wollte, weil sie innig darnach verlangte. Keine Zunge mag es sagen, und keine Feder beschreiben, was sie litt. Gewöhnlich zeigte ihr der Heiland ihre Leiden in überaus schmerzlich ergreifenden Bildern. &lt;br /&gt;
Eines Tages der Fastnachtszeit, wo sie gewöhnlich am heftigsten litt, zeigte sich ihr Jesus nach der heiligen Kommunion unter der Gestalt eines Ecce homo mit seinem Kreuze beladen, voll Blut und Wunden. Sein heiliges Blut floß von allen Seiten zur Erde nieder und er sprach mit trauriger Stimme: „Findet sich denn Niemand, der Mitleid habe mit meinem Schmerz und Antheil nehme an dem jammervollen Zustande, in welchen die Sünder, zumal in dieser Zeit, mich versetzen. Da warf sich Margaretha unter Thränen zu seinen Füssen. Jesus aber belud sie mit seinem schweren, ganz von Dornen und Nägeln besetzten Kreuze. Die fürchterliche Last drückte sie zu Boden, ein entsetzlicher Abscheu vor der Sünde, deren ganze Schwere und Bosheit sie jetzt erkannte, ergriff sie. Hierauf sagte ihr der Heiland, daß es nicht genug sei, dies Kreuz zu tragen, sie müsse mit ihm daran geheftet werden und ihm treue Gesellschaft dadurch leisten, dass sie Antheil nehme an seinen Schmerzen, seiner Schmach und Mißhandlung. Sie gab sich willig hin. Jetzt heftete sie der Heiland durch eine schwere Krankheit an das Kreuz, die wie spitzige Nägel in sie drang und ihr kein Mitleid, sondern nur Verachtung zuzog. Sie kam im Dulden solcher entsetzlichen Schmerzen so weit, daß sie beinahe starb und jede Fastnachtzeit mußte sie ähnliche Leiden ertragen!&lt;br /&gt;
Ein anderesmal zeigte sich ihr vor der heiligen Kommunion eine Sonne, deren Schimmer sie nicht ertragen konnte. Mitten in derselben war der Heiland, eine Dornenkrone in seinen Händen tragend. Kurze Zeit, nachdem sie des Herrn Leib empfangen hatte, setzte er ihr diese Krone auf ihr Haupt, als ein Zeichen derjenigen, welche sie bald nachher empfangen sollte. Denn einige Tage darnach bekam sie einen schrecklichen Stoß an den Kopf, und von nun an fühlte sie immer die stechenden Dornen rings um ihr Haupt, so daß sie dasselbe nicht mehr anlehnen oder auf ein Kissen legen konnte. &lt;br /&gt;
Einmal erschien ihr der Herr, zwei Gemälde in der Hand, das eine zeigte das glückseligste, das andere das verachteste und gekreuzigte Leben einer Seele. Beide Gemälde reichte er ihr mit den Worten dar: „Wähle, meine Tochter! Welches dir am Besten gefällt. Welche Wahl du auch treffen magst, ich werde dir die nämlichen Gnaden erweisen.“ Da rief Margaretha im Feuer der Liebe aus: „O mein Gott! ich will nur dich; ich verlange keine andere Wahl als jene, welche du selbst treffen willst.“ Er drängte sie zu wählen, allein sie antwortete: „O mein Gott! du genügest mir allein; thu für mich, was dich verherrlicht, ohne auf meine Neigungen und meinen Vortheil zu sehen; es genügt, wenn du zufrieden bist.“ Nun reichte ihr Jesus das Gemälde des leidenden Lebens dar und sprach: „Sieh, dieß gefällt mir am meisten. Das andere Leben ist ein Leben des Genusses und nicht des Verdienstes, es wird für die Ewigkeit aufbewahrt. Sie nahm also das Gemälde des Kreuzes und Todes und küßte die Hand, die es ihr überreichte. Und so that sie auch, als Kreuz und Leiden über sie wie ein Sturm hereinbrachen; sie litt ohne zu klagen, ohne zu zagen, sie litt fort und fort in Lust und Freude mitten unter der Fluth von Martern, gekreuzigt mit Jesus, ihr Leben lang. Ihre Gesinnung dabei drückt folgender Wahlspruch aus, den sie oft im Mund führte:&lt;br /&gt;
Gern will ich Alles leiden ohne Klagen;&lt;br /&gt;
Denn meine Liebe wehrt es mir, zu zagen.&lt;br /&gt;
Ja die Liebe, die flammende Liebe zu Jesus, die in ihrem Herzen brannte, trieb sie in Leid und Noth und Kreuz, und Jesus, der Gegenstand all ihrer Liebe, half ihr das Übermenschliche ertragen. Er, der diejenigen liebt, die ihn lieben, und sein Wohlgefallen hat an einem kindlich reinen Herzen, wollte, daß das Herz der Schwester Margaretha ganz sein eigen sei und verlangte eines Tages von ihr eine gänzliche Schenkung von allem, was sie thun und leiden könnte, sowie auch von allen Gebeten und geistlichen Gütern, die man, sei es während ihres Lebens, sei es nach ihrem Tode, für sie opfern würde. Diese Schenkung sollte sie von der Mutter Oberin schreiben lassen. Es geschah, und Margaretha überreichte die Schenkung mit ihrem eigenen Blute unterzeichnet dem Heiland, der darüber sein Wohlgefallen zeigte und ihr sagte, daß sie von nun an nichts mehr Anderes besitzen solle, als sein heiligsten Herz. Er machte ihr auch sogleich mit seinem heiligsten Herzen eine Schenkung, diktirte sie selbst und Margaretha unterzeichnete sie ebenfalls mit ihrem Blute. Die Worte dieser wunderbaren Schenkung lauten also: „Ich setze dich zur Erbin meines Herzens und aller seiner Schätze für Zeit und Ewigkeit ein, und erlaube dir, solche auch nach deinem Verlangen zu gebrauchen. Ich verheiße dir, daß es dir nur an Hilfe fehlen wird, wenn es mir an Macht fehlte. Für immer wirst du die vielgeliebte Jüngerin desselben, das Spielzeug seines Wohlgefallens und das Brandopfer seiner Liebe sein. Dies Herz allein soll der Gegenstand all deiner Begierden sein; es wird alle deine Fehler ersetzen und vergüten, und für deine Verpflichtungen genug thun.“&lt;br /&gt;
Diese großmüthige Verheißung des göttlichen Heilandes bekräftigte nun Schwester Margaretha durch einen heldenmüthigen Akt der Liebe, indem sie den heiligsten Namen Jesu mit dem Messer in sehr großen und tiefen Buchstaben auf ihre eigene Brust einschnitt. Als sie aber nach einiger Zeit bemerkte, daß die Liebeswunde schnell verheile, nahm sie eine brennende Kerze und erneuerte mit derselben den heiligsten Namen. &lt;br /&gt;
Bis zu ihrem Tode trug sie die Narben in Gestalt großer Buchstaben auf der Brust; eine Schwester, der sie auf Befehl der Oberin ihre Brust zeigen mußte, hatte die Buchstaben gesehen, aber nach dem Tode Margarethens war jede Spur hievon verschwunden, weil sie den Herrn gebeten hatte, jede Spur hievon hinwegzunehmen, was auch geschah.	&lt;br /&gt;
Margaretha vollbrachte nun ein Leben der leidensvollsten, aber auch der süßesten Liebe, was sie in der Schenkung ihres Herzens an den Herrn geschrieben hatte mit ihrem Blute: Alles in Gott und nichts in mir! Alles nur Ihm und nichts mir! Das that sie in höchster Treue. Sie lebte, als sei sie gar Nichts in der Welt; ihre Oberinen, ihre Beichtväter konnten thun mit ihr, was sie wollten; ihre Mitschwestern war sie die willigste Magd; den Kranken diente sie mit Aufopferung ihrer letzten Kräfte. Keine Arbeit war ihr zu bitter und zu schwer. Alles that sie mit heiterem Muthe. Nur Eines war ihr bitter, nur von Einem wollte sie enthoben sein, nämlich: daß sie aus Gehorsam die gnadenvollen Führungen des Herrn und die hohen Gaben, die er ihr verlieh, niederschreiben mußte. Nie hätte sie davon Etwas entdeckt, ihre tiefe Demuth hätte der Welt Alles verhehlt; allein Gott wollte sich in dieser heiligen Seele verherrlichen, er wollte die Schätze seiner Liebe der Welt offenbaren und darum mußte Margaretha schreiben und sie gehorchte. Es war für sie, wie sie selbst gestand, das größte Opfer. Aber gerade darin besteht die Wahrheit dessen, was sie offenbarte und in ihrem Leben erzählt wird; ihr heiliges Leben, die Wunder, die Gott an ihr und durch sie wirkte, die eidliche Aussage ihrer Beichtväter und Mitschwestern bestätigen diese Wahrheit und nun, lieber Leser, höre weiter, was mit Schwester Margaretha sich zutrug.&lt;br /&gt;
Mit aller Kraft ihres Herzens strebte sie nach der innigsten Vereinigung mit Jesus durch die heilige Kommunion. Solches Verlangen hat kein Kind nach der Mutter-Brust, kein Hungriger nach Speise, kein Durstiger nach kühlendem Tranke, als Margaretha nach dem Brode der Engel. Sie gestand: Ich habe ein solches Verlangen nach der heiligen Kommunion, oder wie sie sagte: den Gott meines Herzens und das Herz meines Gottes zu empfangen, daß es mich bedünkt, es würde, wenn ich auf einem Wege voll Feuer und Flammen mit blossen Füssen dazu gehen müßte, diese Mühe mich nichts kosten, wenn ich sie mit dem Schmerz vergleiche, dieser Himmelspeise mich beraubt zu sehen. Nichts ist vermögend, mir eine so innige Freude zu gewähren, als dies Brod der Liebe. Habe ich dasselbe empfangen, dann bleibe ich wie vernichtet vor meinem Gott; doch mit einer so entzündenden Freude, daß zuweilen während einer Viertelstunde mein ganzes Inneres in diese tiefste Stille versenkt ist, um die Stimme desjenigen zu hören, der allein die leibliche Sättigung meiner Seele ist.“ Diesem feurigen Verlangen entsprach auch ihre Vorbereitung auf die heilige Kommunion. Schon am Vorabende der heiligen Kommunion leuchtete ihr Antlitz vor Freude, beinahe die ganze Nacht brachte sie im Gebete zu, und wenn dann der Augenblick des Empfanges erschien, wenn Jesus in ihr Herz einging, dann war ihre Freude gränzenlos. Sie konnte sich dann nicht erwehren, auszurufen: „ O Liebe! O Liebe! O Übermaß der Liebe eines Gottes gegen ein so elendes Geschöpf!“&lt;br /&gt;
Durfte sie den Herrn nicht empfangen, so wollte sie doch in seiner Nähe sein. Deßhalb gab es für sie kein größeres Vergnügen, als Tag und Nacht, so es ihr der Gehorsam erlaubte, vor dem Tabernakel zu knieen und ihren göttlichen Bräutigam im heiligsten Sakramente der Liebe anzubeten, Ihm ihre Liebe zu bezeigen. Was die wärmende, belebende Sonne für die Pflanze ist, das war das heiligste Sakrament für Margaretha. Daß sie bei ihrer beständigen Kränklichkeit, bei ihren fortdauernden, unbeschreiblichen Leiden, bei ihrem beständigen Fasten, ja Hungern, noch leben konnte, daß war die Kraft des heiligsten Sakramentes. Auch war es in der heiligen Kommunion und bei der Anbetung des heiligsten Altarsakramentes, wo der Heiland sich aufs Innigste ihr mittheilte und die wundervollsten Gnaden ihr verlieh. Hievon will ich nun erzählen.&lt;br /&gt;
An einem Freitage wohnte Margaretha mit glühender Andacht der heiligen Messe bei und während sie nun den Herrn anbetete, empfand sie ein heftiges Verlangen, die Leiden ihres göttlichen Bräutigams zu verehren. Da sagte ihr Jesus, der immer in ihrer Nähe war, sehr liebevoll, Er verlange, daß sie alle Freitage einige Male sowohl bei Tag als bei Nacht vor dem allerheiligsten Sakramente erscheinen und ihn am Baume des Kreuzes, dem Throne der Barmherzigkeit anbeten solle. Dort sollte sie sich demüthig niederwerfen und mit der nämlichen Gesinnung, wie einst Maria, seine heilige Mutter, während ihres Leidens seine unendlichen Leiden in Vereinigung mit den Leiden seiner Mutter Gott dem ewigen Vater aufopfern und ihn dadurch um die Bekehrung aller verstockten und ungläubigen Herzen anflehen, die seiner Gnade widerstehen. Er fügte auch bei, daß er denjenigen, die diese Uebung getreu beobachten, in ihrer Todesstunde gnädig sein wolle. &lt;br /&gt;
Der göttliche Heiland hatte ihr eine unendliche Furcht vor der unwürdigen Kommunion eingeflößt. Eines Tages zeigte er ihr den Zustand einer Seele, die ihn im Stande einer Todsünde empfängt und dadurch auf das schrecklichste mißhandelt. Sie sah, wie diese Seele Jesum band, anspie und mit Füssen trat und hörte ihn rufen: „Siehe, wie die Sünder mit mir umgehen und bis zu welchem Uebermaaß sie mich vernichten.“&lt;br /&gt;
Wenn sie vor dem heiligsten Sakramente kniete, dann mied sie jeden vorwitzigen Blick, jede, auch die geringste Zerstreuung; denn der Heiland strafte sie wegen des geringsten Fehlers und sagte ihr, daß ihm der Mangel an Aufmerksamkeit und Ehrfurcht vor dem göttlichen Sakrament seiner Liebe, zumal während des Gottesdienstes und der Betrachtung , höchlich mißfalle. Man kann sich leicht denken, mit welcher Gluth der Andacht, mit welcher tiefsten Verdemüthigung Margaretha vor dem Allerheiligsten kniete. Einmal blieb sie mit Erlaubniß der Oberin, eben von einer schweren Krankheit sich erholend, von halb acht Uhr Abends bis zum frühen Morgen auf den Knieen in der Kirche, die Hände gefaltet, ohne Stütze, ohne Bewegung wie eine Bildsäule. Dies that sie gewöhnlich am grünen Donnerstag jeden Jahres, wo sie mit ihrem göttlichen Bräutigam unaussprechlich litt. Durch diese glühende Andacht zu seinem heiligsten Sakramente wollte der göttliche Heiland Margaretha zu einem der erhabenssten Werke in seiner heiligen Kirche bereiten, nämlich zur Kundgabe der unermeßlichen Reichthümer seines göttlichen Herzens. Gerade sie, die schwache, verachtete, unbekannte Jungfrau wählte er aus, um durch sie mit den reichsten Schätzen seiner Gnade die Welt zu beglücken.&lt;br /&gt;
Eines Tages befand sich Margaretha ihrer Gewohnheit gemäß vor dem heiligsten Sakramente. Da überließ sie sich regungslos, ganz durchdrungen von der Gegenwart ihres Gottes, der Vollglut ihrer Liebe. Jesus war bei ihr, er ließ sie an seiner göttlichen Brust ruhen, wo er ihr die Wunder seiner Liebe und die unerklärlichen Geheimnisse seines heiligsten Herzens erklärte, die er bis jetzt vor ihr verborgen gehalten hatte und sprach: „Mein Herz ist so voll der Liebe für die Menschen und für dich insbesondere, daß es, weil es die Flammen seiner feurigen Liebe nicht mehr in sich fassen kann, solche durch deine Vermittlung verbreiten und ihnen sich offenbaren muß, um sie mit den Schätzen zu bereichern, die dasselbe enthält. Ich entdecke dir den hohen Werth dieser Schätze; sie enthalten Gnaden der Heiligung und des Heiles, um die Menschen dem Abgrunde des Verderbens zu entreißen. Ich wählte dich trotz deiner Unwürde und deiner Unwissenheit, damit es um so deutlicher erhelle, daß Alles durch mich geschah. Hierauf verlangte Er das Herz Margarethens und tauchte es in die flammenden Gluthen seines liebentbrannten Herzens, und es wie eine feurige Flamme wieder hervorziehend, setzte er es wieder an den Ort zurück, wo er es genommen und sprach: „Siehe, meine Vielgeliebte, dies ist ein kostbares Pfand meiner Liebe! Ich habe in deine Seite einen kleinen Funken der Liebesflamme eingeschlossen, der statt eines Herzens dir diene und dich bis zum letzten Augenblicke verzehre. Seine Glut wird nie erlöschen. Und damit du erkennest, daß die Gnade, die ich dir so eben gethan, keine Einbildung sei, so wird der Schmerz in deiner Seite, obwohl ich sie verschloß, dir immerdar verbleiben.“ So geschah es auch, wie der Herr gesagt hatte; der gewaltig brennende Liebesschmerz währte Tag und Nacht, und brachte sie öfters dem Tode nahe, nur eine schnelle Aderlässe konnte ihr dann Linderung und Hilfe verschaffen, wie es ihr auch der Herr vorausgesagt hatte.&lt;br /&gt;
Margaretha war nun auf das Wunder seiner Gnade, welches der Heiland in seiner heiligen Kirche vollbringen wollte, vorbereitet. Es kam die Zeit, wo es zu Tage treten sollte. Als sie einst unter der Oktav des Fronleichnamsfestes vor dem heiligsten Sakramente betete, da wurde sie von den süssesten Liebesgaben Gottes erfüllt. Glühend von Gegenliebe, hörte sie aus des Heilands Mund die Worte: „Du kannst mir keine größere Liebe erzeigen, als wenn du thust, was ich so oft von dir begehrte“ (nämlich sein heiligstes Herz zu verehren und diese Verehrung in der ganzen Kirche zu verbreiten). Hierauf zeigte ihr der Heiland sein göttliches Herz, in Flammen der Liebe glühend, und sprach: „Sieh an dies Herz, welches die Menschen so sehr geliebt, daß es nichts geschont, ja daß es sich sogar erschöpft und verzehrt hat, seine Liebe ihnen zu bezeigen! – Statt der Dankbarkeit aber empfange ich von den Meisten nichts als Undank durch ihre Verachtung, ihre Unehrerbietung, ihre Sakrilegien und ihren Kaltsinn gegen mich in diesem Sakramente der Liebe. Was mir aber noch schmerzlicher fällt, ist, daß eben jene Herzen, die mir geweiht sind, also gegen mich verfahren. Darum verlange ich von dir, daß der erste Freitag nach der Oktav meines Fronleichnamsfestes zu einem besonderen Feste bestimmt werde, mein Herz durch eine feierliche Abbitte zu verehren; und daß man diesen Tag die Kommunion in der Absicht verrichte, die unzähligen Mißhandlungen zu ersetzen, welche die Zeit hindurch ihm angethan wurden, als es auf den Altären ausgesetzt war. Ich verheiße dir, daß mein Herz sich erweitern wird, den Einfluß seiner göttlichen Liebe in reichlicher Fülle über diejenigen zu ergießen, die diese Ehre ihm erzeigen und dahin wirken werden, daß sie ihm erzeigt werde.“&lt;br /&gt;
„Aber, mein allerhöchster Herr,“ erwiderte Schwester Margaretha, „an wen wendest du dich? An ein so elendes Geschöpf, an eine so arme Sünderin, daß ihre Unwürde an sich schon vermögend wäre, die Erfüllung deiner Absichten zu verhindern?“ – „Wie denn,“ antwortete der Herr, „weißt du nicht, daß ich die Schwächsten gebrauche, um die Starken zu beschämen, und daß ich gewöhnlich an den Kleinsten, an den Armen im Geiste, meine Macht im höchsten Glanze zeige, damit sie sich selbst nichts beimessen?“ – „So gib mir denn,“ entgegnete Margaretha, „das Mittel, zu thun, was du mir befiehlst!“ Der Herr antwortete: „Wende dich an meinen Diener, und sage ihm in meinem Namen, er soll sein Möglichstes thun, diese Andacht zu begründen, und meinem Herzen diese Freude zu machen! Er soll von den Schwierigkeiten sich nicht abschrecken lassen, die ihm dabei in den Weg treten werden; denn es wird daran nicht fehlen; doch soll er wissen, daß allmächtig derjenige ist, der sich selbst mißtraut, um gänzlich auf mich zu vertrauen.“&lt;br /&gt;
Dieser Diener nun, von dem der Herr sprach, war der fromme und gelehrte Pater Claudius de la Colombiere, aus der Gesellschaft Jesu. Schon früher hatte ihr der Herr von diesem Manne gesagt und ihr befohlen, ihm alle Schätze und Geheimnisse seines heiligen Herzens anzuvertrauen. – Als sie ihn daher das Erstemal sah und hörte, war es ihr, als sagte eine Stimme in ihrem Innern: „Dieser ist´s, den ich dir sende!“ Sie vertraute sich ihm kindlich an, entdeckte sich ihm aufrichtig und gehorte ihm auf das Pünktlichste. Er war ein Mann tiefer Erfahrung im geistlichen Leben, hatte schon schwere Leiden um des Glaubens willen ausgestanden und brannte vom Eifer für das Heil der Seelen. Dieser prüfte sie sorgfältig und nachdem er sich von der Wahrheit ihrer Offenbarungen und von dem gute Geiste, der sie leitete, überzeugte hatte, nahm er sie auch gegen alle Anfeindungen und falschen Urtheile kräftig in Schutz. Ihm entdeckte sie nun mit Erlaubnis der Oberin, vor der sie kein Geheimnis hatte, was der Herr ihr aufgetragen und geoffenbart. Er ging freudig darauf ein und war der Erste, welcher sich als Jünger dem göttlichen Herzen Jesu weihte. Dies geschah feierlich am Freitage in der Oktav des Fronleichnamsfestes, am 21. Juni 1675.&lt;br /&gt;
Hierüber hatte Margaretha einige Zeit zuvor ein wunderbares Gesicht. Als er eines Tages in der Klosterkirche die heilige Messe feierte, zeigte sich Margaretha im Augenblicke, als sie sich der heiligen Kommunion nahte, der Herr mit seinem heiligsten Herzen, das glühte wie ein feueriger Hochofen. Zugleich sah sie dem göttlichen Herzen zwei andere Herzen nahen, nämlich das ihrige und das des P. Colombiere, und sie hörte die Worte: „Also vereinet meine Liebe diese drei Herzen für immer!“ Zugleich befahl ihr der Herr, dem P. Colombiere dieß zu offenbaren. – Von dieser Stunde an erhielt dieser fromme Priester so viele Gnaden von dem Herrn, und zugleich so offenbare Beweise von der Wahrheit dessen, was ihm Margaretha entdeckte, daß er mit allem Eifer die Andacht zum göttlichen Herzen Jesu zu befördern und zu verbreiten suchte. Er rieht vielen Seelen, die im Beichtstuhl sich ihm nahten, diese Andacht und sah mit Erstaunen, wie viele dadurch gänzlich bekehrt, andere auf dem Wege zur Vollkommenheit gestärkt wurden.&lt;br /&gt;
Aber dies ging nicht ohne große Stürme und gewaltige Leiden für Margaretha ab. Die verschiedenen Oberinen behandelten sie strenge, da es der Herr so haben wollte und Margaretha darnach verlangte. Zwar überzeugten sich die Oberinen immer mehr von den gründlichen Tugenden der heiligen Schwester; sie achteten sie hoch und freuten sich über ihr heiliges Leben; aber die Andacht zum heiligsten Herzen Jesu, die bis dahin in der heiligen Kirche noch unbekannt war, wollten sie nicht aufkommen lassen. Sie glaubten gegen diese Neuerung vorsichtig sein zu müssen. Auch die Klosterschwestern, unter denen sich leider manche unvollkommene befanden, widerstrebten dem Verlangen der heiligen Schwester, und einige verfolgten sie sehr hart, besonders als Margaretha einst eine äußerst strenge Buße für das ganze Kloster übernahm, um den Heiland zu versöhnen, der dem Kloster wegen der Mißbräuche, die darin herrschten, zürnte, und große Strafe drohte. Schrecklich waren die Mißhandlungen, die sie zur Sühne dieser Strafe dulden mußte. Endlich erschien die Zeit, wo das, was ihr der Heiland schon lange kund gethan, in Erfüllung gehen sollte, trotz allem Widerstande, der sich dagegen von allen Seiten erhob.&lt;br /&gt;
Margaretha wurde von der Oberin-Mutter, Maria Christina Melin, zur Meisterin der jungen Novizen des Klosters erwählt. Nur unter dem Gelübde des Gehorsams konnte die demüthige Magd des Herrn bewogen werden, dieses Amt zu übernehmen; aber gerade dies hatte Jesus ausersehen, um die Andacht zu seinem göttlichen Herzen im Kloster zu beginnen und in der Welt zu verbreiten. – Unter den Mitteln, welche die heilige Meisterin anwendete, um den jungen Novizinen eine feurige Liebe zu unserm göttlichen Heilande einzuflößen, war das wirksamste die Andacht zu seinem anzubetenden Herzen. Am Tage ihres Namensfestes nun, an einem Freitag des Jahres 1685, wollten ihr die Novizinen in kindlicher Liebe und Dankbarkeit einige schöne Blumengewinde bringen. Die demüthige Meisterin bat sie aber, die Blumenkränze dem göttlichen Herzen Jesu zu opfern. Die Novizinen gingen sogleich auf den Wunsch der geliebten Meisterin ein, errichteten einen kleinen Altar im Noviziat-Saale, stellten dort ein aus Papier geschnittenes und mit Flammen umgebenes Herz hin und zierten den Altar so gut sie konnten, mit schönen Blumen. Hierauf führten sie voll lebhafter Freude die gute Meisterin zu diesem so unansehnlichen Altar. Aber diese, vor Freude innerlich jubelnd, warf sich vor dem Sinnbilde der Liebe Jesu Christi auf ihre Kniee nieder, und weihte sich im heiligsten Entzücken mit lauter Stimme dem göttlichen Herzen. Hierauf that die junge Schaar der Novizinen desgleichen und alle brachten dann nach dem Wunsche Margarethens ihre Aufopferung an das göttliche Herz Jesu zu Papier.&lt;br /&gt;
Unbeschreiblich war die Freude der gottseligen Margaretha, als sie bemerkte, wie das Feuer der Liebe zu dem göttlichen Herzen Jesu in den unschuldigen Herzen ihrer jungen Novizinen zu entbrennen begann. Aber das genügte ihr nicht. Um ihrem geliebten Heilande noch mehr Huldigungen zu erwirken, ließ sie noch einige ältere Ordensschwestern, deren Frömmigkeit sie kannte, einladen, am Feste theilzunehmen. Allein diese erschienen nicht, ja einige der Schwestern spotteten darüber und erklärten sich dagegen. Nur drei Schwestern kamen, aber auch diese mehr aus Gefälligkeit als aus Liebe. – Doch Schwester Margaretha ließ sich dadurch nicht irre machen; hatte ihr ja ihr göttlicher Bräutigam schon vorhergesagt, daß Widersprüche kommen, daß aber trotz derselben die Andacht zu seinem göttlichen Herzen in der ganzen christlichen Welt, und besonders im Orden der Heimsuchung Mariä sich verbreiten werde. Daher sprach sie voll Vertrauen zu den jungen Novizinen, die sich über die geringe Theilnahme der Schwestern betrübten: „Gut, sie wollen nicht kommen, aber das Herz Jesu wird sie schon anziehen. Jesus will Alles aus Liebe und nichts aus Zwang; man muß die Zeit abwarten, die Er bestimmt hat, und diese Zeit wird kommen.“&lt;br /&gt;
Und die Zeit kam. Es war das Jahr 1686, als auf eine wunderbare Weise gerade die Herzen der hartnäckigsten Gegnerinen der Andacht umgewandelt und der Grund zur immer weiteren und größeren Verehrung des göttlichen Herzens gelegt wurde. Die Veranlassung hiezu ist zu ergreifend, als daß ich sie dir, lieber Leser, nicht etwas umständlicher erzählen sollte. Die frühere Mutter und Oberin Gressier, welche Margaretha streng geprüft hatte und hoch schätzte, befand sich um diese Zeit im Kloster Semeur. Ihr hatte Schwester Margaretha einen Brief geschrieben, in welchem sie ihr von dem kleine Feste und der großen Freude, welche ihr die jungen Novizinen bereiteten, genaue Schilderungen gab. Nun wollte aber Mutter Gressier ihrer geliebten Tochter Margaretha einen Beweis ihrer Freundschaft geben und sendete ihr ein schönes Gemälde, auf dem von einer geschickten Hand das Herz Jesu dargestellt war mit Flammen umgeben und von einer Dornenkrone umringt. Unaussprechlich war der Jubel der gottseligen Schwester über dieses Geschenk; aber derselbe wurde noch größer, als bald darauf eine andere Schwester, die früher eine der heftigsten Gegnerinen der Andacht war, weil sie dieselbe der Klosterregel zuwider hielt, später aber im Rufe der Heiligkeit starb, - als diese Schwester das Gemälde am Freitag nach der Oktave des Fronleichnamfestes, gerade an dem Tage, welchen Jesus selbst zur besonderen Verehrung seines heiligsten Herzens bestimmt hatte, im inneren Chore der Klosterkirche auf einen kleinen Altar stellen und mit schönen Blumen verzieren ließ, ohne daß die anderen Schwestern davon wußten. Ohne nämlich zu wissen, wie ihr geschah, hatte der heilige Geist ihr Herz gerührt und zur Andacht gegen das heiligste Herz Jesu entflammt. Als nun in der Frühe die Klosterfrauen einzeln kamen, um das heiligste Sakrament anzubeten, und den Altar mit dem Bilde des Herzens Jesu sahen, da wurden auch ihre Herzen zu gleicher Andacht entzündet und bald war Niemand mehr im Kloster, der nicht das göttliche Herz des Heilandes inbrünstig verehrte. Es wurde im Garten eine schöne Kapelle durch fromme Beiträge erbaut, dort das Bild des Herzens Jesu aufgestellt und mit inniger Glut geliebt und verehrt.&lt;br /&gt;
Wer kann wohl die Freude der guten Margaretha über diesen wunderbaren Erfolg schildern. Sie war ganz außer sich und mit heiligem Entzücken rief sie aus: „Nun werde ich mit Freuden sterben, da das Herz meines Erlösers anfängt, bekannt zu werden.“ Besonders aber freute sie sich darüber, daß ihr der göttliche Heiland öfters die Versicherung gegeben, welch große Gnaden allen jenen zu Theil werden sollte, die sich seinem göttlichen Herzen ergeben und seine Liebe mit Gegenliebe erwidern.&lt;br /&gt;
Eine solche Versicherung wurde ihr einmal am Feste des heiligen Evangelisten Johannes zu Theil. Da erschien ihr nach der heiligen Kommunion das göttliche Herz Jesu auf einem aus Feuer und Flammen bestehenden Throne; es war glänzender, denn die Sonne, durchsichtig wie Kristall. Die Seitenwunde war deutlich zu sehen; eine Dornenkrone umgab das Herz, über welches ein Kreuz aufgepflanzt war. Der Heiland gab ihr zu erkennen, dass das Kreuz und die Krone die unermeßliche Liebe seines Herzens und die Schmerzen, die er aus Liebe für die Menschen getragen, bedeuten. Es hätten ihm seine Leiden von dem Augenblicke seiner Menschwerdung an immer vor Augen geschwebt und von diesem Augenblicke an sei das Kreuz gleichsam seinem Herzen eingepflanzt gewesen: ja schon damals habe er alle Schmerzen seines sterblichen Leibes erduldet, und nicht minder alle Schmach und Beleidigung, denen seine Liebe für die Menschen bis ans Ende der Zeiten in dem heiligsten Sakramente des Altars ausgesetzt sei. &lt;br /&gt;
Hierauf bedeutete er ihr auch, sein großes Verlangen, von den Menschen vollkommen geliebt zu werden, habe ihn bewogen, sein Herz ihnen zu offenbaren und in diesen letzten Zeiten diese letzte Anstrengung seiner Liebe dadurch aufzubieten, daß er ihnen eine so geeigneten Gegenstand und ein so wirksames Mittel gäbe, um sie dahin zu führen, ihn zu lieben und zwar herzlich und ernstlich zu lieben. Dafür aber sollten alle, die ihm diese Liebe erweisen, mit den Schätzen seines Herzens begabt werden. Er versicherte sie auch, daß das Bild seines anzubetenden Herzens, wo immer es aufgestellt und verehrt werde, die reichsten Segnungen mit sich führen würde. Zuletzt klagte aber auch Jesus, daß er beinahe Niemanden finde, der das Verlangen seines Herzens nach Verehrung und Liebe erfüllte. Diese Klage durchschnitt der gottseligen Dienerin Margaretha das Herz, und das war auch der Grund, warum sie mit so unablässigem Eifer strebte, die Verehrung des göttlichen Herzens in Aufnahme zu bringen und zu verbreiten. Wir haben schon gesehen, wie diese Verehrung trotz aller Hindernisse angefangen und welche Freude dabei Margaretha´s Herz erfüllte. Bald verbreitete sich die neue, liebliche und gnadenvolle Andacht aus den stillen Mauern des Klosters, wo Margaretha lebte, über Städte und Dörfer Frankreichs und von da aus über die ganze heilige katholische Kirche in alle Länder der Erde. Schon im Jahre 1726 zählte man mehr als dreihundert Bruderschaften unter dem Namen des heiligsten Herzens Jesu, und mehrere Päpste bereicherten dieselben mit den heilbringendsten Ablässen. Doch Margaretha sollte diese wunderbare Verbreitung nicht mehr erleben. Sie war reif für den Himmel, wo sie die Wonnen dieses heiligsten Herzens ewiglich genießen sollte. Sie hatte bereits den höchsten Gipfel der Vollkommenheit erreicht; ihr Leben war nur mehr ein himmlisches. War sie früher verachtet, mißkannt, verfolgt, so fand nun ihr heiliges, in Gott verborgenes Leben überall Anerkennung, besonders, da sie Gott auch mit der Gabe der Wunder begnadete.&lt;br /&gt;
Von diesen zahlreichen Wundern, die der Herr durch sie gewirkt, nur einige. Eine Laienschwester des Klosters hatte sich beim Holzspalten mit dem Beile am Beine verwundet. Mehrere Wochen lang verbarg sie ihr Übel mit heldenmüthiger Geduld, aus Furcht, man möchte sie aus dem Kloster entfernen. Da aber die Wunde immer gefährlicher wurde, so kam sie auf den Gedanken, mit ihrem wunden Beine den untern Theil des Kleides der Heiligen zu berühren im festen Vertrauen, sie würde Heilung finden. Dies that sie denn auch ohne Vorwissen der Dienerin Gottes und ward sogleich geheilt. &lt;br /&gt;
Einer ihrer Vettern, ein Ordensmann, der noch jung und von spaßhafter Gemüthsart war, besuchte eines Tages Schwester Margaretha in Gesellschaft ihres Bruders und eines Pfarrers. Während nun Margaretha ihrer Gewohnheit nach mit den Männern eine Unterredung über heilige Dinge hielt, führte ihr junger Vetter allerlei Scherzreden dazwischen. Der Pfarrer verwies ihm dieses, aber Schwester Margaretha, die dies hörte, sprach sanft: „Lassen Sie ihn lachen; es sind dies seine letzten Freuden.“ Der Ordensmann achtete dieser Worte nicht; aber bald gingen sie in Erfüllung. Wenige Tage darnach war er eine Leiche! Solche auffallende Vorhersagungen machte Margaretha viele, die immer eintrafen. Sie durchschaute die Herzen derer, die mit ihr verkehrten, sie erkannte die verborgensten Gedanken, den geheimsten Kummer. So klagte einmal eine der Ordensschwestern der Margaretha, daß sie von einem großen innerlichen Leiden gequält werde, sagte ihr aber nicht, daß dies eine peinliche Angst sei, unwürdig den heiligen Sakramenten zu nahen. Nach Verlauf einiger Tage redete sie die Dienerin Gottes also an: „Der Geist, der den meinigen leitet, nöthiget mich, Ihnen zu sagen, Ihre Angst mißfalle dem Herrn, weil er von Ihnen mehr Liebe und Vertrauen fordert; besonders entfernen Sie sich nicht von der heiligen Kommunion.“ Die Ordensschwester staunte, befolgte den Rath, und die Angst war hinweg. – Wunderbar war auch der Verkehr der heiligen Dienerin Gottes mit den armen Seelen im Fegfeuer. Für sie hatte sie das größte Mitleid, für sie betete sie ohne Unterlaß und ihr Gebet hatte gewöhnlich den wunderbarsten Erfolg. Sie that dies nicht bloß, weil es der heilige Glaube lehrt, den armen Seelen zu Hilfe zu kommen, und die christliche Liebe sie hiezu drängte, sondern auch, weil sie oft die Peinen dieser armen Seelen mit den Augen des Geistes schaute. So sah sie einmal in der Nacht eine verstorbene Ordensschwester in einem erschrecklichen Bette liegen, das oben und unten mit scharfen, feurigen Stacheln besetzt war, die in das Fleisch eindrangen, und zwar wegen Nachlässigkeit in Beobachtung der Ordensregeln; ihr Herz wurde zerrissen wegen Murren gegen die Befehle der Oberinen, und ihre Zunge wurde von Motten zerfressen wegen liebloser Reden gegen den Nächsten. Die leidende Seele flehte: „Margaretha! Bete, bete für mich; opfere Gott deine Leiden in Vereinigung mit den Leiden Christi; gib mir alles Gute, das du bis zum Freitag des Maimonats thun wirst, wo du für mich kommunizieren sollst.“ Dies that denn auch Margaretha mit Erlaubnis der Oberin, und die arme Seele fand Linderung und Trost.&lt;br /&gt;
Den Oberinen waren diese wunderbaren Dinge bekannt, denn Margaretha entdeckte sie ihnen in aller Einfalt des Herzens. Allein obwohl sie nicht zweifelten, daß hier kein Betrug unterlaufe, unterließen sie doch kein Mittel, um sich von der Wahrheit zu überzeugen. Eines der untrüglichsten Mittel, welches sie anwandten, war der Gehorsam und die Demüthigung. Margaretha bestand mit aller Treue die Prüfung. Jeder Wink, jeder Wunsch der Oberinen galt ihr als Befehl; die schwersten Opfer brachte sie dem Gehorsam. Es schien, als hätte sie gar keinen Willen und als wäre Verachtung, Hintansetzung und Schmach ihre Speise, nach der sie hungere. Aber auch dieses Mittel war der einsichtsvollen Oberin Mutter Gressier nicht genug. Eines Tages, an dem Margaretha an einer überaus schmerzlichen Krankheit, die ihr sogar die Sprache nahm, darnieder lag, gab ihr Mutter Gressier einen Zettel in die Hand, auf dem geschrieben stand: „Ich befehle Ihnen in Kraft des Gehorsams von Gott zu erbitten, ob, was in Ihnen vorgeht und vorgegangen ist, von Gottes Geist oder von der Natur herkomme, und daß Gott zum Zeichen, daß Alles von ihm ist, ihre körperlichen Leiden auf fünf Monate hinwegnehme, ohne daß sie Arznei gebrauchen und die gewöhnliche Lebensweise unterbrechen. Ist es aber nicht von Gott, sondern von der Natur, so sollen sie bleiben, wie sie sich befinden.“ Sobald Mutter Gressier diesen Zettel der heiligen Dienerin Gottes überreicht hatte, befahl sie ihr das Krankenzimmer zu verlassen. Schwester Margaretha gehorchte sogleich, begab sich ins Gebet und legte den Zettel zu den Füssen ihres göttlichen Bräutigams Jesus. Dieser erschien ihr und sprach: „Ich verheiße dir die Gesundheit zum Beweise des guten Geistes, der dich regiert.“ Die Wirkung folgte auch der Verheißung. Bei Erhebung der heiligen Hostie unter der Messe bedünkte es Margaretha, als würden ihr alle Krankheiten wie ein Kleid abgenommen. – Von diesem Augenblicke an war sie fünf Monate lang vollkommen gesund, blühend und so kräftig, daß sie alle Arbeiten verrichten konnte. Das Wunderbarste aber war, daß nach Verfluß der fünf Monate genau am selben Tage und zur selben Stunde, wo Margaretha gesund geworden, die Krankheit aufs Neue sie befiel.&lt;br /&gt;
So also auf Erden strenge geprüft und bewährt gefunden, sollte endlich Margaretha den Lohn ihrer Treue im Himmel empfangen. Der wunderbare Erfolg aller ihrer Vorhersagungen, die ebenso wundervolle Aufnahme und Verbreitung der Andacht zum heiligsten Herzen Jesu, ihr heiliger Lebenswandel und die unerschütterliche Geduld und Ergebung, womit sie alle Leiden und Verfolgungen ertrug, fest vertrauend, daß Gott Alles zum Besten lenken werde, hatten ihr bereits die allgemeine Verehrung erworben. Sie wurde daher zur Oberin vorgeschlagen, allein sie erlangte von ihrem göttlichen Meister die Gnade, von diesem Amte befreit zu werden, dafür aber mußte sie das Amt einer Assistentin oder Beiständerin übernehmen. Sie that es aus Gehorsam und demüthigte sich deßhalb nur noch mehr. Sie wollte ja gerne die Letzte im Kloster sein. &lt;br /&gt;
Die strengen Bußwerke, die schweren Kreuze, Prüfungen und Leiden, welche sie bisher tragen mußte, hatten ihren ohnehin schwächlichen Körper, den beständige Krankheit peinigte, an den Rand des Grabes gebracht. Ihr Herz athmete nur noch nach der seligen Ewigkeit, das Feuer der Liebe hatte bereits alles Irdische an demselben verzehrt. Früher von Angst und Furcht immer gepeinigt, goß ihr jetzt der Herr den tiefsten Frieden in das Herz. Ihre Begierden nach Leiden und Demüthigungen hörten auf, worüber sie staunte. Sie fühlte, dass die Stunde ihrer Auflösung allmälig nahe, und Gott hatte ihr auch Jahr, Tag und Stunde derselben kund gegeben. Um sich auf ihren Tod, den Niemand erwartete, obwohl sie ihn bestimmt vorher sagte, besser vorzubereiten, begab sie sich auf vierzig Tage in die Einsamkeit. Hier wurde ihr unter einem Gemälde vom Herrn Alles gezeigt, was sie je gewesen; alle ihre Unvollkommenheit, ihre Armseligkeit sah sie, all ihre Fehler wurden ihr geoffenbart. In tiefster Verdemüthigung ergab sie sich dem Gerichte des Herrn und erbat sich nur die Gnade, in sein göttliches Herz eingeschlossen zu werden und darin gefangen zu bleiben, bis all ihre Schuld bezahlt sei. Nachdem sie vierzig Tage der Einsamkeit, die sie in beständiger Betrachtung zubrachte, vorüber waren, wurde sie krank; aber dessenungeachtet verlangte sie im Monate Oktober wieder in die Einsamkeit sicht zurückziehen zu dürfen. Schon war der Tag hiezu bestimmt, als sie von einem Fieber befallen wurde. Eine der Schwestern, welche dies bemerkte, fragte sie, ob sie in die Einsamkeit gehen werde. Sogleich antwortete sie freundlich: „Ja wohl! Aber ich glaube, in die große!“ Am folgenden Tage berief man den Hausarzt, der aber aus ihrer Krankheit sich nicht viel machte und dessen Arzneimittel gewöhnlich auch nichts fruchteten. Margaretha dagegen sagte zu einer Schwester bestimmt, daß sie an dieser Krankheit, und in ihren Armen sterben würde. Mittlerweile nahmen die Schmerzen der Krankheit, die man äußerlich gar nicht merkte, in größter Heftigkeit zu. Doch die Dienerin Gottes ließ sich davon nichts merken; sie klagte nicht, aß, was man ihr gab, nahm jede Arznei und war mit Allem zufrieden. Es schien, als hätte sie keinen Körper mehr. Da man im Kloster nicht glaubte, daß sie so gefährlich krank sei, wollte man ihr auch die heiligen Sterbesakramente nicht reichen, und erlaubte ihr nur, weil sie inbrünstig darnach verlangte, die heilige Kommunion zu empfangen. Sie aber genoß dieselbe als heilige Wegzehrung und sagte darnach zu einer aus den Krankenwärterinen: „Dieß ist zum Letztenmale gewesen.“ Einige Zeit darnach verwandelte sich plötzlich ihr innerer Friede in eine unerfaßliche Angst vor den göttlichen Gerichten. So groß war ihr Entsetzen, daß sie am ganze Leibe zitterte und bebte. Das Kruzifix an den Mund drückend, seufzte sie mit Thränen in den Augen aus tiefster Brust: „Barmherzigkeit, mein Gott, Barmherzigkeit!“ Sie entdeckte auch einer der Schwestern, daß der Anblick des Verlustes der Zeit, die sie, wie sie meinte, zu ihrem Heile nicht gut genug verwendete, eine der Ursachen ihres Schreckens gewesen sei. Und doch hatte diese heilige Seele keinen Augenblick vorüber gehen lassen, wo sie Gott nicht liebte und in dieser Liebe Gutes that! O lieber Leser! Wie wird es uns einst am Tage unseres Todes ergehen; die wir so lau und nachlässig im Dienste Gottes sind!!&lt;br /&gt;
Schon brach der letzte Lebenstag der Dienerin Gottes an. Am Morgen noch sagte der Arzt, sie würde nicht an dieser Krankheit sterben, allein die Kranke entgegnete sanft: „Sie werden schon sehen!“ In dem Maaße, als ihr Körper immer mehr abschwächte, sah man die Glut ihrer Sehnsucht nach dem Himmel wachsen. Oft wiederholte sie die Worte: „Die Erbarmung Gottes werde ich besingen ewiglich.“ „Was verlange ich im Himmel, oder was außer dir habe ich auf Erden, o Gott, mein Antheil in Ewigkeit!“ Beklemmungen auf der Brust ließen sie nicht liegen; die Krankenwärterinen mußten sie emporheben, damit sie athmen konnte. Die Liebe verursachte ihr dieses Leid. Brennend vom Feuer dieser Liebe rief sie aus: „O Schwestern! Welche große Glückseligkeit ist es doch, Gott zu lieben! Ach, welch große Glückseligkeit! So liebet denn diese allerhöchste Liebe; aber liebet sie vollkommen!“&lt;br /&gt;
Nicht lange darnach befiel sie der Todeskampf, ohne ihr aber die Besinnung zu rauben. Sie verlangte, daß man all ihre Schriften und Briefe verbrenne, und diese heilige Ölung an ihr vollziehe. Die Oberin gestattete ihre erste Bitte nicht, die heilige Ölung aber empfing sie mit glühender Andacht. Bereits verfiel ihr die Sprache, nur mehr die beiden heiligen Namen Jesus und Maria vernahm man aus ihrem heiligen Munde, der sich immer nur zum Lobe Gottes und zum Heile der Seelen geöffnet, und ihre reine Seele schwebte zum Himmel empor. Dies geschah gegen acht Uhr Abends am 17. Oktober 1690.&lt;br /&gt;
Kaum war sie verschieden, so sah man ihr Antlitz von einer himmlischen Majestät und Holdseligkeit leuchten; alle, von der Oberin bis zur geringsten Schwester drängten sich um ihre Leiche und weinten, daß sie die Heilige nicht genugsam geachtet, ihr heiliges Beispiel nicht genug nachgeahmt hätten. Bald verbreitete sich das Gerücht von ihrem Tode auch in die Stadt. Überall erhob sich Weinen und Wehklagen und laut rief man in den Gassen: „Die Heilige ist todt!“ Sobald sich Morgens die Klosterpforten öffneten, strömte das Volk herbei, um die Dienerin Gottes nochmal zu sehen und um ihre Fürbitte anzurufen. Mehrere Kranke wurden auf der Stelle gesund. Am 18. Oktober wurde sie feierlich beerdigt und ihr Grab verherrlichte Gott fortwährend durch die größten Wunder. Das größte aber, welches Gottes Hand durch diese schwache, der Welt fast unbekannte Jungfrau wirkte, ist die Einführung und Verbreitung der Andacht zum göttlichen Herzen Jesu, wodurch Ströme von Gnaden auf die heilige Kirche Gottes und ihre Kinder niederflossen und noch immer fließen. Unter anderem hörte plötzlich im Jahre 1720 die gräuliche Pest in Marseille auf, als der Bischof und hohe Rath der Stadt sich feierlich dem göttlichen Herzen Jesu weihten. &lt;br /&gt;
In Anbetracht dieser wunderbaren Ereignisse und der allseitig bezeugten durch eidliche Vernehmungen erhärteten Heiligkeit der Dienerin Gottes wurde auch der Prozeß ihrer Heiligsprechung eingeleitet und am 28. März 1824 erhielt sie unter dem Papste Leo XII. den Titel „ehrwürdig.“ Unter dem jetzigen glorreich regierenden Papste Pius IX. wurde sie selig gesprochen. Ihre Heiligsprechung wird nicht lange mehr auf sich warten lassen.&lt;br /&gt;
Da die selige Dienerin Margaretha keinen andern Wunsch hegte, als daß von allen Menschen die unendliche Liebe Jseu erkannt, geehrt und geliebt werde, die in seinem anbetungswürdigsten Herzen, dieser Quelle aller Liebe und Gnade für uns Menschen glüht, so vernimm, lieber Leser, zum Schlusse dieser etwas ausführlichen Lebensbeschreibung die Worte der sel. Dienerin, welche sie in einem ihrer Briefe über die Andacht zum heiligsten Herzen Jesu schreibt: „Ich wüßte, spricht sie, keine Andachtsübung im geistlichen Leben, die geeigneter wäre, eine Seele, die sich dem Dienste Gottes ergeben, in kurzer Zeit zu einer höheren Heiligkeit zu erheben, und ihr Herz so sehr mit wahrhafter Lieblichkeit zu erfüllen, als diese Andacht. Ja, ich spreche es mit Sicherheit aus, wenn man wüßte, wie wohlgefällig Jesu diese Andacht ist, so bin ich überzeugt, es gibt keinen Christen, der diesen liebreichen Erlöser nur halbwegs liebt und dieselbe nicht alsogleich ausübte. … Mein göttlicher Heiland hat mir zu erkennen gegeben, daß auch weltliche Personen durch diese Andacht alle Hilfe finden, deren sie in ihrem Stande benöthigen, nämlich den Frieden in ihrer Haushaltung, Erleichterung in ihren Arbeiten und den Segen des Himmels in allen ihren Unternehmungen. Ganz eigentlich in diesem anzubetenden Herzen werden sie eine Zufluchtstätte während ihres Lebens, ganz besonders aber in ihrer Todesstunde finden. O wie süß ist es, zu sterben, wenn man eine ständige Andacht zu dem Herzen Desjenigen gehegt hat, der uns richten soll! Gewiß ist´s endlich, dass Niemand in der Welt ist, der nicht Hilfe aller Art empfange, wenn er zu Jesu Christo eine dankbare Liebe hätte, wie diese Liebe ist, die durch die Andacht zu seinem heiligsten Herzen ihm erzeigt wird?&lt;br /&gt;
Wie wäre es, christliche Seele, wenn auch du dieser so gnadenvollen Andacht dich hingäbest und nur alle Tage mit Innigkeit und im Gefühle der herzlichen Reue über deine Sünden nachfolgendes kleine Gebet verrichten würdest. Du kannst dadurch täglich 100 Tage Ablaß und alle Monate nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares und Verrichtung des Ablaß-Gebetes einen vollkommenen Ablaß gewinnen. &lt;br /&gt;
O liebenswürdigster Jesus! Ich schenke dir aus Dankbarkeit und zum Ersatze für meine vielfältige Untreue mein Herz und weihe mich ganz und für immer deinem Dienste; mit deiner Gnade nehme ich mir auch ernstlich vor, dich nicht mehr zu beleidigen. Amen.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884, von FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Die christliche Familie</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Kategorie:Familie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Familie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gott im alten Bunde seinem auserwählten Volke Israels das Gesetz gegeben hatte, berief er den Moses zu sich auf die Spitze des Berges Sinai, um ihm eine genaue Vorschrift zu geben über das Zeichen des Bundes, die Bundeslade und die gottesdienstliche Ordnung. Nachdem Moses 40 Tage und 40 Nächte auf dem Berge verweilt hatte, entließ ihn Gott, um zu seinem Volke herabzusteigen, und sprach: „Schau und mach es nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ward.“ (2. Mos. 25, 1-40) Als Gott den Neuen Bund der Vollkommenheit durch seinen eingeborenen Sohn auf Erden begründen wollte, ließ er ihn als Sohn der Jungfrau Maria und des heiligen Josef zu Nazareth wohnen, um der ganzen Welt ein Muster aufzustellen, nach welchem die Familie, die Grundlage für das Glück und Heil der Menschheit, ihr Leben einrichten sollte. In der heiligen Familie zu Nazareth hat Gott der Welt ein Muster zur Nachahmung vorgestellt und ruft allen (christlichen) Familien zu: „Schaut und macht es nach dem Bilde, das euch in Nazareth gezeigt ward.“&lt;br /&gt;
Heilig war die Familie zur Nazareth; heilig soll und muß nach ihrem Muster jede katholische Familie sein, und zwar: in ihrem Entstehen; in ihrem Bestehen.&lt;br /&gt;
Die Familie, d.h. die Gemeinschaft der Eltern und Kinder hat zu allen Zeiten als die vornehmste Grundlage aller gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung gegolten, und wohl kein einziger staatlicher Gesetzgeber hat es gewagt, das Recht der Eltern auf die Kinder anzutasten. Es darf ruhig behauptet werden, daß die Anschauung die Völker über die Rechte und Heiligkeit der Familie und daß die Art und Weise, wie die Heiligkeit der Familie praktisch verwirklicht wird, geradezu den Maßstab für die Kulturhöhe eines Volkes abgibt. Es ist unstreitig ein großer Verdienst der katholischen Kirche, daß sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln der Erziehung des Unterrichtes und der Seelsorge zu allen Zeiten die Heiligkeit der Familie angestrebt hat, sowohl in ihrem Entstehen als in ihrem Bestehen.&lt;br /&gt;
Soll die Familie heilig sein und dem Muster der heiligen Familie zu Nazareth gleichen, dann muß auch schon der Brautstand heilig sein. Zur Heiligkeit des Brautstandes aber gehören drei Erfordernisse: a) Bekanntschaften sollen nicht angeknüpft werden gegen den Willen Gottes; b) der Brautstand muß sittsam geführt werden; c) aus dem Brautstande in den Ehestand muß getreten werden nach einer guten Generalbeichte.&lt;br /&gt;
a) Soll die Familie in ihrem Entstehen heilig sein, dann dürfen Bekanntschaften nicht gegen den Willen Gottes angeknüpft werden. Gott ist es allein, der jedem Menschen seinen Stand und Beruf zuteilt; Gott beruft daher auch zum Ehestande, und er allein ist es, der die Gnaden gibt, daß die zueinanderpassenden Personen sich finden. Damit junge Leute, welche Bekanntschaft anknüpfen wollen, diese Gnade der richtigen Wahl von Gott erhalten, sollen sie in der Freundschaft Gottes, in der Furcht des Herrn wandeln; wie der alte Tobias seinen Sohn ermahnte: „Nimm die Jungfrau in der Furcht des Herrn zu dir.“ (Tob. 6,22).&lt;br /&gt;
Wie der liebe Gott aber alle Gnaden und Gaben, so hat er auch die Gnade einer richtigen Standeswahl, die Wahl der richtigen Lebensgefährtin an das Gebet geknüpft; darum ermahnt der Apostel Paulus: „In allen Dingen lasset euer Anliegen im Gebete Gott kundwerden.“ (Phil. 4,6.) Darum forderte der junge Tobias seine erwählte Jungfrau zum Gebete auf und sprach zu ihr: „Sara, steh auf und lass uns Gott bitten heute und morgen und übermorgen, denn wir sind Kinder der Heiligen und können nicht zusammenkommen wie Kinder der Heiden die Gott nicht kennen. (Tob. 8,4. u. 5.)&lt;br /&gt;
Gegen den Willen Gottes aber sind ganz gewiss alle diejenigen Bekanntschaften, bei welchen dem einen oder dem anderen Teile Gefahren für die Tugend und Unschuld, Gefahren für die Religion, Gefahren für den heiligen katholischen Glauben drohen. Bekanntschaften, welche nur Rücksicht nehmen auf Schönheit und Vermögen und Tugend und Religion weniger hoch anschlagen, sind ganz sicher gegen den Willen Gottes; Bekanntschaften, angeknüpft mit Personen, die entweder gar keinen Glauben oder einen falschen Glauben haben und demnach den anderen Teil in Gefahr bringen, im Glauben gleichgültig zu werden oder den Glauben zu verlieren, sind ganz gewiß gegen den Willen Gottes, und aus solchen Bekanntschaften kann eine heilige Familie nicht entstehen.&lt;br /&gt;
b) Soll die Familie in ihrem Entstehen heilig sein, dann muß die angeknüpfte Bekanntschaft sittsam geführt werden. Christliche Brautleute sollen sich gegenseitig achten und ehren wie Tempel des Heiligen Geistes, die sie ja wirklich sind; sie sollten sich wohl hüten, etwas zu wünschen oder etwas zu reden, etwas zu sehen oder zu hören, irgend etwas zu tun, was der zarten Schamhaftigkeit zuwider ist oder was die Heiligkeit des Tempel Gottes verletzen könnte. Darum ermahnt so eindringlich der Apostel Paulus: „Ich bitte euch, Brüder, um der Erbarmungen Gottes willen, daß ihr euere Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer darbringt.“ (Röm. 12,1.) Besonders wirksame Mittel, die Bekanntschaft, den Brautstand sittsam zu führen, sind stete Wachsamkeit und fleißiges Gebet, wie unser Heiland so oft ermahnt:  „Sehet zu, wachet und betet.“ (Mark. 13,33.) Das vorzüglichste und wirksamste Mittel für Brautleute, sittsam zu bleiben, ist die öftere heilige Kommunion, denn diese bewahrt vor Todsünden und gibt Lust und Kraft zum Guten.&lt;br /&gt;
c) Soll endlich die Familie in ihrem Entstehen heilig sein, dann sollen die Brautleute, bevor sie in den Ehestand treten, eine gute Generalbeichte ablegen. Die Eheleute treten in einen ganz neuen Lebensabschnitt, in einen ganz neuen Berufskreis ein, der ganz neue Pflichten, ganz neue Beschwerden, ganz neue Gefahren bringt. Da ist es nützlich und heilsam, daß durch eine Generalbeichte das Herz und Gemüt von allen Vorwürfen des Gewissens, von allem Druck, von aller Unreinigkeit aus dem früheren Leben vollständig befreit und gereinigt wird. Dann wird mit um so größerer Freude und Bereitwilligkeit, mit frischem Mute und Gottes Gnade ein ganz neues, gottgefälliges, tugendhaftes Leben begonnen in treuer Erfüllung der neuen Standespflichten.&lt;br /&gt;
II. Ist so die neu gegründete Familie geheiligt in ihrem Entstehen, dann wird sie auch geheiligt bleiben in ihrem Bestehen. Zur Heiligkeit der Familie in ihrem Bestehen gehören vorzugsweise drei Erfordernisse: a) Die Eheleute müssen sich gegenseitig heiligen; b) die Eltern müssen die Erziehung der Kinder heiligen; c) heilig muß das Betragen der Kinder gegen die Eltern sein.&lt;br /&gt;
a)	Soll die Familie in ihrem Bestehen heilig sein und heilig bleiben, dann müssen die christlichen Eheleute sich gegenseitig heiligen durch gegenseitige Achtung, durch gegenseitige innige Liebe, durch gegenseitige unverbrüchliche Treue, durch gegenseitiges Ertragen ihrer Schwächen und Fehler. Heiligen müssen sich christliche Eheleute in ihrer täglichen Arbeit, indem sie das Tagwerk nicht anders anfangen als im Namen Jesu, mit der guten Meinung. Heiligen müssen sich christliche Eheleute durch treue Erfüllung ihrer religiösen und ihrer Standespflichten. Heiligen müssen sich christliche Eheleute durch öfteren, würdigen, gemeinschaftlichen Empfang der heiligen Sakramente. Das Beispiel von Maria und Joseph soll ihnen stets vorschweben. „Schaut und machet es nach dem Bilde, das euch in Nazareth gezeigt ward.“&lt;br /&gt;
b)	Soll die Familie heilig sein in ihrem Bestehen, dann müssen die Eltern heiligen die Erziehung ihrer Kinder. Die Kinder sind Geschenke von Gott, sind edle, kostbare Perlen, die Gott der Herr dereinst von den Eltern zurückfordern wird, darum ist es die heiligste Pflicht der Eltern, ihre Kinder in Heiligkeit, Tugend und Sittsamkeit zu erziehen. Die ganze große Kunst der guten, heiligen Kindererziehung fasse ich zusammen in folgende drei Grundsätze: 1. Eigenes gutes Beispiel; 2. sorgfältige Wachsamkeit; 3. eifriges Gebet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Ohne eigenes gutes Beispiel können Eltern ihre Kinder nicht heilig erziehen; sehen und hören die Kinder von ihren Eltern nichts Gutes, dann kann man nicht erwarten, dass sie gut und heilig werden. O darum, christliche Eltern, führt selbst ein tugendhaftes, frommes, gottgefälliges Leben, dann werdet ihr tugendhafte fromme, gottgefällige, sittsame Kinder erziehen; wie der Heiland selbst ermahnt; „So leuchte euer Licht vor den Menschen, auf daß sie euere guten Werke sehen und den Vater preisen, der im Himmel ist.“ (Matth. 5,16.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Ohne sorgfältige Wachsamkeit können die Eltern weder die bösen Neigungen ihrer Kinder im Innern wirksam bekämpfen, noch die sittlichen Gefahren von außen her von ihren Kindern abwenden. Beides aber ist in gleicher Weise notwendig, damit das Kind in Sittsamkeit, Tugend und Gottesfurcht heranwachse. O darum, christliche Eltern, habet Sorge und wachet über die sich schon früh bei eueren Kindern entwickelnden bösen Neigungen, damit ihr sie von frühester Jugend an unterdrücket und den wachsenden guten Eigenschaften der Kinder ein fruchtbares Feld zubereitet. Ebenso habet Sorge und wachet über die Gefahren und Gelegenheiten der Sünde, über die Versuchungen und Verführungen, welche euren Kindern von außen her bereitet werden, damit nicht der Same des Unkrautes, den ihr meint ausgerottet zu haben, durch die Verführung aufs neue in die Herzen euerer Kinder gesäet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3.	Ohne eifriges Gebet wird die Erziehung der Kinder nicht gelingen und nicht gedeihen. Darum muß den Eltern zum Werke der Erziehung ebenso dringend das eifrige Gebet um Gottes Beistand und Gnade empfohlen werden, wie den jungen Leuten zur rechten Standeswahl und zur Bewahrung der Sittsamkeit im Brautstande. Darum mögen auch vorzüglich die Eltern bei dem verhängnisvollen Werke der Erziehung die Mahnung des Apostels Paulus nicht vergessen: „In allen Dingen lasset euer Anliegen im Gebete Gott kund werden.“ (Phil. 4,6.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	Das dritte Erfordernis für die Heiligkeit der Familie ist das heilige Betragen der Kinder gegen ihre Eltern. Das heilige Betragen der Kinder gegen ihre Eltern regelt das vierte Gebot Gottes, indem es den Kindern vorschreibt,  den Eltern Ehre, Liebe und Gehorsam zu erweisen, und ihnen dafür verspricht, dass es ihnen gut gehen und sie sich eines langen Lebens erfreuen sollen. Das war schon im Alten Bunde so bestimmt. Wie sehr Gott daran gelegen ist und wie notwendig es für das Wohl und Glück der Menschen ist dass dieses Gebot möglichst vollkommen erfüllt wird, geht daraus hervor, daß Gott im Neuen Bunde seinen eingeborenen Sohn dazu bestimmte, selbst Kind menschlicher Eltern zu werden, um allen christlichen Kindern ein vollkommenes Muster und Beispiel zu sein, wie sie ihren Eltern Ehre, Liebe und Gehorsam erweisen sollen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Koletta</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;Die heilige Koletta, eine Jungfrau&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Jahr 1447&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[6. März]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. März&lt;br /&gt;
Die heilige Koletta, eine Jungfrau&lt;br /&gt;
Jahr 1447&lt;br /&gt;
Der liebe Gott geht immer seine eigenen Wege, wie er selbst beim Propheten sagt: „Meine Gedanken sind nicht so wie die Eurigen und meine Wege sind nicht wie euere Wege.“ – Um Großes auszuwirken, wählt er gerade das Schwache und Unscheinbare in den Augen der Welt, damit alle Welt erkenne, dass seine Hand im Spiele, und eigentlich Er es ist, der das Gute vollbringt. Deshalb hat denn auch Gott, um den berühmten Orden der heiligen Klara, der vor 400 Jahren sehr im Zerfall geraten war, wieder in die rechte Zucht und Ordnung zu bringen, nicht einen Papst oder Bischof, nicht einen Fürsten oder gelehrten Professor, sondern die Tochter eines armen Zimmermannes auserwählt, welcher sie auf den Namen des heiligen Nikolaus, zu dem er ein großes Vertrauen hatte, taufen ließ, und woher sie den Namen „die kleine Nikola“ oder „Koletta“ erhielt. Nicht immer wahr ist der Spruch: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand, aber immer wahr ist da Wort: Wen Gott zu einem großen Werke beruft, dem gibt er auch die nötige Gnade. So war es auch bei der frommen Koletta. Sie hatte eine gar gute Mutter, die ihr frühzeitig heilige Gottesfurcht, Liebe zur Keuschheit und eine große Andacht zum Leiden Christi und zur seligsten Jungfrau einpflanzte. – Schon als Kind von 4 Jahren zeigte sie eine große Freude zum Gebete. Deshalb suchte sie gerne die Einsamkeit und mied die Spiele der anderen Mädchen ihres Alters. Kam sie aber zuweilen unter Kinder, so redete sie mit ihnen von dem göttlichen Heilande und von der Eitelkeit der Welt, und ihre Worte drangen gewöhnlich tief in die Kinderherzen und selbst Erwachsene wurden davon ergriffen. An schönen Kleidern und Putzsachen hatte sie gar kein Gefallen, aber dafür eine große Liebe zur Keuschheit. Ein unanständiges Wort, einen Blick von einer Mannsperson konnte sie nicht ertragen. So lange ihre Eltern lebten, versah sie willig die häuslichen Arbeiten, die übrige Zeit verwendete sie auf das Gebet und geistliche Lesung. Die liebsten Tage waren ihr die Sonn- und Feiertage, aber nicht deswegen, um da spazieren zu gehen, oder Besuche zu machen, oder gar zum Tanz zu laufen, wie es leider viele Mädchen heutzutage machen, sondern in die Kirche zu gehen, um dort Jesum, ihren Geliebten heimzusuchen, das Wort Gottes zu hören, und die heiligen Sakramente zu empfangen. – Nach der Andacht besuchte sie die Kranken; leistete ihnen allerhand Dienste, tröstete sie und ermunterte sie zum geduldigen Leiden. Bisweilen versammelte sie auch junge Mädchen um sich, redete mit ihnen nicht von schönen Kleidern, und weltlichen Vergnügungen! Sondern von der Liebe Gottes, von der Schönheit der Unschuld, von der Vergänglichkeit alles Irdischen und zwar so rührend und eindringlich, dass viele von ihnen recht fromm wurden und sogar das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit ablegten. An diesem frommen Leben ihrer Tochter hatten die guten Eltern alle Freude und sie legten ihren heiligen Übungen kein Hindernis. –&lt;br /&gt;
Als die gute Koletta zur blühenden Jungfrau herangewachsen war und bemerkte, dass ihr schönes Gesicht andern und ihr selbst Gefahr bringen könnte, bat sie Gott inständig und mit Tränen, er möchte ihr Gesicht verunstalten; auch fastete sie und tötete sich auf allerlei Weise ab, um ihre Schönheit zu verlieren. Es geschah, was sie verlangte, sie ward blass, hager und für ihr ganzes Leben abgezehrt.&lt;br /&gt;
Es mag dir vielleicht, lieber Leser, dieses Benehmen der seligen Koletta sonderbar vorkommen; denn heut zu Tage tun die jungen Mädchen gerade das Gegenteil. Sie bilden sich auf ihre Schönheit etwas ein, hören es gerne, wenn ein junger Lasse oder ein alter Geck ihnen Schmeicheleien sagt, ohne dass sie rot werden; sie putzen und schmücken sich, stehen immer vor dem Spiegel, verwenden ganze Stunden aufs Richten der Haare, laufen in alle Gesellschaften, lassen sich überall gern sehen, wollen immer das schönste Kleid nach der Mode haben und pressen ihre Eltern darum bis auf´s Blut; sie suchen Bekanntschaften, lesen schlechte Bücher, und denken nur auf eine Versorgung. Aber was geschieht? Solche eitle Mädchen vergessen auf Gott und ihre unsterbliche Seele; sie lernen keine häusliche Arbeit, ergeben sich dem Müßiggang; hängen bösen Gedanken nach, trauen sich zu viel, begeben sich in Gefahr, verlieren nach und nach die Schamhaftigkeit, fallen in die Klauen eines listigen Verführers, verlieren ihre Unschuld und ihren guten Namen und werden eine Beute der Sünde und des Lasters. Ihre jungendliche Schönheit ist dahin, sie finden sich getäuscht und betrogen; und wenn sie auch heiraten, so werden sie höchst unglücklich; sie bringen ihre Schande mit in den Ehestand, da werden sie von ihrem Manne verachtet, mit Vorwürfen überhäuft, oft auch misshandelt und in lauter Kreuz und Leiden bringen sie ihre Tage hin, bis endlich der Tod sie erlöst, um vor Gottes Gericht Rechenschaft zu geben über ihre verlorene schöne Jugendzeit, über ihre verlorne Unschuld, über die Ärgernisse, die sie gegeben, über die Sünden, die sie begangen haben!! – War also die gute Koletta etwa töricht, dass sie ihre Schönheit verachtete, da sie doch nur von kurzer Dauer und gefährlich für die Seele ist? Hat sie also nicht recht getan, dass sie mehr auf die Schönheit ihrer Seele sah und lieber die Schönheit ihres Leibes zum Opfer brachte, als die Unschuld ihrer Seele und die Jungfräulichkeit ihres Leibes verlieren wollte? – Ein schönes Mädchen ohne innere Herzensreinigkeit, ohne Demuth und Bescheidenheit ist wie ein mit Blumen geziertes Grab, das inwendig voll Moder und Gestank ist. – Merk dir das, wenn du ein Mädchen bist und dieses liesest; und bist du ein Jüngling, so lass dich von einem vergänglichen schönen Gesicht nicht blenden; bedenke, dass nur ein reines Herz vor Gott schön macht und wohlgefällig. – Und wenn ein Vater oder eine Mutter dieses liest, so mögen sie zu Herzen nehmen, dass viele Eltern schon um ihren Lebensfrieden und ihre Seligkeit gekommen sind, weil sie nicht darauf gesehen, dass ihre Kinder die Unschuld des Herzens recht hoch geschätzt und bewahrt; weil sie ihre Kinder nicht zu einem zurückgezogenen, gottesfürchtigen, stillen Leben angehalten, vielmehr ihnen alle Freiheit gestattet haben. – Der Fluch ihrer ungeratenen Kinder verfolgt sie übers Grab hinaus!!!&lt;br /&gt;
Die braven Eltern der gottseligen Koletta fanden an ihrer Tochter den süßesten Trost bis zu ihrem Tode, und als sie gestorben waren, nahm sich Koletta vor, die Welt gänzlich zu verlassen und in ein Kloster zu treten. Sie ging daher in das Kloster der Klarissinnen. Da sie aber bemerkte, dass man im Kloster die heilige Regel nicht halte und nach der Gottseligkeit nicht strebe, so trat sie wieder aus und zog den Habit des dritten Ordens des heiligen Franziskus von der Buße an; dann begab sie sich in eine kleine Einsiedelei und bereitete sich dort durch die strengsten Bußübungen auf ihren wichtigen Beruf vor. Es hatte ihr nämlich Gott den Gedanken eingegeben, die alte Zucht und Ordnung in den Klöstern der heiligen Klara wieder herzustellen. Nach drei Jahren trat sie aus ihrer Einsamkeit und vom damaligen Papst Benedikt XIII. mit einer Vollmacht versehen, zog sie von einem Kloster in das andere, um den Geist der Demut und Armut des heiligen Franz von Assisi wieder in denselben zu erwecken. Dabei hatte sie nun viel von weltlich gesinnten Nonnen zu leiden; sie wurde verspottet, verleumdet und verfolgt; allein sie blieb unerschütterlich in ihrem Vertrauen auf Gott, und ertrug alle Leiden mit Geduld; dadurch aber gewann sie eine große Zahl von Nonnen, die sie durch ihre Worte und ihr schönes Beispiel zur Vollkommenheit führte. Immer und immer sagte sie den Widerspenstigen: „Jesus Christus hat von dem ersten Augenblicke seines Lebens bis zu seinem Tode nur den Willen seines himmlischen Vaters getan, warum wollen wir nur dem unsrigen folgen?“ „Wer immer, fügte sie bei, hartnäckig an seiner Meinung hängt, geht den Weg zur Hölle.“ Nachdem sie in vielen Klöstern die alte Zucht hergestellt hatte, rief sie Gott nach einer schmerzlichen Krankheit zu sich. Sie starb zu Gent im Jahre 1447. Sie wird abgebildet im braunen Klosterhabit der Klarissinnen.&lt;br /&gt;
Von der Ergebung in Gottes heiligen Willen.&lt;br /&gt;
Die größte Ehre, welche du Gott erweisen kannst, besteht darin, sagt der heilige Alphons Liquori, dass du in Allem seinen heiligen Willen tust. Der Eigenwille oder Eigensinn des Menschen verdirbt alle guten Werke. Allerdings hat Gott ein Wohlgefallen an freiwilligen Abtötungen, Betrachtungen, Werken der Liebe gegen den Nächsten, aber wann? Wenn sie seinem heiligen Willen gemäß sind. Ist aber der Wille Gottes nicht dabei, so sind auch die besten Werke Gott nicht gefällig, ja er verabscheut sie. Wenn du also ganz und gar dem Herzen Gottes wohlgefallen willst, so musst du trachten, deinen Willen immer mit dem göttlichen Willen zu vereinigen, das heißt, du musst nichts anders wollen, als was Gott will und du musst es gerade so wollen, wie Er es will. „Was und wie Gott will,“ das muss beim Wahlspruch sein. Gar Viele möchten gerne fromm sein, aber sie wollen dabei nur ihrem Kopfe folgen; gar Viele haben einen starken Eifer, irgend ein gutes Werk zu verrichten, aber nur weil es ihnen selbst gefällt. Kommt ihnen ein Hindernis entgegen, müssen sie dabei Etwas leiden, geht es nicht gleich hinaus, wie sie es haben wollen, dann werden sie unwillig, verzagt und kleinmütig und lassen nach im Eifer. Ein Zeichen, dass der Eigensinn oder der Eigenwille oder eine andere Absicht dahinter steckt. Die selige Koletta war ein schwaches Weib; als sie aber erkannte, dass Gott von ihr haben wolle, sie sollte in die Klöster gehen und dort die alte Zucht herstellen, da ging sie unverzagt und mutig ans Werk. Der Gedanke: „Gott will es“, verlieh ihr Geduld und Ausdauer und sie brachte das Werk glücklich zur Ehre Gottes zu Stande. Sie musste dabei viel leiden, aber doch wurde sie nicht unruhig, denn der Gedanke: „Gott will es“ gewährte ihr den süßesten Trost. Die Heiligen haben daher durch die Vereinigung ihres Willens mit dem göttlichen auf dieser Erde schon die Freuden des Paradieses genossen, sagt der heilige Alphons. „Mein Vater im Himmel, der es so gut mit dir meint, will es so haben“, so dachten sie und waren zufrieden. O welch große Toren sind jene, welche sich dem göttlichen Willen so gerne widersetzen und bei ihren Mühseligkeiten und Trübsalen wider Gott murren! – Was Gott will, können sie doch nicht hindern, sie müssen ihre Leiden doch dulden, können sie nicht abschütteln, wenn sie auch noch so unwillig und zornig sind, und – haben dabei kein Verdienst; ja sie verbittern sich und andern das Leben und werden von Gott noch bestraft! Sieh also, christliche Seele, wenn du in einem harten Stand, in Not und Trübsal, wenn du krank bist, wenn man dich verachtet oder verfolgt, wenn du eine harte Arbeit verrichten musst, wenn dir viele Widerwärtigkeiten begegnen, so denke immer: „Gott will es, er ordnet es so an, und gerade so ist es zu meinem Besten,“ und sage dann die schöne Bitte: „Dein Wille, o Vater, geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.“ – Da wirst du dann in deinem Herzen viel Trost und Ruhe finden; es wird dir Alles leichter vorkommen und du wirst dich einst freuen und Gott danken, wenn er dir in der Ewigkeit zeigen wird, wie gut er es mit dir gemeint, wie er nur immer dein Bestes gewollt hat!&lt;br /&gt;
