Johannes - Apostel

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Der Apostel und Evangelist Johannes (* im Jahre 20 (?) nach Christus, † um 101 n.Chr.) ist der Verfasser des Johannes-Evangeliums! Auch die drei Johannes-Briefe und die Offenbarung (Apokalypse) stammen aus seiner Feder. Er ist Lieblingsjünger von Jesus Christus, so die Bibel.

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Sein Leben und Wirken

Der heilige Apostel Johannes, ein Sohn des Fischers Zebedäus, war zu Bethsaida in Galiläa geboren. Er war ein Bruder des heiligen Jakobus des Älteren und wie dieser ein Fischer. Bis zu seinem fünf und zwanzigsten Jahre trieb er mit seinem Vater das Fischerhandwerk. Oft sah ihn der fischreiche See Tiberias an seinem Ufer die Netze auswerfen und seine blauen Wogen trugen seinen leichten Kahn, wenn er nach einem reichen Zuge nach Hause fuhr. - Er war fromm und gottesfürchtig erzogen und sehnte sich mit allen frommen Juden nach der Ankunft des Messias. -

Da hörte er eines Tages erzählen, dass ein Mann am Jordan erschienen sei, der mit gewaltiger Stimme Busse predige und den die Leute für den verheißenen Messias halten. Begierig diesen Mann zu sehen, eilte er den Jordan entlang und traf den heiligen Johannes den Täufer, den Vorläufer des Heilandes. Ergriffen von seinen Worten, ward er sein Jünger. Doch nicht lange weilte er bei ihm. Eines Tages besserte er eben mit seinem Bruder Jakobus in seinem Schifflein die Netze aus, als Jesus sich ihnen nahte und sie einlud, ihm zu folgen. Johannes folgte dem Rufe des Heilandes und wurde sein Jünger und Apostel. Ihn hatte Jesus am meisten lieb, absonderlich wegen seiner englischen Reinigkeit und seiner unbegrenzten Zugneigung mit der er an seinem Herrn und Meister hing. Er nennt sich daher in seinem Evangelium selbst, „den Jünger, den Jesus lieb hatte,“ und oft führt er bloß diesen Namen, nicht aber aus Stolz, sondern aus Dankbarkeit und Liebe gegen seinen göttlichen Meister. „Die seltene Schönheit seiner Keuschheit, schreibt der heilige Augustin, machte ihn der Vorliebe würdig, weil er den jungfräulichen Stand gewählt und auch darin verharrte.“ Alle übrigen Vorzüge, wie der heilige Hieronymus bemerkt, und alle Gnaden, womit ihn Gott überhäufte, waren der Lohn seiner Keuschheit; diese Tugend erwarb ihm den hohen Vorzug, dass Jesus, am Kreuze hängend, ihm seine Mutter anvertraute. Eine jungfräuliche Mutter vertraute er einem jungfräulichen Jünger an. Wer sollte da noch zweifeln, dass die Keuschheit die Lieblingstugend Jesu ist? Von ihr hat er gesagt, dass sie sich mitten unter Lilien nähre. Denn wer die Reinigkeit des Herzens liebt, der wird den König des Himmels zum Freunde haben!

Die Liebe des Heilandes wirkte auf eine ganz besondere Weise im heiligen Johannes; Sie machte ihn zum innigsten Vertrauten der heiligen Geheimnisse Jesu. Mit Petrus und Jakobus durfte er Zeuge seiner Verklärung auf dem Berge Tabor und seiner Todesangst auf dem Ölberge sein. Beim letzten Abendmahle durfte sein Haupt an der Brust Jesus ruhen; ihm entdeckte auch der Herr den Verrat des Judas, und unter dem Kreuze stehend, nahm er mit dem innigsten Mitleide Anteil an dem Leiden und Sterben des Heilandes.

Und da war es, wo Jesus seinen geliebten Jünger zum Erben jener Liebe machte, von der sein Herz gegen seine Mutter glühte, indem er diese seine gebenedeite Mutter ihm zur Pflege übergab. Konnte wohl der Heiland Ihm einen stärkeren Beweis seiner Liebe geben?

Er war dadurch der Erstgeborene unter den Kindern der heiligen Muttergottes geworden. Diese Kinder sind wir. Denn da sich Jesus gewürdigt hat, uns seine Brüder zu nennen, hat er uns als solche sämtlich seiner Mutter empfohlen.

