Lambert

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Sr. Katharina Kreitmayr: Miniatur, um 1700, in einem Reliquiar des Doms in Freising - gemeinfrei

Fest

18. September

Lebensbeschreibung

Der hl. Lambertus, Bischof von Maastricht und Märtyrer, auch Landebertus, Landibertus, Landbertus und Lantbertus geschrieben, war einer der größten Männer seiner Zeit. Von dem Bollandisten Suysken wird er am 17. Sept. sehr ausführlich behandelt, indem er nach einer langen Einleitung vier Lebensbeschreibungen gibt, nämlich eine vom Lütticher Diakon Godeschalcus (574–581), dann vom Bischof Stephan von Lüttich (581–589), von Sigebert (589 bis 602) und von dem Lütticher Kanonikus Nicolaus (602–612). Nach diesen wurde der hl. Lambertus um das Jahr 638 geboren zu Maastricht an der Maas (Trajectus ad Mosam), nicht weit von Tongern (Tungri). Sein Vater Aper, wie seine Mutter Herisplindis (Hysplindis) waren von vornehmem Stande und eben so reich an Tugenden wie an zeitlichen Gütern. Nach Einigen wäre er von dem hl. Bischofe Remaclus von Maastricht getauft worden, was aber von Suysken widersprochen wird, so wie auch die Fabel von seiner Amme Lina, mit welcher er als Wiegenkind gesprochen haben soll. Von Kindheit an gab ihm sein Vater die besten Lehrer, unter welchen auch der hl. ErzPriester Landoaldus gewesen sein soll, dem er einmal glühende Kohlen in seinem Kleide ohne dessen Verletzung zugetragen haben soll. Nachdem er auf solche Weise seine ersten Studien vollendet hatte, übergab ihn sein Vater um das Jahr 661 der Leitung des hl. Theodard, der dem hl. Remaclus zuerst als Abt in den von diesem in der Mitte des 7. Jahrh. gestifteten Klöstern Malmedy und Stablo, dann auf dem bischöfl. Stuhle von Maastricht nachgefolgt war.

Theodard unterließ nichts, um seinen auch körperlich schönen Zögling in den Wissenschaften und Tugenden heranzubilden. Auch an den Hof des Königs Childerich II., der zwar gewöhnlich in Metz, öfter aber auch in Maastricht residierte, führte er ihn, damit er, wie sein Lebensbeschreiber Stephanus sagt, gleich einem edlen Steine von allen Seiten poliert werde. Als dann der hl. Theodard um das Jahr 668 oder 669 durch meuchelmörderische Hände in der Gegend von Speier gefallen war, wurde Lambert, der beim Könige Childerich (nicht Clodoväus, wie Einige irrig haben) seiner großen Tugenden wegen in hoher Achtung stand, um das Jahr 670 zu seinem Nachfolger ernannt als der 19. und letzte Bischof von Maastricht. Nach dem Tode Childerichs aber, dem er in den Wirren jener Zeit zugetan blieb, und der im Jahr 673 ebenfalls meuchlerischer Weise fiel, wurde er unter dem Könige Theoderich von dem Majordomus Ebroin von seinem Sitze vertrieben, und ein gewisser Faramund auf seinen bischöflichen Stuhl erhoben. Lambert zog sich mit zwei Dienern in das Kloster Stablo (Stabuletum) zurück, wo er 7 Jahre ein bewunderungswürdiges, heiliges Leben führte und wie ein eifriger Noviz die Regel der Ordensmänner treu befolgte. So geschah es einmal, dass ihm in einer Winternacht im Chore einer seiner Sandalen entfiel und ein Geräusch verursachte. Der Abt diktierte nun dem Schuldigen, den er übrigens nicht kannte, die Strafe, dass er am Fuße des vor der Kirche stehenden Kreuzes bete. Lambert gehorchte ohne Widerrede. Als dann nach 3–4 Stunden die Ordensmänner zusammen kamen, und der Abt fragte, ob sie Alle da seien, antwortete man ihm, dass nur Jener fehle, den er zur Kirche hinaus zum Beten geschickt habe. Da man nun diesen rief, waren Alle ganz erstaunt, als sie den hl. Bischof Lambert ganz mit Schnee bedeckt und vor Kälte beinahe erstarrt hereintreten sahen.

