Fatima

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Was ist Fatima?

1,5 Mio.Pilger auf der Cova da Ira anlässlich der Seligsprechung der Seherkinder Francisco und Jacinta

Ein Wallfahrtsort...

Wer dorthin pilgert ist bereit, die Grundaussagen der Botschaft von Fatima in sich aufzunehmen…

Dann aber ist es kein Ort mehr! Fatima ist mehr als nur ein Ort! Fatima ist eine Prophetie!

"So ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt all das, wozu ich es ausgesandt habe" [Jes 55,11].

Diese Worte des Propheten umschreiben Echtheit und Wirkung einer Prophetie, die von Gott kommt! Die "Prophetie Fatima" hat 1917 ihren Weg für Menschheit und Kirche begonnen und strebt unbeirrt ihrem gottgewollten Ziel entgegen!

Kein Mensch, kein Ereignis kann ihren Lauf aufhalten bis zu ihrer Vollendung!

Das ist Fatima!

Erscheinungskapelle

Erscheinungskapelle

Die erste von den Dorfbewohnern am Erscheinungsort erbaute kleine Kapelle wurde von Kirchenfeinden am 6. März 1922 in die Luft gesprengt und von den Gläubigen sofort neu erbaut. Sie steht heute noch!

Zum Besuch von Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 1982 wurde sie überdacht.


Die Gnadenstatue bei der Erscheinungskapelle

Papst Johannes Paul II. betete in der Erscheinungskapelle am Abend des 12. Mai 1982. Anschliessend wurde das Geschoss, das ihn am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom traf, in die Krone eingefügt. Gleichzeitig legte er der Statue einen goldenen Rosenkranz um die Hand, deren Medaille auf der einen Seite die Muttergottes von Tschenstochau und auf der anderen die von Fatima aufweist.

Basilika

Die Basilika auf der Cova da Iria.

Am 13. Mai 1928 wurde mit dem Bau der Rosenkranzbasilika begonnen, die Einweihung erfolgte im Jahre 1953. Der Platz vor der Kirche umfasst 152.000 m2 und ist damit doppelt so groß wie der Petersplatz in Rom. Im Inneren der Basilika sind Gemälde der Erscheinung von Fatima und Darstellungen der 15 Geheimnisse des Rosenkranzes zu sehen. Über dem Hauptaltar befindet sich ein Relief der "Krönung Mariens".

Das Altarbild von 1967, giesst das Geschehen von Fatima in eine theologische Interpretation. Christus kommt in der Hl. Eucharistie zu uns Menschen - versinnbildlicht durch drei Kinder, denen der Engel die Hl. Eucharistie spendet. Doch nicht der Engel, sondern die Gottesmutter ist es, die zwischen Gott und den Menschen steht.

Auf einem der Bleiglasfenster der Basilika kann man Lucia und Jacinta beim Blumenstreuen anlässlich der Fronleichnamsprozession sehen, auf dem anderen den Engel, der den Hirtenkindern die Hl. Kommunion reicht.

Auf den Kolonnaden rechts und links des Kreuzweges befinden sich die Statuen der Heiligen: Theresia von Avila, Franz von Sales, sel. Marcellino de Champagnat, Johannes de la Salle, Alfons M. Liguori, Johannes Don Bosco, Domenico Savio, Ludwig Maria Grignon von Montfort, Vinzenz von Paul, Simon Stock, Ignatius von Loyola, Paul vom Kreuz, Johannes vom Kreuz, Beatrix da Silva.

In der Mitte über dem Kreuzweg vier portugiesische Heilige: Johannes von Gott, Johannes von Brito, Antonius von Lissabon, sel. Nuno Alvares Pereira

Der Kreuzweg unter den Kolonnaden rechts und links des Haupteingangs in die Basilika aus farbigem Terracotta. Auf der linken Seite sind von Mai bis Oktober jeweils am 12. und 13. des Monats die Kranken während des Hauptgottesdienstes untergebracht. Nach der hl. Messe erhalten sie den sakramentalen Segen.

Die Grabstätten der Seherkinder

Gräber der Seherkinder

In der linken Seitenkapelle der Basilika sind die Ruhestätten von Jacinta Marto und Sr. Lucia dos Santos. Auf der rechten befindet sich das Grabmal von Francisco Marto.

Sr. Lucia wurde am 19. Februar 2006 in der Basilika von Fatima bestattet.Sie starb am 13. Februar 2005 im Karmel von Coimbra.

Büßerpfad und Herz-Jesu-Säule

Herz-Jesu-Säule

Wesentlicher Bestandteil einer Pilgerfahrt nach Fatima ist der Gedanke der Sühne und Busse zur Bekehrung der Sünder. Nach oft tagelangen mühsamen Fussmärschen rutschen die Pilger, an der Cova da Iria angekommen, zuerst auf dem "Büsserpfad" mehrere hundert Meter auf den Knien der Erscheinungskapelle entgegen, wo sie diese dann umrunden. Fatima ist der Ort der seelischen Bekehrung und der Sühne für jene, die sich mit der Abkehr vom Atheismus schwer tun. Viele Pilgergruppen gehen gemeinsam den Rosenkranz betend auf dem Büsserpfad.

Der grosse Platz der Cova da Iria wird dominiert von einer hohen Säule mit einer Herz-Jesu-Statue, die anlässlich des Heiligen Jahres 1933 in Verbindung mit der Weihe Portugals an das Allerheiligste Herz Jesu aufgestellt wurde.