Ungeachtet seines bitteren Schmerzes blieb der heilige Johannes mit Maria und Magdalena am Fuße des Kreuzes. Er sah Jesum seinen Geist aufgeben, sah seine Seite mit der Lanze öffnen und Blut und Wasser daraus fließen. Er nahm seinen heiligen Leichnam mit vom Kreuze ab und legte ihn in den Schoß der schmerzhaftesten Mutter. Er hat auch seinem Begräbnis beigewohnt und sein Herz legte sich mit in das Grab seines Heilandes, an dem seine ganze Liebe hing.-

Daher lief er denn auch auf die Meldung der heiligen Frauen, sie hätten Jesum gesehen, eilends mit Petrus zum Grabe und erreichte zuerst die Grabstätte.

Einige Tage darauf befand er sich mit den übrigen Jüngern am Ufer des See's Tiberias. Jesus erschien am Gestade.Der heilige Johannes erkannte ihn sogleich und sagte es dem heiligen Petrus. Hierauf speisten sie miteinander die Fischlein, welche Petrus bereitet hatte. Nach dem Mahle stellte Jesus mehrere Fragen an Petrus über die Aufrichtigkeit seiner Liebe, übergab ihm das Oberhirtenamt über seine Kirche und sagte ihm voraus, dass er des Martertodes sterben werde. Johannes stand daneben und hörte zu. Petrus, der den heiligen Johannes recht lieb hatte und das Schicksal seines Freundes auch wissen wollte, fragte den Heiland: „Herr! Was soll aber dieser?“ Um seine Neugierde zu strafen, erwiderte Jesus: „Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht das Dich an?“ Er wollte sagen: "Was geht es Dich an, wenn ich Ihm das Leben verlängere, bis ich komme, um Ihn zu mir zu rufen?"

Als nach der Auffahrt des Herrn der heilige Petrus und Johannes in den Tempel gingen, um dort zu beten, heilte sie an der schönen Pforte einen Lahmgeborenen, der sie um ein Almosen bat, im Namen Jesu, und verkündeten dem Volke Christum, den Herrn. Deshalb wurden sie eingekerkert und vor den hohen Rat gerufen, aber bald wieder mit dem Befehle entlassen, in Zukunft den Namen Jesus nicht mehr zu verkünden. Sie aber wiesen die arglistige Zumutung mit den Worten ab, man müsse Gott mehr als den Menschen gehorchen, und predigten nach wie vor das heilige Evangelium. Deshalb aufs Neue in den Kerker geworfen, wurden sie von einem Engel befreit und lehrten bei Tagesanbruch wieder im Tempel. Nun wurden sie gegeißelt; Sie aber freuten sich, gewürdigt worden zu sein, um des Namens Jesus willen Schmach zu leiden, und hörten nicht auf, im Tempel und in den Häusern zu predigen. Einige Zeit darauf wurde Johannes von dem apostolischen Kollegium nach Samaria mit Petrus gesendet. Dort hatte sich bereits eine kleine Gemeinde von Christen gebildet, die zwar getauft, aber noch nicht gefirmt waren. Beide Apostel erteilten Ihnen das heilige Sakrament der Firmung und kehrten wieder nach Jerusalem zurück.

- Johannes hielt sich mehrere Jahre in dieser Stadt auf und wanderte von da aus in mehrere Länder, um den Völkern die Freudenbotschaft von Jesus zu bringen. Die heilige Mutter Gottes wohnte bei ihm. Er ehrte und pflegte Sie mit liebender Sorgfalt und nahm sie auch nach Ephesus mit, wo er seinen bischöflichen Sitz aufschlug, um von da aus die verschiedenen Christengemeinden von Kleinasien zu regieren. Als sie das Ende Ihres Lebens nahe fühlte, zog er auf ihren Wunsch mit ihr nach Jerusalem und stand an ihrem Sterbebette. Groß war sein Schmerz, als er sich von seiner heiligen Mutter, die seine einzige Freude war, trennen musste. Doch die gewisse Hoffnung, sie einst in der Glorie des Himmels bei ihrem göttlichen Sohne wiederzusehen, tröstete ihn. Mit der Versicherung, dass sie auch seiner im Himmel nicht vergessen werde, kehrte er wieder nach Ephesus zurück, um dort mit unermüdetem Eifer die Gläubigen zur Vollkommenheit zur führen und das Reich Gottes überallhin zu verbreiten und zu befestigen. Vor allem sorgte er für tüchtige Priester und Bischöfe, die er den verschiedenen Kirchen vorsetzte, und die er von Zeit zu Zeit besuchte, um sie in Wachsamkeit zu erhalten und zum heiligen Eifer anzuspornen.

