Hieronymus

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Der heilige Hieronymus, Kirchenlehrer, Jahr 420

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Gedenktag

30. September

Vorwort

Um das Jahr 382 nach Christi Geburt saß zu Rom in der kleinen Zelle eines Klosters, umgeben von einer Menge Bücher in allen alten Sprachen der Welt, ein Mann bleichen, abgezehrten Gesichtes, einfach gekleidet, eifrig mit Gebet und Studien beschäftigt. Der heilige Damasus. hatte ihm aufgetragen, eine neue, richtige lateinische Ausgabe der heiligen Evangelien zu besorgen. Die Heiligkeit seines Lebens, seine Beredsamkeit und erstaunliche Wissenschaft war allgemein bewundert. Der Adel und die Geistlichkeit Roms drängten sich zu ihm, um Bekehrung aus seiner tiefen Einsicht zu empfangen, an seinen Tugenden sich zu spiegeln und unter seiner Leitung in der Kenntnis der heiligen Schrift zuzunehmen. Denn Niemand war damals mit dem Inhalt der Bibel so vertraut, als dieser Mann. Nach jahrelanger, mühsamer Arbeit überreichte er dem heiligen Vater Damasus seine Übersetzung der heiligen Evangelien, worüber der heilige Augustin selbst das Zeugnis ablegte, dass man Gott für diese Arbeit nicht genug danken könne. Der Mann aber, welcher dieses große Werk zur Freude und zum Heile der Kirche vollbracht hat, ist – der heilige Hieronymus.

Wenn dieser heilige Lehrer der Kirche sonst nichts getan hätte, so wäre dieses Werk schon genug, seinen Namen für immer im Andenken zu bewahren. Allein er tat noch mehr als dieses. Begeistert für den Ruhm der Kirche, für den Wachstum des Glaubens, für die Ausbreitung der Gottseligkeit und begabt von Gott mit einer bewunderungswürdigen Kenntnis der alten Sprachen, dazu ein Mann des Gebets und der Betrachtung, durch strenge Buße abgetötet, verbesserte er auch die übrigen Teile des neuen Testaments, und übersetzte das ganze alte Testament in die lateinische Sprache. Diese Verbesserung und Übersetzung der heiligen Schrift von der Hand des heiligen Hieronymus ist unter dem Namen „Vulgata“, die allein gültige in der katholischen Kirche, und vom heiligen Konzil von Trient wird allein deren Gebrauch in öffentlichen Vorlesungen, Unterredungen, Predigten und Erklärungen gestattet.

Das Leben und Wirken des heiligen Hieronymus

Doch du wirst wohl aus dem Leben des berühmten heiligen Mannes noch mehr erfahren wollen, und gerne will ich dir daher genügen:

Der heilige Hieronymus wurde um das Jahr 331 zu Stridon, einer kleinen Stadt in Ungarn, geboren. Seine Eltern, gottesfürchtige Katholiken, versäumten nichts, ihm den besten Unterricht, sowohl in der Religion, als auch in den weltlichen Wissenschaften geben zu lassen, nur ließen sie ihn, wie es damals vielfach der Brauch war, noch nicht taufen. Zu seiner ferneren Ausübung sendeten sie ihn nach Rom, wo er von einem tüchtigen Lehrer Unterricht erhielt, und schnell große Fortschritte machte. Da er als Ungetaufter dem Gottesdienste der Christen nicht beiwohnen durfte, so stieg er an Sonn- und Feiertagen mit mehreren jungen Freunden in die Katakomben, die unterirdischen Grabstätten der Christen, hinab, um dort in der Betrachtung der Leiden, Kämpfe und Siege der heiligen Märtyrer seinen, ihm von den frommen Eltern eingepflanzten Sinn für ein tugendhaftes Leben zu nähren und zu stärken. Allein durch seine heidnischen Lehrer wurde der Stolz in ihm geweckt, und durch den Umgang mit leichtsinnigen Genossen wurde er zu einem sündhaften Lebenswandel verleitet. Er machte nun Reisen nach Gallien, dem heutigen Frankreich, um die berühmten Schulen dort selbst zu besuchen, und kam auch nach Trier am Rhein, wo ihm Gott die Augen öffnete, und die frühere gottselige Gesinnung wieder in Ihm erweckte.