Gebet. O mein göttlicher Heiland, der du gesagt hast, dass deine Speise sei, den Willen deines Vaters zu tun, verleihe mir die Gnade, dass auch ich mich immer in den Willen deines Vaters ergebe und bei all meinem Tun und Lassen nur den Willen deines und meines Vaters im Auge habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Mehr in Kürze!)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884)&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Katharina von Siena</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Das Leben und Wirken der Hl. Katharina */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;Die heilige Katharina von Siena, Jungfrau&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Bild:KatharSiena.jpg|gerahmt|left|thumb|150px|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1380&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Nach neuem Kalender: [[29. April]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach altem Kalender: [[30. April]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Leben und Wirken der Hl. Katharina&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was einst der heilige Apostel [[Paulus]] geschrieben, daß nämlich [[Gott]] das auserwähle, was thöricht und was schwach, was unangesehen, mißachtet und nichtig ist vor der Welt, um die Weisen und Mächtigen der Erde zu beschämen (1. Kor. 1,26), das hat sich im Verlaufe der Zeit immer bestätigt. Gerade in der Zeit, wo der stolze Eigendünkel der Gelehrten, der Hochmuth und die Herrschsucht der Mächtigen die Welt in Verwirrung setzte, wo selbst die höchsten Kirchenfürsten um die päpstliche Krone stritten und die Einheit der Kirche zerrissen, erwählte Gott eine schwache, einfältige Jungfrau, um die Weisheit der Welt zu Schanden zu machen und seine Macht und Weisheit zu zeigen. Auf die Zunge dieser Jungfrau legte er Worte, welche alle Weisheit der Welt übertrafen und ihrer Seele verlieh er eine Kraft, die alle Welt in Erstaunen setzte. Diese Jungfrau ist Katharina, die Tochter eines ehrbaren Färbers von Siena in Italien, mit Namen Jakov von Beninkasa, ihre Mutter hieß Lapa. Unter fünf und zwanzig Kindern brachte im Jahre 1347 die fromme Lapa zwei Mädchen zur Welt, von denen das Eine in der Taufe den Namen Katharina, das Andere den Namen Johanna erhielt. Johanna starb und die Mutter konnte nun alle Sorge auf Katharina wenden, welche sehr schwächlich aber ein gar liebliches Kind war. Selbst die Nachbarn hatten Katharina ungemein lieb, und kaum konnte sie gehen, so wollte Jedermann sie um sich haben, weil sie gar so freundlich, sanft und heiter war. Je größer Katharina wurde, desto heller zeigten sich an ihr die Gaben des heiligen Geistes, der in ihrem reinen Herzen wohnte. Ihre Reden waren klug und lieblich und ihr Wandel war der eines Engels. Als sie fünf Jahre alt geworden, hatte sie schon eine zärtliche Andacht zur seligsten Jungfrau. So oft sie die Stiege in ihrem elterlichen Hause auf- und abstieg, grüßte sie auf jeder Stufe Maria mit dem Ave und die Engel des Himmels kamen und trugen sie oft von der obersten Stufe bis zur untersten, ohne dass ihre Füße die Erde berührten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald sollte sie in die innigste Verbindung mit Jesus gelangen. Eines Tages ging sie auf Befehl ihrer Mutter mit ihrem kleinen Bruder Stephan zu ihrer Schwester Bonaventura, welche an einen gewissen Nikolaus verheirathet war, um dort eine Botschaft auszurichten. Auf dem Rückwege sah sie plötzlich ober der Kirche des heiligen Dominikus in den Lüften einen prächtig geschmückten Thron, auf welchem der Heiland, mit den Kleidern eines Bischofs angethan, saß, an seiner Seite die drei heiligen Apostel [[Petrus]], [[Paulus]] und [[Johannes - Apostel|Johannes]]. [[Jesus Christus|Jesus]] und die Apostel schauten Katharina gar freundlich an und Jesus gab ihr seinen Segen nach Art der Bischöfe mit einem lieblichen Lächeln. Katharina blieb von Staunen ergriffen mitten auf dem Wege stehen; sie sah und hörte nicht, was um sie vorging. Ihr kleiner Bruder, der schon eine Strecke vorausgegangen war, kehrte um, und rief ihr zu, sie aber antwortete nicht. Da nahm er sie bei der Hand und sprach: &amp;quot;Was thust du da? -- Warum kommst du nicht?&amp;quot; Da kam Katharina zu sich, senkte die Augen und sagte: &amp;quot;Wenn du so etwas Schönes sähest, wie ich sehe, würdest du mich nicht stören!&amp;quot; Sie erhob ihre Augen wieder, aber Alles war verschwunden. Vor Trauer darüber weinend ging Katharina nach Hause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von dieser Zeit an legte Katharina alles Kindische ab. Immer betete sie und suchte die entlegensten Winkel des Hauses auf, wo sie kleine Mädchen um sich versammelte, und mit ihnen fromme Gespräche führte, die diese mit größter Freude anhörten. Der Geist der Welt treibt die Seinen zum Genusse von Freude und Luft an, der Geist Gottes aber zur Entsagung und Abtödtung. Katharina gehörte nicht der Welt, sondern Gott an, darum suchte sie sich selbst abzutödten und auch ihre Freundinen hiezu anzutreiben. Öfters geißelten sie sich mit kleinen Stricken, während sie eine gewisse Anzahl von Vater unser und Ave Maria beteten. Auch lehrte sie der heilige Geist, ohne in Büchern zu lesen, das umständliche Leben der heiligen Väter und besonders des heiligen Dominikus kennen. Dadurch erwachte in ihr eine heftige Liebe zur Einsamkeit. An einem schönen Morgen nahm sie ein Brod zu sich und verließ heimlich die Stadt. Sie ging so lange fort, bis sie die Thürme der Stadt nicht mehr sah und begab sich abseits vom Wege in eine Felsenhöhle. Sogleich fiel sie auf die Kniee und betete mit größter Inbrunst. Doch während des Gebetes wurde ihr die Belehrung, daß ein solches Leben nicht der Wille Gottes sei. Gehorsam der Stimme Gottes, kehrte Katharina sogleich nach Hause zurück; aber nun erwachte in ihr auch der Gedanke, wie sehr ihre gute Mutter um sie besorgt sein werde. Voll Vertrauen legte sie ihren Kummer in die Hand Gottes, und siehe da, plötzlich fand sie sich auf wunderbare Weise vor dem Thore von Siena. Sie kam nach Hause, ohne daß ihre Eltern wußten, wo sie gewesen, und Niemand erfuhr von diesem Wunder etwas, bis Katharina es ihrer Schwester und dem gottseligen Raimund, ihrem Beichtvater, entdeckte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hause der Eltern führte sie indessen ihr einsames, bußfertiges Leben fort. Sie aß nun kein Fleisch mehr, um ihren Leib ganz dem Geiste zu unterwerfen, und ihr innigstes Verlangen war, sich ganz und gar dem göttlichen Heilande zu weihen. Aber nun hatte sie einen harten Kampf, sowohl mit ihren Eltern, als auch mit dem Satan zu bestehen. Ihre Eltern waren fromme, gottesfürchtige Bürgersleute, allein sie sahen doch die besonderen frommen Uebungen ihrer Tochter nicht gerne. In ihrer Noth wandte sie sich zu Maria, ihrer geliebten Mutter, und bat sie, auf den Knieen liegend, mit heißer Inbrunst, daß sie ihr Jesum zum Bräutigam ihrer Seele geben möge, mit dem feierlichen Versprechen, nie einen anderen Bräutigam zu nehmen und ihre Jungfräulichkeit unbefleckt zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem aber wurde der Widerstand im väterlichen Hause peinlicher. Die Mutter Lapa wollte durchaus ihre Tochter, die jetzt 12 Jahre alt war, durch eine gute Heirath versorgen, und damit dies leichter ginge, suchte sie ihr Liebe zu schönen Kleidern einzuflößen. Auch ihre Schwester stand der Mutter hierin bei. Katharina gab nach und verwendete mehr Sorge auf die Zierde ihres Leibes, im Grunde des Herzens aber bewahrte sie doch die Liebe zu ihrem göttlichen Bräutigam, der, eifersüchtig auf das Herz seiner Braut, nun in das Mittel trat. Die Schwester der Katharina, eine reine Seele, starb, mußte aber im Fegfeuer dafür leiden, weil sie zur Versuchung ihrer Schwester mitgewirkt hatte. Auf die Fürbitte derselben wurde sie daraus befreit, und Katharina erkannte nun ihren Fehltritt und bereute und büßte ihn ihr ganzes Leben lang. Jesus hatte diesen Fehltritt, der nicht gar groß war, zugelassen, um Katharina in der wahren Demuth zu üben, damit sie fortan erkenne, wie schwach sie sei ohne den Beistand ihres göttlichen Bräutigams.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon hatte Katharina ihr Herz ganz wieder ihrem göttlichen Heilande zugewandt, als nun auch der Satan selbst gegen sie auftrat. Eines Tages, als sie vor einem Kruzifixe betete, legte er ein prächtiges Kleid vor sie hin, damit sie sich damit schmücke; allein Katharina verachtete den Versucher und seine Pracht und rief zu Gott: &amp;quot;O mein allersüßester Herr, du weißt wohl, daß ich keinen andern Bräutigam als dich selbst gewählt habe, ich bitte dich daher, stehe mir in dieser Versuchung bei!&amp;quot; Jetzt sah sie die Königin der Jungfrauen, Maria, vom Kruzifixe ein Kleid hervornehmen von außerordentlicher Schönheit, geschmückt mit kostbaren Steinen und sie damit bekleiden. Katharina demüthigte sich tief vor Gott und erneuerte ihren Entschluß, nicht zu heirathen. Allein die Versuchung nahm kein Ende. Die Mutter hatte schon einen Mann für Katharina ausgesucht, dem sie die Hand reichen sollte; Katharina widerstand muthig, und da die Mutter nicht nachließ, schnitt sie sich ihre schönen Haare ab, welche in goldenen Locken auf ihre Schultern herabhingen und trug von nun an einen dichten Schleier auf dem Haupte. Als dieß die Mutter wahrnahm, brach sie in die heftigsten Vorwürfe gegen ihre Tochter aus und die Eltern faßten nun den Entschluß, Katharina solle von nun an kein besonderes Zimmer mehr haben und die Dienste einer Küchenmagd im Hause verrichten, um sie vom Gebete abzuhalten. Allein vergebens; Katharina machte nun ihr Herz zu einer Zelle, wo sie sich mit ihrem himmlischen Bräutigame unterhielt; unter ihrem Vater stellte sie sich Jesum, unter ihrer Mutter Maria, die seligste Jungfrau, vor, ihre Brüder betrachtete sie als die Apostel und Jünger des Herrn und suchte sie im Namen derselben zu bedienen. Weil sie kein besonderes Zimmer mehr hatte, wo sie einsam dem Gebete obliegen konnte, so zog sie sich heimlich in die Kammer ihres frommen Bruders Stephan zurück. Hier sah sie eines Tages der Vater in einem Winkel knieend und in Betrachtung versunken, eine weiße Taube auf dem Haupte. Jetzt sollte die Verfolgung ein Ende erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina hatte eine große Neigung zu dem Orden des heiligen Dominikus, der um diese Zeit in schönster Blüthe stand; sie wollte in diesen Orden treten, wußte aber nicht, wie sie es ausführen sollte. Da erschien ihr einstens im Schlafe der heilige Dominikus mit einer schneeweißen Lilie in der Hand und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, sei guten Muthes, du wirst ganz gewiß mein Ordenskleid tragen.&amp;quot; Dadurch wunderbar gestärkt, erklärte sie nun ihrer ganzen Familie ihren festen Entschluß nicht zu heirathen, weil sie das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt habe. Nun gab der Vater nach und erlaubte ihr nach ihrem Willen ihren gottseligen Übungen obzuliegen. Sie erhielt ein kleines Zimmer im Hause und in diesem lebte sie nun, wie eine heilige Büsserin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Kleider waren von Schafwolle und ihr Bett war eine Art Tisch, woraus sie angekleidet ein wenig schlief; um ihren Leib hatte sie eine eiserne Kette gegürtet, die sie aber auf Befehl des Beichtvaters ablegen mußte, und täglich geißelte sie ihren schwachen Leib ein und eine halbe Stunde lang bis aufs Blut. Nur von göttlichen Dingen wollte sie hören und reden, und ihr einziges sehnsüchtiges Verlangen war, in den Orden der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus zu treten. Jedoch ihre Mutter wollte hiezu ihre Einwilligung nicht geben; endlich aber durch die beständigen Bitten ihrer Tochter besiegt, ging sie zu der Oberin des Ordens, und bat sie um das Ordenskleid für ihre Tochter. Es lebten aber die Mitglieder dieses Ordens damals noch nicht in einem Kloster, sondern jede Schwester in ihrem Hause; sie trugen schwarze Mäntel, daher Mantellaten genannt und versammelten sich alle Sonntage in der Kirche der Dominikaner, um da das Wort Gottes zu vernehmen. Nur Wittwen und Frauen vom vorgerückten Alter wurden aufgenommen. Als daher die Mutter Lapa ihre Bitte vortrug, erhielt sie eine abschlägige Antwort, denn ihre Tochter Katharina war noch ein junges Mädchen. Lapa brachte mit Freuden diese Antwort, denn sie sah den Schritt ihrer Tochter nicht gerne; jedoch diese verzagte nicht, hatte ihr ja der heilige Vater Dominikus in einem Gesichte versprochen, daß sie ganz gewiß das Kleid seines Ordens tragen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie drang in ihre Mutter, mit ihren Bitten nicht nachzulassen; da ber alles Bitten nichts half, wurde Katharina krank vor Kummer. In größter Angst lief Lapa wieder zur Oberin, klagte ihr ihr Herzenleid, und fand Erhörung, aber nur unter der Bedingniß, daß Katharina keine schöne Gestalt haben dürfe. Dies war nun bei Katharina der Fall, denn die strenge Buße und schwere Krankheit hatte ihr Gesicht ganz entstellt, und so fand sie denn endlich Aufnahme in den Orden. Sie war erst achtzehn Jahre alt, als sie das weiße Unterkleid des Ordens und den schwarzen Mantel empfing. Hatte sie schon früher ein strenges Bußleben geführt, so verdoppelte sich jetzt ihr Eifer. Um sich ganz von der Welt zu trennen, beschloß sie, das Stillschweigen zu beobachten, und drei Jahre redete sie kein Wort, außer in der Beicht. Sie ging nur aus ihrer Zelle, um in die Kirche zu gehen; ihre geringen Speisen genoß sie allein und immer mit Thränen, und während die Dominikanermönche in ihrem Kloster schliefen, wachte und betete sie; erst um 2 Uhr früh legte sie sich ein wenig auf den Tisch, um zu ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Beichtvater, der gottselige Raimund von Kapua, ein berühmter Dominikaner, führte mit ihr oft heilige Unterredungen, wollte ihr aber nicht eher Glauben schenken, bevor er sie nicht geprüft hatte, gemäß dem Befehle des Apostels: &amp;quot;Prüfet die Geister.&amp;quot; Jesus aber übernahm selbst die Prüfung. Als einst Bruder Raimund sich mit ihr über ihre Offenbarungen, welche ihr Gott häufig machte, unterhielt, kam ihm ein starker Zweifel daran und er dachte sich: Ist auch Alles wahr, was sie sagt? Aber sogleich verwandelte sich das Angesicht der Jungfrau in das Angesicht des furchtbar erzürnten Erlösers. Raimund hob erschrocken die Hände empor und rief: &amp;quot;Wer ist denn der, welcher mich ansieht? Da antwortete Katharina: &amp;quot;Es ist der, welcher ist.&amp;quot; Das Gesicht verschwand und Raimund war von nun vollkommen von dem guten Geiste überzeugt, welcher Katharina regierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der böse Feind aber, ergrimmt über die hohe Tugend der gottseligen Jungfrau, ließ kein Mittel unversucht, um sie in seine Falle zu locken. Jesus, ihr göttlicher Bräutigam, ließ es zu, um ihre Treue zu prüfen. Furchtbar war der Kampf, welchen nun Katharina zu bestehen hatte. Tag und Nacht stellte er unreine Bilder vor die Augen ihres Geistes, und ihr Inneres wurde mit den scheuslichsten Gedanken erfüllt. Angst und Schrecken erfaßte die Jungfrau, sie griff zur Geißel und zum Gebete, ohne den Eingebungen des Satans eine Antwort zu geben; allein es half ihr nicht gleich, sie mußte die Versuchung bestehen. Da der Satan sie nicht zur Einwilligung bringen konnte, so suchte er in ihr den Zweifel zu erregen, ob sie auch in ihrem jetzigen Stande aushalten könne. Allein Katharina ließ sich nicht irre machen, sie betete fort, obschon es ihr schien, als habe sie Jesus ganz verlassen. Nirgends fand sie einen Trost; es war ihr, als läge sie in tiefster Finsternis. Als nun eines Tages Satan zu ihr sprach: &amp;quot;Elende, was wirst du anfangen? Dein ganzes Leben wirst du so zubringen; den nwir werden dich bis zu deinem Tode quälen, wenn du nicht einwilligst.&amp;quot; Da antwortete Katharina mit aller Entschiedenheit: &amp;quot;Ich habe dieß verdient, und es ist mir nicht schwer, diese und andere Strafen für den Namen meines Heilandes zu tragen, so lange es seiner göttlichen Majestät gefällt.&amp;quot; Nun wich der Satan, die Demuth der Jungfrau hatte ihn besiegt. Dafür aber erschien ihr Jesus am Kreuze in himmlischen Glanze und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, siehst du, wie viel ich für dich gelitten habe? Soll es dich also schwer ankommen, für mich zu leiden? Da vergoß Katharina einen Strom von Thränen und sprach: &amp;quot;O süsser Jesus, wo warst du denn, als meine Seele von so vielen Abscheulichkeiten geplagt wurde?&amp;quot; Der Herr antwortete: &amp;quot;Mitten in deinem Herzen!&amp;quot; Wie, entgegnete Katharina, du warst in meinem Herzen, das voll schmutziger, abscheulicher Gedanken war?&amp;quot; Jesus sprach: &amp;quot;Hast du an diesen Gedanken Freude gehabt? Katharina: &amp;quot;O nein, ich war davon in die größte Betrübnis versetzt.&amp;quot; Jesus: &amp;quot;Wer aber hat dies bewirkt als ich? Wäre ich nicht zugegen gewesen, so würden jene Gedanken in dein Herz eingegangen sein und du hättest dich daran erfreuet. Ich habe dich vertheidigt und meiner Anwesenheit hast du den Sieg zu verdanken!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus ging von nun an gar freundlich mit ihr um; er erschien ihr oft und verweilte lange bei ihr; manchmal hatte er auch seine glorreiche Mutter, manchmal den heiligen Johannes, die heilige Magdalena, den heiligen Dominikus bei sich. Er betete mit ihr die Psalmen und da Katharina nicht lesen konnte, so lehrte er sie die Psalmen in lateinischer Sprache lesen und verstehen. Sie betete nun mit aller Andacht die heiligen Tagzeiten, später aber mußte sie alles mündliche Gebet aufgeben, weil sie dabei sogleich in Verzückung gerieth. Ihr Gebet war jetzt immer innerlich und ihr heißestes Flehen war, im Glauben mit ihrem Jesus auf das Innigste verbunden zu werden. Ihr Gebet wurde erhört. Jesus vermählte sich mit ihr, seiner reinen Braut, in Gegenwart seiner heiligen Mutter Maria und anderer Heiligen und steckte ihr einen Ring an den Finger, der mit vier Perlen besetzt war, in deren Mitte ein wunderschöner Edelstein glänzte. --- Katharina war nun die Braut des Herrn, sie hatte das Zeugnis der Treue und war nun ausgerüstet zum Kampfe für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Bisher hatte sie ein verborgenes Leben in Christo geführt; wie ein stilles Lampenlicht brannte sie vor dem Angesichte des Herrn; von nun an sollte sie auch Andern leuchten, ja, sie sollte eine hellstrahlende Fackel in der Kirche Jesu werden; bisher hatte sie stille zu den Füssen Jesu gesessen und seinen Worten gelauscht, jetzt sollte sie in die Welt eintreten und zeigen, wie man das zweifache Gebot Gottes erfüllt: &amp;quot;Du sollst Gott lieben über Alles und den Nächsten wie dich selbst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wollen nun, lieber Leser, den Fußstapfen der Heiligen folgen und ihren Wandel unter den Menschen betrachten. Katharina lebte noch immer im Hause ihrer Eltern und bewohnte da eine einsame Zelle. Ihre fromme Mutter hatte ihr erlaubt, ungestört ihren frommen Uebungen obzuliegen. Nun aber wollte sie auch das thätige Leben üben. Sie verrichtete zuerst die niedrigen Dienste einer Magd im Hause und in der Küche, und wenn die eigentliche Magd des Hauses krank war, so wartete sie dieselbe mit aller Liebe und verdoppelte ihren Eifer in der Arbeit. Dabei aber war sie immer mit Jesus vereiniget und gar oft geschah es, daß sie mitten in der Arbeit außer sich gerieth. Als nun Katharina sah, wie sehr dies Leben ihrem Heilande gefalle, so nahm sie sich auch der Armen und Kranken an. Ihr guter Vater hatte ihr auf ihre Bitten erlaubt, von seinem Vermögen die Armen zu unterstützen. Voll Freude hierüber, trug sie nun den Armen Almosen zu und sie scheute dabei keine Mühe. Einst lag sie am ganzen Leibe geschwollen im Bette, da hörte sie, daß in der Nachbarschaft eine Wittwe sei, die mit ihren Kindern große Noth leide. Da flehte sie inständig zu Jesus, er möge ihr nur so viel Kraft geben, um dieser Armen helfen zu können. Sogleich stand sie vor dem Morgenlicht auf, füllte einen Sack mit Weizen, eine große Flasche mit Wein und ein Gefäß mit Oel und brachte Alles in ihre Zelle. Wie sollte sie dies Alles aber in das Haus der Wittwe bringen; sie versuchte es, vertrauend auf den göttlichen Beistand, nahm sie den Sack auf den Rücken, beide Krüge in die Hände, und mit leichter Mühe, als wäre sie voll Kraft, trug sie Alles allein dem Hause der Wittwe zu. Bei dem Hause aber wurde plötzlich die Last so schwer, daß sie nicht mehr weiter konnte; sogleich rief sie wieder zu Jesus, und siehe, es gelingt ihr, die Last in das Haus zu schleppen und dort niederzulegen. Vom Geräusche aufgeweckt, erwachte die Wittwe, welche noch schlief. Katharina wollte davonlaufen, aber kraftlos sinkt sie zu Boden; sie suchte zu gehen, aber vergebens. Da wandte sie sich wieder zum Herrn um Hilfe und nun schlich sie sich allmälig fort und kam noch vor Tagesanbruch nach Hause, wo sie wieder krank auf ihr Bettlein hinsank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein Beispiel der rührenden Barmherzigkeit der heiligen Katharina will ich dir erzählen, lieber Leser, woraus du sehen kannst, wie gar angenehm dem Heiland das Almosen ist. --- Als sie einst in der Kirche war, kam ein armer Mensch zu ihr und bat sie flehentlich, ihm zu helfen. Weil sie gar nichts bei sich hatte, so sagte sie dem Armen freundlich, er möge nur so lange warten, bis sie nach Hause komme, dort wolle sie ihm ein reichliches Almosen geben. Der Arme aber sagte: &amp;quot;Gib mir gleich, denn ich kann nicht warten.&amp;quot; Katharina, welchen den Armen nicht fortlassen wollte, dachte hin und her, was sie ihm denn geben sollte; da fiel ihr ein silbernes Kreuzlein in die Augen, das sie an ihrem Rosenkranze hangen hatte. Sie riß das Kreuzlein herab und gab es dem Armen. Dieser ging zufrieden fort. In der folgenden Nacht aber erschien ihr der Heiland, zeigte ihre das Kreuzlein, wunderbar von Edelsteinen strahlend, und sprach: &amp;quot;Kennst du dieses Kreuz, meine Tochter? Du hast es mir gestern aus Liebe gegeben und ich verspreche dir, daß ich es dir am Tage des Gerichtes vor allen Engeln und Menschen in dieser Gestalt darreichen werde. Denn ich werde kein Werk der Barmherzigkeit verborgen halten an jenem Tage, wo ich meines Vaters Barmherzigkeit verherrlichen werde.&amp;quot; Nach diesen Worten verschwand der Herr und Katharina wurde durch dieses Gesicht nur noch mehr angefeuert, dem Nächsten Hilfe zu leisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allerärmsten sind die Kranken, welche verlassen von jeder menschlichen Hilfe in bitterer Noth schmachten. Katharina hatte das tiefste Mitleid mit derselben, ihnen widmete sie die zärtlichste Pflege. Im Spitale zu Siena lag ein krankes Weib, mit Namen Tessa, am Aussatz darnieder. Niemand wollte ihr wegen Gefahr der Ansteckung auswarten, ja man wollte sie sogar aus der Stadt schaffen. Kaum hatte Katharina davon gehört, so eilte sie sogleich herbei und diente der Kranken mit ausdauender Geduld und Liebe bis an ihr Ende. Das kranke Weib behandelte die sanfte Katharina mit dem größten Undank, aber diese ließ in ihrer Liebe nicht nach; ja, Katharina wurde an den Händen vom Aussatze selbst ergriffen, aber dennoch wich sie keinen Augenblick von der Elenden. Als das Weib gestorben war, wusch und kleidete Katharina sogar ihren schauerlichen Leichnam, legte ihn mit eigenen Händen in den Sarg und begrub ihn nach dem Seelengottesdienste. Sobald aber der Leichnam begraben war, waren die Hände der Heiligen wieder rein und erhielten sogar einen außerordentlichen Glanz. Auf diese Weise, wie diese Aussätzige, pflegte Katharina mit übermenschlicher Geduld eine andere Kranke, deren Brust vom Krebse ganz zerfressen war.  Mit dem größten Heldenmuthe überwand sie den Eckel, der sie befiel, wenn sie die gräßliche Wunde reinigte, aus welcher ein scheuslicher Gestank hervordrang. Was aber alle menschliche Geduld übersteigt, und der höchste Grad der Nächstenliebe ist, war der Umstand, daß die Kranke, welche von der Heiligen eine so zärtliche Pflege erhielt, sich erfrechte, ihre Wärterin auf das Schändlichste zu verläumden. Katharina duldete schweigend diese Bosheit und pflegte die Kranke mit immer gleicher Liebe; ja, sie ging hierin so weit, daß sie eines Tages, als ein gewaltiger Eckel sie beim Verbande der eiternden Wunde ergriff, sogar eine Schale voll stinkenden Eiters austrank, um ihren Abscheu zu überwinden. Aber dafür belohnte sie ihr göttlicher Bräutigam mit mehreren wunderbaren Gnaden. Er ließ sie in einer Erscheinung aus seiner heiligen Seitenwunde einen überaus süßen, himmlischen Trank trinken, der bewirkte, daß sie von nun an keine andere Speise mehr zu sich nahm, als blos die heilige Kommunion. So oft sie eine gewöhnliche Speise zu sich nahm, und war es auch nur ein kleiner Bissen Brod, so mußte sie sich erbrechen und wurde krank. Ferners erschien ihr eines Tages der Herr mit zwei Kronen in den Händen, die eine von Gold, die andere von Dornen und befahl ihr, eine davon zu wählen; sogleich langte sie mit den Worten: &amp;quot;Herr, ich verlange in diesem Leben nur an deinen Leiden Theil zu nehmen, soe sollen meine Freude sein,&amp;quot; nach der Dornenkrone und drückte sich dieselbe heftig auf das Haupt. Von nun an empfand sie im Kopfe immer stechende Schmerzen. Ein andersmal tauschte der Herr sein Herz mit den ihrigen und drückte ihr seine heiligen fünf Wundmahle ein, die aber auf ihre Bitte nicht sichtbar wurden. Solche Wunder der Gnaden feuerten die heilige Jungfrau zu immer größerer Liebe Gottes und des Nächsten an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sie sich bisher mit herzlicher Liebe der Armen und Kranken annahm, so wurde diese Liebe noch größer, wenn es darauf ankam, jenen zu helfen, welche an der Seele krank, so oft todt sind, nämlich --- den Sündern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr einst die Schönheit einer bekehrten Seele sehen lassen; seit dieser Zeit kannte ihr Eifer, Sünder zu Gott zurückzuführen, keine Gränzen; unaufhörlich flehte sie zu Gott um ihre Bekehrung. Einst wurde ihr von ihrem Beichtvater die Seele eines gewissen Bürgers Andreas Naddini von Siena empfohlen, der ein Spieler und schrecklicher Gotteslästerer war. Er lag krank und war dem Tode nahe, wollte aber trotz aller Ermahnung und alles Bittens von Bekehrung nichts wissen. Da warf sich Katharina auf die Kniee und flehte im heißen Gebete zu ihrem Heilande um die Rettung dieser Seele. Von fünf Uhr Abends an bis zum Morgen lag sie gleichsam im Streite mit Jesus, dessen Gerechtigkeit bereits das Urtheil über den verstockten Lästerer gesprochen hatte. Endlich siegte Katharina´s Flehen. Jesus erbarmte sich des Elenden. Er erschien ihm selbst, ermahnte ihn zur Reue und Beicht und verhieß ihm Vergebung. Kaum war dies geschehen, als der Kranke, plötzlich erweicht, nach einem Priester schickte, seine Sünden reumüthig beichtete, sein Testament machte und mit allen Zeichen wahrer Bekehrung sanft im Herrn entschlief. Auf gleiche Weise bekehrte Katharina zwei berüchtigte Räuber, welche schon zum qualvollen Tode verurtheilt und bereits zur Richtstätte ausgeführt, Jesus und seine Heiligen lästerten und jede Mahnung zur Bekehrung zurückwiesen. Katharina sah sie zum Tode ausführen und vom Mitleid bewegt, hörte sie nicht auf, an das göttliche Herz ihres Bräutigams zu klopfen, bis sie Gnade für diese Verbrecher gefunden. Unter dem Thore der Stadt erschien diesen Elenden der Heiland ganz mit Blut überronnen, lud sie zur Bekehrung ein und versprach ihnen Vergebung. Dieser Anblick erschütterte sie; sie hörten zu lästern auf, bekehrten sich aufrichtig und erlitten bußfertig den Tod, welchen sie verdient hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Macht das Gebet der Heiligen über die Herzen der Sünder hatte, davon gibt Zeugnis der Umstand, daß drei Priester Tag und Nacht Beicht sitzen mußten, um Sünder, welche nie gebeichtet oder bisher ungültig gebeichtet hatten, zu hören und mit Gott zu versöhnen. Durch solche Wunder der Gnade, welche Gott durch seine treue Dienerin wirkte, verbreitete sich ihr Ruf in alle Gegenden Italiens und anderer Länder, und nun sollte sie in der Hand Gottes ein Werkzeug der Erbarmung für Nationen und die ganze Kirche Gottes werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit (1373), da Katharina so Großes wirkte, befand sich die heilige Kirche Jesu in einem höchst traurigen Zustande. Schon seit mehr als sechzig Jahren hatten die Päpste ihren Sitz zu Rom, der Hauptstadt der Christenheit, verlassen, und nach Avignon, einer Stadt in Frankreich, verlegt. Die Römer erhoben laute Klagen, daß ihre Bischöfe sie seit so vielen Jahren verlassen hätten; dazu kam noch, daß feindliche Parteien das Volk gegen den päpstlichen Stuhl aufhetzten und die Einwohner von Florenz, mit andern Städten im Bunde, sich gegen den Papst verschworen. Im Jahre 1373 brach die Kriegsflamme los. Die heilige Katharina befand sich gerade in der Stadt Pisa, als sie von diesem Uebel hörte, welches sie schon drei Jahre zuvor vorausgesagt hatte. Sie flehte sogleich zu ihrem Heilande um Hilfe und brachte es durch Zusprüche und Briefe dahin, daß mehrere Städte, namentlich ihre vaterstadt, dem Papste treu blieben. Der Papst belegte die Aufrührer mit dem Banne und diese im Kriege mehrmals besiegt, beschlossen endlich, den Papst um Gnade anzugehen. Die heilige Katharina sollte ihre Vermittlerin sein. Die Einwohner ließen sie durch eine feierliche Gesandtschaft abholen und sendeten sie nach Frankreich zum Papste Gregor XI., um den Frieden herzustellen. Der Papst empfing sie mit großer Achtung und legte die Friedensverhandlung ganz in ihre Hände, indem er sagte: &amp;quot;Damit du siehst, daß ich den Frieden will, so lege ich ihn ganz einfach in deine Hände: nur empfehle ich dir die Ehre der Kirche.&amp;quot; Katharina that Alles, was in ihren Kräften stand, um den Frieden herzustellen, allein an der Treulosigkeit der Florentiner scheiterte ihr Bemühen, die dafür hart gestraft wurden. Was der heiligen Jungfrau in dieser Sasche zu ihrem größten Schmerze nicht gelang, das erhielt sie auf eine andere Weise. ---- Das Verlangen der Römer nach der Rückkehr des Papstes in seine Stadt wurde immer lauter, schon war eine große Spaltung in der katholischen Kirche zu fürchten. Der Papst Gregor XI. hatte wohl das Gelübde gemacht zurückzukehren, allein er hatte aus Furcht vor dem französischen Könige nicht den Muth, sein Versprechen auszuführen. Er zog unsere heilige Jungfrau zu Rathe. Diese hatte durch eine Offenbarung sein Gelübde erkannt und sprach zu ihm: &amp;quot;Thue, was du Gott versprochen hast.&amp;quot; Verwundert hierüber, folgte er ihrem Rathe und kehrte im Jahre 1376 nach Rom zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte die heilige Jungfrau bisher großes Leid getragen über die traurigen Uebel, welche in der Kirche Gottes herrschten, so erreichte dieses Leiden den höchsten Grad, als die traurige Spaltung wirklich eintrat, die sie schon früher im Geiste vorausgesehen und vorausgesagt hatte. Um diesen Schmerz nur einigermassen zu begreifen, mußt du, lieber Leser, bedenken, daß die heilige Jungfrau mit der feurigsten Liebe der heiligen Kirche anhing. Sie, die Kirche, ist ja die Braut Jesu; sie hat er sich durch sein Blut angetraut; in dihr will er bleiben bis zum Ende der Welt; sie soll einst im Himmel ewig mit ihm triumphieren. Katharina liebte die Kirche wie ihre liebste Mutter; sie theilte mit ihr alle Freuden und Leiden; sie lebte all ihre Feste geistlich mit und fühlte in ihrem Innern alle Uebel, von denen sie betroffen wurde. Kurz, sie lebte nur in und mit der Kirche, und darum war auch ihr Schmerz furchtbar, als das Band der Einheit zerrissen und zwei Päpste zugleich um den Stuhl des heiligen Petrus stritten. Als der Streit am heftigsten tobte, befand sich Katharina in Rom; sie hatte Papst Urban VI. als rechtmäßigen Papst  anerkannt und stand ihm mit ihrem Rathe bei. Tag und Nacht betete sie und mahnte unaufhörlich mündlich und schriftlich zur Einheit und zum Frieden. Während die Einwohner von Rom gegen einander wütheten und jede Partei die Oberhand gewinnen wollte, sah Katharina die Stadt Rom voll Teufel, die zum Haße und zur Rache anspornten. Katharina aber ließ nicht nach im Gebete; da wandte sich die Wuth der Teufel auch gegen sie. Zu oft schon hatte sie all ihre Anschläge vernichtet, zu oft schon mußten die Teufel auf ihr Gebet von denen weichen, die sie im Besitze hatten. Wenn daher Katharina im Gebete versunken um Erbarmen für die Kirche zum Himmel schrie, da umringten sie auf Gottes Zulassung die Teufel, stießen ein furchtbares Geheul aus und schrieen: &amp;quot;Verfluchte! du willst unsere Absichten vereiteln, aber wir wollen dich erwürgen.&amp;quot; Katharina aber hatte keine Furcht; sie verdoppelte ihr Gebet und Flehen. Mehrere Tage und Nächte lag sie beständig im Gebete vor Gott und bot sich ihm zum Opfer an. &amp;quot;Ich will, sprach sie, gern diesen Kelch des Leidens und des Todes trinken zur Ehre deines heiligen Namens und für deine Kirche. Dies ist mein heißestes Verlangen seit dem Tage, wo ich dir mein Herz und meine Liebe weihte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr Opfer angenommen, sie sollte den Kelch trinken, ohne den Trost zu haben, die Kirche Gottes im Frieden zu sehen; jedoch in der Stadt Rom selbst trug sie den sieg davon über den Satan und seine Schaar. Die Raubhorden der Feinde des Papstes Urban VI. wurden vertrieben. Dafür aber wüthete nun der Satan gegen die Heilige. An ihrem Leibe sahen ihre Gefährtinen die Spuren der Stösse, welche ihr die Teufel versetzten, ohne helfen zu können. Sie konnte jetzt keinen Tropfen Wasser mehr trinken, ihr Leben hing nur mehr an einem Faden. Eines Tages sah sie im Geiste das Schifflein der Kirche auf ihren Schultern liegen; niedergedrückt von dieser ungeheuern Last sank sie zerbrochen und leblos zu Boden. Sie erkannte jetzt, daß nur das Opfer ihres Lebens für die Kirche von Nutzen sei und brachte es vollkommen ihrem Heilande dar. Ihre Sterbestunde nahte heran; mitten unter den grausamsten Leiden ließ sie nie eine Klage hören. Sie hatte eine Menge Jünger und Jüngerinen, welche sie im geistlichen Leben unterrichtete und wie eine sorgsame Mutter leitete, und unter diesen einen gewissen Stephano, der früher Rathsherr in Siena war. In einer großen Noth, in die er durch mächtige Feinde gerieth, nahm er seine Zuflucht zu Katharina, welche ihn durch ihr Gebet ganz Gott gewann und zu einem heiligen Leben führte. Dieser befand sich gerade zu Siena im Spitale, als Katharina ihr Leben zum Opfer hingab für die Kirche. Da hörte er eine Stimme, die sprach: &amp;quot;Reise schnell nach Rom, deine Mutter stirbt.&amp;quot; Er machte sich sogleich auf den Weg und kam gerade in der Zelle der heiligen Jungfrau an, als sie, umgeben von ihren Schülern und Schülerinen, auf ihrem Sterbebettlein lag und jedem eine heilsame Lehre gab. Die Sterbende sprach zu ihm: &amp;quot;Mein Stephano, danke Gott, daß er dich sendet, um die letzten Worte deiner Mutter zu empfangen. Seine Barmherzigkeit wird dein Heil gewiß machen, und dir den Weg zeigen, den du gehen mußt; &amp;quot; dann befahl sie ihm, in den Karthäuserorden zu treten, was er auch nachher, obwohl mit Widerstreben, that. Nach einiger Zeit, als sie ihre Abschiedsworte geendet hatte, bat sie ihre alte Mutter Lapa, die weinend neben dem Bette ihrer geliebten Tochter stand, um ihren Segen. Am Morgen des Sonntags vor der Himmelfahrt Christi empfing sie mit der größten Inbrunst die heiligen Sterbesakramente, und nun begann der Todeskampf. Sie hatte die heftigsten Angriffe des bösen Feindes zu bestehen, der alle Gewalt anwendete, diese heilige Jungfrau, welche ihm so viele Seelen entriß und so oft seine Anschläge vernichtete, zu verderben. Ihre Gesichtszüge veränderten sich, ihre Arme bewegte sie hin und her, als wollte sie den Angriff von Feinden abwehren; bald sprach, bald lachte, bald schwieg sie wieder. Die Anwesenden waren voll Entsetzen. Plötzlich rief sie mit Freude aus: &amp;quot;Die eitle Ehre nie, sondern die wahre Ehre und das Lob des Herrn!&amp;quot; Durch diese Worte beschämte sie den Satan und alle jene, welche bisher ihre Lebensweise getadelt hatten. Katharina hatte ja nie ihre Ehre gesucht und Nichts ohne ausdrücklichen Befehl Gottes gethan. Eine halbe Stunde nachher brach sie das Schweigen, um mehr als sechzigmal auszurufen, indem sie die rechte Hand erhob: &amp;quot;Ich habe gesündigt, Herr, erbarme dich meiner!&amp;quot; Dann wiederholte sie eben so oft: &amp;quot;Heiliger Gott, erbarme dich meiner!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Unterdeß, da Katharina so zu Gott rief, wurde ihr Angesicht ruhig und lächelnd; ihre matten Augen bekamen ihren englischen Glanz wieder; sie erhob dieselben, blickte auf das Kruzifix und mit den Worten: &amp;quot;Herr, du rufest mich zu dir, und ich gehe, nicht durch meine Verdienste, sondern durch deine bloße Barmherzigkeit, die ich in der Kraft des Blutes Christi anflehe. --- In deine Hände empfehle ich meinen Geist,&amp;quot; senkte sie ihr englisches Haupt und verschied am 29. April 1380. Sie hatte 33 Jahre gelebt und wurde vom Papste Pius II. im Jahre 1461 heilig gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Einige Kernsprüche der Heiligen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hole dir deinen Trost bei dem Kreuze Jesu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nach den Dornen werden die Rosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tue, was du Gott versprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nichts ist eigentlich böse zu nennen als - die Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Richte alle deine Gedanken, Handlungen und Worte allein auf Gottes Ehre und Verherrlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es werden darum so wenige selig, weil fast alle das Ihrige suchen, nicht was Gottes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;O mein Jesus, verleihe mir die Gnade, daß auch ich deinen heiligen Willen im Auge habe, wie deine Dienerin, und dadurch zur seligen Vereinigung mit dir gelange. Amen.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Feindesliebe</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
[[Datei:Stephanus.jpg|250px|right|Hl. Stephanus, Vorbild wahrer Feindesliebe|thumb]]&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er gekränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche [[Liebe]], wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freilich ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden &#039;&#039;(Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. [[Jesus Christus]], unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &amp;quot;Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ›Du sollst deinen Nächsten lieben‹ [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:3Mos19 &#039;&#039;[3 Mos 19,18]&#039;&#039;] und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde &#039;&#039;[, tut Gutes denen, die euch hassen,]&#039;&#039; und betet für sie, die euch verfolgen &#039;&#039;[und verleumden]&#039;&#039;, auf daß ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner das gleiche? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die Heiden das gleiche? Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist! &amp;quot; &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;[http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt05 &#039;&#039;[Mt 5,43-48]&#039;&#039;].&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor Augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr aber einander beißt und zu fressen sucht, dann gebt acht, daß ihr voneinander nicht vollends verschlungen werdet.&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Gal05 &#039;&#039;[Gal 5,15].&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und Glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Gal05 &#039;&#039;[Gal. 5,22]&#039;&#039;] ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens!  &amp;quot;Ja, Hunde umringen mich, eine Rotte von Frevlern umgibt mich. Sie zerreißen mir Hände und Füße.&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:Ps22 &#039;&#039;[Ps 22 (21),17]&#039;&#039;] , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Sie ersinnen Böses im Herzen, jeden Tag erregen sie Streit.&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:Ps140 &#039;&#039;[Ps 140(139),3]&#039;&#039;]. Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Apg10 &#039;&#039;[Apg 10,38]&#039;&#039;]. Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Lk23 &#039;&#039;[Lk 23,34]&#039;&#039;]. Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; &#039;&#039;(hl. Christostomus).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Lk06 &#039;&#039;[Lk 6,37]&#039;&#039;]. &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt06&#039;&#039;[Mt. 6,14]&#039;&#039;]. Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:JSir28 &#039;&#039;[Sir 28,2]&#039;&#039;]. Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunklen Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Roem12 &#039;&#039;[Röm. 12,20]&#039;&#039;], d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der [[Augustinus|hl. Augustin]]: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die [[Liebe]].&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gekleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein Fünf-Frankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien Sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald danach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch [[Gott]] in Christus euch vergeben hat&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Eph04 &#039;&#039;[Eph. 4,31.32]&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; &#039;&#039;(Sl. Klemens Hofbauer)&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; &#039;&#039;(Holtei.)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Q: Ill. Hausbuch v. P. Franz Tischler Impr. 13. April 1908)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tugenden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Feindesliebe&amp;diff=20771</id>
		<title>Feindesliebe</title>
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		<updated>2012-01-09T20:05:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
[[Datei:Stephanus.jpg|250px|right|Hl. Stephanus, Vorbild wahrer Feindesliebe|thumb]]&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er gekränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche [[Liebe]], wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freilich ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden &#039;&#039;(Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. [[Jesus Christus]], unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &amp;quot;Ihr habt gehört, daß gesagt wurde: ›Du sollst deinen Nächsten lieben‹ [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:3Mos19 &#039;&#039;[3 Mos 19,18]&#039;&#039;] und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde &#039;&#039;[, tut Gutes denen, die euch hassen,]&#039;&#039; und betet für sie, die euch verfolgen &#039;&#039;[und verleumden]&#039;&#039;, auf daß ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner das gleiche? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die Heiden das gleiche? Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist! &amp;quot; &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;[http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt05 &#039;&#039;[Mt 5,43-48]&#039;&#039;].&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr aber einander beißt und zu fressen sucht, dann gebt acht, daß ihr voneinander nicht vollends verschlungen werdet.&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Gal05 &#039;&#039;[Gal 5,15].&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Gal05 &#039;&#039;[Gal. 5,22]&#039;&#039;] ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens!  &amp;quot;Ja, Hunde umringen mich, eine Rotte von Frevlern umgibt mich. Sie zerreißen mir Hände und Füße.&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:Ps22 &#039;&#039;[Ps 22 (21),17]&#039;&#039;] , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Sie ersinnen Böses im Herzen, jeden Tag erregen sie Streit.&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:Ps140 &#039;&#039;[Ps 140(139),3]&#039;&#039;]. Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Apg10 &#039;&#039;[Apg 10,38]&#039;&#039;]. Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Lk23 &#039;&#039;[Lk 23,34]&#039;&#039;]. Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; &#039;&#039;(hl. Christostomus).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Lk06 &#039;&#039;[Lk 6,37]&#039;&#039;]. &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt06&#039;&#039;[Mt. 6,14]&#039;&#039;]. Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:AT:JSir28 &#039;&#039;[Sir 28,2]&#039;&#039;]. Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Roem12 &#039;&#039;[Röm. 12,20]&#039;&#039;], d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der [[Augustinus|hl. Augustin]]: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die [[Liebe]].&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch [[Gott]] in Christus euch vergeben hat&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Eph04 &#039;&#039;[Eph. 4,31.32]&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; &#039;&#039;(Sl. Klemens Hofbauer)&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; &#039;&#039;(Holtei.)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
-------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Q: Ill. Hausbuch v. P. Franz Tischler Impr. 13. April 1908)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tugenden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Katharina_von_Siena&amp;diff=20677</id>
		<title>Katharina von Siena</title>
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		<updated>2012-01-04T10:01:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;Die heilige Katharina von Siena, Jungfrau&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Bild:KatharSiena.jpg|gerahmt|left|thumb|150px|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1380&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Nach neuem Kalender: [[29. April]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach altem Kalender: [[30. April]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Leben und Wirken der Hl. Katharina&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was einst der heilige Apostel [[Paulus]] geschrieben, daß nämlich [[Gott]] das auserwähle, was thöricht und was schwach, was unangesehen, mißachtet und nichtig ist vor der Welt, um die Weisen und Mächtigen der Erde zu beschämen (1. Kor. 1,26), das hat sich im Verlaufe der Zeit immer bestätigt. Gerade in der Zeit, wo der stolze Eigendünkel der Gelehrten, der Hochmuth und die Herrschsucht der Mächtigen die Welt in Verwirrung setzte, wo selbst die höchsten Kirchenfürsten um die päpstliche Krone stritten und die Einheit der Kirche zerrissen, erwählte Gott eine schwache, einfältige Jungfrau, um die Weisheit der Welt zu Schanden zu machen und seine Macht und Weisheit zu zeigen. Auf die Zunge dieser Jungfrau legte er Worte, welche alle Weisheit der Welt übertrafen und ihrer Seele verlieh er eine Kraft, die alle Welt in Erstaunen setzte. Diese Jungfrau ist Katharina, die Tochter eines ehrbaren Färbers von Siena in Italien, mit Namen Jakov von Beninkasa, ihre Mutter hieß Lapa. Unter fünf und zwanzig Kindern brachte im Jahre 1347 die fromme Lapa zwei Mädchen zur Welt, von denen das Eine in der Taufe den Namen Katharina, das Andere den Namen Johanna erhielt. Johanna starb und die Mutter konnte nun alle Sorge auf Katharina wenden, welche sehr schwächlich aber ein gar liebliches Kind war. Selbst die Nachbarn hatten Katharina ungemein lieb, und kaum konnte sie gehen, so wollte Jedermann sie um sich haben, weil sie gar so freundlich, sanft und heiter war. Je größer Katharina wurde, desto heller zeigten sich an ihr die Gaben des heiligen Geistes, der in ihrem reinen Herzen wohnte. Ihre Reden waren klug und lieblich und ihr Wandel war der eines Engels. Als sie fünf Jahre alt geworden, hatte sie schon eine zärtliche Andacht zur seligsten Jungfrau. So oft sie die Stiege in ihrem elterlichen Hause auf- und abstieg, grüßte sie auf jeder Stufe Maria mit dem Ave und die Engel des Himmels kamen und trugen sie oft von der obersten Stufe bis zur untersten, ohne dass ihre Füße die Erde berührten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald sollte sie in die innigste Verbindung mit Jesus gelangen. Eines Tages ging sie auf Befehl ihrer Mutter mit ihrem kleinen Bruder Stephan zu ihrer Schwester Bonaventura, welche an einen gewissen Nikolaus verheirathet war, um dort eine Botschaft auszurichten. Auf dem Rückwege sah sie plötzlich ober der Kirche des heiligen Dominikus in den Lüften einen prächtig geschmückten Thron, auf welchem der Heiland, mit den Kleidern eines Bischofs angethan, saß, an seiner Seite die drei heiligen Apostel [[Petrus]], [[Paulus]] und [[Johannes - Apostel|Johannes]]. [[Jesus Christus|Jesus]] und die Apostel schauten Katharina gar freundlich an und Jesus gab ihr seinen Segen nach Art der Bischöfe mit einem lieblichen Lächeln. Katharina blieb von Staunen ergriffen mitten auf dem Wege stehen; sie sah und hörte nicht, was um sie vorging. Ihr kleiner Bruder, der schon eine Strecke vorausgegangen war, kehrte um, und rief ihr zu, sie aber antwortete nicht. Da nahm er sie bei der Hand und sprach: &amp;quot;Was thust du da? -- Warum kommst du nicht?&amp;quot; Da kam Katharina zu sich, senkte die Augen und sagte: &amp;quot;Wenn du so etwas Schönes sähest, wie ich sehe, würdest du mich nicht stören!&amp;quot; Sie erhob ihre Augen wieder, aber Alles war verschwunden. Vor Trauer darüber weinend ging Katharina nach Hause.&lt;br /&gt;
Von dieser Zeit an legte Katharina alles Kindische ab. Immer betete sie und suchte die entlegensten Winkel des Hauses auf, wo sie kleine Mädchen um sich versammelte, und mit ihnen fromme Gespräche führte, die diese mit größter Freude anhörten. Der Geist der Welt treibt die Seinen zum Genusse von Freude und Luft an, der Geist Gottes aber zur Entsagung und Abtödtung. Katharina gehörte nicht der Welt, sondern Gott an, darum suchte sie sich selbst abzutödten und auch ihre Freundinen hiezu anzutreiben. Öfters geißelten sie sich mit kleinen Stricken, während sie eine gewisse Anzahl von Vater unser und Ave Maria beteten. Auch lehrte sie der heilige Geist, ohne in Büchern zu lesen, das umständliche Leben der heiligen Väter und besonders des heiligen Dominikus kennen. Dadurch erwachte in ihr eine heftige Liebe zur Einsamkeit. An einem schönen Morgen nahm sie ein Brod zu sich und verließ heimlich die Stadt. Sie ging so lange fort, bis sie die Thürme der Stadt nicht mehr sah und begab sich abseits vom Wege in eine Felsenhöhle. Sogleich fiel sie auf die Kniee und betete mit größter Inbrunst. Doch während des Gebetes wurde ihr die Belehrung, daß ein solches Leben nicht der Wille Gottes sei. Gehorsam der Stimme Gottes, kehrte Katharina sogleich nach Hause zurück; aber nun erwachte in ihr auch der Gedanke, wie sehr ihre gute Mutter um sie besorgt sein werde. Voll Vertrauen legte sie ihren Kummer in die Hand Gottes, und siehe da, plötzlich fand sie sich auf wunderbare Weise vor dem Thore von Siena. Sie kam nach Hause, ohne daß ihre Eltern wußten, wo sie gewesen, und Niemand erfuhr von diesem Wunder etwas, bis Katharina es ihrer Schwester und dem gottseligen Raimund, ihrem Beichtvater, entdeckte. &lt;br /&gt;
Im Hause der Eltern führte sie indessen ihr einsames, bußfertiges Leben fort. Sie aß nun kein Fleisch mehr, um ihren Leib ganz dem Geiste zu unterwerfen, und ihr innigstes Verlangen war, sich ganz und gar dem göttlichen Heilande zu weihen. Aber nun hatte sie einen harten Kampf, sowohl mit ihren Eltern, als auch mit dem Satan zu bestehen. Ihre Eltern waren fromme, gottesfürchtige Bürgersleute, allein sie sahen doch die besonderen frommen Uebungen ihrer Tochter nicht gerne. In ihrer Noth wandte sie sich zu Maria, ihrer geliebten Mutter, und bat sie, auf den Knieen liegend, mit heißer Inbrunst, daß sie ihr Jesum zum Bräutigam ihrer Seele geben möge, mit dem feierlichen Versprechen, nie einen anderen Bräutigam zu nehmen und ihre Jungfräulichkeit unbefleckt zu bewahren.&lt;br /&gt;
Seitdem aber wurde der Widerstand im väterlichen Hause peinlicher. Die Mutter Lapa wollte durchaus ihre Tochter, die jetzt 12 Jahre alt war, durch eine gute Heirath versorgen, und damit dies leichter ginge, suchte sie ihr Liebe zu schönen Kleidern einzuflößen. Auch ihre Schwester stand der Mutter hierin bei. Katharina gab nach und verwendete mehr Sorge auf die Zierde ihres Leibes, im Grunde des Herzens aber bewahrte sie doch die Liebe zu ihrem göttlichen Bräutigam, der, eifersüchtig auf das Herz seiner Braut, nun in das Mittel trat. Die Schwester der Katharina, eine reine Seele, starb, mußte aber im Fegfeuer dafür leiden, weil sie zur Versuchung ihrer Schwester mitgewirkt hatte. Auf die Fürbitte derselben wurde sie daraus befreit, und Katharina erkannte nun ihren Fehltritt und bereute und büßte ihn ihr ganzes Leben lang. Jesus hatte diesen Fehltritt, der nicht gar groß war, zugelassen, um Katharina in der wahren Demuth zu üben, damit sie fortan erkenne, wie schwach sie sei ohne den Beistand ihres göttlichen Bräutigams.&lt;br /&gt;
Schon hatte Katharina ihr Herz ganz wieder ihrem göttlichen Heilande zugewandt, als nun auch der Satan selbst gegen sie auftrat. Eines Tages, als sie vor einem Kruzifixe betete, legte er ein prächtiges Kleid vor sie hin, damit sie sich damit schmücke; allein Katharina verachtete den Versucher und seine Pracht und rief zu Gott: &amp;quot;O mein allersüßester Herr, du weißt wohl, daß ich keinen andern Bräutigam als dich selbst gewählt habe, ich bitte dich daher, stehe mir in dieser Versuchung bei!&amp;quot; Jetzt sah sie die Königin der Jungfrauen, Maria, vom Kruzifixe ein Kleid hervornehmen von außerordentlicher Schönheit, geschmückt mit kostbaren Steinen und sie damit bekleiden. Katharina demüthigte sich tief vor Gott und erneuerte ihren Entschluß, nicht zu heirathen. Allein die Versuchung nahm kein Ende. Die Mutter hatte schon einen Mann für Katharina ausgesucht, dem sie die Hand reichen sollte; Katharina widerstand muthig, und da die Mutter nicht nachließ, schnitt sie sich ihre schönen Haare ab, welche in goldenen Locken auf ihre Schultern herabhingen und trug von nun an einen dichten Schleier auf dem Haupte. Als dieß die Mutter wahrnahm, brach sie in die heftigsten Vorwürfe gegen ihre Tochter aus und die Eltern faßten nun den Entschluß, Katharina solle von nun an kein besonderes Zimmer mehr haben und die Dienste einer Küchenmagd im Hause verrichten, um sie vom Gebete abzuhalten. Allein vergebens; Katharina machte nun ihr Herz zu einer Zelle, wo sie sich mit ihrem himmlischen Bräutigame unterhielt; unter ihrem Vater stellte sie sich Jesum, unter ihrer Mutter Maria, die seligste Jungfrau, vor, ihre Brüder betrachtete sie als die Apostel und Jünger des Herrn und suchte sie im Namen derselben zu bedienen. Weil sie kein besonderes Zimmer mehr hatte, wo sie einsam dem Gebete obliegen konnte, so zog sie sich heimlich in die Kammer ihres frommen Bruders Stephan zurück. Hier sah sie eines Tages der Vater in einem Winkel knieend und in Betrachtung versunken, eine weiße Taube auf dem Haupte. Jetzt sollte die Verfolgung ein Ende erreichen.&lt;br /&gt;
Katharina hatte eine große Neigung zu dem Orden des heiligen Dominikus, der um diese Zeit in schönster Blüthe stand; sie wollte in diesen Orden treten, wußte aber nicht, wie sie es ausführen sollte. Da erschien ihr einstens im Schlafe der heilige Dominikus mit einer schneeweißen Lilie in der Hand und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, sei guten Muthes, du wirst ganz gewiß mein Ordenskleid tragen.&amp;quot; Dadurch wunderbar gestärkt, erklärte sie nun ihrer ganzen Familie ihren festen Entschluß nicht zu heirathen, weil sie das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt habe. Nun gab der Vater nach und erlaubte ihr nach ihrem Willen ihren gottseligen Übungen obzuliegen. Sie erhielt ein kleines Zimmer im Hause und in diesem lebte sie nun, wie eine heilige Büsserin.&lt;br /&gt;
Ihre Kleider waren von Schafwolle und ihr Bett war eine Art Tisch, woraus sie angekleidet ein wenig schlief; um ihren Leib hatte sie eine eiserne Kette gegürtet, die sie aber auf Befehl des Beichtvaters ablegen mußte, und täglich geißelte sie ihren schwachen Leib ein und eine halbe Stunde lang bis aufs Blut. Nur von göttlichen Dingen wollte sie hören und reden, und ihr einziges sehnsüchtiges Verlangen war, in den Orden der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus zu treten. Jedoch ihre Mutter wollte hiezu ihre Einwilligung nicht geben; endlich aber durch die beständigen Bitten ihrer Tochter besiegt, ging sie zu der Oberin des Ordens, und bat sie um das Ordenskleid für ihre Tochter. Es lebten aber die Mitglieder dieses Ordens damals noch nicht in einem Kloster, sondern jede Schwester in ihrem Hause; sie trugen schwarze Mäntel, daher Mantellaten genannt und versammelten sich alle Sonntage in der Kirche der Dominikaner, um da das Wort Gottes zu vernehmen. Nur Wittwen und Frauen vom vorgerückten Alter wurden aufgenommen. Als daher die Mutter Lapa ihre Bitte vortrug, erhielt sie eine abschlägige Antwort, denn ihre Tochter Katharina war noch ein junges Mädchen. Lapa brachte mit Freuden diese Antwort, denn sie sah den Schritt ihrer Tochter nicht gerne; jedoch diese verzagte nicht, hatte ihr ja der heilige Vater Dominikus in einem Gesichte versprochen, daß sie ganz gewiß das Kleid seines Ordens tragen werde.&lt;br /&gt;
Sie drang in ihre Mutter, mit ihren Bitten nicht nachzulassen; da ber alles Bitten nichts half, wurde Katharina krank vor Kummer. In größter Angst lief Lapa wieder zur Oberin, klagte ihr ihr Herzenleid, und fand Erhörung, aber nur unter der Bedingniß, daß Katharina keine schöne Gestalt haben dürfe. Dies war nun bei Katharina der Fall, denn die strenge Buße und schwere Krankheit hatte ihr Gesicht ganz entstellt, und so fand sie denn endlich Aufnahme in den Orden. Sie war erst achtzehn Jahre alt, als sie das weiße Unterkleid des Ordens und den schwarzen Mantel empfing. Hatte sie schon früher ein strenges Bußleben geführt, so verdoppelte sich jetzt ihr Eifer. Um sich ganz von der Welt zu trennen, beschloß sie, das Stillschweigen zu beobachten, und drei Jahre redete sie kein Wort, außer in der Beicht. Sie ging nur aus ihrer Zelle, um in die Kirche zu gehen; ihre geringen Speisen genoß sie allein und immer mit Thränen, und während die Dominikanermönche in ihrem Kloster schliefen, wachte und betete sie; erst um 2 Uhr früh legte sie sich ein wenig auf den Tisch, um zu ruhen.&lt;br /&gt;
Ihr Beichtvater, der gottselige Raimund von Kapua, ein berühmter Dominikaner, führte mit ihr oft heilige Unterredungen, wollte ihr aber nicht eher Glauben schenken, bevor er sie nicht geprüft hatte, gemäß dem Befehle des Apostels: &amp;quot;Prüfet die Geister.&amp;quot; Jesus aber übernahm selbst die Prüfung. Als einst Bruder Raimund sich mit ihr über ihre Offenbarungen, welche ihr Gott häufig machte, unterhielt, kam ihm ein starker Zweifel daran und er dachte sich: Ist auch Alles wahr, was sie sagt? Aber sogleich verwandelte sich das Angesicht der Jungfrau in das Angesicht des furchtbar erzürnten Erlösers. Raimund hob erschrocken die Hände empor und rief: &amp;quot;Wer ist denn der, welcher mich ansieht? Da antwortete Katharina: &amp;quot;Es ist der, welcher ist.&amp;quot; Das Gesicht verschwand und Raimund war von nun vollkommen von dem guten Geiste überzeugt, welcher Katharina regierte. &lt;br /&gt;
Der böse Feind aber, ergrimmt über die hohe Tugend der gottseligen Jungfrau, ließ kein Mittel unversucht, um sie in seine Falle zu locken. Jesus, ihr göttlicher Bräutigam, ließ es zu, um ihre Treue zu prüfen. Furchtbar war der Kampf, welchen nun Katharina zu bestehen hatte. Tag und Nacht stellte er unreine Bilder vor die Augen ihres Geistes, und ihr Inneres wurde mit den scheuslichsten Gedanken erfüllt. Angst und Schrecken erfaßte die Jungfrau, sie griff zur Geißel und zum Gebete, ohne den Eingebungen des Satans eine Antwort zu geben; allein es half ihr nicht gleich, sie mußte die Versuchung bestehen. Da der Satan sie nicht zur Einwilligung bringen konnte, so suchte er in ihr den Zweifel zu erregen, ob sie auch in ihrem jetzigen Stande aushalten könne. Allein Katharina ließ sich nicht irre machen, sie betete fort, obschon es ihr schien, als habe sie Jesus ganz verlassen. Nirgends fand sie einen Trost; es war ihr, als läge sie in tiefster Finsternis. Als nun eines Tages Satan zu ihr sprach: &amp;quot;Elende, was wirst du anfangen? Dein ganzes Leben wirst du so zubringen; den nwir werden dich bis zu deinem Tode quälen, wenn du nicht einwilligst.&amp;quot; Da antwortete Katharina mit aller Entschiedenheit: &amp;quot;Ich habe dieß verdient, und es ist mir nicht schwer, diese und andere Strafen für den Namen meines Heilandes zu tragen, so lange es seiner göttlichen Majestät gefällt.&amp;quot; Nun wich der Satan, die Demuth der Jungfrau hatte ihn besiegt. Dafür aber erschien ihr Jesus am Kreuze in himmlischen Glanze und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, siehst du, wie viel ich für dich gelitten habe? Soll es dich also schwer ankommen, für mich zu leiden? Da vergoß Katharina einen Strom von Thränen und sprach: &amp;quot;O süsser Jesus, wo warst du denn, als meine Seele von so vielen Abscheulichkeiten geplagt wurde?&amp;quot; Der Herr antwortete: &amp;quot;Mitten in deinem Herzen!&amp;quot; Wie, entgegnete Katharina, du warst in meinem Herzen, das voll schmutziger, abscheulicher Gedanken war?&amp;quot; Jesus sprach: &amp;quot;Hast du an diesen Gedanken Freude gehabt? Katharina: &amp;quot;O nein, ich war davon in die größte Betrübnis versetzt.&amp;quot; Jesus: &amp;quot;Wer aber hat dies bewirkt als ich? Wäre ich nicht zugegen gewesen, so würden jene Gedanken in dein Herz eingegangen sein und du hättest dich daran erfreuet. Ich habe dich vertheidigt und meiner Anwesenheit hast du den Sieg zu verdanken!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus ging von nun an gar freundlich mit ihr um; er erschien ihr oft und verweilte lange bei ihr; manchmal hatte er auch seine glorreiche Mutter, manchmal den heiligen Johannes, die heilige Magdalena, den heiligen Dominikus bei sich. Er betete mit ihr die Psalmen und da Katharina nicht lesen konnte, so lehrte er sie die Psalmen in lateinischer Sprache lesen und verstehen. Sie betete nun mit aller Andacht die heiligen Tagzeiten, später aber mußte sie alles mündliche Gebet aufgeben, weil sie dabei sogleich in Verzückung gerieth. Ihr Gebet war jetzt immer innerlich und ihr heißestes Flehen war, im Glauben mit ihrem Jesus auf das Innigste verbunden zu werden. Ihr Gebet wurde erhört. Jesus vermählte sich mit ihr, seiner reinen Braut, in Gegenwart seiner heiligen Mutter Maria und anderer Heiligen und steckte ihr einen Ring an den Finger, der mit vier Perlen besetzt war, in deren Mitte ein wunderschöner Edelstein glänzte. --- Katharina war nun die Braut des Herrn, sie hatte das Zeugnis der Treue und war nun ausgerüstet zum Kampfe für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Bisher hatte sie ein verborgenes Leben in Christo geführt; wie ein stilles Lampenlicht brannte sie vor dem Angesichte des Herrn; von nun an sollte sie auch Andern leuchten, ja, sie sollte eine hellstrahlende Fackel in der Kirche Jesu werden; bisher hatte sie stille zu den Füssen Jesu gesessen und seinen Worten gelauscht, jetzt sollte sie in die Welt eintreten und zeigen, wie man das zweifache Gebot Gottes erfüllt: &amp;quot;Du sollst Gott lieben über Alles und den Nächsten wie dich selbst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Wir wollen nun, lieber Leser, den Fußstapfen der Heiligen folgen und ihren Wandel unter den Menschen betrachten. Katharina lebte noch immer im Hause ihrer Eltern und bewohnte da eine einsame Zelle. Ihre fromme Mutter hatte ihr erlaubt, ungestört ihren frommen Uebungen obzuliegen. Nun aber wollte sie auch das thätige Leben üben. Sie verrichtete zuerst die niedrigen Dienste einer Magd im Hause und in der Küche, und wenn die eigentliche Magd des Hauses krank war, so wartete sie dieselbe mit aller Liebe und verdoppelte ihren Eifer in der Arbeit. Dabei aber war sie immer mit Jesus vereiniget und gar oft geschah es, daß sie mitten in der Arbeit außer sich gerieth. Als nun Katharina sah, wie sehr dies Leben ihrem Heilande gefalle, so nahm sie sich auch der Armen und Kranken an. Ihr guter Vater hatte ihr auf ihre Bitten erlaubt, von seinem Vermögen die Armen zu unterstützen. Voll Freude hierüber, trug sie nun den Armen Almosen zu und sie scheute dabei keine Mühe. Einst lag sie am ganzen Leibe geschwollen im Bette, da hörte sie, daß in der Nachbarschaft eine Wittwe sei, die mit ihren Kindern große Noth leide. Da flehte sie inständig zu Jesus, er möge ihr nur so viel Kraft geben, um dieser Armen helfen zu können. Sogleich stand sie vor dem Morgenlicht auf, füllte einen Sack mit Weizen, eine große Flasche mit Wein und ein Gefäß mit Oel und brachte Alles in ihre Zelle. Wie sollte sie dies Alles aber in das Haus der Wittwe bringen; sie versuchte es, vertrauend auf den göttlichen Beistand, nahm sie den Sack auf den Rücken, beide Krüge in die Hände, und mit leichter Mühe, als wäre sie voll Kraft, trug sie Alles allein dem Hause der Wittwe zu. Bei dem Hause aber wurde plötzlich die Last so schwer, daß sie nicht mehr weiter konnte; sogleich rief sie wieder zu Jesus, und siehe, es gelingt ihr, die Last in das Haus zu schleppen und dort niederzulegen. Vom Geräusche aufgeweckt, erwachte die Wittwe, welche noch schlief. Katharina wollte davonlaufen, aber kraftlos sinkt sie zu Boden; sie suchte zu gehen, aber vergebens. Da wandte sie sich wieder zum Herrn um Hilfe und nun schlich sie sich allmälig fort und kam noch vor Tagesanbruch nach Hause, wo sie wieder krank auf ihr Bettlein hinsank.&lt;br /&gt;
Noch ein Beispiel der rührenden Barmherzigkeit der heiligen Katharina will ich dir erzählen, lieber Leser, woraus du sehen kannst, wie gar angenehm dem Heiland das Almosen ist. --- Als sie einst in der Kirche war, kam ein armer Mensch zu ihr und bat sie flehentlich, ihm zu helfen. Weil sie gar nichts bei sich hatte, so sagte sie dem Armen freundlich, er möge nur so lange warten, bis sie nach Hause komme, dort wolle sie ihm ein reichliches Almosen geben. Der Arme aber sagte: &amp;quot;Gib mir gleich, denn ich kann nicht warten.&amp;quot; Katharina, welchen den Armen nicht fortlassen wollte, dachte hin und her, was sie ihm denn geben sollte; da fiel ihr ein silbernes Kreuzlein in die Augen, das sie an ihrem Rosenkranze hangen hatte. Sie riß das Kreuzlein herab und gab es dem Armen. Dieser ging zufrieden fort. In der folgenden Nacht aber erschien ihr der Heiland, zeigte ihre das Kreuzlein, wunderbar von Edelsteinen strahlend, und sprach: &amp;quot;Kennst du dieses Kreuz, meine Tochter? Du hast es mir gestern aus Liebe gegeben und ich verspreche dir, daß ich es dir am Tage des Gerichtes vor allen Engeln und Menschen in dieser Gestalt darreichen werde. Denn ich werde kein Werk der Barmherzigkeit verborgen halten an jenem Tage, wo ich meines Vaters Barmherzigkeit verherrlichen werde.&amp;quot; Nach diesen Worten verschwand der Herr und Katharina wurde durch dieses Gesicht nur noch mehr angefeuert, dem Nächsten Hilfe zu leisten. &lt;br /&gt;
Die Allerärmsten sind die Kranken, welche verlassen von jeder menschlichen Hilfe in bitterer Noth schmachten. Katharina hatte das tiefste Mitleid mit derselben, ihnen widmete sie die zärtlichste Pflege. Im Spitale zu Siena lag ein krankes Weib, mit Namen Tessa, am Aussatz darnieder. Niemand wollte ihr wegen Gefahr der Ansteckung auswarten, ja man wollte sie sogar aus der Stadt schaffen. Kaum hatte Katharina davon gehört, so eilte sie sogleich herbei und diente der Kranken mit ausdauender Geduld und Liebe bis an ihr Ende. Das kranke Weib behandelte die sanfte Katharina mit dem größten Undank, aber diese ließ in ihrer Liebe nicht nach; ja, Katharina wurde an den Händen vom Aussatze selbst ergriffen, aber dennoch wich sie keinen Augenblick von der Elenden. Als das Weib gestorben war, wusch und kleidete Katharina sogar ihren schauerlichen Leichnam, legte ihn mit eigenen Händen in den Sarg und begrub ihn nach dem Seelengottesdienste. Sobald aber der Leichnam begraben war, waren die Hände der Heiligen wieder rein und erhielten sogar einen außerordentlichen Glanz. Auf diese Weise, wie diese Aussätzige, pflegte Katharina mit übermenschlicher Geduld eine andere Kranke, deren Brust vom Krebse ganz zerfressen war.  Mit dem größten Heldenmuthe überwand sie den Eckel, der sie befiel, wenn sie die gräßliche Wunde reinigte, aus welcher ein scheuslicher Gestank hervordrang. Was aber alle menschliche Geduld übersteigt, und der höchste Grad der Nächstenliebe ist, war der Umstand, daß die Kranke, welche von der Heiligen eine so zärtliche Pflege erhielt, sich erfrechte, ihre Wärterin auf das Schändlichste zu verläumden. Katharina duldete schweigend diese Bosheit und pflegte die Kranke mit immer gleicher Liebe; ja, sie ging hierin so weit, daß sie eines Tages, als ein gewaltiger Eckel sie beim Verbande der eiternden Wunde ergriff, sogar eine Schale voll stinkenden Eiters austrank, um ihren Abscheu zu überwinden. Aber dafür belohnte sie ihr göttlicher Bräutigam mit mehreren wunderbaren Gnaden. Er ließ sie in einer Erscheinung aus seiner heiligen Seitenwunde einen überaus süßen, himmlischen Trank trinken, der bewirkte, daß sie von nun an keine andere Speise mehr zu sich nahm, als blos die heilige Kommunion. So oft sie eine gewöhnliche Speise zu sich nahm, und war es auch nur ein kleiner Bissen Brod, so mußte sie sich erbrechen und wurde krank. Ferners erschien ihr eines Tages der Herr mit zwei Kronen in den Händen, die eine von Gold, die andere von Dornen und befahl ihr, eine davon zu wählen; sogleich langte sie mit den Worten: &amp;quot;Herr, ich verlange in diesem Leben nur an deinen Leiden Theil zu nehmen, soe sollen meine Freude sein,&amp;quot; nach der Dornenkrone und drückte sich dieselbe heftig auf das Haupt. Von nun an empfand sie im Kopfe immer stechende Schmerzen. Ein andersmal tauschte der Herr sein Herz mit den ihrigen und drückte ihr seine heiligen fünf Wundmahle ein, die aber auf ihre Bitte nicht sichtbar wurden. Solche Wunder der Gnaden feuerten die heilige Jungfrau zu immer größerer Liebe Gottes und des Nächsten an.&lt;br /&gt;
Wenn sie sich bisher mit herzlicher Liebe der Armen und Kranken annahm, so wurde diese Liebe noch größer, wenn es darauf ankam, jenen zu helfen, welche an der Seele krank, so oft todt sind, nämlich --- den Sündern. &lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr einst die Schönheit einer bekehrten Seele sehen lassen; seit dieser Zeit kannte ihr Eifer, Sünder zu Gott zurückzuführen, keine Gränzen; unaufhörlich flehte sie zu Gott um ihre Bekehrung. Einst wurde ihr von ihrem Beichtvater die Seele eines gewissen Bürgers Andreas Naddini von Siena empfohlen, der ein Spieler und schrecklicher Gotteslästerer war. Er lag krank und war dem Tode nahe, wollte aber trotz aller Ermahnung und alles Bittens von Bekehrung nichts wissen. Da warf sich Katharina auf die Kniee und flehte im heißen Gebete zu ihrem Heilande um die Rettung dieser Seele. Von fünf Uhr Abends an bis zum Morgen lag sie gleichsam im Streite mit Jesus, dessen Gerechtigkeit bereits das Urtheil über den verstockten Lästerer gesprochen hatte. Endlich siegte Katharina´s Flehen. Jesus erbarmte sich des Elenden. Er erschien ihm selbst, ermahnte ihn zur Reue und Beicht und verhieß ihm Vergebung. Kaum war dies geschehen, als der Kranke, plötzlich erweicht, nach einem Priester schickte, seine Sünden reumüthig beichtete, sein Testament machte und mit allen Zeichen wahrer Bekehrung sanft im Herrn entschlief. Auf gleiche Weise bekehrte Katharina zwei berüchtigte Räuber, welche schon zum qualvollen Tode verurtheilt und bereits zur Richtstätte ausgeführt, Jesus und seine Heiligen lästerten und jede Mahnung zur Bekehrung zurückwiesen. Katharina sah sie zum Tode ausführen und vom Mitleid bewegt, hörte sie nicht auf, an das göttliche Herz ihres Bräutigams zu klopfen, bis sie Gnade für diese Verbrecher gefunden. Unter dem Thore der Stadt erschien diesen Elenden der Heiland ganz mit Blut überronnen, lud sie zur Bekehrung ein und versprach ihnen Vergebung. Dieser Anblick erschütterte sie; sie hörten zu lästern auf, bekehrten sich aufrichtig und erlitten bußfertig den Tod, welchen sie verdient hatten.&lt;br /&gt;
Welche Macht das Gebet der Heiligen über die Herzen der Sünder hatte, davon gibt Zeugnis der Umstand, daß drei Priester Tag und Nacht Beicht sitzen mußten, um Sünder, welche nie gebeichtet oder bisher ungültig gebeichtet hatten, zu hören und mit Gott zu versöhnen. Durch solche Wunder der Gnade, welche Gott durch seine treue Dienerin wirkte, verbreitete sich ihr Ruf in alle Gegenden Italiens und anderer Länder, und nun sollte sie in der Hand Gottes ein Werkzeug der Erbarmung für Nationen und die ganze Kirche Gottes werden. &lt;br /&gt;
In der Zeit (1373), da Katharina so Großes wirkte, befand sich die heilige Kirche Jesu in einem höchst traurigen Zustande. Schon seit mehr als sechzig Jahren hatten die Päpste ihren Sitz zu Rom, der Hauptstadt der Christenheit, verlassen, und nach Avignon, einer Stadt in Frankreich, verlegt. Die Römer erhoben laute Klagen, daß ihre Bischöfe sie seit so vielen Jahren verlassen hätten; dazu kam noch, daß feindliche Parteien das Volk gegen den päpstlichen Stuhl aufhetzten und die Einwohner von Florenz, mit andern Städten im Bunde, sich gegen den Papst verschworen. Im Jahre 1373 brach die Kriegsflamme los. Die heilige Katharina befand sich gerade in der Stadt Pisa, als sie von diesem Uebel hörte, welches sie schon drei Jahre zuvor vorausgesagt hatte. Sie flehte sogleich zu ihrem Heilande um Hilfe und brachte es durch Zusprüche und Briefe dahin, daß mehrere Städte, namentlich ihre vaterstadt, dem Papste treu blieben. Der Papst belegte die Aufrührer mit dem Banne und diese im Kriege mehrmals besiegt, beschlossen endlich, den Papst um Gnade anzugehen. Die heilige Katharina sollte ihre Vermittlerin sein. Die Einwohner ließen sie durch eine feierliche Gesandtschaft abholen und sendeten sie nach Frankreich zum Papste Gregor XI., um den Frieden herzustellen. Der Papst empfing sie mit großer Achtung und legte die Friedensverhandlung ganz in ihre Hände, indem er sagte: &amp;quot;Damit du siehst, daß ich den Frieden will, so lege ich ihn ganz einfach in deine Hände: nur empfehle ich dir die Ehre der Kirche.&amp;quot; Katharina that Alles, was in ihren Kräften stand, um den Frieden herzustellen, allein an der Treulosigkeit der Florentiner scheiterte ihr Bemühen, die dafür hart gestraft wurden. Was der heiligen Jungfrau in dieser Sasche zu ihrem größten Schmerze nicht gelang, das erhielt sie auf eine andere Weise. ---- Das Verlangen der Römer nach der Rückkehr des Papstes in seine Stadt wurde immer lauter, schon war eine große Spaltung in der katholischen Kirche zu fürchten. Der Papst Gregor XI. hatte wohl das Gelübde gemacht zurückzukehren, allein er hatte aus Furcht vor dem französischen Könige nicht den Muth, sein Versprechen auszuführen. Er zog unsere heilige Jungfrau zu Rathe. Diese hatte durch eine Offenbarung sein Gelübde erkannt und sprach zu ihm: &amp;quot;Thue, was du Gott versprochen hast.&amp;quot; Verwundert hierüber, folgte er ihrem Rathe und kehrte im Jahre 1376 nach Rom zurück.&lt;br /&gt;
Hatte die heilige Jungfrau bisher großes Leid getragen über die traurigen Uebel, welche in der Kirche Gottes herrschten, so erreichte dieses Leiden den höchsten Grad, als die traurige Spaltung wirklich eintrat, die sie schon früher im Geiste vorausgesehen und vorausgesagt hatte. Um diesen Schmerz nur einigermassen zu begreifen, mußt du, lieber Leser, bedenken, daß die heilige Jungfrau mit der feurigsten Liebe der heiligen Kirche anhing. Sie, die Kirche, ist ja die Braut Jesu; sie hat er sich durch sein Blut angetraut; in dihr will er bleiben bis zum Ende der Welt; sie soll einst im Himmel ewig mit ihm triumphieren. Katharina liebte die Kirche wie ihre liebste Mutter; sie theilte mit ihr alle Freuden und Leiden; sie lebte all ihre Feste geistlich mit und fühlte in ihrem Innern alle Uebel, von denen sie betroffen wurde. Kurz, sie lebte nur in und mit der Kirche, und darum war auch ihr Schmerz furchtbar, als das Band der Einheit zerrissen und zwei Päpste zugleich um den Stuhl des heiligen Petrus stritten. Als der Streit am heftigsten tobte, befand sich Katharina in Rom; sie hatte Papst Urban VI. als rechtmäßigen Papst  anerkannt und stand ihm mit ihrem Rathe bei. Tag und Nacht betete sie und mahnte unaufhörlich mündlich und schriftlich zur Einheit und zum Frieden. Während die Einwohner von Rom gegen einander wütheten und jede Partei die Oberhand gewinnen wollte, sah Katharina die Stadt Rom voll Teufel, die zum Haße und zur Rache anspornten. Katharina aber ließ nicht nach im Gebete; da wandte sich die Wuth der Teufel auch gegen sie. Zu oft schon hatte sie all ihre Anschläge vernichtet, zu oft schon mußten die Teufel auf ihr Gebet von denen weichen, die sie im Besitze hatten. Wenn daher Katharina im Gebete versunken um Erbarmen für die Kirche zum Himmel schrie, da umringten sie auf Gottes Zulassung die Teufel, stießen ein furchtbares Geheul aus und schrieen: &amp;quot;Verfluchte! du willst unsere Absichten vereiteln, aber wir wollen dich erwürgen.&amp;quot; Katharina aber hatte keine Furcht; sie verdoppelte ihr Gebet und Flehen. Mehrere Tage und Nächte lag sie beständig im Gebete vor Gott und bot sich ihm zum Opfer an. &amp;quot;Ich will, sprach sie, gern diesen Kelch des Leidens und des Todes trinken zur Ehre deines heiligen Namens und für deine Kirche. Dies ist mein heißestes Verlangen seit dem Tage, wo ich dir mein Herz und meine Liebe weihte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr Opfer angenommen, sie sollte den Kelch trinken, ohne den Trost zu haben, die Kirche Gottes im Frieden zu sehen; jedoch in der Stadt Rom selbst trug sie den sieg davon über den Satan und seine Schaar. Die Raubhorden der Feinde des Papstes Urban VI. wurden vertrieben. Dafür aber wüthete nun der Satan gegen die Heilige. An ihrem Leibe sahen ihre Gefährtinen die Spuren der Stösse, welche ihr die Teufel versetzten, ohne helfen zu können. Sie konnte jetzt keinen Tropfen Wasser mehr trinken, ihr Leben hing nur mehr an einem Faden. Eines Tages sah sie im Geiste das Schifflein der Kirche auf ihren Schultern liegen; niedergedrückt von dieser ungeheuern Last sank sie zerbrochen und leblos zu Boden. Sie erkannte jetzt, daß nur das Opfer ihres Lebens für die Kirche von Nutzen sei und brachte es vollkommen ihrem Heilande dar. Ihre Sterbestunde nahte heran; mitten unter den grausamsten Leiden ließ sie nie eine Klage hören. Sie hatte eine Menge Jünger und Jüngerinen, welche sie im geistlichen Leben unterrichtete und wie eine sorgsame Mutter leitete, und unter diesen einen gewissen Stephano, der früher Rathsherr in Siena war. In einer großen Noth, in die er durch mächtige Feinde gerieth, nahm er seine Zuflucht zu Katharina, welche ihn durch ihr Gebet ganz Gott gewann und zu einem heiligen Leben führte. Dieser befand sich gerade zu Siena im Spitale, als Katharina ihr Leben zum Opfer hingab für die Kirche. Da hörte er eine Stimme, die sprach: &amp;quot;Reise schnell nach Rom, deine Mutter stirbt.&amp;quot; Er machte sich sogleich auf den Weg und kam gerade in der Zelle der heiligen Jungfrau an, als sie, umgeben von ihren Schülern und Schülerinen, auf ihrem Sterbebettlein lag und jedem eine heilsame Lehre gab. Die Sterbende sprach zu ihm: &amp;quot;Mein Stephano, danke Gott, daß er dich sendet, um die letzten Worte deiner Mutter zu empfangen. Seine Barmherzigkeit wird dein Heil gewiß machen, und dir den Weg zeigen, den du gehen mußt; &amp;quot; dann befahl sie ihm, in den Karthäuserorden zu treten, was er auch nachher, obwohl mit Widerstreben, that. Nach einiger Zeit, als sie ihre Abschiedsworte geendet hatte, bat sie ihre alte Mutter Lapa, die weinend neben dem Bette ihrer geliebten Tochter stand, um ihren Segen. Am Morgen des Sonntags vor der Himmelfahrt Christi empfing sie mit der größten Inbrunst die heiligen Sterbesakramente, und nun begann der Todeskampf. Sie hatte die heftigsten Angriffe des bösen Feindes zu bestehen, der alle Gewalt anwendete, diese heilige Jungfrau, welche ihm so viele Seelen entriß und so oft seine Anschläge vernichtete, zu verderben. Ihre Gesichtszüge veränderten sich, ihre Arme bewegte sie hin und her, als wollte sie den Angriff von Feinden abwehren; bald sprach, bald lachte, bald schwieg sie wieder. Die Anwesenden waren voll Entsetzen. Plötzlich rief sie mit Freude aus: &amp;quot;Die eitle Ehre nie, sondern die wahre Ehre und das Lob des Herrn!&amp;quot; Durch diese Worte beschämte sie den Satan und alle jene, welche bisher ihre Lebensweise getadelt hatten. Katharina hatte ja nie ihre Ehre gesucht und Nichts ohne ausdrücklichen Befehl Gottes gethan. Eine halbe Stunde nachher brach sie das Schweigen, um mehr als sechzigmal auszurufen, indem sie die rechte Hand erhob: &amp;quot;Ich habe gesündigt, Herr, erbarme dich meiner!&amp;quot; Dann wiederholte sie eben so oft: &amp;quot;Heiliger Gott, erbarme dich meiner!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Unterdeß, da Katharina so zu Gott rief, wurde ihr Angesicht ruhig und lächelnd; ihre matten Augen bekamen ihren englischen Glanz wieder; sie erhob dieselben, blickte auf das Kruzifix und mit den Worten: &amp;quot;Herr, du rufest mich zu dir, und ich gehe, nicht durch meine Verdienste, sondern durch deine bloße Barmherzigkeit, die ich in der Kraft des Blutes Christi anflehe. --- In deine Hände empfehle ich meinen Geist,&amp;quot; senkte sie ihr englisches Haupt und verschied am 29. April 1380. Sie hatte 33 Jahre gelebt und wurde vom Papste Pius II. im Jahre 1461 heilig gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Einige Kernsprüche der Heiligen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hole dir deinen Trost bei dem Kreuze Jesu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nach den Dornen werden die Rosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tue, was du Gott versprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nichts ist eigentlich böse zu nennen als - die Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Richte alle deine Gedanken, Handlungen und Worte allein auf Gottes Ehre und Verherrlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es werden darum so wenige selig, weil fast alle das Ihrige suchen, nicht was Gottes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;O mein Jesus, verleihe mir die Gnade, daß auch ich deinen heiligen Willen im Auge habe, wie deine Dienerin, und dadurch zur seligen Vereinigung mit dir gelange. Amen.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Katharina von Siena</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Einige Kernsprüche der Heiligen */&lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;==&#039;&#039;Die heilige Katharina von Siena, Jungfrau&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Bild:KatharSiena.jpg|gerahmt|left|thumb|150px|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1380&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Nach neuem Kalender: [[29. April]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach altem Kalender: [[30. April]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Leben und Wirken der Hl. Katharina&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
