Cyrill

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Hl. Cyrill und Hl. Method

Fest

14. Februar

Lebensbeschreibung des hl. Cyrillus

Der hl. Cyrillus (eigentlich Constantin genannt, da er erst kurz vor seinem Tode den Namen Cyrillus annahm) stammte von einer vornehmen Familie zu Thessalonich und machte, von seinen Eltern nach Constantinopel geschickt, um sich den Wissenschaften zu widmen, in diesen solche Fortschritte, daß er nicht nur den Beinamen Philosoph erhielt, sondern auch zur Priesterwürde erhoben wurde. Bald nach der Erhebung des hl. Ignatius auf den Patriarchalstuhl von Constantinopel (im J. 846) kamen Gesandte der Chazaren, die an der Donau und am schwarzen Meere sich angesiedelt hatten, zum Kaiser Michael III. und begehrten christliche Priester, um im Glauben unterrichtet zu werden. Niemand wurde hiezu tauglicher gefunden als der hl. Cyrillus, der sich mit einer Anzahl Gefährten dahin aufmachte, in kurzer Zeit die Sprache jener Völkerschaft erlernte und sie vollständig zum Christentum bekehrte.

Nach seiner Rückkehr von den Chazaren wurde er beauftragt, auch den Bulgaren, welche schon früher einige Kenntnis vom Christentum erhalten hatten, das Evangelium zu verkünden, zu welchem Geschäfte er sich seinen Bruder, den hl. Methodius (Method), welcher ein strenger Ordensmann war, beigesellte. Einige sind der Meinung, dieser hl. Methodius sei derselbe, von welchem man liest, daß er durch ein Bild, das jüngste Gericht darstellend, den Bulgarenkönig Bogoris zum Christentum bekehrt habe, und diese würden Recht behalten, wenn es erwiesen wäre, daß an der Stelle bei Cedrenus, wo es heißt, dieser Maler sei ein Römer gewesen, diese Bezeichnung im weiteren, nämlich das ganze römische Reich umfassenden Sinne zu nehmen sei. Nach der Bekehrung der Bulgaren, die vorzüglich durch ihre Bemühung bewirkt worden war, reisten diese zwei apostolischen Männer, vom Könige Rastices gerufen, nach Mähren, um auch bei dieser Völkerschaft das Evangelium zu verkünden.

Nach Einigen soll der hl. Cyrillus schon jetzt zum Erzbischof von Mähren geweiht worden sein; allein Andere halten dafür, er habe die bischöfliche Würde erst später, und zwar zu Rom, erhalten. Auch nach Böhmen drang der hl. Methodius vor, nachdem er den Herzog dieses Landes schon früher in Mähren in die christliche Kirche aufgenommen hatte, taufte seine Gemahlin Ludmilla und seine Kinder mit einer großen Anzahl Böhmen, stiftete zu Prag die Kirche zu Unserer Lieben Frau und noch mehrere andere in verschiedenen Teilen des Landes. Lange hatten beide Brüder mit großem Segen unter den slavischen Völkerschaften gewirkt,63 als sie von Papst Nikolaus I. (858-867) nach Rom berufen wurden, um sich daselbst wegen der Einführung der slavischen Sprache in den Gottesdienst zu verantworten.

Der hl. Cyrillus hatte nämlich zur Ausbreitung des Glaubens ein slavisches Alphabet erfunden, und nicht nur die Bücher des alten und neuen Testaments sammt den liturgischen Büchern ins Slavische übersetzt, sondern auch zum leichtern Verständnis den Gottesdienst in dieser Sprache eingerichtet. Bei ihrer Ankunft in Rom trafen sie den Papst Nikolaus nicht mehr am Leben, sondern mittlerweile hatte Hadrian II. (867-872) den apostolischen Stuhl bestiegen. Der Papst nahm beide Brüder sehr liebreich auf und war besonders erfreut über die Reliquien des hl. Papstes Clemens, welche Cyrillus im Chersones (Krimm) aufgefunden und auf seiner Reise mit nach Rom genommen hatte. Die Rechtfertigung unserer Heiligen fiel zur vollsten Zufriedenheit des Papstes aus, und Alles war erbaut über ihre Tugend und Frömmigkeit.

Der hl. Cyrillus, der sein Lebensende herannahen fühlte, zog sich hierauf mit Bewilligung des Papstes in ein Kloster zu Rom zurück und starb kurze Zeit darauf, etwa im Jahre 878 oder 879; der hl. Methodius aber scheint, mit Vollmachten versehen und zum Bischof geweiht, nach Mähren zurückgeeilt zu sein, wo er mit neuem Eifer an dem Heile der Seelen wirkte. Er hatte von einigen benachbarten Bischöfen, die sich über Schmälerung ihrer Jurisdiction beklagten, vieles zu leiden; allein Papst Johann VIII. nahm sich seiner an, verlieh oder bestätigte dem Erzbistum Mähren die Unabhängigkeit und gestattete sogar den Slaven, den Gottesdienst in ihrer Sprache zu halten, was noch jetzt in den Kirchen dieser Völker, selbst in Aquileja und einigen Orten Dalmatiens der Fall ist. Unter den Sorgen für das Heil der Seelen erreichte der hl. Methodius ein hohes Alter, reiste, wie es scheint, wieder nach Rom und starb daselbst - in welchem Jahre, kann nicht ganz genau angegeben werden. Die Bollandisten setzen den Tod beider Heiligen überhaupt ins 9. Jahrhundert. Ihre Reliquien sind später unter dem Altare einer alten Kapelle der Kirche zum hl. Clemens in Rom entdeckt worden, wo man sie ehrfurchtsvoll aufbewahrt. Nach dem Bollandisten Henschenius hat man einen Teil derselben nach Mähren gebracht, und werden sie in der Stiftskirche von Brunsberg (Bramsberg) aufbewahrt.

Auf Bildern werden sie dargestellt als Bischöfe mit Bulgaren neben sich, die sie bekehrt hatten.


(Quelle: nach Vollständiges Heiligen-Lexikon von J.E. Stadler, F.J.Heim und J.N. Ginal, Augsburg 1858-1882, digitalisiert und mit freundlicher Genehmigung von Digitale Bibliothek, Verlag Directmedia Publisching GmbH, CD DB 106, http://www.zeno.org, von FJM überarbeitete Fassung)