Franz von Sales

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Der heilige Franz von Sales, Jahr 1622

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Gedenktag

24. Januar

Aus dem Leben des hl. Franz von Sales

Dieser heilige Bischof, von dem man sagen darf, dass sein Herz ein treues Abbild des heiligsten, sanftmütigsten und demütigsten Herzens Jesus gewesen, hatte eine ausserordentlich zärtliche Liebe zur glorreichen Jungfrau. Geboren auf dem Schlosse Sales in Savoyen in der Oktave des Festes Maria Himmelfahrt, verehrte er unsere liebe Frau von seiner Kindheit an mit ganz besonderer Andacht durch eigene Gebete, die er täglich betete, und durch seltene Liebe zur Reinigkeit. Unter dem Beistand und Schutz dieser Königin der Jungfrauen weihte er sich dem Herrn in heiliger Jungfräulichkeit.

Als er sechzehn Jahre alt war und seine Studien zu Paris vollendet hatte, ließ Gott es geschehen, dass er mit dem schwermütigen Gedanken versucht wurde, er gehöre zu den Verworfenen und könne daher Gott nicht mehr lieben. Diese Versuchung wirkte so tief auf seine Seele, dass er darüber seine Ruhe verlor und weder essen noch trinken konnte. Er verdorrte zusehends und kam der Abzehrung nahe.

Sein Hofmeister, welcher aus seinem bleichen, blaßgelben Gesicht abnahm, dass Franz allen Sinn und Geschmack am Leben verloren habe, und seine Jugendkraft sichtbar dahinwelkte, fragte ihn um die Ursache seiner düsteren Schwermut. Franz aber gab nie eine Antwort. Der böse Geist, der ihn täuschen wollte, gehörte zu jenen, welche stumm genannt werden. — Der süsse Trost der himmlischen Liebe war für ihn verschwunden; doch nicht ebenso die Treue, mit welcher er seinem Herrn und Gott anhing, und der Versuchung widerstand.

Einen ganzen Monat hindurch schmachtete er in diesen schweren Ängsten und Bitterkeiten des Herzens, die er mit der Angst des Todes und den Qualen der Hölle verglich; er seufzte den ganzen Tag und weinte die Nacht.

Endlich begab er sich, von einer innerlichen göttlichen Stimme gemahnt, in eine Kirche, um die Gnade Gottes über sein Elend herab zurufen. Dort warf er sich vor dem Bild der allerseligsten Jungfrau nieder und sichte diese Mutter der Barmherzigkeit an, dass sie seine Fürsprecherin bei Gott sei, und seine Güte zu bewegen suchen möchte, dass er, wenn er ja so unglücklich sein müsste, nach dem Tode auf immer von ihm getrennt zu werden, ihn doch wenigstens während seines irdischen Lebens aus voller Seele lieben könnte.

Das Gebet, das er unter Thronen betete, während sein Herz von unaussprechlichen Schmerzen wie zermalmt war, lautete:

„Gedenke, o huldreichste Jungfrau Maria, dass es noch nie ist gehört worden, dass jemand, der unter deinen Schutz geflohen, und um deine Fürbitte dich angerufen, von dir sei verlassen worden. Von solchem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, Jungfrau der Jungfrauen, komme ich zu dir, o Mutter! Stehe ich Sünder seufzend vor dir! Wolle doch nicht meine Worte verachten, Mutter des ewigen Wortes, sondern höre und erhöre mich gnädig. Amen."

Kaum hatte er dieses Gebet vollendet, als er auch schon die Wirkung des Beistandes der Mutter Gottes empfand; der böse Feind musste fliehen; die unglückseligen Täuschungen verschwanden; es wurde wieder Licht und Helle in seiner Seele, und Trost und Freude kehrten zurück.

Jener Kampf und dieser Sieg, jene Schwermut und diese Freude, jener Sturm und diese Ruhe verschafften ihm seit jener Zeit so große Gewandtheit und Klugheit in der Behandlung von Seelen, die mit ähnlichen Versuchungen heimgesucht wurden, dass er für solche gleich dem Turm Davids ward. Besonders empfahl er, dass man in schweren Versuchungen zu der mächtigen Fürsprache der allerseligsten Jungfrau seine Zuflucht nehmen sollte, die für den Feind der menschlichen Seele schrecklich ist, gleich einem wohl geordneten Heerlager.

Man kann sich wohl denken, dass das Herz des heil. Franz von Dankbarkeit gegen unsere liebe Frau überfloss, nachdem sie ihn von einer so schrecklichen Versuchung befreit hatte. Seine Andacht zur Himmelskönigin wurde nur noch glühender, seine Liebe noch kindlicher. — Er hatte sich von dieser Zeit an durch ein Gelübde gebunden, täglich der gebenedeiten Mutter des Herrn einen Rosenkranz zu beten und tat dies 40 Jahre lang mit solcher Treue, dass er keinen Tag, auch wenn seine Geschäfte noch so viel, auch wenn seine Kräfte von vielen Arbeiten noch so geschwächt waren und es ihm noch so hart ankam, dieses Gebet unterließ.