Er entsagte den eitlen Vergnügungen dieser Welt, entschloss sich, dem beschaulichen Leben der Einsiedler sich zu widmen und zog sich nach Aguileja in Italien zurück, wo der heilige Bischof Valerian mit seiner Geistlichkeit ein englisches Leben führte, und mehrere andere heilige Männer in einem Kloster nach der Wiese des heiligen Einsiedlers Antonius lebten. In dieses Kloster zog sich Hieronymus zurück, und empfing aus den Händen des heiligen Valerian die Taufe. Doch nicht lange konnte er hier mit frommen Freunden der Übung der Gottseligkeit obliegen. Seine Schwester hatte den Weg des Heils verlassen, und um sie wieder für Gott zu gewinnen, kehrte er in sein Vaterland zurück.

-Es gelang ihm das gute Werk. Seine Schwester bekehrte sich und legte das Gelübde der Keuschheit ab. Nun reiste der Heilige nach Rom, um dort sein einsames Leben und seine Studien fortzusetzen, da er aber hier sich vielfach gestört sah, entschloss er sich, die damals in strenger Buße und größter Heiligkeit in den Wüsten Asiens lebenden Einsiedler zu besuchen.

Er machte Bekanntschaft mit dem heiligem Amos und Makarius, und von Ihrem Beispiele angefeuert, begab er sich in die Wüste Chalzis. Hier waren, wie er selbst sagte, Skorpionen und wildes Getier seine Gesellschafter, gekochte Kräuter waren seine Nahrung, Wasser sein Trank, der harte Boden sein Lager, ein rauher Bußsack sein Kleid, ringsum hatte die furchtbarste Sonnenhitze alles verdorrt. Doch auch in dieser schrecklichen Einsamkeit fand er die erwünschte Ruhe nicht. Die Erinnerungen an die sündhaften Dinge, welche er als Jüngling zu Rom gesehen, gehört und selbst auch vollbracht hatte, traten vor die Augen seiner Seele; abscheuliche Versuchungen bestürmten Ihn, er betete, er weinte, er fastete, er wachte ganze Nächte und zerschlug sich die Brust; sein Leib war bis auf Haut und Knochen abgezehrt und fast wie tot, und doch hörten die Versuchungen nicht auf und brennende Begierlichkeit durchglühte seinen Leib. Wochenlang genoss er keine Speise. Tag und Nacht schrie er zum Himmel um Hilfe, die schauerlichsten Orte in Felsen und Täler erwählte er sich zum Aufenthaltsort und zum Gebete; schrecklich waren die inneren Leiden, die er auszustehen hatte, und die Buße, die er übte. Doch der liebe Gott tröstete ihn und hielt ihn aufrecht. Öfters, wenn er viele Tränen vergossen und lange die Augen zum Himmel erhoben hatte, sah er sich zu den Chören der Engel erhoben und sang mit Ihnen Loblieder zum Preise des Allerhöchsten.

Daraus mögest Du, lieber Leser, eine zweifache Lehre entnehmen. Fürs Erste, was für traurige Folgen unbezähmte Blicke, Umgang mit bösen Menschen und Nachgiebigkeit gegen die bösen Leidenschaften nach sich ziehen. Viele Jahre waren schon verflossen, seitdem der heilige Hieronymus als Jüngling leichtsinnig gelebt hatte, durch die heilige Taufe waren seine Sünden ihm hinweg genommen worden, seitdem führte er ein gottseliges Leben, und nun in der Wüste, fern von allen Menschen, tauchen die bösen Erinnerungen in ihm wieder auf und Satan benützt sie zu den heftigsten Versuchungen. Daraus magst Du sehen, wie man nie seinen bösen Neigungen nachgeben und seinen Sinne, namentlich den Augen, ungezügelte Freiheit gestatten dürfe!