Der Ungarische Kreuzweg

Kalvaria-Gruppe über der St. Stephanskapelle

In Aljustrel, einem kleinen Ortsteil von Bauernhöfen der Gemeinde Fatima, befinden sich die Geburtshäuser von Lucia und der Geschwister Francisco und Jacinta. Von hier aus zogen die drei Hirtenkinder über die kleinen Hügel entweder zu den Felsen (Loca da Cabeço - Ort der ersten Engelserscheinung von 1916) oder in die Cova (Senke) mit dem Namen Iria.

Auf etwa der Hälfte des Weges von Aljustrel zur Cova befindet sich heute der Ungarische Kreuzweg. Am Ende des Kreuzweges steht die Kapelle des hl. Stephan, des ersten Königs von Ungarn, mit einer Kalvaria-Gruppe über der Kapelle. Der Kreuzweg wurde mehrheitlich von amerikanischen und kanadischen Flüchtlingen des Ungarnaufstandes vom Oktober 1956 gestiftet.

Die Erscheinungen

Der Engel des Friedens

Ein Engel hat die Kinder auf die Erscheinung der Himmelskönigin vorbereitet. Er hat ihnen gezeigt, wie man sich Gott nahen und wie man Ihn anbeten muss.

Im Frühling 1916, als die Kinder wie immer ihre Schafe hüteten und miteinander spielten, geschah etwas Seltsames: Ein starker Wind schüttelte die Bäume. Als die Kinder aufschauten, sahen sie einen Jüngling, weisser als Schnee. Die Sonne machte ihn durchsichtig, als wäre er aus Kristall. Er war von grosser Schönheit. Als er den Kindern erschien, sagte er: "Habt keine Angst! Ich bin der Engel des Friedens! Betet mit mir!"

Dann kniete er nieder, beugte seine Stirn bis zur Erde und liess sie dreimal das Gebet wiederholen:

"Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben."

Danach erhob er sich und sagte: "So sollt ihr beten. Die Herzen Jesu und Mariens hören auf eure Bitten."

Worte, die sich den Herzen der Kleinen unvergesslich eingruben.

Im Sommer kam der Engel zur Zeit der Mittagsruhe, als die Kinder daheim beim Brunnen von Lucia spielten. Plötzlich war er vor ihnen und fragte: "Was macht ihr? Betet! Betet viel! Die heiligsten Herzen Jesu und Mariens wollen euch Barmherzigkeit erweisen. Bringt dem Allerhöchsten ständig Gebete und Opfer dar. Bringt alles, was ihr könnt als Opfer dar, als Akt der Wiedergutmachung für die Sünden, durch die Er verletzt wird und als Bitte für die Bekehrung der Sünder. Gewinnt so für euer Vaterland den Frieden. Ich bin sein Schutzengel, der Engel Portugals. Vor allem nehmt an und tragt mit Ergebung die Leiden, die der Herr euch schicken wird."

So berichtet Schwester Lucia. Und im Herbst des gleichen Jahres kam der Engel wieder. Über ihnen erschien ein unbekanntes Licht, und als sie sich aufrichteten, sahen sie ihn. Er hatte in der linken Hand einen Kelch, über dem eine Hostie schwebte, von der einige Blutstropfen in den Kelch fielen. Er liess den Kelch frei in der Luft schweben, kniete nieder und forderte die Kinder auf, dreimal zu beten:

"Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Erde, zur Wiedergutmachung für alle Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder."

Danach erhob er sich, ergriff den Kelch und die Hostie, reichte die Hostie Lucia, teilte den Kelch zwischen Jacinta und Francisco und sprach:

"Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Sünden und tröstet euren Gott."

Hierauf kniete er wieder nieder, betete mit den Kindern neuerlich dreimal das Sühnegebet an die Allerheiligste Dreifaltigkeit und verschwand. Ein umwerfendes Ereignis, auf das Gott die Kleinen äusserlich durch die Führung des Engels und innerlich durch die Gnade vorbereitete, das die Kinder aber in bewunderungswürdiger Weise begriffen und fortan in ihrem jungen Leben in die Tat umsetzten.

Müssen wir Erwachsene uns vor dem Glauben dieser Kinder nicht schämen? Wie blind, wie dumpf, wie gleichgültig stehen wir dem Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit gegenüber! Wie wenig machen wir uns daraus, dass Gott Tag für Tag, und das in unserer nächsten Umgebung, oft und schwer beleidigt wird! Es scheint, als wäre uns der Sinn für die Heiligkeit Gottes erstorben. Der Gedanke an Sühne und Wiedergutmachung ist selbst im noch gläubigen Volk fast völlig verschwunden.

Jacintas kindlich reine Seele wurde oft in der Liebe zum göttlichen Heiland entrückt. Oft drückte sie ein Herz-Jesu-Bildchen an sich und sagte: "Ich küsse ihm das Herz, denn das habe ich am liebsten." Als Lucia ihr ein Bildchen mit dem Kelch und einer Hostie zum Krankenbett brachte, nahm sie es, küsste es und sagte freudestrahlend: "Es ist der verborgene Heiland! Ich habe ihn so gern, ich möchte ihn so sehr in der Kirche empfangen! Kommuniziert man auch im Himmel? Wenn man dort kommuniziert, gehe ich jeden Tag zur Kommunion. Wenn der Engel doch zum Krankenhaus käme, um mir wieder die hl. Kommunion zu bringen!" Wenn Lucia sie zuweilen auf dem Heimweg von der Kirche besuchte, fragte sie neugierig: "Hast du kommuniziert?" Wenn Lucia die Frage bejahte, bat sie sofort: "Komm hierher, ganz in meine Nähe, denn du hast den verborgenen Heiland in deinem Herzen!"

