Karthaeuser

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Merkmal der Karthäuser

Die Karthäuser kennzeichnet ein

Einsames Leben und gemeinschaftliches Leben.

Gebet und Buße

Da die Karthäuser Kontemplative sind, so haben sie die Bestimmung, durch die Übung des Gebetes und der Buße die Ehre Gottes und das Heil der Seelen zu fördern; dieses Merkmal haben sie mit den andern beschaulichen Orden gemein. Jedoch üben sie das Gebet und die Buße in einer aus gemeinschaftlichen und einsamem Leben vermischten Lebensweise und darin liegt ihre besondere Eigentümlichkeit. Gerade diese Vermischung von Einsamkeit und Gemeinschaft gibt den Karthäusern ihre wahre Gestalt.

"Speise" für Geist Herz und Leib

Drei Dinge gibt es, welche die Karthäuserregel auf die Zelle und die gemeinschaftlichen Übungen verteilt; und diese sind die dreifache Speise für Geist, Herz und Leib.

Für den Geist

findet der Karthäuser in der Gemeinschaft

  • die langen Lektionen seiner Offizien,
  • die Lesungen im Kapitel und im Refektorium,
  • die öffentlichen Anleitungen und Ermahnungen,
  • den Ideenaustausch in den Erholungen und Spaziergängen.
  • Alle Sonn- und Feiertage kommt man nach der Priem und nach der Non im Kapitel zusammen;
  • und an denselben Tagen findet zwischen Non und Vesper Erholung statt.
  • Einmal in der Woche ist Spaziergang außerhalb des Klosters.

Die Religiosen haben auf diese Weise ziemlich häufige Zusammenkünfte, in denen sie zum großen Nutzen des Geistes ihre Ideen in belebender Unterhaltung austauschen dürfen. Diese Tage machen ein wenig mehr als ein Drittel des ganzen Jahres aus, ohne jedoch bis zur Hälfte zu reichen, denn der Einsamkeit bleibt der überwiegende Teil gewidmet. Außerhalb der zu nützlicher, gegenseitiger Unterhaltung dienenden Zeit ist

  • strenges Stillschweigen, und das ist auch nach den Gelübden der wichtigste Punkt der Regel.

In der Schweigsamkeit der Zelle nährt der Karthäuser seinen Geist durch die Betrachtung und Lesung der großen Vorbilder der Heiligkeit.
Süßer Verkehr, welcher weit vom Tumult, während innen und außen Ruhe herrscht, den Geist befriedigt, und wunderbar erhebt.

Für das Herz

Zur Nahrung seines Herzens hat der Karthäuser in der Gemeinschaft

Die hl. Messe wird nämlich jeden Tag in Konvente gesungen und da jeder Chorreligiose Priester ist, so hat er das Glück, täglich am Altare zu stehen. Das Nachtoffizium und die Tagesvesper werden immer in der Kirche gesungen.
Die kleinen Horen werden nur an Sonn- und Feiertagen gesungen.

  • An Wochentagen wird das Todenoffizzium gewöhnlich im Chor gebetet.
  • In der Zelle betet der Einsiedler: die Komplet, immer; die kleinen Horen, an den Tagen, die keine Feiertage sind; das Todenoffizium zeitweise; und alle Tage ohne Ausnahme das Offizium der allerseligsten Jungfrau.
  • Auch erfreut er sich da des innigen Verkehrs mit Gott allein in der Betrachtung.

Für den Leib

  • Was seinen Leib angeht, so begibt sich der Karthäuser alle Sonn- und Feiertage ins Refektorium und nimmt dort gemeinschaftlich mit den Mitbrüdern seine Mahlzeit zu sich. An anderen Tagen speist er in der Zelle.
  • Erholung und Spaziergang werden gemeinschaftlich gemacht, die Handarbeit aber geschieht regelmäßig in der Einsamkeit; jeder Vater hat ein Gärtchen und einen Arbeitsraum mit Hobel und Drechselbank.

