Seligpreisung

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Klärung des Wortes Seligpreisung

zum einen ist das Wort aus der Bergpredigt zu nehmen. Aber es gibt auch die Gemeinschaft Seligpreisung. Letzteres behandeln wir unter klösterl. Gemeinschaften.


Seligpreisungen Matthäus 5/3 - 12

»Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. 4 Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. 5 Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen. 6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden. 7 Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden. 8 Selig, die lauteren Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. 9 Selig die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. 10 Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn sie werden Gott schauen. 11 Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch alles Böse gegen euch sagen um meinetwillen. 12 Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß im Himmel. Ebenso nämlich haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.


Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.

Arm im Geiste ist der Besitzende, der sein Herz nicht an Geld und Gut hängt. So war es bei Abraham. Er gab sich zufrieden mit dem, was Lot ihm übrig ließ. So war es bei Job. Als Gott ihm alles nahm, sprach er: „Der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gepriesen!“ So ist’s bei allen, die nicht im Gelde ihre Seligkeit suchen und gerne von ihrem Überflusse den Armen und Notleidenden mitteilen. Arm im Geiste ist der Unbemittelte, der zufrieden ist mit dem, was er hat, den Reichen ihren Besitz nicht missgönnt und nicht übermäßig nach dem Gelde und Gut verlangt, ja der sogar anderen noch hilft und am eigenen Munde abspart, um mehr geben zu können. So war es bei Lazarus. Mit Geschwüren bedeckt, lag er vor der Türe des reichen Prassers, hungrig und verlassen. Kein Wort der Unzufriedenheit kam aus seinem Munde. So war es bei der Witwe, die von ihrer Armut noch Wohltaten spendete und dafür vom Heiland das Lob erhielt, sie habe mehr als alle andern geopfert. Arm im Geiste ist der Demütige der sich nichts einbildet auf Talente und Vorzüge, Glanz und Auszeichnung. So war es bei Karl dem Großen. Er wies den goldenen Königsmantel zurück mit den Worten: „Es ist mir bequemer im kurzen Rocke zu gehen.“ So war es bei Bonaventura, dem Kirchenlehrer. Als die Abgesandten des Papstes ihm den Kardinalshut überbrachten, fanden sie den großen Gelehrten in der Küche beschäftigt. „Hänget den Hut dort an den Nagel,“ sagte er lächelnd, „bis ich die Suppe für meine Brüder hergerichtet habe.“ Das sind die Armen im Geiste, und ihrer ist das Himmelreich, d.h. das irdische und das ewige Glück. Der Arme im Geiste ist gesichert gegen viele Versuchungen. Der Reiche wird leicht verschwenderisch, weichlich und hartherzig. Dem Armen fehlen die Mittel zur Verschwendung; durch sein strenges, arbeitsreiches Leben bleibt er bewahrt vor Weichlichkeit; weil er das Bittere der Armut aus eigener Erfahrung kennt, so hilft er gerne, wo immer er kann. Denn die selber nackt sind, nähen am eifrigsten Hemden für andere. Denn die Armut ist der Boden, auf dem die Tatkraft und jede menschliche Größe gedeiht. Wie die Rebe auf dem nackten, steinigen Felsenboden die köstlichsten Früchte trägt, so ist die geistige Armut der fruchtbare Boden für wahre Menschengröße. Die Armut im Geiste vereinigt uns endlich mit Gott. Der Reiche fühlt sich nicht sonderlich zum Gebete, zur Kirche, zum Beichtstuhl, zur Kommunionsbank hingetrieben, er hat ja alles, was er wünscht.. Warum beten? Warum soll er in die Kirche gehen? Ganz anders der Arme. Er weiß, das er ganz und gar von Gott abhängig ist, dass er ohne Gott nichts, mit Gott alles kann. Darum faltet er die Hände zum frommen Gebete; darum stärkt er sich zum Kampfe mit dem Brote der Starken, darum ist Gott sein Ziel und sein Streben. Und weil er nur Gott sucht hienieden, darum wird er auch im Jenseits für immer mit ihm vereinigt werden. „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich,“ das irdische und ewige Glück.

Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.