Die sechs Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima

Erste Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 13. Mai 1917

Die Kinder waren auf die Begegnung mit der übernatürlichen Welt gut vorbereitet worden. Sie wussten nun - und nahmen es durchaus sehr ernst - dass sie viel beten und viele Opfer zu bringen hatten; dass Gott Sühne von jenen Menschen verlangt, die dazu bereit sind, um die Bekehrung der Sünder zu erlangen und insbesondere für jene Menschen, die Busse und Umkehr nicht mehr ernst nehmen. Sie hatten das Gebet des Engels täglich oft wiederholt. Gott, der Geber alles Guten, senkte seine Liebe in diese kleinen Sühneseelen und machte sie würdig, himmlische Worte zu hören, die den Menschen zur Rettung gegeben wurden und an denen keiner mehr unberührt vorbeigehen kann, ganz gleich, ob er sie zur Kenntnis nimmt oder nicht. Gott steht zu seinem Wort, unabhängig von menschlichem Dafürhalten.

Es war gegen Mittag des 13. Mai 1917. Lucia spielte mit den beiden anderen Kindern auf einer Anhöhe der Senke von Iria. Um der sengenden Hitze zu entkommen, bauten sie sich ein kleines Häuschen aus Ästen und Blättern. Plötzlich vernahmen alle drei einen Blitz. Schnell sammelten sie die Herde ein und wandten sich dem Heimweg zu, ohne auch nur zu prüfen, von wo der Blitz bei heiterem Himmel hätte kommen können. So erreichten sie etwa die Mitte des Abhanges. In der Senke standen viele uralte Steineichen. Plötzlich sahen sie neben sich über der Eiche erneut einen Blitz. Sie schauten nach oben und erblickten eine Frau, ganz in Weiss gekleidet, strahlender als die Sonne. Obwohl sie durch die Engels-Erscheinungen strahlende, übernatürliche Wesen schon kannten, schien dieses tausendfach heller und majestätischer zu sein. Überrascht durch diese Wahrnehmung hielten sie so nahe beim Licht an, dass sie sich noch innerhalb des Lichtkranzes empfanden, der auch sie umgab. Die Frau lächelte die Kinder an und sagte: "Fürchtet euch nicht! Ich tue euch nichts Böses!" Lucia fasste Mut und fragte: "Woher kommen Sie?" "Ich bin vom Himmel", war die Antwort. "Und was wollen Sie von mir?" wollte Lucia weiter wissen. Dann bat die Frau, in den folgenden fünf Monaten, jeweils am 13., zur selben Stunde, hierher zu kommen; dann werde sie sagen, wer sie sei und was sie wolle. Lucia richtete weitere Fragen an die Frau: "Komme ich auch in den Himmel?" "Ja, du wirst dorthin kommen!" "Und Jacinta?" "Sie auch!" "Und Francisco?" Die Erscheinung blickte den Knaben mit einem Ausdruck der Güte und mütterlichen Mitleids an: "Ja, auch er. aber er muss viele Rosenkränze beten."

Das, was Lucia am meisten fesselt, ist der Gedanke an den Himmel, von dem die Dame Neuigkeiten bringt und den sie Lucia verheissen hat. Darum fragt Lucia sofort nach dem Schicksal zweier jüngst verstorbener Mädchen aus Aljustrel, die zu ihrer Mutter gekommen waren, um nähen und weben zu lernen. Die eine war ungefähr 16, die andere etwa 20 Jahre alt. Die Erscheinung antwortete, die eine sei im Himmel, die andere jedoch noch im Fegefeuer und werde noch lange dort bleiben müssen "bis ans Ende der Welt".

Dann fragte sie die Kinder: "Wollt ihr euch Gott darbieten, um alle Leiden zu ertragen, die Er euch schicken wird, zur Sühne für die Sünden, durch die Er beleidigt wird und als Bitte um die Bekehrung der Sünder?" Gott lässt den Menschen am Schönsten und Grössten teilnehmen: an der Errettung unsterblicher Seelen! Die Kinder, mit dem Sühnegedanken schon recht gut vertraut, schienen auf diese Frage gleichsam gewartet zu haben. Lucia sprach es freudig aus: "Ja, wir wollen es!" Die Dame nahm ihr freies Angebot an und bestätigte ihnen: "Ihr werdet also viel leiden müssen, aber die Gnade Gottes wird eure Stärke sein!" Über die nun folgenden Augenblicke der Entzückung lassen wir lieber Lucia selber reden. "Als sie diese letzten Worte sagte", schreibt Lucia, "öffnete sie zum ersten Mal die Hände und übermittelte uns ein so starkes Licht wie ein Widerschein, der von ihren Händen ausging; es drang uns in die Brust und bis in die tiefste Tiefe der Seele und liess uns selbst in Gott schauen, der dieses Licht war, viel klarer als wir uns im besten Spiegel sehen können. Durch eine innere Anregung, die uns ebenfalls mitgeteilt wurde, fielen wir nun auf die Knie und wiederholten ganz innerlich: O Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an; mein Gott, mein Gott, ich liebe Dich im heiligsten Sakrament! Nach einigen Augenblicken fügte Unsere Liebe Frau hinzu: "Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden der Welt und das Ende des Krieges zu erlangen!"

Die Kinder sahen nun, wie sich die Frau erhob und sich langsam gegen Sonnenaufgang entfernte, bis sie ihren Blicken entschwand. Lucia wird später ihrem Bischof auf die Frage nach ihrem Befinden antworten, dass "die Erscheinungen Unserer Lieben Frau uns weder Angst noch Schrecken einflössten", sie hätten sie nur überrascht. Über die Blitze schreibt sie, dass es sich um "keine eigentlichen Blitze handelte, sondern um einen Widerschein des Lichtes, das sich näherte. Wenn wir dieses Licht sahen, sagten wir manchmal, wir sähen Unsere Liebe Frau kommen; wir konnten aber Unsere Liebe Frau erst vom Licht unterscheiden, wenn sie schon über der Steineiche war."

