Elisabeth von Thueringen

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Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen

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Fest

nach ordentlichen Ritus: 19. November

nach außerordentlichen Ritus: 19. November

Das Leben und Wirken der hl. Elisabeth

Die heilige Elisabeth war die Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn und dessen Gemahlin Gertrudis, einer gebornen Herzogin von Kärnten. Schon als Kind fürchtete sie Gott und nahm mit dem Alter in der Frömmigkeit zu. Ihr liebster Gang war in die Kirche, wo sie mit englischer Eingezogenheit dem Gebete ablag. Die goldene, mit Edelsteinen besetzte Krone, welche sie auf Ihrem Haupte trug, legte sie bei dem ersten Eintritte in die Kirche ab, und da man sie deswegen tadelte, sprach sie:

„Behüte mich Gott, dass ich mit einer solchen Krone erscheine vor dem Angesichte Gottes, der mit Dörnern gekrönt und mir zuliebe an das Kreuz geheftet worden ist.“

Maria, die göttliche Mutter, nannte sie ihre Mutter; und da ihr einmal bei der Wahl der Monatspatrone der heilige Apostel und Evangelist Johannes zuteil wurde, so hatte sie von dieser Zeit an ein besonderes Vertrauen zu ihm, und nahm ihn als einen Beschützer ihrer Keuschheit an. Sie schlug nie etwas ab, was man Maria oder dem heiligen Johannes zuliebe von ihr verlangte. Das Geld, welches ihr, um sich zu vergnügen, gegeben wurde, reichte sie den Armen und verlangte dafür, dass sie den englischen Gruß beten sollten. Sie war eine Feindin aller Pracht, des eitlen Aufputzes und Müßiggangs. Von Natur aus besass sie große körperliche Schönheit und ausgezeichnete Eigenschaften des Gemütes. Den mindesten Schatten der Unreinigkeit verabscheute sie.

Um den Eltern zu gehorchen, verehelichte sie sich mit Ludwig, Landgrafen von Thüringen, und lebte mit ihm in beständiger Liebe und Einigkeit. Rein und heilig, wie sie im ledigen Stande gelebt hatte, lebte sie auch als Ehefrau. Nächtlicher Weile brachte sie mehr als eine Stunde lang im Gebete zu. Den Tag wendete sie an zum Gebete, Kirchenbesuch, zur geistlichen Lesung und Arbeit. Was sie aber mit ihren Hofdamen arbeitete, war fast alles zum Nutzen der Armen. Ihrem Eheherrn begegnete sie jederzeit mit aller Liebe und Ehrerbietung. Den Untertanen leuchtete sie mit den schönsten Tugendbeispielen vor, wohnte den öffentlichen Andachten auferbaulichst bei und erschien auch bei den angeordneten Bittgängen und Prozessionen. Auf ihre Untergebenen hatte sie ein wachsames Auge, damit selbe ein christliches Leben führen möchten. Ihre Kinder trug sie selbst nach beendigtem Wochenbette in die Kirche, opferte selber nach geschehener priesterlicher Aussegnung Gott dem Herrn auf, legte ein reichliches Opfer auf den Alter und schenkte dann jenes Kleid, welches sie damals an dem Leibe hatte, einer armen Person.

Unter ihren fürstlichen Gewändern trug sie beständig ein rauhes härenes Bußkleid. Gegen die Armen, Kranken und Verlassenen zeigte sie eine mütterliche Liebe und Sorgfalt. Aus ihren eigenen Mitteln ließ sie unweit vom Hofe ein Spital errichten, in welches sie die Kranken, die Waisenkinder und gebrechliche Personen aufnahm und verpflegte. Außerdem speiste sie täglich viele Arme und schickte vieles Almosen in die Wohnung derjenigen, die sich des Bettelns schämten. Die Kranken besuchte sie in eigener Person, bediente dieselben auf das liebreichste, auch sogar Aussätzige. Sie küßte ihnen die Hände und ermunterte sie zur Geduld. Zur Zeit einer großen Teuerung teile sie eine Menge Getreide unter die Notleidenden aus.

Es fanden sich zwar bei Hofe manche, von denen sie eben deswegen verspottet und verlacht wurde; ja einige klagten sie als eine Verschwenderin bei dem Landgrafen an. Elisabeth aber ließ sich in ihren Liebeswerken nicht stören, und der Landgraf wies die Ankläger mit Unwillen ab; er sah ja augenscheinlich, dass er desto größeren Überfluß an dem Zeitlichen erhielt, je freigebiger sich seine werteste Gemahlin erzeigte. Jedoch tat er dieses erst recht, nachdem er in der Schürze seiner Gemahlin im Winter lauter schöne Rosen sah, statt der vermeintlichen Gaben für die Armen (Rosenwunder). Daher verhinderte er selbe nicht nur in ihren gottseligen Unternehmungen, sondern beförderte sie vielmehr, so lange er lebte. Er beschloß sein Leben beim Kreuzzuge gottselig, den er mit anderen christlichen Fürsten zur Eroberung des heiligen Landes 1227 unternommen hatte. Die Botschaft von diesem so traurigen Ereignisse kam der heiligen Fürstin äußerst schmerzhaft; doch unterwarf sie sich vollkommen den unergründlichen Urteilen Gottes und sprach unter anderem also:

„Du weißt, o Gott! dass ich auf dieser Welt niemand mehr geliebt habe, als meinen Ehegemahl; nicht allein, weil er mein Ehegemahl war, sondern weil er auch dich vom Herzen geliebt hat. Dein Wille geschehe. Um dieses allein bitte ich, gib ihm die ewige Ruhe, mir aber die Gnade, dir vollkommen, bis an das Ende meines Lebens zu dienen.“

Außer den Seelengottesdiensten, die sie für ihn halten ließ, teilte sie reichliches Almosen unter die Armen aus, legte ihre fürstliche Kleidung ab, und obschon sie erst 20 Jahre alt war und nur sechs Jahre im Ehestande gelebt hatte, gelobte sie doch, als keusche Witwe bis an ihr Ende zu leben und nicht mehr zu heiraten; und dieses Gelübde hielt sie getreu.