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Was einst der heilige Apostel [[Paulus]] geschrieben, daß nämlich [[Gott]] das auserwähle, was thöricht und was schwach, was unangesehen, mißachtet und nichtig ist vor der Welt, um die Weisen und Mächtigen der Erde zu beschämen (1. Kor. 1,26), das hat sich im Verlaufe der Zeit immer bestätigt. Gerade in der Zeit, wo der stolze Eigendünkel der Gelehrten, der Hochmuth und die Herrschsucht der Mächtigen die Welt in Verwirrung setzte, wo selbst die höchsten Kirchenfürsten um die päpstliche Krone stritten und die Einheit der Kirche zerrissen, erwählte Gott eine schwache, einfältige Jungfrau, um die Weisheit der Welt zu Schanden zu machen und seine Macht und Weisheit zu zeigen. Auf die Zunge dieser Jungfrau legte er Worte, welche alle Weisheit der Welt übertrafen und ihrer Seele verlieh er eine Kraft, die alle Welt in Erstaunen setzte. Diese Jungfrau ist Katharina, die Tochter eines ehrbaren Färbers von Siena in Italien, mit Namen Jakov von Beninkasa, ihre Mutter hieß Lapa. Unter fünf und zwanzig Kindern brachte im Jahre 1347 die fromme Lapa zwei Mädchen zur Welt, von denen das Eine in der Taufe den Namen Katharina, das Andere den Namen Johanna erhielt. Johanna starb und die Mutter konnte nun alle Sorge auf Katharina wenden, welche sehr schwächlich aber ein gar liebliches Kind war. Selbst die Nachbarn hatten Katharina ungemein lieb, und kaum konnte sie gehen, so wollte Jedermann sie um sich haben, weil sie gar so freundlich, sanft und heiter war. Je größer Katharina wurde, desto heller zeigten sich an ihr die Gaben des heiligen Geistes, der in ihrem reinen Herzen wohnte. Ihre Reden waren klug und lieblich und ihr Wandel war der eines Engels. Als sie fünf Jahre alt geworden, hatte sie schon eine zärtliche Andacht zur seligsten Jungfrau. So oft sie die Stiege in ihrem elterlichen Hause auf- und abstieg, grüßte sie auf jeder Stufe Maria mit dem Ave und die Engel des Himmels kamen und trugen sie oft von der obersten Stufe bis zur untersten, ohne dass ihre Füße die Erde berührten.&lt;br /&gt;
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Bald sollte sie in die innigste Verbindung mit Jesus gelangen. Eines Tages ging sie auf Befehl ihrer Mutter mit ihrem kleinen Bruder Stephan zu ihrer Schwester Bonaventura, welche an einen gewissen Nikolaus verheirathet war, um dort eine Botschaft auszurichten. Auf dem Rückwege sah sie plötzlich ober der Kirche des heiligen Dominikus in den Lüften einen prächtig geschmückten Thron, auf welchem der Heiland, mit den Kleidern eines Bischofs angethan, saß, an seiner Seite die drei heiligen Apostel Petrus, Paulus und Johannes. Jesus und die Apostel schauten Katharina gar freundlich an und Jesus gab ihr seinen Segen nach Art der Bischöfe mit einem lieblichen Lächeln. Katharina blieb von Staunen ergriffen mitten auf dem Wege stehen; sie sah und hörte nicht, was um sie vorging. Ihr kleiner Bruder, der schon eine Strecke vorausgegangen war, kehrte um, und rief ihr zu, sie aber antwortete nicht. Da nahm er sie bei der Hand und sprach: &amp;quot;Was thust du da? -- Warum kommst du nicht?&amp;quot; Da kam Katharina zu sich, senkte die Augen und sagte: &amp;quot;Wenn du so etwas Schönes sähest, wie ich sehe, würdest du mich nicht stören!&amp;quot; Sie erhob ihre Augen wieder, aber Alles war verschwunden. Vor Trauer darüber weinend ging Katharina nach Hause.&lt;br /&gt;
Von dieser Zeit an legte Katharina alles Kindische ab. Immer betete sie und suchte die entlegensten Winkel des Hauses auf, wo sie kleine Mädchen um sich versammelte, und mit ihnen fromme Gespräche führte, die diese mit größter Freude anhörten. Der Geist der Welt treibt die Seinen zum Genusse von Freude und Luft an, der Geist Gottes aber zur Entsagung und Abtödtung. Katharina gehörte nicht der Welt, sondern Gott an, darum suchte sie sich selbst abzutödten und auch ihre Freundinen hiezu anzutreiben. Öfters geißelten sie sich mit kleinen Stricken, während sie eine gewisse Anzahl von Vater unser und Ave Maria beteten. Auch lehrte sie der heilige Geist, ohne in Büchern zu lesen, das umständliche Leben der heiligen Väter und besonders des heiligen Dominikus kennen. Dadurch erwachte in ihr eine heftige Liebe zur Einsamkeit. An einem schönen Morgen nahm sie ein Brod zu sich und verließ heimlich die Stadt. Sie ging so lange fort, bis sie die Thürme der Stadt nicht mehr sah und begab sich abseits vom Wege in eine Felsenhöhle. Sogleich fiel sie auf die Kniee und betete mit größter Inbrunst. Doch während des Gebetes wurde ihr die Belehrung, daß ein solches Leben nicht der Wille Gottes sei. Gehorsam der Stimme Gottes, kehrte Katharina sogleich nach Hause zurück; aber nun erwachte in ihr auch der Gedanke, wie sehr ihre gute Mutter um sie besorgt sein werde. Voll Vertrauen legte sie ihren Kummer in die Hand Gottes, und siehe da, plötzlich fand sie sich auf wunderbare Weise vor dem Thore von Siena. Sie kam nach Hause, ohne daß ihre Eltern wußten, wo sie gewesen, und Niemand erfuhr von diesem Wunder etwas, bis Katharina es ihrer Schwester und dem gottseligen Raimund, ihrem Beichtvater, entdeckte. &lt;br /&gt;
Im Hause der Eltern führte sie indessen ihr einsames, bußfertiges Leben fort. Sie aß nun kein Fleisch mehr, um ihren Leib ganz dem Geiste zu unterwerfen, und ihr innigstes Verlangen war, sich ganz und gar dem göttlichen Heilande zu weihen. Aber nun hatte sie einen harten Kampf, sowohl mit ihren Eltern, als auch mit dem Satan zu bestehen. Ihre Eltern waren fromme, gottesfürchtige Bürgersleute, allein sie sahen doch die besonderen frommen Uebungen ihrer Tochter nicht gerne. In ihrer Noth wandte sie sich zu Maria, ihrer geliebten Mutter, und bat sie, auf den Knieen liegend, mit heißer Inbrunst, daß sie ihr Jesum zum Bräutigam ihrer Seele geben möge, mit dem feierlichen Versprechen, nie einen anderen Bräutigam zu nehmen und ihre Jungfräulichkeit unbefleckt zu bewahren.&lt;br /&gt;
Seitdem aber wurde der Widerstand im väterlichen Hause peinlicher. Die Mutter Lapa wollte durchaus ihre Tochter, die jetzt 12 Jahre alt war, durch eine gute Heirath versorgen, und damit dies leichter ginge, suchte sie ihr Liebe zu schönen Kleidern einzuflößen. Auch ihre Schwester stand der Mutter hierin bei. Katharina gab nach und verwendete mehr Sorge auf die Zierde ihres Leibes, im Grunde des Herzens aber bewahrte sie doch die Liebe zu ihrem göttlichen Bräutigam, der, eifersüchtig auf das Herz seiner Braut, nun in das Mittel trat. Die Schwester der Katharina, eine reine Seele, starb, mußte aber im Fegfeuer dafür leiden, weil sie zur Versuchung ihrer Schwester mitgewirkt hatte. Auf die Fürbitte derselben wurde sie daraus befreit, und Katharina erkannte nun ihren Fehltritt und bereute und büßte ihn ihr ganzes Leben lang. Jesus hatte diesen Fehltritt, der nicht gar groß war, zugelassen, um Katharina in der wahren Demuth zu üben, damit sie fortan erkenne, wie schwach sie sei ohne den Beistand ihres göttlichen Bräutigams.&lt;br /&gt;
Schon hatte Katharina ihr Herz ganz wieder ihrem göttlichen Heilande zugewandt, als nun auch der Satan selbst gegen sie auftrat. Eines Tages, als sie vor einem Kruzifixe betete, legte er ein prächtiges Kleid vor sie hin, damit sie sich damit schmücke; allein Katharina verachtete den Versucher und seine Pracht und rief zu Gott: &amp;quot;O mein allersüßester Herr, du weißt wohl, daß ich keinen andern Bräutigam als dich selbst gewählt habe, ich bitte dich daher, stehe mir in dieser Versuchung bei!&amp;quot; Jetzt sah sie die Königin der Jungfrauen, Maria, vom Kruzifixe ein Kleid hervornehmen von außerordentlicher Schönheit, geschmückt mit kostbaren Steinen und sie damit bekleiden. Katharina demüthigte sich tief vor Gott und erneuerte ihren Entschluß, nicht zu heirathen. Allein die Versuchung nahm kein Ende. Die Mutter hatte schon einen Mann für Katharina ausgesucht, dem sie die Hand reichen sollte; Katharina widerstand muthig, und da die Mutter nicht nachließ, schnitt sie sich ihre schönen Haare ab, welche in goldenen Locken auf ihre Schultern herabhingen und trug von nun an einen dichten Schleier auf dem Haupte. Als dieß die Mutter wahrnahm, brach sie in die heftigsten Vorwürfe gegen ihre Tochter aus und die Eltern faßten nun den Entschluß, Katharina solle von nun an kein besonderes Zimmer mehr haben und die Dienste einer Küchenmagd im Hause verrichten, um sie vom Gebete abzuhalten. Allein vergebens; Katharina machte nun ihr Herz zu einer Zelle, wo sie sich mit ihrem himmlischen Bräutigame unterhielt; unter ihrem Vater stellte sie sich Jesum, unter ihrer Mutter Maria, die seligste Jungfrau, vor, ihre Brüder betrachtete sie als die Apostel und Jünger des Herrn und suchte sie im Namen derselben zu bedienen. Weil sie kein besonderes Zimmer mehr hatte, wo sie einsam dem Gebete obliegen konnte, so zog sie sich heimlich in die Kammer ihres frommen Bruders Stephan zurück. Hier sah sie eines Tages der Vater in einem Winkel knieend und in Betrachtung versunken, eine weiße Taube auf dem Haupte. Jetzt sollte die Verfolgung ein Ende erreichen.&lt;br /&gt;
Katharina hatte eine große Neigung zu dem Orden des heiligen Dominikus, der um diese Zeit in schönster Blüthe stand; sie wollte in diesen Orden treten, wußte aber nicht, wie sie es ausführen sollte. Da erschien ihr einstens im Schlafe der heilige Dominikus mit einer schneeweißen Lilie in der Hand und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, sei guten Muthes, du wirst ganz gewiß mein Ordenskleid tragen.&amp;quot; Dadurch wunderbar gestärkt, erklärte sie nun ihrer ganzen Familie ihren festen Entschluß nicht zu heirathen, weil sie das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt habe. Nun gab der Vater nach und erlaubte ihr nach ihrem Willen ihren gottseligen Übungen obzuliegen. Sie erhielt ein kleines Zimmer im Hause und in diesem lebte sie nun, wie eine heilige Büsserin.&lt;br /&gt;
Ihre Kleider waren von Schafwolle und ihr Bett war eine Art Tisch, woraus sie angekleidet ein wenig schlief; um ihren Leib hatte sie eine eiserne Kette gegürtet, die sie aber auf Befehl des Beichtvaters ablegen mußte, und täglich geißelte sie ihren schwachen Leib ein und eine halbe Stunde lang bis aufs Blut. Nur von göttlichen Dingen wollte sie hören und reden, und ihr einziges sehnsüchtiges Verlangen war, in den Orden der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus zu treten. Jedoch ihre Mutter wollte hiezu ihre Einwilligung nicht geben; endlich aber durch die beständigen Bitten ihrer Tochter besiegt, ging sie zu der Oberin des Ordens, und bat sie um das Ordenskleid für ihre Tochter. Es lebten aber die Mitglieder dieses Ordens damals noch nicht in einem Kloster, sondern jede Schwester in ihrem Hause; sie trugen schwarze Mäntel, daher Mantellaten genannt und versammelten sich alle Sonntage in der Kirche der Dominikaner, um da das Wort Gottes zu vernehmen. Nur Wittwen und Frauen vom vorgerückten Alter wurden aufgenommen. Als daher die Mutter Lapa ihre Bitte vortrug, erhielt sie eine abschlägige Antwort, denn ihre Tochter Katharina war noch ein junges Mädchen. Lapa brachte mit Freuden diese Antwort, denn sie sah den Schritt ihrer Tochter nicht gerne; jedoch diese verzagte nicht, hatte ihr ja der heilige Vater Dominikus in einem Gesichte versprochen, daß sie ganz gewiß das Kleid seines Ordens tragen werde.&lt;br /&gt;
Sie drang in ihre Mutter, mit ihren Bitten nicht nachzulassen; da ber alles Bitten nichts half, wurde Katharina krank vor Kummer. In größter Angst lief Lapa wieder zur Oberin, klagte ihr ihr Herzenleid, und fand Erhörung, aber nur unter der Bedingniß, daß Katharina keine schöne Gestalt haben dürfe. Dies war nun bei Katharina der Fall, denn die strenge Buße und schwere Krankheit hatte ihr Gesicht ganz entstellt, und so fand sie denn endlich Aufnahme in den Orden. Sie war erst achtzehn Jahre alt, als sie das weiße Unterkleid des Ordens und den schwarzen Mantel empfing. Hatte sie schon früher ein strenges Bußleben geführt, so verdoppelte sich jetzt ihr Eifer. Um sich ganz von der Welt zu trennen, beschloß sie, das Stillschweigen zu beobachten, und drei Jahre redete sie kein Wort, außer in der Beicht. Sie ging nur aus ihrer Zelle, um in die Kirche zu gehen; ihre geringen Speisen genoß sie allein und immer mit Thränen, und während die Dominikanermönche in ihrem Kloster schliefen, wachte und betete sie; erst um 2 Uhr früh legte sie sich ein wenig auf den Tisch, um zu ruhen.&lt;br /&gt;
Ihr Beichtvater, der gottselige Raimund von Kapua, ein berühmter Dominikaner, führte mit ihr oft heilige Unterredungen, wollte ihr aber nicht eher Glauben schenken, bevor er sie nicht geprüft hatte, gemäß dem Befehle des Apostels: &amp;quot;Prüfet die Geister.&amp;quot; Jesus aber übernahm selbst die Prüfung. Als einst Bruder Raimund sich mit ihr über ihre Offenbarungen, welche ihr Gott häufig machte, unterhielt, kam ihm ein starker Zweifel daran und er dachte sich: Ist auch Alles wahr, was sie sagt? Aber sogleich verwandelte sich das Angesicht der Jungfrau in das Angesicht des furchtbar erzürnten Erlösers. Raimund hob erschrocken die Hände empor und rief: &amp;quot;Wer ist denn der, welcher mich ansieht? Da antwortete Katharina: &amp;quot;Es ist der, welcher ist.&amp;quot; Das Gesicht verschwand und Raimund war von nun vollkommen von dem guten Geiste überzeugt, welcher Katharina regierte. &lt;br /&gt;
Der böse Feind aber, ergrimmt über die hohe Tugend der gottseligen Jungfrau, ließ kein Mittel unversucht, um sie in seine Falle zu locken. Jesus, ihr göttlicher Bräutigam, ließ es zu, um ihre Treue zu prüfen. Furchtbar war der Kampf, welchen nun Katharina zu bestehen hatte. Tag und Nacht stellte er unreine Bilder vor die Augen ihres Geistes, und ihr Inneres wurde mit den scheuslichsten Gedanken erfüllt. Angst und Schrecken erfaßte die Jungfrau, sie griff zur Geißel und zum Gebete, ohne den Eingebungen des Satans eine Antwort zu geben; allein es half ihr nicht gleich, sie mußte die Versuchung bestehen. Da der Satan sie nicht zur Einwilligung bringen konnte, so suchte er in ihr den Zweifel zu erregen, ob sie auch in ihrem jetzigen Stande aushalten könne. Allein Katharina ließ sich nicht irre machen, sie betete fort, obschon es ihr schien, als habe sie Jesus ganz verlassen. Nirgends fand sie einen Trost; es war ihr, als läge sie in tiefster Finsternis. Als nun eines Tages Satan zu ihr sprach: &amp;quot;Elende, was wirst du anfangen? Dein ganzes Leben wirst du so zubringen; den nwir werden dich bis zu deinem Tode quälen, wenn du nicht einwilligst.&amp;quot; Da antwortete Katharina mit aller Entschiedenheit: &amp;quot;Ich habe dieß verdient, und es ist mir nicht schwer, diese und andere Strafen für den Namen meines Heilandes zu tragen, so lange es seiner göttlichen Majestät gefällt.&amp;quot; Nun wich der Satan, die Demuth der Jungfrau hatte ihn besiegt. Dafür aber erschien ihr Jesus am Kreuze in himmlischen Glanze und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, siehst du, wie viel ich für dich gelitten habe? Soll es dich also schwer ankommen, für mich zu leiden? Da vergoß Katharina einen Strom von Thränen und sprach: &amp;quot;O süsser Jesus, wo warst du denn, als meine Seele von so vielen Abscheulichkeiten geplagt wurde?&amp;quot; Der Herr antwortete: &amp;quot;Mitten in deinem Herzen!&amp;quot; Wie, entgegnete Katharina, du warst in meinem Herzen, das voll schmutziger, abscheulicher Gedanken war?&amp;quot; Jesus sprach: &amp;quot;Hast du an diesen Gedanken Freude gehabt? Katharina: &amp;quot;O nein, ich war davon in die größte Betrübnis versetzt.&amp;quot; Jesus: &amp;quot;Wer aber hat dies bewirkt als ich? Wäre ich nicht zugegen gewesen, so würden jene Gedanken in dein Herz eingegangen sein und du hättest dich daran erfreuet. Ich habe dich vertheidigt und meiner Anwesenheit hast du den Sieg zu verdanken!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus ging von nun an gar freundlich mit ihr um; er erschien ihr oft und verweilte lange bei ihr; manchmal hatte er auch seine glorreiche Mutter, manchmal den heiligen Johannes, die heilige Magdalena, den heiligen Dominikus bei sich. Er betete mit ihr die Psalmen und da Katharina nicht lesen konnte, so lehrte er sie die Psalmen in lateinischer Sprache lesen und verstehen. Sie betete nun mit aller Andacht die heiligen Tagzeiten, später aber mußte sie alles mündliche Gebet aufgeben, weil sie dabei sogleich in Verzückung gerieth. Ihr Gebet war jetzt immer innerlich und ihr heißestes Flehen war, im Glauben mit ihrem Jesus auf das Innigste verbunden zu werden. Ihr Gebet wurde erhört. Jesus vermählte sich mit ihr, seiner reinen Braut, in Gegenwart seiner heiligen Mutter Maria und anderer Heiligen und steckte ihr einen Ring an den Finger, der mit vier Perlen besetzt war, in deren Mitte ein wunderschöner Edelstein glänzte. --- Katharina war nun die Braut des Herrn, sie hatte das Zeugnis der Treue und war nun ausgerüstet zum Kampfe für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Bisher hatte sie ein verborgenes Leben in Christo geführt; wie ein stilles Lampenlicht brannte sie vor dem Angesichte des Herrn; von nun an sollte sie auch Andern leuchten, ja, sie sollte eine hellstrahlende Fackel in der Kirche Jesu werden; bisher hatte sie stille zu den Füssen Jesu gesessen und seinen Worten gelauscht, jetzt sollte sie in die Welt eintreten und zeigen, wie man das zweifache Gebot Gottes erfüllt: &amp;quot;Du sollst Gott lieben über Alles und den Nächsten wie dich selbst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Wir wollen nun, lieber Leser, den Fußstapfen der Heiligen folgen und ihren Wandel unter den Menschen betrachten. Katharina lebte noch immer im Hause ihrer Eltern und bewohnte da eine einsame Zelle. Ihre fromme Mutter hatte ihr erlaubt, ungestört ihren frommen Uebungen obzuliegen. Nun aber wollte sie auch das thätige Leben üben. Sie verrichtete zuerst die niedrigen Dienste einer Magd im Hause und in der Küche, und wenn die eigentliche Magd des Hauses krank war, so wartete sie dieselbe mit aller Liebe und verdoppelte ihren Eifer in der Arbeit. Dabei aber war sie immer mit Jesus vereiniget und gar oft geschah es, daß sie mitten in der Arbeit außer sich gerieth. Als nun Katharina sah, wie sehr dies Leben ihrem Heilande gefalle, so nahm sie sich auch der Armen und Kranken an. Ihr guter Vater hatte ihr auf ihre Bitten erlaubt, von seinem Vermögen die Armen zu unterstützen. Voll Freude hierüber, trug sie nun den Armen Almosen zu und sie scheute dabei keine Mühe. Einst lag sie am ganzen Leibe geschwollen im Bette, da hörte sie, daß in der Nachbarschaft eine Wittwe sei, die mit ihren Kindern große Noth leide. Da flehte sie inständig zu Jesus, er möge ihr nur so viel Kraft geben, um dieser Armen helfen zu können. Sogleich stand sie vor dem Morgenlicht auf, füllte einen Sack mit Weizen, eine große Flasche mit Wein und ein Gefäß mit Oel und brachte Alles in ihre Zelle. Wie sollte sie dies Alles aber in das Haus der Wittwe bringen; sie versuchte es, vertrauend auf den göttlichen Beistand, nahm sie den Sack auf den Rücken, beide Krüge in die Hände, und mit leichter Mühe, als wäre sie voll Kraft, trug sie Alles allein dem Hause der Wittwe zu. Bei dem Hause aber wurde plötzlich die Last so schwer, daß sie nicht mehr weiter konnte; sogleich rief sie wieder zu Jesus, und siehe, es gelingt ihr, die Last in das Haus zu schleppen und dort niederzulegen. Vom Geräusche aufgeweckt, erwachte die Wittwe, welche noch schlief. Katharina wollte davonlaufen, aber kraftlos sinkt sie zu Boden; sie suchte zu gehen, aber vergebens. Da wandte sie sich wieder zum Herrn um Hilfe und nun schlich sie sich allmälig fort und kam noch vor Tagesanbruch nach Hause, wo sie wieder krank auf ihr Bettlein hinsank.&lt;br /&gt;
Noch ein Beispiel der rührenden Barmherzigkeit der heiligen Katharina will ich dir erzählen, lieber Leser, woraus du sehen kannst, wie gar angenehm dem Heiland das Almosen ist. --- Als sie einst in der Kirche war, kam ein armer Mensch zu ihr und bat sie flehentlich, ihm zu helfen. Weil sie gar nichts bei sich hatte, so sagte sie dem Armen freundlich, er möge nur so lange warten, bis sie nach Hause komme, dort wolle sie ihm ein reichliches Almosen geben. Der Arme aber sagte: &amp;quot;Gib mir gleich, denn ich kann nicht warten.&amp;quot; Katharina, welchen den Armen nicht fortlassen wollte, dachte hin und her, was sie ihm denn geben sollte; da fiel ihr ein silbernes Kreuzlein in die Augen, das sie an ihrem Rosenkranze hangen hatte. Sie riß das Kreuzlein herab und gab es dem Armen. Dieser ging zufrieden fort. In der folgenden Nacht aber erschien ihr der Heiland, zeigte ihre das Kreuzlein, wunderbar von Edelsteinen strahlend, und sprach: &amp;quot;Kennst du dieses Kreuz, meine Tochter? Du hast es mir gestern aus Liebe gegeben und ich verspreche dir, daß ich es dir am Tage des Gerichtes vor allen Engeln und Menschen in dieser Gestalt darreichen werde. Denn ich werde kein Werk der Barmherzigkeit verborgen halten an jenem Tage, wo ich meines Vaters Barmherzigkeit verherrlichen werde.&amp;quot; Nach diesen Worten verschwand der Herr und Katharina wurde durch dieses Gesicht nur noch mehr angefeuert, dem Nächsten Hilfe zu leisten. &lt;br /&gt;
Die Allerärmsten sind die Kranken, welche verlassen von jeder menschlichen Hilfe in bitterer Noth schmachten. Katharina hatte das tiefste Mitleid mit derselben, ihnen widmete sie die zärtlichste Pflege. Im Spitale zu Siena lag ein krankes Weib, mit Namen Tessa, am Aussatz darnieder. Niemand wollte ihr wegen Gefahr der Ansteckung auswarten, ja man wollte sie sogar aus der Stadt schaffen. Kaum hatte Katharina davon gehört, so eilte sie sogleich herbei und diente der Kranken mit ausdauender Geduld und Liebe bis an ihr Ende. Das kranke Weib behandelte die sanfte Katharina mit dem größten Undank, aber diese ließ in ihrer Liebe nicht nach; ja, Katharina wurde an den Händen vom Aussatze selbst ergriffen, aber dennoch wich sie keinen Augenblick von der Elenden. Als das Weib gestorben war, wusch und kleidete Katharina sogar ihren schauerlichen Leichnam, legte ihn mit eigenen Händen in den Sarg und begrub ihn nach dem Seelengottesdienste. Sobald aber der Leichnam begraben war, waren die Hände der Heiligen wieder rein und erhielten sogar einen außerordentlichen Glanz. Auf diese Weise, wie diese Aussätzige, pflegte Katharina mit übermenschlicher Geduld eine andere Kranke, deren Brust vom Krebse ganz zerfressen war.  Mit dem größten Heldenmuthe überwand sie den Eckel, der sie befiel, wenn sie die gräßliche Wunde reinigte, aus welcher ein scheuslicher Gestank hervordrang. Was aber alle menschliche Geduld übersteigt, und der höchste Grad der Nächstenliebe ist, war der Umstand, daß die Kranke, welche von der Heiligen eine so zärtliche Pflege erhielt, sich erfrechte, ihre Wärterin auf das Schändlichste zu verläumden. Katharina duldete schweigend diese Bosheit und pflegte die Kranke mit immer gleicher Liebe; ja, sie ging hierin so weit, daß sie eines Tages, als ein gewaltiger Eckel sie beim Verbande der eiternden Wunde ergriff, sogar eine Schale voll stinkenden Eiters austrank, um ihren Abscheu zu überwinden. Aber dafür belohnte sie ihr göttlicher Bräutigam mit mehreren wunderbaren Gnaden. Er ließ sie in einer Erscheinung aus seiner heiligen Seitenwunde einen überaus süßen, himmlischen Trank trinken, der bewirkte, daß sie von nun an keine andere Speise mehr zu sich nahm, als blos die heilige Kommunion. So oft sie eine gewöhnliche Speise zu sich nahm, und war es auch nur ein kleiner Bissen Brod, so mußte sie sich erbrechen und wurde krank. Ferners erschien ihr eines Tages der Herr mit zwei Kronen in den Händen, die eine von Gold, die andere von Dornen und befahl ihr, eine davon zu wählen; sogleich langte sie mit den Worten: &amp;quot;Herr, ich verlange in diesem Leben nur an deinen Leiden Theil zu nehmen, soe sollen meine Freude sein,&amp;quot; nach der Dornenkrone und drückte sich dieselbe heftig auf das Haupt. Von nun an empfand sie im Kopfe immer stechende Schmerzen. Ein andersmal tauschte der Herr sein Herz mit den ihrigen und drückte ihr seine heiligen fünf Wundmahle ein, die aber auf ihre Bitte nicht sichtbar wurden. Solche Wunder der Gnaden feuerten die heilige Jungfrau zu immer größerer Liebe Gottes und des Nächsten an.&lt;br /&gt;
Wenn sie sich bisher mit herzlicher Liebe der Armen und Kranken annahm, so wurde diese Liebe noch größer, wenn es darauf ankam, jenen zu helfen, welche an der Seele krank, so oft todt sind, nämlich --- den Sündern. &lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr einst die Schönheit einer bekehrten Seele sehen lassen; seit dieser Zeit kannte ihr Eifer, Sünder zu Gott zurückzuführen, keine Gränzen; unaufhörlich flehte sie zu Gott um ihre Bekehrung. Einst wurde ihr von ihrem Beichtvater die Seele eines gewissen Bürgers Andreas Naddini von Siena empfohlen, der ein Spieler und schrecklicher Gotteslästerer war. Er lag krank und war dem Tode nahe, wollte aber trotz aller Ermahnung und alles Bittens von Bekehrung nichts wissen. Da warf sich Katharina auf die Kniee und flehte im heißen Gebete zu ihrem Heilande um die Rettung dieser Seele. Von fünf Uhr Abends an bis zum Morgen lag sie gleichsam im Streite mit Jesus, dessen Gerechtigkeit bereits das Urtheil über den verstockten Lästerer gesprochen hatte. Endlich siegte Katharina´s Flehen. Jesus erbarmte sich des Elenden. Er erschien ihm selbst, ermahnte ihn zur Reue und Beicht und verhieß ihm Vergebung. Kaum war dies geschehen, als der Kranke, plötzlich erweicht, nach einem Priester schickte, seine Sünden reumüthig beichtete, sein Testament machte und mit allen Zeichen wahrer Bekehrung sanft im Herrn entschlief. Auf gleiche Weise bekehrte Katharina zwei berüchtigte Räuber, welche schon zum qualvollen Tode verurtheilt und bereits zur Richtstätte ausgeführt, Jesus und seine Heiligen lästerten und jede Mahnung zur Bekehrung zurückwiesen. Katharina sah sie zum Tode ausführen und vom Mitleid bewegt, hörte sie nicht auf, an das göttliche Herz ihres Bräutigams zu klopfen, bis sie Gnade für diese Verbrecher gefunden. Unter dem Thore der Stadt erschien diesen Elenden der Heiland ganz mit Blut überronnen, lud sie zur Bekehrung ein und versprach ihnen Vergebung. Dieser Anblick erschütterte sie; sie hörten zu lästern auf, bekehrten sich aufrichtig und erlitten bußfertig den Tod, welchen sie verdient hatten.&lt;br /&gt;
Welche Macht das Gebet der Heiligen über die Herzen der Sünder hatte, davon gibt Zeugnis der Umstand, daß drei Priester Tag und Nacht Beicht sitzen mußten, um Sünder, welche nie gebeichtet oder bisher ungültig gebeichtet hatten, zu hören und mit Gott zu versöhnen. Durch solche Wunder der Gnade, welche Gott durch seine treue Dienerin wirkte, verbreitete sich ihr Ruf in alle Gegenden Italiens und anderer Länder, und nun sollte sie in der Hand Gottes ein Werkzeug der Erbarmung für Nationen und die ganze Kirche Gottes werden. &lt;br /&gt;
In der Zeit (1373), da Katharina so Großes wirkte, befand sich die heilige Kirche Jesu in einem höchst traurigen Zustande. Schon seit mehr als sechzig Jahren hatten die Päpste ihren Sitz zu Rom, der Hauptstadt der Christenheit, verlassen, und nach Avignon, einer Stadt in Frankreich, verlegt. Die Römer erhoben laute Klagen, daß ihre Bischöfe sie seit so vielen Jahren verlassen hätten; dazu kam noch, daß feindliche Parteien das Volk gegen den päpstlichen Stuhl aufhetzten und die Einwohner von Florenz, mit andern Städten im Bunde, sich gegen den Papst verschworen. Im Jahre 1373 brach die Kriegsflamme los. Die heilige Katharina befand sich gerade in der Stadt Pisa, als sie von diesem Uebel hörte, welches sie schon drei Jahre zuvor vorausgesagt hatte. Sie flehte sogleich zu ihrem Heilande um Hilfe und brachte es durch Zusprüche und Briefe dahin, daß mehrere Städte, namentlich ihre vaterstadt, dem Papste treu blieben. Der Papst belegte die Aufrührer mit dem Banne und diese im Kriege mehrmals besiegt, beschlossen endlich, den Papst um Gnade anzugehen. Die heilige Katharina sollte ihre Vermittlerin sein. Die Einwohner ließen sie durch eine feierliche Gesandtschaft abholen und sendeten sie nach Frankreich zum Papste Gregor XI., um den Frieden herzustellen. Der Papst empfing sie mit großer Achtung und legte die Friedensverhandlung ganz in ihre Hände, indem er sagte: &amp;quot;Damit du siehst, daß ich den Frieden will, so lege ich ihn ganz einfach in deine Hände: nur empfehle ich dir die Ehre der Kirche.&amp;quot; Katharina that Alles, was in ihren Kräften stand, um den Frieden herzustellen, allein an der Treulosigkeit der Florentiner scheiterte ihr Bemühen, die dafür hart gestraft wurden. Was der heiligen Jungfrau in dieser Sasche zu ihrem größten Schmerze nicht gelang, das erhielt sie auf eine andere Weise. ---- Das Verlangen der Römer nach der Rückkehr des Papstes in seine Stadt wurde immer lauter, schon war eine große Spaltung in der katholischen Kirche zu fürchten. Der Papst Gregor XI. hatte wohl das Gelübde gemacht zurückzukehren, allein er hatte aus Furcht vor dem französischen Könige nicht den Muth, sein Versprechen auszuführen. Er zog unsere heilige Jungfrau zu Rathe. Diese hatte durch eine Offenbarung sein Gelübde erkannt und sprach zu ihm: &amp;quot;Thue, was du Gott versprochen hast.&amp;quot; Verwundert hierüber, folgte er ihrem Rathe und kehrte im Jahre 1376 nach Rom zurück.&lt;br /&gt;
Hatte die heilige Jungfrau bisher großes Leid getragen über die traurigen Uebel, welche in der Kirche Gottes herrschten, so erreichte dieses Leiden den höchsten Grad, als die traurige Spaltung wirklich eintrat, die sie schon früher im Geiste vorausgesehen und vorausgesagt hatte. Um diesen Schmerz nur einigermassen zu begreifen, mußt du, lieber Leser, bedenken, daß die heilige Jungfrau mit der feurigsten Liebe der heiligen Kirche anhing. Sie, die Kirche, ist ja die Braut Jesu; sie hat er sich durch sein Blut angetraut; in dihr will er bleiben bis zum Ende der Welt; sie soll einst im Himmel ewig mit ihm triumphieren. Katharina liebte die Kirche wie ihre liebste Mutter; sie theilte mit ihr alle Freuden und Leiden; sie lebte all ihre Feste geistlich mit und fühlte in ihrem Innern alle Uebel, von denen sie betroffen wurde. Kurz, sie lebte nur in und mit der Kirche, und darum war auch ihr Schmerz furchtbar, als das Band der Einheit zerrissen und zwei Päpste zugleich um den Stuhl des heiligen Petrus stritten. Als der Streit am heftigsten tobte, befand sich Katharina in Rom; sie hatte Papst Urban VI. als rechtmäßigen Papst  anerkannt und stand ihm mit ihrem Rathe bei. Tag und Nacht betete sie und mahnte unaufhörlich mündlich und schriftlich zur Einheit und zum Frieden. Während die Einwohner von Rom gegen einander wütheten und jede Partei die Oberhand gewinnen wollte, sah Katharina die Stadt Rom voll Teufel, die zum Haße und zur Rache anspornten. Katharina aber ließ nicht nach im Gebete; da wandte sich die Wuth der Teufel auch gegen sie. Zu oft schon hatte sie all ihre Anschläge vernichtet, zu oft schon mußten die Teufel auf ihr Gebet von denen weichen, die sie im Besitze hatten. Wenn daher Katharina im Gebete versunken um Erbarmen für die Kirche zum Himmel schrie, da umringten sie auf Gottes Zulassung die Teufel, stießen ein furchtbares Geheul aus und schrieen: &amp;quot;Verfluchte! du willst unsere Absichten vereiteln, aber wir wollen dich erwürgen.&amp;quot; Katharina aber hatte keine Furcht; sie verdoppelte ihr Gebet und Flehen. Mehrere Tage und Nächte lag sie beständig im Gebete vor Gott und bot sich ihm zum Opfer an. &amp;quot;Ich will, sprach sie, gern diesen Kelch des Leidens und des Todes trinken zur Ehre deines heiligen Namens und für deine Kirche. Dies ist mein heißestes Verlangen seit dem Tage, wo ich dir mein Herz und meine Liebe weihte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr Opfer angenommen, sie sollte den Kelch trinken, ohne den Trost zu haben, die Kirche Gottes im Frieden zu sehen; jedoch in der Stadt Rom selbst trug sie den sieg davon über den Satan und seine Schaar. Die Raubhorden der Feinde des Papstes Urban VI. wurden vertrieben. Dafür aber wüthete nun der Satan gegen die Heilige. An ihrem Leibe sahen ihre Gefährtinen die Spuren der Stösse, welche ihr die Teufel versetzten, ohne helfen zu können. Sie konnte jetzt keinen Tropfen Wasser mehr trinken, ihr Leben hing nur mehr an einem Faden. Eines Tages sah sie im Geiste das Schifflein der Kirche auf ihren Schultern liegen; niedergedrückt von dieser ungeheuern Last sank sie zerbrochen und leblos zu Boden. Sie erkannte jetzt, daß nur das Opfer ihres Lebens für die Kirche von Nutzen sei und brachte es vollkommen ihrem Heilande dar. Ihre Sterbestunde nahte heran; mitten unter den grausamsten Leiden ließ sie nie eine Klage hören. Sie hatte eine Menge Jünger und Jüngerinen, welche sie im geistlichen Leben unterrichtete und wie eine sorgsame Mutter leitete, und unter diesen einen gewissen Stephano, der früher Rathsherr in Siena war. In einer großen Noth, in die er durch mächtige Feinde gerieth, nahm er seine Zuflucht zu Katharina, welche ihn durch ihr Gebet ganz Gott gewann und zu einem heiligen Leben führte. Dieser befand sich gerade zu Siena im Spitale, als Katharina ihr Leben zum Opfer hingab für die Kirche. Da hörte er eine Stimme, die sprach: &amp;quot;Reise schnell nach Rom, deine Mutter stirbt.&amp;quot; Er machte sich sogleich auf den Weg und kam gerade in der Zelle der heiligen Jungfrau an, als sie, umgeben von ihren Schülern und Schülerinen, auf ihrem Sterbebettlein lag und jedem eine heilsame Lehre gab. Die Sterbende sprach zu ihm: &amp;quot;Mein Stephano, danke Gott, daß er dich sendet, um die letzten Worte deiner Mutter zu empfangen. Seine Barmherzigkeit wird dein Heil gewiß machen, und dir den Weg zeigen, den du gehen mußt; &amp;quot; dann befahl sie ihm, in den Karthäuserorden zu treten, was er auch nachher, obwohl mit Widerstreben, that. Nach einiger Zeit, als sie ihre Abschiedsworte geendet hatte, bat sie ihre alte Mutter Lapa, die weinend neben dem Bette ihrer geliebten Tochter stand, um ihren Segen. Am Morgen des Sonntags vor der Himmelfahrt Christi empfing sie mit der größten Inbrunst die heiligen Sterbesakramente, und nun begann der Todeskampf. Sie hatte die heftigsten Angriffe des bösen Feindes zu bestehen, der alle Gewalt anwendete, diese heilige Jungfrau, welche ihm so viele Seelen entriß und so oft seine Anschläge vernichtete, zu verderben. Ihre Gesichtszüge veränderten sich, ihre Arme bewegte sie hin und her, als wollte sie den Angriff von Feinden abwehren; bald sprach, bald lachte, bald schwieg sie wieder. Die Anwesenden waren voll Entsetzen. Plötzlich rief sie mit Freude aus: &amp;quot;Die eitle Ehre nie, sondern die wahre Ehre und das Lob des Herrn!&amp;quot; Durch diese Worte beschämte sie den Satan und alle jene, welche bisher ihre Lebensweise getadelt hatten. Katharina hatte ja nie ihre Ehre gesucht und Nichts ohne ausdrücklichen Befehl Gottes gethan. Eine halbe Stunde nachher brach sie das Schweigen, um mehr als sechzigmal auszurufen, indem sie die rechte Hand erhob: &amp;quot;Ich habe gesündigt, Herr, erbarme dich meiner!&amp;quot; Dann wiederholte sie eben so oft: &amp;quot;Heiliger Gott, erbarme dich meiner!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Unterdeß, da Katharina so zu Gott rief, wurde ihr Angesicht ruhig und lächelnd; ihre matten Augen bekamen ihren englischen Glanz wieder; sie erhob dieselben, blickte auf das Kruzifix und mit den Worten: &amp;quot;Herr, du rufest mich zu dir, und ich gehe, nicht durch meine Verdienste, sondern durch deine bloße Barmherzigkeit, die ich in der Kraft des Blutes Christi anflehe. --- In deine Hände empfehle ich meinen Geist,&amp;quot; senkte sie ihr englisches Haupt und verschied am 29. April 1380. Sie hatte 33 Jahre gelebt und wurde vom Papste Pius II. im Jahre 1461 heilig gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Einige Kernsprüche der Heiligen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hole dir deinen Trost bei dem Kreuze Jesu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nach den Dornen werden die Rosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tue, was du Gott versprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nichts ist eigentlich böse zu nennen als - die Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Richte alle deine Gedanken, Handlungen und Worte allein auf Gottes Ehre und Verherrlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Es werden darum so wenige selig, weil fast alle das Ihrige suchen, nicht was Gottes ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;O mein Jesus, verleihe mir die Gnade, daß auch ich deinen heiligen Willen im Auge habe, wie deine Dienerin, und dadurch zur seligen Vereinigung mit dir gelange. Amen.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Katharina von Siena</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;Die heilige Katharina von Siena, Jungfrau&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Bild:KatharSiena.jpg|gerahmt|left|thumb|150px|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1380&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Nach neuem Kalender: [[29. April]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach altem Kalender: [[30. April]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Leben und Wirken der Hl. Katharina&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was einst der heilige Apostel [[Paulus]] geschrieben, daß nämlich [[Gott]] das auserwähle, was thöricht und was schwach, was unangesehen, mißachtet und nichtig ist vor der Welt, um die Weisen und Mächtigen der Erde zu beschämen (1. Kor. 1,26), das hat sich im Verlaufe der Zeit immer bestätigt. Gerade in der Zeit, wo der stolze Eigendünkel der Gelehrten, der Hochmuth und die Herrschsucht der Mächtigen die Welt in Verwirrung setzte, wo selbst die höchsten Kirchenfürsten um die päpstliche Krone stritten und die Einheit der Kirche zerrissen, erwählte Gott eine schwache, einfältige Jungfrau, um die Weisheit der Welt zu Schanden zu machen und seine Macht und Weisheit zu zeigen. Auf die Zunge dieser Jungfrau legte er Worte, welche alle Weisheit der Welt übertrafen und ihrer Seele verlieh er eine Kraft, die alle Welt in Erstaunen setzte. Diese Jungfrau ist Katharina, die Tochter eines ehrbaren Färbers von Siena in Italien, mit Namen Jakov von Beninkasa, ihre Mutter hieß Lapa. Unter fünf und zwanzig Kindern brachte im Jahre 1347 die fromme Lapa zwei Mädchen zur Welt, von denen das Eine in der Taufe den Namen Katharina, das Andere den Namen Johanna erhielt. Johanna starb und die Mutter konnte nun alle Sorge auf Katharina wenden, welche sehr schwächlich aber ein gar liebliches Kind war. Selbst die Nachbarn hatten Katharina ungemein lieb, und kaum konnte sie gehen, so wollte Jedermann sie um sich haben, weil sie gar so freundlich, sanft und heiter war. Je größer Katharina wurde, desto heller zeigten sich an ihr die Gaben des heiligen Geistes, der in ihrem reinen Herzen wohnte. Ihre Reden waren klug und lieblich und ihr Wandel war der eines Engels. Als sie fünf Jahre alt geworden, hatte sie schon eine zärtliche Andacht zur seligsten Jungfrau. So oft sie die Stiege in ihrem elterlichen Hause auf- und abstieg, grüßte sie auf jeder Stufe Maria mit dem Ave und die Engel des Himmels kamen und trugen sie oft von der obersten Stufe bis zur untersten, ohne dass ihre Füße die Erde berührten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald sollte sie in die innigste Verbindung mit Jesus gelangen. Eines Tages ging sie auf Befehl ihrer Mutter mit ihrem kleinen Bruder Stephan zu ihrer Schwester Bonaventura, welche an einen gewissen Nikolaus verheirathet war, um dort eine Botschaft auszurichten. Auf dem Rückwege sah sie plötzlich ober der Kirche des heiligen Dominikus in den Lüften einen prächtig geschmückten Thron, auf welchem der Heiland, mit den Kleidern eines Bischofs angethan, saß, an seiner Seite die drei heiligen Apostel Petrus, Paulus und Johannes. Jesus und die Apostel schauten Katharina gar freundlich an und Jesus gab ihr seinen Segen nach Art der Bischöfe mit einem lieblichen Lächeln. Katharina blieb von Staunen ergriffen mitten auf dem Wege stehen; sie sah und hörte nicht, was um sie vorging. Ihr kleiner Bruder, der schon eine Strecke vorausgegangen war, kehrte um, und rief ihr zu, sie aber antwortete nicht. Da nahm er sie bei der Hand und sprach: &amp;quot;Was thust du da? -- Warum kommst du nicht?&amp;quot; Da kam Katharina zu sich, senkte die Augen und sagte: &amp;quot;Wenn du so etwas Schönes sähest, wie ich sehe, würdest du mich nicht stören!&amp;quot; Sie erhob ihre Augen wieder, aber Alles war verschwunden. Vor Trauer darüber weinend ging Katharina nach Hause.&lt;br /&gt;
Von dieser Zeit an legte Katharina alles Kindische ab. Immer betete sie und suchte die entlegensten Winkel des Hauses auf, wo sie kleine Mädchen um sich versammelte, und mit ihnen fromme Gespräche führte, die diese mit größter Freude anhörten. Der Geist der Welt treibt die Seinen zum Genusse von Freude und Luft an, der Geist Gottes aber zur Entsagung und Abtödtung. Katharina gehörte nicht der Welt, sondern Gott an, darum suchte sie sich selbst abzutödten und auch ihre Freundinen hiezu anzutreiben. Öfters geißelten sie sich mit kleinen Stricken, während sie eine gewisse Anzahl von Vater unser und Ave Maria beteten. Auch lehrte sie der heilige Geist, ohne in Büchern zu lesen, das umständliche Leben der heiligen Väter und besonders des heiligen Dominikus kennen. Dadurch erwachte in ihr eine heftige Liebe zur Einsamkeit. An einem schönen Morgen nahm sie ein Brod zu sich und verließ heimlich die Stadt. Sie ging so lange fort, bis sie die Thürme der Stadt nicht mehr sah und begab sich abseits vom Wege in eine Felsenhöhle. Sogleich fiel sie auf die Kniee und betete mit größter Inbrunst. Doch während des Gebetes wurde ihr die Belehrung, daß ein solches Leben nicht der Wille Gottes sei. Gehorsam der Stimme Gottes, kehrte Katharina sogleich nach Hause zurück; aber nun erwachte in ihr auch der Gedanke, wie sehr ihre gute Mutter um sie besorgt sein werde. Voll Vertrauen legte sie ihren Kummer in die Hand Gottes, und siehe da, plötzlich fand sie sich auf wunderbare Weise vor dem Thore von Siena. Sie kam nach Hause, ohne daß ihre Eltern wußten, wo sie gewesen, und Niemand erfuhr von diesem Wunder etwas, bis Katharina es ihrer Schwester und dem gottseligen Raimund, ihrem Beichtvater, entdeckte. &lt;br /&gt;
Im Hause der Eltern führte sie indessen ihr einsames, bußfertiges Leben fort. Sie aß nun kein Fleisch mehr, um ihren Leib ganz dem Geiste zu unterwerfen, und ihr innigstes Verlangen war, sich ganz und gar dem göttlichen Heilande zu weihen. Aber nun hatte sie einen harten Kampf, sowohl mit ihren Eltern, als auch mit dem Satan zu bestehen. Ihre Eltern waren fromme, gottesfürchtige Bürgersleute, allein sie sahen doch die besonderen frommen Uebungen ihrer Tochter nicht gerne. In ihrer Noth wandte sie sich zu Maria, ihrer geliebten Mutter, und bat sie, auf den Knieen liegend, mit heißer Inbrunst, daß sie ihr Jesum zum Bräutigam ihrer Seele geben möge, mit dem feierlichen Versprechen, nie einen anderen Bräutigam zu nehmen und ihre Jungfräulichkeit unbefleckt zu bewahren.&lt;br /&gt;
Seitdem aber wurde der Widerstand im väterlichen Hause peinlicher. Die Mutter Lapa wollte durchaus ihre Tochter, die jetzt 12 Jahre alt war, durch eine gute Heirath versorgen, und damit dies leichter ginge, suchte sie ihr Liebe zu schönen Kleidern einzuflößen. Auch ihre Schwester stand der Mutter hierin bei. Katharina gab nach und verwendete mehr Sorge auf die Zierde ihres Leibes, im Grunde des Herzens aber bewahrte sie doch die Liebe zu ihrem göttlichen Bräutigam, der, eifersüchtig auf das Herz seiner Braut, nun in das Mittel trat. Die Schwester der Katharina, eine reine Seele, starb, mußte aber im Fegfeuer dafür leiden, weil sie zur Versuchung ihrer Schwester mitgewirkt hatte. Auf die Fürbitte derselben wurde sie daraus befreit, und Katharina erkannte nun ihren Fehltritt und bereute und büßte ihn ihr ganzes Leben lang. Jesus hatte diesen Fehltritt, der nicht gar groß war, zugelassen, um Katharina in der wahren Demuth zu üben, damit sie fortan erkenne, wie schwach sie sei ohne den Beistand ihres göttlichen Bräutigams.&lt;br /&gt;
Schon hatte Katharina ihr Herz ganz wieder ihrem göttlichen Heilande zugewandt, als nun auch der Satan selbst gegen sie auftrat. Eines Tages, als sie vor einem Kruzifixe betete, legte er ein prächtiges Kleid vor sie hin, damit sie sich damit schmücke; allein Katharina verachtete den Versucher und seine Pracht und rief zu Gott: &amp;quot;O mein allersüßester Herr, du weißt wohl, daß ich keinen andern Bräutigam als dich selbst gewählt habe, ich bitte dich daher, stehe mir in dieser Versuchung bei!&amp;quot; Jetzt sah sie die Königin der Jungfrauen, Maria, vom Kruzifixe ein Kleid hervornehmen von außerordentlicher Schönheit, geschmückt mit kostbaren Steinen und sie damit bekleiden. Katharina demüthigte sich tief vor Gott und erneuerte ihren Entschluß, nicht zu heirathen. Allein die Versuchung nahm kein Ende. Die Mutter hatte schon einen Mann für Katharina ausgesucht, dem sie die Hand reichen sollte; Katharina widerstand muthig, und da die Mutter nicht nachließ, schnitt sie sich ihre schönen Haare ab, welche in goldenen Locken auf ihre Schultern herabhingen und trug von nun an einen dichten Schleier auf dem Haupte. Als dieß die Mutter wahrnahm, brach sie in die heftigsten Vorwürfe gegen ihre Tochter aus und die Eltern faßten nun den Entschluß, Katharina solle von nun an kein besonderes Zimmer mehr haben und die Dienste einer Küchenmagd im Hause verrichten, um sie vom Gebete abzuhalten. Allein vergebens; Katharina machte nun ihr Herz zu einer Zelle, wo sie sich mit ihrem himmlischen Bräutigame unterhielt; unter ihrem Vater stellte sie sich Jesum, unter ihrer Mutter Maria, die seligste Jungfrau, vor, ihre Brüder betrachtete sie als die Apostel und Jünger des Herrn und suchte sie im Namen derselben zu bedienen. Weil sie kein besonderes Zimmer mehr hatte, wo sie einsam dem Gebete obliegen konnte, so zog sie sich heimlich in die Kammer ihres frommen Bruders Stephan zurück. Hier sah sie eines Tages der Vater in einem Winkel knieend und in Betrachtung versunken, eine weiße Taube auf dem Haupte. Jetzt sollte die Verfolgung ein Ende erreichen.&lt;br /&gt;
Katharina hatte eine große Neigung zu dem Orden des heiligen Dominikus, der um diese Zeit in schönster Blüthe stand; sie wollte in diesen Orden treten, wußte aber nicht, wie sie es ausführen sollte. Da erschien ihr einstens im Schlafe der heilige Dominikus mit einer schneeweißen Lilie in der Hand und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, sei guten Muthes, du wirst ganz gewiß mein Ordenskleid tragen.&amp;quot; Dadurch wunderbar gestärkt, erklärte sie nun ihrer ganzen Familie ihren festen Entschluß nicht zu heirathen, weil sie das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt habe. Nun gab der Vater nach und erlaubte ihr nach ihrem Willen ihren gottseligen Übungen obzuliegen. Sie erhielt ein kleines Zimmer im Hause und in diesem lebte sie nun, wie eine heilige Büsserin.&lt;br /&gt;
Ihre Kleider waren von Schafwolle und ihr Bett war eine Art Tisch, woraus sie angekleidet ein wenig schlief; um ihren Leib hatte sie eine eiserne Kette gegürtet, die sie aber auf Befehl des Beichtvaters ablegen mußte, und täglich geißelte sie ihren schwachen Leib ein und eine halbe Stunde lang bis aufs Blut. Nur von göttlichen Dingen wollte sie hören und reden, und ihr einziges sehnsüchtiges Verlangen war, in den Orden der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus zu treten. Jedoch ihre Mutter wollte hiezu ihre Einwilligung nicht geben; endlich aber durch die beständigen Bitten ihrer Tochter besiegt, ging sie zu der Oberin des Ordens, und bat sie um das Ordenskleid für ihre Tochter. Es lebten aber die Mitglieder dieses Ordens damals noch nicht in einem Kloster, sondern jede Schwester in ihrem Hause; sie trugen schwarze Mäntel, daher Mantellaten genannt und versammelten sich alle Sonntage in der Kirche der Dominikaner, um da das Wort Gottes zu vernehmen. Nur Wittwen und Frauen vom vorgerückten Alter wurden aufgenommen. Als daher die Mutter Lapa ihre Bitte vortrug, erhielt sie eine abschlägige Antwort, denn ihre Tochter Katharina war noch ein junges Mädchen. Lapa brachte mit Freuden diese Antwort, denn sie sah den Schritt ihrer Tochter nicht gerne; jedoch diese verzagte nicht, hatte ihr ja der heilige Vater Dominikus in einem Gesichte versprochen, daß sie ganz gewiß das Kleid seines Ordens tragen werde.&lt;br /&gt;
Sie drang in ihre Mutter, mit ihren Bitten nicht nachzulassen; da ber alles Bitten nichts half, wurde Katharina krank vor Kummer. In größter Angst lief Lapa wieder zur Oberin, klagte ihr ihr Herzenleid, und fand Erhörung, aber nur unter der Bedingniß, daß Katharina keine schöne Gestalt haben dürfe. Dies war nun bei Katharina der Fall, denn die strenge Buße und schwere Krankheit hatte ihr Gesicht ganz entstellt, und so fand sie denn endlich Aufnahme in den Orden. Sie war erst achtzehn Jahre alt, als sie das weiße Unterkleid des Ordens und den schwarzen Mantel empfing. Hatte sie schon früher ein strenges Bußleben geführt, so verdoppelte sich jetzt ihr Eifer. Um sich ganz von der Welt zu trennen, beschloß sie, das Stillschweigen zu beobachten, und drei Jahre redete sie kein Wort, außer in der Beicht. Sie ging nur aus ihrer Zelle, um in die Kirche zu gehen; ihre geringen Speisen genoß sie allein und immer mit Thränen, und während die Dominikanermönche in ihrem Kloster schliefen, wachte und betete sie; erst um 2 Uhr früh legte sie sich ein wenig auf den Tisch, um zu ruhen.&lt;br /&gt;
Ihr Beichtvater, der gottselige Raimund von Kapua, ein berühmter Dominikaner, führte mit ihr oft heilige Unterredungen, wollte ihr aber nicht eher Glauben schenken, bevor er sie nicht geprüft hatte, gemäß dem Befehle des Apostels: &amp;quot;Prüfet die Geister.&amp;quot; Jesus aber übernahm selbst die Prüfung. Als einst Bruder Raimund sich mit ihr über ihre Offenbarungen, welche ihr Gott häufig machte, unterhielt, kam ihm ein starker Zweifel daran und er dachte sich: Ist auch Alles wahr, was sie sagt? Aber sogleich verwandelte sich das Angesicht der Jungfrau in das Angesicht des furchtbar erzürnten Erlösers. Raimund hob erschrocken die Hände empor und rief: &amp;quot;Wer ist denn der, welcher mich ansieht? Da antwortete Katharina: &amp;quot;Es ist der, welcher ist.&amp;quot; Das Gesicht verschwand und Raimund war von nun vollkommen von dem guten Geiste überzeugt, welcher Katharina regierte. &lt;br /&gt;
Der böse Feind aber, ergrimmt über die hohe Tugend der gottseligen Jungfrau, ließ kein Mittel unversucht, um sie in seine Falle zu locken. Jesus, ihr göttlicher Bräutigam, ließ es zu, um ihre Treue zu prüfen. Furchtbar war der Kampf, welchen nun Katharina zu bestehen hatte. Tag und Nacht stellte er unreine Bilder vor die Augen ihres Geistes, und ihr Inneres wurde mit den scheuslichsten Gedanken erfüllt. Angst und Schrecken erfaßte die Jungfrau, sie griff zur Geißel und zum Gebete, ohne den Eingebungen des Satans eine Antwort zu geben; allein es half ihr nicht gleich, sie mußte die Versuchung bestehen. Da der Satan sie nicht zur Einwilligung bringen konnte, so suchte er in ihr den Zweifel zu erregen, ob sie auch in ihrem jetzigen Stande aushalten könne. Allein Katharina ließ sich nicht irre machen, sie betete fort, obschon es ihr schien, als habe sie Jesus ganz verlassen. Nirgends fand sie einen Trost; es war ihr, als läge sie in tiefster Finsternis. Als nun eines Tages Satan zu ihr sprach: &amp;quot;Elende, was wirst du anfangen? Dein ganzes Leben wirst du so zubringen; den nwir werden dich bis zu deinem Tode quälen, wenn du nicht einwilligst.&amp;quot; Da antwortete Katharina mit aller Entschiedenheit: &amp;quot;Ich habe dieß verdient, und es ist mir nicht schwer, diese und andere Strafen für den Namen meines Heilandes zu tragen, so lange es seiner göttlichen Majestät gefällt.&amp;quot; Nun wich der Satan, die Demuth der Jungfrau hatte ihn besiegt. Dafür aber erschien ihr Jesus am Kreuze in himmlischen Glanze und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, siehst du, wie viel ich für dich gelitten habe? Soll es dich also schwer ankommen, für mich zu leiden? Da vergoß Katharina einen Strom von Thränen und sprach: &amp;quot;O süsser Jesus, wo warst du denn, als meine Seele von so vielen Abscheulichkeiten geplagt wurde?&amp;quot; Der Herr antwortete: &amp;quot;Mitten in deinem Herzen!&amp;quot; Wie, entgegnete Katharina, du warst in meinem Herzen, das voll schmutziger, abscheulicher Gedanken war?&amp;quot; Jesus sprach: &amp;quot;Hast du an diesen Gedanken Freude gehabt? Katharina: &amp;quot;O nein, ich war davon in die größte Betrübnis versetzt.&amp;quot; Jesus: &amp;quot;Wer aber hat dies bewirkt als ich? Wäre ich nicht zugegen gewesen, so würden jene Gedanken in dein Herz eingegangen sein und du hättest dich daran erfreuet. Ich habe dich vertheidigt und meiner Anwesenheit hast du den Sieg zu verdanken!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus ging von nun an gar freundlich mit ihr um; er erschien ihr oft und verweilte lange bei ihr; manchmal hatte er auch seine glorreiche Mutter, manchmal den heiligen Johannes, die heilige Magdalena, den heiligen Dominikus bei sich. Er betete mit ihr die Psalmen und da Katharina nicht lesen konnte, so lehrte er sie die Psalmen in lateinischer Sprache lesen und verstehen. Sie betete nun mit aller Andacht die heiligen Tagzeiten, später aber mußte sie alles mündliche Gebet aufgeben, weil sie dabei sogleich in Verzückung gerieth. Ihr Gebet war jetzt immer innerlich und ihr heißestes Flehen war, im Glauben mit ihrem Jesus auf das Innigste verbunden zu werden. Ihr Gebet wurde erhört. Jesus vermählte sich mit ihr, seiner reinen Braut, in Gegenwart seiner heiligen Mutter Maria und anderer Heiligen und steckte ihr einen Ring an den Finger, der mit vier Perlen besetzt war, in deren Mitte ein wunderschöner Edelstein glänzte. --- Katharina war nun die Braut des Herrn, sie hatte das Zeugnis der Treue und war nun ausgerüstet zum Kampfe für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Bisher hatte sie ein verborgenes Leben in Christo geführt; wie ein stilles Lampenlicht brannte sie vor dem Angesichte des Herrn; von nun an sollte sie auch Andern leuchten, ja, sie sollte eine hellstrahlende Fackel in der Kirche Jesu werden; bisher hatte sie stille zu den Füssen Jesu gesessen und seinen Worten gelauscht, jetzt sollte sie in die Welt eintreten und zeigen, wie man das zweifache Gebot Gottes erfüllt: &amp;quot;Du sollst Gott lieben über Alles und den Nächsten wie dich selbst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Wir wollen nun, lieber Leser, den Fußstapfen der Heiligen folgen und ihren Wandel unter den Menschen betrachten. Katharina lebte noch immer im Hause ihrer Eltern und bewohnte da eine einsame Zelle. Ihre fromme Mutter hatte ihr erlaubt, ungestört ihren frommen Uebungen obzuliegen. Nun aber wollte sie auch das thätige Leben üben. Sie verrichtete zuerst die niedrigen Dienste einer Magd im Hause und in der Küche, und wenn die eigentliche Magd des Hauses krank war, so wartete sie dieselbe mit aller Liebe und verdoppelte ihren Eifer in der Arbeit. Dabei aber war sie immer mit Jesus vereiniget und gar oft geschah es, daß sie mitten in der Arbeit außer sich gerieth. Als nun Katharina sah, wie sehr dies Leben ihrem Heilande gefalle, so nahm sie sich auch der Armen und Kranken an. Ihr guter Vater hatte ihr auf ihre Bitten erlaubt, von seinem Vermögen die Armen zu unterstützen. Voll Freude hierüber, trug sie nun den Armen Almosen zu und sie scheute dabei keine Mühe. Einst lag sie am ganzen Leibe geschwollen im Bette, da hörte sie, daß in der Nachbarschaft eine Wittwe sei, die mit ihren Kindern große Noth leide. Da flehte sie inständig zu Jesus, er möge ihr nur so viel Kraft geben, um dieser Armen helfen zu können. Sogleich stand sie vor dem Morgenlicht auf, füllte einen Sack mit Weizen, eine große Flasche mit Wein und ein Gefäß mit Oel und brachte Alles in ihre Zelle. Wie sollte sie dies Alles aber in das Haus der Wittwe bringen; sie versuchte es, vertrauend auf den göttlichen Beistand, nahm sie den Sack auf den Rücken, beide Krüge in die Hände, und mit leichter Mühe, als wäre sie voll Kraft, trug sie Alles allein dem Hause der Wittwe zu. Bei dem Hause aber wurde plötzlich die Last so schwer, daß sie nicht mehr weiter konnte; sogleich rief sie wieder zu Jesus, und siehe, es gelingt ihr, die Last in das Haus zu schleppen und dort niederzulegen. Vom Geräusche aufgeweckt, erwachte die Wittwe, welche noch schlief. Katharina wollte davonlaufen, aber kraftlos sinkt sie zu Boden; sie suchte zu gehen, aber vergebens. Da wandte sie sich wieder zum Herrn um Hilfe und nun schlich sie sich allmälig fort und kam noch vor Tagesanbruch nach Hause, wo sie wieder krank auf ihr Bettlein hinsank.&lt;br /&gt;
Noch ein Beispiel der rührenden Barmherzigkeit der heiligen Katharina will ich dir erzählen, lieber Leser, woraus du sehen kannst, wie gar angenehm dem Heiland das Almosen ist. --- Als sie einst in der Kirche war, kam ein armer Mensch zu ihr und bat sie flehentlich, ihm zu helfen. Weil sie gar nichts bei sich hatte, so sagte sie dem Armen freundlich, er möge nur so lange warten, bis sie nach Hause komme, dort wolle sie ihm ein reichliches Almosen geben. Der Arme aber sagte: &amp;quot;Gib mir gleich, denn ich kann nicht warten.&amp;quot; Katharina, welchen den Armen nicht fortlassen wollte, dachte hin und her, was sie ihm denn geben sollte; da fiel ihr ein silbernes Kreuzlein in die Augen, das sie an ihrem Rosenkranze hangen hatte. Sie riß das Kreuzlein herab und gab es dem Armen. Dieser ging zufrieden fort. In der folgenden Nacht aber erschien ihr der Heiland, zeigte ihre das Kreuzlein, wunderbar von Edelsteinen strahlend, und sprach: &amp;quot;Kennst du dieses Kreuz, meine Tochter? Du hast es mir gestern aus Liebe gegeben und ich verspreche dir, daß ich es dir am Tage des Gerichtes vor allen Engeln und Menschen in dieser Gestalt darreichen werde. Denn ich werde kein Werk der Barmherzigkeit verborgen halten an jenem Tage, wo ich meines Vaters Barmherzigkeit verherrlichen werde.&amp;quot; Nach diesen Worten verschwand der Herr und Katharina wurde durch dieses Gesicht nur noch mehr angefeuert, dem Nächsten Hilfe zu leisten. &lt;br /&gt;
Die Allerärmsten sind die Kranken, welche verlassen von jeder menschlichen Hilfe in bitterer Noth schmachten. Katharina hatte das tiefste Mitleid mit derselben, ihnen widmete sie die zärtlichste Pflege. Im Spitale zu Siena lag ein krankes Weib, mit Namen Tessa, am Aussatz darnieder. Niemand wollte ihr wegen Gefahr der Ansteckung auswarten, ja man wollte sie sogar aus der Stadt schaffen. Kaum hatte Katharina davon gehört, so eilte sie sogleich herbei und diente der Kranken mit ausdauender Geduld und Liebe bis an ihr Ende. Das kranke Weib behandelte die sanfte Katharina mit dem größten Undank, aber diese ließ in ihrer Liebe nicht nach; ja, Katharina wurde an den Händen vom Aussatze selbst ergriffen, aber dennoch wich sie keinen Augenblick von der Elenden. Als das Weib gestorben war, wusch und kleidete Katharina sogar ihren schauerlichen Leichnam, legte ihn mit eigenen Händen in den Sarg und begrub ihn nach dem Seelengottesdienste. Sobald aber der Leichnam begraben war, waren die Hände der Heiligen wieder rein und erhielten sogar einen außerordentlichen Glanz. Auf diese Weise, wie diese Aussätzige, pflegte Katharina mit übermenschlicher Geduld eine andere Kranke, deren Brust vom Krebse ganz zerfressen war.  Mit dem größten Heldenmuthe überwand sie den Eckel, der sie befiel, wenn sie die gräßliche Wunde reinigte, aus welcher ein scheuslicher Gestank hervordrang. Was aber alle menschliche Geduld übersteigt, und der höchste Grad der Nächstenliebe ist, war der Umstand, daß die Kranke, welche von der Heiligen eine so zärtliche Pflege erhielt, sich erfrechte, ihre Wärterin auf das Schändlichste zu verläumden. Katharina duldete schweigend diese Bosheit und pflegte die Kranke mit immer gleicher Liebe; ja, sie ging hierin so weit, daß sie eines Tages, als ein gewaltiger Eckel sie beim Verbande der eiternden Wunde ergriff, sogar eine Schale voll stinkenden Eiters austrank, um ihren Abscheu zu überwinden. Aber dafür belohnte sie ihr göttlicher Bräutigam mit mehreren wunderbaren Gnaden. Er ließ sie in einer Erscheinung aus seiner heiligen Seitenwunde einen überaus süßen, himmlischen Trank trinken, der bewirkte, daß sie von nun an keine andere Speise mehr zu sich nahm, als blos die heilige Kommunion. So oft sie eine gewöhnliche Speise zu sich nahm, und war es auch nur ein kleiner Bissen Brod, so mußte sie sich erbrechen und wurde krank. Ferners erschien ihr eines Tages der Herr mit zwei Kronen in den Händen, die eine von Gold, die andere von Dornen und befahl ihr, eine davon zu wählen; sogleich langte sie mit den Worten: &amp;quot;Herr, ich verlange in diesem Leben nur an deinen Leiden Theil zu nehmen, soe sollen meine Freude sein,&amp;quot; nach der Dornenkrone und drückte sich dieselbe heftig auf das Haupt. Von nun an empfand sie im Kopfe immer stechende Schmerzen. Ein andersmal tauschte der Herr sein Herz mit den ihrigen und drückte ihr seine heiligen fünf Wundmahle ein, die aber auf ihre Bitte nicht sichtbar wurden. Solche Wunder der Gnaden feuerten die heilige Jungfrau zu immer größerer Liebe Gottes und des Nächsten an.&lt;br /&gt;
Wenn sie sich bisher mit herzlicher Liebe der Armen und Kranken annahm, so wurde diese Liebe noch größer, wenn es darauf ankam, jenen zu helfen, welche an der Seele krank, so oft todt sind, nämlich --- den Sündern. &lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr einst die Schönheit einer bekehrten Seele sehen lassen; seit dieser Zeit kannte ihr Eifer, Sünder zu Gott zurückzuführen, keine Gränzen; unaufhörlich flehte sie zu Gott um ihre Bekehrung. Einst wurde ihr von ihrem Beichtvater die Seele eines gewissen Bürgers Andreas Naddini von Siena empfohlen, der ein Spieler und schrecklicher Gotteslästerer war. Er lag krank und war dem Tode nahe, wollte aber trotz aller Ermahnung und alles Bittens von Bekehrung nichts wissen. Da warf sich Katharina auf die Kniee und flehte im heißen Gebete zu ihrem Heilande um die Rettung dieser Seele. Von fünf Uhr Abends an bis zum Morgen lag sie gleichsam im Streite mit Jesus, dessen Gerechtigkeit bereits das Urtheil über den verstockten Lästerer gesprochen hatte. Endlich siegte Katharina´s Flehen. Jesus erbarmte sich des Elenden. Er erschien ihm selbst, ermahnte ihn zur Reue und Beicht und verhieß ihm Vergebung. Kaum war dies geschehen, als der Kranke, plötzlich erweicht, nach einem Priester schickte, seine Sünden reumüthig beichtete, sein Testament machte und mit allen Zeichen wahrer Bekehrung sanft im Herrn entschlief. Auf gleiche Weise bekehrte Katharina zwei berüchtigte Räuber, welche schon zum qualvollen Tode verurtheilt und bereits zur Richtstätte ausgeführt, Jesus und seine Heiligen lästerten und jede Mahnung zur Bekehrung zurückwiesen. Katharina sah sie zum Tode ausführen und vom Mitleid bewegt, hörte sie nicht auf, an das göttliche Herz ihres Bräutigams zu klopfen, bis sie Gnade für diese Verbrecher gefunden. Unter dem Thore der Stadt erschien diesen Elenden der Heiland ganz mit Blut überronnen, lud sie zur Bekehrung ein und versprach ihnen Vergebung. Dieser Anblick erschütterte sie; sie hörten zu lästern auf, bekehrten sich aufrichtig und erlitten bußfertig den Tod, welchen sie verdient hatten.&lt;br /&gt;
Welche Macht das Gebet der Heiligen über die Herzen der Sünder hatte, davon gibt Zeugnis der Umstand, daß drei Priester Tag und Nacht Beicht sitzen mußten, um Sünder, welche nie gebeichtet oder bisher ungültig gebeichtet hatten, zu hören und mit Gott zu versöhnen. Durch solche Wunder der Gnade, welche Gott durch seine treue Dienerin wirkte, verbreitete sich ihr Ruf in alle Gegenden Italiens und anderer Länder, und nun sollte sie in der Hand Gottes ein Werkzeug der Erbarmung für Nationen und die ganze Kirche Gottes werden. &lt;br /&gt;
In der Zeit (1373), da Katharina so Großes wirkte, befand sich die heilige Kirche Jesu in einem höchst traurigen Zustande. Schon seit mehr als sechzig Jahren hatten die Päpste ihren Sitz zu Rom, der Hauptstadt der Christenheit, verlassen, und nach Avignon, einer Stadt in Frankreich, verlegt. Die Römer erhoben laute Klagen, daß ihre Bischöfe sie seit so vielen Jahren verlassen hätten; dazu kam noch, daß feindliche Parteien das Volk gegen den päpstlichen Stuhl aufhetzten und die Einwohner von Florenz, mit andern Städten im Bunde, sich gegen den Papst verschworen. Im Jahre 1373 brach die Kriegsflamme los. Die heilige Katharina befand sich gerade in der Stadt Pisa, als sie von diesem Uebel hörte, welches sie schon drei Jahre zuvor vorausgesagt hatte. Sie flehte sogleich zu ihrem Heilande um Hilfe und brachte es durch Zusprüche und Briefe dahin, daß mehrere Städte, namentlich ihre vaterstadt, dem Papste treu blieben. Der Papst belegte die Aufrührer mit dem Banne und diese im Kriege mehrmals besiegt, beschlossen endlich, den Papst um Gnade anzugehen. Die heilige Katharina sollte ihre Vermittlerin sein. Die Einwohner ließen sie durch eine feierliche Gesandtschaft abholen und sendeten sie nach Frankreich zum Papste Gregor XI., um den Frieden herzustellen. Der Papst empfing sie mit großer Achtung und legte die Friedensverhandlung ganz in ihre Hände, indem er sagte: &amp;quot;Damit du siehst, daß ich den Frieden will, so lege ich ihn ganz einfach in deine Hände: nur empfehle ich dir die Ehre der Kirche.&amp;quot; Katharina that Alles, was in ihren Kräften stand, um den Frieden herzustellen, allein an der Treulosigkeit der Florentiner scheiterte ihr Bemühen, die dafür hart gestraft wurden. Was der heiligen Jungfrau in dieser Sasche zu ihrem größten Schmerze nicht gelang, das erhielt sie auf eine andere Weise. ---- Das Verlangen der Römer nach der Rückkehr des Papstes in seine Stadt wurde immer lauter, schon war eine große Spaltung in der katholischen Kirche zu fürchten. Der Papst Gregor XI. hatte wohl das Gelübde gemacht zurückzukehren, allein er hatte aus Furcht vor dem französischen Könige nicht den Muth, sein Versprechen auszuführen. Er zog unsere heilige Jungfrau zu Rathe. Diese hatte durch eine Offenbarung sein Gelübde erkannt und sprach zu ihm: &amp;quot;Thue, was du Gott versprochen hast.&amp;quot; Verwundert hierüber, folgte er ihrem Rathe und kehrte im Jahre 1376 nach Rom zurück.&lt;br /&gt;
Hatte die heilige Jungfrau bisher großes Leid getragen über die traurigen Uebel, welche in der Kirche Gottes herrschten, so erreichte dieses Leiden den höchsten Grad, als die traurige Spaltung wirklich eintrat, die sie schon früher im Geiste vorausgesehen und vorausgesagt hatte. Um diesen Schmerz nur einigermassen zu begreifen, mußt du, lieber Leser, bedenken, daß die heilige Jungfrau mit der feurigsten Liebe der heiligen Kirche anhing. Sie, die Kirche, ist ja die Braut Jesu; sie hat er sich durch sein Blut angetraut; in dihr will er bleiben bis zum Ende der Welt; sie soll einst im Himmel ewig mit ihm triumphieren. Katharina liebte die Kirche wie ihre liebste Mutter; sie theilte mit ihr alle Freuden und Leiden; sie lebte all ihre Feste geistlich mit und fühlte in ihrem Innern alle Uebel, von denen sie betroffen wurde. Kurz, sie lebte nur in und mit der Kirche, und darum war auch ihr Schmerz furchtbar, als das Band der Einheit zerrissen und zwei Päpste zugleich um den Stuhl des heiligen Petrus stritten. Als der Streit am heftigsten tobte, befand sich Katharina in Rom; sie hatte Papst Urban VI. als rechtmäßigen Papst  anerkannt und stand ihm mit ihrem Rathe bei. Tag und Nacht betete sie und mahnte unaufhörlich mündlich und schriftlich zur Einheit und zum Frieden. Während die Einwohner von Rom gegen einander wütheten und jede Partei die Oberhand gewinnen wollte, sah Katharina die Stadt Rom voll Teufel, die zum Haße und zur Rache anspornten. Katharina aber ließ nicht nach im Gebete; da wandte sich die Wuth der Teufel auch gegen sie. Zu oft schon hatte sie all ihre Anschläge vernichtet, zu oft schon mußten die Teufel auf ihr Gebet von denen weichen, die sie im Besitze hatten. Wenn daher Katharina im Gebete versunken um Erbarmen für die Kirche zum Himmel schrie, da umringten sie auf Gottes Zulassung die Teufel, stießen ein furchtbares Geheul aus und schrieen: &amp;quot;Verfluchte! du willst unsere Absichten vereiteln, aber wir wollen dich erwürgen.&amp;quot; Katharina aber hatte keine Furcht; sie verdoppelte ihr Gebet und Flehen. Mehrere Tage und Nächte lag sie beständig im Gebete vor Gott und bot sich ihm zum Opfer an. &amp;quot;Ich will, sprach sie, gern diesen Kelch des Leidens und des Todes trinken zur Ehre deines heiligen Namens und für deine Kirche. Dies ist mein heißestes Verlangen seit dem Tage, wo ich dir mein Herz und meine Liebe weihte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr Opfer angenommen, sie sollte den Kelch trinken, ohne den Trost zu haben, die Kirche Gottes im Frieden zu sehen; jedoch in der Stadt Rom selbst trug sie den sieg davon über den Satan und seine Schaar. Die Raubhorden der Feinde des Papstes Urban VI. wurden vertrieben. Dafür aber wüthete nun der Satan gegen die Heilige. An ihrem Leibe sahen ihre Gefährtinen die Spuren der Stösse, welche ihr die Teufel versetzten, ohne helfen zu können. Sie konnte jetzt keinen Tropfen Wasser mehr trinken, ihr Leben hing nur mehr an einem Faden. Eines Tages sah sie im Geiste das Schifflein der Kirche auf ihren Schultern liegen; niedergedrückt von dieser ungeheuern Last sank sie zerbrochen und leblos zu Boden. Sie erkannte jetzt, daß nur das Opfer ihres Lebens für die Kirche von Nutzen sei und brachte es vollkommen ihrem Heilande dar. Ihre Sterbestunde nahte heran; mitten unter den grausamsten Leiden ließ sie nie eine Klage hören. Sie hatte eine Menge Jünger und Jüngerinen, welche sie im geistlichen Leben unterrichtete und wie eine sorgsame Mutter leitete, und unter diesen einen gewissen Stephano, der früher Rathsherr in Siena war. In einer großen Noth, in die er durch mächtige Feinde gerieth, nahm er seine Zuflucht zu Katharina, welche ihn durch ihr Gebet ganz Gott gewann und zu einem heiligen Leben führte. Dieser befand sich gerade zu Siena im Spitale, als Katharina ihr Leben zum Opfer hingab für die Kirche. Da hörte er eine Stimme, die sprach: &amp;quot;Reise schnell nach Rom, deine Mutter stirbt.&amp;quot; Er machte sich sogleich auf den Weg und kam gerade in der Zelle der heiligen Jungfrau an, als sie, umgeben von ihren Schülern und Schülerinen, auf ihrem Sterbebettlein lag und jedem eine heilsame Lehre gab. Die Sterbende sprach zu ihm: &amp;quot;Mein Stephano, danke Gott, daß er dich sendet, um die letzten Worte deiner Mutter zu empfangen. Seine Barmherzigkeit wird dein Heil gewiß machen, und dir den Weg zeigen, den du gehen mußt; &amp;quot; dann befahl sie ihm, in den Karthäuserorden zu treten, was er auch nachher, obwohl mit Widerstreben, that. Nach einiger Zeit, als sie ihre Abschiedsworte geendet hatte, bat sie ihre alte Mutter Lapa, die weinend neben dem Bette ihrer geliebten Tochter stand, um ihren Segen. Am Morgen des Sonntags vor der Himmelfahrt Christi empfing sie mit der größten Inbrunst die heiligen Sterbesakramente, und nun begann der Todeskampf. Sie hatte die heftigsten Angriffe des bösen Feindes zu bestehen, der alle Gewalt anwendete, diese heilige Jungfrau, welche ihm so viele Seelen entriß und so oft seine Anschläge vernichtete, zu verderben. Ihre Gesichtszüge veränderten sich, ihre Arme bewegte sie hin und her, als wollte sie den Angriff von Feinden abwehren; bald sprach, bald lachte, bald schwieg sie wieder. Die Anwesenden waren voll Entsetzen. Plötzlich rief sie mit Freude aus: &amp;quot;Die eitle Ehre nie, sondern die wahre Ehre und das Lob des Herrn!&amp;quot; Durch diese Worte beschämte sie den Satan und alle jene, welche bisher ihre Lebensweise getadelt hatten. Katharina hatte ja nie ihre Ehre gesucht und Nichts ohne ausdrücklichen Befehl Gottes gethan. Eine halbe Stunde nachher brach sie das Schweigen, um mehr als sechzigmal auszurufen, indem sie die rechte Hand erhob: &amp;quot;Ich habe gesündigt, Herr, erbarme dich meiner!&amp;quot; Dann wiederholte sie eben so oft: &amp;quot;Heiliger Gott, erbarme dich meiner!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Unterdeß, da Katharina so zu Gott rief, wurde ihr Angesicht ruhig und lächelnd; ihre matten Augen bekamen ihren englischen Glanz wieder; sie erhob dieselben, blickte auf das Kruzifix und mit den Worten: &amp;quot;Herr, du rufest mich zu dir, und ich gehe, nicht durch meine Verdienste, sondern durch deine bloße Barmherzigkeit, die ich in der Kraft des Blutes Christi anflehe. --- In deine Hände empfehle ich meinen Geist,&amp;quot; senkte sie ihr englisches Haupt und verschied am 29. April 1380. Sie hatte 33 Jahre gelebt und wurde vom Papste Pius II. im Jahre 1461 heilig gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Einige Kernsprüche der Heiligen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hole dir deinen Trost bei dem Kreuze Jesu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nach den Dornen werden die Rosen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Tue, was du Gott versprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nichts ist eigentlich böse zu nennen als - die Sünde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Richte alle deine Gedanken, Handlungen und Worte allein auf Gottes Ehre und Verherrlichung.&lt;br /&gt;
Es werden darum so wenige selig, weil fast alle das Ihrige suchen, nicht was Gottes ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Gebet&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;O mein Jesus, verleihe mir die Gnade, daß auch ich deinen heiligen Willen im Auge habe, wie deine Dienerin, und dadurch zur seligen Vereinigung mit dir gelange. Amen.&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Katharina von Siena</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==&#039;&#039;Die heilige Katharina von Siena, Jungfrau&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Bild:KatharSiena.jpg|gerahmt|left|thumb|150px|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1380&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