Die Jungfrau Maria sagte bei dieser ihrer ersten Erscheinung in Fatima nichts Neues. Als sie am 11. Februar 1858 in Lourdes zum ersten Mal erschien, zeigte sie sich als eine Frau von wunderbarer Schönheit, mit einem Antlitz von Milde und Anmut, in einem strahlenden Gewand; über dem Haupt einen Schleier, um die Hüften ein blaues Band und an der Hand den Rosenkranz. Am Sonntag, 21. Februar 1858, bat sie Bernadette Soubirous, von einem schmerzvollen Blick begleitet: "Bete für die Sünder!" Schliesslich rief sie am 24. Februar 1858 zur Busse auf und gab am darauf folgenden 1. März der Seherin eine Lehre, die Bernadette tief ins Herz einschloss: Sie solle ihren Rosenkranz stets bei sich tragen.

In Lourdes wollte der Himmel zeigen, wie ernst er es mit dem Menschen - der aus Leib und Seele besteht - meint. Der Leib, als Tempel des Heiligen Geistes (1 Kor 6,19), wird von Gott sehr ernst genommen - und durch ihn die ganze materielle Welt. Es kann dem Schöpfer nicht gleichgültig sein, was mit seiner Schöpfung geschieht! Fatima ergänzte Lourdes und führte den Gedanken der Sorge Gottes um seine Geschöpfe weiter. Hier wurde durch die Vermittlung der Gottesmutter jene ernste Gefahr beschworen, in die Leib und Seele geraten können, wenn sie sich von ihrem Schöpfer abwenden.

Lourdes und Fatima sagen uns: Gott wünscht einen gesunden Leib und eine Seele, die ewig ihm allein gehört!


Zweite Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 13. Juni 1917

Die Kinder waren voller Erwartung, hatte doch die Frau ihnen aufgetragen, am 13. jeden Monats in die Cova da Iria zu kommen. Zu ihnen gesellten sich einige Menschen aus dem Dorf, mit denen sie den Rosenkranz beteten. Dann sahen sie den "Blitz", ähnlich wie im Mai, auf sich zukommen, bis sie die Frau über der Steineiche erblickten. Lucia konnte es nicht erwarten, bis sie zu ihr sprach. "Was wünschen Sie von mir?" fragte sie die Frau. Lucia berichtete anschliessend ihren Eltern, dass die Frau ihr auftrug, lesen und schreiben zu lernen - ein Auftrag, der eher ungewöhnlich war für ein einfaches Dorfkind, war doch Lesen und Schreiben zu dieser Zeit, und erst recht in Aljustrel, eher ein Privileg der Wohlhabenden. Dann bat die Frau erneut um den täglichen Rosenkranz. "Ich möchte Sie bitten", sprach Lucia die Frau an, "uns in den Himmel mitzunehmen."

"Ja", antwortete die Frau. "Jacinta und Francisco werde ich bald holen. Du bleibst noch einige Zeit hier. Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich erkennen und lieben. Er möchte auf Erden die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen. Wer sie annimmt, dem verspreche ich das Heil, und diese Seelen werden von Gott geliebt wie die Blumen, die von mir hingestellt sind, um seinen Thron zu schmücken."

Hier wird vorangekündigt, was die Gottesmutter bei der Erscheinung am 13. Juli versprechen und am 10. Dezember 1925 in Pontevedra einlösen wird. Wir kommen auf die Ereignisse weiter hinten noch ausführlich zu sprechen.

Nach diesen Worten öffnete die Gottesmutter erneut die Hände, wie schon im Mai, und tauchte die Seherkinder in ein unermessliches Lichtmeer ein. Lucia schreibt: "Darin sahen wir uns wie in Gott versenkt. Jacinta und Francisco schienen in dem Teil des Lichtes zu stehen, der sich zum Himmel erhob, und ich in dem Teil, der sich über die Erde ergoss. Vor der rechten Handfläche Unserer Lieben Frau befand sich ein Herz, umgeben von Dornen, die es zu durchbohren schienen. Wir verstanden, dass dies das durch die Sünden der Menschheit verletzte Unbefleckte Herz Mariens war, das Sühne wünscht."


Dritte Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 13. Juli 1917

Die Kinder nach der Vision vom 13. Juli 1917

Die Dorfbewohner haben den Ruf der Gottesmutter vernommen. Sie nahmen den Rosenkranz in die Hand und begleiteten diesmal die Seherkinder zur Cova da Iria. An der Steineiche angekommen, sah Lucia bald wieder den ersehnten "Blitz" sich nahen. Auf die erneute Frage, was die Frau von ihr wünsche, erhielt Lucia eine Antwort, die fortan dem Rosenkranz eine unerhörte, bisher unbekannte Dimension verleihen sollte:

"Betet weiterhin jeden Tag den Rosenkranz zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, um den Frieden für die Welt und das Ende des Krieges zu erlangen, denn nur sie allein kann es erreichen!" Mit diesen ihren Worten stellte sich die Gottesmutter geradezu als Anwältin und Vermittlerin der Gnade des Friedens zwischen Gott und den Menschen hin. Das Mittel dazu ist der tägliche Rosenkranz! Lucia bat um ein Zeichen. Doch die Gottesmutter verwies sie auf den Oktober; da werde sie ein Wunder vollbringen, damit alle zum Glauben kommen. Mit einer wiederholten Bitte, doch weiterhin täglich den Rosenkranz zu beten, leitete Maria über zu einer Vision, die biblische Glaubensaussagen über das Leben jenseits der erfahrbaren Welt in einer bisher noch nie da gewesenen Weise eröffnen. Sie können daher auch nur im Glauben und im Lichte der Aussagen der Heiligen Schrift gesehen und verstanden, nie hingegen spekulativ oder rational erkannt werden. An dieser wichtigen Stelle des Fatima-Ereignisses angekommen, lassen wir Lucia selbst erklären, was geschah.

