Leonhard von Limoges

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Fest

6. November

kurze Lebensbeschreibung

Leonardus, Eremit im Gebiete von Limoges (Lemovic.) und Gründer des Klosters von Noblac (Nobiliacum) in Frankreich, der auch in Deutschland hoch verehrt wird, war ein fränkischer Edelmann, der am Hofe des Königs Chlodwig I. in so hohem Ansehen stand, daß, als der hl. Bischof Remigius von Reims, der Apostel Frankreichs, ihn zum Christentum bekehrte und taufte, König Chlodwig selbst sein Taufpate wurde.

Die Lehren und Beispiele seines heil. Lehrers machten einen solchen Eindruck auf ihn, daß er der Welt entsagte und den kgl. Hof verließ. Er blieb auch stets ein würdiger Schüler seines großen Lehrers und suchte dessen Tugenden zu erringen. Er predigte auch einige Zeit das Evangelium und bekehrte mehrere heidnische Landsleute. Da er aber hörte, daß Chlodwig ihn an den Hof zurückberufen und etwa gar zum Bischofe machen wolle, begab er sich in die Einsamkeit und zwar in die Gegend von Orleans. Zwei Stunden von dieser Stadt lag das Kloster Micy (Miciacum), das im J. 508 vom hl. Euspicius gegründet worden und wahrscheinlich das erste von den Franken gestiftete Kloster war. Damals stand der Neffe des hl. Euspicius, der hl. Maximin oder Mesmin, dem Kloster vor. Unter ihm legte der hl. Leonhard zu Micy das Gelübde ab, wo er namentlich an seinen Obern und an dem hl. Lätus ausgezeichnete Muster der Vollkommenheit fand.

Nach dem im J. 520 erfolgten Tode des hl. Maximin stiftete dessen hl. Bruder Lifardus ein Kloster zu Meun oder Mehun (Magdunum) an der Loire, und um diese Zeit verließ auch der hl. Leonhard das Kloster Micy, um in ungestörter Einsamkeit seine Tage hinbringen zu können. Auf seiner Reise durch die Landschaft Berry bekehrte er mehrere Götzendiener. Darauf begab er sich in die Landschaft Limousin, ließ sich im Walde Pauvain (Pavus), 4 Meilen von Limoges, nieder, und erbaute sich ein Bethaus an einem Orte, der Noblac (Nobliacum) hieß, wo er längere Zeit unbekannt lebte und von Kräutern und wilden Früchten sich nährte. Aber sein Seeleneifer trieb ihn wieder zur Verkündigung des Evangeliums. Er unterrichtete die Völker der umliegenden Gegend und bekehrte Viele, unter denen mehrere zur Nachahmung seiner Lebensweise sich hingezogen fühlten.

Sie suchten ihn in seiner Wüste auf und so entstand nach und nach ein Kloster, das nachher sehr berühmt wurde und zuerst den Namen Noblac trug, dann aber von ihm den Namen St-Léonard de Noblac erhielt. Dort verherrlichte ihn Gott durch mehrere Wunder, indem er z.B. auf seine Bitte eine lebendige Quelle entspringen ließ. Auch Theodebert, der Sohn des Königs Theodorich von Austrasien, hörte von seinen Wundern und bat ihn um Hilfe, als seine Gemahlin in schweren Geburtsnöten lag. Der hl. Leonhard betete über sie, und die Fürstin wurde glücklich gerettet, worauf der Fürst ihm viel Gold schenken wollte, der Heilige aber nichts annahm als den Wald, in welchem er mit seinen Schülern wohnte.

Dieses ist wahrscheinlich der Ursprung des Brauches, wornach Frauen bei schweren Geburten ihn um seine Fürbitte anrufen.