Fürs Zweite, mögest Du daraus entnehmen, wie man immer und überall auf der Hut sein müsse, wie die Versuchung auch in die Einsamkeit dringt und wie auch mitten im Gebete, im Studium und in strenger Buße, der Reiz zum Bösen den Menschen bestürmt; doch wer treu ausharrt, wer macht, kämpft und sieht, der kann wohl versucht, aber nicht überwunden werden, Gott verlässt die Seinen nicht, und belohnt die treuen Kämpfer mit den süßesten Tröstungen!

Nebst dem, dass Hieronymus, um die Reizungen seines Fleisches zu überwältigen, die strengsten Buße und andauerndes Gebet übte, verlegte er sich, um die sündhaften Bilder zu vertreiben, auf das Studium der hebräischen Sprache. Dazu bediente er sich als Meisters eines getauften Juden. Auf die Erlernung dieser alten Sprache verwendete er den größten Fleiß und die angestrengteste Mühe. Es ging ihm dabei so hart, dass er oft im Begriffe war, das Lernen aufzugeben, weil er glaubte, er könne sein Ziel nicht erreichen. Doch hörte er nicht auf, und es gelang ihm, die hebräische Sprache so gut zu verstehen, zu reden und zu schreiben, wie ein Jude. Die Absicht aber, welche er bei der Erlernung dieser Sprache hatte, war, die heiligen Schriften zu verstehen, worin er Tag und Nacht las. Dabei unterließ er es aber nicht, auch die Bücher der weltlichen, heidnischen Schriftsteller zu lesen, um auch die lateinische Sprache gründlich zu erlernen. Absonderlich las er gerne die Schriften des heidnischen Redners Cicero. Doch dies mißfiel Gott, dem Herrn, der ihn dafür strafte. Er hatte einst einen Traum, in welchem er sich vor den Thron des Weltenrichters gestellt glaubte. Der fragte ihn, wessen Glaubens er sei? Hieronymus gab zur Antwort: „Ich bin ein Christ.“ „Du lügst, sprach der ewige Richter, ein Ciceronianer bist Du, kein Christ; denn wo Dein Schatz ist, da ist auch Dein Herz.“ Hierauf ward er zur Geißlung verurteilt und empfindlich geschlagen. Der Heilige versprach dem Richter, nie wieder weltliche Schriften zu lesen, und verlegte sich von nun an desto eifriger auf die Lesung und Betrachtung der heiligen Schrift, die er fast nicht mehr aus der Hand legte.

Fünf und vierzig Jahre alt, und müde der Streitigkeiten, in welche ihn Ketzer und Abtrünnige verwickelten, zog er nach Antiochia zu einem guten Freund, und empfing dort aus den Händen des Bischofs Paulinus die Priesterweihe, welche er aber nur unter der Bedingnis empfangen wollte, dass er an keine Kirche gebunden wäre. Hierauf begab er sich in das heilige Land und verweilte hauptsächlich zu Bethlehem bei der Krippe des Heilandes. Hier unterredete er sich häufig mit gelehrten Juden, um von ihnen sowohl bessere Kenntnis der heiligen Orte, welche in der Bibel vorkommen, als auch der hebräischen Sprache zu erlangen. Nachdem er auch den heiligen Bischof und Kirchenlehrer Gregor von Nazianz in Konstantinopel gesehen und gehört hatte, reiste er nach Rom, wohin ihn der heilige Papst Damsus eingeladen hatte. Hier beschäftigte er sich, wie wir schon gehört haben, in einer einsamen Zelle mit der Übersetzung der Evangelien, und da seine Gelehrsamkeit und die Heiligkeit seines Wandels immer mehr bekannt wurden, musste er die Leitung mehrerer frommen Matronen aus dem höchsten Adel übernehmen, die mit kindlichem Gemüt seine Worte hörten, und ein wahrhaft demütiges, an Werken der Liebe reiches Leben führten. Auch musste er die Kanzel besteigen, und da er freimütig die herrschenden Laster der verschiedenen Stände angriff und Ihre Ausschweifungen tadelte, so konnte es nicht fehlen, dass sich die Hölle gegen den Heiligen empörte, der ihren finsteren Wegen sich entgegensetzte. Er wurde von mächtigen Feinden bitter verfolgt und schändlich verleumdet. So nirgends Ruhe findend, um Gott, wie er es wünschte, dienen zu können, zog er sich wieder in das Morgenland zurück, und ließ sich zuletzt in Bethelehem nieder. Mit Ihm vereinigten sich mehrerer gleichgesinnte Männer, und so entstand der Orden der Hieronymitter, der heute zu Tage noch besteht.