Dann fuhr sie fort: "Opfert euch auf für die Sünder und sagt oft, besonders wenn ihr ein Opfer bringt:

O Jesus, aus Liebe zu Dir, für die Bekehrung der Sünder

und zur Sühne für die Sünden gegen das

Unbefleckte Herz Mariä!"

Bei diesen letzten Worten öffnete Sie aufs Neue die Hände wie in den zwei vorhergehenden Monaten. Der Strahl schien die Erde zu durchdringen, und wir sahen gleichsam ein Feuermeer und eingetaucht in dieses Feuer die Teufel und die Seelen, als wären sie durchscheinend und schwarz oder bronzefarbig glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgehoben von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen hernieder, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren machten. Die Teufel waren gezeichnet durch die schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheusslichen, unbekannten Tieren, aber auch die waren durchsichtig und schwarz. (Ich muss wohl bei diesen Anblick ‘ai’ geschrien haben, wie die Leute es angeblich hörten.) Lucia vermerkt in ihren Aufzeichnungen, dass alle drei Kinder "erschrocken und wie um Hilfe bittend" den Blick zur Gottesmutter erhoben; sie aber fuhr mit sanfter Stimme fort:

"Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen in der Welt begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele gerettet werden; wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat Pius' XI. ein anderer, schlimmerer Krieg beginnen. Wenn ihr eine Nacht erhellt sehen werdet durch ein unbekanntes Licht, dann wisset, dass dies das grosse Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass er nun die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters strafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu fordern. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein, wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; verschiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und es wird der Welt eine Zeit des Friedens geschenkt werden. In Portugal wird sich immer das Dogma des Glaubens erhalten. Davon sagt niemand etwas; Francisco könnt ihr es mitteilen.

Wenn ihr den Rosenkranz betet, dann sagt nach jedem Geheimnis:

"O mein Jesus, verzeihe uns unsere Sünden;

bewahre uns vor dem Feuer der Hölle,

führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene,

die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen."

Erneut erhob sich die Erscheinung und verschwand in östlicher Richtung in der Ferne des Firmaments.

Hier muss bemerkt werden, dass Schwester Lucia den Namen von Papst Pius XI. (1922-1939) ihrem Bischof gegenüber ausdrücklich be- stätigte. Auf den später erhobenen Einwand, dass der 2. Weltkrieg (1939-1945) erst unter dem Pontifikat Pius’ XII. begann, antwortete sie, dass die Besetzung Österreichs 1938 als der eigentliche Beginn des Krieges anzusehen sei. Lucia nahm in der Tat an, dass das "aussergewöhnliche" Nordlicht in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1938 jenes Zeichen Gottes für den Beginn des Krieges war, von dem in der Vision die Rede ist.

Hier haben wir auch den Ansatz für ein späteres Kommen der Gottesmutter in Pontevedra, wo sie am 10. Dezember 1925 die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens als Sühne für die Sünden der Menschheit verlangt und dann am 13. Juni 1929 in Tuy, wo Lucia den Auftrag erhält, die Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz von der Gesamtkirche zu fordern. Während alle anderen Voraussagungen an die Bedingung der Besserung der Menschen gekoppelt sind, scheint die Aussage: "Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren", bedingungslos zu sein und wird sich mit Sicherheit erfüllen.


Vierte Erscheinung der Gottesmutter in den Valinhos - 19. August 1917

Valinhos

Am Morgen des 13. August lag grosse Spannung über den Elternhäusern von Lucia bzw. Francisco und Jacinta. Schon am Abend vorher kam das Volk aus allen Gegenden Portugals. Man hatte allen Grund dazu, denn schon meldete sich die atheistische Staatsmacht lautstark zu Wort, die im ganzen Geschehen um Fatima nichts anderes als eine Machenschaft der Kirche und des Klerus gegen die Pläne des Staates vermutete. Kurz zuvor hatte man als Staatsziel erklärt, dass in zwei Generationen der Gottesglaube in Portugal zur Gänze ausgerottet sein werde. Konfessionelle Schulen wurden gesperrt, öffentliche Gottesdienste verboten, Klöster aufgehoben. Und jetzt stand diese geballte Macht ratlos vor drei Kindern. Unter dem Vorwand, die Kinder vor dem Ortspfarrer zur Rechenschaft zu ziehen, wurden sie buchstäblich aus der Hand ihrer Eltern entführt und kurzerhand ins Gefängnis der Kreisstadt Ourem geworfen. Dort verbrachten sie die Zeit zwischen dem 13. und 15. August. Im Gefängnis selber spielten sich ergreifende Szenen ab. Lucia schreibt: "Es war die Abwesenheit der Eltern, die Jacinta am schwersten fiel. Mit tränenüberströmtem Gesicht klagte sie: "Weder deine noch meine Eltern kamen, um uns zu besuchen. Sie haben nichts mehr für uns übrig." - "Weine nicht", sagte Francisco zu ihr, "opfern wir es Jesus für die Sünder auf." Augen und Hände zum Himmel gehoben, sprach er das Aufopferungsgebet: "O mein Jesus, es ist aus Liebe zu Dir und für die Bekehrung der Sünder." Jacinta fügte hinzu: "Und auch für den Heiligen Vater und zur Wiedergutmachung der Sünden, die gegen das Unbefleckte Herz Mariens begangen werden."