In dieser Weise sind also Einsamkeit und Gemeinschaft auf das Leben der Karthäuser verteilt.

Die Einsamkeit ist dabei die Hauptsache; sie ist das gewöhnliche Element, aus dem der Religiose nur heraustreten darf, wenn die Obliegenheiten des gemeinsamen Lebens es ihm zur Pflicht machen, mit seinen Mitbrüdern zusammen zu kommen. Diese Zusammenkünfte mildern einigermaßen die Strenge der Einsamkeit, welche immerhin die naturgemäße Grundlage und der regelrechte Schwerpunkt des Karthäuserlebens bleibt. Die Luft der Zelle gerade tut dem Karthäuser not und wenn der Wohlgeruch des gemeinsamen Lebens ihn auch bisweilen erquickt, so verhält es sich damit, wie mit dem Weihrauch in den heiligen Zeremonien. Der Wohlgeruch des Weihrauchs verscheucht die schädlichen Dünste der Welt und erinnert an den Liebreiz Gottes; jedoch die Luft, mit der er sich in so nützlicher und zweckmäßiger Weise vermischt vermag er nicht zu ersetzen. Dieselbe Bedeutung hat das gemeinsame Leben im Dasein des Karthäusers; er gebraucht davon so viele wie nötig, um die schädlichen Gemütsbewegungen zu verscheuchen und den Liebreiz Gottes desto besser zu kosten; aber seine eigentliche Atmosphäre bleibt doch immer die Einsamkeit.

Gebet und Busse

Der Karthäuer hat drei Offizien:
Das Tagesoffizium, das Offizium der Mutter Gottes und das Todenoffizium.

Im Tagesoffizium

  • und in der Hl. Messe haben die Riten und der Gesang die althergebrachte, andächtige Einfachheit, den ruhigen ernst, die klagende Langsamkeit beibehalten, welche so sehr zum Glauben des Mönches und zur Majestät seines Gottes passen.Nichts ist da eingeführt, was an sentimentale Abwechslung oder an sinnenreizende Inszenierung erinnern könnte; kein störender Lärm von Musik und Instrumenten, welche ihm untersagt sind.

Der Karthäuser bewahrt in der Feier Offizien den seit der Gründung eingeführten Ritus, welcher eine der schönsten Formen des klösterlichen Gebetes bleibt.
Schön ist es wahrlich, in dieser Kirche zu beten, wo nichts von der weltlichen Aufregung zu merken ist, aber alles die Heiterkeit des Himmels wiederstrahlt. Dieser Gesang und die Zeremonien erheben die Gedanken zu Gott und nur zu Gott, weil sie sich nur mit ihm befassen.Kursiver Text

  • Die Karthäuser haben eine unvergleichliche Andacht zur allerseligsten Jungfrau.

Tagtäglich beten sie

das Marianische Offizium;

in diesem Offizium beginnen und beschließen sie den Tag. Jeden Morgen wird eine hl. Messe am Hauptaltare im Namen des Konvents gelesen; Samstags wird die hl. Messe wenn kein Feiertag einfällt, im Konvente gesungen.

Die Marienfeste, denen gewöhnlich ein Abstinenztag bei Wasser und Brot vorhergeht, werden mit großer Andacht gefeiert.
In jeder Zelle befindet sich an hervorragender Stelle eine Statue der Mutter Gottes, vor welcher der Religiöse beim Eintritt niederkniet und ein Ave Maria betet.
Bringt das kanonische Offizium den Karthäuser in innigen Verkehr mit Gott, so versetzt das Offizium der Mutter Gottes ihn in enge Verbindung mit Maria, der er im Namen der Kirche so viele Huldigungen und so viele Gebete darbringt.

  • Die Andacht für die Verstorbenen ist die dritte Richtung des Karthäusergebetes.