Nach neuem Kalender: [[29. April]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach altem Kalender: [[30. April]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Leben und Wirken der Hl. Katharina&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was einst der heilige Apostel [[Paulus]] geschrieben, daß nämlich [[Gott]] das auserwähle, was thöricht und was schwach, was unangesehen, mißachtet und nichtig ist vor der Welt, um die Weisen und Mächtigen der Erde zu beschämen (1. Kor. 1,26), das hat sich im Verlaufe der Zeit immer bestätigt. Gerade in der Zeit, wo der stolze Eigendünkel der Gelehrten, der Hochmuth und die Herrschsucht der Mächtigen die Welt in Verwirrung setzte, wo selbst die höchsten Kirchenfürsten um die päpstliche Krone stritten und die Einheit der Kirche zerrissen, erwählte Gott eine schwache, einfältige Jungfrau, um die Weisheit der Welt zu Schanden zu machen und seine Macht und Weisheit zu zeigen. Auf die Zunge dieser Jungfrau legte er Worte, welche alle Weisheit der Welt übertrafen und ihrer Seele verlieh er eine Kraft, die alle Welt in Erstaunen setzte. Diese Jungfrau ist Katharina, die Tochter eines ehrbaren Färbers von Siena in Italien, mit Namen Jakov von Beninkasa, ihre Mutter hieß Lapa. Unter fünf und zwanzig Kindern brachte im Jahre 1347 die fromme Lapa zwei Mädchen zur Welt, von denen das Eine in der Taufe den Namen Katharina, das Andere den Namen Johanna erhielt. Johanna starb und die Mutter konnte nun alle Sorge auf Katharina wenden, welche sehr schwächlich aber ein gar liebliches Kind war. Selbst die Nachbarn hatten Katharina ungemein lieb, und kaum konnte sie gehen, so wollte Jedermann sie um sich haben, weil sie gar so freundlich, sanft und heiter war. Je größer Katharina wurde, desto heller zeigten sich an ihr die Gaben des heiligen Geistes, der in ihrem reinen Herzen wohnte. Ihre Reden waren klug und lieblich und ihr Wandel war der eines Engels. Als sie fünf Jahre alt geworden, hatte sie schon eine zärtliche Andacht zur seligsten Jungfrau. So oft sie die Stiege in ihrem elterlichen Hause auf- und abstieg, grüßte sie auf jeder Stufe Maria mit dem Ave und die Engel des Himmels kamen und trugen sie oft von der obersten Stufe bis zur untersten, ohne dass ihre Füße die Erde berührten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald sollte sie in die innigste Verbindung mit Jesus gelangen. Eines Tages ging sie auf Befehl ihrer Mutter mit ihrem kleinen Bruder Stephan zu ihrer Schwester Bonaventura, welche an einen gewissen Nikolaus verheirathet war, um dort eine Botschaft auszurichten. Auf dem Rückwege sah sie plötzlich ober der Kirche des heiligen Dominikus in den Lüften einen prächtig geschmückten Thron, auf welchem der Heiland, mit den Kleidern eines Bischofs angethan, saß, an seiner Seite die drei heiligen Apostel Petrus, Paulus und Johannes. Jesus und die Apostel schauten Katharina gar freundlich an und Jesus gab ihr seinen Segen nach Art der Bischöfe mit einem lieblichen Lächeln. Katharina blieb von Staunen ergriffen mitten auf dem Wege stehen; sie sah und hörte nicht, was um sie vorging. Ihr kleiner Bruder, der schon eine Strecke vorausgegangen war, kehrte um, und rief ihr zu, sie aber antwortete nicht. Da nahm er sie bei der Hand und sprach: &amp;quot;Was thust du da? -- Warum kommst du nicht?&amp;quot; Da kam Katharina zu sich, senkte die Augen und sagte: &amp;quot;Wenn du so etwas Schönes sähest, wie ich sehe, würdest du mich nicht stören!&amp;quot; Sie erhob ihre Augen wieder, aber Alles war verschwunden. Vor Trauer darüber weinend ging Katharina nach Hause.&lt;br /&gt;
Von dieser Zeit an legte Katharina alles Kindische ab. Immer betete sie und suchte die entlegensten Winkel des Hauses auf, wo sie kleine Mädchen um sich versammelte, und mit ihnen fromme Gespräche führte, die diese mit größter Freude anhörten. Der Geist der Welt treibt die Seinen zum Genusse von Freude und Luft an, der Geist Gottes aber zur Entsagung und Abtödtung. Katharina gehörte nicht der Welt, sondern Gott an, darum suchte sie sich selbst abzutödten und auch ihre Freundinen hiezu anzutreiben. Öfters geißelten sie sich mit kleinen Stricken, während sie eine gewisse Anzahl von Vater unser und Ave Maria beteten. Auch lehrte sie der heilige Geist, ohne in Büchern zu lesen, das umständliche Leben der heiligen Väter und besonders des heiligen Dominikus kennen. Dadurch erwachte in ihr eine heftige Liebe zur Einsamkeit. An einem schönen Morgen nahm sie ein Brod zu sich und verließ heimlich die Stadt. Sie ging so lange fort, bis sie die Thürme der Stadt nicht mehr sah und begab sich abseits vom Wege in eine Felsenhöhle. Sogleich fiel sie auf die Kniee und betete mit größter Inbrunst. Doch während des Gebetes wurde ihr die Belehrung, daß ein solches Leben nicht der Wille Gottes sei. Gehorsam der Stimme Gottes, kehrte Katharina sogleich nach Hause zurück; aber nun erwachte in ihr auch der Gedanke, wie sehr ihre gute Mutter um sie besorgt sein werde. Voll Vertrauen legte sie ihren Kummer in die Hand Gottes, und siehe da, plötzlich fand sie sich auf wunderbare Weise vor dem Thore von Siena. Sie kam nach Hause, ohne daß ihre Eltern wußten, wo sie gewesen, und Niemand erfuhr von diesem Wunder etwas, bis Katharina es ihrer Schwester und dem gottseligen Raimund, ihrem Beichtvater, entdeckte. &lt;br /&gt;
Im Hause der Eltern führte sie indessen ihr einsames, bußfertiges Leben fort. Sie aß nun kein Fleisch mehr, um ihren Leib ganz dem Geiste zu unterwerfen, und ihr innigstes Verlangen war, sich ganz und gar dem göttlichen Heilande zu weihen. Aber nun hatte sie einen harten Kampf, sowohl mit ihren Eltern, als auch mit dem Satan zu bestehen. Ihre Eltern waren fromme, gottesfürchtige Bürgersleute, allein sie sahen doch die besonderen frommen Uebungen ihrer Tochter nicht gerne. In ihrer Noth wandte sie sich zu Maria, ihrer geliebten Mutter, und bat sie, auf den Knieen liegend, mit heißer Inbrunst, daß sie ihr Jesum zum Bräutigam ihrer Seele geben möge, mit dem feierlichen Versprechen, nie einen anderen Bräutigam zu nehmen und ihre Jungfräulichkeit unbefleckt zu bewahren.&lt;br /&gt;
Seitdem aber wurde der Widerstand im väterlichen Hause peinlicher. Die Mutter Lapa wollte durchaus ihre Tochter, die jetzt 12 Jahre alt war, durch eine gute Heirath versorgen, und damit dies leichter ginge, suchte sie ihr Liebe zu schönen Kleidern einzuflößen. Auch ihre Schwester stand der Mutter hierin bei. Katharina gab nach und verwendete mehr Sorge auf die Zierde ihres Leibes, im Grunde des Herzens aber bewahrte sie doch die Liebe zu ihrem göttlichen Bräutigam, der, eifersüchtig auf das Herz seiner Braut, nun in das Mittel trat. Die Schwester der Katharina, eine reine Seele, starb, mußte aber im Fegfeuer dafür leiden, weil sie zur Versuchung ihrer Schwester mitgewirkt hatte. Auf die Fürbitte derselben wurde sie daraus befreit, und Katharina erkannte nun ihren Fehltritt und bereute und büßte ihn ihr ganzes Leben lang. Jesus hatte diesen Fehltritt, der nicht gar groß war, zugelassen, um Katharina in der wahren Demuth zu üben, damit sie fortan erkenne, wie schwach sie sei ohne den Beistand ihres göttlichen Bräutigams.&lt;br /&gt;
Schon hatte Katharina ihr Herz ganz wieder ihrem göttlichen Heilande zugewandt, als nun auch der Satan selbst gegen sie auftrat. Eines Tages, als sie vor einem Kruzifixe betete, legte er ein prächtiges Kleid vor sie hin, damit sie sich damit schmücke; allein Katharina verachtete den Versucher und seine Pracht und rief zu Gott: &amp;quot;O mein allersüßester Herr, du weißt wohl, daß ich keinen andern Bräutigam als dich selbst gewählt habe, ich bitte dich daher, stehe mir in dieser Versuchung bei!&amp;quot; Jetzt sah sie die Königin der Jungfrauen, Maria, vom Kruzifixe ein Kleid hervornehmen von außerordentlicher Schönheit, geschmückt mit kostbaren Steinen und sie damit bekleiden. Katharina demüthigte sich tief vor Gott und erneuerte ihren Entschluß, nicht zu heirathen. Allein die Versuchung nahm kein Ende. Die Mutter hatte schon einen Mann für Katharina ausgesucht, dem sie die Hand reichen sollte; Katharina widerstand muthig, und da die Mutter nicht nachließ, schnitt sie sich ihre schönen Haare ab, welche in goldenen Locken auf ihre Schultern herabhingen und trug von nun an einen dichten Schleier auf dem Haupte. Als dieß die Mutter wahrnahm, brach sie in die heftigsten Vorwürfe gegen ihre Tochter aus und die Eltern faßten nun den Entschluß, Katharina solle von nun an kein besonderes Zimmer mehr haben und die Dienste einer Küchenmagd im Hause verrichten, um sie vom Gebete abzuhalten. Allein vergebens; Katharina machte nun ihr Herz zu einer Zelle, wo sie sich mit ihrem himmlischen Bräutigame unterhielt; unter ihrem Vater stellte sie sich Jesum, unter ihrer Mutter Maria, die seligste Jungfrau, vor, ihre Brüder betrachtete sie als die Apostel und Jünger des Herrn und suchte sie im Namen derselben zu bedienen. Weil sie kein besonderes Zimmer mehr hatte, wo sie einsam dem Gebete obliegen konnte, so zog sie sich heimlich in die Kammer ihres frommen Bruders Stephan zurück. Hier sah sie eines Tages der Vater in einem Winkel knieend und in Betrachtung versunken, eine weiße Taube auf dem Haupte. Jetzt sollte die Verfolgung ein Ende erreichen.&lt;br /&gt;
Katharina hatte eine große Neigung zu dem Orden des heiligen Dominikus, der um diese Zeit in schönster Blüthe stand; sie wollte in diesen Orden treten, wußte aber nicht, wie sie es ausführen sollte. Da erschien ihr einstens im Schlafe der heilige Dominikus mit einer schneeweißen Lilie in der Hand und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, sei guten Muthes, du wirst ganz gewiß mein Ordenskleid tragen.&amp;quot; Dadurch wunderbar gestärkt, erklärte sie nun ihrer ganzen Familie ihren festen Entschluß nicht zu heirathen, weil sie das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt habe. Nun gab der Vater nach und erlaubte ihr nach ihrem Willen ihren gottseligen Übungen obzuliegen. Sie erhielt ein kleines Zimmer im Hause und in diesem lebte sie nun, wie eine heilige Büsserin.&lt;br /&gt;
Ihre Kleider waren von Schafwolle und ihr Bett war eine Art Tisch, woraus sie angekleidet ein wenig schlief; um ihren Leib hatte sie eine eiserne Kette gegürtet, die sie aber auf Befehl des Beichtvaters ablegen mußte, und täglich geißelte sie ihren schwachen Leib ein und eine halbe Stunde lang bis aufs Blut. Nur von göttlichen Dingen wollte sie hören und reden, und ihr einziges sehnsüchtiges Verlangen war, in den Orden der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus zu treten. Jedoch ihre Mutter wollte hiezu ihre Einwilligung nicht geben; endlich aber durch die beständigen Bitten ihrer Tochter besiegt, ging sie zu der Oberin des Ordens, und bat sie um das Ordenskleid für ihre Tochter. Es lebten aber die Mitglieder dieses Ordens damals noch nicht in einem Kloster, sondern jede Schwester in ihrem Hause; sie trugen schwarze Mäntel, daher Mantellaten genannt und versammelten sich alle Sonntage in der Kirche der Dominikaner, um da das Wort Gottes zu vernehmen. Nur Wittwen und Frauen vom vorgerückten Alter wurden aufgenommen. Als daher die Mutter Lapa ihre Bitte vortrug, erhielt sie eine abschlägige Antwort, denn ihre Tochter Katharina war noch ein junges Mädchen. Lapa brachte mit Freuden diese Antwort, denn sie sah den Schritt ihrer Tochter nicht gerne; jedoch diese verzagte nicht, hatte ihr ja der heilige Vater Dominikus in einem Gesichte versprochen, daß sie ganz gewiß das Kleid seines Ordens tragen werde.&lt;br /&gt;
Sie drang in ihre Mutter, mit ihren Bitten nicht nachzulassen; da ber alles Bitten nichts half, wurde Katharina krank vor Kummer. In größter Angst lief Lapa wieder zur Oberin, klagte ihr ihr Herzenleid, und fand Erhörung, aber nur unter der Bedingniß, daß Katharina keine schöne Gestalt haben dürfe. Dies war nun bei Katharina der Fall, denn die strenge Buße und schwere Krankheit hatte ihr Gesicht ganz entstellt, und so fand sie denn endlich Aufnahme in den Orden. Sie war erst achtzehn Jahre alt, als sie das weiße Unterkleid des Ordens und den schwarzen Mantel empfing. Hatte sie schon früher ein strenges Bußleben geführt, so verdoppelte sich jetzt ihr Eifer. Um sich ganz von der Welt zu trennen, beschloß sie, das Stillschweigen zu beobachten, und drei Jahre redete sie kein Wort, außer in der Beicht. Sie ging nur aus ihrer Zelle, um in die Kirche zu gehen; ihre geringen Speisen genoß sie allein und immer mit Thränen, und während die Dominikanermönche in ihrem Kloster schliefen, wachte und betete sie; erst um 2 Uhr früh legte sie sich ein wenig auf den Tisch, um zu ruhen.&lt;br /&gt;
Ihr Beichtvater, der gottselige Raimund von Kapua, ein berühmter Dominikaner, führte mit ihr oft heilige Unterredungen, wollte ihr aber nicht eher Glauben schenken, bevor er sie nicht geprüft hatte, gemäß dem Befehle des Apostels: &amp;quot;Prüfet die Geister.&amp;quot; Jesus aber übernahm selbst die Prüfung. Als einst Bruder Raimund sich mit ihr über ihre Offenbarungen, welche ihr Gott häufig machte, unterhielt, kam ihm ein starker Zweifel daran und er dachte sich: Ist auch Alles wahr, was sie sagt? Aber sogleich verwandelte sich das Angesicht der Jungfrau in das Angesicht des furchtbar erzürnten Erlösers. Raimund hob erschrocken die Hände empor und rief: &amp;quot;Wer ist denn der, welcher mich ansieht? Da antwortete Katharina: &amp;quot;Es ist der, welcher ist.&amp;quot; Das Gesicht verschwand und Raimund war von nun vollkommen von dem guten Geiste überzeugt, welcher Katharina regierte. &lt;br /&gt;
Der böse Feind aber, ergrimmt über die hohe Tugend der gottseligen Jungfrau, ließ kein Mittel unversucht, um sie in seine Falle zu locken. Jesus, ihr göttlicher Bräutigam, ließ es zu, um ihre Treue zu prüfen. Furchtbar war der Kampf, welchen nun Katharina zu bestehen hatte. Tag und Nacht stellte er unreine Bilder vor die Augen ihres Geistes, und ihr Inneres wurde mit den scheuslichsten Gedanken erfüllt. Angst und Schrecken erfaßte die Jungfrau, sie griff zur Geißel und zum Gebete, ohne den Eingebungen des Satans eine Antwort zu geben; allein es half ihr nicht gleich, sie mußte die Versuchung bestehen. Da der Satan sie nicht zur Einwilligung bringen konnte, so suchte er in ihr den Zweifel zu erregen, ob sie auch in ihrem jetzigen Stande aushalten könne. Allein Katharina ließ sich nicht irre machen, sie betete fort, obschon es ihr schien, als habe sie Jesus ganz verlassen. Nirgends fand sie einen Trost; es war ihr, als läge sie in tiefster Finsternis. Als nun eines Tages Satan zu ihr sprach: &amp;quot;Elende, was wirst du anfangen? Dein ganzes Leben wirst du so zubringen; den nwir werden dich bis zu deinem Tode quälen, wenn du nicht einwilligst.&amp;quot; Da antwortete Katharina mit aller Entschiedenheit: &amp;quot;Ich habe dieß verdient, und es ist mir nicht schwer, diese und andere Strafen für den Namen meines Heilandes zu tragen, so lange es seiner göttlichen Majestät gefällt.&amp;quot; Nun wich der Satan, die Demuth der Jungfrau hatte ihn besiegt. Dafür aber erschien ihr Jesus am Kreuze in himmlischen Glanze und sprach zu ihr: &amp;quot;Meine Tochter, siehst du, wie viel ich für dich gelitten habe? Soll es dich also schwer ankommen, für mich zu leiden? Da vergoß Katharina einen Strom von Thränen und sprach: &amp;quot;O süsser Jesus, wo warst du denn, als meine Seele von so vielen Abscheulichkeiten geplagt wurde?&amp;quot; Der Herr antwortete: &amp;quot;Mitten in deinem Herzen!&amp;quot; Wie, entgegnete Katharina, du warst in meinem Herzen, das voll schmutziger, abscheulicher Gedanken war?&amp;quot; Jesus sprach: &amp;quot;Hast du an diesen Gedanken Freude gehabt? Katharina: &amp;quot;O nein, ich war davon in die größte Betrübnis versetzt.&amp;quot; Jesus: &amp;quot;Wer aber hat dies bewirkt als ich? Wäre ich nicht zugegen gewesen, so würden jene Gedanken in dein Herz eingegangen sein und du hättest dich daran erfreuet. Ich habe dich vertheidigt und meiner Anwesenheit hast du den Sieg zu verdanken!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus ging von nun an gar freundlich mit ihr um; er erschien ihr oft und verweilte lange bei ihr; manchmal hatte er auch seine glorreiche Mutter, manchmal den heiligen Johannes, die heilige Magdalena, den heiligen Dominikus bei sich. Er betete mit ihr die Psalmen und da Katharina nicht lesen konnte, so lehrte er sie die Psalmen in lateinischer Sprache lesen und verstehen. Sie betete nun mit aller Andacht die heiligen Tagzeiten, später aber mußte sie alles mündliche Gebet aufgeben, weil sie dabei sogleich in Verzückung gerieth. Ihr Gebet war jetzt immer innerlich und ihr heißestes Flehen war, im Glauben mit ihrem Jesus auf das Innigste verbunden zu werden. Ihr Gebet wurde erhört. Jesus vermählte sich mit ihr, seiner reinen Braut, in Gegenwart seiner heiligen Mutter Maria und anderer Heiligen und steckte ihr einen Ring an den Finger, der mit vier Perlen besetzt war, in deren Mitte ein wunderschöner Edelstein glänzte. --- Katharina war nun die Braut des Herrn, sie hatte das Zeugnis der Treue und war nun ausgerüstet zum Kampfe für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Bisher hatte sie ein verborgenes Leben in Christo geführt; wie ein stilles Lampenlicht brannte sie vor dem Angesichte des Herrn; von nun an sollte sie auch Andern leuchten, ja, sie sollte eine hellstrahlende Fackel in der Kirche Jesu werden; bisher hatte sie stille zu den Füssen Jesu gesessen und seinen Worten gelauscht, jetzt sollte sie in die Welt eintreten und zeigen, wie man das zweifache Gebot Gottes erfüllt: &amp;quot;Du sollst Gott lieben über Alles und den Nächsten wie dich selbst.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Wir wollen nun, lieber Leser, den Fußstapfen der Heiligen folgen und ihren Wandel unter den Menschen betrachten. Katharina lebte noch immer im Hause ihrer Eltern und bewohnte da eine einsame Zelle. Ihre fromme Mutter hatte ihr erlaubt, ungestört ihren frommen Uebungen obzuliegen. Nun aber wollte sie auch das thätige Leben üben. Sie verrichtete zuerst die niedrigen Dienste einer Magd im Hause und in der Küche, und wenn die eigentliche Magd des Hauses krank war, so wartete sie dieselbe mit aller Liebe und verdoppelte ihren Eifer in der Arbeit. Dabei aber war sie immer mit Jesus vereiniget und gar oft geschah es, daß sie mitten in der Arbeit außer sich gerieth. Als nun Katharina sah, wie sehr dies Leben ihrem Heilande gefalle, so nahm sie sich auch der Armen und Kranken an. Ihr guter Vater hatte ihr auf ihre Bitten erlaubt, von seinem Vermögen die Armen zu unterstützen. Voll Freude hierüber, trug sie nun den Armen Almosen zu und sie scheute dabei keine Mühe. Einst lag sie am ganzen Leibe geschwollen im Bette, da hörte sie, daß in der Nachbarschaft eine Wittwe sei, die mit ihren Kindern große Noth leide. Da flehte sie inständig zu Jesus, er möge ihr nur so viel Kraft geben, um dieser Armen helfen zu können. Sogleich stand sie vor dem Morgenlicht auf, füllte einen Sack mit Weizen, eine große Flasche mit Wein und ein Gefäß mit Oel und brachte Alles in ihre Zelle. Wie sollte sie dies Alles aber in das Haus der Wittwe bringen; sie versuchte es, vertrauend auf den göttlichen Beistand, nahm sie den Sack auf den Rücken, beide Krüge in die Hände, und mit leichter Mühe, als wäre sie voll Kraft, trug sie Alles allein dem Hause der Wittwe zu. Bei dem Hause aber wurde plötzlich die Last so schwer, daß sie nicht mehr weiter konnte; sogleich rief sie wieder zu Jesus, und siehe, es gelingt ihr, die Last in das Haus zu schleppen und dort niederzulegen. Vom Geräusche aufgeweckt, erwachte die Wittwe, welche noch schlief. Katharina wollte davonlaufen, aber kraftlos sinkt sie zu Boden; sie suchte zu gehen, aber vergebens. Da wandte sie sich wieder zum Herrn um Hilfe und nun schlich sie sich allmälig fort und kam noch vor Tagesanbruch nach Hause, wo sie wieder krank auf ihr Bettlein hinsank.&lt;br /&gt;
Noch ein Beispiel der rührenden Barmherzigkeit der heiligen Katharina will ich dir erzählen, lieber Leser, woraus du sehen kannst, wie gar angenehm dem Heiland das Almosen ist. --- Als sie einst in der Kirche war, kam ein armer Mensch zu ihr und bat sie flehentlich, ihm zu helfen. Weil sie gar nichts bei sich hatte, so sagte sie dem Armen freundlich, er möge nur so lange warten, bis sie nach Hause komme, dort wolle sie ihm ein reichliches Almosen geben. Der Arme aber sagte: &amp;quot;Gib mir gleich, denn ich kann nicht warten.&amp;quot; Katharina, welchen den Armen nicht fortlassen wollte, dachte hin und her, was sie ihm denn geben sollte; da fiel ihr ein silbernes Kreuzlein in die Augen, das sie an ihrem Rosenkranze hangen hatte. Sie riß das Kreuzlein herab und gab es dem Armen. Dieser ging zufrieden fort. In der folgenden Nacht aber erschien ihr der Heiland, zeigte ihre das Kreuzlein, wunderbar von Edelsteinen strahlend, und sprach: &amp;quot;Kennst du dieses Kreuz, meine Tochter? Du hast es mir gestern aus Liebe gegeben und ich verspreche dir, daß ich es dir am Tage des Gerichtes vor allen Engeln und Menschen in dieser Gestalt darreichen werde. Denn ich werde kein Werk der Barmherzigkeit verborgen halten an jenem Tage, wo ich meines Vaters Barmherzigkeit verherrlichen werde.&amp;quot; Nach diesen Worten verschwand der Herr und Katharina wurde durch dieses Gesicht nur noch mehr angefeuert, dem Nächsten Hilfe zu leisten. &lt;br /&gt;
Die Allerärmsten sind die Kranken, welche verlassen von jeder menschlichen Hilfe in bitterer Noth schmachten. Katharina hatte das tiefste Mitleid mit derselben, ihnen widmete sie die zärtlichste Pflege. Im Spitale zu Siena lag ein krankes Weib, mit Namen Tessa, am Aussatz darnieder. Niemand wollte ihr wegen Gefahr der Ansteckung auswarten, ja man wollte sie sogar aus der Stadt schaffen. Kaum hatte Katharina davon gehört, so eilte sie sogleich herbei und diente der Kranken mit ausdauender Geduld und Liebe bis an ihr Ende. Das kranke Weib behandelte die sanfte Katharina mit dem größten Undank, aber diese ließ in ihrer Liebe nicht nach; ja, Katharina wurde an den Händen vom Aussatze selbst ergriffen, aber dennoch wich sie keinen Augenblick von der Elenden. Als das Weib gestorben war, wusch und kleidete Katharina sogar ihren schauerlichen Leichnam, legte ihn mit eigenen Händen in den Sarg und begrub ihn nach dem Seelengottesdienste. Sobald aber der Leichnam begraben war, waren die Hände der Heiligen wieder rein und erhielten sogar einen außerordentlichen Glanz. Auf diese Weise, wie diese Aussätzige, pflegte Katharina mit übermenschlicher Geduld eine andere Kranke, deren Brust vom Krebse ganz zerfressen war.  Mit dem größten Heldenmuthe überwand sie den Eckel, der sie befiel, wenn sie die gräßliche Wunde reinigte, aus welcher ein scheuslicher Gestank hervordrang. Was aber alle menschliche Geduld übersteigt, und der höchste Grad der Nächstenliebe ist, war der Umstand, daß die Kranke, welche von der Heiligen eine so zärtliche Pflege erhielt, sich erfrechte, ihre Wärterin auf das Schändlichste zu verläumden. Katharina duldete schweigend diese Bosheit und pflegte die Kranke mit immer gleicher Liebe; ja, sie ging hierin so weit, daß sie eines Tages, als ein gewaltiger Eckel sie beim Verbande der eiternden Wunde ergriff, sogar eine Schale voll stinkenden Eiters austrank, um ihren Abscheu zu überwinden. Aber dafür belohnte sie ihr göttlicher Bräutigam mit mehreren wunderbaren Gnaden. Er ließ sie in einer Erscheinung aus seiner heiligen Seitenwunde einen überaus süßen, himmlischen Trank trinken, der bewirkte, daß sie von nun an keine andere Speise mehr zu sich nahm, als blos die heilige Kommunion. So oft sie eine gewöhnliche Speise zu sich nahm, und war es auch nur ein kleiner Bissen Brod, so mußte sie sich erbrechen und wurde krank. Ferners erschien ihr eines Tages der Herr mit zwei Kronen in den Händen, die eine von Gold, die andere von Dornen und befahl ihr, eine davon zu wählen; sogleich langte sie mit den Worten: &amp;quot;Herr, ich verlange in diesem Leben nur an deinen Leiden Theil zu nehmen, soe sollen meine Freude sein,&amp;quot; nach der Dornenkrone und drückte sich dieselbe heftig auf das Haupt. Von nun an empfand sie im Kopfe immer stechende Schmerzen. Ein andersmal tauschte der Herr sein Herz mit den ihrigen und drückte ihr seine heiligen fünf Wundmahle ein, die aber auf ihre Bitte nicht sichtbar wurden. Solche Wunder der Gnaden feuerten die heilige Jungfrau zu immer größerer Liebe Gottes und des Nächsten an.&lt;br /&gt;
Wenn sie sich bisher mit herzlicher Liebe der Armen und Kranken annahm, so wurde diese Liebe noch größer, wenn es darauf ankam, jenen zu helfen, welche an der Seele krank, so oft todt sind, nämlich --- den Sündern. &lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr einst die Schönheit einer bekehrten Seele sehen lassen; seit dieser Zeit kannte ihr Eifer, Sünder zu Gott zurückzuführen, keine Gränzen; unaufhörlich flehte sie zu Gott um ihre Bekehrung. Einst wurde ihr von ihrem Beichtvater die Seele eines gewissen Bürgers Andreas Naddini von Siena empfohlen, der ein Spieler und schrecklicher Gotteslästerer war. Er lag krank und war dem Tode nahe, wollte aber trotz aller Ermahnung und alles Bittens von Bekehrung nichts wissen. Da warf sich Katharina auf die Kniee und flehte im heißen Gebete zu ihrem Heilande um die Rettung dieser Seele. Von fünf Uhr Abends an bis zum Morgen lag sie gleichsam im Streite mit Jesus, dessen Gerechtigkeit bereits das Urtheil über den verstockten Lästerer gesprochen hatte. Endlich siegte Katharina´s Flehen. Jesus erbarmte sich des Elenden. Er erschien ihm selbst, ermahnte ihn zur Reue und Beicht und verhieß ihm Vergebung. Kaum war dies geschehen, als der Kranke, plötzlich erweicht, nach einem Priester schickte, seine Sünden reumüthig beichtete, sein Testament machte und mit allen Zeichen wahrer Bekehrung sanft im Herrn entschlief. Auf gleiche Weise bekehrte Katharina zwei berüchtigte Räuber, welche schon zum qualvollen Tode verurtheilt und bereits zur Richtstätte ausgeführt, Jesus und seine Heiligen lästerten und jede Mahnung zur Bekehrung zurückwiesen. Katharina sah sie zum Tode ausführen und vom Mitleid bewegt, hörte sie nicht auf, an das göttliche Herz ihres Bräutigams zu klopfen, bis sie Gnade für diese Verbrecher gefunden. Unter dem Thore der Stadt erschien diesen Elenden der Heiland ganz mit Blut überronnen, lud sie zur Bekehrung ein und versprach ihnen Vergebung. Dieser Anblick erschütterte sie; sie hörten zu lästern auf, bekehrten sich aufrichtig und erlitten bußfertig den Tod, welchen sie verdient hatten.&lt;br /&gt;
Welche Macht das Gebet der Heiligen über die Herzen der Sünder hatte, davon gibt Zeugnis der Umstand, daß drei Priester Tag und Nacht Beicht sitzen mußten, um Sünder, welche nie gebeichtet oder bisher ungültig gebeichtet hatten, zu hören und mit Gott zu versöhnen. Durch solche Wunder der Gnade, welche Gott durch seine treue Dienerin wirkte, verbreitete sich ihr Ruf in alle Gegenden Italiens und anderer Länder, und nun sollte sie in der Hand Gottes ein Werkzeug der Erbarmung für Nationen und die ganze Kirche Gottes werden. &lt;br /&gt;
In der Zeit (1373), da Katharina so Großes wirkte, befand sich die heilige Kirche Jesu in einem höchst traurigen Zustande. Schon seit mehr als sechzig Jahren hatten die Päpste ihren Sitz zu Rom, der Hauptstadt der Christenheit, verlassen, und nach Avignon, einer Stadt in Frankreich, verlegt. Die Römer erhoben laute Klagen, daß ihre Bischöfe sie seit so vielen Jahren verlassen hätten; dazu kam noch, daß feindliche Parteien das Volk gegen den päpstlichen Stuhl aufhetzten und die Einwohner von Florenz, mit andern Städten im Bunde, sich gegen den Papst verschworen. Im Jahre 1373 brach die Kriegsflamme los. Die heilige Katharina befand sich gerade in der Stadt Pisa, als sie von diesem Uebel hörte, welches sie schon drei Jahre zuvor vorausgesagt hatte. Sie flehte sogleich zu ihrem Heilande um Hilfe und brachte es durch Zusprüche und Briefe dahin, daß mehrere Städte, namentlich ihre vaterstadt, dem Papste treu blieben. Der Papst belegte die Aufrührer mit dem Banne und diese im Kriege mehrmals besiegt, beschlossen endlich, den Papst um Gnade anzugehen. Die heilige Katharina sollte ihre Vermittlerin sein. Die Einwohner ließen sie durch eine feierliche Gesandtschaft abholen und sendeten sie nach Frankreich zum Papste Gregor XI., um den Frieden herzustellen. Der Papst empfing sie mit großer Achtung und legte die Friedensverhandlung ganz in ihre Hände, indem er sagte: &amp;quot;Damit du siehst, daß ich den Frieden will, so lege ich ihn ganz einfach in deine Hände: nur empfehle ich dir die Ehre der Kirche.&amp;quot; Katharina that Alles, was in ihren Kräften stand, um den Frieden herzustellen, allein an der Treulosigkeit der Florentiner scheiterte ihr Bemühen, die dafür hart gestraft wurden. Was der heiligen Jungfrau in dieser Sasche zu ihrem größten Schmerze nicht gelang, das erhielt sie auf eine andere Weise. ---- Das Verlangen der Römer nach der Rückkehr des Papstes in seine Stadt wurde immer lauter, schon war eine große Spaltung in der katholischen Kirche zu fürchten. Der Papst Gregor XI. hatte wohl das Gelübde gemacht zurückzukehren, allein er hatte aus Furcht vor dem französischen Könige nicht den Muth, sein Versprechen auszuführen. Er zog unsere heilige Jungfrau zu Rathe. Diese hatte durch eine Offenbarung sein Gelübde erkannt und sprach zu ihm: &amp;quot;Thue, was du Gott versprochen hast.&amp;quot; Verwundert hierüber, folgte er ihrem Rathe und kehrte im Jahre 1376 nach Rom zurück.&lt;br /&gt;
Hatte die heilige Jungfrau bisher großes Leid getragen über die traurigen Uebel, welche in der Kirche Gottes herrschten, so erreichte dieses Leiden den höchsten Grad, als die traurige Spaltung wirklich eintrat, die sie schon früher im Geiste vorausgesehen und vorausgesagt hatte. Um diesen Schmerz nur einigermassen zu begreifen, mußt du, lieber Leser, bedenken, daß die heilige Jungfrau mit der feurigsten Liebe der heiligen Kirche anhing. Sie, die Kirche, ist ja die Braut Jesu; sie hat er sich durch sein Blut angetraut; in dihr will er bleiben bis zum Ende der Welt; sie soll einst im Himmel ewig mit ihm triumphieren. Katharina liebte die Kirche wie ihre liebste Mutter; sie theilte mit ihr alle Freuden und Leiden; sie lebte all ihre Feste geistlich mit und fühlte in ihrem Innern alle Uebel, von denen sie betroffen wurde. Kurz, sie lebte nur in und mit der Kirche, und darum war auch ihr Schmerz furchtbar, als das Band der Einheit zerrissen und zwei Päpste zugleich um den Stuhl des heiligen Petrus stritten. Als der Streit am heftigsten tobte, befand sich Katharina in Rom; sie hatte Papst Urban VI. als rechtmäßigen Papst  anerkannt und stand ihm mit ihrem Rathe bei. Tag und Nacht betete sie und mahnte unaufhörlich mündlich und schriftlich zur Einheit und zum Frieden. Während die Einwohner von Rom gegen einander wütheten und jede Partei die Oberhand gewinnen wollte, sah Katharina die Stadt Rom voll Teufel, die zum Haße und zur Rache anspornten. Katharina aber ließ nicht nach im Gebete; da wandte sich die Wuth der Teufel auch gegen sie. Zu oft schon hatte sie all ihre Anschläge vernichtet, zu oft schon mußten die Teufel auf ihr Gebet von denen weichen, die sie im Besitze hatten. Wenn daher Katharina im Gebete versunken um Erbarmen für die Kirche zum Himmel schrie, da umringten sie auf Gottes Zulassung die Teufel, stießen ein furchtbares Geheul aus und schrieen: &amp;quot;Verfluchte! du willst unsere Absichten vereiteln, aber wir wollen dich erwürgen.&amp;quot; Katharina aber hatte keine Furcht; sie verdoppelte ihr Gebet und Flehen. Mehrere Tage und Nächte lag sie beständig im Gebete vor Gott und bot sich ihm zum Opfer an. &amp;quot;Ich will, sprach sie, gern diesen Kelch des Leidens und des Todes trinken zur Ehre deines heiligen Namens und für deine Kirche. Dies ist mein heißestes Verlangen seit dem Tage, wo ich dir mein Herz und meine Liebe weihte.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jesus hatte ihr Opfer angenommen, sie sollte den Kelch trinken, ohne den Trost zu haben, die Kirche Gottes im Frieden zu sehen; jedoch in der Stadt Rom selbst trug sie den sieg davon über den Satan und seine Schaar. Die Raubhorden der Feinde des Papstes Urban VI. wurden vertrieben. Dafür aber wüthete nun der Satan gegen die Heilige. An ihrem Leibe sahen ihre Gefährtinen die Spuren der Stösse, welche ihr die Teufel versetzten, ohne helfen zu können. Sie konnte jetzt keinen Tropfen Wasser mehr trinken, ihr Leben hing nur mehr an einem Faden. Eines Tages sah sie im Geiste das Schifflein der Kirche auf ihren Schultern liegen; niedergedrückt von dieser ungeheuern Last sank sie zerbrochen und leblos zu Boden. Sie erkannte jetzt, daß nur das Opfer ihres Lebens für die Kirche von Nutzen sei und brachte es vollkommen ihrem Heilande dar. Ihre Sterbestunde nahte heran; mitten unter den grausamsten Leiden ließ sie nie eine Klage hören. Sie hatte eine Menge Jünger und Jüngerinen, welche sie im geistlichen Leben unterrichtete und wie eine sorgsame Mutter leitete, und unter diesen einen gewissen Stephano, der früher Rathsherr in Siena war. In einer großen Noth, in die er durch mächtige Feinde gerieth, nahm er seine Zuflucht zu Katharina, welche ihn durch ihr Gebet ganz Gott gewann und zu einem heiligen Leben führte. Dieser befand sich gerade zu Siena im Spitale, als Katharina ihr Leben zum Opfer hingab für die Kirche. Da hörte er eine Stimme, die sprach: &amp;quot;Reise schnell nach Rom, deine Mutter stirbt.&amp;quot; Er machte sich sogleich auf den Weg und kam gerade in der Zelle der heiligen Jungfrau an, als sie, umgeben von ihren Schülern und Schülerinen, auf ihrem Sterbebettlein lag und jedem eine heilsame Lehre gab. Die Sterbende sprach zu ihm: &amp;quot;Mein Stephano, danke Gott, daß er dich sendet, um die letzten Worte deiner Mutter zu empfangen. Seine Barmherzigkeit wird dein Heil gewiß machen, und dir den Weg zeigen, den du gehen mußt; &amp;quot; dann befahl sie ihm, in den Karthäuserorden zu treten, was er auch nachher, obwohl mit Widerstreben, that. Nach einiger Zeit, als sie ihre Abschiedsworte geendet hatte, bat sie ihre alte Mutter Lapa, die weinend neben dem Bette ihrer geliebten Tochter stand, um ihren Segen. Am Morgen des Sonntags vor der Himmelfahrt Christi empfing sie mit der größten Inbrunst die heiligen Sterbesakramente, und nun begann der Todeskampf. Sie hatte die heftigsten Angriffe des bösen Feindes zu bestehen, der alle Gewalt anwendete, diese heilige Jungfrau, welche ihm so viele Seelen entriß und so oft seine Anschläge vernichtete, zu verderben. Ihre Gesichtszüge veränderten sich, ihre Arme bewegte sie hin und her, als wollte sie den Angriff von Feinden abwehren; bald sprach, bald lachte, bald schwieg sie wieder. Die Anwesenden waren voll Entsetzen. Plötzlich rief sie mit Freude aus: &amp;quot;Die eitle Ehre nie, sondern die wahre Ehre und das Lob des Herrn!&amp;quot; Durch diese Worte beschämte sie den Satan und alle jene, welche bisher ihre Lebensweise getadelt hatten. Katharina hatte ja nie ihre Ehre gesucht und Nichts ohne ausdrücklichen Befehl Gottes gethan. Eine halbe Stunde nachher brach sie das Schweigen, um mehr als sechzigmal auszurufen, indem sie die rechte Hand erhob: &amp;quot;Ich habe gesündigt, Herr, erbarme dich meiner!&amp;quot; Dann wiederholte sie eben so oft: &amp;quot;Heiliger Gott, erbarme dich meiner!&amp;quot;&lt;br /&gt;
Unterdeß, da Katharina so zu Gott rief, wurde ihr Angesicht ruhig und lächelnd; ihre matten Augen bekamen ihren englischen Glanz wieder; sie erhob dieselben, blickte auf das Kruzifix und mit den Worten: &amp;quot;Herr, du rufest mich zu dir, und ich gehe, nicht durch meine Verdienste, sondern durch deine bloße Barmherzigkeit, die ich in der Kraft des Blutes Christi anflehe. --- In deine Hände empfehle ich meinen Geist,&amp;quot; senkte sie ihr englisches Haupt und verschied am 29. April 1380. Sie hatte 33 Jahre gelebt und wurde vom Papste Pius II. im Jahre 1461 heilig gesprochen.&lt;br /&gt;
Einige Kernsprüche der Heiligen.&lt;br /&gt;
Hole dir deinen Trost bei dem Kreuze Jesu.&lt;br /&gt;
Nach den Dornen werden die Rosen.&lt;br /&gt;
Thue, was du Gott versprochen.&lt;br /&gt;
Nichts ist eigentlich böse zu nennen als - die Sünde.&lt;br /&gt;
Richte alle deine Gedanken, Handlungen und Worte allein auf Gottes Ehre und Verherrlichung.&lt;br /&gt;
Es werden darum so wenige selig, weil fast alle das Ihrige suchen, nicht was Gottes ist. &lt;br /&gt;
Gebet. O mein Jesus, verleihe mir die Gnade, daß auch ich deinen heiligen Willen im Auge habe, wie deine Dienerin, und dadurch zur seligen Vereinigung mit dir gelange. Amen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
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&lt;div&gt;==&#039;&#039;Die heilige Katharina von Siena, Jungfrau&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[Bild:KatharSiena.jpg|gerahmt|left|thumb|150px|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1380&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
[[29. April]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
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		<title>Feindesliebe</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche [[Liebe]], wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden &#039;&#039;(Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. [[Jesus Christus]], unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;[http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt05 &#039;&#039;[Mt 5,43-48]&#039;&#039;].&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Gal05 &#039;&#039;[Gal 5,15].&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; &#039;&#039;(hl. Christostomus).&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der [[Augustinus|hl. Augustin]]: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch [[Gott]] in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Feindesliebe&amp;diff=20671</id>
		<title>Feindesliebe</title>
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		<updated>2012-01-04T09:31:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche [[Liebe]], wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden &#039;&#039;(Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. [[Jesus Christus]], unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;[http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt05 &#039;&#039;[Mt 5,43-48]&#039;&#039;].&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; [http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Gal05 &#039;&#039;[Gal 5,15].&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Feindesliebe</title>
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		<updated>2012-01-04T09:18:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden &#039;&#039;(Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. [[Jesus Christus]], unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;[http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt05 &#039;&#039;[Mt 5,43-48]&#039;&#039;].&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Feindesliebe</title>
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		<updated>2012-01-04T09:18:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden &#039;&#039;(Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. [[Jesus Christus]], unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;[http://vulgata.info/index.php/Kategorie:Vulgata:NT:Mt05 Mt 5,43-48].&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Feindesliebe</title>
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		<updated>2012-01-04T09:12:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden &#039;&#039;(Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f).&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. [[Jesus Christus]], unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039; &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; &#039;&#039;&#039; &#039;&#039;[Mt 5,43-48].&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<updated>2012-01-04T09:07:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &#039;&#039;&amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot;&#039;&#039; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden (Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f). Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. Jesus Christus, unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; (Mt 5,43-48). Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Feindesliebe</title>
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		<updated>2012-01-04T09:04:03Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische Kirche|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden (Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f). Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. Jesus Christus, unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; (Mt 5,43-48). Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Feindesliebe</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der [[Roemisch katholische|Kirche]] unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden (Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f). Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. Jesus Christus, unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; (Mt 5,43-48). Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
Wenn er verzeiht!&amp;quot; (Holtei.)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<updated>2012-01-04T09:00:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der Kirche unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden (Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f). Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. Jesus Christus, unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; (Mt 5,43-48). Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Feindesliebe</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: Die Seite wurde neu angelegt: „&amp;lt;center&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Die Feindesliebe&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/center&amp;gt;  Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der Kirche unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Ch…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;Die Feindesliebe&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit der ersten blutigen Verfolgungen der Kirche unterhielt sich der Kaiser Mark Aurel mit einem Beamten über die Christen und schilderte sie als Toren. Bestätigend sagte der Beamte: &amp;quot;Sie beten für ihre Henker.&amp;quot; ------ &amp;quot;Dann widerrufe ich mein Urteil&amp;quot;, erwiderte der heidnische Kaiser, &amp;quot;dann haben sie eine heilige, göttliche Religion.&amp;quot; Ein wahres, schönes Wort! Erst das Christentum kennt und befiehlt die Feindesliebe und verleiht die Kraft, diese Tugend zu üben, die über die menschlichen Kräfte zu gehen scheint.&lt;br /&gt;
Die christliche Feindesliebe besteht darin, daß wir keine Rachsucht und keinen Haß gegen jemand im Herzen tragen, im äußern Benehmen alles fernhalten, was auf Haß und Bitterkeit gegen den Beleidigen schließen ließe, und daß wir endlich ihm jene Zeichen des Wohlwollens und des Wohltuns gewähren, die unter Personen des gleichen Standes und Ranges allgemein ortsüblich sind; namentlich dürfen wir unsern Feind nicht ausschließen vom Fürbittgebet. Allerdings sind wir nicht schuldig, unsern Beleidigern jene besondern Zeichen der Freundschaft zu gewähren, die er vor der uns zugefügten Unbild von uns erfahren hat; es sei denn, daß er volle Genugtuung geleistet hat und jene besondern Zeichen nicht ohne Ärgernis unterbleiben können. Wer ungerechterweise beleidigt worden ist, hat zwar das Recht, eine Genugtuung zu fordern, aber nur nach Billigkeit und ohne alle Leidenschaftlichkeit; immerhin ist es ihm erlaubt, im äußern Benehmen auf eine edle Weise merken zu lassen, daß er geetränkt worden ist. Sollte Gefahr vorhanden sein, daß der Beleidiger in seiner schlimmen Gesinnung verharre und so das Ärgernis fortbestehe, so verpflichtet uns die christliche Liebe, wenn es ohne großen Schaden geschehen kann, dem Unglücklich en entgegenzukommen und ihm die Versöhnung zu erleichtern; ein persönliches Zusammenkommen müßte indessen vermieden werden, wenn daraus nur neue Zerwürfnisse zu befürchten wären. Freililch ist an und für sich der, der das Unrecht zugefügt hat und schuld an der Feindschaft ist, verpflichtet, die ersten Schritte zu tun; er muss das Unrecht gut machen und Abbitte leisten. Anderseits wird es sich freilich oft schwer entscheiden lassen, welcher Teil schuldig oder unschuldig sei; in diesem Fall hat jeder Teil die Pflicht zur Versöhnung die ersten Schritte zu tun. Die aufsteigenden Gefühle der Bitterkeit müssen durch Gebet und durch die Kraft des Glaubens niedergekämpft werden (Vgl. Kirchenlexikon, VII., S. 1995f). Das ist die Feindesliebe, wie sie uns die christliche Sittenlehre vorschreibt.&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe ist eine heilige Pflicht, ohne deren Erfüllung wir nicht selig werden können. Jesus Christus, unser göttlicher Gesetzgeber, spricht: &amp;quot;Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Sonne über die Guten und die Bösen aufgehen lässt, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn, wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn werdet ihr haben? Tun dies nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßte, was tut ihr da mehr? Tun dies nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist&amp;quot; (Mt 5,43-48). Mit diesen Worten erteilt der göttliche Heiland etwa nicht bloß einen Rat, sondern er gibt ein förmliches Gebot, denn er sagt, daß man ohne Feindesliebe nicht ein Kind Gottes sein könne; auch gibt er dieses Gebot ganz allgemein, ohne irgend eine Einschränkung. Mag sich nun die Welt und die Eigenliebe noch so sehr dagegen auflehnen und tausenderlei Einreiden vorbringen, das Gebot bleibt aufrecht; es ist eine unerlässliche Christenpflicht. Fällt die Feindesliebe der Natur zwar schwer, so führt uns doch der hl. Glaube die kräftigsten Beweggründe vor augen und erleichtert uns die Erfüllung dieser Pflicht. &lt;br /&gt;
Im Licht des Glaubens hat unser Beleidiger trotz seiner feindseligen Gesinnung eine hohe Würde. Als Mensch ist er ein Geschöpf, ein Ebenbild Gottes. Nun wird das Bildnis eines irdischen Königs in Ehren gehalten, mag es dann in Gold oder Blei eingeprägt sein. So ist auch das Bildnis Gottes verehrungswürdig, mag es in einem bösen oder guten Menschen erscheinen. Höher aber ist die Würde, die unser Feind als Christ besitzt. Wir Christen sind zu Kindern Gottes angenommen worden. Das Familienband der Kinder Gottes darf aber nicht gelockert werden. &amp;quot;Wenn ihr einander nagt und beißt, seht zu, ob ihr euch nicht gegenseitig aufzehrt&amp;quot; (Gal 5,15). Wir Christen sind unserm süßesten Erlöser Jesus Christus einverleibt und glieder seines heiligen Leibes. Könnten wir wohl würdige Glieder an dem heiligen Leib Jesu sein, wenn wir in Feindseligkeit gegeneinander verharren wollten? Wir Christen sind eine Wohnstätte des Hl. Geistes, jenes göttlichen Geistes, von dem der Apostel schreibt, daß er &amp;quot;Liebe, Freude, Friede&amp;quot; (Gal. 5,22) ist. Wenn der Geist der Feindseligkeit in uns lebt, dann wohnt nicht der Heilige Geist in uns, wir wären vielmehr von dem bösen Geist erfüllt. &lt;br /&gt;
Jesus hat uns das erhabenste Beispiel der Feindesliebe hinterlassen. Wie viele Feinde hatte der Heiland in den Tagen seines irdischen Lebens! &amp;quot;Viele Hunde haben mich umringt; die Rotte der Bösewichter hat mich umlagert&amp;quot; (Ps 21,17) , weissagt bereits der Prophet von der Zahl der Feinde des Messias. &amp;quot;Böses sinnen sie in ihrem Herzen, Streit stiften sie beständig&amp;quot; (139,3). Die wenigen Getreuen ausgenommen, war das ganze Judenvolk, zu dessen Heil Jesus gekommen war, gegen ihn. &amp;quot;Er ging herum, Gutes tuend&amp;quot; (Apg 10,38). Er speiste das Judenvolk mit Brot, heilte die Kranken und erweckte Tote zum Leben. Dafür verfolgten sie ihn mit teuflischen Hass und ruhten nicht, bis sie ihn an das Holz der Schmach gebracht hatten; ja selbst als der Heiland am Kreuz verblutet, weidet sich das gottesmörderische Geschlecht an seiner namenlosen Schmach, Marter und Pein. Und wie rächt sich Jesus? Das erste Wort, das aus seinem sterbenden Mund fließt, ist ein Gebet für seine Feinde: &amp;quot;Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun&amp;quot; (Lk 23,34). Ein solches Beispiel ist wohl geeignet, uns zur Versöhnung gegen unsere Feinde und Beleidiger zu stimmen. &amp;quot;Nichts macht uns Gott so ähnlich als die Versöhnlichkeit gegen Feinde und Beleidiger&amp;quot; (hl. Christostomus).&lt;br /&gt;
Die Feindesliebe birgt auch die kostbarsten Güter in sich, sie verbreitet wundervollen Segen. Sie entwaffnet den Arm der göttlichen Gerechtigkeit und läßt uns Gottes Gnade und Barmherzigkeit finden. So hat es der göttliche Heiland selbst verkündet: &amp;quot;Vergebt, so wird euch vergeben werden&amp;quot; (Lk 6,37). &amp;quot;Wenn ihr den Menschen ihre Vergehen vergebt, so wird auch euer himmlischer Vater auch eure Sünden vergeben (Mt. 6,14). Dies lehrt uns auch die fünfte Bittes des Vaterunser, ebenso das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht im Evangelium. Es liegt also in unserer Gewalt, ob uns der Herr unsere Sünden verzeihe oder nicht. &amp;quot;Vergib deinem Nächsten, wenn er dir unrecht getan; so werden auch dir, wenn du darum bittest, deine Sünden nachgelassen&amp;quot; (Sir 28,2). Wie oft nehmen wir Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Anspruch; und unser Nächster sollte jede Übereilung bitter büßen müssen und den verlornen Platz in unserm Herzen nimmer zurückerobern können! Können wir gegen unsersgleichen in Abneigung und Bitterkeit verharren und dabei doch von Gott Gnade und Segen erwarten? O, Erbarmen finden wir nur, wenn auch wir uns erbarmen. Die Feindesliebe verleiht Friede und Seligkeit. Wer bereit ist, gerne zu verzeihen, genießt schon hier auf Erden einen himmlischen Frieden. Er erträgt alle Beleidigungen, die ihm zugefügt werden, in Sanftmut; er verzeiht und vergißt sie; und nichts ist imstande, ihm seinen innern Frieden zu rauben. Er hat den größten Sieg errungen, den Sieg über sich selbst. Und sollte sich auch die Natur sträuben oder der Teufel Gedanken der Bitterkeit heraufbeschwören, so blickt er zum hl. Kreuz. Das Beispiel seines leidenden Heilandes sowie der lieben Heiligen Gottes ermutigt ihn und verscheucht alle dunkeln Wolken des Hasses und der Rache. Die Feindesliebe besänftigt endlich den Beleidiger und gewinnt ihn für Gott und die gute Sache. Wer verzeiht und seinem Gegner Wohltaten erweist, der sammelt, wie sich die Schrift ausdrückt, feurige Kohlen auf sein Haupt (Röm. 12,20), d.h. er macht ihn schamrot und entzündet ihn zur Gegenliebe. Darum mahnt uns der hl. Augustin: &amp;quot;Lerne den Feind lieben, so wirst du keinen Feind mehr haben, denn es gibt kein kräftigeres Mittel, aus dem Feind einen Freund zu machen, als die Liebe.&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Papst Leo XIII. noch Nuntius in Belgien war, geschah es, daß er eines Tages den an der Tür seines Palastes wartenden Wagen besteigen wollte, um einer Einladung des Grafen Brillet zu einer Mittagstafel Folge zu leisten. Da trat ein armselig gkleideter Arbeiter herzu und überhäufte ihn mit den derbsten Schimpfworten. Der Diener des Nuntius gab es ihm ordentlich zurück und suchte ihn fortzujagen. Monsignore Pecci aber reichte dem Arbeiter in aller Freundlichkeit seine Hand, gab ihm ein FünfFrankstück und versicherte ihm: &amp;quot;Mein Freund, seien sie überzeugt, daß ich Ihnen nicht im geringsten böse bin.&amp;quot; Auch versprach er, ihm helfen zu wollen, so oft er nur darum ersuche. Der Arbeiter stand sprachlos vor Staunen da. Das waren glühende Kohlen auf sein Haupt gesammelt. Bald darnach kam der Arbeiter in den Palast des Nuntius und bat ihn um Verzeihung. In seiner Herzensgüte verzieh der Nuntius alles und stellte ihn sogar als Diener an.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde hinweggeschafft von euch, zusamt aller Bosheit. Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat&amp;quot; (Eph. 4,31.32). &amp;quot;Die Feinde sind als Wohltäter zu betrachten, weil sie einem helfen in den Himmel kommen&amp;quot; (Sl. Klemens Hofbauer).&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Mensch ist schöner niemals anzusehn, &lt;br /&gt;
Als wenn er kommt, Verzeihung anzuflehn;&lt;br /&gt;
Eins nehm´ich aus, was ihn noch schöner weiht,&lt;br /&gt;
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		<author><name>Angelika</name></author>
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		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Philipp_Neri&amp;diff=18461</id>
		<title>Philipp Neri</title>
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		<updated>2011-08-15T18:56:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Das Ende seines irdischen Lebens */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:PhilippNeri.jpg|right|thumb|300px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der heilige Philipp Neri, Ordensstifter&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1595&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[26. Mai]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Vorwort&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verdient die heilige [[Magdalena von Pazzi]]s den Namen &amp;quot;Mutter der [[Liebe]]&amp;quot; wegen ihrer unaussprechlichen Liebe zu [[Jesus Christus|Jesus]], so kann man mit Recht den heiligen Philipp Neri &amp;quot;den Vater der Liebe&amp;quot; nennen; denn es wird wenige Heilige geben, welche eine so gewaltige Liebe Gottes und des [[Naechstenliebe|Nächsten]] in ihrem Herzen getragen wie dieser heilige Diener Gottes. Merkwürdig ist, dass diese beiden liebenden Seelen die nämliche Stadt zum Geburtsorte hatten. Auch der heilige Philipp wurde zu Florenz geboren, wo sein Vater Franz Neri Advokat gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Aus dem Leben des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie fromm er schon als Knabe gelebt, davon nur einige Beispiele. - Er hatte frühzeitig seine leibliche Mutter verloren, die er zärtlich liebte und kindlich ehrte. Die gleiche Liebe aber und Ehrfucht hegte er auch gegen seine Stiefmutter; er war ihr pünktlich gehorsam und tat ihr Alles, was er ihren Augen absehen konnte. Als er von Florenz abreiste, beweinte sie daher seinen Verlust lange Zeit und sie konnte ihn nimmer vergessen. Das [[Gebet]], das Studium und die Anhörung des Wortes Gottes waren seine liebsten Beschäftigungen. Schon damals erhielt er Alles, was er im Gebete von Gott verlangte. Eines Tages verlor er beim Nachhausegehen eine goldene Kette, welche er zufällig in den Händen trug. Sogleich fing er zu beten an und bald hatte er die Kette wieder gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr häufig besuchte er die Dominikanerkirche seiner Vaterstadt und zwei fromme Väter des Klosters, welche ihn sehr liebten und zu allem Guten anleiteten. Durch Wort und Beispiel dieser Männer angefeuert, suchte er getreu in die Fußstapfen Jesu zu treten, und verlangte für ihn Alles zu leiden. Einst ergriff ihn ein heftiges Fieber; aber ohne sich nur im Geringsten etwas merken zu lassen, ertrug er die Schmerzen dieser Krankheit heitern Mutes, bis es endlich die Stiefmutter merkte und für seine Genesung sorgte. Als ein Teil seines väterlichen Hauses abbrannte, hörte man aus seinem Munde keine Klage und als man ihm einst den Stammbaum seiner Vorfahren zeigte, zerriß er ihn sogleich; denn ihm waren weltliche Güter und Ehren ganz gleichgültig, vielmehr wollte er im Buche des Lebens eingeschrieben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde an Philipp das zwar gemeine, aber treffende Sprichwort wahr: &amp;quot;Was eine Kessel werden will, brennt bei Zeiten;&amp;quot; denn schon frühe gab er zu erkennen, welch ein großer Diener Gottes er werden würde. Zum Jüngling herangewachsen, wurde er von seinem Vater zu seinem Oheime &#039;&#039;(Onkel)&#039;&#039;, einem sehr reichen Manne, geschickt, der aus ihm einen tüchtigen Handelsmann machen wollte; allein Philipp wollte lieber statt Geld den Himmel gewinnen und begab sich daher heimlich nach [[Rom]], wo er bei einem Edelmanne aus seiner Vaterstadt Aufnahme fand, dessen beiden Söhne er unterrichtete. Bei diesem Manne verweilte er mehrere Jahre in größter Einsamkeit. Seine Kammer war ganz ärmlich; es befanden sich nur ein Bett und einige Bücher darin; Brot war seine Speise, Wasser sein Trank; bisweilen aß er zum Brote einige Früchte. Er erzählte später, dass er als Jüngling nur zwei Gulden monatlich zu seinem Unterhalte brauchte. Ganze Nächte durchwachte er im Gebete; die übrige Zeit verwendete er auf das Studium der Wissenschaften, worin er sich vor allen Schülern auszeichnete, oder er besuchte die Kranken in den Spitälern, oder er unterrichtete unter den Vorhallen der Kirchen das niedere Volk in den Lehren des katholischen Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er ganz einsam lebte, so wurde sein Name doch bald überall bekannt und man nannte ihn auch zu Rom, wie in seiner Vaterstadt &#039;&#039;&#039;&amp;quot;den guten Philipp.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er seine Studien vollendet hatte, verkaufte er seine Bücher, schenkte das Geld den Armen und verlegte sich nun ganz und gar an das beschauliche Leben, worin er oft vierzig Stunden in einem fort verharrte. Während des Gebetes entbrannte oft sein Herz von so gewaltiger Liebe, dass er sich auf den Boden niederwarf, seine Kleider öffnete und andere Mittel anwendete, um das verzehrende Feuer in seinem Innern zu mildern. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich geißelte er sich mit eisernen Kettchen; nur einige Stunden schlief er auf hartem Boden, und wie ein Einsiedler beobachtete er immer das strengste Stillschweigen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Beinahe jede Nacht besuchte er die sieben Hauptkirchen der Stadt Rom, was einen Weg von beiläufig zwölftausend Schritten ausmacht. Während dieser Wanderung kam er auch in den unterirdischen Kirchhof von St. Sebastian. Hier bei den Gräbern der heiligen Märtyrer und ersten Christen verweilte er in dunkler Nacht ganz allein im Gebete, und wurde dabei von Gott mit einer solchen Fülle himmlischer Tröstungen begnadigt, dass er oft auf den Boden hingestreckt ausrief: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Es ist genug, o Herr! Es ist genug! Halte ein mit den Strömen deiner Gnade!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre brachte er die Nächte in den Kirchen und bei den Gräbern zu, oft fand man ihn, wenn die Kirchtüren geschlossen waren, außer denselben knieen und beim Scheine des Mondes lesen.&lt;br /&gt;
Da Satan merkte, dass der Heilige aus seinen Übungen einen so großen Gewinn zog, so suchte er ihn durch Schreckbilder davon abzuhalten. Er stellte ihm auf dem Wege halbnackte Gestalten entgegen, um böse Gedanken in ihm zu erregen, oder andere scheusliche Bilder, um ihn zur Flucht zu nötigen. Allein Philipp ging seines Weges, empfahl sich dem Schutze Gottes und die Truggestalten verschwanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Pfingstfeste, als er 29 Jahre zählte, geschah es, dass, als er seiner Gewohnheit gemäß um die Gnade des [http://ecclesiaeveritas.net/index.php/Kategorie:Heiliger_Geist heiliges Geistes] flehte, ein solch gewaltes Liebesfeuer sein Herz entzündete, dass er nicht mehr auf den Füssen stehen konnte. Er warf sich auf die Erde nieder und riß seine Kleider auf, um sich Kühlung zu verschaffen. Als er wieder aufstand, fand es sich, dass der Knorpel, welcher die Rippen der linken Seite verbindet, wo das Herz liegt, auseinander gesprungen und seine Brust über dem Herzen um die Dicke einer Faust erhöht war. - Fünfzig Jahre bis zum Tode blieb ihm dieser Zustand, und in der so erweiterten Brust empfand er von nun an, wenn er betete oder geistliche Verrichtungen machte, immer ein heftiges Herzklopfen, von dem sein ganzer Leib, ja oft der Stuhl, auf dem er saß, oder das Bett oder Zimmer, in dem er sich befand, erzitterte. Dabei wurde er von einer beständigen Liebesglut verzehrt, die oft so heftig war, dass sein Gaumen ganz austrocknete, und dass man mitten im Winter Türen und Fenster öffnen mußte. Einst ging er, schon im hohen Alter, mitten im Winter auf den mit Schnee bedeckten Strassen Roms einher mit offenen Kleidern, während seine Begleiter in Mantel gehüllt waren, und sprach scherzend zu ihnen: &amp;quot;Schämt ihr euch nicht, ihr jungen, starken Leute, vor Frost zu starren, wann Greise heiß sind!&amp;quot; Dies innere Feuer zeigte sich auch in den Augen und im Gesichte, aus denen oft Funken hervorzusprühen schienen. Als man nach seinem Tode die Brust öffnete, fand man zwei Rippen gebrochen, die Brust über Fausthoch erhöht, und das Wasser im Herzbeutel ganz verzehrt, welches die Ärzte der Inbrunst seiner Liebe zuschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher lebte er einsam nur dem Gebete und der Buße, jetzt aber trieb ihn der Geist Gottes an, auch am Heile der Seelen zu arbeiten. Er besuchte nun die Strassen, die Schulen, die Werkstätten und andere Plätze der Stadt, um Seelen für Gott zu gewinnen. Er tat dies auf eine eigene Weise. Zuerst suchte er diejenigen, welche er auf einen guten Weg leiten wollte, durch Freundlichkeit zu gewinnen; er erwies ihnen allerhand Liebesdienste und Wohltaten, ohne seine Absicht merken zu lassen. Hatte er ihr Vertrauen gewonnen, so suchte er sie zu unterrichten, zu mahnen, und nach und nach zu einem frommen Leben anzueifern. Auf solche Weise bekehrte er eine große Anzahl leichtsinniger, lauer Menschen. Er machte sich auch nach und nach an die lasterhaftesten Männer, und es gelang ihm, ihnen die Augen zu öffnen; diejenigen aber, welche ihm kein Gehör gaben, kamen gewöhnlich Übel hinweg. Manche starben jähen Todes oder fielen in großes Unglück. Der heilige [[Ignatius von Loyola|Ignatius]], welcher damals in Rom lebte, nannte daher Philipp &amp;quot;eine Glocke.&amp;quot; Denn wie die Glocke zur Kirche ruft, aber selbst im Turme hängen bleibt, so führte Philipp viele Weltmenschen zum Ordensstande, blieb aber selbst noch in der Welt. Gott hatte nämlich mit Philipp noch andere Absichten. Er sollte insbesondere der Vater der Sünder, der Armen, Kranken und Unwissenden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er am Heile der Seelen arbeitete, obwohl er noch nicht [[Priester]] war, vergaß er auch die Armen und Kranken nicht, und um dem Drange seines liebenden Herzens zu genügen, stiftete er in Verbindung mit seinem Beichtvater, einem heiligen Priester, die Bruderschaft der heiligsten Dreifaltigkeit, welche zum Zwecke hatte, die Armen, welche erst von einer Krankheit genesen waren, und Fremdlinge in ihren Häusern aufzunehmen und zu verpflegen. Anfangs hatte er fünfzehn Gefährten, welche alle Monate in einer Kirche zusammen kamen, wo sie dann das 40stündige Gebet hielten und danach Philipp eine Anrede an das zahlreiche Volk mit solchem Feuereifer hielt, dass er oft die verworfensten Menschen bekehrte. Eines Tages bekehrte er auf einmal 30 Jünglinge, welche einem ausgelassenen Leben ergeben waren, und viele, die Spaß halber kamen, um den Heiligen zu hören, wurden von seinen Worten ganz umgewandelt. Wenn die Bitttage gehalten wurden, dann kam Philipp vor lauter Eifer fast gar nicht mehr aus der Kirche, indem er immer wieder andere Mitglieder herbei rief, die mit ihm beten mußten. Wenn eine Stunde vorüber war, gab er mit der Glocke das Zeichen und sprach: &amp;quot;Wohlan Brüder, eine Stunde ist vorüber, doch nimmer die Zeit, Gutes zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wie schon gesagt, hatte die Bruderschaft den Zweck, Pilger zu beherbergen und arme Kranke nach ihrer Genesung zu verpflegen. Anfangs nahmen die Mitglieder diese Armen in ihre Häuser auf; später mietete Philipp ein Haus, wo er mit seinen Genossen nur die niedrigsten Dienste verrichtete, und da die Pilger und Kranken immer mehr wurden so kauften Wohltäter noch mehrere Häuser, und Männer, selbst aus den höchsten Ständen, ja selbst Päpste kamen und bedienten in demselben die Fremdlinge. Im Jahre 1600 wo ein feierliches Jubiläum in Rom gehalten wurde, fanden dort 270.000 Pilger Herberge und Pflege, und im Jahre 1825 nicht weniger als 273.299. Das Spital steht noch heut zu Tage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher war Philipp noch nicht im geistlichen Stande; er hielt sich der Priesterwürde nicht wert, konnte aber doch ohne dieselbe nicht so umfassend wirken; daher befahl auf Gottes Eingebung ihm sein Beichtvater, er müsse sich zum [[Priester]] weihen lassen. Der Heilige gehorchte und empfing im Alter von 36 Jahren die Priesterweihe. Nachdem er Priester geworden, zog er sich in das Haus zum heiligen [[Hieronymus]] zurück, wo damals eben sein Beichtvater und mehrere andere fromme Priester ein gemeinschaftliches Leben ohne besondere Regel führten, und am Heile der Seelen arbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was nun der Heilige von dieser Zeit bis zum letzten Hauche seines Lebens mit der Gnade Gottes Großes gewirkt, wie er gelebt und mit dem Glanze seiner Tugenden Rom und die ganze heilige katholische Kirche erleuchtet hat, das Alles läßt sich in einer Legende nicht beschreiben. Ich will dir daher, lieber Leser, zur Erbauung und Belehrung einige schöne Züge aus seinem Leben vor Augen stellen, und zwar zum Ersten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Liebe zu Gott&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hievon haben wir schon gehört; ich will daher nur noch Einiges beisetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuer der Gottesliebe, welches in seinem Inneren beständig brannte, durchdrang alle seine Glieder und blitzte ihm aus den Augen; man konnte ihn daher nicht lange anblicken, ohne geblendet zu werden, und kein Maler vermochte sein Bild zu treffen, weil keiner den Glanz seiner Augen darstellen konnte. Die Liebesglut brachte ihn öfters in Ohnmacht, so daß er oft ganze Tage im Bett zubringen mußte. Wenn er in eine Kirche eintrat, so mußte er nach einer kurzen Anbetung wieder gehen, um nicht öffentlich in Verzückung zu geraten; denn sobald er betete, kam er außer Sinnen, heftete seine Augen zum Himmel und blieb unbeweglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Liebe zu Gott entsprang die eifrigste Anbetung und das sehnsüchtige Verlangen nach dem heiligsten Altarsakramente. Ehe er Priester wurde, beichtete er täglich und ging dann zur heiligen Kommunion; zum Priester geweiht, las er, wenn er nicht krank war, täglich die heilige Messe; war er krank, so ließ er sich die heilige Kommunion an sein Bett bringen. Hatte er den Leib des Herrn mit großem Jubel empfangen, dann bedeckte er sein Gesicht mit einem Leintuche, um den Glanz desselben zu verbergen, und unterhielt sich mit Jesus lange Zeit, wobei er nichts als weinte. Die Sehnsucht nach dem Leibe des Herrn machte ihn oft krank, dagegen wurde er in seinen schweren Krankheiten durch den Empfang der heiligen Kommunion wunderbar gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn er die heilige Messe las, so war seine Andacht und Inbrunst so groß, dass er jedesmal in Verzückung geriet und er mußte sich dann Gewalt antun, dies zu verhindern, um das heilige Opfer vollbringen zu können. Oft zitterte sein ganzer Leib, ja selbst die Stufen des Altars bebten, wenn ihn die Inbrunst der Liebe ergriff. Mitten in den Meßgebeten kam er außer sich, und es mußte daher immer einer seiner Gefährten gegenwärtig sein, der ihm anzeigte, bei welchem Teile der heiligen Messe er sich befinde. Oft wurde er bei der Wandlung einen Schuh hoch emporgehoben, so daß er frei in der Luft schwebte. Bei der heiligen Kommunion war er von himmlischer Süssigkeit durchdrungen und man sah es ihm auch äußerlich an, indem es schien, als genöße er die köstlichste Speise. Nach der heiligen Messe bedeckte er sein Gesicht und verharrte einige Stunden im Gebete ganz außer sich. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, zitterte er am ganzen Leibe vor Inbrunst des Herzens, so daß die heiligen Hostien im Kelche emporsprangen, und sein Gesicht wurde wie Feuer glühend. Als er einmal einer frommen Dame die heilige Kommunion reichte, erhob sich plötzlich die heilige Hostie in die Luft, er selbst wurde öfters bei Erteilung der heiligen Kommunion in die Luft erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts erregte seine Liebe so sehr, als die Betrachtung des Leidens Christi. Beständig trug er das Bild des gekreuzigten Heilandes bei sich. Nichts wünschte er sehnlicher, als für Jesus sein Blut zu vergießen. Wenn er daher aus Nase und Mund blutete, so bat er Gott, er möge sein Blut zum Opfer annehmen und immer fließen lassen. Seine Bitte wurde erhört, denn von nun an verlor er oft so viel Blut aus Mund und Nase, dass er ganze Schüsseln anfüllte. Er war zwar nicht dem Leibe nach, aber im Herzen ein Märtyrer Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Solche Liebe hatte Philipp zu Gott; o wenn du und ich, christliche Seele, nur einen Theil dieser Liebe hätten! Woher empfing aber Philipp diese Liebe? Aus dem Gebete und der Betrachtung. Beten wir, christliche Seele, betrachten wir die unendliche Liebe Gottes im Leiden Jesu; flehen wir oft und oft um Liebe, empfangen wir nach dem Rate des heiligen Philipp recht oft die heilige Kommunion, und die Liebe wird kommen und Wohnung bei uns nehmen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Andacht zur seligsten Jungfrau Maria&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Jesus liebt und ehrt, der liebt und ehrt auch seine heilige Mutter. Alle Heiligen waren eifrige Diener der heiligen Mutter Gottes, auch Philipp. Er nannte sie nur seine liebe Mutter, seine Liebe, seinen Trost. Sein gewöhnliches, beständiges Gebet zur heiligen Jungfrau war: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich! O Jungfrau und Mutter!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem kurzen Gebete, sprach er, werde die höchste Würde der Jungfrau ausgedrückt und verkündet. Seine Schüler mußten täglich 63 mal dieses Gebet wiederholen und daraus der heiligen Jungfrau eine Krone flechten. Seine Beichtkinder und besonders jene, welche gegen die heilige Reinigkeit versucht wurden, lehrte er dieses Gebet verrichten, empfahl es ihnen und sie erfuhren jedesmal wunderbare Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Christliche Seele, bete auch du dieses kleine Gebet recht oft, und du wirst bald wunderbare Wirkungen empfinden!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp behauptete von sich selbst, dass er von Maria unzählbare Wohltaten empfangen und besonders gegen die Anfälle des Teufels wunderbare Hilfe erhalten habe. Die heilige Maria erschien ihm öfters; einige Zeit vor seinem Tode machte sie ihn auf der Stelle gesund; auch andern erlangte er durch ihre Fürbitte die Gesundheit und Hilfe in ihren Nöten. Einer seiner geliebtesten Jünger, der fromme und gelehrte Cäsar Baronius, wurde zum Tode krank. Da rief der heilige Philippus mit heißter Inbrunst zu Jesus: &amp;quot;Ich bitte, ich will, daß Cäsar gesund werde.&amp;quot; Sein Gebet aber war vergeblich; da wandte sich der Heilige zu Maria und sein Flehen wurde durch ihre Fürbitte erhört; Cäsar wurde auf der Stelle gesund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen solcher Gunstbezeugungen, die ihm Maria erwies, schärfte er daher seinen Schülern und Beichtkindern beständig ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Meine Kinder! Ehret die Mutter Gottes, liebet Maria!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willst du nicht auch Maria, die liebe, süße, gütige Frau und Mutter ehren und lieben? Ach, wie unglücklich wärest du, wenn du Maria nicht liebtest; du kannst ohne sie nicht Jesus lieben und wirst nicht selig werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp jungfräuliche Reinigkeit&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Jugend auf hatte er seine jungfräuliche Reinigkeit unverletzt bewahrt, doch nicht ohne harte Kämpfe gegen das Fleisch. Er hatte schon als Knabe den Entschluß gefaßt, diese Tugend auf das Sorgfältigste zu bewahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hielt er sich immer in Furcht und Mißtrauen auf sich selbst. Niemals entblößte er einen Teil des Körpers ohne dringende Notwendigkeit, und nie sprach er ein Wort, dass nicht die zarteste Reinigkeit atmete. Weiblichen Personen blickte er nie in das Gesicht. Eine Frauensperson von ausgezeichneter Schönheit, welche dreißig Jahre sein Beichtkind war, bezeugte mit einem Eid, dass der Heilige sie niemals angeblickt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb wollte er auch Frauenspersonen nicht gerne Beicht hören, behandelte sie strenge und hörte ihre Beicht nur durch ein Gitter und mit abgewendetem Gesichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sorgfältig er aber die Reinheit hütete, hatte er doch die heftigsten Versuchungen auszustehen, und aus der Art und Weise, wie er sie überwunden, kannst du, christliche Seele, entnehmen, wie du auch siegen mögest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Wohlgestalt wollten ihn einst in seinem achtzehnten Jahre sittenlose Menschen zu etwas sündhaftem verleiten. Er konnte ihnen nicht ausweichen und nicht entfliehen; da kam ihm der Gedanke, ob nicht vielleicht das Wort Gottes die Herzen dieser Buben erweiche. Er redete daher mit ihnen von göttlichen Dingen und von der Abscheulichkeit der Sünde, und siehe da, die Bösewichter gaben ihr Vorhaben auf und bekehrten sich sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einstmals sperrten ihn gottlose Jünglinge in ein Zimmer mit zwei schlechten Weibspersonen ein. Da warf sich der heilige Jüngling auf die Erde, rief mit rührenden Worten zum Herrn und als dies die Dirnen sahen und hörten, getrauten sie sich nicht einmal, ihn anzusehen, und zogen sich in einen Winkel des Zimmers zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er schon Priester war, stellte sich eine unverschämte Dirne krank und ließ Philipp rufen. Dieser, nichts Böses ahnend, kam. Aber auf der Stiege trat ihm schon das gottlose Weib, nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, entgegen, um ihn zur Sünde zu verleiten. Er aber bezeichnete sich mit dem Kreuze, wendete sich sogleich um und entfloh. Wütend hierüber warf ihm die Dirne einen Schemmel nach, er aber kam unverletzt an Leib und Seele davon und von dieser Stunde an fühlte er nicht mehr die geringste unreine Regung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese hohe Reinigkeit glänzte ihm auch im Gesichte, das wie das eines Engels erschien, und aus seinem Leibe strömte ein überaus lieblicher Geruch hevor, wodurch viele zur heiligen Andacht entflammt wurden. Gott verlieh ihm auch die Gabe, die Keuschheit an Andern durch den Wohlgeruch und die Unlauterkeit durch den Gestank, der von ihnen ausging, zu erkennen. Wenn er daher einem Menschen, der mit dem Laster der Unlauterkeit behaftet war, begegnete, hielt er sich mit einem Schnupftuche die Nase zu. Kam ein unreiner Mensch zu ihm, so rief ihm der Diener Gottes, ohne ihn zu kennen, sogleich zu: &amp;quot;Du stinkst, mein Sohn!&amp;quot; oder: &amp;quot;Mein Sohn, ich rieche deine Sünden!&amp;quot; Er behauptete auch, es gebe nichts Lästigeres und Abscheulicheres, als den Gestank dieses Lasters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, christliche Seele! Bedenke, wie abscheulich muss die Unreinigkeit erst Gott, der seligsten Jungfrau, dem heiligen Schutzengel vorkommen!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des heiligen Philipp Reinigkeit hatte auch einen großen Einfluß auf andere Menschen und besonders auf die unreinen Geister. Unzählige wurden durch die Auflegung seiner Hände und durch seine Umarmung von unreinen Versuchungen befreit; Mehrere dadurch zur Bewahrung der jungfräulichen Keuschheit angeregt. Sogar sein Name diente dazu, die unreinen Geister zu vertreiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel, welche der Heilige jungen Personen vorschrieb, um keusch zu leben, waren folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie sollten sich ganz besonders hüten, mit schlechten Menschen Umgang zu pflegen, &lt;br /&gt;
* ihren Leib nicht zärtlich behandeln, &lt;br /&gt;
* niemals müssig gehen, &lt;br /&gt;
* fleißig beten, &lt;br /&gt;
* die heiligen Sakramente der Buße und des Altars öfters empfangen; &lt;br /&gt;
* über den Fall Anderer Mitleid haben; &lt;br /&gt;
* nie darüber zürnen oder urteilen, denn sonst falle man gewiß in denselben Fehler; &lt;br /&gt;
