Brigitta von Schweden

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Fest

23. Juli

Die heilige Brigitta, Ordenstifterin

Die wegen vieler von Gott empfangener Offenbarungen in der ganzen Kirche Gottes berühmte heilige Brigitta (Birgitta) wurde in Schweden im Jahre 1302 geboren. Sie hatte adelige und fromme Eltern, der Vater, Briger Pederson, war Landvogt. Ihre Mutter Ingeborg, wurde aus dem Schiffbruche wunderbar errettet. In folgender Nacht erschien ihr eine Gestalt in glänzendem Gewande (hl. Schutzengel?) und sprach:

„Gott hat dir ein Leben gerettet wegen des Kindes, welches du unter deinem Herzen trägst. Erziehe es gut, denn es wird zu großer Heiligkeit gelangen.“

Dieser Ermahnung kam ihre Mutter getreu nach, so lange sie lebte. Nach ihrem Tode wurde Brigitta, die erst sieben Jahre alt war, der Obsorge einer sehr gottesfürchtigen Base anvertraut und von derselben zu aller Tugend angeleitet. Im zehnten Jahre ihres Alters hörte sie eine Predigt über das bittere Leiden Jesu Christi, die ihr ganzes Herz durchdrang. In der darauf folgenden Nacht erschien ihr Christus am Kreuze hängend, wie er am ganzen Leibe verwundet in Strömen sein Blut vergoß. Brigitta war von herzlichem Mitleid gerührt und sprach:

„Ach Herr! Wer hat dich so mißhandelt?"

Christus gab zur Antwort:

„Die haben es getan, welche meine Liebe verachten,“ das ist die meine Gebote übertreten, „und sich undankbar bezeigen für meine unendliche Liebe gegen sie.“

Diese Erscheinung blieb der kleinen Brigitta beständig im Gedächtnisse und war die Veranlassung, dass sie von dieser Zeit an sich ganz zur Liebe Jesu wendete und die innigste Andacht gegen das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi betätigte, an welches sie sich nie ohne Tränen erinnerte. Auf die eben erzählte Erscheinung folgten viele andere, besonders zur Zeit des Gebetes, an welchem Brigitta ihre größte Freude fand. Während der Nacht stand sie heimlich auf und brachte manche Stunde mit gottseliger Betrachtung zu. Sie bediente sich verschiedener Gelegenheiten und Arten, ihren Leib abzutöten, voll des Verlangens, sich in etwas dem lieben Jesus gleichförmig zu machen, der so viel für uns gelitten hat.

Als sie dreizehn Jahre alt geworden war, mußte sie sich auf Befehl ihres Vaters mit Ulpho, Fürst von Nericien, verehelichen. Durch ihren liebenswürdigen und sanften Umgang gewann sie sein Herz in kurzer Zeit so sehr, dass sie ihn von unmäßigen Spielen, von der Kleiderpracht und von anderen Fehlern fast unbemerkt völlig abzog und ihn zu allem Guten, besonders zum öfteren Beichten und zum Gebete anleitete. Sie lebte mit ihm in beständiger Liebe und Einigkeit, trug große Sorge für ihre Hausgenossen und duldete nichts, wodurch Gott beleidigt und sein Segen abgehalten werden konnte. Vier Söhne und eben so viel Töchter gebar sie während der Ehe. Zwei Söhne starben in ihrer Unschuld, zwei auf der Reise in das gelobte Land. Zwei Töchter lebten in der Folge am Hofe als wahre Tugendspiegel. Die dritte wurde eine fromme Klosterfrau. Die jüngste, Katharina, wurde von der Kirche heilig gesprochen. Die heilige Brigitta unterrichtete ihre Kinder selbst in dem Christentume und in der Weise, fromm zu leben und leitete sie schon in zarten Jahren zu den guten Werken der Barmherzigkeit, zur Abtötung, zu aller Gottseligkeit mit Worten und Beispielen an. Sie trat in den 3. Orden des hl. Franziscus von Assisi und wurde eine herrliche Zierde desselben.

