Martin

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István Dorfmeister (1729 - 1797): der glorifizierte Martin

Der heilige Martin, Bischof von Tours. Jahr 400

Fest

11. November

Das Leben und Wirken des hl. Martins

Der heilige Martin, dessen Andenken in der katholischen Kirche so hochgeehrt, dessen Name dem katholischen Volk überall so lieb und wert, dessen Verdienste um die christliche Religion so groß sind, wurde zu Saboria, einer Stadt Ungarns, heute Stein am Anger genannt, um das Jahr 316 n.Chr. geboren. Sein Vater, ein Kriegsoberster, war ein Heide, seine Mutter ebenfalls. Doch gaben sie ihm eine gute Erziehung und bewahrten ihn vor dem bösen Beispiel der Soldaten, unter denen er aufwuchs. – Mehr aber als die Eltern wachte die göttliche Vorsehung über ihn und leitete seine Wege. Der Geist Gottes flößte seinem kindlichen Herzen tiefe Ehrfurcht vor dem ihm unbekannten Gott der Christen ein und erweckte in ihm die Neigung zu einem eingezogenen Leben. In seinem 10. Jahr führte ihn kindlicher Vorwitz in die Versammlung der Christen zu Pavia, wo sich seine Eltern niedergelassen hatten. Die glühende Andacht der Christen, ihre brüderliche Liebe, der Friede, der aus ihrem Gesicht leuchtete, machte tiefen Eindruck auf sein unverdorbenes Herz. Er ging auch wider den Willen seiner Eltern öfters in ihre Versammlungen und stellte endlich die Bitte, unter die Zahl der Katechumenen eintreten zu dürfen. Sein Wunsch wurde gewährt und von nun an wohnte er fleißig dem Unterricht bei, welcher den Täuflingen erteilt wurde. Entflammt von den heilsamen Lehren, die er hörte, und von dem schönen Beispiel der Christen, fasste er, obgleich erst 12 Jahre alt, den Entschluss, in eine Wüste zu gehen, um dort der Betrachtung sich hinzugeben; allein sein zartes Alter hinderte ihn.

Dafür aber führte er in der Stadt das Leben eines Einsiedlers; sein Kämmerlein und die Versammlungen der Christen waren sein Aufenthalt, das Gebet seine Freude, Gott vom Herzen zu dienen, sein einziger Gedanke.

Mittlerweile erschien ein kaiserlicher Befehl, der die Söhne ausgedienter Krieger unter die Fahnen rief. Der Vater selbst gab Martin an, der sich gerne dem Kriegsdienst entzogen hätte. Erst 15 Jahre alt, wurde er nach Frankreich abgeführt und der Reiterei eingereiht, wo er auch mitten unter den rohen Soldaten ein gar frommes Leben führte. Das sündhafte Treiben derselben ekelte ihn an; er hielt sich ferne von ihren Ausschweifungen, gewann aber durch sein zuvorkommendes Wesen, durch seine Liebe und Sanftmut die Zuneigung und Achtung seiner Kriegskameraden. Er begnügte sich mit einem einzigen Diener, den er wie einen Bruder behandelte und oft selbst bediente. Er zog ihm die Kleider aus, reinigte seine Wäsche und setzte ihm die Speisen vor. Diese Demut und Geduld Martins ist um so bewunderungswürdiger, da er die Taufe noch nicht empfangen hate. Absonderlich liebte er die Armen; er tröstete sie, besuchte sie, wenn sie krank waren und teilte mit ihnen seine Besoldung.

An einem sehr kalten Wintertag begegnete er mit mehreren Kameraden zu Pferd beim Tor der Stadt Amiens einem halbnackten Bettler, der vor Kälte fast ganz erstarrt war und ihn um ein Almosen bat. Keiner seiner Gefährten achtete des Armen; Martin aber dachte, dass Gott ihm eine Gelegenheit gegeben habe, ein gutes Werk zu üben,

und da er kein Geld bei sich hatte, zieht er sein Schwert, schneidet damit seinen Soldatenmantel in zwei Stücke, reicht die eine Hälfte voll herzlichen Erbarmens dem Bettler und wirft die andere Hälfte wieder um seine Schultern.

Darauf reitet er seinen Kameraden nach, die über seinen Aufzug lachten und seiner Mildtätigkeit spotteten. Doch einige schämten sich ihrer Hartherzigkeit und bewunderten die schöne Handlung. Martin aber reitet ruhig weiter. In der darauffolgenden Nacht erscheint ihm Jesus Christus im Schlaf, angetan mit der Hälfte des Mantels, den er dem Armen gegeben und hört ihn zu einer Schar von Engeln, die ihn umgeben, sagen:

„Martin, noch ein Christenschüler, hat mich mit diesem Gewand bekleidet.“

Diese Erscheinung freute ihn sehr und trieb ihn an, dass er sich in seinem 18. Jahr taufen ließ und zugleich den Entschluss fasste, dem Kriegsdienst zu entsagen.