Die Trauer und das damit verbundene Leid ist uns ein große Last. Uns Menschen ist es da anempfohlen die Last der anderen mitzutragen. Das wir niemanden mit seinem Leid alleine lassen. Denn es gibt soviel Leid und Tränen auf der Welt. Wenn wir anderen da beistehen dienen wir dem Herrn Jesus Christus der uns die nötige Kraft gibt den nächsten beizustehen. Selig sind die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Wer ist da gemeint ? Es sind die da trauern unter anderen über die Sünden, über die Sünden anderer, über ihr Getrenntsein eines geliebten Menschen und von Gott. Ja, die Sünde ist das größte Unglück das den Menschen treffen kann, sie verunstaltet die Seele und sogar den Leib. Warum? Die Todsünde ist eine schwere Beleidigung Gottes, unseres mächtigsten Herrn. Der Sünder lehnt sich auf gegen den Allerhöchsten und spricht mit dem aufrührerischen Engel: „ Non serviam!“ Ich will nicht dienen!“ Die Todsünde ist der schändliche Undank gegen Gott, unseren besten Vater und größten Wohltäter.Gott ist nur Güte und missbraucht ihre Gaben, um den Herrn schwer zu beleidigen. Die Todsünde ist die niedrigste Treulosigkeit gegen Jesus, unsern liebevollsten Erlöser. Der Sünder bricht den Eid der treue, den er in der Taufe, bei der Kommunion und Firmung geschworen. Das ist die Größe der Sünde. Und warum sind so schrecklich ihre Strafen. Der Sünder verliert die heiligmachende Gnade und mit ihr alle Verdienste und das Anrecht auf den Himmel, er zieht allerlei Unglück, Schande, Gewissensbisse, selbst Siechtum und Entstellung des Körpers zu. Sollen wir da nicht trauern? Solen wir nicht schmerzliche Reue empfinden über die Sünden? Sollen wir nicht die täglichen Leiden und Widerwärtigkeiten, Heimsuchungen und Prüfungen als wohlverdiente Strafe geduldig hinnehmen? Die Bußgesinnung macht unser Leben zu einer heiligen Trauer, zu einer Trauer die der Heiland selig preist. „Selig sind die Trauernden.“ Der wahre Christ trauert auch über die Sünden anderer. Wie viele Todsünden geschehen an einem einzigen Tage, in einer einzigen Stadt ! Und doch ist jede schwere Sünde eine entsetzliche Beleidigung Gottes und der schwärzeste Undank gegen den besten Vater. Müssen wir da nicht trauern? Alls die Stadt Sicelleg, von den Amalekitern geplündert und verwüstet, in Schutt und Asche lag, als Kinder, Söhne und Gattinnen hingemordet waren, da brach das Herr mit David in Tränen aus: „Sie klagten mit ihm, bis ihnen die Tränen versagten.“ Soll nicht gleiche Trauer unser Herz erfüllen, wenn wir an den Schmerz denken, den der göttliche Heiland empfindet beim Verlust so vieler Seelen, über die Verwüstungen des reiches Gottes auf Erden? Sollen wir nicht trauern, wenn wir sehen, wie viele unschuldige Kinder verführt, wie viele Jünglinge und Jungfrauen verdorben, wie viele Christen um Glaube und Tugend und Seligkeit gebracht werden, für wie viele das Blut Christi umsonst geflossen? Selig sind die trauernden, die da weinen über die Sünden der Welt und Sühne zu leisten suchen für die Zahllosen Beleidigungen die Gott angetan werden.

Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land besitzen.

Der heilige Clemens Hofbauer ging eines Tages aus, um in der Stadt Wien für eine schwerbedrängte Familie Almosen zu sammeln. Er kam auch in ein Gasthaus und wurde dort von einem der Anwesenden mit Schmähreden überhäuft. Ja der Übermutige vergaß sich so weit, das er dem Ordensmann ins Ansitz spuckte. Hofbauer nahm ruhig sein Taschentuch und wischte sich das Gesicht ab. Dann wandte er sich, ohne die mindeste Aufregung zu zeigen, an den zornigen Herrn und sagte freundlich: „Wohlan, das war für mich! Nun aber haben Sie die Güte, mir noch etwas für meine Armen zu geben.“ Solcher Sanftmut konnte der Erregte nicht widerstehen. Er nahm seine Börse und überreichte Hofbauer ein Goldstück. Das ist der Sieg der Sanftmut. Sie besteht in der Unterdrückung jeder ungeordneten Erregung des Gemütes, im geduldigen Ertragen seiner selbst und anderer. Die Menschen sind ungleich im irdischen Besitze, im Beruf und Stellung. Da gilt es nun sich gegenseitig zu ertragen, solche werden das Erdreich besitzen.