Neben dem Kloster, dass der Heilige leitete, erbaute die heilige Matrone Paula, die mit Ihrer Tochter, der heiligen Eustochium, die ebenfalls nach Bethlehem gezogen war, ein Kloster für Frauen. In beiden Klöstern sah man das Leben von Heiligen erblühen; denn der heilige Hieronymus versäumte nicht, durch Wort und Beispiel hierzu anzueifern. Gegen 35 Jahren verlebte er an diesem Orte, wo, wie er gar schön schreibt, die Ohren keinen andern Laut als den Psalmengesang vernehmen, wo der Landmann am Pfluge das Alleluja, und der Schnitter und Weinbauer die Lieder Davids singt. Hier führte er wie früher das strengste Leben. Schwarzes Brot war seine Nahrung, ein schlechtes Gewand umhüllte seinen abgemagerten Leib, der nackte Boden war sein Lager, nur einige Stunden schlief er, immer betete er, oder las und übersetzte die heilige Schrift. Obwohl aber fern von der Welt, vergaß er nicht, dass er ein Kind der heiligen Mutter, unserer heiligen, katholischen Kirche ist. Ihre Kämpfe und Leiden, sowie Ihren Ruhm und Ihre Freuden teilte er vom ganzem Herzen. Als daher gottlose Ketzer sich gegen die heilige Lehre der Kirche erhoben und die Einigkeit des Glaubens zerreißen wollten, da erhob auch Hieronymus seine Stimme und ergriff die Feder, um sie zu widerlegen.

Kein Feind der Kirche durfte sich damals sehen oder hören lassen, den er nicht sogleich bestritt, weswegen er auch billig der Hammer der Ketzer und Beschützer der katholischen Kirche genannt wurde. Keine Gefahr, keine Bedrohung der Ketzer, keine Verfolgung, der Tod selbst nicht, konnten ihn davon abhalten. „Der Hund, schrieb er einst, bellt für seinen Herrn, und du willst, ich soll nicht reden für meinen Gott! Sterben kann ich, aber schweigen kann ich nicht.“ Alle Ketzer fürchteten ihn, aber alle wahren Katholiken liebten ihn und von allen Teilen der Welt kamen Briefe an ihn, um seinen Rat einzuholen oder Belehrung zu erhalten. Auch der heilige Augustin stand im Briefwechsel mit ihm.

-So wie er die heilige, katholische Kirche liebte, so auch die Schutzfrau derselben, die allerseligste Jungfrau Maria. Ihre Verehrung und Liebe ist ja ein sicheres Kennzeichen eines wahren Katholiken, sowie Ihre Verachtung ein Zeichen der Ketzerei. Als daher die unstätigen Ketzer, Helvidius und Jovinian, die jungfräuliche Reinigkeit der heiligen Gottesmutter angriffen, verfasste der heilige Hieronymus sogleich sein berühmtes Buch von der immerwährenden Jungfräulichkeit der allerseligsten Jungfrau Maria.

Durch seine gelehrten Bücher, die in zahlreichen Abschriften von Hand zu Hand gingen, wurde sein Name in der ganzen katholischen Welt bekannt, und von Nah und Fern reisten Männer nach Bethlehem, um den Heiligen nur zu sehen.