Zur selben Zeit machten die Deutschen wieder einen Einfall in Frankreich und das Kriegsheer dieses Landes musste gegen sie ins Feld rücken. Kaiser Julian, der Abtrünnige, war damals Feldherr und verteilte unter die Soldaten Geld, um sie zum Kampf zu entflammen. Martin aber schlug das Geld aus und verlangte seinen Abschied, da seine Dienstzeit zu Ende war. Julian, in der Meinung, Martin wolle aus Furcht vor dem Kampf dem Kriegsdienst entsagen, warf ihm öffentlich Feigheit vor. Aber der edle Jüngling entgegnete mit unerschrockenem Mut:

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„Nicht aus Furcht vor den Feinden entsage ich dem Kriegsdienst, sondern aus Liebe zu Gott, dem ich fortan dienen will. Schreibt ihr mein Begehren der Feigheit zu, so bewacht mich bis zur Stunde der Schlacht, dann stellt mich ohne Waffen und Schild an die Spitze des Heeres. Mit dem Namen Jesus und dem Kreuzzeichen will ich dann zeigen, ob ich den Kampf und den Tod fürchte.“

Der Kaiser, über diese Sprache erbittert, befahl, dass Martins Wille geschehe. Aber in derselben Nacht begehrten die Deutschen Frieden und Martin erhielt nun den Abschied.

Er hatte bereits viel von dem heiligen Lebenswandel und den großen Kenntnissen des heiligen Bischofs Hilarius zu Poitiers gehört und suchte ihn nun auf, um unter seiner Leitung das Heil seiner Seele zu fördern. Hilarius erkannte bald die schönen Tugenden Martins und wollte ihn zum Diakon weihen; allein der demütige Diener Gottes weigerte sich und nahm nur die niedrigsten unter den ersten geistlichen Weihen an. Einige Zeit danach wurde in ihm der Wunsch wach, nach Ungarn zu ziehen und seine Eltern, die noch dem Götzendienst anhingen, dem christlichen Glauben zu gewinnen. Von dem Segen des heiligen Hilarius begleitet, der ihm viele Leiden voraussagte, machte er sich auf den Weg. Als er über die Alpen stieg, wurde er von Räubern angefallen; schon schwang einer das Beil, um ihm das Haupt zu spalten, da fiel ihm ein anderer in den Arm und hielt ihn zurück. Martin stand ruhig da, wurde ausgeraubt, gebunden und dann gefragt, wer und woher er sei und ob er den Tod fürchte? Er gab zur Antwort:

„Ich bin ein Christ und habe mich nie weniger gefürchtet als gerade jetzt, denn Gott beschützt seine Diener mitten in Gefahren. Ihr aber dürft alles fürchten, da ihr Feinde Gottes seid!“

Verwundert über diese mutige Antwort ging jener Räuber, der Martin töten wollte, in sich, folgte dem Heiligen nach, wurde ein Christ und nahm das Mönchskleid. Ungehindert setzte nun Martin seine Reise fort. Im elterlichen Haus angekommen, versuchte er alle Mittel, um Vater und Mutter Christo, dem Herrn, zu gewinnen. Bei der Mutter glückte es ihm, der Vater jedoch blieb verstockt; dafür aber gewährte Gott dem Heiligen die Bekehrung vieler seiner Landsleute, die dem Götzendienst entsagten. Unfern von Mailand wählte er sich einen abgeschiedenen Ort aus, und führte dort ein gottinniges Leben in Gebet und Buße. Von einem Ketzer vertrieben, ließ er sich auf der kleinen Insel Gallinaria nieder und lebte dort in größter Abtötung nur von Kräutern und Wurzeln. Unterdessen erfuhr er, dass Hilarius aus seiner Verbannung zurückgerufen worden sei; er reiste ihm nach Rom entgegen, traf ihn aber dort nicht mehr und eilte ihm voll Sehnsucht nach. In Poitiers kamen sie zusammen. Groß war die Freude der beiden Heiligen, als sie sich wieder sahen. Beide durchdrang dieselbe Gesinnung, beide glühten für den heiligen Glauben. Der heilige Bischof liebte seinen Schüler wie einen Vater, und da er wusste, wie lieb ihm die Einsamkeit sei, schenkte er ihm ein kleines Stück Land nur zwei Meilen von der Stadt entfernt, wo Martin sich ein Kloster baute, das erste in Frankreich. Unter den Jüngern, die er aufnahm, befand sich auch ein Christenlehrschüler, der plötzlich erkrankte und starb, ohne die heilige Taufe empfangen zu haben. Mit vertrauensvoller Andacht beugte sich Martin über die Leiche und betete einige Zeit. Sein Gebet fand Erhörung, der Tote öffnet die Augen und erhebt sich. Sprachlos vor Verwunderung waren die Brüder, die dabeistanden. Martin ließ Wasser bringen und taufte den Erstandenen, der noch viele Jahre lebte und oft erzählte, wie nach seinem Tod seine Seele vor Gottes Richterstuhl gerufen und zu einem schrecklichen Gefängnis verurteilt worden sei. Aber zwei Engel hätten gerufen: „Herr! Dieser ist es, für den Martinus betet“, worauf die Seele auf Gottes Befehl wieder mit seinem Leib sich ereinigt hätte. Auf ähnliche Weise erweckte der Heilige auch den Knecht eines adeligen Mannes vom Tod, der sich erhängt hatte und stellte ihn lebend dem Volk vor, das laut in Lobpreisungen Gottes ausbrach. –