„Was du immer tust, das tue Mit Besonnenheit und Ruhe !
Tu’ es willig, ernst und still Weil es Gott, wie Gott es will.
Tu’ es so, als müsstest du Alles, Gott nichts tun dazu !
So auch, als ob Gott es tät, Alles tät, dir nichts zusteht.
Gott gibt Gnad’, folg’ ihrem Pfad !
Gott gibt Rat, gib ihm die Tat !
Weise tut, wer vor der Tat im Gebete Gott sich naht.“
W. Edelmann

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden.

Die Gerechtigkeit besteht darin, das wir das Gute allezeit entschieden wollen und deshalb bereit sind, jedem zu geben, was ihm gehört. Gerechtigkeit und Vollkommenheit sind gleichbedeutend. Der Ehrenname „des Gerechten“ wird in der heiligen Schrift jenen zuteil, die auf Erden vollkommen waren und die Krone der Seligkeit erlangt haben. „ Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne“ [Matth.13,43] So ist also die Gerechtigkeit der Inbegriff aller Tugend, die königliche Straße, die zum ewigen Leben führt. Auf ihr sind gewandelt: Abel, der Gerechte; Joseph, der Gerechte. Jesus Christus selbst wird kurzweg „der Gerechte“ genannt. Gegen wen ist denn Gerechtigkeit zu üben ? Vorab gegen Gott. Ihm müssen wir geben, was wir schuldig sind: also glauben an sein Wort. Denn er ist die ewige Wahrheit, die nicht irren und nicht Irrtum führen kann. Und damit die von ihm gestiftete Kirche nur seine Lehre verkünde, hat der Herr sie unfehlbar gemacht. Wir müssen seine und seiner Kirche Gebote halten, die von ihm eingesetzten Gnadenmittel gebrauchen. Der ganze Mensch, der innere und der äußere, muss Gott dienen. „ Mit dem Herzen“ sagt der Apostel, „ glaubt man zur Gerechtigkeit mit dem Munde geschieht das Bekenntnis zur Seligkeit“ [Röm.10,10] Wir müssen gerecht sein gegen den Nächsten: also Ehrfurcht, Liebe und Gehorsam erzeigen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit , Achtung, Liebe und treue befunden gegen unseresgleichen, Schutz, Wohlwollen und liebevolle Fürsorge schenken den Untergebenen, gegen alle Menschen Anerkennung und Heilighaltung ihrer Rechte beweisen und aufrichtige Teilnahme an ihrem Wohle und Wehe. Der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit muss alle Menschen erfüllen, alle müssen Gott geben, was Gottes ist, und dem Nächsten, was ihm gehört. Dort wo Gott als rechtlos erklärt wird, wo der Durst nach Gerechtigkeit schwindet, da stellt ein anderer Durst sich ein, der Durst nach Geld, nach guten Essen und Trinken, nach Befriedigung der niedrigsten Leidenschaften, nach Unterdrückung des Armen, des Arbeiters, des Untergebenen. Wird dieser Durst je Sättigung finden ? Wird er Menschen und Völker glücklich machen? Nein.

Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.