* alle bösen Gedanken frei und offenherzig dem Beichtvater entdecken, &lt;br /&gt;
* sich einen erfahrnen Beichtvater wählen und demselben gewöhnlich beichten;&lt;br /&gt;
* beim ersten Anfall sogleich zu Gott um Hilfe rufen;&lt;br /&gt;
* die seligste Jungfrau ganz besonders verehren und anrufen; &lt;br /&gt;
* sich hüten, Kinder zu umarmen und zu küssen, &lt;br /&gt;
* mit Tieren zu scherzen und &lt;br /&gt;
* ganz besonders zu fliehen, denn &amp;quot;in diesem Kampfe, pflegte er zu sagen, siegen nur die Furchtsamen und die Feigen!&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Willst du diese Mittel anwenden, christliche Seele?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp tiefe Demut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehren und Würden verachtete er aus tiefstem Herzensgrunde. Zwei Päpste übertrugen ihm die Kardinalswürde und andere hohe Stellen; er aber schlug sie jedesmal aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verlangte nichts anderes als Gottes Wohlgefallen und den Himmel. Einige Monate vor seinem Tode sprach er mit dem Bruder Bernardin, einem Manne von großer Einfalt: &amp;quot;Bernardin, der Papst hat mir den Kardinalshut zugedacht, was meinst du dazu?&amp;quot; Der Bruder erwiderte: &amp;quot;Ich meinte, man dürfte diese Würde nicht zurückweisen, wenigstens um unserer Gesellschaft aufzuhelfen.&amp;quot; Der Heilige hob nun sein Birett in die Höhe und sagte mit zum Himmel gerichteten Augen: &amp;quot;Bernardin, das Paradies, das Paradies!&amp;quot; Dieser aber entgegnete mit Einfalt: &amp;quot;Verzeihet Vater, daran habe ich nicht gedacht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige wollte sogar jene Ehren und Würden nicht annehmen, die ihm als Stifter seiner Versammlung zugehörten. Deshalb ließ er sich nie anders als &amp;quot;Pater&amp;quot;, &amp;quot;Vater&amp;quot; nennen; deshalb nannte er sich im höchsten Ernste den schlechtesten Menschen, weil er im Lichte Gottes die Armseligkeit und das Elend des Menschen erkannte. Wenn er sah, dass Jemand ein schweres Verbrechen beging, dann rief er aus: &amp;quot;O hätte ich nichts Schlimmeres getan!&amp;quot; Täglich machte er bei der heiligen Messe, wenn er die heilige Hostie in der Hand hielt, die Beteuerung: &amp;quot;Herr, du mußt dich heute vor mir hüten, denn ich werde dich verraten und alles Böse vollbringen.&amp;quot; Ein andersmal sagte er: &amp;quot;Die Seitenwunde Christi ist zwar groß, wenn mich aber nicht Gott selbst leitet, so werde ich sie gewiß noch größer machen.&amp;quot; Wenn er beichtete, vergoß er immer die hellsten Tränen, und wenn er junge Leute sah, rief er aus: &amp;quot;Ich verzweifle an mir,&amp;quot; und als man ihn deswegen fragte, antwortete er: &amp;quot;Ich verzweifle an mir allerdings, doch hoffe ich auf Gott.&amp;quot; Als ihn eines Tages eine Frau einen Heiligen nannte, entgegnete er zornig: &amp;quot;..... dich, ich bin ein Teufel und kein Heiliger.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er konnte nie leiden, wenn man ihn ehrte, und wenn Jemand ihn lobte, dann rief er aus: &amp;quot;O ich Armseliger! Wie viele Bauern und arme Mädchen werden mir im Himmel vorgehen!&amp;quot; Dagegen, wenn man ihn verachtete oder gering schätzte, hatte er die größte Freude. Wie der heilige Apostel Johannes seinen Jüngern immer zugerufen: &amp;quot;Kindlein, liebet einander,&amp;quot; so rief der Heilige den Seinigen immer zu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Seid demütig, trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet es mit den Niedrigen,&amp;quot; und fasste dann alle seine Belehrungen über die Demut in diese Worte zusammen: &amp;quot;Die Welt verachten, keinen Menschen verachten, sich selbst verachten und verachten sich verachtet zu sehen,&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diese vier Dinge seien zur vollkommenen Demut notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies übte der Heilige aus, dies wollen auch wir, ich und du lieber Leser, ausüben; denn ohne demütigen Kindersinn werden wir nicht selig!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Arbeiten und Sorgen für seine Nebenmenschen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast schon gelesen, wie der Heilige aus Liebe zu den Armen und Kranken eine Bruderschaft stiftete und unermüdet dieselben pflegte, und wie er auch in der Kirche des heiligen Erlösers zu Rom mit seinen Freunden Versammlungen hielt und das niedere Volk unterrichtete. Nachdem er aber Priester geworden war, kannte sein Eifer für das Heil der Seelen keine Grenzen mehr. Vor allem verwendete er auf Befehl seiner Obern seine ganze Zeit und Kraft auf den Beichtstuhl. Man darf sagen, dass er Tag und Nacht, selbst wenn er krank war, die Beichten der reumütigen Sünder hörte, die zahlreich zu ihm eilten, um durch ihn Frieden mit Gott und mit sich zu erhalten. Er wartete auf die Sünder neben seinem Beichtstuhl und zu jeder Stunde nahm er sie liebevoll auf. Mit welcher Sanftmut und Liebe er aber die armen Sünder behandelte, wie er sie tröstete, aufrichtete, belehrte, vor dem Rückfall bewahrte, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Gerade mit den Rohesten, Unwissendsten und Lasterhaftesten hatte er das größte Mitleid, und wenn er nur mit ihnen redete, so konnten sie seinen Worten nicht wiederstehen. Einst kam ein sehr ausgelassener Jüngling zu ihm, der immer ganz verstockt dahin lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bat ihn, dass er nur täglich siebenmal das Salve Regina bete, dann bei jedem Falle in die Sünde sogleich den Erdboden küsste und zu sich selbst sage: &amp;quot;Morgen werde ich vielleicht sterben.&amp;quot; Der Jüngling tat es und in kurzer Zeit bekehrte er sich vollständig, lebte noch 14 Jahre bußfertig und starb eines seligen Todes. Ein arger Gewohnheitssünder legte seine Beicht bei dem Heiligen ab; dieser aber legte ihm als Buße nichts anderes auf, als daß er nach jedem Falle sogleich wieder zur Beicht komme. Dieser gehorchte und führte bald ein völlig keusches Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehst du, christliche Seele, was die öftere Beicht vermag! Daher denn auch der Heilige ganz besonders zum öfteren Empfange der heiligen Sakramente ermahnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige erwartete aber die Sünder nicht bloß im Beichtstuhle, sondern er suchte sie sogar selbst auf, hielt ihnen die strengen Gerichte Gottes vor und suchte sie dann mit himmlisch sanften Worten für Gott zu gewinnen. Seine Zelle stand jedermann offen, den Armen und Reichen, jede Stunde des Tages. Einige derselben kamen täglich zu ihm, Andere zweimal des Tages und dies 30 bis 40 Jahre lang; alle nahm er mit Liebe auf. Eines Tages wollte einer seiner Schüler Jemand, der zu ungelegener Zeit kam, nicht einlassen. Als dies der Heilige bemerkte, sprach er tadelnd: &amp;quot;Habe ich es dir nicht gesagt, daß man meinethalben nicht Zeit noch Stunde berücksichtigen darf!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders hatte es der Heilige auf die Jugend abgesehen, weil diese so leicht zu verführen ist. Er wußte die jungen Leute an sich zu ziehen, ging mit ihnen spazieren, wohnte ihren Spielen bei, ließ ihnen ein Mahl bereiten und ermunterte sie zur Heiterkeit. Hatte er so ihr Zutrauen, dann unterredete er sich mit ihnen über göttliche Dinge, stellte ihnen das fromme Leben lebhaft vor Augen und gewann sie für Jesus. Wie klug er es anzustellen wußte, junge Leute für Gott zu gewinnen, davon nur ein Beispiel: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein junger Mann, mit Namen Franz Jazzera, hing noch sehr an der Welt. Einst besuchte dieser den Heiligen und sprach mit ihm von seinen guten Aussichten in der Welt. Der Heilige entgegnete ihm: &amp;quot;Ja, mein Sohn, du wirst ein großes Glück machen; du wirst ein Advokat, dann Prälat, sodann Kardinal und vielleicht wer weiß, auch Papst werden; aber dann? aber dann? Gehe und überdenke diese Worte.&amp;quot; Franz ging nach Hause, immer klangen ihm die Worte in den Ohren: &amp;quot;und dann?&amp;quot; Er verstand den Heiligen, verließ nun die Welt und trat in die Genossenschaft des Heiligen. Zur Fastnachtzeit, wo der Teufel seine Schlingen gewöhnlich auswirft, um die jungen Leute zu fangen, führte er seine Jünglinge unter Musik und Gesang in die selben Hauptkirchen. Er ließ sie, schon im hohen Alter, neben seinem Zimmer Ball spielen. Die Hausgenossen verwiesen ihnen einst den Lärm, welchen sie dabei machten! Kaum hatte der Heilige davon gehört, sprach er zu ihnen: &amp;quot;Laßt euch nicht schrecken, Kinder! Spielet nur fort und seid fröhlich, ich verlange von euch nichts anders, als daß ihr nicht sündiget.&amp;quot; Ein Andersmal sagte er: &amp;quot;O wenn sie nur nicht sündigen, so mögen sie auf meinem Rücken Holz hacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbeschreiblich ist aber, was der Heilige durch die Stiftung seiner Kongregation oder Versammlung geleistet hat. Als er nämlich Priester geworden war und schon früher, wo er in der Kirche des Erlösers die Bruderschaftsversammlungen hielt, gesellten sich zu ihm viele fromme Männer, unter denen sogar berühmte Gelehrte waren, mit denen er täglich in einer Kapelle, &amp;quot;Oratorium&amp;quot; genannt, geistliche Unterredungen hielt, um sie zur Vollkommenheit anzueifern. Wie der Heilige, so suchten auch diese jungen Männer das Volk zu belehren, die Armen und Kranken zu unterstützen und zu pflegen, und die Sünder zu retten. Von der Kapelle oder dem Oratorium, wo sie sich täglich versammelten, erhielten sie den Namen Oratorianer. Sie beteten miteinander, empfingen mit aller Erbauung recht oft die heiligen Sakramente, machten in der Stadt zu den Hauptkirchen nächtliche Wallfahrten und diejenigen, welche Priester waren, saßen untermüdet im Beichtstuhl, hielten Christenlehren oder predigten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz großer Anfeindungen und Verfolgungen, die der Heilige deswegen auszustehen hatte, wurde die Zahl der Jünger immer größer, und es mußte endlich ein eigenes Haus gebaut und eine gemeinschaftliche Regel festgesetzt werden, welche Papst Gregor XIII. auch bestätigte. Der Heilige wurde Vorsteher der Versammlung und leuchtete allen durch sein Beispiel voran. &lt;br /&gt;
Er hatte dies Werk ganz der Verherrlichung Gottes geweiht und es wuchs zu einem herrlichen Baume heran, der die schönsten Früchte für Himmel und Erde hervorbrachte. Noch heut zu Tage ruht der sichtbare Segen Gottes auf dieser Stiftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es konnte nicht fehlen, daß der Heilige bei seinen fortdauernden angestrengten Arbeiten und seinen harten Abtödtungen öfters krank wurde. Öfters mußte man ihm die Sterbesakramente reichen. Niemals aber sprach er von seinen Schmerzen; ja wenn es ihm nicht ausdrücklich verboten war, hörte er sogar todkrank die Beichten seiner Schüler und sobald er das Bett wieder verlassen konnte, las er wieder die heilige Messe und ging in den Beichtstuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Ende seines irdischen Lebens&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen letzten Jahren wurde er von einem heftigen Fieber befallen, so daß man an seinem Aufkommen zweifelte. Da erhielt er plötzlich auf wunderbare Weise die Gesundheit wieder. Vier Ärzte hatten ihm bereits das Leben abgesagt und warteten in einem nahen Zimmer auf seinen Tod. Da rief auf einmal der Heilige aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O meine hochheilige Gebieterin! O du Schönste und Lieblichste, o meine gebenedeite Gebieterin!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärzte und einige der Seinigen, welche ihn rufen hörten, eilten herbei und fanden ihn schwebend in der Luft über seinem Bette, die Hände bald ausstreckend, bald zurückziehend, wie Jemand, der Etwas an sein Herz drückt und dabei rief er immer: &amp;quot;O meine Gebieterin, was habe ich denn getan, daß du dich würdigest, zu mir zu kommen?&amp;quot; Darauf sprach er noch ganz von Sinnen zu den Ärzten: &amp;quot;Habt ihr die seligste Jungfrau gesehen, welche zu mir gekommen ist, und mich von allen Schmerzen befreit hat?&amp;quot; Als er wieder zu sich kam und die Umstehenden bemerkte, weinte er, sein Angesicht in das Bett verhüllt, lange Zeit und darnach legte er allen ein unverbrüchliches Stillschweigen auf.  Am anderen Morgen stand er gesund vom Bette auf und las die heilige Messe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich, nachdem er ungeachtet seines schwächlichen Körpers seiner vielen Arbeiten und Krankheiten ein hohes Alter erlangt hatte, nahte sich seine Sterbestunde. Sein geliebter Cäsar Baronius erteilte ihm die letzte Ölung und der Kardinal Friedrich Borrmäus, sein innigster Freund, brachte ihm das heilige Abendmahl. Kaum hatte der Kardinal mit dem Allerheiligsten das Zimmer betreten, da öffnete der todkranke Heilige die Augen und rief mit größter Innigkeit weinend aus: &amp;quot;Siehe da, meine Liebe, sieh meine Liebe: Sieh mein Gut! Gebt mir meine Liebe!&amp;quot; Alle Gegenwärtigen zerflossen in Tränen. Als der Kardinal die Worte sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O Herr, ich bin nicht würdig, und niemals war ich würdig; ich habe nichts Gutes getan!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihm dann die heilige Hostie gereicht wurde, sprach er: &amp;quot;Komm, Herr, komme!&amp;quot; Nachdem alles vorüber war, fügte er bei: &amp;quot;Nun habe ich den wahren Seelenarzt empfangen: O Eitelkeit der Eitelkeit, alles ist Eitelkeit! Wer etwas Anderes sucht als Christus, der weiß wahrlich nicht, was er sucht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwölf Tage vor seinem Tode sagte er zu Einem der Seinigen: &amp;quot;Mein Sohn! Wisse, nach wenigen Tagen werde ich sterben und zwar wird dies wider alles Erwarten geschehen; mein Tod wird zwischen Tag und Nacht eintreffen.&amp;quot; Zehn Tage vorher fragte er einen Laienbruder: &amp;quot;Wie viele Tage des Monats vorüber seien?&amp;quot; &amp;quot;Fünfzehn&amp;quot;, antwortet dieser. &amp;quot;Fünfzehn, sprach Philipp, und noch zehn dazu, dann werde ich alsbald von hinnen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25.Mai, an welchem damals das heiligste Fronleichnamsfest fiel, befahl der Heilige, man solle Alle, welche bei ihm beichten wollten, hereinlassen. So hörte er vom frühesten Morgen an die Beichten und mehreren der Seinigen gab er zur Buße auf, daß sie nach seinem Tode einen Rosenkranz für ihn beten sollten. Nach Anhörung der Beichten betete er sein Brevier und las dann in der Hauskapelle die heilige Messe mit besonderer Andacht. Das Gloria in excelsis sang er mit lauter, heller Stimme, jubelnd im Geiste wie ein Engel. Nach der heiligen Messe reichte er mehreren die heilige Kommunion und machte dann seine Danksagung, darauf hörte er wieder Beicht. Beim Mittagsmahle aß er etwas Weniges und führte ein geistliches Gespräch mit seinen Freunden auf die lieblichste Weise. Nachmittag ließ er sich die Lebensgeschichte des heiligen Bernardin von Siena vorlesen, betete dann mit einigen die Tagzeiten, hörte noch einige Beicht und erteilte dann allen Hausgenossen den Segen. Niemand dachte an seinen Tod, obwohl der Heilige ihn bestimmt an diesem Tage vorausgesagt hatte. Um 9 Uhr legte er sich zu Bette und entließ dann Alle mit den Worten: &amp;quot;Man muß endlich doch sterben.&amp;quot; Nach 11 Uhr Nachts stieg er aus dem Bette und ging im Zimmer herum. Von seinen Schritten aufgeweckt, eilte Pater Antonius herbei und fragte den Heiligen, der schon wieder im Bette lag, wie er sich befinde. Er erwiederte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Antonius, ich gehe.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun rief dieser alle Brüder herbei, denn schon war der Todeskampf eingetreten. Die Augen zum Himmel erhoben, segnete er sie nochmal Alle, neigte sein Haupt und gab dann sanft im Herrn seinen Geist auf am 26. Mai nicht ganz achtzig Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in seinem Leben, so verherrlichte ihn Gott auch im Grabe durch viele Wunder und noch heut zu Tage ist sein Name in der Stadt Rom in aller Munde, gesegnet von Tausenden, die durch ihn und seine heilige Versammlung für Jesus gewonnen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Darstellung des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp Neri wird abgebildet, wie er in einem roten Meßgewande die heilige Messe ließt, neben sich die heilige [[Gottesmutter Maria|Gottesmutter]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Neri Schußgebetlein, die er seine Beichtkinder lehrte&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp war ein Heiliger der Liebe; alle Menschen wollte er zu dieser heiligen Liebe entflammen, denn sie ist die Mutter aller Tugenden. Daher lehrte er seine Schüler und besonders seine Beichtkinder kurze Gebete, Pfeil- oder Schußgebetlein genannt, um dadurch in steter Liebesvereinigung mit Gott zu verharren. Sie sollten nämlich diese Gebetlein recht oft sprechen, um so ihr Herz immer zu erheben. Diese Gebetlein sind folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr, verbirg dich nicht vor mir! &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott, merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, du bist mein Jesus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann werde ich dich mit kindlicher Liebe lieben! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, beschütze uns vor dem Feinde und nimm uns auf in der Todesstunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe dich, o mein Jesus, noch nicht erkannt, weil ich dich noch nicht gesucht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll ich tun, wenn du, mein Jesus, mir nicht hilfst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verleihe mir, o Jesus, daß ich dir diene, nicht aus Furcht, sondern aus Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal endlich will ich dich lieben, o Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir selbst mißtraue ich, dir vertraue ich, o mein Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Jesus, wenn ich doch dich und mich erkennete! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde dich, o Jesu, nie lieben, wenn du mir nicht hilfst! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich falle, o mein Jesus, wenn du mir nicht hilfst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimm Alles hinweg, o mein Jesus, was mich hindert, dich zu besitzen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiligste Jungfrau, meine Gebieterin, gib, daß ich immer an dich denke!!&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884 nach FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Philipp_Neri&amp;diff=18460</id>
		<title>Philipp Neri</title>
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		<updated>2011-08-15T18:50:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Des heiligen Philipp Arbeiten und Sorgen für seine Nebenmenschen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:PhilippNeri.jpg|right|thumb|300px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der heilige Philipp Neri, Ordensstifter&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1595&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[26. Mai]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Vorwort&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verdient die heilige [[Magdalena von Pazzi]]s den Namen &amp;quot;Mutter der [[Liebe]]&amp;quot; wegen ihrer unaussprechlichen Liebe zu [[Jesus Christus|Jesus]], so kann man mit Recht den heiligen Philipp Neri &amp;quot;den Vater der Liebe&amp;quot; nennen; denn es wird wenige Heilige geben, welche eine so gewaltige Liebe Gottes und des [[Naechstenliebe|Nächsten]] in ihrem Herzen getragen wie dieser heilige Diener Gottes. Merkwürdig ist, dass diese beiden liebenden Seelen die nämliche Stadt zum Geburtsorte hatten. Auch der heilige Philipp wurde zu Florenz geboren, wo sein Vater Franz Neri Advokat gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Aus dem Leben des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie fromm er schon als Knabe gelebt, davon nur einige Beispiele. - Er hatte frühzeitig seine leibliche Mutter verloren, die er zärtlich liebte und kindlich ehrte. Die gleiche Liebe aber und Ehrfucht hegte er auch gegen seine Stiefmutter; er war ihr pünktlich gehorsam und tat ihr Alles, was er ihren Augen absehen konnte. Als er von Florenz abreiste, beweinte sie daher seinen Verlust lange Zeit und sie konnte ihn nimmer vergessen. Das [[Gebet]], das Studium und die Anhörung des Wortes Gottes waren seine liebsten Beschäftigungen. Schon damals erhielt er Alles, was er im Gebete von Gott verlangte. Eines Tages verlor er beim Nachhausegehen eine goldene Kette, welche er zufällig in den Händen trug. Sogleich fing er zu beten an und bald hatte er die Kette wieder gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr häufig besuchte er die Dominikanerkirche seiner Vaterstadt und zwei fromme Väter des Klosters, welche ihn sehr liebten und zu allem Guten anleiteten. Durch Wort und Beispiel dieser Männer angefeuert, suchte er getreu in die Fußstapfen Jesu zu treten, und verlangte für ihn Alles zu leiden. Einst ergriff ihn ein heftiges Fieber; aber ohne sich nur im Geringsten etwas merken zu lassen, ertrug er die Schmerzen dieser Krankheit heitern Mutes, bis es endlich die Stiefmutter merkte und für seine Genesung sorgte. Als ein Teil seines väterlichen Hauses abbrannte, hörte man aus seinem Munde keine Klage und als man ihm einst den Stammbaum seiner Vorfahren zeigte, zerriß er ihn sogleich; denn ihm waren weltliche Güter und Ehren ganz gleichgültig, vielmehr wollte er im Buche des Lebens eingeschrieben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde an Philipp das zwar gemeine, aber treffende Sprichwort wahr: &amp;quot;Was eine Kessel werden will, brennt bei Zeiten;&amp;quot; denn schon frühe gab er zu erkennen, welch ein großer Diener Gottes er werden würde. Zum Jüngling herangewachsen, wurde er von seinem Vater zu seinem Oheime &#039;&#039;(Onkel)&#039;&#039;, einem sehr reichen Manne, geschickt, der aus ihm einen tüchtigen Handelsmann machen wollte; allein Philipp wollte lieber statt Geld den Himmel gewinnen und begab sich daher heimlich nach [[Rom]], wo er bei einem Edelmanne aus seiner Vaterstadt Aufnahme fand, dessen beiden Söhne er unterrichtete. Bei diesem Manne verweilte er mehrere Jahre in größter Einsamkeit. Seine Kammer war ganz ärmlich; es befanden sich nur ein Bett und einige Bücher darin; Brot war seine Speise, Wasser sein Trank; bisweilen aß er zum Brote einige Früchte. Er erzählte später, dass er als Jüngling nur zwei Gulden monatlich zu seinem Unterhalte brauchte. Ganze Nächte durchwachte er im Gebete; die übrige Zeit verwendete er auf das Studium der Wissenschaften, worin er sich vor allen Schülern auszeichnete, oder er besuchte die Kranken in den Spitälern, oder er unterrichtete unter den Vorhallen der Kirchen das niedere Volk in den Lehren des katholischen Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er ganz einsam lebte, so wurde sein Name doch bald überall bekannt und man nannte ihn auch zu Rom, wie in seiner Vaterstadt &#039;&#039;&#039;&amp;quot;den guten Philipp.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er seine Studien vollendet hatte, verkaufte er seine Bücher, schenkte das Geld den Armen und verlegte sich nun ganz und gar an das beschauliche Leben, worin er oft vierzig Stunden in einem fort verharrte. Während des Gebetes entbrannte oft sein Herz von so gewaltiger Liebe, dass er sich auf den Boden niederwarf, seine Kleider öffnete und andere Mittel anwendete, um das verzehrende Feuer in seinem Innern zu mildern. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich geißelte er sich mit eisernen Kettchen; nur einige Stunden schlief er auf hartem Boden, und wie ein Einsiedler beobachtete er immer das strengste Stillschweigen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Beinahe jede Nacht besuchte er die sieben Hauptkirchen der Stadt Rom, was einen Weg von beiläufig zwölftausend Schritten ausmacht. Während dieser Wanderung kam er auch in den unterirdischen Kirchhof von St. Sebastian. Hier bei den Gräbern der heiligen Märtyrer und ersten Christen verweilte er in dunkler Nacht ganz allein im Gebete, und wurde dabei von Gott mit einer solchen Fülle himmlischer Tröstungen begnadigt, dass er oft auf den Boden hingestreckt ausrief: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Es ist genug, o Herr! Es ist genug! Halte ein mit den Strömen deiner Gnade!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre brachte er die Nächte in den Kirchen und bei den Gräbern zu, oft fand man ihn, wenn die Kirchtüren geschlossen waren, außer denselben knieen und beim Scheine des Mondes lesen.&lt;br /&gt;
Da Satan merkte, dass der Heilige aus seinen Übungen einen so großen Gewinn zog, so suchte er ihn durch Schreckbilder davon abzuhalten. Er stellte ihm auf dem Wege halbnackte Gestalten entgegen, um böse Gedanken in ihm zu erregen, oder andere scheusliche Bilder, um ihn zur Flucht zu nötigen. Allein Philipp ging seines Weges, empfahl sich dem Schutze Gottes und die Truggestalten verschwanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Pfingstfeste, als er 29 Jahre zählte, geschah es, dass, als er seiner Gewohnheit gemäß um die Gnade des [http://ecclesiaeveritas.net/index.php/Kategorie:Heiliger_Geist heiliges Geistes] flehte, ein solch gewaltes Liebesfeuer sein Herz entzündete, dass er nicht mehr auf den Füssen stehen konnte. Er warf sich auf die Erde nieder und riß seine Kleider auf, um sich Kühlung zu verschaffen. Als er wieder aufstand, fand es sich, dass der Knorpel, welcher die Rippen der linken Seite verbindet, wo das Herz liegt, auseinander gesprungen und seine Brust über dem Herzen um die Dicke einer Faust erhöht war. - Fünfzig Jahre bis zum Tode blieb ihm dieser Zustand, und in der so erweiterten Brust empfand er von nun an, wenn er betete oder geistliche Verrichtungen machte, immer ein heftiges Herzklopfen, von dem sein ganzer Leib, ja oft der Stuhl, auf dem er saß, oder das Bett oder Zimmer, in dem er sich befand, erzitterte. Dabei wurde er von einer beständigen Liebesglut verzehrt, die oft so heftig war, dass sein Gaumen ganz austrocknete, und dass man mitten im Winter Türen und Fenster öffnen mußte. Einst ging er, schon im hohen Alter, mitten im Winter auf den mit Schnee bedeckten Strassen Roms einher mit offenen Kleidern, während seine Begleiter in Mantel gehüllt waren, und sprach scherzend zu ihnen: &amp;quot;Schämt ihr euch nicht, ihr jungen, starken Leute, vor Frost zu starren, wann Greise heiß sind!&amp;quot; Dies innere Feuer zeigte sich auch in den Augen und im Gesichte, aus denen oft Funken hervorzusprühen schienen. Als man nach seinem Tode die Brust öffnete, fand man zwei Rippen gebrochen, die Brust über Fausthoch erhöht, und das Wasser im Herzbeutel ganz verzehrt, welches die Ärzte der Inbrunst seiner Liebe zuschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher lebte er einsam nur dem Gebete und der Buße, jetzt aber trieb ihn der Geist Gottes an, auch am Heile der Seelen zu arbeiten. Er besuchte nun die Strassen, die Schulen, die Werkstätten und andere Plätze der Stadt, um Seelen für Gott zu gewinnen. Er tat dies auf eine eigene Weise. Zuerst suchte er diejenigen, welche er auf einen guten Weg leiten wollte, durch Freundlichkeit zu gewinnen; er erwies ihnen allerhand Liebesdienste und Wohltaten, ohne seine Absicht merken zu lassen. Hatte er ihr Vertrauen gewonnen, so suchte er sie zu unterrichten, zu mahnen, und nach und nach zu einem frommen Leben anzueifern. Auf solche Weise bekehrte er eine große Anzahl leichtsinniger, lauer Menschen. Er machte sich auch nach und nach an die lasterhaftesten Männer, und es gelang ihm, ihnen die Augen zu öffnen; diejenigen aber, welche ihm kein Gehör gaben, kamen gewöhnlich Übel hinweg. Manche starben jähen Todes oder fielen in großes Unglück. Der heilige [[Ignatius von Loyola|Ignatius]], welcher damals in Rom lebte, nannte daher Philipp &amp;quot;eine Glocke.&amp;quot; Denn wie die Glocke zur Kirche ruft, aber selbst im Turme hängen bleibt, so führte Philipp viele Weltmenschen zum Ordensstande, blieb aber selbst noch in der Welt. Gott hatte nämlich mit Philipp noch andere Absichten. Er sollte insbesondere der Vater der Sünder, der Armen, Kranken und Unwissenden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er am Heile der Seelen arbeitete, obwohl er noch nicht [[Priester]] war, vergaß er auch die Armen und Kranken nicht, und um dem Drange seines liebenden Herzens zu genügen, stiftete er in Verbindung mit seinem Beichtvater, einem heiligen Priester, die Bruderschaft der heiligsten Dreifaltigkeit, welche zum Zwecke hatte, die Armen, welche erst von einer Krankheit genesen waren, und Fremdlinge in ihren Häusern aufzunehmen und zu verpflegen. Anfangs hatte er fünfzehn Gefährten, welche alle Monate in einer Kirche zusammen kamen, wo sie dann das 40stündige Gebet hielten und danach Philipp eine Anrede an das zahlreiche Volk mit solchem Feuereifer hielt, dass er oft die verworfensten Menschen bekehrte. Eines Tages bekehrte er auf einmal 30 Jünglinge, welche einem ausgelassenen Leben ergeben waren, und viele, die Spaß halber kamen, um den Heiligen zu hören, wurden von seinen Worten ganz umgewandelt. Wenn die Bitttage gehalten wurden, dann kam Philipp vor lauter Eifer fast gar nicht mehr aus der Kirche, indem er immer wieder andere Mitglieder herbei rief, die mit ihm beten mußten. Wenn eine Stunde vorüber war, gab er mit der Glocke das Zeichen und sprach: &amp;quot;Wohlan Brüder, eine Stunde ist vorüber, doch nimmer die Zeit, Gutes zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wie schon gesagt, hatte die Bruderschaft den Zweck, Pilger zu beherbergen und arme Kranke nach ihrer Genesung zu verpflegen. Anfangs nahmen die Mitglieder diese Armen in ihre Häuser auf; später mietete Philipp ein Haus, wo er mit seinen Genossen nur die niedrigsten Dienste verrichtete, und da die Pilger und Kranken immer mehr wurden so kauften Wohltäter noch mehrere Häuser, und Männer, selbst aus den höchsten Ständen, ja selbst Päpste kamen und bedienten in demselben die Fremdlinge. Im Jahre 1600 wo ein feierliches Jubiläum in Rom gehalten wurde, fanden dort 270.000 Pilger Herberge und Pflege, und im Jahre 1825 nicht weniger als 273.299. Das Spital steht noch heut zu Tage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher war Philipp noch nicht im geistlichen Stande; er hielt sich der Priesterwürde nicht wert, konnte aber doch ohne dieselbe nicht so umfassend wirken; daher befahl auf Gottes Eingebung ihm sein Beichtvater, er müsse sich zum [[Priester]] weihen lassen. Der Heilige gehorchte und empfing im Alter von 36 Jahren die Priesterweihe. Nachdem er Priester geworden, zog er sich in das Haus zum heiligen [[Hieronymus]] zurück, wo damals eben sein Beichtvater und mehrere andere fromme Priester ein gemeinschaftliches Leben ohne besondere Regel führten, und am Heile der Seelen arbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was nun der Heilige von dieser Zeit bis zum letzten Hauche seines Lebens mit der Gnade Gottes Großes gewirkt, wie er gelebt und mit dem Glanze seiner Tugenden Rom und die ganze heilige katholische Kirche erleuchtet hat, das Alles läßt sich in einer Legende nicht beschreiben. Ich will dir daher, lieber Leser, zur Erbauung und Belehrung einige schöne Züge aus seinem Leben vor Augen stellen, und zwar zum Ersten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Liebe zu Gott&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hievon haben wir schon gehört; ich will daher nur noch Einiges beisetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuer der Gottesliebe, welches in seinem Inneren beständig brannte, durchdrang alle seine Glieder und blitzte ihm aus den Augen; man konnte ihn daher nicht lange anblicken, ohne geblendet zu werden, und kein Maler vermochte sein Bild zu treffen, weil keiner den Glanz seiner Augen darstellen konnte. Die Liebesglut brachte ihn öfters in Ohnmacht, so daß er oft ganze Tage im Bett zubringen mußte. Wenn er in eine Kirche eintrat, so mußte er nach einer kurzen Anbetung wieder gehen, um nicht öffentlich in Verzückung zu geraten; denn sobald er betete, kam er außer Sinnen, heftete seine Augen zum Himmel und blieb unbeweglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Liebe zu Gott entsprang die eifrigste Anbetung und das sehnsüchtige Verlangen nach dem heiligsten Altarsakramente. Ehe er Priester wurde, beichtete er täglich und ging dann zur heiligen Kommunion; zum Priester geweiht, las er, wenn er nicht krank war, täglich die heilige Messe; war er krank, so ließ er sich die heilige Kommunion an sein Bett bringen. Hatte er den Leib des Herrn mit großem Jubel empfangen, dann bedeckte er sein Gesicht mit einem Leintuche, um den Glanz desselben zu verbergen, und unterhielt sich mit Jesus lange Zeit, wobei er nichts als weinte. Die Sehnsucht nach dem Leibe des Herrn machte ihn oft krank, dagegen wurde er in seinen schweren Krankheiten durch den Empfang der heiligen Kommunion wunderbar gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn er die heilige Messe las, so war seine Andacht und Inbrunst so groß, dass er jedesmal in Verzückung geriet und er mußte sich dann Gewalt antun, dies zu verhindern, um das heilige Opfer vollbringen zu können. Oft zitterte sein ganzer Leib, ja selbst die Stufen des Altars bebten, wenn ihn die Inbrunst der Liebe ergriff. Mitten in den Meßgebeten kam er außer sich, und es mußte daher immer einer seiner Gefährten gegenwärtig sein, der ihm anzeigte, bei welchem Teile der heiligen Messe er sich befinde. Oft wurde er bei der Wandlung einen Schuh hoch emporgehoben, so daß er frei in der Luft schwebte. Bei der heiligen Kommunion war er von himmlischer Süssigkeit durchdrungen und man sah es ihm auch äußerlich an, indem es schien, als genöße er die köstlichste Speise. Nach der heiligen Messe bedeckte er sein Gesicht und verharrte einige Stunden im Gebete ganz außer sich. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, zitterte er am ganzen Leibe vor Inbrunst des Herzens, so daß die heiligen Hostien im Kelche emporsprangen, und sein Gesicht wurde wie Feuer glühend. Als er einmal einer frommen Dame die heilige Kommunion reichte, erhob sich plötzlich die heilige Hostie in die Luft, er selbst wurde öfters bei Erteilung der heiligen Kommunion in die Luft erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts erregte seine Liebe so sehr, als die Betrachtung des Leidens Christi. Beständig trug er das Bild des gekreuzigten Heilandes bei sich. Nichts wünschte er sehnlicher, als für Jesus sein Blut zu vergießen. Wenn er daher aus Nase und Mund blutete, so bat er Gott, er möge sein Blut zum Opfer annehmen und immer fließen lassen. Seine Bitte wurde erhört, denn von nun an verlor er oft so viel Blut aus Mund und Nase, dass er ganze Schüsseln anfüllte. Er war zwar nicht dem Leibe nach, aber im Herzen ein Märtyrer Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Solche Liebe hatte Philipp zu Gott; o wenn du und ich, christliche Seele, nur einen Theil dieser Liebe hätten! Woher empfing aber Philipp diese Liebe? Aus dem Gebete und der Betrachtung. Beten wir, christliche Seele, betrachten wir die unendliche Liebe Gottes im Leiden Jesu; flehen wir oft und oft um Liebe, empfangen wir nach dem Rate des heiligen Philipp recht oft die heilige Kommunion, und die Liebe wird kommen und Wohnung bei uns nehmen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Andacht zur seligsten Jungfrau Maria&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Jesus liebt und ehrt, der liebt und ehrt auch seine heilige Mutter. Alle Heiligen waren eifrige Diener der heiligen Mutter Gottes, auch Philipp. Er nannte sie nur seine liebe Mutter, seine Liebe, seinen Trost. Sein gewöhnliches, beständiges Gebet zur heiligen Jungfrau war: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich! O Jungfrau und Mutter!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem kurzen Gebete, sprach er, werde die höchste Würde der Jungfrau ausgedrückt und verkündet. Seine Schüler mußten täglich 63 mal dieses Gebet wiederholen und daraus der heiligen Jungfrau eine Krone flechten. Seine Beichtkinder und besonders jene, welche gegen die heilige Reinigkeit versucht wurden, lehrte er dieses Gebet verrichten, empfahl es ihnen und sie erfuhren jedesmal wunderbare Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Christliche Seele, bete auch du dieses kleine Gebet recht oft, und du wirst bald wunderbare Wirkungen empfinden!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp behauptete von sich selbst, dass er von Maria unzählbare Wohltaten empfangen und besonders gegen die Anfälle des Teufels wunderbare Hilfe erhalten habe. Die heilige Maria erschien ihm öfters; einige Zeit vor seinem Tode machte sie ihn auf der Stelle gesund; auch andern erlangte er durch ihre Fürbitte die Gesundheit und Hilfe in ihren Nöten. Einer seiner geliebtesten Jünger, der fromme und gelehrte Cäsar Baronius, wurde zum Tode krank. Da rief der heilige Philippus mit heißter Inbrunst zu Jesus: &amp;quot;Ich bitte, ich will, daß Cäsar gesund werde.&amp;quot; Sein Gebet aber war vergeblich; da wandte sich der Heilige zu Maria und sein Flehen wurde durch ihre Fürbitte erhört; Cäsar wurde auf der Stelle gesund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen solcher Gunstbezeugungen, die ihm Maria erwies, schärfte er daher seinen Schülern und Beichtkindern beständig ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Meine Kinder! Ehret die Mutter Gottes, liebet Maria!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willst du nicht auch Maria, die liebe, süße, gütige Frau und Mutter ehren und lieben? Ach, wie unglücklich wärest du, wenn du Maria nicht liebtest; du kannst ohne sie nicht Jesus lieben und wirst nicht selig werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp jungfräuliche Reinigkeit&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Jugend auf hatte er seine jungfräuliche Reinigkeit unverletzt bewahrt, doch nicht ohne harte Kämpfe gegen das Fleisch. Er hatte schon als Knabe den Entschluß gefaßt, diese Tugend auf das Sorgfältigste zu bewahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hielt er sich immer in Furcht und Mißtrauen auf sich selbst. Niemals entblößte er einen Teil des Körpers ohne dringende Notwendigkeit, und nie sprach er ein Wort, dass nicht die zarteste Reinigkeit atmete. Weiblichen Personen blickte er nie in das Gesicht. Eine Frauensperson von ausgezeichneter Schönheit, welche dreißig Jahre sein Beichtkind war, bezeugte mit einem Eid, dass der Heilige sie niemals angeblickt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb wollte er auch Frauenspersonen nicht gerne Beicht hören, behandelte sie strenge und hörte ihre Beicht nur durch ein Gitter und mit abgewendetem Gesichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sorgfältig er aber die Reinheit hütete, hatte er doch die heftigsten Versuchungen auszustehen, und aus der Art und Weise, wie er sie überwunden, kannst du, christliche Seele, entnehmen, wie du auch siegen mögest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Wohlgestalt wollten ihn einst in seinem achtzehnten Jahre sittenlose Menschen zu etwas sündhaftem verleiten. Er konnte ihnen nicht ausweichen und nicht entfliehen; da kam ihm der Gedanke, ob nicht vielleicht das Wort Gottes die Herzen dieser Buben erweiche. Er redete daher mit ihnen von göttlichen Dingen und von der Abscheulichkeit der Sünde, und siehe da, die Bösewichter gaben ihr Vorhaben auf und bekehrten sich sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einstmals sperrten ihn gottlose Jünglinge in ein Zimmer mit zwei schlechten Weibspersonen ein. Da warf sich der heilige Jüngling auf die Erde, rief mit rührenden Worten zum Herrn und als dies die Dirnen sahen und hörten, getrauten sie sich nicht einmal, ihn anzusehen, und zogen sich in einen Winkel des Zimmers zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er schon Priester war, stellte sich eine unverschämte Dirne krank und ließ Philipp rufen. Dieser, nichts Böses ahnend, kam. Aber auf der Stiege trat ihm schon das gottlose Weib, nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, entgegen, um ihn zur Sünde zu verleiten. Er aber bezeichnete sich mit dem Kreuze, wendete sich sogleich um und entfloh. Wütend hierüber warf ihm die Dirne einen Schemmel nach, er aber kam unverletzt an Leib und Seele davon und von dieser Stunde an fühlte er nicht mehr die geringste unreine Regung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese hohe Reinigkeit glänzte ihm auch im Gesichte, das wie das eines Engels erschien, und aus seinem Leibe strömte ein überaus lieblicher Geruch hevor, wodurch viele zur heiligen Andacht entflammt wurden. Gott verlieh ihm auch die Gabe, die Keuschheit an Andern durch den Wohlgeruch und die Unlauterkeit durch den Gestank, der von ihnen ausging, zu erkennen. Wenn er daher einem Menschen, der mit dem Laster der Unlauterkeit behaftet war, begegnete, hielt er sich mit einem Schnupftuche die Nase zu. Kam ein unreiner Mensch zu ihm, so rief ihm der Diener Gottes, ohne ihn zu kennen, sogleich zu: &amp;quot;Du stinkst, mein Sohn!&amp;quot; oder: &amp;quot;Mein Sohn, ich rieche deine Sünden!&amp;quot; Er behauptete auch, es gebe nichts Lästigeres und Abscheulicheres, als den Gestank dieses Lasters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, christliche Seele! Bedenke, wie abscheulich muss die Unreinigkeit erst Gott, der seligsten Jungfrau, dem heiligen Schutzengel vorkommen!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des heiligen Philipp Reinigkeit hatte auch einen großen Einfluß auf andere Menschen und besonders auf die unreinen Geister. Unzählige wurden durch die Auflegung seiner Hände und durch seine Umarmung von unreinen Versuchungen befreit; Mehrere dadurch zur Bewahrung der jungfräulichen Keuschheit angeregt. Sogar sein Name diente dazu, die unreinen Geister zu vertreiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel, welche der Heilige jungen Personen vorschrieb, um keusch zu leben, waren folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie sollten sich ganz besonders hüten, mit schlechten Menschen Umgang zu pflegen, &lt;br /&gt;
* ihren Leib nicht zärtlich behandeln, &lt;br /&gt;
* niemals müssig gehen, &lt;br /&gt;
* fleißig beten, &lt;br /&gt;
* die heiligen Sakramente der Buße und des Altars öfters empfangen; &lt;br /&gt;
* über den Fall Anderer Mitleid haben; &lt;br /&gt;
* nie darüber zürnen oder urteilen, denn sonst falle man gewiß in denselben Fehler; &lt;br /&gt;
* alle bösen Gedanken frei und offenherzig dem Beichtvater entdecken, &lt;br /&gt;
* sich einen erfahrnen Beichtvater wählen und demselben gewöhnlich beichten;&lt;br /&gt;
* beim ersten Anfall sogleich zu Gott um Hilfe rufen;&lt;br /&gt;
* die seligste Jungfrau ganz besonders verehren und anrufen; &lt;br /&gt;
* sich hüten, Kinder zu umarmen und zu küssen, &lt;br /&gt;
* mit Tieren zu scherzen und &lt;br /&gt;
* ganz besonders zu fliehen, denn &amp;quot;in diesem Kampfe, pflegte er zu sagen, siegen nur die Furchtsamen und die Feigen!&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Willst du diese Mittel anwenden, christliche Seele?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp tiefe Demut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehren und Würden verachtete er aus tiefstem Herzensgrunde. Zwei Päpste übertrugen ihm die Kardinalswürde und andere hohe Stellen; er aber schlug sie jedesmal aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verlangte nichts anderes als Gottes Wohlgefallen und den Himmel. Einige Monate vor seinem Tode sprach er mit dem Bruder Bernardin, einem Manne von großer Einfalt: &amp;quot;Bernardin, der Papst hat mir den Kardinalshut zugedacht, was meinst du dazu?&amp;quot; Der Bruder erwiderte: &amp;quot;Ich meinte, man dürfte diese Würde nicht zurückweisen, wenigstens um unserer Gesellschaft aufzuhelfen.&amp;quot; Der Heilige hob nun sein Birett in die Höhe und sagte mit zum Himmel gerichteten Augen: &amp;quot;Bernardin, das Paradies, das Paradies!&amp;quot; Dieser aber entgegnete mit Einfalt: &amp;quot;Verzeihet Vater, daran habe ich nicht gedacht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige wollte sogar jene Ehren und Würden nicht annehmen, die ihm als Stifter seiner Versammlung zugehörten. Deshalb ließ er sich nie anders als &amp;quot;Pater&amp;quot;, &amp;quot;Vater&amp;quot; nennen; deshalb nannte er sich im höchsten Ernste den schlechtesten Menschen, weil er im Lichte Gottes die Armseligkeit und das Elend des Menschen erkannte. Wenn er sah, dass Jemand ein schweres Verbrechen beging, dann rief er aus: &amp;quot;O hätte ich nichts Schlimmeres getan!&amp;quot; Täglich machte er bei der heiligen Messe, wenn er die heilige Hostie in der Hand hielt, die Beteuerung: &amp;quot;Herr, du mußt dich heute vor mir hüten, denn ich werde dich verraten und alles Böse vollbringen.&amp;quot; Ein andersmal sagte er: &amp;quot;Die Seitenwunde Christi ist zwar groß, wenn mich aber nicht Gott selbst leitet, so werde ich sie gewiß noch größer machen.&amp;quot; Wenn er beichtete, vergoß er immer die hellsten Tränen, und wenn er junge Leute sah, rief er aus: &amp;quot;Ich verzweifle an mir,&amp;quot; und als man ihn deswegen fragte, antwortete er: &amp;quot;Ich verzweifle an mir allerdings, doch hoffe ich auf Gott.&amp;quot; Als ihn eines Tages eine Frau einen Heiligen nannte, entgegnete er zornig: &amp;quot;..... dich, ich bin ein Teufel und kein Heiliger.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er konnte nie leiden, wenn man ihn ehrte, und wenn Jemand ihn lobte, dann rief er aus: &amp;quot;O ich Armseliger! Wie viele Bauern und arme Mädchen werden mir im Himmel vorgehen!&amp;quot; Dagegen, wenn man ihn verachtete oder gering schätzte, hatte er die größte Freude. Wie der heilige Apostel Johannes seinen Jüngern immer zugerufen: &amp;quot;Kindlein, liebet einander,&amp;quot; so rief der Heilige den Seinigen immer zu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Seid demütig, trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet es mit den Niedrigen,&amp;quot; und fasste dann alle seine Belehrungen über die Demut in diese Worte zusammen: &amp;quot;Die Welt verachten, keinen Menschen verachten, sich selbst verachten und verachten sich verachtet zu sehen,&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diese vier Dinge seien zur vollkommenen Demut notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies übte der Heilige aus, dies wollen auch wir, ich und du lieber Leser, ausüben; denn ohne demütigen Kindersinn werden wir nicht selig!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Arbeiten und Sorgen für seine Nebenmenschen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast schon gelesen, wie der Heilige aus Liebe zu den Armen und Kranken eine Bruderschaft stiftete und unermüdet dieselben pflegte, und wie er auch in der Kirche des heiligen Erlösers zu Rom mit seinen Freunden Versammlungen hielt und das niedere Volk unterrichtete. Nachdem er aber Priester geworden war, kannte sein Eifer für das Heil der Seelen keine Grenzen mehr. Vor allem verwendete er auf Befehl seiner Obern seine ganze Zeit und Kraft auf den Beichtstuhl. Man darf sagen, dass er Tag und Nacht, selbst wenn er krank war, die Beichten der reumütigen Sünder hörte, die zahlreich zu ihm eilten, um durch ihn Frieden mit Gott und mit sich zu erhalten. Er wartete auf die Sünder neben seinem Beichtstuhl und zu jeder Stunde nahm er sie liebevoll auf. Mit welcher Sanftmut und Liebe er aber die armen Sünder behandelte, wie er sie tröstete, aufrichtete, belehrte, vor dem Rückfall bewahrte, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Gerade mit den Rohesten, Unwissendsten und Lasterhaftesten hatte er das größte Mitleid, und wenn er nur mit ihnen redete, so konnten sie seinen Worten nicht wiederstehen. Einst kam ein sehr ausgelassener Jüngling zu ihm, der immer ganz verstockt dahin lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bat ihn, dass er nur täglich siebenmal das Salve Regina bete, dann bei jedem Falle in die Sünde sogleich den Erdboden küsste und zu sich selbst sage: &amp;quot;Morgen werde ich vielleicht sterben.&amp;quot; Der Jüngling tat es und in kurzer Zeit bekehrte er sich vollständig, lebte noch 14 Jahre bußfertig und starb eines seligen Todes. Ein arger Gewohnheitssünder legte seine Beicht bei dem Heiligen ab; dieser aber legte ihm als Buße nichts anderes auf, als daß er nach jedem Falle sogleich wieder zur Beicht komme. Dieser gehorchte und führte bald ein völlig keusches Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehst du, christliche Seele, was die öftere Beicht vermag! Daher denn auch der Heilige ganz besonders zum öfteren Empfange der heiligen Sakramente ermahnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige erwartete aber die Sünder nicht bloß im Beichtstuhle, sondern er suchte sie sogar selbst auf, hielt ihnen die strengen Gerichte Gottes vor und suchte sie dann mit himmlisch sanften Worten für Gott zu gewinnen. Seine Zelle stand jedermann offen, den Armen und Reichen, jede Stunde des Tages. Einige derselben kamen täglich zu ihm, Andere zweimal des Tages und dies 30 bis 40 Jahre lang; alle nahm er mit Liebe auf. Eines Tages wollte einer seiner Schüler Jemand, der zu ungelegener Zeit kam, nicht einlassen. Als dies der Heilige bemerkte, sprach er tadelnd: &amp;quot;Habe ich es dir nicht gesagt, daß man meinethalben nicht Zeit noch Stunde berücksichtigen darf!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders hatte es der Heilige auf die Jugend abgesehen, weil diese so leicht zu verführen ist. Er wußte die jungen Leute an sich zu ziehen, ging mit ihnen spazieren, wohnte ihren Spielen bei, ließ ihnen ein Mahl bereiten und ermunterte sie zur Heiterkeit. Hatte er so ihr Zutrauen, dann unterredete er sich mit ihnen über göttliche Dinge, stellte ihnen das fromme Leben lebhaft vor Augen und gewann sie für Jesus. Wie klug er es anzustellen wußte, junge Leute für Gott zu gewinnen, davon nur ein Beispiel: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein junger Mann, mit Namen Franz Jazzera, hing noch sehr an der Welt. Einst besuchte dieser den Heiligen und sprach mit ihm von seinen guten Aussichten in der Welt. Der Heilige entgegnete ihm: &amp;quot;Ja, mein Sohn, du wirst ein großes Glück machen; du wirst ein Advokat, dann Prälat, sodann Kardinal und vielleicht wer weiß, auch Papst werden; aber dann? aber dann? Gehe und überdenke diese Worte.&amp;quot; Franz ging nach Hause, immer klangen ihm die Worte in den Ohren: &amp;quot;und dann?&amp;quot; Er verstand den Heiligen, verließ nun die Welt und trat in die Genossenschaft des Heiligen. Zur Fastnachtzeit, wo der Teufel seine Schlingen gewöhnlich auswirft, um die jungen Leute zu fangen, führte er seine Jünglinge unter Musik und Gesang in die selben Hauptkirchen. Er ließ sie, schon im hohen Alter, neben seinem Zimmer Ball spielen. Die Hausgenossen verwiesen ihnen einst den Lärm, welchen sie dabei machten! Kaum hatte der Heilige davon gehört, sprach er zu ihnen: &amp;quot;Laßt euch nicht schrecken, Kinder! Spielet nur fort und seid fröhlich, ich verlange von euch nichts anders, als daß ihr nicht sündiget.&amp;quot; Ein Andersmal sagte er: &amp;quot;O wenn sie nur nicht sündigen, so mögen sie auf meinem Rücken Holz hacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbeschreiblich ist aber, was der Heilige durch die Stiftung seiner Kongregation oder Versammlung geleistet hat. Als er nämlich Priester geworden war und schon früher, wo er in der Kirche des Erlösers die Bruderschaftsversammlungen hielt, gesellten sich zu ihm viele fromme Männer, unter denen sogar berühmte Gelehrte waren, mit denen er täglich in einer Kapelle, &amp;quot;Oratorium&amp;quot; genannt, geistliche Unterredungen hielt, um sie zur Vollkommenheit anzueifern. Wie der Heilige, so suchten auch diese jungen Männer das Volk zu belehren, die Armen und Kranken zu unterstützen und zu pflegen, und die Sünder zu retten. Von der Kapelle oder dem Oratorium, wo sie sich täglich versammelten, erhielten sie den Namen Oratorianer. Sie beteten miteinander, empfingen mit aller Erbauung recht oft die heiligen Sakramente, machten in der Stadt zu den Hauptkirchen nächtliche Wallfahrten und diejenigen, welche Priester waren, saßen untermüdet im Beichtstuhl, hielten Christenlehren oder predigten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz großer Anfeindungen und Verfolgungen, die der Heilige deswegen auszustehen hatte, wurde die Zahl der Jünger immer größer, und es mußte endlich ein eigenes Haus gebaut und eine gemeinschaftliche Regel festgesetzt werden, welche Papst Gregor XIII. auch bestätigte. Der Heilige wurde Vorsteher der Versammlung und leuchtete allen durch sein Beispiel voran. &lt;br /&gt;
Er hatte dies Werk ganz der Verherrlichung Gottes geweiht und es wuchs zu einem herrlichen Baume heran, der die schönsten Früchte für Himmel und Erde hervorbrachte. Noch heut zu Tage ruht der sichtbare Segen Gottes auf dieser Stiftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es konnte nicht fehlen, daß der Heilige bei seinen fortdauernden angestrengten Arbeiten und seinen harten Abtödtungen öfters krank wurde. Öfters mußte man ihm die Sterbesakramente reichen. Niemals aber sprach er von seinen Schmerzen; ja wenn es ihm nicht ausdrücklich verboten war, hörte er sogar todkrank die Beichten seiner Schüler und sobald er das Bett wieder verlassen konnte, las er wieder die heilige Messe und ging in den Beichtstuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Ende seines irdischen Lebens&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen letzten Jahren wurde er von einem heftigen Fieber befallen, so daß man an seinem Aufkommen zweifelte. Da erhielt er plötzlich auf wunderbare Weise die Gesundheit wieder. Vier Ärzte hatten ihm bereits das Leben abgesagt und warteten in einem nahen Zimmer auf seinen Tod. Da rief auf einmal der Heilige aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O meine hochheilige Gebieterin! O du Schönste und Lieblichste, o meine gebenedeite Gebieterin!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärzte und einige der Seinigen, welche ihn rufen hörten, eilten herbei und fanden ihn schwebend in der Luft über seinem Bette, die Hände bald ausstreckend, bald zurückziehend, wie Jemand, der Etwas an sein Herz drückt und dabei rief er immer: &amp;quot;O meine Gebieterin, was habe ich denn getan, daß du dich würdigest, zu mir zu kommen?&amp;quot; Darauf sprach er noch ganz von Sinnen zu den Ärzten: &amp;quot;Habt ihr die seligste Jungfrau gesehen, welche zu mir gekommen ist, und mich von allen Schmerzen befreit hat?&amp;quot; Als er wieder zu sich kam und die Umstehenden bemerkte, weinte er, sein Angesicht in das Bett verhüllt, lange Zeit und darnach legte er allen ein unverbrüchliches Stillschweigen auf.  Am anderen Morgen stand er gesund vom Bette auf und las die heilige Messe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich, nachdem er ungeachtet seines schwächlichen Körpers seiner vielen Arbeiten und Krankheiten ein hohes Alter erlangt hatte, nahte sich seine Sterbestunde. Sein geliebter Cäsar Baronius erteilte ihm die letzte Ölung und der Kardinal Friedrich Borrmäus, sein innigster Freund, brachte ihm das heilige Abendmahl. Kaum hatte der Kardinal mit dem Allerheiligsten das Zimmer betreten, da öffnete der todkranke Heilige die Augen und rief mit größter Innigkeit weinend aus: &amp;quot;Siehe da, meine Liebe, sieh meine Liebe: Sieh mein Gut! Gebt mir meine Liebe!&amp;quot; Alle Gegenwärtigen zerflossen in Tränen. Als der Kardinal die Worte sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O Herr, ich bin nicht würdig, und niemals war ich würdig; ich habe nichts Gutes getan!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihm dann die heilige Hostie gereicht wurde, sprach er: &amp;quot;Komm, Herr, komme!&amp;quot; Nachdem alles vorüber war, fügte er bei: &amp;quot;Nun habe ich den wahren Seelenarzt empfangen: O Eitelkeit der Eitelkeit, alles ist Eitelkeit! Wer etwas Anderes sucht als Christus, der weiß wahrlich nicht, was er sucht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwölf Tage vor seinem Tode sagte er zu Einem der Seinigen: &amp;quot;Mein Sohn! Wisse, nach wenigen Tagen werde ich sterben und zwar wird dies wider alles Erwarten geschehen; mein Tod wird zwischen Tag und Nacht eintreffen.&amp;quot; Zehn Tage vorher fragte er einen Laienbruder: &amp;quot;Wie viele Tage des Monats vorüber seien?&amp;quot; &amp;quot;Fünfzehn&amp;quot;, antwortet dieser. &amp;quot;Fünfzehn, sprach Philipp, und noch zehn dazu, dann werde ich alsbald von hinnen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25.Mai, an welchem damals das heiligste Fronleichnamsfest fiel, befahl der Heilige, man solle Alle, welche ihm beichten wollten, hereinlassen. So hörte er vom frühesten Morgen an die Beichten und mehreren der Seinigen gab er zur Buße auf, daß sie nach seinem Tode einen Rosenkranz für ihn beten sollten. Nach Anhörung der Beichten betete er sein Brevier und las dann in der Hauskapelle die heilige Messe mit besonderer Andacht. Das Gloria in excelsis sang er mit lauter, heller Stimme, jubelnd im Geiste wie ein Engel. Nach der heiligen Messe reichte er mehreren die heilige Kommunion und machte dann seine Danksagung, darauf hörte er wieder Beicht. Beim Mittagsmahle aß er etwas Weniges und führte ein geistliches Gespräch mit seinen Freunden auf die lieblichste Weise. Nachmittag ließ er sich die Lebensgeschichte des heiligen Bernardin von Siena vorlesen, betete dann mit einigen die Tagzeiten, hörte noch einige Beicht und erteilte dann allen Hausgenossen den Segen. Niemand dachte an seinen Tod, obwohl der Heilige ihn bestimmt an diesem Tage vorausgesagt hatte. Um 9 Uhr legte er sich zu Bette und entließ dann Alle mit den Worten: &amp;quot;Man muß endlich doch sterben.&amp;quot; Nach 11 Uhr Nachts stieg er aus dem Bette und ging im Zimmer herum. Von seinen Schritten aufgeweckt, eilte Pater Antonius herbei und fragte den Heiligen, der schon wieder im Bette lag, wie er sich befinde. Er erwiederte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Antonius, ich gehe.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun rief dieser alle Brüder herbei, denn schon war der Todeskampf eingetreten. Die Augen zum Himmel erhoben, segnete er sie nochmal Alle, neigte sein Haupt und gab dann sanft im Herrn seinen Geist auf am 26. Mai nicht ganz achtzig Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in seinem Leben, so verherrlichte ihn Gott auch im Grabe durch viele Wunder und noch heut zu Tage ist sein Name in der Stadt Rom in aller Munde, gesegnet von Tausenden, die durch ihn und seine heilige Versammlung für Jesus gewonnen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Darstellung des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp Neri wird abgebildet, wie er in einem roten Meßgewande die heilige Messe ließt, neben sich die heilige [[Gottesmutter Maria|Gottesmutter]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Neri Schußgebetlein, die er seine Beichtkinder lehrte&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp war ein Heiliger der Liebe; alle Menschen wollte er zu dieser heiligen Liebe entflammen, denn sie ist die Mutter aller Tugenden. Daher lehrte er seine Schüler und besonders seine Beichtkinder kurze Gebete, Pfeil- oder Schußgebetlein genannt, um dadurch in steter Liebesvereinigung mit Gott zu verharren. Sie sollten nämlich diese Gebetlein recht oft sprechen, um so ihr Herz immer zu erheben. Diese Gebetlein sind folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr, verbirg dich nicht vor mir! &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott, merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, du bist mein Jesus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann werde ich dich mit kindlicher Liebe lieben! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, beschütze uns vor dem Feinde und nimm uns auf in der Todesstunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe dich, o mein Jesus, noch nicht erkannt, weil ich dich noch nicht gesucht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll ich tun, wenn du, mein Jesus, mir nicht hilfst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verleihe mir, o Jesus, daß ich dir diene, nicht aus Furcht, sondern aus Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal endlich will ich dich lieben, o Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir selbst mißtraue ich, dir vertraue ich, o mein Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Jesus, wenn ich doch dich und mich erkennete! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde dich, o Jesu, nie lieben, wenn du mir nicht hilfst! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich falle, o mein Jesus, wenn du mir nicht hilfst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimm Alles hinweg, o mein Jesus, was mich hindert, dich zu besitzen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiligste Jungfrau, meine Gebieterin, gib, daß ich immer an dich denke!!&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884 nach FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Philipp Neri</title>
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		<updated>2011-08-15T18:16:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Des heiligen Philipp tiefe Demut */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:PhilippNeri.jpg|right|thumb|300px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der heilige Philipp Neri, Ordensstifter&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1595&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[26. Mai]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Vorwort&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verdient die heilige [[Magdalena von Pazzi]]s den Namen &amp;quot;Mutter der [[Liebe]]&amp;quot; wegen ihrer unaussprechlichen Liebe zu [[Jesus Christus|Jesus]], so kann man mit Recht den heiligen Philipp Neri &amp;quot;den Vater der Liebe&amp;quot; nennen; denn es wird wenige Heilige geben, welche eine so gewaltige Liebe Gottes und des [[Naechstenliebe|Nächsten]] in ihrem Herzen getragen wie dieser heilige Diener Gottes. Merkwürdig ist, dass diese beiden liebenden Seelen die nämliche Stadt zum Geburtsorte hatten. Auch der heilige Philipp wurde zu Florenz geboren, wo sein Vater Franz Neri Advokat gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Aus dem Leben des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie fromm er schon als Knabe gelebt, davon nur einige Beispiele. - Er hatte frühzeitig seine leibliche Mutter verloren, die er zärtlich liebte und kindlich ehrte. Die gleiche Liebe aber und Ehrfucht hegte er auch gegen seine Stiefmutter; er war ihr pünktlich gehorsam und tat ihr Alles, was er ihren Augen absehen konnte. Als er von Florenz abreiste, beweinte sie daher seinen Verlust lange Zeit und sie konnte ihn nimmer vergessen. Das [[Gebet]], das Studium und die Anhörung des Wortes Gottes waren seine liebsten Beschäftigungen. Schon damals erhielt er Alles, was er im Gebete von Gott verlangte. Eines Tages verlor er beim Nachhausegehen eine goldene Kette, welche er zufällig in den Händen trug. Sogleich fing er zu beten an und bald hatte er die Kette wieder gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr häufig besuchte er die Dominikanerkirche seiner Vaterstadt und zwei fromme Väter des Klosters, welche ihn sehr liebten und zu allem Guten anleiteten. Durch Wort und Beispiel dieser Männer angefeuert, suchte er getreu in die Fußstapfen Jesu zu treten, und verlangte für ihn Alles zu leiden. Einst ergriff ihn ein heftiges Fieber; aber ohne sich nur im Geringsten etwas merken zu lassen, ertrug er die Schmerzen dieser Krankheit heitern Mutes, bis es endlich die Stiefmutter merkte und für seine Genesung sorgte. Als ein Teil seines väterlichen Hauses abbrannte, hörte man aus seinem Munde keine Klage und als man ihm einst den Stammbaum seiner Vorfahren zeigte, zerriß er ihn sogleich; denn ihm waren weltliche Güter und Ehren ganz gleichgültig, vielmehr wollte er im Buche des Lebens eingeschrieben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde an Philipp das zwar gemeine, aber treffende Sprichwort wahr: &amp;quot;Was eine Kessel werden will, brennt bei Zeiten;&amp;quot; denn schon frühe gab er zu erkennen, welch ein großer Diener Gottes er werden würde. Zum Jüngling herangewachsen, wurde er von seinem Vater zu seinem Oheime &#039;&#039;(Onkel)&#039;&#039;, einem sehr reichen Manne, geschickt, der aus ihm einen tüchtigen Handelsmann machen wollte; allein Philipp wollte lieber statt Geld den Himmel gewinnen und begab sich daher heimlich nach [[Rom]], wo er bei einem Edelmanne aus seiner Vaterstadt Aufnahme fand, dessen beiden Söhne er unterrichtete. Bei diesem Manne verweilte er mehrere Jahre in größter Einsamkeit. Seine Kammer war ganz ärmlich; es befanden sich nur ein Bett und einige Bücher darin; Brot war seine Speise, Wasser sein Trank; bisweilen aß er zum Brote einige Früchte. Er erzählte später, dass er als Jüngling nur zwei Gulden monatlich zu seinem Unterhalte brauchte. Ganze Nächte durchwachte er im Gebete; die übrige Zeit verwendete er auf das Studium der Wissenschaften, worin er sich vor allen Schülern auszeichnete, oder er besuchte die Kranken in den Spitälern, oder er unterrichtete unter den Vorhallen der Kirchen das niedere Volk in den Lehren des katholischen Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er ganz einsam lebte, so wurde sein Name doch bald überall bekannt und man nannte ihn auch zu Rom, wie in seiner Vaterstadt &#039;&#039;&#039;&amp;quot;den guten Philipp.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er seine Studien vollendet hatte, verkaufte er seine Bücher, schenkte das Geld den Armen und verlegte sich nun ganz und gar an das beschauliche Leben, worin er oft vierzig Stunden in einem fort verharrte. Während des Gebetes entbrannte oft sein Herz von so gewaltiger Liebe, dass er sich auf den Boden niederwarf, seine Kleider öffnete und andere Mittel anwendete, um das verzehrende Feuer in seinem Innern zu mildern. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich geißelte er sich mit eisernen Kettchen; nur einige Stunden schlief er auf hartem Boden, und wie ein Einsiedler beobachtete er immer das strengste Stillschweigen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Beinahe jede Nacht besuchte er die sieben Hauptkirchen der Stadt Rom, was einen Weg von beiläufig zwölftausend Schritten ausmacht. Während dieser Wanderung kam er auch in den unterirdischen Kirchhof von St. Sebastian. Hier bei den Gräbern der heiligen Märtyrer und ersten Christen verweilte er in dunkler Nacht ganz allein im Gebete, und wurde dabei von Gott mit einer solchen Fülle himmlischer Tröstungen begnadigt, dass er oft auf den Boden hingestreckt ausrief: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Es ist genug, o Herr! Es ist genug! Halte ein mit den Strömen deiner Gnade!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre brachte er die Nächte in den Kirchen und bei den Gräbern zu, oft fand man ihn, wenn die Kirchtüren geschlossen waren, außer denselben knieen und beim Scheine des Mondes lesen.&lt;br /&gt;