Wie Christus vorausgesagt hatte, dass in seiner heiligen Kirche Ärgernisse entstehen werden, so geschah es. Schon zur Zeit der Apostel traten Irrlehrer aus der Mitte der Judenchristen, unter diesen ein gewisser Ebion und Cerynthus, welche leugneten, dass Jesus der Sohn Gottes und Christus sei. Gerade in den Christengemeinden, welchen der heilige Johannes die meiste Sorgfalt widmete, befanden sich mehrere Anhänger dieser Irrlehrer. Johannes warnte seine Schäflein mit väterlicher Liebe vor diesen gefährlichen Irrlehrern und gebot ihnen, jede Gemeinschaft mit ihnen zu fliehen. Er selbst gab ihnen hierin ein leuchtendes Beispiel. Als er eines Tages seiner Gewohnheit nach in das Bad gehen wollte, sagte man ihm, dass Cerynthus allda sich befände. Sogleich kehrte der Heilige um und sprach zu seinen Begleitern: „Last uns weggehen, meine Brüder, damit das Bad, wohin dieser Feind der Wahrheit sich begeben, uns nicht zum Schaden gereiche.“ So voll Liebe der heilige Johannes gegen alle Menschen war, so ging ihm die Wahrheit über Alles, ohne welche es auch keine wahre Liebe gibt.

Johannes, der Evangelist

Um der Wahrheit, die er selbst in Christus gesehen und gehört, Zeugnis zu geben und die Irrlehre zu widerlegen, schrieb er auf Verlangen der Gläubigen sein heiliges Evangelium. Ehe er die Feder ergriff, ließ er allgemeine Fasten und Gebete anstellen und nach diesem begann er den Eingang seines Evangeliums mit den Worten niederzuschreiben. „Im Anfange war das Wort (nämlich Gottes Sohn) und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Er war damals ein Greis von 85 Jahren, als er sein Evangelium schrieb, dessen Inhalt so erhaben ist, dass, wie ein heiliger Kirchenlehrer sagt, kein menschlicher Geist ihn durchdringen mag. Wie ein Adler zu den Lichtstrahlen der Sonne sich erschwingt, so, dass ihm kein menschliches Auge zu folgen vermag, so schwingt sich der heilige Johannes empor zum Lichtthrone Gottes und schaut in die Tiefen der Gottheit. Deshalb wird der heilige Evangelist mit einem Adler an seiner Seite abgebildet.

Nebst dem Evangelium schrieb er drei sehr schöne Briefe, in denen er besonders die Liebe Gottes und des Nächsten einschärft. - Sein Herz war selbst voll, ja es ging über von dieser Liebe. Sein ganzes Leben war ein Leben der Liebe. Alle seine Handlungen hatten ihren letzten Grund in dieser Liebe; Sie war es, die den Eifer in ihm flammte, alles für Jesus und das Heil der Seelen zu tun und zu leiden. Als die zweite Christenverfolgung ausbrach, tat er Alles, um die Gemeinden in standhaften Bekenntnisse ihres Glaubens zu bewahren. Der Stadthalter von Asien ließ ihn deshalb ergreifen und nach Rom abführen. Dort wurde er in einen Kessel voll siedenden Öls geworfen, aber durch Gottes wunderbare Fügung unversehrt erhalten. Das siedende Öl wandelte sich für Ihn in ein erfrischendes Bad um und er ging stärker und kräftiger aus der glühenden Masse hervor, als er hinein gestiegen war. So trank er aus dem Lebenskelche, wie es Ihm der Heiland vorausgesagt hatte. Die Heiden schrieben aber seine wunderbare Erhaltung Zauberkünsten zu und der Kaiser Domitian verbannte ihn auf die Insel Pathmos, wo ihm die geheime Offenbarung zu Teil wurde, die er auch niederschrieb und der Kirche hinterließ. Nach des Kaisers Domitians Tod durfte er wieder nach Ephesus zu seinen Gemeinden zurückkehren, die er mit inniger Liebe umfasste. Für das Heil derselben unternahm er weite Reisen, ertrug er geduldig alle Mühseligkeiten, trotzte er allen Gefahren. Keine Mühe war ihm zu groß, auch nur eine Seele zu retten.