Schon früher hatte der hl. Leonhard großes Mitleid mit den Gefangenen gehabt, welche entweder unschuldig in den Kerkern schmachteten oder doch sonst viel zu leiden hatten und keinen höheren Trost kannten. Hatte er ihnen nun schon damals auf alle Weise Linderung und geistliche Hilfe zu verschaffen gesucht, ja auch mehreren durch seine Bitten die Freiheit erwirkt, so tat er dieses um so mehr, als er durch seinen heil. Wandel der Welt bekannt wurde. Es soll ihm auch von dem Könige das besondere Vorrecht verliehen worden seyn, zuweilen solche Unglückliche in Freiheit zu setzen. Ja, sein Biograph erzählt, einige Gefangene seien durch seine Gebete wunderbar aus ihren Banden befreit worden, und nach Surius seien dann Viele mit ihren Ketten zu ihm gekommen, um sich ganz an ihn anzuschließen.

Besonders wunderbar ist die von mehreren Schriftstellern erzählte Befreiung des Herrn Martel von Bacqueville, in der Landschaft Caux, im 14. Jahrhunderte. Dieser war mit zwei andern französischen Edelleuten in türkische Gefangenschaft gerathen. Da eröffnete ihm eines Tages der Sklave, der sein Wärter war, daß er am folgenden Tage hingerichtet werde. Nun warf sich Martel zum Gebete nieder, rief den hl. Leonhard vertrauensvoll um seine Fürbitte an und gelobte im Falle seiner Rettung, eine Kapelle zu seiner Ehre zu erbauen. Hierauf schlief er ein und als er erwachte, fand er sich am Eingange des Waldes von Bacqueville, die Ketten noch an seinen Händen und Füssen tragend. Aus Dankbarkeit gegen seinen Befreier ließ er sogleich ihm zu Ehren eine Kapelle in seinem Schlosse bauen, und zur Erinnerung an dieses Wunder wurde von den Ortsbewohnern jährlich eine feierliche Prozession gehalten.

Nach einem heil. Leben ging endlich der hl. Leonhard am 6. Nov. 559 in die Freude seines Herrn ein, und wurde in der Kirche von Noblac begraben, in welcher dann auf seine Fürbitte viele Wunder geschahen, so daß dieselbe viele Vorrechte erhielt.

Der hl. Leonhard wird besonders für die Gefangenen und für die kreißenden Frauen angerufen.

Bei Surius sind viele Wunder angegeben, die auf seine Fürbitte geschahen. Sein Name steht im Mart. Rom., so wie auch in mehreren andern Martyrologien, besonders in denen von Frankreich und England.

Dargestellt wird der hl. Leonhard gewöhnlich in schwarzer Mönchskleidung mit einem Stabe in der einen und Ketten in der andern Hand, zu seinen Füssen Gefangene und rings um ihn Pferde und Rindvieh, als deren Patron er namentlich in Deutschland mit großem Vertrauen angerufen wird.

Der größte Teil seiner Reliquien befand sich in der Kirche seines Namens zu Noblac. Sie wurden im J. 1226 von dem Bischofe von Chartres und im J. 1738 vom Bischofe von Blois untersucht und als echt befunden. Mehrere Kirchen haben auch Teile dieser Reliquien enthalten, namentlich die Kapelle von Ponta-Raisse bei Douai, wo eine berühmte Wallfahrt ist. Wie in Frankreich, so sind auch in Deutschland, namentlich in Bayern, viele Kirchen ihm geweiht, und an mehreren Orten kommen an seinem Festtage viele Reiter zusammen, die auf ihren Pferden die ihm geweihte Kirche umreiten und dieselben, so wie auch ihr Rindvieh, seinem besondern Schutze empfehlen.

(Heiligen-Lexikon: Leonardus, S. (5). Vollständiges Heiligen-Lexikon, S. 22706 (vgl. HL Bd. 3, S. 768 ff.)


(Quelle: nach Vollständiges Heiligen-Lexikon von J.E. Stadler, F.J.Heim und J.N. Ginal, Augsburg 1858-1882, digitalisiert und mit freundlicher Genehmigung von Digitale Bibliothek, Verlag Directmedia Publisching GmbH, CD DB 106, http://www.zeno.org, von FJM überarbeitete Fassung)