Da Satan merkte, dass der Heilige aus seinen Übungen einen so großen Gewinn zog, so suchte er ihn durch Schreckbilder davon abzuhalten. Er stellte ihm auf dem Wege halbnackte Gestalten entgegen, um böse Gedanken in ihm zu erregen, oder andere scheusliche Bilder, um ihn zur Flucht zu nötigen. Allein Philipp ging seines Weges, empfahl sich dem Schutze Gottes und die Truggestalten verschwanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Pfingstfeste, als er 29 Jahre zählte, geschah es, dass, als er seiner Gewohnheit gemäß um die Gnade des [http://ecclesiaeveritas.net/index.php/Kategorie:Heiliger_Geist heiliges Geistes] flehte, ein solch gewaltes Liebesfeuer sein Herz entzündete, dass er nicht mehr auf den Füssen stehen konnte. Er warf sich auf die Erde nieder und riß seine Kleider auf, um sich Kühlung zu verschaffen. Als er wieder aufstand, fand es sich, dass der Knorpel, welcher die Rippen der linken Seite verbindet, wo das Herz liegt, auseinander gesprungen und seine Brust über dem Herzen um die Dicke einer Faust erhöht war. - Fünfzig Jahre bis zum Tode blieb ihm dieser Zustand, und in der so erweiterten Brust empfand er von nun an, wenn er betete oder geistliche Verrichtungen machte, immer ein heftiges Herzklopfen, von dem sein ganzer Leib, ja oft der Stuhl, auf dem er saß, oder das Bett oder Zimmer, in dem er sich befand, erzitterte. Dabei wurde er von einer beständigen Liebesglut verzehrt, die oft so heftig war, dass sein Gaumen ganz austrocknete, und dass man mitten im Winter Türen und Fenster öffnen mußte. Einst ging er, schon im hohen Alter, mitten im Winter auf den mit Schnee bedeckten Strassen Roms einher mit offenen Kleidern, während seine Begleiter in Mantel gehüllt waren, und sprach scherzend zu ihnen: &amp;quot;Schämt ihr euch nicht, ihr jungen, starken Leute, vor Frost zu starren, wann Greise heiß sind!&amp;quot; Dies innere Feuer zeigte sich auch in den Augen und im Gesichte, aus denen oft Funken hervorzusprühen schienen. Als man nach seinem Tode die Brust öffnete, fand man zwei Rippen gebrochen, die Brust über Fausthoch erhöht, und das Wasser im Herzbeutel ganz verzehrt, welches die Ärzte der Inbrunst seiner Liebe zuschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher lebte er einsam nur dem Gebete und der Buße, jetzt aber trieb ihn der Geist Gottes an, auch am Heile der Seelen zu arbeiten. Er besuchte nun die Strassen, die Schulen, die Werkstätten und andere Plätze der Stadt, um Seelen für Gott zu gewinnen. Er tat dies auf eine eigene Weise. Zuerst suchte er diejenigen, welche er auf einen guten Weg leiten wollte, durch Freundlichkeit zu gewinnen; er erwies ihnen allerhand Liebesdienste und Wohltaten, ohne seine Absicht merken zu lassen. Hatte er ihr Vertrauen gewonnen, so suchte er sie zu unterrichten, zu mahnen, und nach und nach zu einem frommen Leben anzueifern. Auf solche Weise bekehrte er eine große Anzahl leichtsinniger, lauer Menschen. Er machte sich auch nach und nach an die lasterhaftesten Männer, und es gelang ihm, ihnen die Augen zu öffnen; diejenigen aber, welche ihm kein Gehör gaben, kamen gewöhnlich Übel hinweg. Manche starben jähen Todes oder fielen in großes Unglück. Der heilige [[Ignatius von Loyola|Ignatius]], welcher damals in Rom lebte, nannte daher Philipp &amp;quot;eine Glocke.&amp;quot; Denn wie die Glocke zur Kirche ruft, aber selbst im Turme hängen bleibt, so führte Philipp viele Weltmenschen zum Ordensstande, blieb aber selbst noch in der Welt. Gott hatte nämlich mit Philipp noch andere Absichten. Er sollte insbesondere der Vater der Sünder, der Armen, Kranken und Unwissenden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er am Heile der Seelen arbeitete, obwohl er noch nicht [[Priester]] war, vergaß er auch die Armen und Kranken nicht, und um dem Drange seines liebenden Herzens zu genügen, stiftete er in Verbindung mit seinem Beichtvater, einem heiligen Priester, die Bruderschaft der heiligsten Dreifaltigkeit, welche zum Zwecke hatte, die Armen, welche erst von einer Krankheit genesen waren, und Fremdlinge in ihren Häusern aufzunehmen und zu verpflegen. Anfangs hatte er fünfzehn Gefährten, welche alle Monate in einer Kirche zusammen kamen, wo sie dann das 40stündige Gebet hielten und danach Philipp eine Anrede an das zahlreiche Volk mit solchem Feuereifer hielt, dass er oft die verworfensten Menschen bekehrte. Eines Tages bekehrte er auf einmal 30 Jünglinge, welche einem ausgelassenen Leben ergeben waren, und viele, die Spaß halber kamen, um den Heiligen zu hören, wurden von seinen Worten ganz umgewandelt. Wenn die Bitttage gehalten wurden, dann kam Philipp vor lauter Eifer fast gar nicht mehr aus der Kirche, indem er immer wieder andere Mitglieder herbei rief, die mit ihm beten mußten. Wenn eine Stunde vorüber war, gab er mit der Glocke das Zeichen und sprach: &amp;quot;Wohlan Brüder, eine Stunde ist vorüber, doch nimmer die Zeit, Gutes zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wie schon gesagt, hatte die Bruderschaft den Zweck, Pilger zu beherbergen und arme Kranke nach ihrer Genesung zu verpflegen. Anfangs nahmen die Mitglieder diese Armen in ihre Häuser auf; später mietete Philipp ein Haus, wo er mit seinen Genossen nur die niedrigsten Dienste verrichtete, und da die Pilger und Kranken immer mehr wurden so kauften Wohltäter noch mehrere Häuser, und Männer, selbst aus den höchsten Ständen, ja selbst Päpste kamen und bedienten in demselben die Fremdlinge. Im Jahre 1600 wo ein feierliches Jubiläum in Rom gehalten wurde, fanden dort 270.000 Pilger Herberge und Pflege, und im Jahre 1825 nicht weniger als 273.299. Das Spital steht noch heut zu Tage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher war Philipp noch nicht im geistlichen Stande; er hielt sich der Priesterwürde nicht wert, konnte aber doch ohne dieselbe nicht so umfassend wirken; daher befahl auf Gottes Eingebung ihm sein Beichtvater, er müsse sich zum [[Priester]] weihen lassen. Der Heilige gehorchte und empfing im Alter von 36 Jahren die Priesterweihe. Nachdem er Priester geworden, zog er sich in das Haus zum heiligen [[Hieronymus]] zurück, wo damals eben sein Beichtvater und mehrere andere fromme Priester ein gemeinschaftliches Leben ohne besondere Regel führten, und am Heile der Seelen arbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was nun der Heilige von dieser Zeit bis zum letzten Hauche seines Lebens mit der Gnade Gottes Großes gewirkt, wie er gelebt und mit dem Glanze seiner Tugenden Rom und die ganze heilige katholische Kirche erleuchtet hat, das Alles läßt sich in einer Legende nicht beschreiben. Ich will dir daher, lieber Leser, zur Erbauung und Belehrung einige schöne Züge aus seinem Leben vor Augen stellen, und zwar zum Ersten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Liebe zu Gott&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hievon haben wir schon gehört; ich will daher nur noch Einiges beisetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuer der Gottesliebe, welches in seinem Inneren beständig brannte, durchdrang alle seine Glieder und blitzte ihm aus den Augen; man konnte ihn daher nicht lange anblicken, ohne geblendet zu werden, und kein Maler vermochte sein Bild zu treffen, weil keiner den Glanz seiner Augen darstellen konnte. Die Liebesglut brachte ihn öfters in Ohnmacht, so daß er oft ganze Tage im Bett zubringen mußte. Wenn er in eine Kirche eintrat, so mußte er nach einer kurzen Anbetung wieder gehen, um nicht öffentlich in Verzückung zu geraten; denn sobald er betete, kam er außer Sinnen, heftete seine Augen zum Himmel und blieb unbeweglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Liebe zu Gott entsprang die eifrigste Anbetung und das sehnsüchtige Verlangen nach dem heiligsten Altarsakramente. Ehe er Priester wurde, beichtete er täglich und ging dann zur heiligen Kommunion; zum Priester geweiht, las er, wenn er nicht krank war, täglich die heilige Messe; war er krank, so ließ er sich die heilige Kommunion an sein Bett bringen. Hatte er den Leib des Herrn mit großem Jubel empfangen, dann bedeckte er sein Gesicht mit einem Leintuche, um den Glanz desselben zu verbergen, und unterhielt sich mit Jesus lange Zeit, wobei er nichts als weinte. Die Sehnsucht nach dem Leibe des Herrn machte ihn oft krank, dagegen wurde er in seinen schweren Krankheiten durch den Empfang der heiligen Kommunion wunderbar gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn er die heilige Messe las, so war seine Andacht und Inbrunst so groß, dass er jedesmal in Verzückung geriet und er mußte sich dann Gewalt antun, dies zu verhindern, um das heilige Opfer vollbringen zu können. Oft zitterte sein ganzer Leib, ja selbst die Stufen des Altars bebten, wenn ihn die Inbrunst der Liebe ergriff. Mitten in den Meßgebeten kam er außer sich, und es mußte daher immer einer seiner Gefährten gegenwärtig sein, der ihm anzeigte, bei welchem Teile der heiligen Messe er sich befinde. Oft wurde er bei der Wandlung einen Schuh hoch emporgehoben, so daß er frei in der Luft schwebte. Bei der heiligen Kommunion war er von himmlischer Süssigkeit durchdrungen und man sah es ihm auch äußerlich an, indem es schien, als genöße er die köstlichste Speise. Nach der heiligen Messe bedeckte er sein Gesicht und verharrte einige Stunden im Gebete ganz außer sich. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, zitterte er am ganzen Leibe vor Inbrunst des Herzens, so daß die heiligen Hostien im Kelche emporsprangen, und sein Gesicht wurde wie Feuer glühend. Als er einmal einer frommen Dame die heilige Kommunion reichte, erhob sich plötzlich die heilige Hostie in die Luft, er selbst wurde öfters bei Erteilung der heiligen Kommunion in die Luft erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts erregte seine Liebe so sehr, als die Betrachtung des Leidens Christi. Beständig trug er das Bild des gekreuzigten Heilandes bei sich. Nichts wünschte er sehnlicher, als für Jesus sein Blut zu vergießen. Wenn er daher aus Nase und Mund blutete, so bat er Gott, er möge sein Blut zum Opfer annehmen und immer fließen lassen. Seine Bitte wurde erhört, denn von nun an verlor er oft so viel Blut aus Mund und Nase, dass er ganze Schüsseln anfüllte. Er war zwar nicht dem Leibe nach, aber im Herzen ein Märtyrer Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Solche Liebe hatte Philipp zu Gott; o wenn du und ich, christliche Seele, nur einen Theil dieser Liebe hätten! Woher empfing aber Philipp diese Liebe? Aus dem Gebete und der Betrachtung. Beten wir, christliche Seele, betrachten wir die unendliche Liebe Gottes im Leiden Jesu; flehen wir oft und oft um Liebe, empfangen wir nach dem Rate des heiligen Philipp recht oft die heilige Kommunion, und die Liebe wird kommen und Wohnung bei uns nehmen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Andacht zur seligsten Jungfrau Maria&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Jesus liebt und ehrt, der liebt und ehrt auch seine heilige Mutter. Alle Heiligen waren eifrige Diener der heiligen Mutter Gottes, auch Philipp. Er nannte sie nur seine liebe Mutter, seine Liebe, seinen Trost. Sein gewöhnliches, beständiges Gebet zur heiligen Jungfrau war: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich! O Jungfrau und Mutter!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem kurzen Gebete, sprach er, werde die höchste Würde der Jungfrau ausgedrückt und verkündet. Seine Schüler mußten täglich 63 mal dieses Gebet wiederholen und daraus der heiligen Jungfrau eine Krone flechten. Seine Beichtkinder und besonders jene, welche gegen die heilige Reinigkeit versucht wurden, lehrte er dieses Gebet verrichten, empfahl es ihnen und sie erfuhren jedesmal wunderbare Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Christliche Seele, bete auch du dieses kleine Gebet recht oft, und du wirst bald wunderbare Wirkungen empfinden!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp behauptete von sich selbst, dass er von Maria unzählbare Wohltaten empfangen und besonders gegen die Anfälle des Teufels wunderbare Hilfe erhalten habe. Die heilige Maria erschien ihm öfters; einige Zeit vor seinem Tode machte sie ihn auf der Stelle gesund; auch andern erlangte er durch ihre Fürbitte die Gesundheit und Hilfe in ihren Nöten. Einer seiner geliebtesten Jünger, der fromme und gelehrte Cäsar Baronius, wurde zum Tode krank. Da rief der heilige Philippus mit heißter Inbrunst zu Jesus: &amp;quot;Ich bitte, ich will, daß Cäsar gesund werde.&amp;quot; Sein Gebet aber war vergeblich; da wandte sich der Heilige zu Maria und sein Flehen wurde durch ihre Fürbitte erhört; Cäsar wurde auf der Stelle gesund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen solcher Gunstbezeugungen, die ihm Maria erwies, schärfte er daher seinen Schülern und Beichtkindern beständig ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Meine Kinder! Ehret die Mutter Gottes, liebet Maria!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willst du nicht auch Maria, die liebe, süße, gütige Frau und Mutter ehren und lieben? Ach, wie unglücklich wärest du, wenn du Maria nicht liebtest; du kannst ohne sie nicht Jesus lieben und wirst nicht selig werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp jungfräuliche Reinigkeit&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Jugend auf hatte er seine jungfräuliche Reinigkeit unverletzt bewahrt, doch nicht ohne harte Kämpfe gegen das Fleisch. Er hatte schon als Knabe den Entschluß gefaßt, diese Tugend auf das Sorgfältigste zu bewahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hielt er sich immer in Furcht und Mißtrauen auf sich selbst. Niemals entblößte er einen Teil des Körpers ohne dringende Notwendigkeit, und nie sprach er ein Wort, dass nicht die zarteste Reinigkeit atmete. Weiblichen Personen blickte er nie in das Gesicht. Eine Frauensperson von ausgezeichneter Schönheit, welche dreißig Jahre sein Beichtkind war, bezeugte mit einem Eid, dass der Heilige sie niemals angeblickt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb wollte er auch Frauenspersonen nicht gerne Beicht hören, behandelte sie strenge und hörte ihre Beicht nur durch ein Gitter und mit abgewendetem Gesichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sorgfältig er aber die Reinheit hütete, hatte er doch die heftigsten Versuchungen auszustehen, und aus der Art und Weise, wie er sie überwunden, kannst du, christliche Seele, entnehmen, wie du auch siegen mögest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Wohlgestalt wollten ihn einst in seinem achtzehnten Jahre sittenlose Menschen zu etwas sündhaftem verleiten. Er konnte ihnen nicht ausweichen und nicht entfliehen; da kam ihm der Gedanke, ob nicht vielleicht das Wort Gottes die Herzen dieser Buben erweiche. Er redete daher mit ihnen von göttlichen Dingen und von der Abscheulichkeit der Sünde, und siehe da, die Bösewichter gaben ihr Vorhaben auf und bekehrten sich sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einstmals sperrten ihn gottlose Jünglinge in ein Zimmer mit zwei schlechten Weibspersonen ein. Da warf sich der heilige Jüngling auf die Erde, rief mit rührenden Worten zum Herrn und als dies die Dirnen sahen und hörten, getrauten sie sich nicht einmal, ihn anzusehen, und zogen sich in einen Winkel des Zimmers zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er schon Priester war, stellte sich eine unverschämte Dirne krank und ließ Philipp rufen. Dieser, nichts Böses ahnend, kam. Aber auf der Stiege trat ihm schon das gottlose Weib, nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, entgegen, um ihn zur Sünde zu verleiten. Er aber bezeichnete sich mit dem Kreuze, wendete sich sogleich um und entfloh. Wütend hierüber warf ihm die Dirne einen Schemmel nach, er aber kam unverletzt an Leib und Seele davon und von dieser Stunde an fühlte er nicht mehr die geringste unreine Regung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese hohe Reinigkeit glänzte ihm auch im Gesichte, das wie das eines Engels erschien, und aus seinem Leibe strömte ein überaus lieblicher Geruch hevor, wodurch viele zur heiligen Andacht entflammt wurden. Gott verlieh ihm auch die Gabe, die Keuschheit an Andern durch den Wohlgeruch und die Unlauterkeit durch den Gestank, der von ihnen ausging, zu erkennen. Wenn er daher einem Menschen, der mit dem Laster der Unlauterkeit behaftet war, begegnete, hielt er sich mit einem Schnupftuche die Nase zu. Kam ein unreiner Mensch zu ihm, so rief ihm der Diener Gottes, ohne ihn zu kennen, sogleich zu: &amp;quot;Du stinkst, mein Sohn!&amp;quot; oder: &amp;quot;Mein Sohn, ich rieche deine Sünden!&amp;quot; Er behauptete auch, es gebe nichts Lästigeres und Abscheulicheres, als den Gestank dieses Lasters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, christliche Seele! Bedenke, wie abscheulich muss die Unreinigkeit erst Gott, der seligsten Jungfrau, dem heiligen Schutzengel vorkommen!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des heiligen Philipp Reinigkeit hatte auch einen großen Einfluß auf andere Menschen und besonders auf die unreinen Geister. Unzählige wurden durch die Auflegung seiner Hände und durch seine Umarmung von unreinen Versuchungen befreit; Mehrere dadurch zur Bewahrung der jungfräulichen Keuschheit angeregt. Sogar sein Name diente dazu, die unreinen Geister zu vertreiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel, welche der Heilige jungen Personen vorschrieb, um keusch zu leben, waren folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie sollten sich ganz besonders hüten, mit schlechten Menschen Umgang zu pflegen, &lt;br /&gt;
* ihren Leib nicht zärtlich behandeln, &lt;br /&gt;
* niemals müssig gehen, &lt;br /&gt;
* fleißig beten, &lt;br /&gt;
* die heiligen Sakramente der Buße und des Altars öfters empfangen; &lt;br /&gt;
* über den Fall Anderer Mitleid haben; &lt;br /&gt;
* nie darüber zürnen oder urteilen, denn sonst falle man gewiß in denselben Fehler; &lt;br /&gt;
* alle bösen Gedanken frei und offenherzig dem Beichtvater entdecken, &lt;br /&gt;
* sich einen erfahrnen Beichtvater wählen und demselben gewöhnlich beichten;&lt;br /&gt;
* beim ersten Anfall sogleich zu Gott um Hilfe rufen;&lt;br /&gt;
* die seligste Jungfrau ganz besonders verehren und anrufen; &lt;br /&gt;
* sich hüten, Kinder zu umarmen und zu küssen, &lt;br /&gt;
* mit Tieren zu scherzen und &lt;br /&gt;
* ganz besonders zu fliehen, denn &amp;quot;in diesem Kampfe, pflegte er zu sagen, siegen nur die Furchtsamen und die Feigen!&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Willst du diese Mittel anwenden, christliche Seele?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp tiefe Demut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehren und Würden verachtete er aus tiefstem Herzensgrunde. Zwei Päpste übertrugen ihm die Kardinalswürde und andere hohe Stellen; er aber schlug sie jedesmal aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verlangte nichts anderes als Gottes Wohlgefallen und den Himmel. Einige Monate vor seinem Tode sprach er mit dem Bruder Bernardin, einem Manne von großer Einfalt: &amp;quot;Bernardin, der Papst hat mir den Kardinalshut zugedacht, was meinst du dazu?&amp;quot; Der Bruder erwiderte: &amp;quot;Ich meinte, man dürfte diese Würde nicht zurückweisen, wenigstens um unserer Gesellschaft aufzuhelfen.&amp;quot; Der Heilige hob nun sein Birett in die Höhe und sagte mit zum Himmel gerichteten Augen: &amp;quot;Bernardin, das Paradies, das Paradies!&amp;quot; Dieser aber entgegnete mit Einfalt: &amp;quot;Verzeihet Vater, daran habe ich nicht gedacht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige wollte sogar jene Ehren und Würden nicht annehmen, die ihm als Stifter seiner Versammlung zugehörten. Deshalb ließ er sich nie anders als &amp;quot;Pater&amp;quot;, &amp;quot;Vater&amp;quot; nennen; deshalb nannte er sich im höchsten Ernste den schlechtesten Menschen, weil er im Lichte Gottes die Armseligkeit und das Elend des Menschen erkannte. Wenn er sah, dass Jemand ein schweres Verbrechen beging, dann rief er aus: &amp;quot;O hätte ich nichts Schlimmeres getan!&amp;quot; Täglich machte er bei der heiligen Messe, wenn er die heilige Hostie in der Hand hielt, die Beteuerung: &amp;quot;Herr, du mußt dich heute vor mir hüten, denn ich werde dich verraten und alles Böse vollbringen.&amp;quot; Ein andersmal sagte er: &amp;quot;Die Seitenwunde Christi ist zwar groß, wenn mich aber nicht Gott selbst leitet, so werde ich sie gewiß noch größer machen.&amp;quot; Wenn er beichtete, vergoß er immer die hellsten Tränen, und wenn er junge Leute sah, rief er aus: &amp;quot;Ich verzweifle an mir,&amp;quot; und als man ihn deswegen fragte, antwortete er: &amp;quot;Ich verzweifle an mir allerdings, doch hoffe ich auf Gott.&amp;quot; Als ihn eines Tages eine Frau einen Heiligen nannte, entgegnete er zornig: &amp;quot;..... dich, ich bin ein Teufel und kein Heiliger.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er konnte nie leiden, wenn man ihn ehrte, und wenn Jemand ihn lobte, dann rief er aus: &amp;quot;O ich Armseliger! Wie viele Bauern und arme Mädchen werden mir im Himmel vorgehen!&amp;quot; Dagegen, wenn man ihn verachtete oder gering schätzte, hatte er die größte Freude. Wie der heilige Apostel Johannes seinen Jüngern immer zugerufen: &amp;quot;Kindlein, liebet einander,&amp;quot; so rief der Heilige den Seinigen immer zu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Seid demütig, trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet es mit den Niedrigen,&amp;quot; und fasste dann alle seine Belehrungen über die Demut in diese Worte zusammen: &amp;quot;Die Welt verachten, keinen Menschen verachten, sich selbst verachten und verachten sich verachtet zu sehen,&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diese vier Dinge seien zur vollkommenen Demut notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies übte der Heilige aus, dies wollen auch wir, ich und du lieber Leser, ausüben; denn ohne demütigen Kindersinn werden wir nicht selig!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Arbeiten und Sorgen für seine Nebenmenschen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast schon gelesen, wie der Heilige aus Liebe zu den Armen und Kranken eine Bruderschaft stiftete und unermüdet dieselben pflegte, und wie er auch in der Kirche des heiligen Erlösers zu Rom mit seinen Freunden Versammlungen hielt und das niedere Volk unterrichtete. Nachdem er aber Priester geworden war, kannte sein Eifer für das Heil der Seelen keine Grenzen mehr. Vor allem verwendete er auf Befehl seiner Obern seine ganze Zeit und Kraft auf den Beichtstuhl. Man darf sagen, dass er Tag und Nacht, selbst wenn er krank war, die beichten der reumütigen Sünder hörte, die zahlreich zu ihm eilten, um durch ihn Frieden mit Gott und mit sich zu erhalten. Er wartete auf die Sünder neben seinem Beichtstuhl und zu jeder Stunde nahm er sie liebevoll auf. Mit welcher Sanftmut und Liebe er aber die armen Sünder behandelte, wie er sie tröstete, aufrichtete, belehrte, vor dem Rückfall bewahrte, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Gerade mit den Rohesten, Unwissendsten und Lasterhaftesten hatte er das größte Mitleid, und wenn er nur mit ihnen redete, so konnten sie seinen Worten nicht wiederstehen. Einst kam ein sehr ausgelassener Jüngling zu ihm, der immer ganz verstockt dahin lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bat ihn, dass er nur täglich siebenmal das Salve Regina bete, dann bei jedem Falle in die Sünde sogleich den Erdboden küsste und zu sich selbst sage: &amp;quot;Morgen werde ich vielleicht sterben.&amp;quot; Der Jüngling tat es und in kurzer Zeit bekehrte er sich vollständig, lebte noch 14 Jahre bußfertig und starb eines seligen Todes. Ein arger Gewohnheitssünder legte seine Beicht bei dem Heiligen ab; dieser aber legte ihm als Buße nichts anderes auf, als daß er nach jedem Falle sogleich wieder zur Beicht komme. Dieser gehorchte und führte bald ein völlig keusches Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehst du, christliche Seele, was die öftere Beicht vermag! Daher denn auch der Heilige ganz besonders zum öfteren Empfange der heiligen Sakramente ermahnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige erwartete aber die Sünder nicht bloß im Beichtstuhle, sondern er suchte sie sogar selbst auf, hielt ihnen die strengen Gerichte Gottes vor und suchte sie dann mit himmlisch sanften Worten für Gott zu gewinnen. Seine Zelle stand jedermann offen, den Armen und Reichen, jede Stunde des Tages. Einige derselben kamen täglich zu ihm, Andere zweimal des Tages und dies 30 bis 40 Jahre lang; alle nahm er mit Liebe auf. Eines Tages wollte einer seiner Schüler Jemand, der zu ungelegener Zeit kam, nicht einlassen. Als dies der Heilige bemerkte, sprach er tadelnd: &amp;quot;Habe ich es dir nicht gesagt, daß man meinethalben nicht Zeit noch Stunde berücksichtigen darf!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders hatte es der Heilige auf die Jugend abgesehen, weil diese so leicht zu verführen ist. Er wußte die jungen Leute an sich zu ziehen, ging mit ihnen spazieren, wohnte ihren Spielen bei, ließ ihnen ein Mahl bereiten und ermunterte sie zur Heiterkeit. Hatte er so ihr Zutrauen, dann unterredete er sich mit ihnen über göttliche Dinge, stellte ihnen das fromme Leben lebhaft vor Augen und gewann sie für Jesus. Wie klug er es anzustellen wußte, junge Leute für Gott zu gewinnen, davon nur ein Beispiel: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein junger Mann, mit Namen Franz Jazzera, hing noch sehr an der Welt. Einst besuchte dieser den Heiligen und sprach mit ihm von seinen guten Aussichten in der Welt. Der Heilige entgegnete ihm: &amp;quot;Ja, mein Sohn, du wirst ein großes Glück machen; du wirst ein Advokat, dann Prälat, sodann Kardinal und vielleicht werweiß, auch Papst werden; aber dann? aber dann? Gehe und überdenke diese Worte.&amp;quot; Franz ging nach Hause, immer klangen ihm die Worte in den Ohren: &amp;quot;und dann?&amp;quot; Er verstand den Heiligen, verließ nun die Welt und trat in die Genossenschaft des Heiligen. Zur Fastnachtzeit, wo der Teufel seine Schlingen gewöhnlich auswirft, um die jungen Leute zu fangen, führte er seine Jünglinge unter Musik und Gesang in die selben Hauptkirchen. Er ließ sie, schon im hohen Alter, neben seinem Zimmer Ball spielen. Die Hausgenossen verwiesen ihnen einst den Lärm, welchen sie dabei machten! Kaum hatte der Heilige davon gehört, sprach er zu ihnen: &amp;quot;Laßt euch nicht schrecken, Kinder! Spielet nur fort und seid fröhlich, ich verlange von euch nichts anders, als daß ihr nicht sündiget.&amp;quot; Ein Andersmal sagte er: &amp;quot;O wenn sie nur nicht sündigen, so mögen sie auf meinem Rücken Holz hacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbeschreiblich ist aber, was der Heilige durch die Stiftung seiner Kongregation oder Versammlung geleistet hat. Als er nämlich Priester geworden war und schon früher, wo er in der Kirche des Erlösers die Bruderschaftsversammlungen hielt, gesellten sich zu ihm viele fromme Männer, unter denen sogar berühmte Gelehrte waren, mit denen er täglich in einer Kapelle, &amp;quot;Oratorium&amp;quot; genannt, geistliche Unterredungen hielt, um sie zur Vollkommenheit anzueifern. Wie der Heilige, so suchten auch diese jungen Männer das Volk zu belehren, die Armen und Kranken zu unterstützen und zu pflegen, und die Sünder zu retten. Von der Kapelle oder dem Oratorium, wo sie sich täglich versammelten, erhielten sie den Namen Oratorianer. Sie beteten miteinander, empfingen mit aller Erbauung recht oft die heiligen Sakramente, machten in der Stadt zu den Hauptkirchen nächtliche Wallfahrten und diejenigen, welche Priester waren, sassen untermüdet im Beichtstuhl, hielten Christenlehren oder predigten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz großer Anfeindungen und Verfolgungen, die der Heilige deswegen auszustehen hatte, wurde die Zahl der Jünger immer größer, und es mußte endlich ein eigenes Haus gebaut und eine gemeinschaftliche Regel festgesetzt werden, welche Papst Gregor XIII. auch bestätigte. Der Heilige wurde Vorsteher der Versammlung und leuchtete allen durch sein Beispiel voran. &lt;br /&gt;
Er hatte dies Werk ganz der Verherrlichung Gottes geweiht und es wuchs zu einem herrlichen Baume heran, der die schönsten Früchte für Himmel und Erde hervorbrachte. Noch heut zu Tage ruht der sichtbare Segen Gottes auf dieser Stiftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es konnte nicht fehlen, daß der Heilige bei seinen fortdauernden angestrengten Arbeiten und seinen harten Abtödtungen öfters krank wurde. Öfters mußte man ihm die Sterbesakramente reichen. Niemals aber sprach er von seinen Schmerzen; ja wenn es ihm nicht ausdrücklich verboten war, hörte er sogar todkrank die Beichten seiner Schüler und sobald er das Bett wieder verlassen konnte, las er wieder die heilige Messe und ging in den Beichtstuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Ende seines irdischen Lebens&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen letzten Jahren wurde er von einem heftigen Fieber befallen, so daß man an seinem Aufkommen zweifelte. Da erhielt er plötzlich auf wunderbare Weise die Gesundheit wieder. Vier Ärzte hatten ihm bereits das Leben abgesagt und warteten in einem nahen Zimmer auf seinen Tod. Da rief auf einmal der Heilige aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O meine hochheilige Gebieterin! O du Schönste und Lieblichste, o meine gebenedeite Gebieterin!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärzte und einige der Seinigen, welche ihn rufen hörten, eilten herbei und fanden ihn schwebend in der Luft über seinem Bette, die Hände bald ausstreckend, bald zurückziehend, wie Jemand, der Etwas an sein Herz drückt und dabei rief er immer: &amp;quot;O meine Gebieterin, was habe ich denn getan, daß du dich würdigest, zu mir zu kommen?&amp;quot; Darauf sprach er noch ganz von Sinnen zu den Ärzten: &amp;quot;Habt ihr die seligste Jungfrau gesehen, welche zu mir gekommen ist, und mich von allen Schmerzen befreit hat?&amp;quot; Als er wieder zu sich kam und die Umstehenden bemerkte, weinte er, sein Angesicht in das Bett verhüllt, lange Zeit und darnach legte er allen ein unverbrüchliches Stillschweigen auf.  Am anderen Morgen stand er gesund vom Bette auf und las die heilige Messe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich, nachdem er ungeachtet seines schwächlichen Körpers seiner vielen Arbeiten und Krankheiten ein hohes Alter erlangt hatte, nahte sich seine Sterbestunde. Sein geliebter Cäsar Baronius erteilte ihm die letzte Ölung und der Kardinal Friedrich Borrmäus, sein innigster Freund, brachte ihm das heilige Abendmahl. Kaum hatte der Kardinal mit dem Allerheiligsten das Zimmer betreten, da öffnete der todkranke Heilige die Augen und rief mit größter Innigkeit weinend aus: &amp;quot;Siehe da, meine Liebe, sieh meine Liebe: Sieh mein Gut! Gebt mir meine Liebe!&amp;quot; Alle Gegenwärtigen zerflossen in Tränen. Als der Kardinal die Worte sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O Herr, ich bin nicht würdig, und niemals war ich würdig; ich habe nichts Gutes getan!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihm dann die heilige Hostie gereicht wurde, sprach er: &amp;quot;Komm, Herr, komme!&amp;quot; Nachdem alles vorüber war, fügte er bei: &amp;quot;Nun habe ich den wahren Seelenarzt empfangen: O Eitelkeit der Eitelkeit, alles ist Eitelkeit! Wer etwas Anderes sucht als Christus, der weiß wahrlich nicht, was er sucht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwölf Tage vor seinem Tode sagte er zu Einem der Seinigen: &amp;quot;Mein Sohn! Wisse, nach wenigen Tagen werde ich sterben und zwar wird dies wider alles Erwarten geschehen; mein Tod wird zwischen Tag und Nacht eintreffen.&amp;quot; Zehn Tage vorher fragte er einen Laienbruder: &amp;quot;Wie viele Tage des Monats vorüber seien?&amp;quot; &amp;quot;Fünfzehn&amp;quot;, antwortet dieser. &amp;quot;Fünfzehn, sprach Philipp, und noch zehn dazu, dann werde ich alsbald von hinnen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25.Mai, an welchem damals das heiligste Fronleichnamsfest fiel, befahl der Heilige, man solle Alle, welche ihm beichten wollten, hereinlassen. So hörte er vom frühesten Morgen an die Beichten und mehreren der Seinigen gab er zur Buße auf, daß sie nach seinem Tode einen Rosenkranz für ihn beten sollten. Nach Anhörung der Beichten betete er sein Brevier und las dann in der Hauskapelle die heilige Messe mit besonderer Andacht. Das Gloria in excelsis sang er mit lauter, heller Stimme, jubelnd im Geiste wie ein Engel. Nach der heiligen Messe reichte er mehreren die heilige Kommunion und machte dann seine Danksagung, darauf hörte er wieder Beicht. Beim Mittagsmahle aß er etwas Weniges und führte ein geistliches Gespräch mit seinen Freunden auf die lieblichste Weise. Nachmittag ließ er sich die Lebensgeschichte des heiligen Bernardin von Siena vorlesen, betete dann mit einigen die Tagzeiten, hörte noch einige Beicht und erteilte dann allen Hausgenossen den Segen. Niemand dachte an seinen Tod, obwohl der Heilige ihn bestimmt an diesem Tage vorausgesagt hatte. Um 9 Uhr legte er sich zu Bette und entließ dann Alle mit den Worten: &amp;quot;Man muß endlich doch sterben.&amp;quot; Nach 11 Uhr Nachts stieg er aus dem Bette und ging im Zimmer herum. Von seinen Schritten aufgeweckt, eilte Pater Antonius herbei und fragte den Heiligen, der schon wieder im Bette lag, wie er sich befinde. Er erwiederte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Antonius, ich gehe.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun rief dieser alle Brüder herbei, denn schon war der Todeskampf eingetreten. Die Augen zum Himmel erhoben, segnete er sie nochmal Alle, neigte sein Haupt und gab dann sanft im Herrn seinen Geist auf am 26. Mai nicht ganz achtzig Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in seinem Leben, so verherrlichte ihn Gott auch im Grabe durch viele Wunder und noch heut zu Tage ist sein Name in der Stadt Rom in aller Munde, gesegnet von Tausenden, die durch ihn und seine heilige Versammlung für Jesus gewonnen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Darstellung des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp Neri wird abgebildet, wie er in einem roten Meßgewande die heilige Messe ließt, neben sich die heilige [[Gottesmutter Maria|Gottesmutter]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Neri Schußgebetlein, die er seine Beichtkinder lehrte&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp war ein Heiliger der Liebe; alle Menschen wollte er zu dieser heiligen Liebe entflammen, denn sie ist die Mutter aller Tugenden. Daher lehrte er seine Schüler und besonders seine Beichtkinder kurze Gebete, Pfeil- oder Schußgebetlein genannt, um dadurch in steter Liebesvereinigung mit Gott zu verharren. Sie sollten nämlich diese Gebetlein recht oft sprechen, um so ihr Herz immer zu erheben. Diese Gebetlein sind folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr, verbirg dich nicht vor mir! &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott, merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, du bist mein Jesus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann werde ich dich mit kindlicher Liebe lieben! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, beschütze uns vor dem Feinde und nimm uns auf in der Todesstunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe dich, o mein Jesus, noch nicht erkannt, weil ich dich noch nicht gesucht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll ich tun, wenn du, mein Jesus, mir nicht hilfst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verleihe mir, o Jesus, daß ich dir diene, nicht aus Furcht, sondern aus Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal endlich will ich dich lieben, o Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir selbst mißtraue ich, dir vertraue ich, o mein Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Jesus, wenn ich doch dich und mich erkennete! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde dich, o Jesu, nie lieben, wenn du mir nicht hilfst! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich falle, o mein Jesus, wenn du mir nicht hilfst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimm Alles hinweg, o mein Jesus, was mich hindert, dich zu besitzen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiligste Jungfrau, meine Gebieterin, gib, daß ich immer an dich denke!!&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884 nach FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Philipp_Neri&amp;diff=18452</id>
		<title>Philipp Neri</title>
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		<updated>2011-08-15T18:09:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Des heiligen Philipp Andacht zur seligsten Jungfrau Maria */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:PhilippNeri.jpg|right|thumb|300px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der heilige Philipp Neri, Ordensstifter&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1595&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[26. Mai]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Vorwort&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verdient die heilige [[Magdalena von Pazzi]]s den Namen &amp;quot;Mutter der [[Liebe]]&amp;quot; wegen ihrer unaussprechlichen Liebe zu [[Jesus Christus|Jesus]], so kann man mit Recht den heiligen Philipp Neri &amp;quot;den Vater der Liebe&amp;quot; nennen; denn es wird wenige Heilige geben, welche eine so gewaltige Liebe Gottes und des [[Naechstenliebe|Nächsten]] in ihrem Herzen getragen wie dieser heilige Diener Gottes. Merkwürdig ist, dass diese beiden liebenden Seelen die nämliche Stadt zum Geburtsorte hatten. Auch der heilige Philipp wurde zu Florenz geboren, wo sein Vater Franz Neri Advokat gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Aus dem Leben des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie fromm er schon als Knabe gelebt, davon nur einige Beispiele. - Er hatte frühzeitig seine leibliche Mutter verloren, die er zärtlich liebte und kindlich ehrte. Die gleiche Liebe aber und Ehrfucht hegte er auch gegen seine Stiefmutter; er war ihr pünktlich gehorsam und tat ihr Alles, was er ihren Augen absehen konnte. Als er von Florenz abreiste, beweinte sie daher seinen Verlust lange Zeit und sie konnte ihn nimmer vergessen. Das [[Gebet]], das Studium und die Anhörung des Wortes Gottes waren seine liebsten Beschäftigungen. Schon damals erhielt er Alles, was er im Gebete von Gott verlangte. Eines Tages verlor er beim Nachhausegehen eine goldene Kette, welche er zufällig in den Händen trug. Sogleich fing er zu beten an und bald hatte er die Kette wieder gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr häufig besuchte er die Dominikanerkirche seiner Vaterstadt und zwei fromme Väter des Klosters, welche ihn sehr liebten und zu allem Guten anleiteten. Durch Wort und Beispiel dieser Männer angefeuert, suchte er getreu in die Fußstapfen Jesu zu treten, und verlangte für ihn Alles zu leiden. Einst ergriff ihn ein heftiges Fieber; aber ohne sich nur im Geringsten etwas merken zu lassen, ertrug er die Schmerzen dieser Krankheit heitern Mutes, bis es endlich die Stiefmutter merkte und für seine Genesung sorgte. Als ein Teil seines väterlichen Hauses abbrannte, hörte man aus seinem Munde keine Klage und als man ihm einst den Stammbaum seiner Vorfahren zeigte, zerriß er ihn sogleich; denn ihm waren weltliche Güter und Ehren ganz gleichgültig, vielmehr wollte er im Buche des Lebens eingeschrieben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde an Philipp das zwar gemeine, aber treffende Sprichwort wahr: &amp;quot;Was eine Kessel werden will, brennt bei Zeiten;&amp;quot; denn schon frühe gab er zu erkennen, welch ein großer Diener Gottes er werden würde. Zum Jüngling herangewachsen, wurde er von seinem Vater zu seinem Oheime &#039;&#039;(Onkel)&#039;&#039;, einem sehr reichen Manne, geschickt, der aus ihm einen tüchtigen Handelsmann machen wollte; allein Philipp wollte lieber statt Geld den Himmel gewinnen und begab sich daher heimlich nach [[Rom]], wo er bei einem Edelmanne aus seiner Vaterstadt Aufnahme fand, dessen beiden Söhne er unterrichtete. Bei diesem Manne verweilte er mehrere Jahre in größter Einsamkeit. Seine Kammer war ganz ärmlich; es befanden sich nur ein Bett und einige Bücher darin; Brot war seine Speise, Wasser sein Trank; bisweilen aß er zum Brote einige Früchte. Er erzählte später, dass er als Jüngling nur zwei Gulden monatlich zu seinem Unterhalte brauchte. Ganze Nächte durchwachte er im Gebete; die übrige Zeit verwendete er auf das Studium der Wissenschaften, worin er sich vor allen Schülern auszeichnete, oder er besuchte die Kranken in den Spitälern, oder er unterrichtete unter den Vorhallen der Kirchen das niedere Volk in den Lehren des katholischen Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er ganz einsam lebte, so wurde sein Name doch bald überall bekannt und man nannte ihn auch zu Rom, wie in seiner Vaterstadt &#039;&#039;&#039;&amp;quot;den guten Philipp.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er seine Studien vollendet hatte, verkaufte er seine Bücher, schenkte das Geld den Armen und verlegte sich nun ganz und gar an das beschauliche Leben, worin er oft vierzig Stunden in einem fort verharrte. Während des Gebetes entbrannte oft sein Herz von so gewaltiger Liebe, dass er sich auf den Boden niederwarf, seine Kleider öffnete und andere Mittel anwendete, um das verzehrende Feuer in seinem Innern zu mildern. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich geißelte er sich mit eisernen Kettchen; nur einige Stunden schlief er auf hartem Boden, und wie ein Einsiedler beobachtete er immer das strengste Stillschweigen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Beinahe jede Nacht besuchte er die sieben Hauptkirchen der Stadt Rom, was einen Weg von beiläufig zwölftausend Schritten ausmacht. Während dieser Wanderung kam er auch in den unterirdischen Kirchhof von St. Sebastian. Hier bei den Gräbern der heiligen Märtyrer und ersten Christen verweilte er in dunkler Nacht ganz allein im Gebete, und wurde dabei von Gott mit einer solchen Fülle himmlischer Tröstungen begnadigt, dass er oft auf den Boden hingestreckt ausrief: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Es ist genug, o Herr! Es ist genug! Halte ein mit den Strömen deiner Gnade!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre brachte er die Nächte in den Kirchen und bei den Gräbern zu, oft fand man ihn, wenn die Kirchtüren geschlossen waren, außer denselben knieen und beim Scheine des Mondes lesen.&lt;br /&gt;
Da Satan merkte, dass der Heilige aus seinen Übungen einen so großen Gewinn zog, so suchte er ihn durch Schreckbilder davon abzuhalten. Er stellte ihm auf dem Wege halbnackte Gestalten entgegen, um böse Gedanken in ihm zu erregen, oder andere scheusliche Bilder, um ihn zur Flucht zu nötigen. Allein Philipp ging seines Weges, empfahl sich dem Schutze Gottes und die Truggestalten verschwanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Pfingstfeste, als er 29 Jahre zählte, geschah es, dass, als er seiner Gewohnheit gemäß um die Gnade des [http://ecclesiaeveritas.net/index.php/Kategorie:Heiliger_Geist heiliges Geistes] flehte, ein solch gewaltes Liebesfeuer sein Herz entzündete, dass er nicht mehr auf den Füssen stehen konnte. Er warf sich auf die Erde nieder und riß seine Kleider auf, um sich Kühlung zu verschaffen. Als er wieder aufstand, fand es sich, dass der Knorpel, welcher die Rippen der linken Seite verbindet, wo das Herz liegt, auseinander gesprungen und seine Brust über dem Herzen um die Dicke einer Faust erhöht war. - Fünfzig Jahre bis zum Tode blieb ihm dieser Zustand, und in der so erweiterten Brust empfand er von nun an, wenn er betete oder geistliche Verrichtungen machte, immer ein heftiges Herzklopfen, von dem sein ganzer Leib, ja oft der Stuhl, auf dem er saß, oder das Bett oder Zimmer, in dem er sich befand, erzitterte. Dabei wurde er von einer beständigen Liebesglut verzehrt, die oft so heftig war, dass sein Gaumen ganz austrocknete, und dass man mitten im Winter Türen und Fenster öffnen mußte. Einst ging er, schon im hohen Alter, mitten im Winter auf den mit Schnee bedeckten Strassen Roms einher mit offenen Kleidern, während seine Begleiter in Mantel gehüllt waren, und sprach scherzend zu ihnen: &amp;quot;Schämt ihr euch nicht, ihr jungen, starken Leute, vor Frost zu starren, wann Greise heiß sind!&amp;quot; Dies innere Feuer zeigte sich auch in den Augen und im Gesichte, aus denen oft Funken hervorzusprühen schienen. Als man nach seinem Tode die Brust öffnete, fand man zwei Rippen gebrochen, die Brust über Fausthoch erhöht, und das Wasser im Herzbeutel ganz verzehrt, welches die Ärzte der Inbrunst seiner Liebe zuschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher lebte er einsam nur dem Gebete und der Buße, jetzt aber trieb ihn der Geist Gottes an, auch am Heile der Seelen zu arbeiten. Er besuchte nun die Strassen, die Schulen, die Werkstätten und andere Plätze der Stadt, um Seelen für Gott zu gewinnen. Er tat dies auf eine eigene Weise. Zuerst suchte er diejenigen, welche er auf einen guten Weg leiten wollte, durch Freundlichkeit zu gewinnen; er erwies ihnen allerhand Liebesdienste und Wohltaten, ohne seine Absicht merken zu lassen. Hatte er ihr Vertrauen gewonnen, so suchte er sie zu unterrichten, zu mahnen, und nach und nach zu einem frommen Leben anzueifern. Auf solche Weise bekehrte er eine große Anzahl leichtsinniger, lauer Menschen. Er machte sich auch nach und nach an die lasterhaftesten Männer, und es gelang ihm, ihnen die Augen zu öffnen; diejenigen aber, welche ihm kein Gehör gaben, kamen gewöhnlich Übel hinweg. Manche starben jähen Todes oder fielen in großes Unglück. Der heilige [[Ignatius von Loyola|Ignatius]], welcher damals in Rom lebte, nannte daher Philipp &amp;quot;eine Glocke.&amp;quot; Denn wie die Glocke zur Kirche ruft, aber selbst im Turme hängen bleibt, so führte Philipp viele Weltmenschen zum Ordensstande, blieb aber selbst noch in der Welt. Gott hatte nämlich mit Philipp noch andere Absichten. Er sollte insbesondere der Vater der Sünder, der Armen, Kranken und Unwissenden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er am Heile der Seelen arbeitete, obwohl er noch nicht [[Priester]] war, vergaß er auch die Armen und Kranken nicht, und um dem Drange seines liebenden Herzens zu genügen, stiftete er in Verbindung mit seinem Beichtvater, einem heiligen Priester, die Bruderschaft der heiligsten Dreifaltigkeit, welche zum Zwecke hatte, die Armen, welche erst von einer Krankheit genesen waren, und Fremdlinge in ihren Häusern aufzunehmen und zu verpflegen. Anfangs hatte er fünfzehn Gefährten, welche alle Monate in einer Kirche zusammen kamen, wo sie dann das 40stündige Gebet hielten und danach Philipp eine Anrede an das zahlreiche Volk mit solchem Feuereifer hielt, dass er oft die verworfensten Menschen bekehrte. Eines Tages bekehrte er auf einmal 30 Jünglinge, welche einem ausgelassenen Leben ergeben waren, und viele, die Spaß halber kamen, um den Heiligen zu hören, wurden von seinen Worten ganz umgewandelt. Wenn die Bitttage gehalten wurden, dann kam Philipp vor lauter Eifer fast gar nicht mehr aus der Kirche, indem er immer wieder andere Mitglieder herbei rief, die mit ihm beten mußten. Wenn eine Stunde vorüber war, gab er mit der Glocke das Zeichen und sprach: &amp;quot;Wohlan Brüder, eine Stunde ist vorüber, doch nimmer die Zeit, Gutes zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wie schon gesagt, hatte die Bruderschaft den Zweck, Pilger zu beherbergen und arme Kranke nach ihrer Genesung zu verpflegen. Anfangs nahmen die Mitglieder diese Armen in ihre Häuser auf; später mietete Philipp ein Haus, wo er mit seinen Genossen nur die niedrigsten Dienste verrichtete, und da die Pilger und Kranken immer mehr wurden so kauften Wohltäter noch mehrere Häuser, und Männer, selbst aus den höchsten Ständen, ja selbst Päpste kamen und bedienten in demselben die Fremdlinge. Im Jahre 1600 wo ein feierliches Jubiläum in Rom gehalten wurde, fanden dort 270.000 Pilger Herberge und Pflege, und im Jahre 1825 nicht weniger als 273.299. Das Spital steht noch heut zu Tage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher war Philipp noch nicht im geistlichen Stande; er hielt sich der Priesterwürde nicht wert, konnte aber doch ohne dieselbe nicht so umfassend wirken; daher befahl auf Gottes Eingebung ihm sein Beichtvater, er müsse sich zum [[Priester]] weihen lassen. Der Heilige gehorchte und empfing im Alter von 36 Jahren die Priesterweihe. Nachdem er Priester geworden, zog er sich in das Haus zum heiligen [[Hieronymus]] zurück, wo damals eben sein Beichtvater und mehrere andere fromme Priester ein gemeinschaftliches Leben ohne besondere Regel führten, und am Heile der Seelen arbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was nun der Heilige von dieser Zeit bis zum letzten Hauche seines Lebens mit der Gnade Gottes Großes gewirkt, wie er gelebt und mit dem Glanze seiner Tugenden Rom und die ganze heilige katholische Kirche erleuchtet hat, das Alles läßt sich in einer Legende nicht beschreiben. Ich will dir daher, lieber Leser, zur Erbauung und Belehrung einige schöne Züge aus seinem Leben vor Augen stellen, und zwar zum Ersten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Liebe zu Gott&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hievon haben wir schon gehört; ich will daher nur noch Einiges beisetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuer der Gottesliebe, welches in seinem Inneren beständig brannte, durchdrang alle seine Glieder und blitzte ihm aus den Augen; man konnte ihn daher nicht lange anblicken, ohne geblendet zu werden, und kein Maler vermochte sein Bild zu treffen, weil keiner den Glanz seiner Augen darstellen konnte. Die Liebesglut brachte ihn öfters in Ohnmacht, so daß er oft ganze Tage im Bett zubringen mußte. Wenn er in eine Kirche eintrat, so mußte er nach einer kurzen Anbetung wieder gehen, um nicht öffentlich in Verzückung zu geraten; denn sobald er betete, kam er außer Sinnen, heftete seine Augen zum Himmel und blieb unbeweglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Liebe zu Gott entsprang die eifrigste Anbetung und das sehnsüchtige Verlangen nach dem heiligsten Altarsakramente. Ehe er Priester wurde, beichtete er täglich und ging dann zur heiligen Kommunion; zum Priester geweiht, las er, wenn er nicht krank war, täglich die heilige Messe; war er krank, so ließ er sich die heilige Kommunion an sein Bett bringen. Hatte er den Leib des Herrn mit großem Jubel empfangen, dann bedeckte er sein Gesicht mit einem Leintuche, um den Glanz desselben zu verbergen, und unterhielt sich mit Jesus lange Zeit, wobei er nichts als weinte. Die Sehnsucht nach dem Leibe des Herrn machte ihn oft krank, dagegen wurde er in seinen schweren Krankheiten durch den Empfang der heiligen Kommunion wunderbar gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn er die heilige Messe las, so war seine Andacht und Inbrunst so groß, dass er jedesmal in Verzückung geriet und er mußte sich dann Gewalt antun, dies zu verhindern, um das heilige Opfer vollbringen zu können. Oft zitterte sein ganzer Leib, ja selbst die Stufen des Altars bebten, wenn ihn die Inbrunst der Liebe ergriff. Mitten in den Meßgebeten kam er außer sich, und es mußte daher immer einer seiner Gefährten gegenwärtig sein, der ihm anzeigte, bei welchem Teile der heiligen Messe er sich befinde. Oft wurde er bei der Wandlung einen Schuh hoch emporgehoben, so daß er frei in der Luft schwebte. Bei der heiligen Kommunion war er von himmlischer Süssigkeit durchdrungen und man sah es ihm auch äußerlich an, indem es schien, als genöße er die köstlichste Speise. Nach der heiligen Messe bedeckte er sein Gesicht und verharrte einige Stunden im Gebete ganz außer sich. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, zitterte er am ganzen Leibe vor Inbrunst des Herzens, so daß die heiligen Hostien im Kelche emporsprangen, und sein Gesicht wurde wie Feuer glühend. Als er einmal einer frommen Dame die heilige Kommunion reichte, erhob sich plötzlich die heilige Hostie in die Luft, er selbst wurde öfters bei Erteilung der heiligen Kommunion in die Luft erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts erregte seine Liebe so sehr, als die Betrachtung des Leidens Christi. Beständig trug er das Bild des gekreuzigten Heilandes bei sich. Nichts wünschte er sehnlicher, als für Jesus sein Blut zu vergießen. Wenn er daher aus Nase und Mund blutete, so bat er Gott, er möge sein Blut zum Opfer annehmen und immer fließen lassen. Seine Bitte wurde erhört, denn von nun an verlor er oft so viel Blut aus Mund und Nase, dass er ganze Schüsseln anfüllte. Er war zwar nicht dem Leibe nach, aber im Herzen ein Märtyrer Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Solche Liebe hatte Philipp zu Gott; o wenn du und ich, christliche Seele, nur einen Theil dieser Liebe hätten! Woher empfing aber Philipp diese Liebe? Aus dem Gebete und der Betrachtung. Beten wir, christliche Seele, betrachten wir die unendliche Liebe Gottes im Leiden Jesu; flehen wir oft und oft um Liebe, empfangen wir nach dem Rate des heiligen Philipp recht oft die heilige Kommunion, und die Liebe wird kommen und Wohnung bei uns nehmen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Andacht zur seligsten Jungfrau Maria&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Jesus liebt und ehrt, der liebt und ehrt auch seine heilige Mutter. Alle Heiligen waren eifrige Diener der heiligen Mutter Gottes, auch Philipp. Er nannte sie nur seine liebe Mutter, seine Liebe, seinen Trost. Sein gewöhnliches, beständiges Gebet zur heiligen Jungfrau war: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich! O Jungfrau und Mutter!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem kurzen Gebete, sprach er, werde die höchste Würde der Jungfrau ausgedrückt und verkündet. Seine Schüler mußten täglich 63 mal dieses Gebet wiederholen und daraus der heiligen Jungfrau eine Krone flechten. Seine Beichtkinder und besonders jene, welche gegen die heilige Reinigkeit versucht wurden, lehrte er dieses Gebet verrichten, empfahl es ihnen und sie erfuhren jedesmal wunderbare Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Christliche Seele, bete auch du dieses kleine Gebet recht oft, und du wirst bald wunderbare Wirkungen empfinden!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp behauptete von sich selbst, dass er von Maria unzählbare Wohltaten empfangen und besonders gegen die Anfälle des Teufels wunderbare Hilfe erhalten habe. Die heilige Maria erschien ihm öfters; einige Zeit vor seinem Tode machte sie ihn auf der Stelle gesund; auch andern erlangte er durch ihre Fürbitte die Gesundheit und Hilfe in ihren Nöten. Einer seiner geliebtesten Jünger, der fromme und gelehrte Cäsar Baronius, wurde zum Tode krank. Da rief der heilige Philippus mit heißter Inbrunst zu Jesus: &amp;quot;Ich bitte, ich will, daß Cäsar gesund werde.&amp;quot; Sein Gebet aber war vergeblich; da wandte sich der Heilige zu Maria und sein Flehen wurde durch ihre Fürbitte erhört; Cäsar wurde auf der Stelle gesund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen solcher Gunstbezeugungen, die ihm Maria erwies, schärfte er daher seinen Schülern und Beichtkindern beständig ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Meine Kinder! Ehret die Mutter Gottes, liebet Maria!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willst du nicht auch Maria, die liebe, süße, gütige Frau und Mutter ehren und lieben? Ach, wie unglücklich wärest du, wenn du Maria nicht liebtest; du kannst ohne sie nicht Jesus lieben und wirst nicht selig werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp jungfräuliche Reinigkeit&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Jugend auf hatte er seine jungfräuliche Reinigkeit unverletzt bewahrt, doch nicht ohne harte Kämpfe gegen das Fleisch. Er hatte schon als Knabe den Entschluß gefaßt, diese Tugend auf das Sorgfältigste zu bewahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hielt er sich immer in Furcht und Mißtrauen auf sich selbst. Niemals entblößte er einen Teil des Körpers ohne dringende Notwendigkeit, und nie sprach er ein Wort, dass nicht die zarteste Reinigkeit atmete. Weiblichen Personen blickte er nie in das Gesicht. Eine Frauensperson von ausgezeichneter Schönheit, welche dreißig Jahre sein Beichtkind war, bezeugte mit einem Eid, dass der Heilige sie niemals angeblickt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb wollte er auch Frauenspersonen nicht gerne Beicht hören, behandelte sie strenge und hörte ihre Beicht nur durch ein Gitter und mit abgewendetem Gesichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sorgfältig er aber die Reinheit hütete, hatte er doch die heftigsten Versuchungen auszustehen, und aus der Art und Weise, wie er sie überwunden, kannst du, christliche Seele, entnehmen, wie du auch siegen mögest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Wohlgestalt wollten ihn einst in seinem achtzehnten Jahre sittenlose Menschen zu etwas sündhaftem verleiten. Er konnte ihnen nicht ausweichen und nicht entfliehen; da kam ihm der Gedanke, ob nicht vielleicht das Wort Gottes die Herzen dieser Buben erweiche. Er redete daher mit ihnen von göttlichen Dingen und von der Abscheulichkeit der Sünde, und siehe da, die Bösewichter gaben ihr Vorhaben auf und bekehrten sich sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einstmals sperrten ihn gottlose Jünglinge in ein Zimmer mit zwei schlechten Weibspersonen ein. Da warf sich der heilige Jüngling auf die Erde, rief mit rührenden Worten zum Herrn und als dies die Dirnen sahen und hörten, getrauten sie sich nicht einmal, ihn anzusehen, und zogen sich in einen Winkel des Zimmers zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er schon Priester war, stellte sich eine unverschämte Dirne krank und ließ Philipp rufen. Dieser, nichts Böses ahnend, kam. Aber auf der Stiege trat ihm schon das gottlose Weib, nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, entgegen, um ihn zur Sünde zu verleiten. Er aber bezeichnete sich mit dem Kreuze, wendete sich sogleich um und entfloh. Wütend hierüber warf ihm die Dirne einen Schemmel nach, er aber kam unverletzt an Leib und Seele davon und von dieser Stunde an fühlte er nicht mehr die geringste unreine Regung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese hohe Reinigkeit glänzte ihm auch im Gesichte, das wie das eines Engels erschien, und aus seinem Leibe strömte ein überaus lieblicher Geruch hevor, wodurch viele zur heiligen Andacht entflammt wurden. Gott verlieh ihm auch die Gabe, die Keuschheit an Andern durch den Wohlgeruch und die Unlauterkeit durch den Gestank, der von ihnen ausging, zu erkennen. Wenn er daher einem Menschen, der mit dem Laster der Unlauterkeit behaftet war, begegnete, hielt er sich mit einem Schnupftuche die Nase zu. Kam ein unreiner Mensch zu ihm, so rief ihm der Diener Gottes, ohne ihn zu kennen, sogleich zu: &amp;quot;Du stinkst, mein Sohn!&amp;quot; oder: &amp;quot;Mein Sohn, ich rieche deine Sünden!&amp;quot; Er behauptete auch, es gebe nichts Lästigeres und Abscheulicheres, als den Gestank dieses Lasters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, christliche Seele! Bedenke, wie abscheulich muss die Unreinigkeit erst Gott, der seligsten Jungfrau, dem heiligen Schutzengel vorkommen!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des heiligen Philipp Reinigkeit hatte auch einen großen Einfluß auf andere Menschen und besonders auf die unreinen Geister. Unzählige wurden durch die Auflegung seiner Hände und durch seine Umarmung von unreinen Versuchungen befreit; Mehrere dadurch zur Bewahrung der jungfräulichen Keuschheit angeregt. Sogar sein Name diente dazu, die unreinen Geister zu vertreiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel, welche der Heilige jungen Personen vorschrieb, um keusch zu leben, waren folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie sollten sich ganz besonders hüten, mit schlechten Menschen Umgang zu pflegen, &lt;br /&gt;
* ihren Leib nicht zärtlich behandeln, &lt;br /&gt;
* niemals müssig gehen, &lt;br /&gt;
* fleißig beten, &lt;br /&gt;
* die heiligen Sakramente der Buße und des Altars öfters empfangen; &lt;br /&gt;
* über den Fall Anderer Mitleid haben; &lt;br /&gt;
* nie darüber zürnen oder urteilen, denn sonst falle man gewiß in denselben Fehler; &lt;br /&gt;
* alle bösen Gedanken frei und offenherzig dem Beichtvater entdecken, &lt;br /&gt;
* sich einen erfahrnen Beichtvater wählen und demselben gewöhnlich beichten;&lt;br /&gt;
* beim ersten Anfall sogleich zu Gott um Hilfe rufen;&lt;br /&gt;
* die seligste Jungfrau ganz besonders verehren und anrufen; &lt;br /&gt;
* sich hüten, Kinder zu umarmen und zu küssen, &lt;br /&gt;
* mit Tieren zu scherzen und &lt;br /&gt;
* ganz besonders zu fliehen, denn &amp;quot;in diesem Kampfe, pflegte er zu sagen, siegen nur die Furchtsamen und die Feigen!&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Willst du diese Mittel anwenden, christliche Seele?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp tiefe Demut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehren und Würden verachtete er aus tiefstem Herzensgrunde. Zwei Päpste übertrugen ihm die Kadinalswürde und andere hohe Stellen; er aber schlug sie jedesmal aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verlangte nichts anderes als Gottes Wohlgefallen und den Himmel. Einige Monate vor seinem Tode sprach er mit dem Bruder Bernardin, einem Manne von großer Einfalt: &amp;quot;Bernardin, der Papst hat mir den Kardinalshut zugedacht, was meinst du dazu?&amp;quot; Der Bruder erwiderte: &amp;quot;Ich meinte, man dürfte diese Würde nicht zurückweisen, wenigstens um unserer Gesellschaft aufzuhelfen.&amp;quot; Der Heilige hob nun sein Birett in die Höhe und sagte mit zum Himmel gerichteten Augen: &amp;quot;Bernardin, das Paradies, das Paradies!&amp;quot; Dieser aber entgegnete mit Einfalt: &amp;quot;Verzeihet Vater, daran habe ich nicht gedacht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige wollte sogar jene Ehren und Würden nicht annehmen, die ihm als Stifter seiner Versammlung zugehörten. Deshalb ließ er sich nie anders als &amp;quot;Pater&amp;quot;, &amp;quot;Vater&amp;quot; nennen; deshalb nannte er sich im höchsten Ernste den schlechtesten Menschen, weil er im Lichte Gottes die Armseligkeit und das Elend des Menschen erkannte. Wenn er sah, dass Jemand ein schweres Verbrechen beging, dann rief er aus: &amp;quot;O hätte ich nichts Schlimmeres getan!&amp;quot; Täglich machte er bei der heiligen Messe, wenn er die heilige Hostie in der Hand hielt, die Beteuerung: &amp;quot;Herr, du mußt dich heute vor mir hüten, denn ich werde dich verraten und alles Böse vollbringen.&amp;quot; Ein andersmal sagte er: &amp;quot;Die Seitenwunde Christi ist zwar groß, wenn mich aber nicht Gott selbst leitet, so werde ich sie gewiß noch größer machen.&amp;quot; Wenn er beichtete, vergoß er immer die hellsten Tränen, und wenn er junge Leute sah, rief er aus: &amp;quot;Ich verzweifle an mir,&amp;quot; und als man ihn deswegen fragte, antwortete er: &amp;quot;Ich verzweifle an mir allerdings, doch hoffe ich auf Gott.&amp;quot; Als ihn eines Tages eine Frau einen Heiligen nannte, entgegnete er zornig: &amp;quot;..... dich, ich bin ein Teufel und kein Heiliger.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er konnte nie leiden, wenn man ihn ehrte, und wenn Jemand ihn lobte, dann rief er aus: &amp;quot;O ich Armseliger! Wie viele Bauern und arme Mädchen werden mir im Himmel vorgehen!&amp;quot; Dagegen, wenn man ihn verachtete oder gering schätzte, hatte er die größte Freude. Wie der heilige Apostel Johannes seinen Jüngern immer zugerufen: &amp;quot;Kindlein, liebet einander,&amp;quot; so rief der Heilige den Seinigen immer zu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Seid demütig, trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet es mit den Niedrigen,&amp;quot; und fasste dann alle seine Belehrungen über die Demut in diese Worte zusammen: &amp;quot;Die Welt verachten, keinen Menschen verachten, sich selbst verachten und verachten sich verachtet zu sehen,&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diese vier Dinge seien zur vollkommenen Demut notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies übte der Heilige aus, dies wollen auch wir, ich und du lieber Leser, ausüben; denn ohne demütigen Kindersinn werden wir nicht selig!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Arbeiten und Sorgen für seine Nebenmenschen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast schon gelesen, wie der Heilige aus Liebe zu den Armen und Kranken eine Bruderschaft stiftete und unermüdet dieselben pflegte, und wie er auch in der Kirche des heiligen Erlösers zu Rom mit seinen Freunden Versammlungen hielt und das niedere Volk unterrichtete. Nachdem er aber Priester geworden war, kannte sein Eifer für das Heil der Seelen keine Grenzen mehr. Vor allem verwendete er auf Befehl seiner Obern seine ganze Zeit und Kraft auf den Beichtstuhl. Man darf sagen, dass er Tag und Nacht, selbst wenn er krank war, die beichten der reumütigen Sünder hörte, die zahlreich zu ihm eilten, um durch ihn Frieden mit Gott und mit sich zu erhalten. Er wartete auf die Sünder neben seinem Beichtstuhl und zu jeder Stunde nahm er sie liebevoll auf. Mit welcher Sanftmut und Liebe er aber die armen Sünder behandelte, wie er sie tröstete, aufrichtete, belehrte, vor dem Rückfall bewahrte, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Gerade mit den Rohesten, Unwissendsten und Lasterhaftesten hatte er das größte Mitleid, und wenn er nur mit ihnen redete, so konnten sie seinen Worten nicht wiederstehen. Einst kam ein sehr ausgelassener Jüngling zu ihm, der immer ganz verstockt dahin lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bat ihn, dass er nur täglich siebenmal das Salve Regina bete, dann bei jedem Falle in die Sünde sogleich den Erdboden küsste und zu sich selbst sage: &amp;quot;Morgen werde ich vielleicht sterben.&amp;quot; Der Jüngling tat es und in kurzer Zeit bekehrte er sich vollständig, lebte noch 14 Jahre bußfertig und starb eines seligen Todes. Ein arger Gewohnheitssünder legte seine Beicht bei dem Heiligen ab; dieser aber legte ihm als Buße nichts anderes auf, als daß er nach jedem Falle sogleich wieder zur Beicht komme. Dieser gehorchte und führte bald ein völlig keusches Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehst du, christliche Seele, was die öftere Beicht vermag! Daher denn auch der Heilige ganz besonders zum öfteren Empfange der heiligen Sakramente ermahnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige erwartete aber die Sünder nicht bloß im Beichtstuhle, sondern er suchte sie sogar selbst auf, hielt ihnen die strengen Gerichte Gottes vor und suchte sie dann mit himmlisch sanften Worten für Gott zu gewinnen. Seine Zelle stand jedermann offen, den Armen und Reichen, jede Stunde des Tages. Einige derselben kamen täglich zu ihm, Andere zweimal des Tages und dies 30 bis 40 Jahre lang; alle nahm er mit Liebe auf. Eines Tages wollte einer seiner Schüler Jemand, der zu ungelegener Zeit kam, nicht einlassen. Als dies der Heilige bemerkte, sprach er tadelnd: &amp;quot;Habe ich es dir nicht gesagt, daß man meinethalben nicht Zeit noch Stunde berücksichtigen darf!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders hatte es der Heilige auf die Jugend abgesehen, weil diese so leicht zu verführen ist. Er wußte die jungen Leute an sich zu ziehen, ging mit ihnen spazieren, wohnte ihren Spielen bei, ließ ihnen ein Mahl bereiten und ermunterte sie zur Heiterkeit. Hatte er so ihr Zutrauen, dann unterredete er sich mit ihnen über göttliche Dinge, stellte ihnen das fromme Leben lebhaft vor Augen und gewann sie für Jesus. Wie klug er es anzustellen wußte, junge Leute für Gott zu gewinnen, davon nur ein Beispiel: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein junger Mann, mit Namen Franz Jazzera, hing noch sehr an der Welt. Einst besuchte dieser den Heiligen und sprach mit ihm von seinen guten Aussichten in der Welt. Der Heilige entgegnete ihm: &amp;quot;Ja, mein Sohn, du wirst ein großes Glück machen; du wirst ein Advokat, dann Prälat, sodann Kardinal und vielleicht werweiß, auch Papst werden; aber dann? aber dann? Gehe und überdenke diese Worte.&amp;quot; Franz ging nach Hause, immer klangen ihm die Worte in den Ohren: &amp;quot;und dann?&amp;quot; Er verstand den Heiligen, verließ nun die Welt und trat in die Genossenschaft des Heiligen. Zur Fastnachtzeit, wo der Teufel seine Schlingen gewöhnlich auswirft, um die jungen Leute zu fangen, führte er seine Jünglinge unter Musik und Gesang in die selben Hauptkirchen. Er ließ sie, schon im hohen Alter, neben seinem Zimmer Ball spielen. Die Hausgenossen verwiesen ihnen einst den Lärm, welchen sie dabei machten! Kaum hatte der Heilige davon gehört, sprach er zu ihnen: &amp;quot;Laßt euch nicht schrecken, Kinder! Spielet nur fort und seid fröhlich, ich verlange von euch nichts anders, als daß ihr nicht sündiget.&amp;quot; Ein Andersmal sagte er: &amp;quot;O wenn sie nur nicht sündigen, so mögen sie auf meinem Rücken Holz hacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbeschreiblich ist aber, was der Heilige durch die Stiftung seiner Kongregation oder Versammlung geleistet hat. Als er nämlich Priester geworden war und schon früher, wo er in der Kirche des Erlösers die Bruderschaftsversammlungen hielt, gesellten sich zu ihm viele fromme Männer, unter denen sogar berühmte Gelehrte waren, mit denen er täglich in einer Kapelle, &amp;quot;Oratorium&amp;quot; genannt, geistliche Unterredungen hielt, um sie zur Vollkommenheit anzueifern. Wie der Heilige, so suchten auch diese jungen Männer das Volk zu belehren, die Armen und Kranken zu unterstützen und zu pflegen, und die Sünder zu retten. Von der Kapelle oder dem Oratorium, wo sie sich täglich versammelten, erhielten sie den Namen Oratorianer. Sie beteten miteinander, empfingen mit aller Erbauung recht oft die heiligen Sakramente, machten in der Stadt zu den Hauptkirchen nächtliche Wallfahrten und diejenigen, welche Priester waren, sassen untermüdet im Beichtstuhl, hielten Christenlehren oder predigten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz großer Anfeindungen und Verfolgungen, die der Heilige deswegen auszustehen hatte, wurde die Zahl der Jünger immer größer, und es mußte endlich ein eigenes Haus gebaut und eine gemeinschaftliche Regel festgesetzt werden, welche Papst Gregor XIII. auch bestätigte. Der Heilige wurde Vorsteher der Versammlung und leuchtete allen durch sein Beispiel voran. &lt;br /&gt;
Er hatte dies Werk ganz der Verherrlichung Gottes geweiht und es wuchs zu einem herrlichen Baume heran, der die schönsten Früchte für Himmel und Erde hervorbrachte. Noch heut zu Tage ruht der sichtbare Segen Gottes auf dieser Stiftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es konnte nicht fehlen, daß der Heilige bei seinen fortdauernden angestrengten Arbeiten und seinen harten Abtödtungen öfters krank wurde. Öfters mußte man ihm die Sterbesakramente reichen. Niemals aber sprach er von seinen Schmerzen; ja wenn es ihm nicht ausdrücklich verboten war, hörte er sogar todkrank die Beichten seiner Schüler und sobald er das Bett wieder verlassen konnte, las er wieder die heilige Messe und ging in den Beichtstuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Ende seines irdischen Lebens&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen letzten Jahren wurde er von einem heftigen Fieber befallen, so daß man an seinem Aufkommen zweifelte. Da erhielt er plötzlich auf wunderbare Weise die Gesundheit wieder. Vier Ärzte hatten ihm bereits das Leben abgesagt und warteten in einem nahen Zimmer auf seinen Tod. Da rief auf einmal der Heilige aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O meine hochheilige Gebieterin! O du Schönste und Lieblichste, o meine gebenedeite Gebieterin!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärzte und einige der Seinigen, welche ihn rufen hörten, eilten herbei und fanden ihn schwebend in der Luft über seinem Bette, die Hände bald ausstreckend, bald zurückziehend, wie Jemand, der Etwas an sein Herz drückt und dabei rief er immer: &amp;quot;O meine Gebieterin, was habe ich denn getan, daß du dich würdigest, zu mir zu kommen?&amp;quot; Darauf sprach er noch ganz von Sinnen zu den Ärzten: &amp;quot;Habt ihr die seligste Jungfrau gesehen, welche zu mir gekommen ist, und mich von allen Schmerzen befreit hat?&amp;quot; Als er wieder zu sich kam und die Umstehenden bemerkte, weinte er, sein Angesicht in das Bett verhüllt, lange Zeit und darnach legte er allen ein unverbrüchliches Stillschweigen auf.  Am anderen Morgen stand er gesund vom Bette auf und las die heilige Messe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich, nachdem er ungeachtet seines schwächlichen Körpers seiner vielen Arbeiten und Krankheiten ein hohes Alter erlangt hatte, nahte sich seine Sterbestunde. Sein geliebter Cäsar Baronius erteilte ihm die letzte Ölung und der Kardinal Friedrich Borrmäus, sein innigster Freund, brachte ihm das heilige Abendmahl. Kaum hatte der Kardinal mit dem Allerheiligsten das Zimmer betreten, da öffnete der todkranke Heilige die Augen und rief mit größter Innigkeit weinend aus: &amp;quot;Siehe da, meine Liebe, sieh meine Liebe: Sieh mein Gut! Gebt mir meine Liebe!&amp;quot; Alle Gegenwärtigen zerflossen in Tränen. Als der Kardinal die Worte sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O Herr, ich bin nicht würdig, und niemals war ich würdig; ich habe nichts Gutes getan!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihm dann die heilige Hostie gereicht wurde, sprach er: &amp;quot;Komm, Herr, komme!&amp;quot; Nachdem alles vorüber war, fügte er bei: &amp;quot;Nun habe ich den wahren Seelenarzt empfangen: O Eitelkeit der Eitelkeit, alles ist Eitelkeit! Wer etwas Anderes sucht als Christus, der weiß wahrlich nicht, was er sucht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwölf Tage vor seinem Tode sagte er zu Einem der Seinigen: &amp;quot;Mein Sohn! Wisse, nach wenigen Tagen werde ich sterben und zwar wird dies wider alles Erwarten geschehen; mein Tod wird zwischen Tag und Nacht eintreffen.&amp;quot; Zehn Tage vorher fragte er einen Laienbruder: &amp;quot;Wie viele Tage des Monats vorüber seien?&amp;quot; &amp;quot;Fünfzehn&amp;quot;, antwortet dieser. &amp;quot;Fünfzehn, sprach Philipp, und noch zehn dazu, dann werde ich alsbald von hinnen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25.Mai, an welchem damals das heiligste Fronleichnamsfest fiel, befahl der Heilige, man solle Alle, welche ihm beichten wollten, hereinlassen. So hörte er vom frühesten Morgen an die Beichten und mehreren der Seinigen gab er zur Buße auf, daß sie nach seinem Tode einen Rosenkranz für ihn beten sollten. Nach Anhörung der Beichten betete er sein Brevier und las dann in der Hauskapelle die heilige Messe mit besonderer Andacht. Das Gloria in excelsis sang er mit lauter, heller Stimme, jubelnd im Geiste wie ein Engel. Nach der heiligen Messe reichte er mehreren die heilige Kommunion und machte dann seine Danksagung, darauf hörte er wieder Beicht. Beim Mittagsmahle aß er etwas Weniges und führte ein geistliches Gespräch mit seinen Freunden auf die lieblichste Weise. Nachmittag ließ er sich die Lebensgeschichte des heiligen Bernardin von Siena vorlesen, betete dann mit einigen die Tagzeiten, hörte noch einige Beicht und erteilte dann allen Hausgenossen den Segen. Niemand dachte an seinen Tod, obwohl der Heilige ihn bestimmt an diesem Tage vorausgesagt hatte. Um 9 Uhr legte er sich zu Bette und entließ dann Alle mit den Worten: &amp;quot;Man muß endlich doch sterben.&amp;quot; Nach 11 Uhr Nachts stieg er aus dem Bette und ging im Zimmer herum. Von seinen Schritten aufgeweckt, eilte Pater Antonius herbei und fragte den Heiligen, der schon wieder im Bette lag, wie er sich befinde. Er erwiederte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Antonius, ich gehe.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun rief dieser alle Brüder herbei, denn schon war der Todeskampf eingetreten. Die Augen zum Himmel erhoben, segnete er sie nochmal Alle, neigte sein Haupt und gab dann sanft im Herrn seinen Geist auf am 26. Mai nicht ganz achtzig Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in seinem Leben, so verherrlichte ihn Gott auch im Grabe durch viele Wunder und noch heut zu Tage ist sein Name in der Stadt Rom in aller Munde, gesegnet von Tausenden, die durch ihn und seine heilige Versammlung für Jesus gewonnen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Darstellung des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp Neri wird abgebildet, wie er in einem roten Meßgewande die heilige Messe ließt, neben sich die heilige [[Gottesmutter Maria|Gottesmutter]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Neri Schußgebetlein, die er seine Beichtkinder lehrte&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp war ein Heiliger der Liebe; alle Menschen wollte er zu dieser heiligen Liebe entflammen, denn sie ist die Mutter aller Tugenden. Daher lehrte er seine Schüler und besonders seine Beichtkinder kurze Gebete, Pfeil- oder Schußgebetlein genannt, um dadurch in steter Liebesvereinigung mit Gott zu verharren. Sie sollten nämlich diese Gebetlein recht oft sprechen, um so ihr Herz immer zu erheben. Diese Gebetlein sind folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr, verbirg dich nicht vor mir! &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott, merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, du bist mein Jesus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann werde ich dich mit kindlicher Liebe lieben! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, beschütze uns vor dem Feinde und nimm uns auf in der Todesstunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe dich, o mein Jesus, noch nicht erkannt, weil ich dich noch nicht gesucht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll ich tun, wenn du, mein Jesus, mir nicht hilfst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verleihe mir, o Jesus, daß ich dir diene, nicht aus Furcht, sondern aus Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal endlich will ich dich lieben, o Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir selbst mißtraue ich, dir vertraue ich, o mein Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Jesus, wenn ich doch dich und mich erkennete! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde dich, o Jesu, nie lieben, wenn du mir nicht hilfst! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich falle, o mein Jesus, wenn du mir nicht hilfst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimm Alles hinweg, o mein Jesus, was mich hindert, dich zu besitzen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiligste Jungfrau, meine Gebieterin, gib, daß ich immer an dich denke!!&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884 nach FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Philipp_Neri&amp;diff=18451</id>
		<title>Philipp Neri</title>
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		<updated>2011-08-15T18:05:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Des heiligen Philipp Liebe zu Gott */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:PhilippNeri.jpg|right|thumb|300px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der heilige Philipp Neri, Ordensstifter&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1595&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[26. Mai]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Vorwort&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verdient die heilige [[Magdalena von Pazzi]]s den Namen &amp;quot;Mutter der [[Liebe]]&amp;quot; wegen ihrer unaussprechlichen Liebe zu [[Jesus Christus|Jesus]], so kann man mit Recht den heiligen Philipp Neri &amp;quot;den Vater der Liebe&amp;quot; nennen; denn es wird wenige Heilige geben, welche eine so gewaltige Liebe Gottes und des [[Naechstenliebe|Nächsten]] in ihrem Herzen getragen wie dieser heilige Diener Gottes. Merkwürdig ist, dass diese beiden liebenden Seelen die nämliche Stadt zum Geburtsorte hatten. Auch der heilige Philipp wurde zu Florenz geboren, wo sein Vater Franz Neri Advokat gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Aus dem Leben des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie fromm er schon als Knabe gelebt, davon nur einige Beispiele. - Er hatte frühzeitig seine leibliche Mutter verloren, die er zärtlich liebte und kindlich ehrte. Die gleiche Liebe aber und Ehrfucht hegte er auch gegen seine Stiefmutter; er war ihr pünktlich gehorsam und tat ihr Alles, was er ihren Augen absehen konnte. Als er von Florenz abreiste, beweinte sie daher seinen Verlust lange Zeit und sie konnte ihn nimmer vergessen. Das [[Gebet]], das Studium und die Anhörung des Wortes Gottes waren seine liebsten Beschäftigungen. Schon damals erhielt er Alles, was er im Gebete von Gott verlangte. Eines Tages verlor er beim Nachhausegehen eine goldene Kette, welche er zufällig in den Händen trug. Sogleich fing er zu beten an und bald hatte er die Kette wieder gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr häufig besuchte er die Dominikanerkirche seiner Vaterstadt und zwei fromme Väter des Klosters, welche ihn sehr liebten und zu allem Guten anleiteten. Durch Wort und Beispiel dieser Männer angefeuert, suchte er getreu in die Fußstapfen Jesu zu treten, und verlangte für ihn Alles zu leiden. Einst ergriff ihn ein heftiges Fieber; aber ohne sich nur im Geringsten etwas merken zu lassen, ertrug er die Schmerzen dieser Krankheit heitern Mutes, bis es endlich die Stiefmutter merkte und für seine Genesung sorgte. Als ein Teil seines väterlichen Hauses abbrannte, hörte man aus seinem Munde keine Klage und als man ihm einst den Stammbaum seiner Vorfahren zeigte, zerriß er ihn sogleich; denn ihm waren weltliche Güter und Ehren ganz gleichgültig, vielmehr wollte er im Buche des Lebens eingeschrieben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde an Philipp das zwar gemeine, aber treffende Sprichwort wahr: &amp;quot;Was eine Kessel werden will, brennt bei Zeiten;&amp;quot; denn schon frühe gab er zu erkennen, welch ein großer Diener Gottes er werden würde. Zum Jüngling herangewachsen, wurde er von seinem Vater zu seinem Oheime &#039;&#039;(Onkel)&#039;&#039;, einem sehr reichen Manne, geschickt, der aus ihm einen tüchtigen Handelsmann machen wollte; allein Philipp wollte lieber statt Geld den Himmel gewinnen und begab sich daher heimlich nach [[Rom]], wo er bei einem Edelmanne aus seiner Vaterstadt Aufnahme fand, dessen beiden Söhne er unterrichtete. Bei diesem Manne verweilte er mehrere Jahre in größter Einsamkeit. Seine Kammer war ganz ärmlich; es befanden sich nur ein Bett und einige Bücher darin; Brot war seine Speise, Wasser sein Trank; bisweilen aß er zum Brote einige Früchte. Er erzählte später, dass er als Jüngling nur zwei Gulden monatlich zu seinem Unterhalte brauchte. Ganze Nächte durchwachte er im Gebete; die übrige Zeit verwendete er auf das Studium der Wissenschaften, worin er sich vor allen Schülern auszeichnete, oder er besuchte die Kranken in den Spitälern, oder er unterrichtete unter den Vorhallen der Kirchen das niedere Volk in den Lehren des katholischen Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er ganz einsam lebte, so wurde sein Name doch bald überall bekannt und man nannte ihn auch zu Rom, wie in seiner Vaterstadt &#039;&#039;&#039;&amp;quot;den guten Philipp.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er seine Studien vollendet hatte, verkaufte er seine Bücher, schenkte das Geld den Armen und verlegte sich nun ganz und gar an das beschauliche Leben, worin er oft vierzig Stunden in einem fort verharrte. Während des Gebetes entbrannte oft sein Herz von so gewaltiger Liebe, dass er sich auf den Boden niederwarf, seine Kleider öffnete und andere Mittel anwendete, um das verzehrende Feuer in seinem Innern zu mildern. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich geißelte er sich mit eisernen Kettchen; nur einige Stunden schlief er auf hartem Boden, und wie ein Einsiedler beobachtete er immer das strengste Stillschweigen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Beinahe jede Nacht besuchte er die sieben Hauptkirchen der Stadt Rom, was einen Weg von beiläufig zwölftausend Schritten ausmacht. Während dieser Wanderung kam er auch in den unterirdischen Kirchhof von St. Sebastian. Hier bei den Gräbern der heiligen Märtyrer und ersten Christen verweilte er in dunkler Nacht ganz allein im Gebete, und wurde dabei von Gott mit einer solchen Fülle himmlischer Tröstungen begnadigt, dass er oft auf den Boden hingestreckt ausrief: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Es ist genug, o Herr! Es ist genug! Halte ein mit den Strömen deiner Gnade!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre brachte er die Nächte in den Kirchen und bei den Gräbern zu, oft fand man ihn, wenn die Kirchtüren geschlossen waren, außer denselben knieen und beim Scheine des Mondes lesen.&lt;br /&gt;