Diese überschwängliche Liebe, von der das Herz des heiligen Apostels überströmte, suchte er auch Andern einzuflößen. Da sein hohes Alter ihm nicht mehr gestattete, lange Reden zu halten, ließ er sich dennoch in die Versammlung der Gläubigen tragen und sagte ihnen jedes mal die Worte:

„Meine treuen Kindlein! Liebet Euch einander.“

Und da seine Zuhörer ihn einmal fragten, warum er ohne Unterlass dasselbe wiederhole, gab er ihnen zur Antwort:

„Es ist Gottes Gebot und wer dies hält, der tut genug.“

- Schon hatte der Heilige bei neunzig Jahre erreicht; seine Kräfte verließen ihn, des Alters Bürde beugte ihn nieder. Die vielen Arbeiten im Weinberge des Herrn und seine strenge Buße hatten ihn ganz geschwächt. Er aß nie Fleisch, trug nur ein Oberkleid von Linnen und einen Mantel, und fastete beständig. Wehe tat es ihm, dass er als schwacher Greis seinen Amtes nicht mehr so warten konnte, und so saß er oft vor seiner Wohnung, um sich in den Strahlen der warmen Frühlingssonne zu wärmen und ein wenig sich zu erholen. Eines Tages ging ein Jäger vorüber und sah den ehrwürdigen Greis, wie er ein Rebhuhn in der Hand hielt und es streichelnd liebkoste. Der Jäger verwunderte sich, dass der Heilige an solcher kurz weil Vergnügen finde. Johannes, der ihn bemerkte, fragte ihn: „Was trägst Du dort in der Hand?“ - „Einen Bogen,“ war die Antwort.- „Warum ist er nicht gespannt?“ fragte der Heilige weiter. „Weil die Sehne schlaff werden würde,“ entgegnete der Jäger. „Wohlan, sprach Johannes, so lass es dich nicht befremden, Jüngling, wenn ich meinen Geist ein wenig ruhen lasse, um zur Arbeit in zu stärken!“

Jesus beruft seinen Lieblingsjünger zu sich

Hundert Jahre waren seit der Geburt des Heilandes verflossen, da kam Jesus, wie er es verheißen , und holte seinen geliebten Jünger ab in sein himmlisches Reich, wo er ihm die Wohnung schon bereitet hatte. Johannes war vier und neunzig Jahre alt geworden, als er sanft im Herrn entschlief. Auf einem Berge außerhalb der Stadt begrub man ihn; über seine Grabesstätte erbaute man eine prachtvolle Kirche. - Die Stadt Ephesus, wo der heilige Apostel einst gelebt und so viele erhabene Werke getan, wo einst eine zahlreiche Christengemeinde geblüht, die der heilige Paulus gegründet und Johannes als Hirt geweidet hat. - Ephesus ist jetzt ein unansehnliches Dörflein, von Türken bewohnt, und die Kirche, wo die Gebeine des heiligen Apostels ihre Ruhestätte fanden, ist jetzt eine türkische Moschee. Es ging an dieser Stadt und ihrer christlichen Gemeinde in Erfüllung, was Gott durch Johannes in seiner geheimen Offenbarung gedroht hat! Darum weil sie die erste Liebe vergaß und nicht Buße tat, wurde der Leuchter des heiligen Glaubens von ihr hinweg genommen. -

Wie wird es uns ergehen, wenn wir die heilige Liebe, die der heilige Johannes so dringend zu üben befohlen hat, in uns erlöschen lassen!....

Weihe des Johannesweins

Am heutigen Tage weiht die Kirche Wein und lässt Ihn durch Ihre Priester den Gläubigen reichen mit den schönen bedeutungsvollen Worten:

„Trinke die Liebe des heiligen Johannes, im Namen des Vaters +, des Sohnes +, und des heiligen Geistes + Amen.“

Dies geschieht zum Andenken an den Seeleneifer des heiligen Apostels, der um einen Götzendiener zu bekehren, einen Becher voll vergifteten Weines getrunken hat, dessen Gift aber, nachdem der Heilige das Kreuzzeichen über den Becher gemacht, in die Gestalt einer Natter zum großen Schrecken der Ungläubigen verwandelt worden ist, so dass Ihm der Wein nicht schadete. - Daher wird auch oft der heilige Apostel abgebildet mit einem Kelche in der Hand, aus dem sich eine Natter empor windet.