Diese beiden Wunder und die Heiligkeit seines Lebens gewannen ihm allseitig die höchste Verehrung und da gerade der Bischofsstuhl von Tours erledigt war, verlangte ihn das Volk zum Oberhirten. Aber man kannte die Demut des Heiligen und fürchtete, er werde die Wahl nicht annehmen. Deshalb nahm man zu einer List die Zuflucht. Ein Bürger der Stadt gab vor, seine Frau sei krank und bat den Heiligen, sie zu besuchen. Währenddessen wartete das Volk unter dem Tor der Stadt und als Martin erschien, begrüßte ihn alle als Bischof. Man führte ihn in die Stadt und ließ ihn nicht mehr fort, bis er geweiht war. Während der Weihe schwamm er in Tränen. Als Bischof führte er die gleiche Lebensweise wie der heilige Augustin. Mit mehreren seiner Geistlichen bezog er ein Kloster, das er in der Nähe der Stadt erbauen ließ. Dies war die berühmte Abtei Marmoutier, die älteste in Frankreich. Bald stieg die Zahl der Brüder auf 80. Keiner besaß ein Eigentum; keiner verließ seine kleine Zelle, außer zum Gebet. Sie hielten nur am Abend die einzige Mahlzeit des Tages. Ihre Kleider waren aus groben Kamelhaaren gewebt, ihre Schlafstätte war der Boden, ein Stein unter dem Haupt. Allein ein Muster war Martin selbst, sein Beispiel, seine Worte entflammten alle zum größten Eifer. Er unterrichtete sie sorgfältig und nahm dann immer einige mit sich, wenn er sein Bistum bereiste.

An allen Orten, wohin er kam, predigte er, besuchte die Kranken, tröstete die Armen. In den Kirchen war er immer von solcher Ehrfurcht durchdrungen, dass man ihn nie sitzen, sondern knien oder stehen sah mit niedergesenkten Augen, oft am ganzen Leib zitternd.

Die Abgötterei herrschte damals noch in einigen Teilen Frankreichs, auch im Bistum Martins. Ihm war es vorbehalten, diese auszurotten. Einst gab er einem seiner Geistlichen den Auftrag, einen Turm zu zerstören, der einem Götzen geweiht war. Der Turm war aber so fest, dass man seine Mauern mit keinem Werkzeug brechen konnte. Als der Heilige dies hörte, warf er sich zum Gebet nieder, verharrte darin die ganze Nacht, und siehe, bei Aufgang der Sonne erhob sich ein gewaltiger Sturm unter Donner und Blitz, die Erde bebte, die Grundsteine des Turmes hoben sich aus ihren Fugen und seine Mauern stürzten in Schutt zusammen.

Bereits 77 Jahre alt, unterließ der Heilige doch nicht, nach seiner Rückkehr in sein Bistum die früheren Arbeiten und Bußübungen fortzusetzen. Unaufhörlich betend und predigend, führte er seine Schäflein auf die beste Weide. Seine Worte begleiteten fortwährend die größten Wunder. Von allen Seiten her kamen heilsbegierige Seelen, um ihn zu sehen und zu hören, um Trost, Rat und Hilfe bei ihm zu finden. Sulpicius Severus, der spätere Lebensbeschreiber des Heiligen, besuchte ihn oft und schreibt, dass man ihn nie zornig gesehen, nie an ihm eine ungeordnete Leidenschaft bemerkt habe; immer sah man ihn voll Frieden, Jesus war stets auf seinen Lippen. Man konnte nicht müde werden, seine Demut, seine Sanftmut, seine Barmherzigkeit gegen alle Unglücklichen zu bewundern.