Bedenken wir was wir tun, denn jede gute Tat kommt zu uns zurück, weil es im Gesetz, im Willen des lieben Gottes ist. Genauso ist es mit den schlechten Taten dem Bösen es kehrt auch zu uns zurück. Denn so wie wir sähen werden wir ernten Wer böses säht wird auch böses ernten. Üben wir uns daher fleißig in den Werken der Barmherzigkeit. So steht Gott vor den Augen der christlichen Welt! Er steht vor uns mit einem Herzen von unendlicher Liebe, die alle Menschen beglücken will; er kann zu jedem von uns sagen: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt.“ Muss solche Liebe nicht Gegenliebe, Güte, Erbarmen, Barmherzigkeit in uns wecken? „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Was ist die Welt ohne die Barmherzigkeit? Was wird die Welt durch die Barmherzigkeit? „Wer den Glauben verliert, verliert auch die Liebe“, sagt der heilige Augustinus. Nun aber schwindet der Glaube mehr und mehr, besonders in der Kreisen der sogenannten Gebildeten und halbgebildeten. Mit dem Glauben schwindet aber auch die christliche Liebe. An ihre Stelle tritt die Sucht, möglichst schnell reich zu werden; das Streben nach Geld beherrscht alle Kreise. Die Welt will das Eigentum nicht nach christlichen Grundsätzen besitzen, darum soll sie gar kein Eigentum mehr habe. Die Welt will die christliche Barmherzigkeit nicht üben, drum soll sie verlieren, was sie hat. Gottes Einrichtungen werden nicht ungestraft verachtet und übertreten. Es gibt eine natürliche und eine christliche Barmherzigkeit. Wer Almosen spendet, weil er von natur ein gutes Herz hat, der wird von natürlicher Gutmütigkeit geleitet. Wir wollen derartige Regungen des Mitgefühls nicht tadeln, aber christliche Barmherzigkeit sind sie nicht. Diese gibt aus Liebe zu Gott, weil Christus die Nächstenliebe befohlen und selbst ausgeübt hat, wie nur der Gottmensch sie ausüben konnte, er hat seinen letzten Blutstropfen für uns vergossen. „Um seinetwillen“ d.h. um Christi, um Gottes willen verzeihen, helfen, retten, das ist christliche Barmherzigkeit. So sind die Barmherzigen Nachahmer des himmlischen Vaters.

Selig, die lauteren Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.

Wer den Glauben verliert, sagte Augustinus, der verliert die Liebe, und wir müssen hinzufügen der verliert auch die Reinheit. Pater Franz Borgas pflegte zu sagen: „Drei Dinge hat uns Gott aus dem Paradiese noch gelassen: die Sterne, die Blumen und das Auge des Kindes:“ Die Sterne funkeln am Himmelszelt in strahlender Reinheit und Klarheit; zu ihnen steigt der Schmutz und der Rauch und der Staub der Welt nicht hinauf. Die Blumen glänzen in blendender Schöne; wird die Lilie mit Schmutz bedeckt, so hört sie auf, Lilie zu sein. Das Auge des Kindes ist der Spiegel seiner reinen, unschuldigen Seele. Pater Borgas spielte noch einige Tage vor dem Tode mit Kindern, und seinen Besuchern stellte er sie vor mit den Worten: Sehen Sie, da habe ich Engel aus dem irdischen Paradiese.“ Ja, das unverdorbene Kind ist den Engeln ähnlich, und darum übt es einen unwiderstehlichen Zauber auf jeden Menschen aus, auch den Weltmenschen. Und ebenso der keusche Jüngling, der mit 20 Jahren noch keusch und rein, ist das liebenswürdigste Geschöpf von der Welt,“ sagte der ungläubige Voltaire. Noch größeres Lob spendete Gott der Reinheit „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen,“ sagte der göttliche Heiland [Matth 5,8] „Alles“ heißt es im Buche [Jes.Sir. 26,20] „alles“ was man schätzt ist mit reiner Seele nicht zu vergleichen.“ Ja der heilige Geist bricht gleichsam in Bewunderung aus beim Anblick der Keuschheit und spricht: „O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! Unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und den Menschen steht es in Ehren. Ist es gegenwärtig, so ahmt man ihm nach; entzieht es sich den Augen, so sehnt man sich danach. Ewig triumphiert es mit der Siegeskrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinheit davon“ [Weish.4,1,2] Kann man noch mehr sagen zum Lobe der Keuschheit? Der Herr hat sie auch durch sein Beispiel verherrlicht. Er konnte in einem dunklen Stalle wohnen; er konnte das schlechte Gewand eines Arbeiters tragen; er konnte sich den verbrecherischen Plänen der Schriftgelehrten und Pharisäer aussetzen, er konnte den Verräterfuß des Judas ertragen. Aber eines konnte er nicht zulassen: das seine Reinheit im geringsten verletzt werde. Darum musste seine Mutter, durch ein erstaunliches Wunder der natur, Jungfrau sein und bleiben; jungfräuliche Hände mussten ihn nach Ägypten tragen; reine Jünger mussten ihn umgeben.. Es durften Männer der Arbeit sein, Männer ohne Bildung und ohne Geld; aber Liebe zur Reinheit mussten sie haben. Und am liebsten wahr ihm derjenige, der durch seine makellose Reinheit vor allem sich auszeichnete, Johannes genannt, darum der Lieblingsjünger. Alle, die eine besondere Liebe zum Heiland trugen und von ihm geliebt sein wollten, galten auch als hervorragende Liebhaber der Keuschheit. Um so mehr, da Christus, wie die Barmherzigkeit, so auch die Keuschheit zur Grundlage der gesellschaftlichen Wohlfahrt gemacht hatte. Ohne Liebe zur Keuschheit ist die christliche Ehe nicht denkbar ihre Einheit und Unauflöslichkeit . Wer die Keuschheit nicht liebt, der wird es nicht fassen, dass die Ehe nur zwischen einem Manne und einem Weibe bestehen soll, der wird beim Schwinden irdischer reize die treue nicht bewahren. Ohne Liebe zur Reinheit keine rechte Kindererziehung. Nur eine keusche Mutter besitzt Erleuchtung. Opfermut und Ausdauer, um die Kinder gut zu erziehen. Ohne Liebe zur Reinheit kein Verstand und Wachsen der Völkerfamilien. Wer die Keuschheit nicht liebt, der macht sich nichts daraus, dem Zwecke der Ehe zuwider zu handeln, gegen das Gesetz Gottes zu freveln. Die Reinheit ist auch das Mark der Kirche.