Doch dieser Ruhm und diese Ehre machten ihn nicht aufgeblasen. Er bekennt selbst in einem Briefe, dass er von Kindheit an nichts mehr zu meiden gesucht, als eitle Ehre, Hochmut und aufgeblasenen Sinn, welche den Hass Gottes nach sich ziehen. Beständig, so kennt er selbst, hatte er den Spruch Christi vor Augen: „Lernet von mir, weil ich sanftmütig bin und demütig vom Herzen.“ In Auslegung der heiligen Schrift glaubte er niemals, so gelehrt er war, seiner eigenen Einsicht, sondern befragte zuerst Gott im Gebete und dann erfahrene, fromme Männer. Um sich in der Demut zu erhalten, stellte er sich seine Sünden vor Augen und oft flehte er, auf den Knien liegend, mit heißen Tränen zu Gott: „O Herr! Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und mein Unwissenheit.“ So strenge er lebte, so sehr er sich der Übung aller Tugenden hingab, so sehr fürchtete er die Gerichte Gottes. Er selbst bezeugt von sich: „So oft ich an jenen entsetzlichen Tag des Gerichtes denke, erzittere ich am ganzen Leibe. Ich mag essen oder trinken oder etwas anderes tun, so kommt mir beständig vor, als hörte ich jenen erschrecklichen Posaunenschall: „Stehet auf, Ihr Toden, kommet zum Gerichte.“ Daher sieht man ihn gewöhnlich abgebildet mit abgemagertem Leibe, tränenvollen Gesicht, kniend vor einem Kreuze, eine Posaune am Ohre. So wie er das Gericht des Herrn fürchtete, ebenso auch die Hölle. Diese Furcht war auch eine der vorzüglichsten Ursachen warum er sich in die einsame Wüste zurückzog und ein so strenges Leben führte. „Aus Furcht vor der Hölle schreibt er, habe ich mich zu einem solchen Kerker verurteilt.“

Diese doppelte Furcht war es auch, die ihn so demütig machte, ohne dass er dabei das Vertrauen auf Gott und die Liebe zu Ihm nur einen Augenblick verlor. Vielmehr war eben dies Vertrauen und diese Liebe zu Jesus der Beweggrund, weshalb er bei den schweren Prüfungen, die er erdulden musste, so standhaft, so geduldig, so gottergeben blieb. Nachdem er sich in die Einsamkeit zu Bethlehem fast ganz vergraben hatte, verfolgten ihn seine Feinde auch noch bis dahin. Seine Gesinnung aber in diesen Verfolgungen drückt er also aus;

Wollte Gott, alle Ungläubigen erhöhen sich zugleich gegen mich! Ich wünschte, dass die ganze Welt sich vereinigte, meinen Wandel zu schmähen, um dadurch das Wohlgefallen Jesus Christi zu gewinnen. Ihr betrügt euch, wenn ihr meint, dass ein Christ ohne Verfolgung leben könne; die größte, die einem widerfahren könnte, wäre, wenn man keine zu bestehen hätte. Nichts ist mehr zu fürchten, als zu langer Friede; zur Zeit des Sturmes ist der Mensch auf seiner Hut und strengt die Kräfte an, um sein Schiff zu retten.- Es ist Gnade, wenn jemand aus Gewissenhaftigkeit um Gotteswillen Widerwärtigkeiten erträgt und Unrecht leidet. Denn was ist es für ein Ruhm, wenn Ihre wegen Verbrechen Züchtigungen erdulden müsst! Aber wenn Ihr Gutes tut und geduldig leidet, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid Ihr berufen, da auch Christus für uns gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen hat, damit Ihr seinen Fußstapfen nachfolgt.“

In diesen Verfolgungen gesellten sich in späteren Jahren auch die Gebrechen des Alters. Seine strenge Buße, seine angestrengten Studien bei Tag und Nacht hatten nach und nach seine Kräfte aufgezehrt. Er musste das Bett hüten und konnte sich nicht einmal von einer Seite zur andern bewegen. Doch unterließ er nicht in dieser Zeit, andere zu lehren, und da er nicht mehr selbst schreiben konnte, ihnen in die Feder zu diktieren. Auch seine Klostergenossen lagen ihm sehr am Herzen. Aus seinem eigenen Vermögen hatte er die Gebäude vergrößern lassen, weil sich die Zahl seiner Schüler vermehrte, und ebenso baute er auch ein Haus für die zahlreichen Pilger, welche alljährlich in das heilige Land und zur Krippe des Herrn kamen, damit sie eine Herberge hätten.