Keinen Augenblick des Tages ließ er verlorengehen; oft brachte er sogar die Nächte im Gebet und Arbeit zu. Nie ließ der Heilige Gott aus den Augen; alles, was ihm begegnete, diente ihm, sich selbst und andere zu Gott zu erheben. Als er einst ein geschorenes Schaf erblickte, bemerkte er freundlich seinen Gefährten: „Dieses Schaf hat die Vorschrift des Evangeliums erfüllt; es besaß zwei Röcke, wovon es einen dem gegeben hat, der keinen hatte; last uns dasselbe tun.“ Was sein Herz fühlte, von dem es durchglüht war, das suchte er auch in die Herzen seiner Jünger hinüber zu leiten, um auch sie würdig zu machen, dass Jesus in ihnen wohne. Er war kein Gelehrter, aber der Geist des Herrn, der aus ihm sprach, ersetzte die erlernte Wissenschaft. Sein Auge und sein Herz waren zum Himmel gerichtet, wenn er redete, und von oben herab, vom Vater des Lichts, ließ sich die himmlische Weisheit auf ihm nieder, mit der er die Geheimnisse der Religion durchschaute und dem Volk verkündete. Seine Herzensreinheit glich der eines Engels. Martins Jünger hingen mit der zärtlichsten Liebe an ihm, denn er war ihnen mehr als Vater und Mutter.

Er bediente sie beim Tisch mit der tiefsten Demut, um ihnen ein Beispiel zu geben, er sorgte für ihre kleinsten Bedürfnisse, ertrug mit der schonendsten Nachsicht ihre kleinen Fehler und wenn ihn einer betrübte, so durfte er nie fürchten, dass er seine Liebe verliere, denn seine Sanftmut, sein Erbarmen war unbeschreiblich. Streit, Zwietracht, Lieblosigkeit waren ihm in der Seele verhasst; er war ein Mann des Friedens und wollte auch als ein Bote des Friedens denselben allen Herzen mitteilen.

Das Ende seines irdischen Lebens

Er war bereits über 80 Jahre alt; er wusste, dass sein Tod, nach dem er sehnlich verlangte, nicht mehr ferne sei und sagte dies auch seinen Jüngern voraus. Da vernahm er, dass unter den Geistlichen zu Konde, einer an der äußersten Grenze seines Bistums gelegenen Pfarrei, ein Zwist sich erhoben habe. Von seinen Jüngern begleitet, begab er sich dorthin, um den Frieden herzustellen. Nachdem er dieses gute Werk vollbracht hatte, wollte er wieder in sein Kloster zurückkehren. Auf dem Weg aber befiel ihn eine Krankheit und seine Kräfte nahmen plötzlich ab. Er ließ seine Jünger um sich versammeln und sagte ihnen, dass er sterben werde. Alle zerflossen in Tränen und riefen einhellig aus: „Vater, warum verlässt du uns? Wem lässt du uns Trostlose zurück? Reißende Wölfe werden deine Herde überfallen und wer wird, wenn der Hirt tot ist, uns vor ihren Bissen verteidigen? Wir kennen zwar dein Verlangen nach Christus, doch deine Belohnung ist ja gesichert, sie wird, wenn auch verschoben, sich nicht mindern. Lasse dich bewegen durch unsere Not und bedenke die Gefahren, in denen du uns zurücklässt!“ Martin weinte mit ihnen, erhob seine Augen zum Himmel und betete: „Herr, wenn ich noch deinem Volk notwendig bin, ich weigere mich nicht der Arbeit; dein Wille geschehe.“ So war auch noch im letzten Augenblick der Wille Gottes die einzige Richtschnur des Heiligen.