Der Abt und die Brüder baten ihn nun um Verzeihung; er aber beruhigte sie vollkommen, indem er den Abt wegen dieser Handlungsweise auch noch belobte. Inzwischen war Pipin von Heristal, nach der Ermordung des grausamen, hinterlistigen Ebroin durch den Edelmann Hermenfried, zum Hausmaier (Major domus) des fränkischen Reiches ernannt worden. Dieser vertrieb nun die eingedrungenen Bischöfe und setzte die vertriebenen Hirten wieder in ihre Ämter ein, unter denen auch der hl. Lambert war, der im Jahr 681 oder 682 nach Maastricht zurückkehrte. Er wurde mit stürmischer Begeisterung von seiner Herde empfangen. Mit neuem Eifer widmete er sich jetzt seinen heil. Amtsverrichtungen und brachte überall hin den Segen des Himmels. Er war es, welcher der hl. Landrada den Schleier gab und sie veranlasste, das nochmal sehr berühmte Nonnenkloster Münster-Bilsen (Belisia) zwischen Tongern und Maastricht zu gründen, dessen Kirche er zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria einweihte. Er war es, der den hl. Hubertus, seinen Nachfolger, und die hl. Oda zum eifrigen Dienste Gottes entflammte etc. etc. Da in dem benachbarten, jetzt zu Holland gehörigen, damals wegen der vielen Sümpfe fast unzugänglichen Zeeland (Toxandria) in Niederflandern noch viele Heiden waren, verkündigte er daselbst das Evangelium, zerstörte die Tempel und Götzenbilder, erteilte dem Volke die heil. Taufe und wurde so der Apostel der Toxandrer.

Von hier aus besuchte der hl. Lambert auch öfter den hl. Willibrord, Apostel von Friesland, um sich mit ihm über die wirksamsten Mittel zur Beförderung der Ehre Gottes zu beraten. Der Ort, wo sie zusammenkamen, lag im Gau von Teisterbant (Testebrantum), an der Grenze zwischen Zeeland und Friesland, nicht weit von der Maas (Mosa), wird aber in den Akten nicht ausdrücklich genannt. Übrigens verweilte der hl. Willibrord meistens in Utrecht, dessen erster Bischof er wurde, nachdem Papst Sergius ihn unter dem Namen Clemens in Rom dazu geweiht hatte. Man glaubt auch, der Heilige habe zu Mecheln oder vielmehr in der Gegend, wo dann später die Stadt Mecheln erbaut wurde, das Evangelium gepredigt. Jedenfalls wird er dort seit langer [660] Zeit als Apostel verehrt, und es ist bei Hofstaat ein Hügel, welcher den Namen St. Lambrechtsberg trägt, weil er auf diesem Hügel dem Volke gepredigt haben soll. Doch bald sollte sein tatenreiches Leben durch den Märtyrertod gekrönt werden, von welchem man zweierlei Ursachen angibt. Nach Einigen hätte der hl. Lambert den ärgerlichen Lebenswandel Pipins mit seiner Concubine Alpais, wegen welcher er seine rechtmäßige Gemahlin Plectrudis verstieß, und die ihm den Karl Martell gebar, dann aber in einem Kloster starb, getadelt und Beide nachdrücklich zur Besserung ermahnt, weswegen sich einige Freunde der Alpais gegen das Leben des Heiligen verschworen hätten. Nach Andern wäre folgende Tatsache Grund seines Todes: Zwei Brüder, Namens Gallus und Rioldus, hatten die Kirche von Maastricht geplündert und fuhren noch immer fort, sie zu unterdrücken. Da wurden nun dieselben von einigen Verwandten des Heiligen, aber ohne dass dieser irgend etwas davon wusste, erschlagen, was großes Aufsehen machte. Es mögen nun wohl beide Ursachen zusammengewirkt haben; denn das ist ganz sicher, dass ein gewisser Dodo, aus der Familie der Erschlagenen und ein naher Verwandter (nach Einigen der Bruder) der Alpais, jedenfalls ein mächtiger Hausfreund des Pipin, sich entschloss, an dem hl. Lambert Rache zu nehmen.