-Er selbst erwies den Pilgern die niedrigsten Dienste. Wenige Jahre vor seinem Tode musste er aber noch den Schmerz erleben, dass pelagianische Ketzer, gegen welche er sich mit dem heiligen Augustin erhoben und gekämpft hatte, die Klostergebäude nieder brannten und plünderten. Er selbst entkam nur durch eilige Flucht ihren Händen. Nach dem Ende der Verfolgung kehrte er wieder nach Bethlehem zurück. Hochbetagt befiel ihn ein schleichendes Fieber. Er freute sich des nahenden Todes, denn schon lange seufzte er nach der Anschauung Gottes und der ewigen Ruhe. Nachdem er sich zur Reise dahin mit den heiligen Sakramenten gestärkt hatte, gab er sanft seinen Geist auf am 30. September 420.

Sein heiliger Leib wurde anfangs zu Bethlehem nahe bei der Krippe des Herrn begraben, in der Folge aber nach Rom gebracht, wo seine Gebeine in der Kirche unserer lieben Frau, genannt der Größern, aufbewahrt werden.- Dort zeigt man auch noch den Kelch und das Messgewand, dessen er sich beim heiligen Messopfer bedient hatte.

Gott hatte es auch gefügt, dass seine Gebeine nach Rom, dem Mittelpunkte des heiligen Glaubens, kamen, wo der heilige Vater über die Einheit desselben wacht.

Nicht leicht hat ein Heiliger so mutig, so beharrlich und auch so siegreich für die Einheit und Reinheit des katholischen Glaubens gekämpft, und nicht leicht hat einer mit solch erstaunlicher Gelehrsamkeit über die Geheimnisse unseres heiligen Glaubens Licht verbreitet als der heilige Hieronymus. Und auch dies ist nicht ohne Fügung Gottes geschehen, dass seine Gebeine in der Kirche unserer lieben Frau ruhen, die er so sehr geliebt und für deren unbefleckte junfräuliche Reinigkeit er so siegreich die Feder geführt hat.

Kernsprüche aus seinem Leben

Aus seinen zahlreichen Schriften will ich einige Kernsprüche hierher setzen, die du zu Herzen nehmen und als Leitstern auf deinem Lebenswege gebrauchen mögest:

  • In allem, was du tust, sieh immer auf das Ende. Die breite Strasse darfst Du nicht suchen, sie zeigt sich von selbst.
  • Ich weiß nicht, wer das Reich Gottes besitzen wird, da schon der Zornige davon ausgeschlossen ist.
  • Gerade dann wirst Du am meisten angefochten, wenn Du die Anfechtungen nicht einmal wahrnimmst.
  • Unter Christen ist nicht der welche Unrecht leidet, sondern der, welcher Unrecht tut, elend und bedauernswert.
  • Arbeite immer etwas, damit der Teufel dich allzeit beschäftigt findet.
  • Der Müssiggang ist ein Rost, der Verstand und Weisheit frisst.
  • Eine Seele, die Gott ergeben ist, schaut auf das Kleine, wie das Große; denn Sie weiß, dass sie von einem jeden unnützen Worte Rechenschaft geben muss.
  • Auch in Widerwärtigkeiten Gott danken, dass können nur Christen.
  • O Einsamkeit! Die Blumen Christi blühen herrlich in Dir. In dir liegen die köstlichen Steine, aus denen die Stadt des großen Königs nach dem Winke der Offenbarung erbaut ist. In dir gedeiht der trautere Umgang mit Gott. Scheuest Du die Armut? Aber Christus preiset die Armen selig. Schrecket Dich die Arbeit? Aber ohne Kampf wird kein Kämpfer gekrönt. Bist Du um Speise bekümmert? Aber der Glaube fürchtet sich vor Hunger nicht. - Du bist viel zu zärtlich, wenn Du hier mit der Welt Freude haben und dort mit Christus regieren willst. Alle irdischen Banden zerbricht die Liebe Gottes und die Furcht vor der Hölle ohne viele Mühe. Wie süß ist es, zu sterben, wenn man gut zu leben gewusst hat!

(Quelle: nach Georg Ott, Legende von den lieben Heiligen Gottes. Regensburg 1884, von FJM überarbeitete Fassung)