Benno von Meißen

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Glasfenster in der St. Bennokirche in München: Benno mit Fisch in der Hand, der zwischen den Kiemen zwei Schlüssel trägt - gemeinfrei

Fest

16. Juni

Lebensbeschreibung

Nach Naderus und Andern ist Benno der slavische Name für Benedikt, nach Andern ist Benno = der Mühselige, Geplagte etc. Bei Migne heißt er auch Beunon – Der hl. Benno, Bischof von Meißen (Misna) in Sachsen und Apostel der Slaven, war der zweite Sohn eines sächsischen Edelmanns, der unfern Goslar wohnte, und in der Kanonisationsbulle Hadrian's VI. und in einem Briefe des Papstes Leo X. Friedrich Graf von Bultenberg heißt. Nach Emser, dem Verfasser einer längeren Lebensbeschreibung unseres Heiligen, hieß seine Mutter Bezela. Der hl. Benno erblickte das Tageslicht im Jahre 1010 zu Hildesheim in Niedersachsen. Schon in seinem fünften Jahre wurde er einem nahen Verwandten, dem hl. Bischof Bernhard (Bernward) von Hildesheim, zur Erziehung übergeben und machte bald solche Fortschritte in der Wissenschaft und Tugend, dass er in seinem 18. Jahre in das Kloster zum heil. Michael in jener Stadt aufgenommen wurde. Nachdem er in seinem 30. Jahre auf Befehl seines Abtes Adelbert die Priesterweihe empfangen hatte, sah man ihn nie ohne Tränen und Zerknirschung zum Altare hinzutreten. Nach Adelberts Tod zum Abte erwählt, behielt er dieses Amt nur drei Monate und trat es dann, um desto ungestörter dem Umgange mit Gott sich hingeben zu können, an Siegbert ab, der gleich viel Stimmen wie er erhalten hatte. Allein nicht lange sollte er dieser Neigung seines Herzens folgen können; denn im Jahr 1049 ernannte ihn Heinrich III. zum Kanonikus an der kaiserl. Kapelle zu Goslar, zu welcher die würdigsten Männer aus ganz Deutschland ausgesucht wurden, und sechzehn Jahre später erwählte ihn der hl. Erzbischof Hanno von Köln, welcher anstatt seines Mündels das Reich verwaltete, zum Bischof von Meißen. Die Geschichtsschreiber können nicht genug schildern, mit welchem Eifer der hl. Benno das ihm so schwere Hirtenamt versah, und glauben Alles gesagt zu haben, wenn sie in Bezug auf die Verwaltung desselben bemerken, er habe sich stets als wahrer, treuer Hirt bewährt. Als Kaiser Heinrich IV. den sächsischen Adel seine Rache fühlen ließ, war auch der hl. Benno unter den Geächteten, auf welchen Sturm bald ein anderer kam, in Folge des Zerwürfnisses zwischen Papst Gregor VII. und Kaiser Heinrich IV.

Während manche Bischöfe Deutschlands es mit dem Kaiser hielten, blieb der hl. Benno dem Oberhaupte der Kirche treu, ja reiste selbst nach Rom, um ihm seine Anhänglichkeit zu bezeugen. Um dieselbe Zeit, im Jahr 1076, sagte der Papst eine Synode zu Rom an, zu der auch der Kaiser eingeladen war, damit er sich hinsichtlich seiner Frevel an der Kirche verantworte. Der hl. Benno wohnte diesem Konzil bei, in welchem die der Simonie Schuldigen und selbst der Kaiser in den Kirchenbann getan wurden. Man sagt, bei seiner Abreise von Meißen habe der Oberhirte die Domschlüssel zweien seiner Brüdern, Kanonikern an seiner Kirche, überreicht, mit dem Befehle, sie in die Elbe zu werfen, sobald sie erfahren sollten, dass der Kaiser mit seinen Mitschuldigen exkommuniziert wäre, damit ihnen der Eingang in dieselbe gewehrt würde. Nach seiner Rückkehr soll er die Schlüssel in dem Bauch eines Fisches, der in seine Küche gebracht worden war, gefunden haben, woher es kommt, dass er auf Kirchengemälden oder Statuen gewöhnlich abgebildet wird mit einem Fische, der einen Schlüsselbund im Maule hat. Nachdem auch dieser Sturm vorübergegangen war und der Heilige wieder in Ruhe seinem Amte obliegen konnte, hinderte ihn das Alter keineswegs, gleich einem Apostel, den Slaven das Evangelium zu predigen, nämlich jenen Völkerschaften, welche jenseits der Elbe wohnten und aus Skythien kommend, die Gegenden von Brandenburg bis herauf nach Hamburg und Holstein inne hatten. Der hl. Benno muss unter diesen heidnischen Völkern mit sichtbarem Erfolge für das Evangelium gewirkt haben: denn sonst würde ihm nicht der Name »Apostel der Slaven« beigelegt worden sein. Endlich unterlag er den beständigen Anstrengungen und starb am 16. Juni 1106, in einem Alter von 96 Jahren, von denen er 40 im bischöfl. Amte zugebracht hatte. Er, der schon im Leben mit der Gabe der Wunder und Weissagung glänzte, wurde jetzt nach seinem Tode noch mehr durch Wunder verherrlichet, von denen außerordentlich viele an seinem Grabe geschahen. Nach den Berichten sollen auf seine Fürbitte selbst Tode erweckt worden sein. Im Jahre 1270 wurde sein heil. Leib vom Bischof Witigo erhoben und über demselben ein prächtiges Grabmal errichtet. Papst Hadrian VI. setzte den hl. Benno zugleich mit dem hl. Erzbischof Antonin von Florenz am 31. Mai 1523 in das Verzeichnis der Heiligen. Von jener Zeit an wurde der Name des hl. Benno in ganz Deutschland sehr berühmt, und später auch ins römische Martyrologium aufgenommen. Als aber der kath. Glaube zu Meißen ganz in Abnahme geriet, wurde der Leib des hl. Benno auf Begehren des Kurfürsten Albert V. von Bayern im Jahre 1576 nach München in die Kirche U. L. Frau gebracht, woselbst er, durch viele Wunder verherrlicht, bis auf den heutigen Tag hoch in Ehren gehalten wird. Seit dieser Zeit wird der hl. Benno als Landespatron von Bayern verehrt, und in München, wo er der Haupt-Stadtpatron ist, so wie in der ganzen Erzdiözese, wird der 16. Juni als Feiertag begangen.


(Quelle: nach Vollständiges Heiligen-Lexikon von J.E. Stadler, F.J.Heim und J.N. Ginal, Augsburg 1858-1882, digitalisiert und mit freundlicher Genehmigung von Digitale Bibliothek, Verlag Directmedia Publisching GmbH, CD DB 106, http://www.zeno.org, von FJM überarbeitete Fassung)