Wenn Du am Fest des heiligen Johannes', lieber Leser, geweihten Wein trinkest, so bitte im Sinne der heiligen Kirche den geliebten und liebenden Jünger des Herrn, er möge von dem heiligsten Herzen Jesu jene Liebe dir erflehen, die er selbst, an diesem liebreichsten Herzen einst ruhend, im vollsten Maße empfangen hat.

Eine Anekdote seiner Nächstenliebe aus seinem Leben

Ein schönes Beispiel von diesem Liebeseifer erzählt der heilige Klemens von Alexandrien. - Nach seiner Rückkehr von Pathmos besuchte der heilige Apostel die Kirchen von Kleinasien, um in denselben eingerissene Missbräuche abzustellen und sie mit neuen Oberhirten zu versehen.

Als er in einer benachbarten Stadt bei Ephesus sich aufhielt, bemerkte er eines Tages, als er vor dem Volke redete, unter den Zuhörern einen hoffnungsvollen, noch ungetauften Jüngling. Diesen stellte er dem Bischofe der Stadt vor und sagte zu Ihm: „Diesen Jüngling empfehle ich Deiner sorgsamen Pflege im Angesichte Jesus Christi und dieser Gemeinde.“ Der Bischof versprach es und Johannes zog weiter. Mit väterlicher Liebe nahm sich auch der Bischof des Jünglings an, unterrichtete ihn im Christum, taufte ihn und erteilte ihm die heilige Firmung. Nach einiger Zeit aber vernachlässigte der Bischof seine Wachsamkeit über den jungen Christen und dieser geriet in Gesellschaft leichtfertiger Jungen, verfiel in große Laster und vergaß fast alle Lehren des Christentums. Da das Geld, welches die ausschweifenden Jungen zu ihren Lustbarkeiten nötig hatten, nicht mehr reichte, wurden Sie Diebe und Räuber und der Zögling des Bischofs Ihr Anführer. - Mittlerweile kam der heilige Johannes wieder in die Stadt und nachdem er dort die notwendigen Verfügungen getroffen, sagte er zum Bischof: “Wohlan, gib mir nun wieder, was ich dir im Angesichte Jesu und der Gemeinde anvertraut habe.“ Da der Bischof den Apostel nicht verstand, erklärte ihm dieser, dass er von ihm die Seele des ihm empfohlenen Jünglings fordere. Da seufzte der Bischof, ein schon bejahrter Mann, tief auf, und sprach weinend: „Ach, der ist gestorben!“ „Wie so, fragte Johannes, welchen Todes?“ „Er ist Gott abgestorben, ein Bösewicht geworden, ein Räuber! Eben hält er einen Berg besetzt mit seiner Bande!“ Als der heilige Apostel dies vernahm, weinte er bitterlich und rief aus: „O welch einem Hüter habe ich die Seele meines Bruders anvertraut!“ Sogleich begehrte er ein Pferd und eilte auf demselben dem Berge zu, wo er alsbald von der Räuberwache ergriffen und zum Hauptmanne geführt wurde. Dieser aber floh vor Angst und Schrecken, als er den heiligen Greis sah. Doch Johannes, wenn gleich kraftlos und schwach, eilte ihm mühevoll nach und rief ihm zu:“ Sohn! Warum fliehest Du vor Deinem Vater? Erbarme Dich meiner, o Sohn! Fürchte Dich nicht. Noch hast Du Hoffnung des Lebens. Ich werde für Dich Christus Rechenschaft geben. Gerne will ich, so es nötig ist, für Dich den Tod leiben, sowie der Heiland für uns gestorben ist. Meine Seele möchte ich geben für Deine. Halt ein, glaube mir, Jesus sendet mich Dir nach!“ Bei diesen Worten blieb der Jüngling beschämt stehen, wirft seine Waffen weg, weinet bitterlich, fällt dem heiligen Greis um den Hals, fleht um Vergebung, getraut sich aber nicht, dem Heiligen seine blutbefleckte Hand zu reichen. Aber Johannes nahm ihn bei der Hand, küsste Sie, versprach dem armen Menschen Verzeihung bei Christus zu erwirken und führt ihn wie im Triumphe zur staunenden Gemeinde zurück. Er betet, er fastet mit ihm, tröstet ihn und verlässt ihn nicht eher, als bis er mit Gott versöhnt, wieder ein Kind Gottes geworden war.