Mit Erlaubnis ihres Eheherren stiftete sie ein Spital und diente täglich zu gewissen Stunden den darin sich befindenden Armen und Kranken wie eine Magd. Oft wusch sie ihnen die Füße und küsste sie demütig. Einst reiste sie mit ihrem Gemahl zum Grabe des heiligen Apostels Jacobus nach Compostella in Spanien. Auf der Rückkehr erkrankte er tödlich. Es erschien ihr aber der heilige Dionysius und zeigte ihr nebst anderen zukünftigen Dingen an, dass ihr Gemahl Ulpho bald wieder gesund würde. Brigitta sah diese Voraussagung bald erfüllt und erlebte jetzt die Freude, dass Ulpho infolge dieser Krankheit an allem Zeitlichen einen Ekel hatte und ein Gelübde machte, mit Einwilligung seiner Gattin in ein Kloster zu treten. Er ging nach erhaltener Erlaubnis zu den Cisterziensern, bei welchen er sein Leben heilig beschloss.

Brigitta lebte nach dem Eintritte ihres Gatten in das Kloster noch dreißig Jahre. Nun von vielen Sorgen und Hindernissen erlöst, ergab sie sich mit größtem Eifer einem ganz vollkommenen und bußfertigen Leben. Sie teilte ihre Güter unter ihre noch lebenden Kinder aus; legte ein Bußkleid an und übte sich unermüdet in den Werken der Andacht, der Barmherzigkeit und Buße. Viermal fastete sie in der Woche und an den Freitagen bei Wasser und Brot. Den größten Teil der Nacht brachte sie im Gebete zu. Ganze Stunden lang lag sie zu den Füßen des Gekreuzigten oder vor dem Allerheiligsten. Zum Gedächtnisse des bitteren Leidens Jesu Christi ließ sie alle Freitage einige brennenden Tropfen von Siegellack auf eine Wunde, die sie an ihrem Leibe hatte, herab fallen. Täglich speiste sie zwölf Arme und diente ihnen zu Tische. Sie stiftete auf Befehl des göttlichen Heilandes den Doppelorden des heiligsten Erlösers, später, Orden der Brigittiner und Brigitterinnen genannt. Sie gründete nun das Kloster Wadstena für sechzig Klosterfrauen und ebenso viele Mönche, für welche sie die Ordensregel von Christus selbst empfangen hat. Beide Klöster waren durch hohe Mauern von einander getrennt. Die heilige Brigitta selbst begab sich in das von ihr gestiftete Kloster und leuchtete allen mit ihrem heiligen Beispiele vor.

Das Ende Ihres irdischen Lebens

Als sie zwei Jahre darin verlebt hatte, unternahm sie auf göttlichen Befehl mit ihrer Tochter Katharina eine Wallfahrt nach Rom und von Rom in das gelobte Land. Auf der Rückkehr wurde sie von einem heftigen Fieber ergriffen. Als sie zu Rom wieder ankamen, nahm die Krankheit zu und dauerte ein ganzes Jahr. Die sehr großen Schmerzen, welche sie dabei litt, wurden ihr durch die Erinnerung an die Schmerzen Christi leichter erträglich, und ihm zuliebe war sie bereit, noch größere zu erdulden. Den größten Trost brachte ihr eine Erscheinung, in welcher sie von Christus ihrer Seligkeit versichert wurde. Als sie den Tod nahe fühlte, bereitete sie sich dazu vor und gab in den Armen ihrer heiligen Tochter nach empfangenen heiligen Sakramenten ihre Seele auf den 23. Juli 1373 in dem einundsiebzigsten Jahre ihres Alters.

Vor und nach dem Hinscheiden wirkte Gott auf ihre Anrufung viele und große Wunder. Brigitta wurde 1391 vom Papst Bonifaz IX. heilig gesprochen. Papst Urban VIII. bestimmte als ihren Verehrungstag den 8. Oktober. Die ihr von Gott zu teil gewordenen vielen Offenbarungen hat die Heilige selbst niedergeschrieben und sind noch erhalten.