Es gefiel aber Gott dem Herrn, seine getreue Dienerin auf eine recht empfindliche Weise zu prüfen. Die Landstände trugen, besonders auf Betreiben der bösen Schwiegermutter Sophie, die Regierung dem Bruder des verstorbenen Landgrafen auf und beschuldigten die heilige Fürstin, als hätte sie die Landeseinkünfte durch ihr vieles Almosen verschwendet. Unter diesem Vorwande beraubten sie selbe aller ihrer Güter und verstießen sie sogar auf eine unerhörte grausame Art mit ihrem Prinzen und zwei Prinzessinnen vom Hof. Elisabeth musste ihr Schloß (die Wartburg bei Eisenach) verlassen, und die Furcht, bei der neuen Regierung in Ungnade zu fallen, verursachte, dass niemand sich getraute, ihr auch nur eine Herberge zu geben. Sogar von den Spitälern, die sie selbst gestiftet, wurde sie ausgeschlossen. Daher mußte sie sich in eine sehr ärmliche Hütte unweit Eisenach flüchten. In diesen so unerwarteten höchst schmerzlichen Umständen bezeigte die heilige Elisabeth eine wahrhaft christliche Geduld. Sie beklagte sich bei niemand über das ungerechte Verfahren der Landstände, sogar nicht einmal bei ihrem noch lebenden Herrn Vater, sondern freute sich, dass sie etwas Gott zuliebe leiden könnte. Gleich nach der ersten Nacht ihrer Verstoßung kam sie in die Kirche der Franziskaner und begehrte, man solle das Te Deum laudamus singen, um Gott für die über sie verhängte Trübsal zu lobpreisen. Da Beispiele von Oben so mächtig wirken, wurde sie selbst von einigen Armen, die sie unterstützt hatte, auf der Gasse verspottet und mißhandelt. Sie schwieg zu allem. Die Menschen verließen sie, aber Gott nicht; er spendete ihr den in so harten Umständen nötigen Trost. Es erschien ihr Christus der Herr zu Zeit des Gebetes, tröstete sie und versprache ihr, sie nicht verlassen zu wollen.

Nach einiger Zeit ward ihr auf Betreiben ihres Vaters eine standesgemäße Wohnung eingeräumt, und das ihr bestimmte Heiratsgut ausgefolgt. Die heilige Fürstin wendete einen Teil desselben alsogleich zur Erbauung eines Spitals an, nahm in demselben ihre Wohnung, verpflegte die Kranken mit unermüdlicher Sorgfalt, leistete ihnen alle möglichen Dienste, und brachte so die noch übrige Lebenszeit auf das Heiligste zu. Sie trat in den dritten Orden des heiligen Franziskus und führte ein strenges, bußfertiges Leben.

Das Ende Ihres irdischen Lebens

Sie starb mit dem Troste der heiligen Sakramente am 19. November im Jahre 1231 in einem Alter von 24 Jahren. Nach vier Jahren wurde sie schon vom Papste Gregor IX. in die Zahl der Heiligen versetzt. Ihr heiliger Leib wurde zu Marburg (in Hessen) beigesetzt.

Ihr Verehrungstag ist der 19. November. Elisabeth ist die besondere Patronin der Frauenpersonen des III. Ordens.

Beherzigung

1. An dem Leben der heiligen Elisabeth können sich alle Stände spiegeln und daraus lernen, was sie zu tun haben. Die Kinder sollen lernen, wie sie von den ersten Jahren an sich zu Gott bekehren, Gott fürchten und in der Andacht mit dem Alter zunehmen sollen. Die Ledigen, wie sie in ihrem Stande keusch leben sollen. Die Verehelichten, wie sich ein Ehegatte gegen den anderen verhalten soll. Die Verwitweten, wie sie ihren Lebenswandel einrichten sollen. Die von höherem Stande sind, sollen lernen, dass sie anderen mit gutem Beispiele vorangehen und sich nicht schämen dürfen, bei öffentlichen Andachten zu erscheinen. Alle Christen können lernen, wie sie ihre Zeit wohl anwenden, Armen und Kranken nach Kräften beistehen und in Trübsalen sich benehmen sollen.

2. Man befolge auch nachstehende Worte der heiligen Elisabeth:

„Ich will nicht durch meine Kleider den Augen der Menschen gefallen, damit ich Gott nicht mißfalle. Ich will der Welt und ihren Eitelkeiten abgestorben sein, und die Welt soll mir tot sein. Entfernt von den Zerstreuungen der Welt, will ich an meinen künftigen Richter denken und an die Rechenschaft, die ich vor ihm werde ablegen müssen. O, wie haben wir es so gut, wie glücklich sind wir, dass wir in den armen Kranken den Herrn Jesus pflegen, waschen, abtrocknen, bedecken und zur Ruhe legen können. Denken wir oft an die Tage der Kindheit Jesu, wie er im Winter bei der Nacht in einem Stalle geboren, in Windeln eingewickelt, in die Krippe gelegt, von den Hirten besucht, durch einen Stern den Weisen bekannt gemacht und von ihnen angebetet wurde. In diesem Geheimnisse unsers Heils finden wir Wachstum für unseren Glauben und Belebung für unsere Liebe und Hoffnung.“

(Quelle: Goldene Legende: Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, Wilhelm Auer, Matthäus Vogel,1904 nach von FJM überarbeiteter Fassung)