Selig die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Der wahre Friede wohnt nur im frommgläubigen Herzen. Was die Welt Friede nennt, ist nur Unruhe und Verwirrung. Der göttliche Heiland sagt: „Ich bin nicht gekommen, Friede auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert“ [Matth.10,34] Doch was müssen wir unter anderen zur Bewahrung des Friedens tun? Wir müsse mahnen und warnen, wo es notwendig ist; wir müssen tadeln und strafen, wo die Pflicht es verlangt, wir müssen für die Kirche eintreten, die Wahrheit verteidigen, die Lügen und Verleumdungen zurückweisen und, wenn wir selber nicht klar sind über die Sache, uns am rechten Orte Aufklärung holen; wir müssen nach unserer Überzeugung reden, handeln und stimmen, unbekümmert, ob es diesem oder jenem Parteihaupte gefalle oder nicht, ob es zeitlichen Vorteil oder Nachteil bringe. Der Friede mit Gott ist der wahre Friede Diesen besitzt, wer durch den Glauben und die Liebe mit Gott verbunden ist. Welcher Friede wohnt doch im Herzen des gläubigen Katholiken! Der Glaube gibt ihm eine Antwort auf alle Fragen des Lebens. Der Glaube gibt ihm Antwort auf die größten und wichtigsten Fragen: Woher bin ich? Wohin gehe ich? Welches ist der Weg zum letzten Ziele? Der Glaube gibt ihm klare bestimmte Antwort auf alle Fragen, in denen der Mensch Gewissheit verlangt, Gewissheit haben muss, ohne welche er nicht leben und nicht sterben kann. Wie unglücklich dagegen ist der ungläubige daran! Er steht vor lauter Rätsel. Nicht weiß er, wozu er auf Erden ist, ob es eine Ewigkeit gibt, wie man sich ein gutes Los in der anderen Welt sichert. Welcher Friede wohnt im Herzen der Konvertiten d.h. derjenigen, welche nach langem Suchen die volle Wahrheit gefunden und zur Mutterkirche zurückgekehrt sind! Der ehemalige protestantische Prediger Emil Ufteri von Zürich war anno 1864 in München katholisch geworden. „Nie“ so schrieb er an einen protestantischen Freud, „nie in meinem Leben habe ich solche Ruhe und Seligkeit empfunden, als in jenem Augenblicke, da ich an den Stufen des Altars der Bonifaciuskirche kniend das Bekenntnis ablegte: „Ich glaube an die eine katholische und apostolische Kirche, und diese Ruhe und stille Seligkeit haben mich seither nicht mehr verlassen.“ Mit dem Glauben muss natürlich die Liebe verbunden sein, d.h. der Christ muss die heiligmachende Gnade besitzen. Denn nur dann ist seine Seele schön und gerecht; nur dann ist er ein Kind Gottes, ein Freund des Allerhöchsten; nur dann hat er ein Anrecht auf den Himmel. Darum kann auch nur derjenige heiter und fröhlich sein, der in der heiligmachenden Gnade lebt; nur erhat den wahren, vollen Frieden. Habt ihr’s nicht schon selbst erfahren welch’ süßer Friede nach einer guten Beicht in euer Herz einkehrte? War es auch nicht, als ob der Herr auch zu euch gesprochen hat, wie eint zur reuigen Maria Magdalena: „Deine Sünden dir vergeben ! Gehe hin Frieden?“ war es auch nicht, als ob Christus gesagt, wie zu Petrus am Ostermorgen: „Pax tecum!“ „Der Friede sei mit dir?“ Habt ihr’s noch nie beobachtet, welche Ruhe die Seele des Sünders erfüllt, der nach langen Irrfahrten den rechten Weg wieder findet und sich aufrichtig mit Gott aussöhnt? Habt ihr nie gesehen das reine Glück und die selige Freude, welche vom Antlitz des Kindes strahlen, wen es zum ersten Male den Gott des Friedens in sein unschuldvolles Herz empfängt? Der schönste Friede ist der Friede mit sich selbst.

Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn sie werden Gott schauen Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch alles Böse gegen euch sagen um meinetwillen.

Nicht weit vor den Toren Roms, an der Via Appia, befindet sich eine kleine Kapelle, welche das Volk nennt: „Domine quo vadis?“ „ Herr wo gehst du hin? Jedes Kind in Rom weiß dem Pilger zu erzählen, das hier an dieser Stelle Christus mit dem Kreuze dem Apostel erschien. Dieser hatte die Stadt verlassen, um sich der Verfolgung zu entziehen. Petrus fragte den Heiland: „Herr, wo gehst du hin?“ Und der Herr antwortete: „ Ich gehe nach Rom, um mich abermals kreuzigen zu lassen.“ Petrus verstand das Wort. Er kehrte schleunigst zurück in die Stadt und erlitt den Kreuzestod. So berichtet die Legende. Gibt es nicht auch viele Katholiken, die sich den Verfolgungen wo immer möglich zu entziehen? Sie wollen katholisch sein, aber nur so lange, als es nichts kostet, als sie nichts zu leiden brauchen. Darum kommt der göttliche Heiland und sagt: „ Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich.“ Was heißt das? Das heißt 1) Verfolgung leiden um des Glaubens, 2) um der Liebe willen. Es gibt nur einen, der uns wahrhaft glücklich machen kann Gott. Darum haben von jeher alle guten und eifrigen Christen um Gottes, um der Liebe zu Christus willen gerne alles getragen und erduldet. Was vermag doch die natürliche Liebe? Die Jünger des Herrn waren am Karfreitag noch so furchtsam, das sie flohen, den Heiland verließen, jene heiligsten Schüre vergaßen: „Wir wollen mit dir gehen, wir wollen sterben mit dir.“ Alls aber am Pfingsttage der heilige Geist das Feuer der Liebe in ihre Herzen gegossen, da waren sie wie umgewandelt. Sie zogen hinaus in alle Welt, um Jesus, den Gekreuzigten, zu verkünden; sie fürchten nicht Kerker, nicht Geißelung, nicht Tod. Der Diakon Laurentius wurde auf einen glühenden Rost gelegt. Aber in seinem Inneren brannte eine solche Liebesglut, das er das Feuer kaum fühlte; der Rost kam ihm vor wie eine wonnige Lagerstätte. Eine hl.Theresia rief aus: „Auf pati aut mori !“ „Leiden nicht sterben!“ Das ist die Seligkeit des Leidens um Christi willen. „Selig, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse mit Unwahrheit wieder euch reden um meinetwillen; freut euch und frohlocket denn euer Lohn ist groß im Himmel“Jeder wahre Christ hat zu leiden. „Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden Verfolgung leiden“Ihr werdet verspottet, wenn ihr nicht mitmacht bei unkeuschen Reden, Scherzen und Liedern. Ihr werdet ausgelacht, wenn ihr jede Unredlichkeit und Lüge als sündhaft verabscheut. Ihr werdet verachtet, wenn ihr gefährlichen Vergnügen oder leichtfertigen Unterhaltungen fern bleibt. Zeigt, das ihr für Christus Opfer zu bringen imstande seid.


Quelle: entnommen aus dem Buch Der Weg zum Glück Hausschatz für die katholische Familie vom Stadtpfarrer und Dekan Franz Xaver Wetzel. Das Buch erschien im Jahre 1922 im St. Vincenz- Verlag Josef Feyrer