Beherzigung

  • 1. Christus erschien der heiligen Brigitta, am ganzen Leibe verwundet, und sagte, dass er von denen, die seine Liebe verachten und sich undankbar für seine Liebe bezeigen, also mißhandelt worden sei. Bist du nicht auch einer aus denen, welche die Liebe Jesus Christi verachten, sich gegen ihn undankbar bezeigen und ihn nach dem Ausspruch des hl. Paulus auf ein Neues kreuzigen? „Du kreuzigest Jesus so oft auf eine Neues“, sagt der Kardinal Hugo, „als du schwer sündigest.“ Und wie oft ist das schon geschehen? Und welche Ursache hast du, dies zu tun? Wenn Christus der Herr dich anredete, wie der heilige Bernard ihn redend einführt, was würdest du antworten „bin ich denn noch nicht genug für dich verwundet worden? Habe ich nicht genug wegen deiner Missetat gelitten? Warum verursachst du mir noch neue Schmerzen über meine vorigen? Die Wunden der Sünden sind mir empfindlicher, als die Wunden meines Leibes.“ Was, frage ich dich, könntest du antworten, wenn Christus dich also anredete? Ach! Falle deinem Gekreuzigten zu Füßen, bitte ihn demütigst um Verzeihung und versprich ihm, dass du dich hinfort dankbar gegen ihn bezeigen und ihn nicht mehr beleidigen wollest. Erinnere dich bei jeder Gelegenheit zur Sünde an deinen gekreuzigten Heiland und rede dich selbst mit den Worte des heiligen Bernard an: „Mein Gott hängt an dem Balken des Kreuzes, und ich soll mich der Wolllust ergeben?“ Ich soll sündigen? „Wie sollte ich ein so großes Übel tun und sündigen wider meinen Gott?“ [1 Mos. 39,9] sagte der keusche Joseph, da er von dem gottlosen Weibe seines Herrn, Putiphar, zur Sünde angereizt wurde.
  • 2. Lehren der heiligen Brigitta: „Keine Versuchungen und Trübsale haben, ist ein übles Zeichen; denn Christus sagte: Wer nicht täglich sein Kreuz trägt, der ist meiner nicht wert. Versuchungen sind ein tägliches Kreuz für den, der Gott liebt, und ein geeignetes Mittel, den Menschen zu prüfen, zu reinigen und zu vervollkommen. Die im Anfange ihrer Bekehrung mit Versuchungen bestürmt werden, gelangen gegen das Ende ihres Lebens zu großer Festigkeit. Die gegen die Mitte und das Ende ihres Lebens heftiger versucht werden, sollen auf ihre bisherige Tugend geringes Vertrauen haben und im Kampfe gegen die Versuchungen mit Freude mehr Mühe anwenden. Man genießt den inneren Frieden der Tugend nirgends besser, als im Prüfungs- und Reinigungsfeuer der Versuchungen und Drangsale. Gib das Gebet nicht auf, wenn du innerlich durch Entziehung der Freude am Guten, durch Geistesdürre und scheinbare Verlassenheit von Gott geprüft wirst. Deine Trostlosigkeit wird sich in ein Gott angenehmes Gebet verwandeln, wenn du dich dabei gelassen in den Willen Gottes ergibst. - Obgleich der Mensch öfters aus Schwachheit sich verfehlt, darf er doch den Mut nicht sinken lassen, sondern soll sich oft vor Gott demütigen. Die Demut bringt Mut, das eitle Selbstvertrauen Kleinmut. -

Gebet

Gib, o Gott, dass ich nur liebe, was dir wohlgefällig ist, den Versuchungen ernstlich widerstehe und immer an dich denke.“

(Quelle: Goldene Legende: Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, Wilhelm Auer, Matthäus Vogel,1904 nach von FJM überarbeiteter Fassung)