Er überfiel ihn sofort mit einer bewaffneten Schaar auf seiner Villa Legia oder Leodium an der Maas, wo jetzt die Stadt Lüttich steht. Der Heilige war eben von seinem nächtlichen Gebete, das er wahrscheinlich in seiner den hhl. Cosmas und Damian geweihten Kapelle verrichtet hatte, in sein Schlafzimmer gekommen und noch nicht ganz eingeschlafen, als sein Diener Baldoveus ihm die Ankunft bewaffneter Feinde meldete. Da er nun selbst den Lärm der die Türen erbrechenden Mörder hörte, stand er schnell auf und ergriff, überrascht von diesem ganz unerwarteten Angriffe, ein Schwert, um sich zu verteidigen. Aber sogleich warf er dieses wieder weg und verbot auch seiner Umgebung jede Gegenwehr. Auf dem Boden kniend betete er mit ausgespannten Armen unter vielen Tränen für seine Feinde, als er von einem derselben mit einem Wurfspieße durchbohrt wurde. Dieses geschah am 17. Sept. 708 oder 709. Auch seine Hausgenossen wurden mit ihm getötet, namentlich seine Neffen Petrus und Andoletus, welche wahrscheinlich zuerst in der Kapelle der hhl. Cosmas und Damian bestattet und stets als heil. Märtyrer verehrt wurden. Später brachte man ihre heil. Leiber nach Lüttich, wo sie mit dem hl. Florebertus in einem Sarge eingeschlossen und neben dem hl. Lambertus beigesetzt wurden. Von diesem wurde nämlich die sterbliche Hülle durch diejenigen, die dem Blutbade entronnen waren, auf der Maas nach Maastricht gebracht, damit er dort, wo er 40 Jahre das bischöfliche Amt verwaltet hatte, auch begraben werde.

Als sein heil. Leib dort ankam, wurde er von den Einwohnern unter allgemeinem Wehklagen empfangen und in der Kirche des hl. Petrus im Grabmale seines Vaters der Erde übergeben. Nicht bloß dieses Grabmal, sondern auch das Zimmer, in welchem er sein Blut vergossen, wurde bald durch verschiedene Wunder verherrlicht, während seine Mörder7 auf elende Weise zu Grunde gingen. In diesem Zimmer errichtete man zuerst ein prächtiges Monument und später eine schöne Kirche, in welcher im Jahr 714 Grimoaldus, der Sohn des Pipin von Heristal mit seiner Gemahlin Plectrudis, von einem gewissen Rangarius erstochen wurde. Am 24. Dez. 721 oder 722 wurde der noch ganz unversehrte Leib des hl. Lambertus von dem hl. Hubertus, seinem Nachfolger, nach Lüttich feierlich transferiert und in der bezeichneten Kirche beigesetzt, in Gegenwart mehrerer Bischöfe, vieler Priester und einer großen Volksmenge, welche Translation von Bucelin am 23. Dez. erwähnt wird. Ob der hl. Hubertus den bischöflichen Sitz zu gleicher Zeit oder schon früher von Maastricht nach Lüttich verlegt habe, kann nicht gewiss angegeben werden. Um das Jahr 972 wurde diese Kirche von dem damaligen Bischofe Notger sehr erweitert und großartig hergestellt, aber erst von seinem Nachfolger Baldricus vollendet. Gegenwärtig besteht sie nicht mehr, da sie im Jahr 1794 von den franz. Sansculotten und ihren Lütticher Genossen zerstört wurde. Die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe wurde in den Justizpalast umgewandelt, und der vor demselben befindliche große Platz, auf welchem die Kirche stand, heißt noch der St. Lambertus-Platz. Die Akten enthalten viele Wunder, welche auf die Fürbitte des hl. Lambertus auf verschiedene Weise gewirkt worden sind. Dieser Fürbitte werden auch einige Siege der Lütticher zugeschrieben. So belagerten dieselben im Jahr 1141 mit ihrem Bischofe Albero II. das Schloss von Bouillon (Bullionium), welches der Bischof Obertus von dem bekannten Grafen Gottfried von Bouillon gekauft, später aber Graf Rainaldus von Bar durch List an sich gebracht hatte und damals durch seine beiden Söhne Hugo und Rainaldus besetzt hielt. Da die schwierige Belagerung sich in die Länge zieht, wird nach dem Wunsche des Heeres ein Teil der Reliquien des hl. Lambertus ins Lager gebracht zur Freude der Freunde und zum Schrecken der Feinde, namentlich des Grafen Hugo, welcher in Folge dessen krank wird und nach manchen Trübsalen reumütig stirbt. Auch sein Bruder Rainald bekehrt sich und verspricht, dass er nie mehr etwas von den Besitzungen des hl. Lambertus usurpieren werde.