Da Satan merkte, dass der Heilige aus seinen Übungen einen so großen Gewinn zog, so suchte er ihn durch Schreckbilder davon abzuhalten. Er stellte ihm auf dem Wege halbnackte Gestalten entgegen, um böse Gedanken in ihm zu erregen, oder andere scheusliche Bilder, um ihn zur Flucht zu nötigen. Allein Philipp ging seines Weges, empfahl sich dem Schutze Gottes und die Truggestalten verschwanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Pfingstfeste, als er 29 Jahre zählte, geschah es, dass, als er seiner Gewohnheit gemäß um die Gnade des [http://ecclesiaeveritas.net/index.php/Kategorie:Heiliger_Geist heiliges Geistes] flehte, ein solch gewaltes Liebesfeuer sein Herz entzündete, dass er nicht mehr auf den Füssen stehen konnte. Er warf sich auf die Erde nieder und riß seine Kleider auf, um sich Kühlung zu verschaffen. Als er wieder aufstand, fand es sich, dass der Knorpel, welcher die Rippen der linken Seite verbindet, wo das Herz liegt, auseinander gesprungen und seine Brust über dem Herzen um die Dicke einer Faust erhöht war. - Fünfzig Jahre bis zum Tode blieb ihm dieser Zustand, und in der so erweiterten Brust empfand er von nun an, wenn er betete oder geistliche Verrichtungen machte, immer ein heftiges Herzklopfen, von dem sein ganzer Leib, ja oft der Stuhl, auf dem er saß, oder das Bett oder Zimmer, in dem er sich befand, erzitterte. Dabei wurde er von einer beständigen Liebesglut verzehrt, die oft so heftig war, dass sein Gaumen ganz austrocknete, und dass man mitten im Winter Türen und Fenster öffnen mußte. Einst ging er, schon im hohen Alter, mitten im Winter auf den mit Schnee bedeckten Strassen Roms einher mit offenen Kleidern, während seine Begleiter in Mantel gehüllt waren, und sprach scherzend zu ihnen: &amp;quot;Schämt ihr euch nicht, ihr jungen, starken Leute, vor Frost zu starren, wann Greise heiß sind!&amp;quot; Dies innere Feuer zeigte sich auch in den Augen und im Gesichte, aus denen oft Funken hervorzusprühen schienen. Als man nach seinem Tode die Brust öffnete, fand man zwei Rippen gebrochen, die Brust über Fausthoch erhöht, und das Wasser im Herzbeutel ganz verzehrt, welches die Ärzte der Inbrunst seiner Liebe zuschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher lebte er einsam nur dem Gebete und der Buße, jetzt aber trieb ihn der Geist Gottes an, auch am Heile der Seelen zu arbeiten. Er besuchte nun die Strassen, die Schulen, die Werkstätten und andere Plätze der Stadt, um Seelen für Gott zu gewinnen. Er tat dies auf eine eigene Weise. Zuerst suchte er diejenigen, welche er auf einen guten Weg leiten wollte, durch Freundlichkeit zu gewinnen; er erwies ihnen allerhand Liebesdienste und Wohltaten, ohne seine Absicht merken zu lassen. Hatte er ihr Vertrauen gewonnen, so suchte er sie zu unterrichten, zu mahnen, und nach und nach zu einem frommen Leben anzueifern. Auf solche Weise bekehrte er eine große Anzahl leichtsinniger, lauer Menschen. Er machte sich auch nach und nach an die lasterhaftesten Männer, und es gelang ihm, ihnen die Augen zu öffnen; diejenigen aber, welche ihm kein Gehör gaben, kamen gewöhnlich Übel hinweg. Manche starben jähen Todes oder fielen in großes Unglück. Der heilige [[Ignatius von Loyola|Ignatius]], welcher damals in Rom lebte, nannte daher Philipp &amp;quot;eine Glocke.&amp;quot; Denn wie die Glocke zur Kirche ruft, aber selbst im Turme hängen bleibt, so führte Philipp viele Weltmenschen zum Ordensstande, blieb aber selbst noch in der Welt. Gott hatte nämlich mit Philipp noch andere Absichten. Er sollte insbesondere der Vater der Sünder, der Armen, Kranken und Unwissenden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er am Heile der Seelen arbeitete, obwohl er noch nicht [[Priester]] war, vergaß er auch die Armen und Kranken nicht, und um dem Drange seines liebenden Herzens zu genügen, stiftete er in Verbindung mit seinem Beichtvater, einem heiligen Priester, die Bruderschaft der heiligsten Dreifaltigkeit, welche zum Zwecke hatte, die Armen, welche erst von einer Krankheit genesen waren, und Fremdlinge in ihren Häusern aufzunehmen und zu verpflegen. Anfangs hatte er fünfzehn Gefährten, welche alle Monate in einer Kirche zusammen kamen, wo sie dann das 40stündige Gebet hielten und danach Philipp eine Anrede an das zahlreiche Volk mit solchem Feuereifer hielt, dass er oft die verworfensten Menschen bekehrte. Eines Tages bekehrte er auf einmal 30 Jünglinge, welche einem ausgelassenen Leben ergeben waren, und viele, die Spaß halber kamen, um den Heiligen zu hören, wurden von seinen Worten ganz umgewandelt. Wenn die Bitttage gehalten wurden, dann kam Philipp vor lauter Eifer fast gar nicht mehr aus der Kirche, indem er immer wieder andere Mitglieder herbei rief, die mit ihm beten mußten. Wenn eine Stunde vorüber war, gab er mit der Glocke das Zeichen und sprach: &amp;quot;Wohlan Brüder, eine Stunde ist vorüber, doch nimmer die Zeit, Gutes zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wie schon gesagt, hatte die Bruderschaft den Zweck, Pilger zu beherbergen und arme Kranke nach ihrer Genesung zu verpflegen. Anfangs nahmen die Mitglieder diese Armen in ihre Häuser auf; später mietete Philipp ein Haus, wo er mit seinen Genossen nur die niedrigsten Dienste verrichtete, und da die Pilger und Kranken immer mehr wurden so kauften Wohltäter noch mehrere Häuser, und Männer, selbst aus den höchsten Ständen, ja selbst Päpste kamen und bedienten in demselben die Fremdlinge. Im Jahre 1600 wo ein feierliches Jubiläum in Rom gehalten wurde, fanden dort 270.000 Pilger Herberge und Pflege, und im Jahre 1825 nicht weniger als 273.299. Das Spital steht noch heut zu Tage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher war Philipp noch nicht im geistlichen Stande; er hielt sich der Priesterwürde nicht wert, konnte aber doch ohne dieselbe nicht so umfassend wirken; daher befahl auf Gottes Eingebung ihm sein Beichtvater, er müsse sich zum [[Priester]] weihen lassen. Der Heilige gehorchte und empfing im Alter von 36 Jahren die Priesterweihe. Nachdem er Priester geworden, zog er sich in das Haus zum heiligen [[Hieronymus]] zurück, wo damals eben sein Beichtvater und mehrere andere fromme Priester ein gemeinschaftliches Leben ohne besondere Regel führten, und am Heile der Seelen arbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was nun der Heilige von dieser Zeit bis zum letzten Hauche seines Lebens mit der Gnade Gottes Großes gewirkt, wie er gelebt und mit dem Glanze seiner Tugenden Rom und die ganze heilige katholische Kirche erleuchtet hat, das Alles läßt sich in einer Legende nicht beschreiben. Ich will dir daher, lieber Leser, zur Erbauung und Belehrung einige schöne Züge aus seinem Leben vor Augen stellen, und zwar zum Ersten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Liebe zu Gott&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hievon haben wir schon gehört; ich will daher nur noch Einiges beisetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuer der Gottesliebe, welches in seinem Inneren beständig brannte, durchdrang alle seine Glieder und blitzte ihm aus den Augen; man konnte ihn daher nicht lange anblicken, ohne geblendet zu werden, und kein Maler vermochte sein Bild zu treffen, weil keiner den Glanz seiner Augen darstellen konnte. Die Liebesglut brachte ihn öfters in Ohnmacht, so daß er oft ganze Tage im Bett zubringen mußte. Wenn er in eine Kirche eintrat, so mußte er nach einer kurzen Anbetung wieder gehen, um nicht öffentlich in Verzückung zu geraten; denn sobald er betete, kam er außer Sinnen, heftete seine Augen zum Himmel und blieb unbeweglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Liebe zu Gott entsprang die eifrigste Anbetung und das sehnsüchtige Verlangen nach dem heiligsten Altarsakramente. Ehe er Priester wurde, beichtete er täglich und ging dann zur heiligen Kommunion; zum Priester geweiht, las er, wenn er nicht krank war, täglich die heilige Messe; war er krank, so ließ er sich die heilige Kommunion an sein Bett bringen. Hatte er den Leib des Herrn mit großem Jubel empfangen, dann bedeckte er sein Gesicht mit einem Leintuche, um den Glanz desselben zu verbergen, und unterhielt sich mit Jesus lange Zeit, wobei er nichts als weinte. Die Sehnsucht nach dem Leibe des Herrn machte ihn oft krank, dagegen wurde er in seinen schweren Krankheiten durch den Empfang der heiligen Kommunion wunderbar gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn er die heilige Messe las, so war seine Andacht und Inbrunst so groß, dass er jedesmal in Verzückung geriet und er mußte sich dann Gewalt antun, dies zu verhindern, um das heilige Opfer vollbringen zu können. Oft zitterte sein ganzer Leib, ja selbst die Stufen des Altars bebten, wenn ihn die Inbrunst der Liebe ergriff. Mitten in den Meßgebeten kam er außer sich, und es mußte daher immer einer seiner Gefährten gegenwärtig sein, der ihm anzeigte, bei welchem Teile der heiligen Messe er sich befinde. Oft wurde er bei der Wandlung einen Schuh hoch emporgehoben, so daß er frei in der Luft schwebte. Bei der heiligen Kommunion war er von himmlischer Süssigkeit durchdrungen und man sah es ihm auch äußerlich an, indem es schien, als genöße er die köstlichste Speise. Nach der heiligen Messe bedeckte er sein Gesicht und verharrte einige Stunden im Gebete ganz außer sich. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, zitterte er am ganzen Leibe vor Inbrunst des Herzens, so daß die heiligen Hostien im Kelche emporsprangen, und sein Gesicht wurde wie Feuer glühend. Als er einmal einer frommen Dame die heilige Kommunion reichte, erhob sich plötzlich die heilige Hostie in die Luft, er selbst wurde öfters bei Erteilung der heiligen Kommunion in die Luft erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts erregte seine Liebe so sehr, als die Betrachtung des Leidens Christi. Beständig trug er das Bild des gekreuzigten Heilandes bei sich. Nichts wünschte er sehnlicher, als für Jesus sein Blut zu vergießen. Wenn er daher aus Nase und Mund blutete, so bat er Gott, er möge sein Blut zum Opfer annehmen und immer fließen lassen. Seine Bitte wurde erhört, denn von nun an verlor er oft so viel Blut aus Mund und Nase, dass er ganze Schüsseln anfüllte. Er war zwar nicht dem Leibe nach, aber im Herzen ein Märtyrer Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Solche Liebe hatte Philipp zu Gott; o wenn du und ich, christliche Seele, nur einen Theil dieser Liebe hätten! Woher empfing aber Philipp diese Liebe? Aus dem Gebete und der Betrachtung. Beten wir, christliche Seele, betrachten wir die unendliche Liebe Gottes im Leiden Jesu; flehen wir oft und oft um Liebe, empfangen wir nach dem Rate des heiligen Philipp recht oft die heilige Kommunion, und die Liebe wird kommen und Wohnung bei uns nehmen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Andacht zur seligsten Jungfrau Maria&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Jesus liebt und ehrt, der liebt und ehrt auch seine heilige Mutter. Alle Heiligen waren eifrige Diener der heiligen Mutter Gottes, auch Philipp. Er nannte sie nur seine liebe Mutter, seine Liebe, seinen Trost. Sein gewöhnliches, beständiges Gebet zur heiligen Jungfrau war: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich! O Jungfrau und Mutter!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem kurzen Gebete, sprach er, werde die höchste Würde der Jungfrau ausgedrückt und verkündet. Seine Schüler mußten täglich 63 mal dieses Gebet wiederholen und daraus der heiligen Jungrau eine Krone flechten. Seine Beichtkinder und besonders jene, welche gegen die heilige Reinigkeit versucht wurden, lehrte er dieses Gebet verrichten, empfahl es ihnen und sie erfuhren jedesmal wunderbare Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Christliche Seele, bete auch du dieses kleine Gebet recht oft, und du wirst bald wunderbare Wirkungen empfinden!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp behauptete von sich selbst, dass er von Maria unzählbare Wohltaten empfangen und besonders gegen die Anfälle des Teufels wunderbare Hilfe erhalten habe. Die heilige Maria erschien ihm öfters; einige Zeit vor seinem Tode machte sie ihn auf der Stelle gesund; auch andern erlangte er durch ihre Fürbitte die Gesundheit und Hilfe in ihren Nöten. Einer seiner geliebtesten Jünger, der fromme und gelehrte Cäsar Baronius, wurde zum Tode krank. Da rief der heilige Philippus mit heißter Inbrunst zu Jesus: &amp;quot;Ich bitte, ich will, daß Cäsar gesund werde.&amp;quot; Sein Gebet aber war vergeblich; da wandte sich der Heilige zu Maria und sein Flehen wurde durch ihre Fürbitte erhört; Cäsar wurde auf der Stelle gesund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen solcher Gunstbezeugungen, die ihm Maria erwies, schärfte er daher seinen Schülern und Beichtkindern beständig ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Meine Kinder! Ehret die Mutter Gottes, liebet Maria!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willst du nicht auch Maria, die liebe, süße, gütige Frau und Mutter ehren und lieben? Ach, wie unglücklich wärest du, wenn du Maria nicht liebtest; du kannst ohne sie nicht Jesus lieben und wirst nicht selig werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp jungfräuliche Reinigkeit&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Jugend auf hatte er seine jungfräuliche Reinigkeit unverletzt bewahrt, doch nicht ohne harte Kämpfe gegen das Fleisch. Er hatte schon als Knabe den Entschluß gefaßt, diese Tugend auf das Sorgfältigste zu bewahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hielt er sich immer in Furcht und Mißtrauen auf sich selbst. Niemals entblößte er einen Teil des Körpers ohne dringende Notwendigkeit, und nie sprach er ein Wort, dass nicht die zarteste Reinigkeit atmete. Weiblichen Personen blickte er nie in das Gesicht. Eine Frauensperson von ausgezeichneter Schönheit, welche dreißig Jahre sein Beichtkind war, bezeugte mit einem Eid, dass der Heilige sie niemals angeblickt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb wollte er auch Frauenspersonen nicht gerne Beicht hören, behandelte sie strenge und hörte ihre Beicht nur durch ein Gitter und mit abgewendetem Gesichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sorgfältig er aber die Reinheit hütete, hatte er doch die heftigsten Versuchungen auszustehen, und aus der Art und Weise, wie er sie überwunden, kannst du, christliche Seele, entnehmen, wie du auch siegen mögest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Wohlgestalt wollten ihn einst in seinem achtzehnten Jahre sittenlose Menschen zu etwas sündhaftem verleiten. Er konnte ihnen nicht ausweichen und nicht entfliehen; da kam ihm der Gedanke, ob nicht vielleicht das Wort Gottes die Herzen dieser Buben erweiche. Er redete daher mit ihnen von göttlichen Dingen und von der Abscheulichkeit der Sünde, und siehe da, die Bösewichter gaben ihr Vorhaben auf und bekehrten sich sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einstmals sperrten ihn gottlose Jünglinge in ein Zimmer mit zwei schlechten Weibspersonen ein. Da warf sich der heilige Jüngling auf die Erde, rief mit rührenden Worten zum Herrn und als dies die Dirnen sahen und hörten, getrauten sie sich nicht einmal, ihn anzusehen, und zogen sich in einen Winkel des Zimmers zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er schon Priester war, stellte sich eine unverschämte Dirne krank und ließ Philipp rufen. Dieser, nichts Böses ahnend, kam. Aber auf der Stiege trat ihm schon das gottlose Weib, nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, entgegen, um ihn zur Sünde zu verleiten. Er aber bezeichnete sich mit dem Kreuze, wendete sich sogleich um und entfloh. Wütend hierüber warf ihm die Dirne einen Schemmel nach, er aber kam unverletzt an Leib und Seele davon und von dieser Stunde an fühlte er nicht mehr die geringste unreine Regung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese hohe Reinigkeit glänzte ihm auch im Gesichte, das wie das eines Engels erschien, und aus seinem Leibe strömte ein überaus lieblicher Geruch hevor, wodurch viele zur heiligen Andacht entflammt wurden. Gott verlieh ihm auch die Gabe, die Keuschheit an Andern durch den Wohlgeruch und die Unlauterkeit durch den Gestank, der von ihnen ausging, zu erkennen. Wenn er daher einem Menschen, der mit dem Laster der Unlauterkeit behaftet war, begegnete, hielt er sich mit einem Schnupftuche die Nase zu. Kam ein unreiner Mensch zu ihm, so rief ihm der Diener Gottes, ohne ihn zu kennen, sogleich zu: &amp;quot;Du stinkst, mein Sohn!&amp;quot; oder: &amp;quot;Mein Sohn, ich rieche deine Sünden!&amp;quot; Er behauptete auch, es gebe nichts Lästigeres und Abscheulicheres, als den Gestank dieses Lasters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, christliche Seele! Bedenke, wie abscheulich muss die Unreinigkeit erst Gott, der seligsten Jungfrau, dem heiligen Schutzengel vorkommen!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des heiligen Philipp Reinigkeit hatte auch einen großen Einfluß auf andere Menschen und besonders auf die unreinen Geister. Unzählige wurden durch die Auflegung seiner Hände und durch seine Umarmung von unreinen Versuchungen befreit; Mehrere dadurch zur Bewahrung der jungfräulichen Keuschheit angeregt. Sogar sein Name diente dazu, die unreinen Geister zu vertreiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel, welche der Heilige jungen Personen vorschrieb, um keusch zu leben, waren folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie sollten sich ganz besonders hüten, mit schlechten Menschen Umgang zu pflegen, &lt;br /&gt;
* ihren Leib nicht zärtlich behandeln, &lt;br /&gt;
* niemals müssig gehen, &lt;br /&gt;
* fleißig beten, &lt;br /&gt;
* die heiligen Sakramente der Buße und des Altars öfters empfangen; &lt;br /&gt;
* über den Fall Anderer Mitleid haben; &lt;br /&gt;
* nie darüber zürnen oder urteilen, denn sonst falle man gewiß in denselben Fehler; &lt;br /&gt;
* alle bösen Gedanken frei und offenherzig dem Beichtvater entdecken, &lt;br /&gt;
* sich einen erfahrnen Beichtvater wählen und demselben gewöhnlich beichten;&lt;br /&gt;
* beim ersten Anfall sogleich zu Gott um Hilfe rufen;&lt;br /&gt;
* die seligste Jungfrau ganz besonders verehren und anrufen; &lt;br /&gt;
* sich hüten, Kinder zu umarmen und zu küssen, &lt;br /&gt;
* mit Tieren zu scherzen und &lt;br /&gt;
* ganz besonders zu fliehen, denn &amp;quot;in diesem Kampfe, pflegte er zu sagen, siegen nur die Furchtsamen und die Feigen!&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Willst du diese Mittel anwenden, christliche Seele?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp tiefe Demut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehren und Würden verachtete er aus tiefstem Herzensgrunde. Zwei Päpste übertrugen ihm die Kadinalswürde und andere hohe Stellen; er aber schlug sie jedesmal aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verlangte nichts anderes als Gottes Wohlgefallen und den Himmel. Einige Monate vor seinem Tode sprach er mit dem Bruder Bernardin, einem Manne von großer Einfalt: &amp;quot;Bernardin, der Papst hat mir den Kardinalshut zugedacht, was meinst du dazu?&amp;quot; Der Bruder erwiderte: &amp;quot;Ich meinte, man dürfte diese Würde nicht zurückweisen, wenigstens um unserer Gesellschaft aufzuhelfen.&amp;quot; Der Heilige hob nun sein Birett in die Höhe und sagte mit zum Himmel gerichteten Augen: &amp;quot;Bernardin, das Paradies, das Paradies!&amp;quot; Dieser aber entgegnete mit Einfalt: &amp;quot;Verzeihet Vater, daran habe ich nicht gedacht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige wollte sogar jene Ehren und Würden nicht annehmen, die ihm als Stifter seiner Versammlung zugehörten. Deshalb ließ er sich nie anders als &amp;quot;Pater&amp;quot;, &amp;quot;Vater&amp;quot; nennen; deshalb nannte er sich im höchsten Ernste den schlechtesten Menschen, weil er im Lichte Gottes die Armseligkeit und das Elend des Menschen erkannte. Wenn er sah, dass Jemand ein schweres Verbrechen beging, dann rief er aus: &amp;quot;O hätte ich nichts Schlimmeres getan!&amp;quot; Täglich machte er bei der heiligen Messe, wenn er die heilige Hostie in der Hand hielt, die Beteuerung: &amp;quot;Herr, du mußt dich heute vor mir hüten, denn ich werde dich verraten und alles Böse vollbringen.&amp;quot; Ein andersmal sagte er: &amp;quot;Die Seitenwunde Christi ist zwar groß, wenn mich aber nicht Gott selbst leitet, so werde ich sie gewiß noch größer machen.&amp;quot; Wenn er beichtete, vergoß er immer die hellsten Tränen, und wenn er junge Leute sah, rief er aus: &amp;quot;Ich verzweifle an mir,&amp;quot; und als man ihn deswegen fragte, antwortete er: &amp;quot;Ich verzweifle an mir allerdings, doch hoffe ich auf Gott.&amp;quot; Als ihn eines Tages eine Frau einen Heiligen nannte, entgegnete er zornig: &amp;quot;..... dich, ich bin ein Teufel und kein Heiliger.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er konnte nie leiden, wenn man ihn ehrte, und wenn Jemand ihn lobte, dann rief er aus: &amp;quot;O ich Armseliger! Wie viele Bauern und arme Mädchen werden mir im Himmel vorgehen!&amp;quot; Dagegen, wenn man ihn verachtete oder gering schätzte, hatte er die größte Freude. Wie der heilige Apostel Johannes seinen Jüngern immer zugerufen: &amp;quot;Kindlein, liebet einander,&amp;quot; so rief der Heilige den Seinigen immer zu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Seid demütig, trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet es mit den Niedrigen,&amp;quot; und fasste dann alle seine Belehrungen über die Demut in diese Worte zusammen: &amp;quot;Die Welt verachten, keinen Menschen verachten, sich selbst verachten und verachten sich verachtet zu sehen,&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diese vier Dinge seien zur vollkommenen Demut notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies übte der Heilige aus, dies wollen auch wir, ich und du lieber Leser, ausüben; denn ohne demütigen Kindersinn werden wir nicht selig!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Arbeiten und Sorgen für seine Nebenmenschen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast schon gelesen, wie der Heilige aus Liebe zu den Armen und Kranken eine Bruderschaft stiftete und unermüdet dieselben pflegte, und wie er auch in der Kirche des heiligen Erlösers zu Rom mit seinen Freunden Versammlungen hielt und das niedere Volk unterrichtete. Nachdem er aber Priester geworden war, kannte sein Eifer für das Heil der Seelen keine Grenzen mehr. Vor allem verwendete er auf Befehl seiner Obern seine ganze Zeit und Kraft auf den Beichtstuhl. Man darf sagen, dass er Tag und Nacht, selbst wenn er krank war, die beichten der reumütigen Sünder hörte, die zahlreich zu ihm eilten, um durch ihn Frieden mit Gott und mit sich zu erhalten. Er wartete auf die Sünder neben seinem Beichtstuhl und zu jeder Stunde nahm er sie liebevoll auf. Mit welcher Sanftmut und Liebe er aber die armen Sünder behandelte, wie er sie tröstete, aufrichtete, belehrte, vor dem Rückfall bewahrte, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Gerade mit den Rohesten, Unwissendsten und Lasterhaftesten hatte er das größte Mitleid, und wenn er nur mit ihnen redete, so konnten sie seinen Worten nicht wiederstehen. Einst kam ein sehr ausgelassener Jüngling zu ihm, der immer ganz verstockt dahin lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bat ihn, dass er nur täglich siebenmal das Salve Regina bete, dann bei jedem Falle in die Sünde sogleich den Erdboden küsste und zu sich selbst sage: &amp;quot;Morgen werde ich vielleicht sterben.&amp;quot; Der Jüngling tat es und in kurzer Zeit bekehrte er sich vollständig, lebte noch 14 Jahre bußfertig und starb eines seligen Todes. Ein arger Gewohnheitssünder legte seine Beicht bei dem Heiligen ab; dieser aber legte ihm als Buße nichts anderes auf, als daß er nach jedem Falle sogleich wieder zur Beicht komme. Dieser gehorchte und führte bald ein völlig keusches Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehst du, christliche Seele, was die öftere Beicht vermag! Daher denn auch der Heilige ganz besonders zum öfteren Empfange der heiligen Sakramente ermahnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige erwartete aber die Sünder nicht bloß im Beichtstuhle, sondern er suchte sie sogar selbst auf, hielt ihnen die strengen Gerichte Gottes vor und suchte sie dann mit himmlisch sanften Worten für Gott zu gewinnen. Seine Zelle stand jedermann offen, den Armen und Reichen, jede Stunde des Tages. Einige derselben kamen täglich zu ihm, Andere zweimal des Tages und dies 30 bis 40 Jahre lang; alle nahm er mit Liebe auf. Eines Tages wollte einer seiner Schüler Jemand, der zu ungelegener Zeit kam, nicht einlassen. Als dies der Heilige bemerkte, sprach er tadelnd: &amp;quot;Habe ich es dir nicht gesagt, daß man meinethalben nicht Zeit noch Stunde berücksichtigen darf!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders hatte es der Heilige auf die Jugend abgesehen, weil diese so leicht zu verführen ist. Er wußte die jungen Leute an sich zu ziehen, ging mit ihnen spazieren, wohnte ihren Spielen bei, ließ ihnen ein Mahl bereiten und ermunterte sie zur Heiterkeit. Hatte er so ihr Zutrauen, dann unterredete er sich mit ihnen über göttliche Dinge, stellte ihnen das fromme Leben lebhaft vor Augen und gewann sie für Jesus. Wie klug er es anzustellen wußte, junge Leute für Gott zu gewinnen, davon nur ein Beispiel: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein junger Mann, mit Namen Franz Jazzera, hing noch sehr an der Welt. Einst besuchte dieser den Heiligen und sprach mit ihm von seinen guten Aussichten in der Welt. Der Heilige entgegnete ihm: &amp;quot;Ja, mein Sohn, du wirst ein großes Glück machen; du wirst ein Advokat, dann Prälat, sodann Kardinal und vielleicht werweiß, auch Papst werden; aber dann? aber dann? Gehe und überdenke diese Worte.&amp;quot; Franz ging nach Hause, immer klangen ihm die Worte in den Ohren: &amp;quot;und dann?&amp;quot; Er verstand den Heiligen, verließ nun die Welt und trat in die Genossenschaft des Heiligen. Zur Fastnachtzeit, wo der Teufel seine Schlingen gewöhnlich auswirft, um die jungen Leute zu fangen, führte er seine Jünglinge unter Musik und Gesang in die selben Hauptkirchen. Er ließ sie, schon im hohen Alter, neben seinem Zimmer Ball spielen. Die Hausgenossen verwiesen ihnen einst den Lärm, welchen sie dabei machten! Kaum hatte der Heilige davon gehört, sprach er zu ihnen: &amp;quot;Laßt euch nicht schrecken, Kinder! Spielet nur fort und seid fröhlich, ich verlange von euch nichts anders, als daß ihr nicht sündiget.&amp;quot; Ein Andersmal sagte er: &amp;quot;O wenn sie nur nicht sündigen, so mögen sie auf meinem Rücken Holz hacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbeschreiblich ist aber, was der Heilige durch die Stiftung seiner Kongregation oder Versammlung geleistet hat. Als er nämlich Priester geworden war und schon früher, wo er in der Kirche des Erlösers die Bruderschaftsversammlungen hielt, gesellten sich zu ihm viele fromme Männer, unter denen sogar berühmte Gelehrte waren, mit denen er täglich in einer Kapelle, &amp;quot;Oratorium&amp;quot; genannt, geistliche Unterredungen hielt, um sie zur Vollkommenheit anzueifern. Wie der Heilige, so suchten auch diese jungen Männer das Volk zu belehren, die Armen und Kranken zu unterstützen und zu pflegen, und die Sünder zu retten. Von der Kapelle oder dem Oratorium, wo sie sich täglich versammelten, erhielten sie den Namen Oratorianer. Sie beteten miteinander, empfingen mit aller Erbauung recht oft die heiligen Sakramente, machten in der Stadt zu den Hauptkirchen nächtliche Wallfahrten und diejenigen, welche Priester waren, sassen untermüdet im Beichtstuhl, hielten Christenlehren oder predigten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz großer Anfeindungen und Verfolgungen, die der Heilige deswegen auszustehen hatte, wurde die Zahl der Jünger immer größer, und es mußte endlich ein eigenes Haus gebaut und eine gemeinschaftliche Regel festgesetzt werden, welche Papst Gregor XIII. auch bestätigte. Der Heilige wurde Vorsteher der Versammlung und leuchtete allen durch sein Beispiel voran. &lt;br /&gt;
Er hatte dies Werk ganz der Verherrlichung Gottes geweiht und es wuchs zu einem herrlichen Baume heran, der die schönsten Früchte für Himmel und Erde hervorbrachte. Noch heut zu Tage ruht der sichtbare Segen Gottes auf dieser Stiftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es konnte nicht fehlen, daß der Heilige bei seinen fortdauernden angestrengten Arbeiten und seinen harten Abtödtungen öfters krank wurde. Öfters mußte man ihm die Sterbesakramente reichen. Niemals aber sprach er von seinen Schmerzen; ja wenn es ihm nicht ausdrücklich verboten war, hörte er sogar todkrank die Beichten seiner Schüler und sobald er das Bett wieder verlassen konnte, las er wieder die heilige Messe und ging in den Beichtstuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Ende seines irdischen Lebens&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen letzten Jahren wurde er von einem heftigen Fieber befallen, so daß man an seinem Aufkommen zweifelte. Da erhielt er plötzlich auf wunderbare Weise die Gesundheit wieder. Vier Ärzte hatten ihm bereits das Leben abgesagt und warteten in einem nahen Zimmer auf seinen Tod. Da rief auf einmal der Heilige aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O meine hochheilige Gebieterin! O du Schönste und Lieblichste, o meine gebenedeite Gebieterin!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärzte und einige der Seinigen, welche ihn rufen hörten, eilten herbei und fanden ihn schwebend in der Luft über seinem Bette, die Hände bald ausstreckend, bald zurückziehend, wie Jemand, der Etwas an sein Herz drückt und dabei rief er immer: &amp;quot;O meine Gebieterin, was habe ich denn getan, daß du dich würdigest, zu mir zu kommen?&amp;quot; Darauf sprach er noch ganz von Sinnen zu den Ärzten: &amp;quot;Habt ihr die seligste Jungfrau gesehen, welche zu mir gekommen ist, und mich von allen Schmerzen befreit hat?&amp;quot; Als er wieder zu sich kam und die Umstehenden bemerkte, weinte er, sein Angesicht in das Bett verhüllt, lange Zeit und darnach legte er allen ein unverbrüchliches Stillschweigen auf.  Am anderen Morgen stand er gesund vom Bette auf und las die heilige Messe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich, nachdem er ungeachtet seines schwächlichen Körpers seiner vielen Arbeiten und Krankheiten ein hohes Alter erlangt hatte, nahte sich seine Sterbestunde. Sein geliebter Cäsar Baronius erteilte ihm die letzte Ölung und der Kardinal Friedrich Borrmäus, sein innigster Freund, brachte ihm das heilige Abendmahl. Kaum hatte der Kardinal mit dem Allerheiligsten das Zimmer betreten, da öffnete der todkranke Heilige die Augen und rief mit größter Innigkeit weinend aus: &amp;quot;Siehe da, meine Liebe, sieh meine Liebe: Sieh mein Gut! Gebt mir meine Liebe!&amp;quot; Alle Gegenwärtigen zerflossen in Tränen. Als der Kardinal die Worte sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O Herr, ich bin nicht würdig, und niemals war ich würdig; ich habe nichts Gutes getan!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihm dann die heilige Hostie gereicht wurde, sprach er: &amp;quot;Komm, Herr, komme!&amp;quot; Nachdem alles vorüber war, fügte er bei: &amp;quot;Nun habe ich den wahren Seelenarzt empfangen: O Eitelkeit der Eitelkeit, alles ist Eitelkeit! Wer etwas Anderes sucht als Christus, der weiß wahrlich nicht, was er sucht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwölf Tage vor seinem Tode sagte er zu Einem der Seinigen: &amp;quot;Mein Sohn! Wisse, nach wenigen Tagen werde ich sterben und zwar wird dies wider alles Erwarten geschehen; mein Tod wird zwischen Tag und Nacht eintreffen.&amp;quot; Zehn Tage vorher fragte er einen Laienbruder: &amp;quot;Wie viele Tage des Monats vorüber seien?&amp;quot; &amp;quot;Fünfzehn&amp;quot;, antwortet dieser. &amp;quot;Fünfzehn, sprach Philipp, und noch zehn dazu, dann werde ich alsbald von hinnen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25.Mai, an welchem damals das heiligste Fronleichnamsfest fiel, befahl der Heilige, man solle Alle, welche ihm beichten wollten, hereinlassen. So hörte er vom frühesten Morgen an die Beichten und mehreren der Seinigen gab er zur Buße auf, daß sie nach seinem Tode einen Rosenkranz für ihn beten sollten. Nach Anhörung der Beichten betete er sein Brevier und las dann in der Hauskapelle die heilige Messe mit besonderer Andacht. Das Gloria in excelsis sang er mit lauter, heller Stimme, jubelnd im Geiste wie ein Engel. Nach der heiligen Messe reichte er mehreren die heilige Kommunion und machte dann seine Danksagung, darauf hörte er wieder Beicht. Beim Mittagsmahle aß er etwas Weniges und führte ein geistliches Gespräch mit seinen Freunden auf die lieblichste Weise. Nachmittag ließ er sich die Lebensgeschichte des heiligen Bernardin von Siena vorlesen, betete dann mit einigen die Tagzeiten, hörte noch einige Beicht und erteilte dann allen Hausgenossen den Segen. Niemand dachte an seinen Tod, obwohl der Heilige ihn bestimmt an diesem Tage vorausgesagt hatte. Um 9 Uhr legte er sich zu Bette und entließ dann Alle mit den Worten: &amp;quot;Man muß endlich doch sterben.&amp;quot; Nach 11 Uhr Nachts stieg er aus dem Bette und ging im Zimmer herum. Von seinen Schritten aufgeweckt, eilte Pater Antonius herbei und fragte den Heiligen, der schon wieder im Bette lag, wie er sich befinde. Er erwiederte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Antonius, ich gehe.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun rief dieser alle Brüder herbei, denn schon war der Todeskampf eingetreten. Die Augen zum Himmel erhoben, segnete er sie nochmal Alle, neigte sein Haupt und gab dann sanft im Herrn seinen Geist auf am 26. Mai nicht ganz achtzig Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in seinem Leben, so verherrlichte ihn Gott auch im Grabe durch viele Wunder und noch heut zu Tage ist sein Name in der Stadt Rom in aller Munde, gesegnet von Tausenden, die durch ihn und seine heilige Versammlung für Jesus gewonnen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Darstellung des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp Neri wird abgebildet, wie er in einem roten Meßgewande die heilige Messe ließt, neben sich die heilige [[Gottesmutter Maria|Gottesmutter]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Neri Schußgebetlein, die er seine Beichtkinder lehrte&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp war ein Heiliger der Liebe; alle Menschen wollte er zu dieser heiligen Liebe entflammen, denn sie ist die Mutter aller Tugenden. Daher lehrte er seine Schüler und besonders seine Beichtkinder kurze Gebete, Pfeil- oder Schußgebetlein genannt, um dadurch in steter Liebesvereinigung mit Gott zu verharren. Sie sollten nämlich diese Gebetlein recht oft sprechen, um so ihr Herz immer zu erheben. Diese Gebetlein sind folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr, verbirg dich nicht vor mir! &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott, merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, du bist mein Jesus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann werde ich dich mit kindlicher Liebe lieben! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, beschütze uns vor dem Feinde und nimm uns auf in der Todesstunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe dich, o mein Jesus, noch nicht erkannt, weil ich dich noch nicht gesucht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll ich tun, wenn du, mein Jesus, mir nicht hilfst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verleihe mir, o Jesus, daß ich dir diene, nicht aus Furcht, sondern aus Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal endlich will ich dich lieben, o Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir selbst mißtraue ich, dir vertraue ich, o mein Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Jesus, wenn ich doch dich und mich erkennete! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde dich, o Jesu, nie lieben, wenn du mir nicht hilfst! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich falle, o mein Jesus, wenn du mir nicht hilfst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimm Alles hinweg, o mein Jesus, was mich hindert, dich zu besitzen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiligste Jungfrau, meine Gebieterin, gib, daß ich immer an dich denke!!&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884 nach FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Philipp_Neri&amp;diff=18436</id>
		<title>Philipp Neri</title>
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		<updated>2011-08-15T17:46:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Bild:PhilippNeri.jpg|right|thumb|300px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Der heilige Philipp Neri, Ordensstifter&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jahr 1595&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Fest&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[26. Mai]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Vorwort&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verdient die heilige [[Magdalena von Pazzi]]s den Namen &amp;quot;Mutter der [[Liebe]]&amp;quot; wegen ihrer unaussprechlichen Liebe zu [[Jesus Christus|Jesus]], so kann man mit Recht den heiligen Philipp Neri &amp;quot;den Vater der Liebe&amp;quot; nennen; denn es wird wenige Heilige geben, welche eine so gewaltige Liebe Gottes und des [[Naechstenliebe|Nächsten]] in ihrem Herzen getragen wie dieser heilige Diener Gottes. Merkwürdig ist, dass diese beiden liebenden Seelen die nämliche Stadt zum Geburtsorte hatten. Auch der heilige Philipp wurde zu Florenz geboren, wo sein Vater Franz Neri Advokat gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Aus dem Leben des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie fromm er schon als Knabe gelebt, davon nur einige Beispiele. - Er hatte frühzeitig seine leibliche Mutter verloren, die er zärtlich liebte und kindlich ehrte. Die gleiche Liebe aber und Ehrfucht hegte er auch gegen seine Stiefmutter; er war ihr pünktlich gehorsam und tat ihr Alles, was er ihren Augen absehen konnte. Als er von Florenz abreiste, beweinte sie daher seinen Verlust lange Zeit und sie konnte ihn nimmer vergessen. Das [[Gebet]], das Studium und die Anhörung des Wortes Gottes waren seine liebsten Beschäftigungen. Schon damals erhielt er Alles, was er im Gebete von Gott verlangte. Eines Tages verlor er beim Nachhausegehen eine goldene Kette, welche er zufällig in den Händen trug. Sogleich fing er zu beten an und bald hatte er die Kette wieder gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr häufig besuchte er die Dominikanerkirche seiner Vaterstadt und zwei fromme Väter des Klosters, welche ihn sehr liebten und zu allem Guten anleiteten. Durch Wort und Beispiel dieser Männer angefeuert, suchte er getreu in die Fußstapfen Jesu zu treten, und verlangte für ihn Alles zu leiden. Einst ergriff ihn ein heftiges Fieber; aber ohne sich nur im Geringsten etwas merken zu lassen, ertrug er die Schmerzen dieser Krankheit heitern Mutes, bis es endlich die Stiefmutter merkte und für seine Genesung sorgte. Als ein Teil seines väterlichen Hauses abbrannte, hörte man aus seinem Munde keine Klage und als man ihm einst den Stammbaum seiner Vorfahren zeigte, zerriß er ihn sogleich; denn ihm waren weltliche Güter und Ehren ganz gleichgültig, vielmehr wollte er im Buche des Lebens eingeschrieben sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wurde an Philipp das zwar gemeine, aber treffende Sprichwort wahr: &amp;quot;Was eine Kessel werden will, brennt bei Zeiten;&amp;quot; denn schon frühe gab er zu erkennen, welch ein großer Diener Gottes er werden würde. Zum Jüngling herangewachsen, wurde er von seinem Vater zu seinem Oheime &#039;&#039;(Onkel)&#039;&#039;, einem sehr reichen Manne, geschickt, der aus ihm einen tüchtigen Handelsmann machen wollte; allein Philipp wollte lieber statt Geld den Himmel gewinnen und begab sich daher heimlich nach [[Rom]], wo er bei einem Edelmanne aus seiner Vaterstadt Aufnahme fand, dessen beiden Söhne er unterrichtete. Bei diesem Manne verweilte er mehrere Jahre in größter Einsamkeit. Seine Kammer war ganz ärmlich; es befanden sich nur ein Bett und einige Bücher darin; Brot war seine Speise, Wasser sein Trank; bisweilen aß er zum Brote einige Früchte. Er erzählte später, dass er als Jüngling nur zwei Gulden monatlich zu seinem Unterhalte brauchte. Ganze Nächte durchwachte er im Gebete; die übrige Zeit verwendete er auf das Studium der Wissenschaften, worin er sich vor allen Schülern auszeichnete, oder er besuchte die Kranken in den Spitälern, oder er unterrichtete unter den Vorhallen der Kirchen das niedere Volk in den Lehren des katholischen Glaubens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl er ganz einsam lebte, so wurde sein Name doch bald überall bekannt und man nannte ihn auch zu Rom, wie in seiner Vaterstadt &#039;&#039;&#039;&amp;quot;den guten Philipp.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem er seine Studien vollendet hatte, verkaufte er seine Bücher, schenkte das Geld den Armen und verlegte sich nun ganz und gar an das beschauliche Leben, worin er oft vierzig Stunden in einem fort verharrte. Während des Gebetes entbrannte oft sein Herz von so gewaltiger Liebe, dass er sich auf den Boden niederwarf, seine Kleider öffnete und andere Mittel anwendete, um das verzehrende Feuer in seinem Innern zu mildern. -&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Täglich geißelte er sich mit eisernen Kettchen; nur einige Stunden schlief er auf hartem Boden, und wie ein Einsiedler beobachtete er immer das strengste Stillschweigen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Beinahe jede Nacht besuchte er die sieben Hauptkirchen der Stadt Rom, was einen Weg von beiläufig zwölftausend Schritten ausmacht. Während dieser Wanderung kam er auch in den unterirdischen Kirchhof von St. Sebastian. Hier bei den Gräbern der heiligen Märtyrer und ersten Christen verweilte er in dunkler Nacht ganz allein im Gebete, und wurde dabei von Gott mit einer solchen Fülle himmlischer Tröstungen begnadigt, dass er oft auf den Boden hingestreckt ausrief: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Es ist genug, o Herr! Es ist genug! Halte ein mit den Strömen deiner Gnade!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Jahre brachte er die Nächte in den Kirchen und bei den Gräbern zu, oft fand man ihn, wenn die Kirchtüren geschlossen waren, außer denselben knieen und beim Scheine des Mondes lesen.&lt;br /&gt;
Da Satan merkte, dass der Heilige aus seinen Übungen einen so großen Gewinn zog, so suchte er ihn durch Schreckbilder davon abzuhalten. Er stellte ihm auf dem Wege halbnackte Gestalten entgegen, um böse Gedanken in ihm zu erregen, oder andere scheusliche Bilder, um ihn zur Flucht zu nötigen. Allein Philipp ging seines Weges, empfahl sich dem Schutze Gottes und die Truggestalten verschwanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Pfingstfeste, als er 29 Jahre zählte, geschah es, dass, als er seiner Gewohnheit gemäß um die Gnade des [http://ecclesiaeveritas.net/index.php/Kategorie:Heiliger_Geist heiliges Geistes] flehte, ein solch gewaltes Liebesfeuer sein Herz entzündete, dass er nicht mehr auf den Füssen stehen konnte. Er warf sich auf die Erde nieder und riß seine Kleider auf, um sich Kühlung zu verschaffen. Als er wieder aufstand, fand es sich, dass der Knorpel, welcher die Rippen der linken Seite verbindet, wo das Herz liegt, auseinander gesprungen und seine Brust über dem Herzen um die Dicke einer Faust erhöht war. - Fünfzig Jahre bis zum Tode blieb ihm dieser Zustand, und in der so erweiterten Brust empfand er von nun an, wenn er betete oder geistliche Verrichtungen machte, immer ein heftiges Herzklopfen, von dem sein ganzer Leib, ja oft der Stuhl, auf dem er saß, oder das Bett oder Zimmer, in dem er sich befand, erzitterte. Dabei wurde er von einer beständigen Liebesglut verzehrt, die oft so heftig war, dass sein Gaumen ganz austrocknete, und dass man mitten im Winter Türen und Fenster öffnen mußte. Einst ging er, schon im hohen Alter, mitten im Winter auf den mit Schnee bedeckten Strassen Roms einher mit offenen Kleidern, während seine Begleiter in Mantel gehüllt waren, und sprach scherzend zu ihnen: &amp;quot;Schämt ihr euch nicht, ihr jungen, starken Leute, vor Frost zu starren, wann Greise heiß sind!&amp;quot; Dies innere Feuer zeigte sich auch in den Augen und im Gesichte, aus denen oft Funken hervorzusprühen schienen. Als man nach seinem Tode die Brust öffnete, fand man zwei Rippen gebrochen, die Brust über Fausthoch erhöht, und das Wasser im Herzbeutel ganz verzehrt, welches die Ärzte der Inbrunst seiner Liebe zuschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher lebte er einsam nur dem Gebete und der Buße, jetzt aber trieb ihn der Geist Gottes an, auch am Heile der Seelen zu arbeiten. Er besuchte nun die Strassen, die Schulen, die Werkstätten und andere Plätze der Stadt, um Seelen für Gott zu gewinnen. Er tat dies auf eine eigene Weise. Zuerst suchte er diejenigen, welche er auf einen guten Weg leiten wollte, durch Freundlichkeit zu gewinnen; er erwies ihnen allerhand Liebesdienste und Wohltaten, ohne seine Absicht merken zu lassen. Hatte er ihr Vertrauen gewonnen, so suchte er sie zu unterrichten, zu mahnen, und nach und nach zu einem frommen Leben anzueifern. Auf solche Weise bekehrte er eine große Anzahl leichtsinniger, lauer Menschen. Er machte sich auch nach und nach an die lasterhaftesten Männer, und es gelang ihm, ihnen die Augen zu öffnen; diejenigen aber, welche ihm kein Gehör gaben, kamen gewöhnlich Übel hinweg. Manche starben jähen Todes oder fielen in großes Unglück. Der heilige [[Ignatius von Loyola|Ignatius]], welcher damals in Rom lebte, nannte daher Philipp &amp;quot;eine Glocke.&amp;quot; Denn wie die Glocke zur Kirche ruft, aber selbst im Turme hängen bleibt, so führte Philipp viele Weltmenschen zum Ordensstande, blieb aber selbst noch in der Welt. Gott hatte nämlich mit Philipp noch andere Absichten. Er sollte insbesondere der Vater der Sünder, der Armen, Kranken und Unwissenden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während er am Heile der Seelen arbeitete, obwohl er noch nicht [[Priester]] war, vergaß er auch die Armen und Kranken nicht, und um dem Drange seines liebenden Herzens zu genügen, stiftete er in Verbindung mit seinem Beichtvater, einem heiligen Priester, die Bruderschaft der heiligsten Dreifaltigkeit, welche zum Zwecke hatte, die Armen, welche erst von einer Krankheit genesen waren, und Fremdlinge in ihren Häusern aufzunehmen und zu verpflegen. Anfangs hatte er fünfzehn Gefährten, welche alle Monate in einer Kirche zusammen kamen, wo sie dann das 40stündige Gebet hielten und danach Philipp eine Anrede an das zahlreiche Volk mit solchem Feuereifer hielt, dass er oft die verworfensten Menschen bekehrte. Eines Tages bekehrte er auf einmal 30 Jünglinge, welche einem ausgelassenen Leben ergeben waren, und viele, die Spaß halber kamen, um den Heiligen zu hören, wurden von seinen Worten ganz umgewandelt. Wenn die Bitttage gehalten wurden, dann kam Philipp vor lauter Eifer fast gar nicht mehr aus der Kirche, indem er immer wieder andere Mitglieder herbei rief, die mit ihm beten mußten. Wenn eine Stunde vorüber war, gab er mit der Glocke das Zeichen und sprach: &amp;quot;Wohlan Brüder, eine Stunde ist vorüber, doch nimmer die Zeit, Gutes zu tun.&amp;quot;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wie schon gesagt, hatte die Bruderschaft den Zweck, Pilger zu beherbergen und arme Kranke nach ihrer Genesung zu verpflegen. Anfangs nahmen die Mitglieder diese Armen in ihre Häuser auf; später mietete Philipp ein Haus, wo er mit seinen Genossen nur die niedrigsten Dienste verrichtete, und da die Pilger und Kranken immer mehr wurden so kauften Wohltäter noch mehrere Häuser, und Männer, selbst aus den höchsten Ständen, ja selbst Päpste kamen und bedienten in demselben die Fremdlinge. Im Jahre 1600 wo ein feierliches Jubiläum in Rom gehalten wurde, fanden dort 270.000 Pilger Herberge und Pflege, und im Jahre 1825 nicht weniger als 273.299. Das Spital steht noch heut zu Tage. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher war Philipp noch nicht im geistlichen Stande; er hielt sich der Priesterwürde nicht wert, konnte aber doch ohne dieselbe nicht so umfassend wirken; daher befahl auf Gottes Eingebung ihm sein Beichtvater, er müsse sich zum [[Priester]] weihen lassen. Der Heilige gehorchte und empfing im Alter von 36 Jahren die Priesterweihe. Nachdem er Priester geworden, zog er sich in das Haus zum heiligen [[Hieronymus]] zurück, wo damals eben sein Beichtvater und mehrere andere fromme Priester ein gemeinschaftliches Leben ohne besondere Regel führten, und am Heile der Seelen arbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Was nun der Heilige von dieser Zeit bis zum letzten Hauche seines Lebens mit der Gnade Gottes Großes gewirkt, wie er gelebt und mit dem Glanze seiner Tugenden Rom und die ganze heilige katholische Kirche erleuchtet hat, das Alles läßt sich in einer Legende nicht beschreiben. Ich will dir daher, lieber Leser, zur Erbauung und Belehrung einige schöne Züge aus seinem Leben vor Augen stellen, und zwar zum Ersten:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Liebe zu Gott&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hievon haben wir schon gehört; ich will daher nur noch Einiges beisetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Feuer der Gottesliebe, welches in seinem Inneren beständig brannte, durchdrang alle seine Glieder und blitzte ihm aus den Augen; man konnte ihn daher nicht lange anblicken, ohne geblendet zu werden, und kein Maler vermochte sein Bild zu treffen, weil keiner den Glanz seiner Augen darstellen konnte. Die Liebesglut brachte ihn öfters in Ohnmacht, so daß er oft ganze Tage im Bett zubringen mußte. Wenn er in eine Kirche eintrat, so mußte er nach einer kurzen Anbetung wieder gehen, um nicht öffentlich in Verzückung zu geraten; denn sobald er betete, kam er außer Sinnen, heftete seine Augen zum Himmel und blieb unbeweglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Liebe zu Gott entsprang die eifrigste Anbetung und das sehnsüchtige Verlangen nach dem heiligsten Altarsakramente. Ehe er Priester wurde, beichtete er täglich und ging dann zur heiligen Kommunion; zum Priester geweiht, lass er, wenn er nicht krank war, tägllich die heilige Messe; war er krank, so ließ er sich die heilige Kommunion an sein Bett bringen. Hatte er den Leib des Herrn mit großem Jubel empfangen, dann bedeckte er sein Gesicht mit einem Leintuche, um den Glanz desselben zu verbergen, und unterhielt sich mit Jesus lange Zeit, wobei er nichts als weinte. Die Sehnsucht nach dem Leibe des Herrn machte ihn oft krank, dagegen wurde er in seinen schweren Krankheiten durch den Empfang der heiligen Kommunion wunderbar gesund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn er die heilige Messe las, so war seine Andacht und Inbrunst so groß, dass er jedesmal in Verzückung geriet und er mußte sich dann Gewalt antun, dies zu verhindern, um das heilige Opfer vollbringen zu können. Oft zitterte sein ganzer Leib, ja selbst die Stufen des Altars bebten, wenn ihn die Inbrunst der Liebe ergriff. Mitten in den Meßgebeten kam er außer sich, und es mußte daher immer einer seiner Gefährten gegenwärtig sein, der ihm anzeigte, bei welchem Teile der heiligen Messe er sich befinde. Oft wurde er bei der Wandlung einen Schuh hoch emporgehoben, so daß er frei in der Luft schwebte. Bei der heiligen Kommunion war er von himmlischer Süssigkeit durchdrungen und man sah es ihm auch äußerlich an, indem es schien, als genöße er die köstlichste Speise. Nach der heiligen Messe bedeckte er sein Gesicht und verharrte einige Stunden im Gebete ganz außer sich. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, zitterte er am ganzen Leibe vor Inbrunst des Herzens, so daß die heiligen Hostien im Kelche emporsprangen, und sein Gesicht wurde wie Feuer glühend. Als er einmal einer frommen Dame die heilige Kommunion reichte, erhob sich plötzlich die heilige Hostie in die Luft, er selbst wurde öfters bei Erteilung der heiligen Kommunion in die Luft erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts erregte seine Liebe so sehr, als die Betrachtung des Leidens Christi. Beständig trug er das Bild des gekreuzigten Heilandes bei sich. Nichts wünschte er sehnlicher, als für Jesus sein Blut zu vergießen. Wenn er daher aus Nase und Mund blutete, so bat er Gott, er möge sein Blut zum Opfer annehmen und immer fließen lassen. Seine Bitte wurde erhört, denn von nun an verlor er oft so viel Blut aus Mund und Nase, dass er ganze Schüsseln anfüllte. Er war zwar nicht dem Leibe nach, aber im Herzen ein Märtyrer Christi.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Solche Liebe hatte Philipp zu Gott; o wenn du und ich, christliche Seele, nur einen Theil dieser Liebe hätten! Woher empfing aber Philipp diese Liebe? Aus dem Gebete und der Betrachtung. Beten wir, christliche Seele, betrachten wir die unendliche Liebe Gottes im Leiden Jesu; flehen wir oft und oft um Liebe, empfangen wir nach dem Rate des heiligen Philipp recht oft die heilige Kommunion, und die Liebe wird kommen und Wohnung bei uns nehmen!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Andacht zur seligsten Jungfrau Maria&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer Jesus liebt und ehrt, der liebt und ehrt auch seine heilige Mutter. Alle Heiligen waren eifrige Diener der heiligen Mutter Gottes, auch Philipp. Er nannte sie nur seine liebe Mutter, seine Liebe, seinen Trost. Sein gewöhnliches, beständiges Gebet zur heiligen Jungfrau war: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Jungfrau Maria, Mutter Gottes, bitte Jesus für mich! O Jungfrau und Mutter!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem kurzen Gebete, sprach er, werde die höchste Würde der Jungfrau ausgedrückt und verkündet. Seine Schüler mußten täglich 63 mal dieses Gebet wiederholen und daraus der heiligen Jungrau eine Krone flechten. Seine Beichtkinder und besonders jene, welche gegen die heilige Reinigkeit versucht wurden, lehrte er dieses Gebet verrichten, empfahl es ihnen und sie erfuhren jedesmal wunderbare Hilfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Christliche Seele, bete auch du dieses kleine Gebet recht oft, und du wirst bald wunderbare Wirkungen empfinden!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp behauptete von sich selbst, dass er von Maria unzählbare Wohltaten empfangen und besonders gegen die Anfälle des Teufels wunderbare Hilfe erhalten habe. Die heilige Maria erschien ihm öfters; einige Zeit vor seinem Tode machte sie ihn auf der Stelle gesund; auch andern erlangte er durch ihre Fürbitte die Gesundheit und Hilfe in ihren Nöten. Einer seiner geliebtesten Jünger, der fromme und gelehrte Cäsar Baronius, wurde zum Tode krank. Da rief der heilige Philippus mit heißter Inbrunst zu Jesus: &amp;quot;Ich bitte, ich will, daß Cäsar gesund werde.&amp;quot; Sein Gebet aber war vergeblich; da wandte sich der Heilige zu Maria und sein Flehen wurde durch ihre Fürbitte erhört; Cäsar wurde auf der Stelle gesund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen solcher Gunstbezeugungen, die ihm Maria erwies, schärfte er daher seinen Schülern und Beichtkindern beständig ein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Meine Kinder! Ehret die Mutter Gottes, liebet Maria!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Willst du nicht auch Maria, die liebe, süße, gütige Frau und Mutter ehren und lieben? Ach, wie unglücklich wärest du, wenn du Maria nicht liebtest; du kannst ohne sie nicht Jesus lieben und wirst nicht selig werden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp jungfräuliche Reinigkeit&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Jugend auf hatte er seine jungfräuliche Reinigkeit unverletzt bewahrt, doch nicht ohne harte Kämpfe gegen das Fleisch. Er hatte schon als Knabe den Entschluß gefaßt, diese Tugend auf das Sorgfältigste zu bewahren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb hielt er sich immer in Furcht und Mißtrauen auf sich selbst. Niemals entblößte er einen Teil des Körpers ohne dringende Notwendigkeit, und nie sprach er ein Wort, dass nicht die zarteste Reinigkeit atmete. Weiblichen Personen blickte er nie in das Gesicht. Eine Frauensperson von ausgezeichneter Schönheit, welche dreißig Jahre sein Beichtkind war, bezeugte mit einem Eid, dass der Heilige sie niemals angeblickt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb wollte er auch Frauenspersonen nicht gerne Beicht hören, behandelte sie strenge und hörte ihre Beicht nur durch ein Gitter und mit abgewendetem Gesichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So sorgfältig er aber die Reinheit hütete, hatte er doch die heftigsten Versuchungen auszustehen, und aus der Art und Weise, wie er sie überwunden, kannst du, christliche Seele, entnehmen, wie du auch siegen mögest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen seiner Wohlgestalt wollten ihn einst in seinem achtzehnten Jahre sittenlose Menschen zu etwas sündhaftem verleiten. Er konnte ihnen nicht ausweichen und nicht entfliehen; da kam ihm der Gedanke, ob nicht vielleicht das Wort Gottes die Herzen dieser Buben erweiche. Er redete daher mit ihnen von göttlichen Dingen und von der Abscheulichkeit der Sünde, und siehe da, die Bösewichter gaben ihr Vorhaben auf und bekehrten sich sogar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einstmals sperrten ihn gottlose Jünglinge in ein Zimmer mit zwei schlechten Weibspersonen ein. Da warf sich der heilige Jüngling auf die Erde, rief mit rührenden Worten zum Herrn und als dies die Dirnen sahen und hörten, getrauten sie sich nicht einmal, ihn anzusehen, und zogen sich in einen Winkel des Zimmers zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er schon Priester war, stellte sich eine unverschämte Dirne krank und ließ Philipp rufen. Dieser, nichts Böses ahnend, kam. Aber auf der Stiege trat ihm schon das gottlose Weib, nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, entgegen, um ihn zur Sünde zu verleiten. Er aber bezeichnete sich mit dem Kreuze, wendete sich sogleich um und entfloh. Wütend hierüber warf ihm die Dirne einen Schemmel nach, er aber kam unverletzt an Leib und Seele davon und von dieser Stunde an fühlte er nicht mehr die geringste unreine Regung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese hohe Reinigkeit glänzte ihm auch im Gesichte, das wie das eines Engels erschien, und aus seinem Leibe strömte ein überaus lieblicher Geruch hevor, wodurch viele zur heiligen Andacht entflammt wurden. Gott verlieh ihm auch die Gabe, die Keuschheit an Andern durch den Wohlgeruch und die Unlauterkeit durch den Gestank, der von ihnen ausging, zu erkennen. Wenn er daher einem Menschen, der mit dem Laster der Unlauterkeit behaftet war, begegnete, hielt er sich mit einem Schnupftuche die Nase zu. Kam ein unreiner Mensch zu ihm, so rief ihm der Diener Gottes, ohne ihn zu kennen, sogleich zu: &amp;quot;Du stinkst, mein Sohn!&amp;quot; oder: &amp;quot;Mein Sohn, ich rieche deine Sünden!&amp;quot; Er behauptete auch, es gebe nichts Lästigeres und Abscheulicheres, als den Gestank dieses Lasters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, christliche Seele! Bedenke, wie abscheulich muss die Unreinigkeit erst Gott, der seligsten Jungfrau, dem heiligen Schutzengel vorkommen!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des heiligen Philipp Reinigkeit hatte auch einen großen Einfluß auf andere Menschen und besonders auf die unreinen Geister. Unzählige wurden durch die Auflegung seiner Hände und durch seine Umarmung von unreinen Versuchungen befreit; Mehrere dadurch zur Bewahrung der jungfräulichen Keuschheit angeregt. Sogar sein Name diente dazu, die unreinen Geister zu vertreiben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel, welche der Heilige jungen Personen vorschrieb, um keusch zu leben, waren folgende: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sie sollten sich ganz besonders hüten, mit schlechten Menschen Umgang zu pflegen, &lt;br /&gt;
* ihren Leib nicht zärtlich behandeln, &lt;br /&gt;
* niemals müssig gehen, &lt;br /&gt;
* fleißig beten, &lt;br /&gt;
* die heiligen Sakramente der Buße und des Altars öfters empfangen; &lt;br /&gt;
* über den Fall Anderer Mitleid haben; &lt;br /&gt;
* nie darüber zürnen oder urteilen, denn sonst falle man gewiß in denselben Fehler; &lt;br /&gt;
* alle bösen Gedanken frei und offenherzig dem Beichtvater entdecken, &lt;br /&gt;
* sich einen erfahrnen Beichtvater wählen und demselben gewöhnlich beichten;&lt;br /&gt;
* beim ersten Anfall sogleich zu Gott um Hilfe rufen;&lt;br /&gt;
* die seligste Jungfrau ganz besonders verehren und anrufen; &lt;br /&gt;
* sich hüten, Kinder zu umarmen und zu küssen, &lt;br /&gt;
* mit Tieren zu scherzen und &lt;br /&gt;
* ganz besonders zu fliehen, denn &amp;quot;in diesem Kampfe, pflegte er zu sagen, siegen nur die Furchtsamen und die Feigen!&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Willst du diese Mittel anwenden, christliche Seele?&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp tiefe Demut&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ehren und Würden verachtete er aus tiefstem Herzensgrunde. Zwei Päpste übertrugen ihm die Kadinalswürde und andere hohe Stellen; er aber schlug sie jedesmal aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er verlangte nichts anderes als Gottes Wohlgefallen und den Himmel. Einige Monate vor seinem Tode sprach er mit dem Bruder Bernardin, einem Manne von großer Einfalt: &amp;quot;Bernardin, der Papst hat mir den Kardinalshut zugedacht, was meinst du dazu?&amp;quot; Der Bruder erwiderte: &amp;quot;Ich meinte, man dürfte diese Würde nicht zurückweisen, wenigstens um unserer Gesellschaft aufzuhelfen.&amp;quot; Der Heilige hob nun sein Birett in die Höhe und sagte mit zum Himmel gerichteten Augen: &amp;quot;Bernardin, das Paradies, das Paradies!&amp;quot; Dieser aber entgegnete mit Einfalt: &amp;quot;Verzeihet Vater, daran habe ich nicht gedacht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige wollte sogar jene Ehren und Würden nicht annehmen, die ihm als Stifter seiner Versammlung zugehörten. Deshalb ließ er sich nie anders als &amp;quot;Pater&amp;quot;, &amp;quot;Vater&amp;quot; nennen; deshalb nannte er sich im höchsten Ernste den schlechtesten Menschen, weil er im Lichte Gottes die Armseligkeit und das Elend des Menschen erkannte. Wenn er sah, dass Jemand ein schweres Verbrechen beging, dann rief er aus: &amp;quot;O hätte ich nichts Schlimmeres getan!&amp;quot; Täglich machte er bei der heiligen Messe, wenn er die heilige Hostie in der Hand hielt, die Beteuerung: &amp;quot;Herr, du mußt dich heute vor mir hüten, denn ich werde dich verraten und alles Böse vollbringen.&amp;quot; Ein andersmal sagte er: &amp;quot;Die Seitenwunde Christi ist zwar groß, wenn mich aber nicht Gott selbst leitet, so werde ich sie gewiß noch größer machen.&amp;quot; Wenn er beichtete, vergoß er immer die hellsten Tränen, und wenn er junge Leute sah, rief er aus: &amp;quot;Ich verzweifle an mir,&amp;quot; und als man ihn deswegen fragte, antwortete er: &amp;quot;Ich verzweifle an mir allerdings, doch hoffe ich auf Gott.&amp;quot; Als ihn eines Tages eine Frau einen Heiligen nannte, entgegnete er zornig: &amp;quot;..... dich, ich bin ein Teufel und kein Heiliger.&amp;quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er konnte nie leiden, wenn man ihn ehrte, und wenn Jemand ihn lobte, dann rief er aus: &amp;quot;O ich Armseliger! Wie viele Bauern und arme Mädchen werden mir im Himmel vorgehen!&amp;quot; Dagegen, wenn man ihn verachtete oder gering schätzte, hatte er die größte Freude. Wie der heilige Apostel Johannes seinen Jüngern immer zugerufen: &amp;quot;Kindlein, liebet einander,&amp;quot; so rief der Heilige den Seinigen immer zu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Seid demütig, trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet es mit den Niedrigen,&amp;quot; und fasste dann alle seine Belehrungen über die Demut in diese Worte zusammen: &amp;quot;Die Welt verachten, keinen Menschen verachten, sich selbst verachten und verachten sich verachtet zu sehen,&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diese vier Dinge seien zur vollkommenen Demut notwendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies übte der Heilige aus, dies wollen auch wir, ich und du lieber Leser, ausüben; denn ohne demütigen Kindersinn werden wir nicht selig!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Arbeiten und Sorgen für seine Nebenmenschen&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast schon gelesen, wie der Heilige aus Liebe zu den Armen und Kranken eine Bruderschaft stiftete und unermüdet dieselben pflegte, und wie er auch in der Kirche des heiligen Erlösers zu Rom mit seinen Freunden Versammlungen hielt und das niedere Volk unterrichtete. Nachdem er aber Priester geworden war, kannte sein Eifer für das Heil der Seelen keine Grenzen mehr. Vor allem verwendete er auf Befehl seiner Obern seine ganze Zeit und Kraft auf den Beichtstuhl. Man darf sagen, dass er Tag und Nacht, selbst wenn er krank war, die beichten der reumütigen Sünder hörte, die zahlreich zu ihm eilten, um durch ihn Frieden mit Gott und mit sich zu erhalten. Er wartete auf die Sünder neben seinem Beichtstuhl und zu jeder Stunde nahm er sie liebevoll auf. Mit welcher Sanftmut und Liebe er aber die armen Sünder behandelte, wie er sie tröstete, aufrichtete, belehrte, vor dem Rückfall bewahrte, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Gerade mit den Rohesten, Unwissendsten und Lasterhaftesten hatte er das größte Mitleid, und wenn er nur mit ihnen redete, so konnten sie seinen Worten nicht wiederstehen. Einst kam ein sehr ausgelassener Jüngling zu ihm, der immer ganz verstockt dahin lebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er bat ihn, dass er nur täglich siebenmal das Salve Regina bete, dann bei jedem Falle in die Sünde sogleich den Erdboden küsste und zu sich selbst sage: &amp;quot;Morgen werde ich vielleicht sterben.&amp;quot; Der Jüngling tat es und in kurzer Zeit bekehrte er sich vollständig, lebte noch 14 Jahre bußfertig und starb eines seligen Todes. Ein arger Gewohnheitssünder legte seine Beicht bei dem Heiligen ab; dieser aber legte ihm als Buße nichts anderes auf, als daß er nach jedem Falle sogleich wieder zur Beicht komme. Dieser gehorchte und führte bald ein völlig keusches Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siehst du, christliche Seele, was die öftere Beicht vermag! Daher denn auch der Heilige ganz besonders zum öfteren Empfange der heiligen Sakramente ermahnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Heilige erwartete aber die Sünder nicht bloß im Beichtstuhle, sondern er suchte sie sogar selbst auf, hielt ihnen die strengen Gerichte Gottes vor und suchte sie dann mit himmlisch sanften Worten für Gott zu gewinnen. Seine Zelle stand jedermann offen, den Armen und Reichen, jede Stunde des Tages. Einige derselben kamen täglich zu ihm, Andere zweimal des Tages und dies 30 bis 40 Jahre lang; alle nahm er mit Liebe auf. Eines Tages wollte einer seiner Schüler Jemand, der zu ungelegener Zeit kam, nicht einlassen. Als dies der Heilige bemerkte, sprach er tadelnd: &amp;quot;Habe ich es dir nicht gesagt, daß man meinethalben nicht Zeit noch Stunde berücksichtigen darf!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders hatte es der Heilige auf die Jugend abgesehen, weil diese so leicht zu verführen ist. Er wußte die jungen Leute an sich zu ziehen, ging mit ihnen spazieren, wohnte ihren Spielen bei, ließ ihnen ein Mahl bereiten und ermunterte sie zur Heiterkeit. Hatte er so ihr Zutrauen, dann unterredete er sich mit ihnen über göttliche Dinge, stellte ihnen das fromme Leben lebhaft vor Augen und gewann sie für Jesus. Wie klug er es anzustellen wußte, junge Leute für Gott zu gewinnen, davon nur ein Beispiel: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein junger Mann, mit Namen Franz Jazzera, hing noch sehr an der Welt. Einst besuchte dieser den Heiligen und sprach mit ihm von seinen guten Aussichten in der Welt. Der Heilige entgegnete ihm: &amp;quot;Ja, mein Sohn, du wirst ein großes Glück machen; du wirst ein Advokat, dann Prälat, sodann Kardinal und vielleicht werweiß, auch Papst werden; aber dann? aber dann? Gehe und überdenke diese Worte.&amp;quot; Franz ging nach Hause, immer klangen ihm die Worte in den Ohren: &amp;quot;und dann?&amp;quot; Er verstand den Heiligen, verließ nun die Welt und trat in die Genossenschaft des Heiligen. Zur Fastnachtzeit, wo der Teufel seine Schlingen gewöhnlich auswirft, um die jungen Leute zu fangen, führte er seine Jünglinge unter Musik und Gesang in die selben Hauptkirchen. Er ließ sie, schon im hohen Alter, neben seinem Zimmer Ball spielen. Die Hausgenossen verwiesen ihnen einst den Lärm, welchen sie dabei machten! Kaum hatte der Heilige davon gehört, sprach er zu ihnen: &amp;quot;Laßt euch nicht schrecken, Kinder! Spielet nur fort und seid fröhlich, ich verlange von euch nichts anders, als daß ihr nicht sündiget.&amp;quot; Ein Andersmal sagte er: &amp;quot;O wenn sie nur nicht sündigen, so mögen sie auf meinem Rücken Holz hacken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbeschreiblich ist aber, was der Heilige durch die Stiftung seiner Kongregation oder Versammlung geleistet hat. Als er nämlich Priester geworden war und schon früher, wo er in der Kirche des Erlösers die Bruderschaftsversammlungen hielt, gesellten sich zu ihm viele fromme Männer, unter denen sogar berühmte Gelehrte waren, mit denen er täglich in einer Kapelle, &amp;quot;Oratorium&amp;quot; genannt, geistliche Unterredungen hielt, um sie zur Vollkommenheit anzueifern. Wie der Heilige, so suchten auch diese jungen Männer das Volk zu belehren, die Armen und Kranken zu unterstützen und zu pflegen, und die Sünder zu retten. Von der Kapelle oder dem Oratorium, wo sie sich täglich versammelten, erhielten sie den Namen Oratorianer. Sie beteten miteinander, empfingen mit aller Erbauung recht oft die heiligen Sakramente, machten in der Stadt zu den Hauptkirchen nächtliche Wallfahrten und diejenigen, welche Priester waren, sassen untermüdet im Beichtstuhl, hielten Christenlehren oder predigten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz großer Anfeindungen und Verfolgungen, die der Heilige deswegen auszustehen hatte, wurde die Zahl der Jünger immer größer, und es mußte endlich ein eigenes Haus gebaut und eine gemeinschaftliche Regel festgesetzt werden, welche Papst Gregor XIII. auch bestätigte. Der Heilige wurde Vorsteher der Versammlung und leuchtete allen durch sein Beispiel voran. &lt;br /&gt;