Die beiden Kinder Marto wurden im Gefängnis von Lucia getrennt verhört. Als man sie wieder zusammenbrachte, drohte man ihnen, falls sie nicht zugäben, die Erscheinungen seien blosse Sinnestäuschung oder eine erfundene Lüge gewesen, sie bei lebendigem Leib zu braten. Die Kinder nahmen das Wort der Erwachsenen ernst und bereiteten sich darauf vor, bald gebraten zu werden. Jacinta hatte, trotz des Willens, für das Gesehene zu sterben, Tränen in den Augen. Lucia fragte die Kleine, warum sie weine: "Weil wir sterben werden, ohne unsere Väter und Mütter wieder gesehen zu haben", antwortete sie, "ich möchte wenigstens meine Mutter sehen!" Auf die Frage Lucias, ob sie denn nicht wirklich alles für die Bekehrung der Sünder aufopfern möchte, rief sie: "Ich will, ich will!" Und um dies zu bekräftigen, verrichtete sie sofort das Aufopferungsgebet, das sie vor einigen Minuten zusammen mit ihrem Bruder Francisco schon einmal gebetet hatte. Das Verhalten der drei Kinder machte einen gewaltigen Eindruck auf die weiteren Insassen des Gefängnisses; als die Seher den Rosenkranz zu beten begannen, betete so manch ein Insasse aus Rührung und Staunen mit.

Schliesslich wurden die Kinder dennoch freigelassen. Die kirchenfeindliche Staatsmacht hatte vor drei kleinen Kindern, die sich nicht scheuten, selbst ihr Leben für ihre Überzeugung zu opfern, kapituliert. Hat Gott diese Verhöre zugelassen, damit wir nachträglich aus dem schriftlichen Zeugnis der Feinde Fatimas wissen, was damals geschah? So verstrich der 13. August. Die Kinder waren traurig, da sie nicht in die Cova da Iria gehen konnten. Geduldig warteten sie nun auf den 13. September.

Doch schon ein paar Tage danach, am 19. August, als die Kinder mit ihren Schafen eine neue Weide aufsuchten, erreichten sie die Stelle, die Valinhos heisst. Lucia bemerkte den "Blitz", den Lichtschein, mit dem die Gottesmutter ihr Kommen ankündigte. Es war wohl ein Dankeschön des Himmels, dass die Gottesmutter sich hier, in Valinhos, den Kindern zeigte und sie erneut bat, täglich den Rosenkranz zu beten für die Bekehrung der Sünder. Dem fügte sie erneut die Ankündigung hinzu, dass sie "im letzten Monat", das heisst bei ihrer letzten Erscheinung, ein Wunder wirken werde, damit alle glauben. Bevor die Gottesmutter verschwand, sprach sie die eindringlichen Worte: "Betet, betet viel und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet."

Dann erhob sie sich und verschwand wie gewöhnlich in Richtung Osten.


Fünfte Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 13. September 1917

Die Kunde von den Erscheinungen in der Cova da Iria verbreitete sich in Windeseile. Zahlreiche Leute, Menschen aus dem Adel und Bauern gleichermassen, drängten sich durch die engen Gassen von Aljustrel, wo die Kinder wohnten. Alle wollten mit ihnen sprechen, sie sehen, fragen, um Heilung bitten. Die atheistischen Gegner warteten auf eine passende Gelegenheit, den von ihnen vermuteten Schwindel aufzudecken und warnten die Leute vor einem Besuch in der Cova da Iria. Alles nützte nichts. Am 13. September waren, so vorsichtige Schätzungen, 25’000 Personen aus allen Teilen Portugals anwesend, als sich die Gottesmutter zur gewohnten Mittagszeit ankündigte. Lucia beschreibt diesen Morgen in ihren Erinnerungen mit lebhaften Worten, besonders die vielen Kranken und Leidenden, die um Hilfe und Fürsprache baten. "Wenn diese Leute sich vor drei armen Kindern niederwarfen, nur weil ihnen barmherzigerweise die Gnade geschenkt wurde, mit der Gottesmutter zu sprechen, was würden sie erst tun, wenn sie Jesus Christus selbst vor sich sähen?"

Als die Seherkinder an der Steineiche ankamen, betete das Volk schon den Rosenkranz. Die Gottesmutter liess nicht auf sich warten. Nach der üblichen Ankündigung durch einen hellen Lichtschein sahen die Kinder sie über der Steineiche. Sie knieten nieder und vernahmen die Worte:

"Betet weiterhin den Rosenkranz, um das Ende des Krieges zu erlangen." Zurückkommend auf das Versprechen, im Oktober ein grosses Wunder zu wirken, weitete sie die Vorankündigung aus und sagte:

"Im Oktober wird auch Unsere Liebe Frau von den Schmerzen und vom Karmel sowie der heilige Josef mit dem Jesuskind kommen, um die Welt zu segnen. Gott ist mit euren Opfern zufrieden, aber er will nicht, dass ihr mit dem Strick schlaft. Tragt ihn nur tagsüber." Aus lauter Busseifer hatten sich die Kinder nämlich einen rauhen Strick um den Leib gebunden, damit sie auch dann Opfer bringen könnten, wenn es mal eine Stunde geben sollte, in der sie sonst nichts aufzuopfern hätten. Voller Liebe sah die Gottesmutter auf diese Opferbereitschaft und milderte die selbst auferlegte Härte ab.