So wurde denn die als uneinnehmbar angesehene Burg dem rechtmäßigen Besitzer übergeben, und der Schrein mit den Reliquien des hl. Lambertus am 21. Sept. feierlich in der dort befindlichen Kirche niedergelegt, nach kurzer Zeit aber über Dinant, Namur etc. unter vielen Wundern, die auf der Hin- und Herreise geschehen sein sollen, wieder nach Lüttich zurück gebracht, wo dann vom Bischofe der 28. April als der Erinnerungstag an diese siegreiche Translation um so mehr bestimmt ward, da der 24. Dez., an welchem das erste Translations-Fest gefeiert wurde, als der Vorabend der Geburt des Herrn rituelle Schwierigkeiten verursachte. Auch noch zwei andere von den Lüttichern in den Jahren 1153 und 1213 erfochtene Siege werden dem Schutze des hl. Lambertus zugeschrieben, und der Letztere wird seit dem J. 1219 jährlich am 13. Oktober durch ein eigenes Officium ritu dupl. gefeiert. Am 14. April 1489 wurden die Leiber des hl. Lambertus und seiner hhl. Neffen Petrus und Andoletus (Audotecus) von einer bischöfl. Kommission untersucht und, da sie unverletzt gefunden worden, wieder verschlossen, im nämlichen Jahre aber wegen der traurigen Kriegszeiten feierlich in Prozession in Lüttich umher getragen und zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt. Welche Verehrung der hl. Lambertus genoss, beweisen die vielen Kirchen, die ihm geweiht sind und von ihm den Namen tragen, so wie auch die Reliquien von ihm, die an vielen Orten sich finden, namentlich in der St. Peterskirche zu Rom, zu Freiburg in Breisgau, in der ehemaligen Benediktiner-Abtei Liessies (Laetiae) im Hennegau (setzt in Frankreich), in Flandern, Brabant, Bayern etc. Auch zu Pesaro (Pisaurum) in Italien und im spanischen Katalonien sollen sich Reliquien von ihm befinden; sie werden aber wahrscheinlich von einem andern hl. Lambertus sein. Unter den Orten, welche seinen Namen tragen, ist der berühmteste die uralte Benediktiner-Abtei St. Lamprecht oder Lambrecht in Steiermark; auch in Bayern gibt es Orte mit dem Namen St. Lambert, Lampertskirchen etc., die wohl auch in Beziehung zu ihm stehen. Sein Name steht am 17. Sept. im Mart. Rom., so wie in vielen andern Martyrologien, während er dagegen in andern an andern Tagen sich findet. In Lüttich wird sein Fest, wie schon bemerkt, an drei Tagen gefeiert, nämlich am 17. Sept., 28. April und 13. Oktober. In Rom haben die Kanoniker vor St. Peter ein eigenes Offizium am 17. Sept. Auch in andern Diözesen wird an diesem Tage sein Fest gefeiert, wenigstens mit einer Commemoration, wie z.B. in Mecheln, Antwerpen, Namur, Utrecht, St. Omer, Mainz, Osnabrück, Hildesheim, Passau, Augsburg, das von ihm eine 9. Lection im Proprium hat etc.


(Quelle: nach Vollständiges Heiligen-Lexikon von J.E. Stadler, F.J.Heim und J.N. Ginal, Augsburg 1858-1882, digitalisiert und mit freundlicher Genehmigung von Digitale Bibliothek, Verlag Directmedia Publisching GmbH, CD DB 106, http://www.zeno.org, von FJM überarbeitete Fassung)