Das Todenoffizium

wird an allen Tagen, die keine Festtage sind, öffentlich gebetet; für jedes verstorbene Ordensmitglied wird es von jedem einzeln verrichtet. Dazu kommen zahlreiche Jahresmessen, Trizenarien (Messen an 30 aneinander folgenden Tagen), Monachate, (6 Messen die jeder Religiöse zu lesen hat, wenn ein Proffesse desselben Hauses stirbt), sodaß die Unterstützung zu Gunsten derer, die nicht mehr sind, in würdigen Verhältnis zu den der Gliedern der noch streitenden Kirche geleisteten Hilfe steht.

Die Bußübungen des Karthäusers,

welche dem Anscheine nach von einem Geiste übertriebener Strenge eingegeben sein könnten, sind es in Wirklichkeit nicht; sie gehen aus jenem Geiste arzneilicher Vorsicht hervor, wodurch die durch Ausschweifungen verletzte Würde der Menschheit wieder hergestellt wird.

Nachtwachen, Bußkleidung

Die Nachtwachen, das Bußhemd, welches beständig getragen wird, die Geißel, die schweren wollenen Kleider erhalten den Körper äußerlich in einer strengen Frische und Kraft;

Fasten und Beten

  • die immerwährende Enthaltung von Fleischspeisen, die Fasten vom 15. September an bis Ostern, die Enthaltung von Milchspeisen im Advent, in der Fastenzeit und an allen Freitagen des Jahres,
  • die Abstinenz bei Wasser und Brot einmal wöchentlich, stellen im Innern diese Anspruchslosigkeit im Geschmack und diese Reinheit der Stimmung her, welche mit der dem Karthäuser eigenen ruhigen und gesammelten Lebensweise durchaus in Einklang stehen.

Und der gewöhnliche Gesundheitszustand verträgt sich mit dieser zugleich harten und leichten, strengen und gemäßigten Lebensweise; Leib und Seele befinden sich wohl dabei.
Das Leben wird dadurch nicht abgekürtzt, sondern seltsam erleichtert; der Leib ist weniger schwerfällig, die Seele freier. Dies bezweckt die Regel und sie erreicht es. Sehen wir nun, wie Gebet und Buße in der Tagesordnung der Karthäuser verteilt sind. Unterscheiden wir zunächst zwischen Tag und Nacht und denken wir uns beide in drei gleiche Teile geteilt.
Wir haben so in der Nacht einen mittleren Teil und zwar die Nachtwache, dem Gebete geweiht; und zwei Teile, einen vorher, den andern nachher, dem Schlafe gegönnt.
Am Tage gibt es umgekehrt zwei Teile, einen zu Anfang, den andern am Ende des Tages, den geistlichen Übungen gewidmet: und einen mittleren Teil, für die Mahlzeit, die Abspannung und die Handarbeit bestimmt. Diese Perioden sind durchaus nicht gleich in ihrer Ausdehnung und Form; denn die Verschiedenheit des Offiziums und der Festtage verleiht ihnen eine Spannkraft, welche jegliche Gefahr der Eintönigkeit hinwegnimmt und in einer dem Wesen nach immer gleich bleibenden Form die verschiedenartigsten Gestalten hervorzubringen weiß.

Das Dasein des Karthäusers ist darum auch so voll Leben und Annehmlichkeit; Einförmigkeit und Neuheit geben sich die Hand in so weisem Maße, dass eitle äußere Zerstreuung un innere Langeweile ausgeschlossen bleiben. Und so sieht sich der Religiöse in seinem Leben des Gebetes und der Buße durch die Schnelle der Zeit, ohne dass er es merkt, den Pforten der Ewigkeit nahe gerückt; und geht er endlich aus der Zelle in den Himmel über, so wird weniger als irgend Jemand auf die Länge des Weges geachtet haben.

zu den klösterlichen Gemeinschaften

Franziskaner, Benediktiner, Karthaeuser, Trappisten , Karmeliterinnen, Klarissinnen, Salesianerinnen.

Quelle

Das dreifache Reich Gottes Impr. 1911