Isaias

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DAS BUCH ISAIAS

Der König unter den Propheten, wie man Isaias nennt, stammte aus Jerusalem und war vornehmer Herkunft, wenn nicht gar königlichen Geblütes. Im Todesjahr des Königs Ussia (Ozias) berief ihn der Herr. In den von ihm hinterlassenen Schriften läßt sich eine öffentliche Wirksamkeit bis nach dem Jahre 701 beobachten. Seine Frau und seine beiden Söhne treten mehr als schemenhafte Gestalten auf, letztere mit sinnbildlichen Namen. Als Ussia starb, war Tiglatpilesar III. (745-727) unbestrittener Herr der damals bekannten Welt bis hin zum nördlichen Palästina. Unter dem König Achas (736-721) wurde der bis dahin neutrale Staat Juda in das politische Geschehen hineingezogen. Damaskus wurde das Haupt einer assurfeindlichen Bewegung, der sich das assur-freundliche Juda nicht anschloß. Es kam zum syrisch-ephraimitischen Krieg gegen Juda (736/35). Ihm folgte das Strafgericht des Großkönigs über Damaskus und Israel. Das Jahr 727 brachte in Assur Salmanassar V. (727-722) an die Macht. Der noch verbliebene Rest des Nordreiches empörte sich im Vertrauen auf die Hilfe Ägyptens, und im Jahre 722 fiel als das letzte Bollwerk Ephraims Samaria in die Hände Sargons (722-705). Im Südreich folgte auf Achas Hiskia (Ezechias, 721-693), einer der Lieblingskönige der vom prophetischen Geist beeinflußten Geschichtsschreiber des AT. Er liebäugelte mit dem Abfall von Assur, beteiligte sich sogar an Aufständen, bei denen Ägypten seine Hand im Spiel hatte. Etwa seit 715 herrschte dort eine äthiopische Dynastie. Noch zu Lebzeiten Sargons und erst recht unter seinem Nachfolger Sanherib (705-681) trat als gefährlicher Assyrerfeind Merodach Baladan aus Babylon auf. Jetzt beteiligte sich Juda offen an allen Bündnissen. Dies hatte aber lediglich die Folge, daß Hiskias Herrschaftsgebiet auf Jerusalem beschränkt wurde. Die Eroberung dieser Stadt wurde durch Gottes Eingreifen verhindert. In all diese Geschehnisse hinein wirkte Isaias für den »Heiligen Israels«, die Schaffung eines heiligen Volkes, gegen Götzendienst, ausländische Sitten und die Irrwege einer Politik, die Macht und Stärke anbetete. Isaias ist der Prophet des Glaubens; seine Hoffnung sind seine Jüngerschar und jener heilige Rest, der Untergang und Gefangenschaft überdauern wird. Der Messias aus dem Hause David bietet die Bürgschaft für das Gottesvolk der Zukunft. Das uns heute vorliegende Buch des Propheten Isaias enthält in seinem ersten Teile (1-39) hauptsächlich Mahnreden, Drohsprüche und Verheißungen, die sich an Juda, Jerusalem, aber auch an Israel wenden. Diese Stücke folgen einander nicht so, wie sie in geschichtlicher Folge gesprochen worden sind; Sammler haben sie mehr nach sachlichen Gesichtspunkten geordnet. Aus diesem Rahmen fallen einige Prosaberichte heraus (6,1-13; 7,1-16; 8,1-4; 20,1-6; 36,1-39,8). Auch die Isaiasapokalypse (24,1-27,13), die das Gericht über den ganzen Erdkreis ausdehnt, verdient eine gesonderte Betrachtung. 13,1-21,17 richten sich gegen Fremdvölker, die teilweise Nachbarn Judas sind, zum Teil in weiter Feme wohnen. Der zweite Teil des Buches enthält von 40, l ab Tröstungen und Verheißungen für die in Babel Verbannten, denen die nahe Befreiung durch den Perserkönig Cyrus bevorsteht. Hier sind als messianische Weissagungen besonders die Lieder vom Gottesknecht hervorzuheben. Von Kap. 56, l ab wendet sich der Prophet an die aus der Verbannung Heim- gekehrten und versucht den Gründen nachzugehen, warum das ersehnte Heil noch nicht da ist. Trotzdem wird Jerusalem einmal der religiöse Mittelpunkt der Welt werden. Auch diese wesentlich andersgearteten Teile führt die jüdisch-christliche Überlieferung auf den Zeitgenossen des Königs Hiskia zurück, während man sonst schon lange von einem »anderen« Isaias spricht. Da vielfach auch katholische Bibelerklärer von der Überlieferung abwichen, sprach sich am 29. VI. 1908 die päpstliche Bibelkommission dahin aus, daß die bisher für die Annahme eines zweiten Isaias angeführten Gründe unzureichend sind. Ob den in den letzten fünf Jahrzehnten vorgebrachten Beweisgründen eine größere Überzeugungskraft innewohnt, kann hier nicht entschieden werden.