Die heilige Jungfrau dagegen verlieh ihm dafür jene sanfte und wohlgefällige Sinnesart, wodurch er alle Herzen sich gewann, segnete alles, was er unternahm und überhäufte ihn alle Tage mit neuen Gunstbezeugungen. An dem Tage, wo er zum Bischof geweiht wurde, welches der Tag der unbefleckten Empfangnis der allerseligsten Jungfrau im Jahre 1662 gewesen, nahm sie ihn unter besonderen Schutz, und verlieh ihm jene innere Salbung, wovon alle seine Reden und Handlungen durchdrungen waren. Oft predigte er über die Herrlichkeit der Mutter Gottes, und seine Zunge strömte dann über von dem süßesten Lobe.

Er empfahl auch allen seinen geistlichen Kindern nichts so dringend, als die Andacht zur allerseligsten Jungfrau, setzte aber gewöhnlich die Worte hinzu:

"Was heißt aber die Andacht zur allerseligsten Jungfrau anders, als sie in Gott und Gott in ihr verehren, so dass Gott immer das letzte Ziel dieser Andacht und Verehrung ist? Denn sonst würden wir der allerseligsten Jungfrau göttliche Ehre erweisen, die dem Allerhöchsten allein gebührt. Wer Gott und unserer lieben Frau gefallen will, der tue wohl, ja sehr wohl; wer aber der allerseligsten Jungfrau ebenso sehr oder gar noch mehr gefallen wollte als Gott, dessen Unwissenheit und Verkehrtheit würde unerträglich sein."

Gebet des heiligen Franz von Sales zu Unserer Lieben Frau

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Von welchen Gefühlen der Liebe und des Vertrauens das Herz des Heiligen gegen unsere lieben Frau durchdrungen war, davon gibt Zeugnis folgendes schöne Gebet, das er wohnlich an sie richtete.

Ich grüsse dich, süßeste Jungfrau, Mutter Gottes, du bist meine Mutter, meine Herrin; ich bitte dich daher, mich als deinen Sohn und Diener anzunehmen, weil ich keine andere Mutter und Herrin mehr haben will als dich. Ich bitte dich also, meine gute, liebevolle und süsseste Mutter, es möge dir gefallen, mich in meinen Ängsten und leiblichen und geistlichen Trübsalen zu trösten. Erinnere dich und bleibe eingedenk, süßeste Jungfrau, dass du meine Mutter bist und dass ich dein Sohn bin, dass du sehr mächtig bist und ich ein armer, geringer und schwacher Mensch bin. Ich bitte dich daher, meine süsseste Mutter! Du mögest mich auf allen meinen Wegen und in allen meinen Handlungen leiten und beschützen. Denn ach, ich bin ein armer Dürftiger und Bettler, und bedarf gar sehr deines heiligen Schutzes. Wohlan also, heiligste Jungfrau, meine süsse Mutter, bewahre und befreie meinen Leib und meine Seele vor allen Nebeln und Gefahren, und lasse mich teilnehmen an deinen Gütern und an deinen Tugenden, und hauptsächlich an deiner heiligen Demut, ausgezeichneter Reinheit und brennenden Liebe. Sage nicht zu mir, holdseligste Jungfrau, dass du nicht kannst; denn dein geliebter Sohn hat dir alle Macht gegeben, sowohl im Himmel, als auf Erden. Sage nicht zu mir, dass du nicht darfst; denn du bist die allgemeine Mutter aller armen Menschen, und insbesondere die meinige. Wenn du nicht könntest, so würde ich dich entschuldigen und sagen: „Allerdings ist sie meine Mutter und liebt mich als ihren Sohn; allein die Arme hat kein Vermögen und keine Macht. Wenn du nicht meine Mutter wärest, so würde ich mit Recht Geduld haben und sagen: Sie ist wohl sehr reich, um mir helfen zu können; doch ach, da sie meine Mutter nicht ist, so liebt sie mich nicht. Da nun du, süsseste Jungfrau, meine Mutter und mächtig bist, wie könnte ich dich entschuldigen, wenn du mir nicht Erleichterung verschaffest und deinen Beistand und deine Hilfe angedeihen lassest? Siehe, meine Mutter, siehe, du bist gezwungen, mich zu befriedigen und mir all meine Bitten zu gewähren. Sei also gepriesen im Himmel und auf Erden, glorreiche Jungfrau und meine höchste Mutter Maria, und nimm mich zur Ehre und zum Ruhm deines Sohnes als dein Kind an, ohne auf meine Mängel und Sünden Rücksicht zu nehmen; befreie meine Seele und meinen Leib von allem Übel und gib mir alle deine Tugenden, besonders die Demut. Schenke mir alle Gaben und Gnaden, die der allerheiligsten Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und heil. Geist, gefallen. Amen. (In vita.)


(Quelle: Digitalisiert von Google (Google Bücher) / Marianum: Legende von den lieben heiligen und gottseligen Dienern unserer lieben Frau und den berühmten Gnadenorten der hohen Himmelskönigin / Georg Ott, Pustet, 1859, von FJM überarbeitete Fassung)