Lucia bat die Gottesmutter erneut, wie auch schon bei den vorausgehenden Erscheinungen, um die Heilung "einiger Kranken und eines Taubstummen", was ihr die Gottesmutter auch sofort gewährte, bevor sie sich, im Lichtschein eingehüllt, in Richtung Osten entfernte.


Sechste Erscheinung der Gottesmutter in der Cova da Iria - 13. Oktober 1917

Während des Sonnenwunders am 13. Oktober 1917

Die Zeit vom 13. September bis zum 13. Oktober war für die Seherkinder sehr bewegt. Sie litten viel unter den täglichen Beleidigungen der Dorfbevölkerung, deren grösster Teil zwar sichtlich neugierig war, jedoch ein sehr ablehnendes bis spöttisches Verhalten an den Tag legte. Der Dorfpriester versuchte eifrig den Kindern und deren Eltern einzureden, dass sie alles zu leugnen hätten, da die Gottesmutter nicht so einfach irgend jemandem erscheine, und erst recht nicht in Fatima, und besonders auch wegen der feindseligen Einstellung der staatlichen Behörden, die das Leben der Kirche auch ohne wunderbare Erscheinungen schon zur Genüge einschränkten und erschwerten. Die Kinder mögen daher im Gehorsam und zum Wohle der Kirche derlei Dinge nicht weiterhin behaupten. Andere wiederum drohten den Kindern, nicht zuletzt der Administrator, der in Aussicht stellte, dass er im Oktober eine Bombe neben den Kindern zünden werde.

Am 13. Oktober regnete es schon frühmorgens in Strömen. Da die Eltern Lucias fürchteten, es könnte doch noch ein "Schwindel" aufgedeckt werden und dies der letzte Tag ihres Lebens sei, munterten sie Lucia auf, zur hl. Beichte zu gehen; sie selbst wollten, um ihr Kind zu beschützen, bei der behaupteten Erscheinung in unmittelbarer Nähe sein. Unterstützt von ihren Eltern arbeiteten sich die Kinder durch den grossen Schlamm zur Steineiche durch. Überall suchten die Menschen den Kindern ihre Bitten mitzugeben: "Betet für meinen blinden Sohn, für einen Gelähmten, für einen Kranken..." Der Regen schien nicht aufhören zu wollen. Um die Mittagszeit knieten die Kinder nieder, denn sie sahen "ihren Blitz", währenddessen das ganze Volk, es waren schätzungsweise 70’000 Personen zugegen, durchnässt vom Regen und in tiefem Morast stehend, den Rosenkranz betete.

"Was wünschen Sie von mir?" sprach Lucia die Gottesmutter an.

"Ich möchte dir sagen, dass hier eine Kapelle zu meiner Ehre gebaut werden soll. Ich bin Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz.

Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten. Der Krieg geht zu Ende, und die Soldaten werden in Kürze nach Hause zurückkehren." Lucia: "Ich hätte um so vieles zu bitten. Ich möchte wissen, ob Ihr die Bitten erfüllt oder nicht."

Die hl. Jungfrau entgegnete, sie werde einige der Bitten erfüllen, die anderen nicht. Dann kam sie sofort wieder auf den Höhepunkt ihrer Botschaft zurück: "Die Leute sollen sich bessern und um Verzeihung ihrer Sünden bitten." Traurigkeit überschattete ihre Züge, als sie mit flehender Stimme sprach: "Man soll den Herrn, unsern Gott, nicht mehr beleidigen, der schon so sehr beleidigt worden ist."

Die "Frau" hatte ihren Namen genannt: Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Hatte sie bisher immer nur von den Kindern verlangt, täglich den Rosenkranz zu beten, so sprach sie nun alle Christen an: "Man soll weiterhin täglich den Rosenkranz beten!" Als Bestätigung der Macht, die sie diesem Gebet zu verleihen gedenkt, sagte sie voraus, dass die Soldaten bald heimkehren werden. Man mag sich zuweilen fragen, warum den Rosenkranz? Und es mögen auch viele plausible Argumente dafür sprechen, im Grunde genommen jedoch bleibt die Antwort das Geheimnis der Gottesmutter. Viel wichtiger scheint mir an dieser Stelle der Hinweis darauf zu sein, dass es die Mutter Jesu und unsere himmlische Mutter war, die diesen Wunsch äusserte und Grosses durch ihn versprach. Ziemt es sich für ein wohlerzogenes Kind nicht, den Wunsch einer Mutter, auch wenn alle Hintergründe nicht erhellt sind, zu erfüllen?

Als Dank für ihre Treue öffnete die Gottesmutter vor ihrem Weggang erneut ihre Hände, und ein Strahl, stärker als die Sonne, durchflutete den Ort. Die Kinder sahen sie in gewohnter Weise am östlichen Horizont verschwinden, währenddessen die Anwesenden Augenblicke des höchsten Glücks und zugleich unaussprechlicher Schrecken, das grosse Sonnenwunder, erlebten. Viele Menschen wurden schlagartig gesund, Lahme erhoben sich und priesen Gott, Blinde riefen ihre Freude über das zurück gewonnene Augenlicht aus und jene, die die Erscheinungen - und mit ihnen den Glauben des Volkes - bekämpften, schlugen sich reumütig und zum Zeichen ihrer Bekehrung an die Brust.