Er hatte dies Werk ganz der Verherrlichung Gottes geweiht und es wuchs zu einem herrlichen Baume heran, der die schönsten Früchte für Himmel und Erde hervorbrachte. Noch heut zu Tage ruht der sichtbare Segen Gottes auf dieser Stiftung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es konnte nicht fehlen, daß der Heilige bei seinen fortdauernden angestrengten Arbeiten und seinen harten Abtödtungen öfters krank wurde. Öfters mußte man ihm die Sterbesakramente reichen. Niemals aber sprach er von seinen Schmerzen; ja wenn es ihm nicht ausdrücklich verboten war, hörte er sogar todkrank die Beichten seiner Schüler und sobald er das Bett wieder verlassen konnte, las er wieder die heilige Messe und ging in den Beichtstuhl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Das Ende seines irdischen Lebens&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen letzten Jahren wurde er von einem heftigen Fieber befallen, so daß man an seinem Aufkommen zweifelte. Da erhielt er plötzlich auf wunderbare Weise die Gesundheit wieder. Vier Ärzte hatten ihm bereits das Leben abgesagt und warteten in einem nahen Zimmer auf seinen Tod. Da rief auf einmal der Heilige aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O meine hochheilige Gebieterin! O du Schönste und Lieblichste, o meine gebenedeite Gebieterin!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ärzte und einige der Seinigen, welche ihn rufen hörten, eilten herbei und fanden ihn schwebend in der Luft über seinem Bette, die Hände bald ausstreckend, bald zurückziehend, wie Jemand, der Etwas an sein Herz drückt und dabei rief er immer: &amp;quot;O meine Gebieterin, was habe ich denn getan, daß du dich würdigest, zu mir zu kommen?&amp;quot; Darauf sprach er noch ganz von Sinnen zu den Ärzten: &amp;quot;Habt ihr die seligste Jungfrau gesehen, welche zu mir gekommen ist, und mich von allen Schmerzen befreit hat?&amp;quot; Als er wieder zu sich kam und die Umstehenden bemerkte, weinte er, sein Angesicht in das Bett verhüllt, lange Zeit und darnach legte er allen ein unverbrüchliches Stillschweigen auf.  Am anderen Morgen stand er gesund vom Bette auf und las die heilige Messe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich, nachdem er ungeachtet seines schwächlichen Körpers seiner vielen Arbeiten und Krankheiten ein hohes Alter erlangt hatte, nahte sich seine Sterbestunde. Sein geliebter Cäsar Baronius erteilte ihm die letzte Ölung und der Kardinal Friedrich Borrmäus, sein innigster Freund, brachte ihm das heilige Abendmahl. Kaum hatte der Kardinal mit dem Allerheiligsten das Zimmer betreten, da öffnete der todkranke Heilige die Augen und rief mit größter Innigkeit weinend aus: &amp;quot;Siehe da, meine Liebe, sieh meine Liebe: Sieh mein Gut! Gebt mir meine Liebe!&amp;quot; Alle Gegenwärtigen zerflossen in Tränen. Als der Kardinal die Worte sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;O Herr, ich bin nicht würdig, und niemals war ich würdig; ich habe nichts Gutes getan!&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ihm dann die heilige Hostie gereicht wurde, sprach er: &amp;quot;Komm, Herr, komme!&amp;quot; Nachdem alles vorüber war, fügte er bei: &amp;quot;Nun habe ich den wahren Seelenarzt empfangen: O Eitelkeit der Eitelkeit, alles ist Eitelkeit! Wer etwas Anderes sucht als Christus, der weiß wahrlich nicht, was er sucht!&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwölf Tage vor seinem Tode sagte er zu Einem der Seinigen: &amp;quot;Mein Sohn! Wisse, nach wenigen Tagen werde ich sterben und zwar wird dies wider alles Erwarten geschehen; mein Tod wird zwischen Tag und Nacht eintreffen.&amp;quot; Zehn Tage vorher fragte er einen Laienbruder: &amp;quot;Wie viele Tage des Monats vorüber seien?&amp;quot; &amp;quot;Fünfzehn&amp;quot;, antwortet dieser. &amp;quot;Fünfzehn, sprach Philipp, und noch zehn dazu, dann werde ich alsbald von hinnen gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25.Mai, an welchem damals das heiligste Fronleichnamsfest fiel, befahl der Heilige, man solle Alle, welche ihm beichten wollten, hereinlassen. So hörte er vom frühesten Morgen an die Beichten und mehreren der Seinigen gab er zur Buße auf, daß sie nach seinem Tode einen Rosenkranz für ihn beten sollten. Nach Anhörung der Beichten betete er sein Brevier und las dann in der Hauskapelle die heilige Messe mit besonderer Andacht. Das Gloria in excelsis sang er mit lauter, heller Stimme, jubelnd im Geiste wie ein Engel. Nach der heiligen Messe reichte er mehreren die heilige Kommunion und machte dann seine Danksagung, darauf hörte er wieder Beicht. Beim Mittagsmahle aß er etwas Weniges und führte ein geistliches Gespräch mit seinen Freunden auf die lieblichste Weise. Nachmittag ließ er sich die Lebensgeschichte des heiligen Bernardin von Siena vorlesen, betete dann mit einigen die Tagzeiten, hörte noch einige Beicht und erteilte dann allen Hausgenossen den Segen. Niemand dachte an seinen Tod, obwohl der Heilige ihn bestimmt an diesem Tage vorausgesagt hatte. Um 9 Uhr legte er sich zu Bette und entließ dann Alle mit den Worten: &amp;quot;Man muß endlich doch sterben.&amp;quot; Nach 11 Uhr Nachts stieg er aus dem Bette und ging im Zimmer herum. Von seinen Schritten aufgeweckt, eilte Pater Antonius herbei und fragte den Heiligen, der schon wieder im Bette lag, wie er sich befinde. Er erwiederte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Antonius, ich gehe.&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&amp;lt;/center&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun rief dieser alle Brüder herbei, denn schon war der Todeskampf eingetreten. Die Augen zum Himmel erhoben, segnete er sie nochmal Alle, neigte sein Haupt und gab dann sanft im Herrn seinen Geist auf am 26. Mai nicht ganz achtzig Jahre alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in seinem Leben, so verherrlichte ihn Gott auch im Grabe durch viele Wunder und noch heut zu Tage ist sein Name in der Stadt Rom in aller Munde, gesegnet von Tausenden, die durch ihn und seine heilige Versammlung für Jesus gewonnen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Darstellung des hl. Philipp Neri&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp Neri wird abgebildet, wie er in einem roten Meßgewande die heilige Messe ließt, neben sich die heilige [[Gottesmutter Maria|Gottesmutter]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;Des heiligen Philipp Neri Schußgebetlein, die er seine Beichtkinder lehrte&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der heilige Philipp war ein Heiliger der Liebe; alle Menschen wollte er zu dieser heiligen Liebe entflammen, denn sie ist die Mutter aller Tugenden. Daher lehrte er seine Schüler und besonders seine Beichtkinder kurze Gebete, Pfeil- oder Schußgebetlein genannt, um dadurch in steter Liebesvereinigung mit Gott zu verharren. Sie sollten nämlich diese Gebetlein recht oft sprechen, um so ihr Herz immer zu erheben. Diese Gebetlein sind folgende:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr, verbirg dich nicht vor mir! &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O Gott, merke auf meine Hilfe; Herr, eile mir zu helfen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus, du bist mein Jesus!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann werde ich dich mit kindlicher Liebe lieben! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, beschütze uns vor dem Feinde und nimm uns auf in der Todesstunde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe dich, o mein Jesus, noch nicht erkannt, weil ich dich noch nicht gesucht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll ich tun, wenn du, mein Jesus, mir nicht hilfst? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verleihe mir, o Jesus, daß ich dir diene, nicht aus Furcht, sondern aus Liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal endlich will ich dich lieben, o Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir selbst mißtraue ich, dir vertraue ich, o mein Jesus! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
O mein Jesus, wenn ich doch dich und mich erkennete! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde dich, o Jesu, nie lieben, wenn du mir nicht hilfst! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich falle, o mein Jesus, wenn du mir nicht hilfst!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimm Alles hinweg, o mein Jesus, was mich hindert, dich zu besitzen! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heiligste Jungfrau, meine Gebieterin, gib, daß ich immer an dich denke!!&lt;br /&gt;
--------------&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884 nach FJM überarbeitete Fassung)&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilige]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Personen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige [[Paulus|Paulus]], der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet [[Ezechiel|Ezechiel]] erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Luther|Luther]] und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige [[Petrus|Petrus]] [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige [[Gerard Majella|Gerard Majella]] bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige [[Aloysius|Aloysius]], Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige [[Theresia|Thersia]], [[Agnes|Agnes]], [[Agatha|Agatha]] und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen [[Matthäus|Matthäus]] 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige [[Markus|Markus]] ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige [[Lukas|Lukas]], und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen [[Augustin|Augustin]], &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet [[David|David]], wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14510</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:27:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige [[Paulus|Paulus]], der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet [[Ezechiel|Ezechiel]] erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Luther|Luther]] und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige [[Petrus|Petrus]] [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige [[Gerard Majella|Gerard Majella]] bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige [[Aloysius|Aloysius]], Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige [[Theresia|Thersia]], [[Agnes|Agnes]], [[Agatha|Agatha]] und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:25:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige [[Paulus|Paulus]], der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet [[Ezechiel|Ezechiel]] erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Luther|Luther]] und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige [[Petrus|Petrus]] [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige [[Gerard Majella|Gerard Majella]] bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige [[Theresia|Thersia]], [[Agnes|Agnes]], [[Agatha|Agatha]] und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:23:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige [[Paulus|Paulus]], der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet [[Ezechiel|Ezechiel]] erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Luther|Luther]] und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige [[Petrus|Petrus]] [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige [[Gerard Majella|Gerard Majella]] bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kosika, Johannes Berchmanns; die heilige [[Theresia|Thersia]], [[Agnes|Agnes]], [[Agatha|Agatha]] und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:21:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige [[Paulus|Paulus]], der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet [[Ezechiel|Ezechiel]] erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Luther|Luther]] und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige [[Petrus|Petrus]] [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige [[Gerard Majella|Gerard Majella]] bewahrte sein [[Theresia|Thersia]], [[Agnes|Agnes]], [[Agatha|Agatha]] und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:13:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige [[Paulus|Paulus]], der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten [[Adam|Adam]] geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:12:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige [[Paulus|Paulus]], der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:11:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [[Johannes|Johannes]] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:10:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige [Johannes|Johannes] nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14502</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T10:01:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;], und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14501</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T09:57:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7,15. 19.&#039;&#039;] Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 7, 24.25.&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 58,11&#039;&#039;], wie auch der heilige Paulus, da er an die [&#039;&#039;Epheser 5,14&#039;&#039;] schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;Kolosser [2,13]&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;Offenbarung [3,20]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Ps. 22,6&#039;&#039;]. Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die &#039;&#039;Römer [8,26]:&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;Sprichwörtern [1,24]&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;Isaias [5, 1-7]&#039;&#039;, wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 11,21&#039;&#039;],&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Matt. 23,37&#039;&#039;]; der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! [&#039;&#039;2. Kor. 6,1&#039;&#039;]; und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; [&#039;&#039;1. Thess. 5,9&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;Propheten Ezechiel [36, 26.27]&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ [&#039;&#039;Joh. 6,37&#039;&#039;] &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“&#039;&#039; sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;Jeremias [32,40]&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,11&#039;&#039;.] Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Phil. 1,6&#039;&#039;] Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14500</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T09:35:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kan. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14499</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T09:33:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039;(Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes [&#039;&#039;1. Br. 3,1&#039;&#039;]: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel [&#039;&#039;Röm. 5,10&#039;&#039;], &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen [&#039;&#039;Röm. 3,24&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt [&#039;&#039;Jes, 43,25&#039;&#039;], hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt [&#039;&#039;Mich. 7,19&#039;&#039;], Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Jes. 44,22&#039;&#039;]. Der Sünder wird abgewaschen [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;], gereinigt [&#039;&#039;1. Joh. 1,7&#039;&#039;], weißer als der Schnee [&#039;&#039;Jes. 50,9&#039;&#039;], so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,1&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; [&#039;&#039;z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7&#039;&#039;]; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient [&#039;&#039;Kan. 11&#039;&#039;] ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 17,17.19&#039;&#039;]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes [&#039;&#039;1. Kor. 6,11&#039;&#039;]; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei [&#039;&#039;Tit. 3,5&#039;&#039;]; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben [&#039;&#039;Röm. 5,17&#039;&#039;]; und der heilige Petrus [&#039;&#039;2. Br. 1,4&#039;&#039;], dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein [&#039;&#039;Spr. 8,31&#039;&#039;], so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; [&#039;&#039;Joh. 14,23&#039;&#039;]. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-15T09:19:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt  [&#039;&#039;Joh. 3,3&#039;&#039;]. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; [&#039;&#039;Röm. 8,17&#039;&#039;].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes &#039;&#039;&#039;(1. Br. 3,1)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,10)&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt &#039;&#039;&#039;(Jes, 43,25)&#039;&#039;&#039;, hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt &#039;&#039;&#039;(Mich. 7,19)&#039;&#039;&#039;, Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Jes. 44,22)&#039;&#039;&#039;. Der Sünder wird abgewaschen &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;, gereinigt &#039;&#039;&#039;(1. Joh. 1,7)&#039;&#039;&#039;, weißer als der Schnee &#039;&#039;&#039;(Jes. 50,9)&#039;&#039;&#039;, so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,1)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7)&#039;&#039;&#039;; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient &#039;&#039;&#039;(Kan. 11)&#039;&#039;&#039; ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,17.19)&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei &#039;&#039;&#039;(Tit. 3,5)&#039;&#039;&#039;; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,17)&#039;&#039;&#039;; und der heilige Petrus &#039;&#039;&#039;(2. Br. 1,4)&#039;&#039;&#039;, dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein &#039;&#039;&#039;(Spr. 8,31)&#039;&#039;&#039;, so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 14,23)&#039;&#039;&#039;. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14370</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-08T20:02:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes &#039;&#039;&#039;(1. Br. 3,1)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,10)&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt &#039;&#039;&#039;(Jes, 43,25)&#039;&#039;&#039;, hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt &#039;&#039;&#039;(Mich. 7,19)&#039;&#039;&#039;, Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Jes. 44,22)&#039;&#039;&#039;. Der Sünder wird abgewaschen &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;, gereinigt &#039;&#039;&#039;(1. Joh. 1,7)&#039;&#039;&#039;, weißer als der Schnee &#039;&#039;&#039;(Jes. 50,9)&#039;&#039;&#039;, so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,1)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7)&#039;&#039;&#039;; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient &#039;&#039;&#039;(Kan. 11)&#039;&#039;&#039; ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,17.19)&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei &#039;&#039;&#039;(Tit. 3,5)&#039;&#039;&#039;; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,17)&#039;&#039;&#039;; und der heilige Petrus &#039;&#039;&#039;(2. Br. 1,4)&#039;&#039;&#039;, dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein &#039;&#039;&#039;(Spr. 8,31)&#039;&#039;&#039;, so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 14,23)&#039;&#039;&#039;. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Das dreifache Reich Gottes, Impr. 1911&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-08T20:01:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus“&#039;&#039; (Szg.6, Hptst.4). Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes &#039;&#039;&#039;(1. Br. 3,1)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,10)&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (Siz. 5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt &#039;&#039;&#039;(Jes, 43,25)&#039;&#039;&#039;, hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt &#039;&#039;&#039;(Mich. 7,19)&#039;&#039;&#039;, Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Jes. 44,22)&#039;&#039;&#039;. Der Sünder wird abgewaschen &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;, gereinigt &#039;&#039;&#039;(1. Joh. 1,7)&#039;&#039;&#039;, weißer als der Schnee &#039;&#039;&#039;(Jes. 50,9)&#039;&#039;&#039;, so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,1)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7)&#039;&#039;&#039;; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient &#039;&#039;&#039;(Kan. 11)&#039;&#039;&#039; ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,17.19)&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei &#039;&#039;&#039;(Tit. 3,5)&#039;&#039;&#039;; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,17)&#039;&#039;&#039;; und der heilige Petrus &#039;&#039;&#039;(2. Br. 1,4)&#039;&#039;&#039;, dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein &#039;&#039;&#039;(Spr. 8,31)&#039;&#039;&#039;, so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 14,23)&#039;&#039;&#039;. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-08T12:56:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus.“&#039;&#039; Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes &#039;&#039;&#039;(1. Br. 3,1)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,10)&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (   5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt &#039;&#039;&#039;(Jes, 43,25)&#039;&#039;&#039;, hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt &#039;&#039;&#039;(Mich. 7,19)&#039;&#039;&#039;, Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Jes. 44,22)&#039;&#039;&#039;. Der Sünder wird abgewaschen &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;, gereinigt &#039;&#039;&#039;(1. Joh. 1,7)&#039;&#039;&#039;, weißer als der Schnee &#039;&#039;&#039;(Jes. 50,9)&#039;&#039;&#039;, so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,1)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7)&#039;&#039;&#039;; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient &#039;&#039;&#039;(Kan. 11)&#039;&#039;&#039; ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,17.19)&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei &#039;&#039;&#039;(Tit. 3,5)&#039;&#039;&#039;; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,17)&#039;&#039;&#039;; und der heilige Petrus &#039;&#039;&#039;(2. Br. 1,4)&#039;&#039;&#039;, dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein &#039;&#039;&#039;(Spr. 8,31)&#039;&#039;&#039;, so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 14,23)&#039;&#039;&#039;. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-07T10:59:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus.“&#039;&#039; Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes &#039;&#039;&#039;(1. Br. 3,1)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,10)&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (   5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt &#039;&#039;&#039;(Jes, 43,25)&#039;&#039;&#039;, hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt &#039;&#039;&#039;(Mich. 7,19)&#039;&#039;&#039;, Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Jes. 44,22)&#039;&#039;&#039;. Der Sünder wird abgewaschen &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;, gereinigt &#039;&#039;&#039;(1. Joh. 1,7)&#039;&#039;&#039;, weißer als der Schnee &#039;&#039;&#039;(Jes. 50,9)&#039;&#039;&#039;, so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,1)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7)&#039;&#039;&#039;; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient &#039;&#039;&#039;(Kan. 11)&#039;&#039;&#039; ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,17.19)&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei &#039;&#039;&#039;(Tit. 3,5)&#039;&#039;&#039;; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,17)&#039;&#039;&#039;; und der heilige Petrus &#039;&#039;&#039;(2. Br. 1,4)&#039;&#039;&#039;, dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein &#039;&#039;&#039;(Spr. 8,31)&#039;&#039;&#039;, so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 14,23)&#039;&#039;&#039;. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autorin: Angelika&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
	</entry>
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		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14346</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-07T10:57:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus.“&#039;&#039; Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes &#039;&#039;&#039;(1. Br. 3,1)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,10)&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (   5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt &#039;&#039;&#039;(Jes, 43,25)&#039;&#039;&#039;, hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt &#039;&#039;&#039;(Mich. 7,19)&#039;&#039;&#039;, Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Jes. 44,22)&#039;&#039;&#039;. Der Sünder wird abgewaschen &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;, gereinigt &#039;&#039;&#039;(1. Joh. 1,7)&#039;&#039;&#039;, weißer als der Schnee &#039;&#039;&#039;(Jes. 50,9)&#039;&#039;&#039;, so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,1)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7)&#039;&#039;&#039;; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient &#039;&#039;&#039;(Kan. 11)&#039;&#039;&#039; ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,17.19)&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei &#039;&#039;&#039;(Tit. 3,5)&#039;&#039;&#039;; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,17)&#039;&#039;&#039;; und der heilige Petrus &#039;&#039;&#039;(2. Br. 1,4)&#039;&#039;&#039;, dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein &#039;&#039;&#039;(Spr. 8,31)&#039;&#039;&#039;, so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 14,23)&#039;&#039;&#039;. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der [[heilige Markus|Markus]] ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unseren geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das Gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, a) &#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11)&#039;&#039;&#039;, wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14)&#039;&#039;&#039; schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autorin: Angelika&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-07T10:43:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus.“&#039;&#039; Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes &#039;&#039;&#039;(1. Br. 3,1)&#039;&#039;&#039;: &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,10)&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen &#039;&#039;&#039;(Röm. 3,24)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (   5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt &#039;&#039;&#039;(Jes, 43,25)&#039;&#039;&#039;, hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt &#039;&#039;&#039;(Mich. 7,19)&#039;&#039;&#039;, Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Jes. 44,22)&#039;&#039;&#039;. Der Sünder wird abgewaschen &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;, gereinigt &#039;&#039;&#039;(1. Joh. 1,7)&#039;&#039;&#039;, weißer als der Schnee &#039;&#039;&#039;(Jes. 50,9)&#039;&#039;&#039;, so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,1)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7)&#039;&#039;&#039;; allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient &#039;&#039;&#039;(Kan. 11)&#039;&#039;&#039; ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,17.19)&#039;&#039;&#039;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes &#039;&#039;&#039;(1. Kor. 6,11)&#039;&#039;&#039;; dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei &#039;&#039;&#039;(Tit. 3,5)&#039;&#039;&#039;; dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben &#039;&#039;&#039;(Röm. 5,17)&#039;&#039;&#039;; und der heilige Petrus &#039;&#039;&#039;(2. Br. 1,4)&#039;&#039;&#039;, dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein &#039;&#039;&#039;(Spr. 8,31)&#039;&#039;&#039;, so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 14,23)&#039;&#039;&#039;. Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unserem geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, der &#039;&#039;&#039;Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, &#039;&#039;&#039;a) eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11&#039;&#039;&#039;), wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14&#039;&#039;&#039;) schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13&#039;&#039;&#039;): &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20&#039;&#039;&#039;) sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autorin: Angelika&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-07T10:29:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 8,17)&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; (Röm. 3,24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus.“&#039;&#039; Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes (1. Br. 3,1): &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; (Röm. 8,17).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel (Röm. 5,10), &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen (Röm. 3,24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (   5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt (Js, 43,25), hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt (Mich. 7,19), Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; (Js. 44,22.) Der Sünder wird abgewaschen (1. Kor. 6,11), gereinigt (1. Joh. 1,7), weißer als der Schnee (Js. 50,9), so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; (Röm. 8,1).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; (z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7); allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient  (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; (Joh. 17,17.19.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes (1. Kor. 6,11); dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei (Tit. 3,5); dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben (Röm. 5,17); und der heilige Petrus (2. Br. 1,4), dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein (Spr. 8,31), so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; (Joh. 14,23.) Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unserem geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, der &#039;&#039;&#039;Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, &#039;&#039;&#039;a) eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11&#039;&#039;&#039;), wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14&#039;&#039;&#039;) schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13&#039;&#039;&#039;): &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20&#039;&#039;&#039;) sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autorin: Angelika&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-07T10:28:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt &#039;&#039;&#039;(Joh. 3,3)&#039;&#039;&#039;. Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes Statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; (Röm. 8,17).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; (Röm. 3,24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus.“&#039;&#039; Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes (1. Br. 3,1): &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; (Röm. 8,17).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel (Röm. 5,10), &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen (Röm. 3,24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (   5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt (Js, 43,25), hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt (Mich. 7,19), Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; (Js. 44,22.) Der Sünder wird abgewaschen (1. Kor. 6,11), gereinigt (1. Joh. 1,7), weißer als der Schnee (Js. 50,9), so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; (Röm. 8,1).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; (z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7); allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient  (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; (Joh. 17,17.19.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes (1. Kor. 6,11); dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei (Tit. 3,5); dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben (Röm. 5,17); und der heilige Petrus (2. Br. 1,4), dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein (Spr. 8,31), so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; (Joh. 14,23.) Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unserem geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, der &#039;&#039;&#039;Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, &#039;&#039;&#039;a) eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11&#039;&#039;&#039;), wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14&#039;&#039;&#039;) schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13&#039;&#039;&#039;): &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20&#039;&#039;&#039;) sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Autorin: Angelika&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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		<id>http://ecclesiaeveritas.net/index.php?title=Gnade&amp;diff=14340</id>
		<title>Gnade</title>
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		<updated>2011-03-07T10:26:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Angelika: /* Die heiligmachende Gnade */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== &#039;&#039;&#039;Die heiligmachende Gnade&#039;&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist eine unverdiente übernatürliche Gabe, welche der Heilige Geist unserer Seele mitteilt, durch welche wir aus Sündern Gerechte, Kinder Gottes, und Erben des Himmels werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der Leib ist ohne die Seele, das ist die Seele ohne heiligmachende Gnade - eine Leiche. Zwar hat auch der tote Leib noch Augen, Ohren, Zunge, Hände, Füße usw., aber sie nützen ihm nichts, er kann sie nicht gebrauchen, nichts damit wirken, weil das Leben fehlt, welches diese Glieder in Bewegung setzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat auch die geistig tote Seele zwar Vernunft und freien Willen, aber sie kann damit nichts zum Heile wirken, weil ihr die heiligmachende Gnade fehlt, ohne deren Hilfe wir nichts ewig Verdienstliches vollbringen können. Wenn nur Gott der Seele die heiligmachende Gnade mitteilt, so wird sie vom Tode zum Leben erweckt, sie wird neu geboren, wird vor Gott heilig, gerecht und wohlgefällig. Der heilige Johannes nennt das auch die Wiedergeburt (Joh. 3,3). Und so wie der Mensch durch die leibliche Geburt ein Kind des irdischen Vaters wird, der es erzeugt hat, so wird der Mensch durch die geistige Wiedergeburt, durch die Mitteilung der heiligmachenden Gnade, ein Kind Gottes, des himmlischen Vaters, welcher ihm dieses übernatürliche Leben gegeben hat. Durch die heiligmachende Gnade werden wir Kinder Gottes, aber nicht so wie Christus, Gottes Sohn, der Eingeborene des Vaters, und gleichen Wesens mit ihm ist, sondern wir werden an Kindes Statt angenommen, werden Gnadenkinder, und erlangen so die Teilnahme an dem väterlichen Erbe, werden Brüder Jesu Christi und seine Miterben. Der heilige Apostel spricht das deutlich aus: &#039;&#039;„Wenn wir aber Gotteskinder sind, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Jesu Christi“&#039;&#039; (Röm. 8,17).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. Die heiligmachende Gnade ist ein übernatürliches Gut und ein solches kann man nicht durch natürliche Kräfte erwerben. Sie ist das Leben der Seele, aber kein Toter kann sich selbst das Leben geben. Wir haben auch kein Recht, diese Gabe von Gott zu fordern: denn wir sind von Natur aus &#039;&#039;„Kinder des Zornes“,&#039;&#039; Sünder, die nichts verdienen, als Gottes Missfallen und Ungnade. Wir sind auch nicht imstande, sie von Gott zu verdienen; denn unsern Werken kommt kein übernatürlicher Verdienst zu, wenn wir nicht mit Christus vereinigt und seiner unendlichen Verdienste teilhaftig sind; aber eben durch die heiligmachende Gnade werden wir erst mit Christus vereinigt. Die Kirchenversammlungen sprechen sich dahin aus, dass es ohne Gnade unmöglich sei, irgend etwas zum ewigen Leben Ersprießliches zu tun, woraus von selbst folgt, dass die Gnade umsonst, und nicht infolge vorausgeganger Verdienste erteilt wird. Das bestätigt der heilige Paulus, der lehrt: &#039;&#039;„Alle werden gerechtfertigt ohne (ihr) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“&#039;&#039; (Röm. 3,24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade wird auch &#039;&#039;„Gnade der Rechtfertigung“&#039;&#039; genannt, weil durch die heiligmachende Gnade der Mensch gerechtfertigt, d.h. vom Stande der Sünde in den Stand der Gerechtigkeit und Heiligkeit versetzt wird.&lt;br /&gt;
Jemanden rechtfertigen heißt nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche einen Angeschuldigten als schuldfrei beweisen. Zu ähnlichem Sinne wird die heiligmachende Gnade auch Gnade der Rechtfertigung genannt, weil der Mensch durch dieselbe mit Christus vereinigt und seiner Verdienste innerlich teilhaftig wird, wodurch er aus dem Stande der Sünde und Schuld in den Stand der Gerechtigkeit und Schuldlosigkeit versetzt wird. So erklärt es der Kirchenrat von Trient: &#039;&#039;„Die Rechtfertigung ist die Versetzung aus dem Zustande, worin der Mensch als ein Kind des ersten Adam geboren wird, in den Stand der Gnade und Kindschaft Gottes durch den zweiten Adam, Jesus Christus.“&#039;&#039; Die Rechtfertigung ist also nicht eine bloße Gerecht-Erklärung, sondern eine wirkliche Gerecht-Machung, sie nimmt alle Schuld weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prophet Ezechiel erzählt im 37. Kapitel folgendes Gesicht: &#039;&#039;„Es kam über mich die Hand des Herrn, und sie führte mich hinaus im Geiste des Herrn und ließ mich nieder inmitten des Gefildes, welches voll war von Gebeinen. Und er führte mich an ihnen vorüber ringsum; es waren aber sehr viele auf der Fläche des Gefildes, und sie waren ganz dürre.&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Menschensohn, glaubst du, dass diese Gebeine leben werden?“&#039;&#039; Und ich antwortete: &#039;&#039;„Herr, Gott, Du weißt es!“&#039;&#039; Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage über diese Gebeine und sprich zu ihnen: Verdorrte Gebeine, vernehmet das Wort des Herrn! Dies spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: Seht, ich will den Geist in euch kommen lassen, dass ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und will euch den Geist geben, damit ihr lebet und erkennet, dass ich der Herr bin.“&#039;&#039;  Und ich weissagte, wie er mir geboten; es entstand aber ein Rauschen, während ich weissagte, und siehe, es regte sich; und es fügte sich Gebein zu Gebein, jedes zu seinem Gelenke. Und ich schaute, und siehe, über dieselben kamen Sehnen und Fleisch, und Haut zog sich darüber; den Geist aber hatten sie noch nicht. Und er sprach zu mir: &#039;&#039;„Weissage zu dem Geiste: weissage, Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: Dies sagt Gott der Herr: Komm, Odem, von den vier Winden und hauche hin über diese Toten, dass sie wieder aufleben.“&#039;&#039; Da weissagte ich, wie er mir geboten, und der Geist kam in sie, und standen auf ihren Füßen, eine Heerschar gewaltig groß.“ – Dieses prophetische Gesicht enthält Zug für Zug ein getreues Bild der Wiederbelebung des Sünders durch die göttliche Gnade. Die Sünde hat nämlich den Menschen, der im Zustande der Unschuld in der frischen Jugendkraft eines gottähnlichen Lebens blühte, dieses höhern Lebens beraubt, hat denselben gleichsam in ein häßliches Totengerippe umgewandelt, das auf dem Felde dürr und regungslos liegen bleibt und zerfällt. Nun kommt der Geist des Herrn darüber, der die zerstreuten Gebeine wieder zusammenfügt und mit Fleisch und Haut überzieht, d.h. der Heilige Geist regt durch die zuvorkommende Gnade den Sünder zur Buße und Bekehrung an und bereitet dessen Wiederbelebung in Christus vor. Darauf kommt der Geist Gottes von neuem über ihn, haucht ihn an und gibt ihm so das übernatürliche Leben zurück. Dieser lebenspendende Hauch des Heiligen Geistes ist jene Gabe, welche wir die heiligmachende Gnade nennen. Denn durch diese Gnade wird der Mensch aus dem Zustande der Sünde in den Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit versetzt, weswegen dieselbe auch „Gnade der Rechtfertigung“ heißt. Da der Zustand der Sünde ein geistiger Tod, die heiligmachende Gnade aber das übernatürliche Leben ist, so wird die Eingießung derselben nicht ohne Grund mit der Auferweckung vom leiblichen Tode verglichen. Desgleichen wird auch dieser Übergang zu einem neuen Leben eine &#039;&#039;„geistliche Wiedergeburt“&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist jedoch wohl zu merken, dass der Zustand der Heiligkeit und Gerechtigkeit, in welchen wir durch die genannte Gnade versetzt werden, keineswegs verwechselt werden darf mit der christlichen Vollkommenheit, die man im gewöhnlichen Leben &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; nennt. Die christliche Vollkommenheit besteht darin, dass die Liebe zu Gott unser Herz ganz erfüllt und all unser Tun und Lassen beherrscht; die &#039;&#039;&#039;&#039;&#039;„Heiligkeit“&#039;&#039;&#039;&#039;&#039; hingegen, von der hier die Rede ist, beschränkt sich darauf, dass die Tugend der Gottesliebe überhaupt in unserem Herzen vorhanden ist. Mit der Gottesliebe aber, wie die heiligmachende Gnade sie uns mitteilt, ist auch die Freundschaft und Kindschaft Gottes und das Anrecht auf den Himmel unzertrennlich verbunden. Wie demnach die Gnade uns aus Sündern heilig und gerecht macht, so bewirkt dieselbe auch, dass wir aus Feinden Gottes seine Freunde, aus unglücklichen Sklaven des Satans Gottes vielgeliebte Kinder und Erben seines himmlischen Reiches werden. Darum sagt der heilige Johannes (1. Br. 3,1): &#039;&#039;„Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“&#039;&#039;; und der heilige Paulus: &#039;&#039;„Wenn aber Kinder, (so sind wir) auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi“&#039;&#039; (Röm. 8,17).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heiligmachende Gnade ist ein ganz freies Geschenk der erbarmenden Liebe Gottes. &#039;&#039;„Denn“&#039;&#039; so schreibt der Apostel (Röm. 5,10), &#039;&#039;„wir sind mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren.“&#039;&#039; Sind wir aber als Feinde mit Gott versöhnt, &#039;&#039;„so werden wir alle gerechtfertigt ohne (unser) Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Jesus Christus ist“,&#039;&#039; d.h. einzig um der Verdienste Christi willen (Röm. 3,24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rechtfertigung schließt in sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;die Reinigung von Sünden, wenigstens von allen schweren Sünden, sowie die Nachlassung der ewigen Strafe;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;die Heiligung und Erneuerung des innern Menschen.&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luther und die andern Neuerer des 16. Jahrhunderts stellten die Rechtfertigung als etwas rein Äußerliches dar, als einen richterlichen Spruch Gottes, wodurch dem gläubigen Sünder in Ansehung der Verdienste Christi nur die Sündenstrafe nachgelassen, die Sünde selbst aber bloß zugedeckt, nicht mehr zur Schuld angerechnet werde. Nach dieser Lehre fände bei der Rechtfertigung keine eigentliche Tilgung der Sünde, viel weniger eine innere Umwandlung und Heiligung statt. Der Gerechtfertigte wäre und bliebe innerlich mit der Sünde befleckt wie vor der Rechtfertigung, nur würde er fortan von Gott betrachtet, als wäre er gerecht, weil er mit der Gerechtigkeit Christi gleichsam bedeckt und umkleidet sei; und dies, sagen sie, sei so lange der Fall, als der Gerechtfertigte den Glauben bewahre, um dessentwillen ihm die Gerechtigkeit Christi zugerechnet werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie verwerflich und gottlos diese Lehre ist, leuchtet von selbst ein; denn danach könnte jemand das schändlichste Lasterleben führen und dabei doch in Gottes Augen als gerecht bestehen, wo fern er nur glaubte, Luther selbst schrieb an seinem Freund Melauchthon: &#039;&#039;„Sündige herzhaft, aber sei herzhafter im Glauben und freue dich in Christo. Von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, wenn wir auch tausendmal in einem Tage Unzucht trieben oder totschlügen.“&#039;&#039; Im Gegensatz zu so greulichen Irrtümern lehrt die katholische Kirche, dass die Rechtfertigung eine innere Reinigung von der Sünde und zugleich eine wahre Heiligung und Erneuerung des innern Menschen ist, vermöge welcher der Mensch aus einem Sünder in Wahrheit ein Gerechter wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Inbetreff der innern Reinigung von der Sünde lehrt das Konzil von Trient: &#039;&#039;„Wer leugnet, dass durch die Gnade Jesu Christi, welche in der Taufe mitgeteilt wird, die Erbsünde nachgelassen werde, aber wer behauptet, es werde nicht alles das, was das Wesen der Sünde ausmacht, getilgt, sondern nur äußerlich beseitigt oder nicht angerechnet, der sei im Banne.“&#039;&#039; (   5, Kann. 5.) Was hier von der Erbsünde gesagt ist, gilt in gleicher Weise auch von allen übrigen vor der Taufe begangenen Sünden: Sie werden durch das Sakrament der Taufe völlig aus der Seele getilgt gleichwie die Flecken eines Kleides durch eine geeignete Waschung nicht überdeckt, sondern wahrhaft beseitigt worden. Und wie die in der Taufe erhaltene Rechtfertigung die Tilgung der Sünde zur Folge hat, so verhält es sich auch bei jeder folgenden Rechtfertigung, sei es das dieselbe im Sakramente der Buße oder auf andere Weise erlangt wird. Denn niemals wird nach der Lehre der katholischen Kirche der Mensch gerechtfertigt, ohne dass er wenigstens von allen schweren Sünden gereinigt würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desgleichen wird auch jedesmal zugleich mit der Sünde die ewige Strafe derselben nachgelassen. Die zeitlichen Strafen hingegen werden gemäß der Lehre des Konzils von Trient denen, welche nach der Taufe in die Sünde zurückgefallen sind, nicht immer ganz nachgelassen, während bei der Taufe auch diese völlig getilgt werden. Deshalb werden im Sakramente der Buße Fasten, Almosen, Gebete und andere fromme Übungen als Genugtuung für die zurückbleibenden Sündenstrafen auferlegt, was bei der Taufe nicht der Fall ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre der Kirche von der wahren Tilgung der Sünden durch die Gnade der Rechtfertigung ist auch in der Heiligen Schrift mit so klaren und kräftigen Worten ausgesprochen als nur immer möglich. Sie sagt, die Sünden werden getilgt (Js, 43,25), hinweggenommen, in die Tiefe des Meeres versenkt (Mich. 7,19), Gott &#039;&#039;„macht sie schwinden wie eine Wolke, wie einen Nebel“.&#039;&#039; (Js. 44,22.) Der Sünder wird abgewaschen (1. Kor. 6,11), gereinigt (1. Joh. 1,7), weißer als der Schnee (Js. 50,9), so dass &#039;&#039;„nichts Verdammenswürdiges mehr in ihm sich findet“.&#039;&#039; (Röm. 8,1).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar bedient sich die Heilige Schrift auch an der einen oder anderen Stelle des  Ausdrucks &#039;&#039;„die Sünden zudecken“&#039;&#039; (z.B. Ps. 31,1; Röm. 4,7); allein auch diese Stellen sind im Sinne einer wirklichen Tilgung der Sünde zu verstehen. Dazu nötigen uns schon die vorgenannten und hundert ähnlichen Stellen, die klar und deutlich eine wirkliche Hinwegnahme der Sünde aussprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	Bezüglich der innern Umwandlung oder Heiligung lehrt die katholische Kirche, dass die Gerechtigkeit Christi uns nicht etwa bloß wie ein Kleid umgeworfen wird, sondern „dass dieselbe uns wirklich gerecht macht, so dass wir, im Innersten unserer Seele erneuert, in aller Wahrheit gerecht heißen und sind, indem wir die Gerechtigkeit in uns aufnehmen, ein jeder die seinige nach dem Maße, dass der Heiligen Geist jedwedem erteilt.“ Deshalb erklärt der Kirchenrat von Trient  (Kan. 11) ausdrücklich: &#039;&#039;„Wer lehrt, die Menschen würden gerechtfertigt lediglich durch Zurechnung der Gerechtigkeit Christi oder bloß durch Nachlassung der Sünden mit Ausschluss der Gnade und Liebe, die durch den Heiligen Geist in ihre Herzen ausgegossen wird und ihnen innewohnt … der sei im Banne.“&#039;&#039; – Nach katholischer Auffassung wird also durch die Rechtfertigung das Unkraut der Sünde im Erdreiche unseres Herzens nicht bloß abgeschnitten, sondern ausgerissen und an dessen Stelle wahre, übernatürliche Tugend eingepflanzt, mit anderen Worten, der Mensch wird durch die rechtfertigende Gnade nicht bloß entsündigt, sondern auch der Verheißung Christi gemäß &#039;&#039;„in Wahrheit geheiligt“.&#039;&#039; (Joh. 17,17.19.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das übernatürliche Ebenbild Gottes in der Seele, welches durch die Sünde getilgt war, wird wiederhergestellt und durch den göttlichen Hauch der heiligmachenden Gnade ein neues, himmlisches Leben wieder geweckt. Durch dieselbe wird die Seele mit höhern Kräften zur Übung gottgefälliger Werke tüchtig gemacht, mit göttlichen Tugenden ausgestattet, mit den kostbarsten Gaben des Heiligen Geistes bereichert, ja, in gewissem Sinne der göttlichen Natur teilhaftig gemacht. Darum sagt der Apostel von den Gerechtfertigten, dass sie nicht bloß abgewaschen, sondern auch geheiligt seien im Geiste unseres Gottes (1. Kor. 6,11); dass der Heilige Geist reichlich auf sie ausgegossen sei (Tit. 3,5); dass sie die Fülle der Gaben und der Gerechtigkeit erhalten haben (Röm. 5,17); und der heilige Petrus (2. Br. 1,4), dass sie der göttlichen Natur teilhaftig werden. Die Heiligkeit der Gerechtfertigten ist also keine bloße Abwendung vom Bösen, sondern auch eine tatkräftige Hinneigung zum Guten. Diese Gerechtigkeit ist ein heiliger, gnadenreicher Zustand, an welchem Gott besonders Wohlgefallen hat. Wenn die Schrift beteuert, es sei Gottes Wonne, bei den Menschenkindern zu sein (Spr. 8,31), so gilt dieses vorzüglich von jenen Seelen, in welchen sein göttliches Ebenbild in frischem himmlischen Tugendschmucke prangt. Bei solchen Seelen nimmt Gott Einkehr und schlägt in denselben seinen Wohnsitz auf nach den Worten des Heilandes: &#039;&#039;„Wenn jemand mich liebt, so wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“&#039;&#039; (Joh. 14,23.) Der heilige Gerard Majella bewahrte sein ganzes Leben die heiligmachende Gnade. Ebenso der heilige Aloysius, Stanislaus Kostka, Johannes Berchmanns; die heilige Theresia, Agnes, Agatha und viele andere Heilige. Folge ihnen nach!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gnade des Beistandes oder die wirkliche Gnade ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium des heiligen Matthäus 2. Kapitel 25. Vers u. ff. erzählt uns zwei Wunderbegebenheiten, in welchem wir Jesu göttliche Machtvollkommenheit sehen. Zuerst heilt er ein Weib, welches zwölf Jahre an Blutflüsse gelitten hatte, dann weckt er die Tochter eines Synagogenvorstehers vom Tode auf. Beide Wunderwerke sind ein schönes Bild eines jeden Menschen, wie er von der Sünde zur Gerechtigkeit, vom Tode der Seele zum Leben derselben gelangt - nämlich durch die Gnade, die von Jesus als eine wiederbelebende und am Leben erhaltende Kraft ausfließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Weib hatte, wie der heilige Markus ausführlicher erzählt, vieles von vielen Ärzten gelitten, und ihr ganzes Vermögen aufgewendet, ohne dass es mit ihr besser geworden wäre. Das ist das gänzliche Unvermögen des Menschen, der weder aus und durch sich, durch sein schwaches Vermögen, noch auch durch menschliche Hilfe, durch Lehren der bloßen Vernunft und Weisheit der Welt, zur Gesundheit des Geistes, zur Befreiung von der Sünde, in den Zustand der Gerechtigkeit kommen kann, er bedarf dazu einer göttlichen Einwirkung. Dieses Weib bedurfte auch einer solchen Einwirkung. Wie gelangt sie aber dazu? Vorerst durch die zuvorkommende, dann durch eine hinreichende, endlich durch eine wirksame Gnade. Die zuvorkommende Gnade war es, dass sie von Jesus hörte, wodurch ihr die erste Veranlassung gegeben wurde, sich an ihn zu wenden; die hinreichende Gnade war der Entschluss, der in ihr entstand, sich zu Jesus zu begeben; die wirksame Gnade endlich war jener Antrieb, dem sie nicht mehr widerstand, sondern sich im tiefen Glauben Jesus näherte, und den Saum seines Kleides berührte, worauf ihre Heilung erfolgte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dies ist auch der gewöhnliche Gang, wodurch der sündhafte Mensch zum Stande der Gerechtigkeit oder zur heiligmachenden Gnade gelangt. Die Gnade kommt ihm dadurch zuvor, dass er vom Glauben, von der christlichen Gerechtigkeit, von der Unschuld und Tugend hört; nimmt er dieses Wort, diese Rede und Ermahnung auf, so verleiht ihm Gott einen weiteren, inneren Antrieb, der, wenn er ihm folgt, hinreicht, ihn zur Erkenntnis des Glaubens, zur Liebe der Tugend zu bringen, und auf diesen Antrieb erfolgt dann nicht selten eine solche Gnade, die ihn bestimmt, wirklich zu glauben, und die erkannte Tugend und Gerechtigkeit auszuüben, wodurch er von der Sünde geheilt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie durch die blutflüssige Frau, so wird auch durch die vom Tode erweckte Tochter des Jairus ein, vielmehr jeder vom Tode der Sünde zum Leben der heiligmachenden Gnade erweckte Mensch dargestellt. Jesus begibt sich selbst in das Haus der Toten, nicht als könnte er sie nicht in seiner Abwesenheit erwecken, sondern um recht augenfällig zu zeigen, dass Gott dem Menschen mit seiner Gnade zuvorkommen, dass seine Rechtfertigung von Gott den Anfang nehmen, dieser zuerst sich des Menschen annehmen müsse. Er weist den unnützen, lärmenden Haufen Menschen hinaus, und behält nur die Eltern der Verstorbenen und drei Jünger bei sich. So müssen wir auch den ersten Schritt zu unserer Bekehrung damit machen, dass wir jene unnützen Leute, Fremde und Bekannten entfernen, die unserem geistigen Tod nicht verstehen und nur beibehalten, was zu unserer Wiederbelebung gehört, gut und heilig ist. Jesus ruft der Toten zu. Da kehrte ihr Geist zurück, sagte der heilige Lukas, und sie stand sogleich auf, und wandelte umher. So besteht auch das Wesen der Bekehrung in der Zurückkehr des Geistes Gottes in unsere Seele, d.h. in der Wiedererlangung der heiligmachenden Gnade, die wir durch Jesu Macht empfangen, worauf wir aufstehen und wandeln in christlichen Tugenden. &#039;&#039;„Und Jesus befahl, ihr zu essen zu geben.“&#039;&#039; So müssen wir, wenn wir einmal aufrecht stehen, auch gestärkt werden durch geistige Nahrung, damit wir aber nicht wieder zurückfallen in die vorigen Todesschwächen, in Sünde und Laster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sehen somit aus beiden Wunderbegebenheiten, wie uns zu unserer Bekehrung und Hinwendung zu Gott göttliche Hilfe und göttliche Unterstützung notwendig ist, notwendig auch dann, wenn wir die heiligmachende Gnade schon haben, damit wir sie nicht verlieren, sondern fähig sind zu jeglichem guten Werke. Diese göttliche Hilfe und Unterstützung ist aber die wirkliche Gnade.&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist eine übernatürliche Hilfe, eine innerliche, von Gott kommende Kraft, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die unglücklichen Folgen der Erbsünde hat der Verstand des Menschen sich verfinstert, er erkennt das Gute nicht, wie er es erkennen sollte; der Wille des Menschen ist so verkehrt, dass er am Guten kein standhaftes Wohlgefallen hat; die sittliche Kraft des Menschen ist so geschwächt, dass er für sich allein das gute nicht vollkommen zustande zu bringen und nicht darin zu beharren vermag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen wir nun einen Schritt weiter. Soll der Mensch seine Bestimmung erreichen, so ist es vor allem notwendig, dass er das Gute erkenne; denn wer sollte das tun können, was er nicht sieht und nicht erkennt? Es ist eben so, als wenn der Blinde ohne Führer einen ihm noch dazu unbekannten Weg gehen soll. Das ist nicht möglich! Es ist aber nicht genug, dass der Mensch bloß das Gute an sich erkenne, er muss auch erkennen, auf welche Art er es am besten zu vollbringen vermöge, wie er den Irrtümern in Ansehung der Wahrheit, den Reizen zur Sünde, den Täuschungen der Verführung und allen Gefahren geschickt entgehen könne. Ist aber dies schon hinreichend? Unsere eigene Erfahrung sagt: nein. Ach! Am Wissen, Verstehen und Begreifen fehlt es uns nicht. Gut genug wissen wir, was wir zu tun haben, aber am Tun, an der Ausführung des Guten, an der Vollziehung desselben fehlt es. So seufzt selbst der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich tue nicht das Gute, das ich will (erkenne), sondern das Böse tue ich, das ich hasse.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7,15. 19.)&#039;&#039;&#039; Die Erkenntnis des guten allein reicht also noch nicht hin, um es auch wirklich in Vollziehung zu setzen; es wird dazu noch etwas Mehreres erfordert, nämlich die Änderung unseres verkehrten Willens. Der Wille muss nämlich auch ein Wohlgefallen am erkannten Guten finden, das Gute muss für uns einen gewissen Reiz erhalten, wir müssen es liebgewinnen, und angelockt von diesem Reize des Guten, müssen wir auch ein ernstliches Verlangen erhalten, dieses Gute, so uns wohlgefällt, auszuüben. Auch dafür spricht die Erfahrung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erkennen z.B. diese oder jene Tugend, dieses oder jenes Werk der Frömmigkeit, wir können nicht anders, wir müssen sagen: Das ist gut, recht und schön; aber eine gewisse Gleichgültigkeit dagegen hält uns ab, es selbst zu tun. So gut, so schön diese oder jene Tugend ist, so ist doch etwas Gewisses in uns, welches uns den wahren Wert dieser Tugend vor unseren Augen verbirgt, und uns kein wahres Wohlgefallen daran finden lässt, weswegen wir uns auch keine sonderheitliche Mühe geben, es auszuüben. Es ergeht uns da wie einem Kranken. Er weiß, dass diese oder jene Speise gesund und kräftig sei, für ihn aber hat sie etwas widerliches, er empfindet Ekel, wenn er sie nur ansieht, und er wird sich nicht eher entschließen, diese Speise zu sich zu nehmen, bis er den Ekel verloren hat, und wieder Geschmack an ihr findet. So muss der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und seiner Pflichten auch ein Wohlgefallen daran erhalten, das Gute muss auf ihn einen solchen Eindruck machen, dass er von ganzem Herzen wünscht, es auch auszuüben. Ist aber jetzt alles schon hinreichend, dass wir das Gute wirklich tun, und unsere Pflichten erfüllen, wenn wir es erkennen und auch Wohlgefallen daran haben? Ach! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alles ist noch nicht genug. Der heilige Brosper sagt: &#039;&#039;„Darum, dass uns ein guter Wille geschenkt wird, finden wir nicht auch gleich die Kraft in uns, das Gute, dass wir wollen, zu vollziehen, wenn nicht Gott, der uns die gute Begierde eingegeben hat, auf unser Suchen und Flehen auch die Vollziehung schenkt.“&#039;&#039;Die wirkliche Ausübung des Guten ist oft mit vielen Beschwerlichkeiten verbunden, viele Hindernisse stoßen uns auf dem Wege der Tugend auf, wir selbst machen uns oft die abschreckendsten Vorstellungen von der Schwere eines tugendhaften Lebens, und der Feind unserer Seele ermangelt nicht, uns alle möglichen Schwierigkeiten vorzuspiegeln. Es ergeht uns wie den Israeliten, welche weinten und wehklagten, und wieder umkehren wollten, weil ihnen die Kundschafter, die aus Kanaan zurückkehrten, sagten, es sei ein Land, von lauter Riesen und Menschenfressern bewohnt, von denen sie unfehlbar würden aufgerieben werden. Auch wir stellen uns das Land der Tugend oft voll solcher Riesen vor, voll von Mühseligkeit und Beschwerde. Die Überwindung, welche das Gute kostet, und vieles andere benimmt uns den Mut; wir sind wirklich zu schwach, als dass wir durch eigene Kräfte alles zustande bringen könnten. Da unterlassen wir dann lieber das Gute, als dass wir uns solchen Beschwerlichkeiten unterziehen, so gerne wir es auch vollziehen wollten, und es uns wohlgefällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kranker z.B. erkennt, dass er seine Gesundheit nicht anders erlangen kann, als wenn er sich einer langen und schmerzlichen Operation unterwirft, er sollte sich brennen, er sollte sich ein Glied von seinem Leibe nehmen lassen, er weiß, dass dieses das einzige Mittel sei, ihm das Leben zu retten, er hat sein Leben lieb, er erkennt auch den Wert dieser ärztlichen Kunst, und schätzt sie hoch, aber es kostet unsägliche Schmerzen, es veranlasst einen großen Aufwand seines Vermögens, er glaubt, nicht kräftig genug zu sein, diese Operation auszuhalten; dieses und vieles andere schreckt ihn ab, sie an sich vornehmen zu lassen. Was bedarf dieser Kranke außerdem, dass er sein Leben liebt, und den Wert dieser ärztlichen Kunst erkennt? Mut und Entschlossenheit und Kraft, sich wirklich diesen Beschwerden zu unterwerfen und sie auszuhalten. So bedarf der Mensch nebst der Erkenntnis des Guten und des Wohlgefallens daran auch noch die sittliche Kraft, die Schwierigkeiten des Guten zu überwinden, alle Hindernisse zu übersteigen, alle Beschwerden zu besiegen.&lt;br /&gt;
Wenn wir auch das Gute wirklich üben, wirklich die Beschwerlichkeiten der Tugend überwinden, wie leicht können wir wieder in schwere Sünden zurückfallen, wie leicht im Guten ermüden und davon ablassen!  Es ist uns also noch etwas notwendig, nämlich – die Beharrlichkeit, denn nur &#039;&#039;„wer bis zum Ende verharrt, wird selig werden“.&#039;&#039; So bedarf auch der Kranke, wenn er gesund zu werden angefangen hat, stärkender Mittel, damit er nicht wieder in seine Krankheit zurückfalle. Über dieses mannigfaltige Bedürfnis des Menschen seufzt der heilige Paulus: &#039;&#039;„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe des Todes?“&#039;&#039; das ist, von diesen Unvermögen, in welchem ich weder das Gute erkennen, noch, wenn ich es erkannt habe, dasselbe aufrichtig liebgewinnen und wollen, noch, wenn ich es liebgewonnen habe und will, es ausüben, noch, wenn ich es ausübe, darin beharren kann? Und er antwortet sich selbst auf seine Frage: &#039;&#039;„Die Gnade Gottes durch Jesus Christus, unsern Herrn.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Röm. 7, 24.25.)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Gnade ist nun die wirksame Gnade. Sie ist also ein innerliches, übernatürliches Licht von Gott, durch welches unser Verstand erleuchtet wird, das Gute zu erkennen; ein Licht, in welchem wir zugleich die Gefahren erkennen, im welchen wir uns befinden, und jene Täuschungen bemerken, welche die Verführung zum Bösen hat; sie ist ein Licht, welches uns die Irrtümer aufdeckt, uns unsere Vorurteile, unsere bösen Neigungen und Gewohnheiten darstellt, und uns Wahrheiten schauen lässt, die uns Fleisch und Blut nicht schauen lässt. Die wirkliche Gnade ist ferner eine innere, übernatürliche Kraft, vermöge welcher, nach dem Ausdrucke des heiligen Augustin, &#039;&#039;„für uns das Gute reizend und ergötzlich wird, wozu wir bisher keine Luft hatten“&#039;&#039;; eine Kraft, die unser Herz rührt, und in demselben das Gefühl für himmlische Tugend erweckt. Die wirkliche Gnade ist weiters eine innere, übernatürliche Stärkung, vermöge welcher wir das Gute, so wir erkennen und liebgewinnen, wirklich ausüben; eine Stärkung, durch welche unsere guten Vorsätze Wirksamkeit erhalten, dass sie nicht sogleich wieder vergehen, sobald sie gemacht sind; eine Stärkung, vermöge der wir wirklich dem Laster entsagen und die Tugend ausüben; eine Stärkung, durch die wir die Beschwerden des Guten, alle Hindernisse überwinden, und alle Mühen ertragen, alle Kämpfe bestehen. Die wirkliche Gnade ist endlich ein innerer, übernatürlicher Beistand, wodurch wir bis zum Ende im Guten erhalten, vor dem Rückfalle beschützt, in der Beharrlichkeit bewahrt werden. Schön sagt der heilige Augustin von der wirklichen Gnade: &#039;&#039;„Wir haben nicht nur die Hilfe nötig, ohne die wir niemals im Guten anfangen könnten, wenn wir schon wollten, sondern auch eine so starke Hilfe, welche macht, dass wir es wirklich wollen, es annehmen und darin beharren; eine Hilfe, die uns gibt, nicht nur zu können, was wir wollen, sondern auch zu wollen, war wir können, und zwar so sehnlich zu wollen, so inbrünstig zu lieben, dass diese Gnade den Willen des Fleisches, dessen Begierlichkeit dem Geiste immer widerstrebt, durch den Willen des Geistes überwinde.“&#039;&#039; Die wirkliche Gnade ist verschieden, je nachdem die Lage, in welcher sich der Mensch befindet, oder das Bedürfnis seiner Seele verschieden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade ist verschieden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	&#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.	&#039;&#039;&#039;ihren Wirkungen&#039;&#039;&#039; nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir die wirkliche Gnade betrachten 1. &#039;&#039;&#039;der Zeit nach&#039;&#039;&#039;, zu welcher oder wann sie uns erteilt wird, so ist sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	&#039;&#039;&#039;eine zuvorkommende,&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
b)	&#039;&#039;&#039;eine begleitende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c)	&#039;&#039;&#039;eine nachfolgende&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, der &#039;&#039;&#039;Zeit nach&#039;&#039;&#039; genommen, ist, wie wir sagen, &#039;&#039;&#039;a) eine zuvorkommende&#039;&#039;&#039;. Diese ist nämlich jene innere Wirkung und Eingebung Gottes, wodurch er einen noch in Unglauben oder Sünden schlafenden Menschen, ehe noch in seinem Herzen selbst ein Wunsch zum Glauben oder zur Besserung erwacht, zuvor erweckt, sei es dann auf was immer für eine Weise, durch irgend einen guten Gedanken, oder durch eine Furcht, die er wegen seines Seelenheiles empfindet, oder durch einen Gewissensbiss, den er über sein sündhaftes Leben fühlt, oder durch einen andern Umstand, der sich ihm ereignet. Durch diese innere Einsprache, oder was es immer sein mag, sucht Gott den Ungläubigen, den Sünder, ohne dass der Ungläubige, der Sünder Gott sucht. Von dieser Gnade redet David, wenn er sagt: &#039;&#039;„Seine (Gottes) Barmherzigkeit wird mir zuvorkommen“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 58,11&#039;&#039;&#039;), wie auch der heilige Paulus, da er an die &#039;&#039;&#039;Epheser (5,14&#039;&#039;&#039;) schreibt: &#039;&#039;„Erwache aus dem Schlafe, und stehe auf von den Toten, und Christus wird dich erleuchten;“&#039;&#039; und an die &#039;&#039;&#039;Kolosser (2,13&#039;&#039;&#039;): &#039;&#039;„Da ihr in Sünde tot laget, hat euch Gott mit Christus erweckt.“&#039;&#039; Christus selbst deutet diese zuvorkommende Gnade an, da er in der geheimen &#039;&#039;&#039;Offenbarung (3,20&#039;&#039;&#039;) sagt: &#039;&#039;„Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an, wandle und tue Buße!“&#039;&#039; Du bist z.B. ein Un- oder Irrgläubiger, auf einmal wird es dir bei dieser oder jener Gelegenheit bange, ob du wohl doch selig werden könnest, wenn du so leichthin allen Glauben abwirfst, ob wohl doch der Glaube der katholischen Kirche nicht der rechte, dein Glaube aber der irrige sei, und wenn dieses, ob du in deinem Irrglauben nicht verloren gehst? Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade. Du bist ein Sünder, einmal, Du weißt nicht wie, geht es dir wie ein Stich durch das Herz, vielleicht jetzt, da du dies hörst; du kannst es dir selbst nicht mehr verbergen, daß dein Leben einmal kein christliches sei, und du bei einem solchen Leben nicht eingehen kannst in das Reich Gottes. Sieh, das ist eine dir zuvorkommende Gnade.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist nun b) die &#039;&#039;&#039;begleitende Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist eine innere Wirkung, ein übernatürlicher Einfluß Gottes auf uns, auf unsern Willen nämlich, welcher Einfluß, welche göttliche Kraft uns unterstützt, dass wir das Gute, so er uns eingibt, oder wozu er uns innerlich erweckt, auch wirklich tun können, dass wir die Hindernisse zu überwinden, die Beschwerden, die mit unserer Bekehrung und mit der Ausübung der Tugend verbunden sind, zu übertragen und zu besiegen vermögen. David sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Seine Barmherzigkeit wird mich alle Tage begleiten.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Ps. 22,6&#039;&#039;&#039;). Der &#039;&#039;&#039;heilige Paulus an die Römer (8,26):&#039;&#039;&#039; &#039;&#039;„Der Geist kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.“&#039;&#039; Das Konzil von Trient sagt davon: &#039;&#039;„Gott ermahnt durch seinen Befehl, zu tun, was du kannst, und um das zu bitten, was du nicht kannst, und steht dir bei, es zu können.“&#039;&#039; Der heilige Augustin beschreibt nach seiner eigenen Bekehrung die begleitende Gnade also: &#039;&#039;„Durch die Gnade wächst der gute Wille, der schon seine Entstehung erlangt hat, und wird allmählich so stark, dass er die göttlichen Gebote, wie er will, wenn er es doch sehnlich und vollkommen will, erfüllen könne.“&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich dann c) die &#039;&#039;&#039;nachfolgende Gnade&#039;&#039;&#039; ist jene innere Wirkung, jener übernatürliche Einfluss Gottes, wodurch dein schon guter Wille immer mehr im Guten befestigt und in der Ausübung des Guten gestärkt wird; jene göttliche Hilfe, durch welche du immer mehr im Guten zunimmst, ja von Tugend zu Tugend gelangst, also immer einen neuen, übernatürlichen Einfluss erhältst, die Tugend, die du schon ausübst, noch vervollkommnest. Sie ist eine Gnade, die du gleichsam immer für den guten Gebrauch einer andern als Belohnung von Gott empfängst, die auf eine vorhergegangene, wohl angewendete Gnade folgt. Jesus redet von dieser Gnade, wenn er sagt: &#039;&#039;„Wer hat, dem wird noch gegeben werden.“&#039;&#039; Du hast z.B. bisher deinem Feinde im Herzen verziehen, du folgtest hierin einem inneren Antriebe, du konntest es vermöge der mitwirkenden Gnade; jedoch reden mit ihm, das konntest du noch nicht, wie du sagst, über dein Herz bringen; aber du lässt doch keinen neuen Groll wider ihm in deinem Herzen aufkommen, du wirkst mit der ersten Gnade. Nun begegnet dir dein Feind, du möchtest ihm ausweichen, aber du empfindest einen inneren Antrieb, ihn zu begrüßen; es kostet dich eine Überwindung, aber du bestehst sie, du begrüßest ihn, fortan redest du auch mit ihm; das ist eine zweite Gnade Gottes, die auf den guten Gebrauch der ersten folgte; endlich begibt es sich, dass du von deinem Feinde Böses reden, ihm schaden könntest, du kommst in Versuchung, es zu tun, aber der Gedanke fährt durch deine Seele: Tue es nicht! Eine innere Kraft stärkt dich, du redest von deinem Feinde nicht nur nichts Böses, sondern sogar Gutes; du schadest ihm nicht nur nicht, sondern erweisest ihm einen Gefallen, stiftest Nutzen für ihn; das ist nun die dritte, auf die zwei vorigen angewendeten Gnaden folgende Gnade; endlich kannst du deinen Feind sogar lieben. Sieh! Das nenne ich die nachfolgende Gnade. Und so könnte ich von jeder Tugend reden, in der man es durch die nachfolgende Gnade zur Vollkommenheit bringen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich aber auch von der wirksamen Gnade 2. ihren Wirkungen noch reden, und so betrachtet, ist sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a)	eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
b)	eine &#039;&#039;&#039;wirksame&#039;&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
c)	eine &#039;&#039;&#039;beständige&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wirkliche Gnade, ihren Wirkungen nach, ist, wie wir sagen, a) eine &#039;&#039;&#039;hinreichende&#039;&#039;&#039;, das heißt, die Gnade, welche uns Gott gibt, ist eine solche, dass sie hinreicht, das Gute zu tun, wenn nur der Mensch mit dieser Gnade mitwirken wird; aber diese Gnade hat die Eigenschaft, dass sie nicht wirkt, wenn ihr der Mensch widersteht. Z.B. du empfindest in dir einen Antrieb, eine böse Gesellschaft zu verlassen, verderbliche Bücher nicht mehr zu lesen, eine böse Leidenschaft in dir zu unterdrücken, oder in Zukunft das Wort Gottes fleißig anzuhören, diese Tugend dir eigen zu machen, diese Selbstüberwindung zu üben, oder du siehst dieses gute Beispiel, diesen auferbaulichen Wandel an einem andern; das gefällt dir, du hast einen geheimen Wunsch, eben dies zu tun, so zu leben; es wird nun sonntäglich die christliche Lehre erklärt, du hast Gelegenheit, dich gründlich in der Religion zu unterrichten, du erhältst von Seite deiner Eltern und Lehrer schöne Ermahnungen und Warnungen; sieh, dies alles und tausend ähnliche Dinge sind hinreichende Gnaden; sie sind hinlänglich, dieses Gute in dir zu wirken, „wenn du nur getreulich willst und mitarbeitest, du kannst es leisten“. Aber du kannst diesen Gnaden auch widerstehen, und dann sind sie unwirksam, und, wie der Heilige Geist in den &#039;&#039;&#039;Sprichwörtern (1,24)&#039;&#039;&#039; sagt: &#039;&#039;„Dein Verderben ist aus dir selbst, Israel!“&#039;&#039; Von dieser hinreichenden Gnade sagt Gott bei dem Propheten &#039;&#039;&#039;Isaias (5, 1-7&#039;&#039;&#039;), wo er Israel mit einem Weinberge vergleicht: &#039;&#039;„Urteilet selbst … was müsste ich noch tun, das ich nicht schon getan habe?“&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;5. Mos. 30,19&#039;&#039;&#039; sagt er: &#039;&#039;„Ich habe euch gerufen, und ihr habet euch geweigert; ich habe meine Hand ausgestreckt, und niemand hat darauf gesehen.“&#039;&#039; Jesus aber sagte von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wehe dir, Chorozaim etc. etc.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Matt. 11,21),&#039;&#039;&#039; und wieder: &#039;&#039;„Jerusalem! Wie oft etc. etc.“&#039;&#039; (Matt. 23,37); der heilige Paulus aber sagt: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget! (2. Kor. 6,1); und ferner: &#039;&#039;„Unterdrücket den Geist nicht in euch!“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(1. Thess. 5,9)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber zum Schlusse eilen, daher noch kurz, b) was die &#039;&#039;&#039;wirksame Gnade&#039;&#039;&#039; sei? „Sie ist eine solche übernatürliche, göttliche Kraft, dass sie das Gute, wozu sie Gott dem Menschen erteilt, nachdrücklich und unfehlbar wirkt, so zwar, dass dieser Gnade der freie menschliche Wille nie widersteht; denn, wie Augustinus sagt, &#039;&#039;„sie wird in der Absicht gegeben, damit alle Härte des Herzens gehoben wird.“&#039;&#039; Dieser Gnade folgt der Mensch augenblicklich. Bei dem &#039;&#039;&#039;Propheten Ezechiel (36, 26.27)&#039;&#039;&#039; bezeichnet Gott diese Gnade also: &#039;&#039;„Ich will euch ein neues Herz geben … und solche Leute auch aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten, und darnach tun.“&#039;&#039; Jesus sagt davon: „Sie werden alle von Gott gelehrt sein. Wer es nun hört vom Vater, der lernt es und kommt.“ (Joh. 6,37) &#039;&#039;„Kraft dieser Gnade,“ sagt Augustin, „lehrt er mit solchem Nachdrucke, dass ein jeder, was er lernt, nicht bloß erkennt und sieht, sondern auch will und verlangt, ja, dass er es wirklich tut und vollbringt.“&#039;&#039; &#039;&#039;„Der allmächtige Gott besitzt die Gewalt, unser Gemüt, wie er es will, zu lenken; er hat unsern Willen viel vollkommener in seiner Macht, als wir in der unserigen.“&#039;&#039; Eine solche wirksame Gnade war jene, welcher der heilige Matthäus auf den ersten Ruf folgte; jene, auf deren Einfluss Zachäus, der mit Jesus Gekreuzigte, der heilige Paulus folgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich noch: c) was ist die &#039;&#039;&#039;beständige Gnade&#039;&#039;&#039;? Sie ist göttliche Wirkung in uns, vermöge der wir entweder von unserer Taufunschuld an, oder von unserer wahren Bekehrung an bis an das Ende unseres Lebens in der Tugend und Gerechtigkeit verharren. Gott drückt sie durch &#039;&#039;&#039;Jeremias (32,40)&#039;&#039;&#039; aus: &#039;&#039;„Ich will ihnen meine Frucht ins Herz geben, dass sie nicht von mir abweichen;“&#039;&#039; das ist, sagt Augustin, &#039;&#039;„meine Frucht, die ich ihnen ins Herz geben werde, soll so wirksam sein, dass sie mir beharrlich anhangen.“&#039;&#039; Jesus selbst bittet für seine Apostel: „&#039;&#039;Heiliger Vater! Erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Joh. 17,11.)&#039;&#039;&#039; Der heilige Apostel Petrus sagt von dieser Gnade: &#039;&#039;„Wir werden von der göttlichen Kraft durch den Glauben zur Seligkeit bewahrt.“&#039;&#039; Lasset uns ohne Unterlass zu Gott um jede Gnade beten, und in Demut hoffen, dass der, &#039;&#039;„welcher in uns das Gute angefangen hat, es auch bis an den Tag unseres Herrn Jesu Christi vollbringen werde.“&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;(Phil. 1,6)&#039;&#039;&#039; Schließe diese Betrachtung mit dem Gebete der Kirche: &#039;&#039;„O Herr! Komm unseren Handlungen durch Deine Eingebung zuvor, und begleite sie mit Deiner Hilfe, damit jedes unserer Werke von Dir allzeit anfange, und nach einem solchen Anfange durch Dich geendigt werde.&amp;quot;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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Autorin: Angelika&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Angelika</name></author>
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