(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes, Regensburg 1884)

Evangelium des Johannes

Das vierte Evangelium ist im Vergleich mit den drei ersten, den synoptischen, von auffallender Eigenart. Im Inhalt findet sich wenig Gemeinsames mit ihnen; ihr Bericht wird als bekannt vorausgesetzt. Es werden nicht viele Begebenheiten und Reden aus dem Wirken Jesu berichtet, diese aber in breiter Ausführlichkeit. Dabei liegt das Interesse vor allem an der Selbstoffenbarung Jesu als des vom Vater gesandten, ihm wesensgleichen Gottessohnes, der zur Rettung der Welt im wahren Sinn Mensch geworden ist. Der Ablauf des Wirkens Jesu tritt durch die Verbindung des Berichtes mit dem jüdischen Festkalender klarer in Erscheinung als bei den Synoptikern. Das Evangelium wendet sich zunächst an hellenistische Leser. Verfasser ist nach allgemeiner Überlieferung, die sich auch durch das Selbstzeugnis des Evangelisten [vgl. 21,24][1] ergänzen läßt, der Zebedäussohn Johannes, der als einer der ersten Jünger zu den führenden Aposteln gehörte. Nach der gut begründeten Tradition verfaßte er hochbetagt gegen Ende seines Lebens, wahrscheinlich zwischen 90-100 n.Chr., in Ephesus in Kleinasien die Aufzeichnungen zum Evangelium, das dann wohl von seinen Schülern herausgegeben wurde. Das früheste Zeugnis für Existenz und Ansehen des Evangeliums, zugleich die älteste bekannte Handschrift zum Neuen Testament, ist ein in Ägypten gefundenes Eragment aus einem um 120-130 n.Chr. geschriebenen Papyruskodex, das in Manchester aufbewahrt ist (P52). Die Wunder Jesu sind als »Zeichen« berichtet, d.h. in ihrer sinnbildlichen Bedeutung und inneren Beziehung zur Offenbarung Jesu, wobei jedoch ihre geschichtliche Wirklichkeit nicht aufgehoben wird. Die Reden Jesu unterscheiden sich stark von denen bei den Synoptikern, insofern es sich nicht um Aneinanderreihung von Einzelworten Jesu handelt, sondern um thematisch angelegte und aufgebaute Lehrstücke, die sich in der äußeren Anlage sehr ähneln. Es nimmt diesen Reden nichts an Glaubwürdigkeit, wenn man annimmt, daß Auswahl und Formulierung weitgehend vom Evangelisten besorgt wurden, der aus der lebendigen persönlichen Erinnerung und aus dem Erleben des Gottesreiches sowie aus der Kenntnis der geistigen Verfassung seiner Leser das Evangelium formte.

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Johannesbriefe

Neben dem Evangelium sind in der Bibel auch drei Briefe des Johannes zu finden.

Erster

Dem Apostel Johannes, von dem das vierte Evangelium stammt und dem auch die Geheime Offenbarung zugeteilt wird, werden drei Briefe zugeschrieben. Der erste trägt keinen Briefeingang und richtet sich an einen größeren Kreis von Lesern, wahrscheinlich in Kleinasien. Gegenüber auftretenden Irrlehrem sucht sie der Verfasser mit Gedanken, die an das vierte Evangelium erinnern, zur Glaubensfreude und zu einem entsprechenden Lebenswandel aufzumuntern. Der Brief wird wohl in die Zeit nach dem Johannesevangelium, zwischen 90 und 100 n. Chr., zu setzen sein.

Zweiter

Verbirgt sich der Absender dieses und des folgenden Briefes auch unter der Bezeichnung »Ältester« (wörtlich: »Presbyter«), so ergibt sich, abgesehen von der Überlieferung, aus dem Inhalt wie aus der Sprechweise, daß es sich um den gleichen Verfasser wie den von 1 Joh und dem vierten Evangelium handelt, also den Apostel Johannes. Unter »auserwählter Herrin«, 2 Joh l, ist kaum eine Einzelpersönlichkeit zu verstehen, sondern eine damit personifizierte Gemeinde. Die beiden Briefe sind wohl in Ephesus und um die gleiche Zeit wie 1 Joh entstanden.

Dritter

Gajus, der Empfänger dieses mit 2 Joh eng verwandten Schreibens, gehört wohl der gleichen Gemeinde an, wie sie in 2 Joh angeredet ist. An ihn wendet sich der »Älteste«, weil anscheinend der in 9 f genannte Diotrephes den ersten Brief nicht gebührend beachtet hatte.

Offenbarung / Apokalypse

Mit der Offenbarung des Johannes kommt die Bibel zum Abschluss.