Wenn gleich die Hitze des Fiebers immer mehr zunahm, ließ Martin doch nicht ab vom Gebet. Daliegend auf dem mit Asche bestreuten Boden, angetan mit dem rauhen Bußkleid, die Hände gefaltet, sah er aus wie ein Soldat, der mit den Waffen in der Hand stirbt. Seine Jünger wollten ihm ein wenig Stroh unterlegen, damit er nicht so hart liege: er aber ließ es nicht zu und sprach: „Ein Christ muss auf der Asche sterben. Weh mir, wenn ich euch ein anderes Beispiel gebe!“ Als man ihn ein wenig auf die Seite legen wollte, seufzte er: „Lasst mich, meine Brüder, lieber gen Himmel als zur Erde schauen, damit meine Seele den geraden Weg zu ihrem Herrn wandle, wenn sie auszieht.“ Darauf erblickte er den Satan an seiner Seite. Mutig rief er ihm zu: „Was stehst du da, grausamste Bestie? Der Schoß Abrahams wird mich aufnehmen.“ Mit diesen Worten hauchte er seine reine Seele aus, am 11. November im Jahr 400. Die bei seinem Tod zugegen waren, sahen sein Antlitz und seinen Leib strahlend im himmlischen Glanz. Seine Glieder blieben frisch und weich, wie die eines Lebenden. Im Augenblick seines Todes ertönte in der Zelle, wo der Heilige verschied, himmlische Musik, die auch in Köln vom heiligen Bischof Severin gehört wurde. – Der heilige Bischof erkannte, dass diese Musik so lange angedauert habe, als Martin vor Gottes Gericht stand.

Seine letzte Ruhestätte

Unglaublich war der Jammer des ganzen Volkes, als es den Tod des Heiligen vernahm; aber auch unbeschreiblich war die Freude der Bewohner von Tours, als der Leib des Heiligen in ihre Stadt übertragen und dort begraben wurde. Der heilige Britius, dem Martin vorausgesagt hatte, dass er sein Nachfolger werde, ließ ihn erheben und ihm ein schönes Grabmal in der Kirche des heiligen Stephan setzen. Der heilige Perpetuus ließ später, da der Zudrang des Volkes zum Grab des Heiligen so groß wurde, über dasselbe eine Kirche bauen und stiftete ein ewiges Licht vor demselben.

Darstellung des Hl. Martin

Der Heilige wird abgebildet als Ritter zu Pferd, seinen Mantel mit dem Schwert teilend und einen Armen damit beschenkend.

Schlusswort

„Lasset mich, meine Brüder, lieber gen Himmel als zur Erde schauen“, sprach der sterbende Martin. Mit diesen Worten deutete er klar auf die innere Richtung oder vielmehr den Zug seiner Seele nach oben, zum Himmel, der Wohnung des allerhöchsten Gottes. Der Heilige hatte sich sein ganzes Leben lang bemüht, sein Herz von der Erde loszureißen. Kaum war er getauft, so befolgte er das Wort des Apostels: "Liebt nicht die Welt und nicht, was in der Welt ist! Liebt eines die Welt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und die Hoffart des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Doch die Welt vergeht mitsamt ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit." [1 Joh 2,15-17].

Der Wille Gottes war die Richtschnur seines Lebens, die Seligkeit in Gott der einzige Wunsch seines Herzens. Daher kam es, dass er so gerne im Gebet seine Augen zum Himmel richtete; denn dahinauf fühlte sich seine Seele gezogen. Alle Bande, die ihn an die Erde fesselten, hatte er zersprengt; die Güter der Erde hielt er für Kot, ihre vergänglichen Freuden für nichts. Durch strenge Buße bändigte er die Begierden seines Leibes, durch Gebet und Betrachtung schwang er sich zu Gott, und wenn er auf Wegen und Stegen dahinwandelte, dann benützte er die irdischen Dinge zu eben so vielen Stufen, um zu Gott emporzusteigen. So kam es, dass seine ganze Lebensrichtung eine himmlische wurde und dass er im letzten Augenblick noch den Himmel schauen wollte, wo seine Seele schon lange weilte.

Christliche Seele, frage dich: Ist mein Herz auch himmlisch gesinnt? Fühlst du dich in heiliger Sehnsucht aufgezogen zur Wohnung des Lichts, wo der Vater thront, wo Jesus herrscht, wo der heilige Geist beseligt, wo Maria, die gebenedeite Gottesmutter, auf dich wartet?

O, sprenge wie der heilige Martin die Banden, welche deine Seele fesseln und niederhalten; bete, betrachte, töte dich ab, überwinde, besiege dich, gib hin alles, was von der Erde ist, der Himmel ist alles wert! O wie süß wäre es für dich, in der Todesstunde mit Martin sagen zu können: „Der Schoß Abrahams nimmt dich auf“, d.h. der Vater im Himmel, der mich liebt, nimmt mich auf in seine Seligkeit.

Gebet

Lieber heiliger Martin, erbitte mir bei Gott jene himmlische Gesinnung, von welcher dein Herz erfüllt war, damit ich hinauf gelange in deine Gesellschaft und Gott, das höchste Gut, mit dir genießen und loben darf ewiglich. Amen.


(Quelle: Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884, von FJM überarbeitete Fassung)