Während des Sonnenwunders am 13. Oktober 1917

Avelino de Almeida, ein Reporter, beschreibt in "O Século" den Ablauf der Ereignisse, wie sie von den Anwesenden erlebt wurden. "Das ganze Volk in der Cova sah plötzlich ein Lichtbündel wie einen Sonnenball. Der Stern erinnerte an eine Platte aus mattem Silber. Es war möglich, ohne auch nur im geringsten geblendet zu werden, in diese ‘Scheibe’ zu schauen. Sie brannte und blendete nicht. Man möchte sagen, dass sich eine Sonnenfinsternis ereigne. Aber siehe! Es löst sich ein kolossaler Schrei und man hört von den Zuschauern, die sich in der Nähe befanden, wie sie rufen: Ein Wunder, ein Wunder! Ein Schauspiel, ein Schauspiel! Bleich vor Schrecken, mit entblösstem Haupt, starrte alles in den blauen Himmel; der Feuerball hatte die Wolken durchbrochen und war zu sehen wie eine vibrierende Sonne."

"Die Sonne machte schroffe Bewegungen, wie sie bisher niemals zu beobachten waren, ganz gegen alle kosmischen Gesetze; es löste sich auch aus dem Mund einiger der typische Ausdruck: Die Sonne tanzte."

Vom Vater Lucias sind die Worte überliefert: "Alle hatten die Augen zum Himmel erhoben, als die Sonne stillstand und danach zu tanzen begann. Sie blieb stehen, um nochmals zu tanzen, bis sie sich ganz vom Himmel zu lösen und auf uns hernieder zu fallen schien wie ein riesiges Feuerrad. Es war ein schrecklicher Augenblick. Viele schrien: "O weh, wir sterben alle! Unsere Liebe Frau, hilf uns!" Es gab Leute, die laut ihre Sünden bekannten. Schliesslich blieb die Sonne auf ihrem gewohnten Platz stehen."

Erst als das Ereignis vorbei war, bemerkten die Menschen, dass ihre völlig durchnässten Kleider plötzlich trocken waren.

Die Seher selbst bemerkten kaum etwas von dem, was um sie herum geschah. Noch schauten sie der im Horizont verschwindenden Lichtflut nach, als ihnen plötzlich weitere Schauungen zuteil wurden. Lucia beschreibt das Folgende mit sehr einfachen, schlichten Worten als ein unvergessliches, eindrückliches Erlebnis und bemerkt dazu, dass sie, um alles richtig zu beschreiben, keine passenden menschlichen Worte fände.

"Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Ferne des Firmaments verschwunden war, sahen wir dann zur Seite der Sonne den heiligen Josef mit dem Jesuskind und Unsere Liebe Frau in Weiss gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Josef mit dem Jesuskind schien die Welt mit einer Handbewegung in Kreuzesform zu segnen. Kurz darauf verschwand die Erscheinung."

Die Gottesmutter hatte schon in der Erscheinung vom September angedeutet, dass sie im Oktober nicht allein kommen werde. Als erstes sah Lucia den hl. Josef, der seinen Segen der Welt spendete. Dies muss als Hinweis gewertet werden, dass die Familie in der Zukunft schwerwiegenden Belastungsproben ausgesetzt sein werde. Fatima zeigt hier einen Weg auf, wie die Familien aus der Krise kommen können: Die demütige Bescheidenheit, mit der der heilige Josef seinerzeit den Willen Gottes ohne grosse Nachforschungen erfüllte, ist, bei näherem Hinsehen, genau der Gegenpol jenes Familienbildes, in dem jeder nur auf seine Freiheit, seine zu erreichenden Ziele, seine Ideale pocht und vielfach Ehepartner und Kinder auf der Strecke - von Streit, Zwietracht und Auseinandergehen - bleiben. Der heilige Josef hat unserer heutigen Welt gerade im Hinblick auf die Familie einiges zu sagen!

"Dann sahen wir Unseren Herrn und Unsere Liebe Frau", so Lucia in ihrem Bericht. "Ich hatte den Eindruck, es sei Unsere Liebe Frau von den Schmerzen. Unser Herr schien die Welt in der gleichen Weise zu segnen wie der heilige Josef. Diese Erscheinung verschwand, und ich meine wohl, dass ich auch noch Unsere Liebe Frau vom Karmel gesehen habe."

Die drei Teile des Geheimnisses von Fatima im Wortlaut

Das Geheimnis besteht aus drei Teilen. Die Teile des Geheimnisses, wie es Sr. Lucia aufgezeichnet und für den Bischof von Leiria-Fatima bestimmt hat:


Erster Teil

Der erste Teil war die Vision der Hölle. Unsere Liebe Frau zeigte uns ein grosses Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreien, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren liessen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheusslichen, unbekannten Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.


Zweiter Teil

Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlischen Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen (in der ersten Erscheinung). Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzen gestorben. Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte und Traurigkeit sprach:

"Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XI. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wisst, dass dies das grosse Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber, wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.

Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden."


Dritter Teil

Bild aus dem dritten Teil des Geheimnisses.

"J.M.J. Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde. Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.

Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauter Stimme rief: Busse, Busse, Busse!

Und wir sahen in einem ungeheuren Licht, das Gott ist, "etwas, das aussieht wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen, einen in Weiss gekleideten Bischof; wir hatten die Ahnung, dass es der Heilige Vater war". Verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen die einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein grosses Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde.

Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine grosse Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füssen des grossen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn geschossen hatten. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Giesskanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten. Tuy, 3. Januar 1944".

Grundelemente der Botschaft von Fatima

Papstbesuche in Fatima

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Quellen

  • Fugel-Inglin, Fatima in Wort und Bild, 248 Seiten, Benedetto Verlag 2007
  • Radio Vatican

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